Große Bauprojekte prägen momentan das Bild der Innenstadt von Künzelsau, am PEKA-Areal wird bereits intensiv gebaut, am MUSTANG-Areal ist alles vorbereitet, um mit dem Bau beginnen zu können. Das nächste Großprojekt, das in den Startlöchern steht, ist das neue Landratsamt, von vielen auch als „Kreishaus“ bezeichnet, das nicht nur das heutige Landratsamt ersetzen soll, sondern auch den Stadteingang von Künzelsau stark verändern wird. Vom Rathaus bis zum Kaufland-Einkaufszentrum soll kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.

Das Gebiet der Neuplanung umfaßt den rot umrandeten Bereich. Foto: Sitzungsunterlagen Gemeinderat.
Dies ist jedenfalls der Präsentation von Christine Tritschler vom Büro ORplan zu entnehmen, die sie den Künzelsauer Gemeinderäten am Dienstag, 13. Juli 2021, vorstellte. Einige Veränderungen gegenüber den bisherigen Planungen sowie ein Bauphasenplan waren die wesentlichen neuen Inhalte.

So stellen sich die Planer das neue Gesicht Künzelsaus vor – in etwa 10 Jahren. Deutlich zu sehen die neue Stadtachse zwischen Rathaus und Bergbahn, an der die Gebäude des Landratsamts liegen werden. Quer dazu ist Raum für die Trasse der Kochertalbahn. Foto: Sitzungsunterlagen Gemeinderat.
So ist vonseiten des Kreises kein einhäusiges Landratsamt mehr gewünscht, sondern ein „modulares System“ angedacht, das aus mehreren Gebäuden bedarfsgerecht aufgebaut werden kann. Das zentrale Gebäude soll auf dem heutigen Schotterparkplatz am Kaufland errichtet werden, zwei weitere Gebäude sind östlich davon an der neuen Stadtachse Richtung Rathaus geplant. Auf dem nördlichen Teil des heutigen Schotterparkplatz soll ein Parkhaus für etwa 250 Fahrzeuge errichtet werden. Dieser Teil der Umgestaltung könnte, so Tritschler bereits bis Ende 2023 realisiert sein, sofern der notwendige Bebauungsplan schnell verabschiedet werden kann. In einer späteren Bauphase sollen dann die heutigen Gebäude des Landratsamtes abgerissen und dort ein neues repräsentatives Gebäude errichtet werden. Die weiteren Baumassnahmen, inklusive eines eventuellen Neubaus des Kaufland-Gebäudes werden voraussichtlich mindestens bis 2030 dauern.

Bergstraße: HOBAG-Gebäude und Landratsamt werden neuen Gebäuden weichen. Foto: GSCHWÄTZ
Geplante, aber noch nicht umsetzungsreife Infrastrukturmaßnahmen wie die Kochertalbahn oder ein angedachtes Nahwärmenetz sowie eventuell eine Umgestaltung oder ein Neubau des Kaufland-Gebäudes werden bei den städtebaulichen Planungen berücksichtigt.
Aufgrund der städteplanerischen Vorplanung soll nun ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden, der für Qualität sorgen soll.
Eine „Herzensangelegenheit“
Für Michael Schellmann, den Kämmerer des Kreises, ist das Projekt eine „Herzensangelegenheit“, mit der er sich seit 15 Jahren beschäftigt. Schließlich sollen die derzeit 23 Standorte, an denen Kreisbehörden tätig sind, möglichst am zentralen Standort mit 600 bis 650 Mitarbeitern integriert werden. Das Ziel, die A-Lage zu erhalten und gleichzeitig mit einem modularen Ansatz flexibel zu sein, sei durch die Planungen realisiert worden. Er lobt die lösungsorientierte Zusammenarbeit zwischen Kreis und Stadt und appelliert an die Entscheidungsträger, den ambitionierten Zeitplan durch schnelle politische Entscheidungen zu unterstützen.
Lauffaule Künzelsauer Einkäufer
Verena Löhlein-Ehrler bezweifelt, dass das Parkhaus am richtigen Platz steht, „Wie lauffaul der Künzelsauer Einkäufer ist, sehen wir an den Wertwiesen“, und bemängelt, dass in den neuen Plänen weniger Geschäfts- und Wohnfläche geplant sei. Das kann Tritschler nicht bestätigen: „Die Quadratmeter für das Landratsamt sind gleichgeblieben, tatsächlich sind aber Wohn- und Geschäftsgebäude eher zurückgesetzt“ – und damit auch auf spätere Bauphasen verschoben. Wichtig ist Tritschler, „den Verkehr direkt am Stadteingang abzuholen und ihn nicht durch die Stadt zu führen“, daher sieht sie das Parkhaus an der richtigen Stelle, auch weil es direkt an die Stuttgarter Straße angeschlossen werden soll.
Auch Skepsis gegenüber den Aussagen des Landratsamts geäußert
Aufgrund der Beteuerungen bezüglich des Krankenhauses äußert Boris d’Angelo Skepsis „gegenüber dem, was vom Kreis kommt“. Letztlich, sagt er aber, „gibts für Künzelsau gar keine andere Wahl, als zuzustimmen“. Er sieht ansonsten die Gefahr, dass man das Landratsamt verlieren könnte.
Politische Entscheidungen müssen kommen
Der Gemeinderat stimmte dem Vorschlag einstimmig zu. Bürgermeister Neumann versprach, die Beratungen über den Bebauungsplan unmittelbar nach der Sommerpause aufzunehmen.
Am Montag, 19. Juli 2021, werden die Planungen dem Kreistag vorgestellt. Stimmt auch dieser zu, steht dem Umbau des Gesichts von Künzelsau nichts mehr im Wege. Allein für die vom Kreis geplanten Gebäude sind bis zu 60 Millionen Euro angesetzt.
Text: Matthias Lauterer