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Künzelsau: Jörg Meuthen (AfD) äussert sich gegenüber GSCHWÄTZ zum „Vogelschiss“ und zum „Denkmal der Schande“

Video von der AfD in Künzelsau

Prof. Dr. Jörg Meuthen von der AfD hielt anlässlich der Europawahlen am 26. Mai 2019 am 13. Mai 2019 eine Rede in der Stadthalle in Künzelsau. GSCHWÄTZ war vor Ort und war auch bei der Demo nebenan, die unter dem Motto stand: Für Demokratie gegen Faschismus. Von Meuthen wollte GSCHWÄTZ wissen, wie er zu Aussagen der AfD steht, die in der Öffentlichkeit heftig in der Kritik stehen und der Partei unter anderem den Ruf eingebracht haben, politisch sehr weit rechts zu stehen. Es geht um Hitler und die Nazis, die der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland als „Vogelschiss“ in der Geschichte bezeichnet hat (Gauland beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach. : „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“). Und um die Aussage von Björn Höcke, AfD-Sprecher in Thüringen („Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Dresden, 17. Januar 2017, über das Holocaust-Denkmal in Berlin).

Meuthen zeigt sich in seiner Antwort gegenüber GSCHWÄTZ solidarisch zu seinen Parteikollegen Höcke und Gauland und verweist auf die freie Meinungsäusserung. Er betont aber auch, dass es „auch ein Vorgang der Professionalisierung“ sei, seine Worte sorgsam zu wählen und das ein oder andere Missverständliche einfach weglässt. Da ist jeder angehalten, an sich selbst zu arbeiten.“

AfD-Anhänger Ernst aus Pfedelbach, der sich in der Stadthalle die Rede von Meuthen angehört hat, sieht bezüglich dem Zitat um das Denkmal der Schande eine Verdrehung von Höckes Worten: „Es mag sein, dass manche Äusserungen nicht notwendig sind.“ Aber Höcke habe mit seinem Zitat lediglich ausdrücken sagen wollen, dass Deutschland ein Denkmal hat bauen lassen, das „ein Denkmal der Schande ist. Die deutsche Schande gibt es. Dieser Ausdruck ist richtig. Er hat nicht gesagt, dass es ein schändliches Denkmal ist, sondern dass es in vielen Ländern der Welt ein Denkmal der eigenen Schande nicht gibt.“

In seiner Rede in der Stadthalle in Künzelsau griff Jörg Meuthen wesentlich häufiger als seine Parteikollegin Alice Weidel in Niedernhall vor einigen Wochen das Thema Migration auf. So sagte der EU-Abgeordnete beispielsweie: „Man trichtert uns ein: Multi-Kulti ist doch toll. Und unsere Großweise, Katrin Göring-Eckardt – ein Name, ein Geständnis – [Anm. d. Red.: Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag] fordert: ,Willkommenskultur ist der beste Schutz vor Terroisten.‘ Dabei wissen die [Politiker] natürlich, dass die Migration den betroffenen Ländern Schaden zufügt.“

 




Meuthen (AfD) in Künzelsau: „Stuhlkreis der Vollzeitverstrahlten“

Nanu, das hat einige überrascht. Weder die AfD-Veranstaltung mit Prof. Dr. Jörg Meuthen in der Stadthalle Künzelsau noch die parallel dazu verlaufende Veranstaltung ,Für Demokratie gegen Faschismus‘ konnte viele Menschen hinterm Ofen vorlocken – ganz anders noch die AfD-Veranstaltung mit Alice Weidel in Niedernhall vor einigen Wochen. Dabei zeigte sich Jörg Meuthen als erstaunlich eloquenter Redner – auch wenn er es nicht lassen konnte, auf Europa in seiner jetzigen Version und vor allem auf die Grünen verbal draufzuhauen.

Zunächst aber kritisierte Meuthen die erschwerten Bedingungen, mit denen die AfD während des Europawahlkampfes zu kämpfen hätte. Vor allem Veranstaltungsorte zu finden, werde immer schwieriger, weil die Besitzer dieser Lokalitäten nicht selten negative Konsequenzen befürchten müssten, wenn sie die AfD einen Raum zur Verfügung stellt, berichtet Meuthen. Es herrsche ein „Linksterrorismus ohne Ende“. Er werde angegangen, unter anderem mit den Worten: „Es seien  ja nicht alles Demokraten, auch wenn sie demokratisch gewählt wurden.“

Die wahren Feinde der Freiheit und der Demokratie seien die Grünen, so Meuthen: „Das sind die heutigen Linksfaschisten.“ Eine „völlig verkorkste Klimapolitik“ werde derzeit gemacht. Er habe das Gefühl, dass das Europäische Parlament ein „Stuhlkreis der Vollzeitverstrahlten“ sei und führt als Beispiel hierfür unter anderem auf, dass es einen zehnseitigen Text dazu gebe, wie eine Pizza Napolitana in den Pizzerien herzustellen sei. Weiterhin sei von der EU geregelt, dass ein Kondom „5 Liter Fassungsvermögen“ haben müsse. Sein Fazit: „Belanglosigkeiten werden zu Schicksalsfragen stilisiert.“ Er fordert: „Wir brauchen eine Festung Europa.“ Denn: „Man kann nicht der ganzen Welt helfen, wenn man dafür einen ganzen Kontinent zugrunde richtet.“

Meuthen erhielt für seine Rede Standing Ovations.

Am 26. Mai 2019 sind Europawahlen. Meuthen möchte eine EU der Vaterländer und keine Vereinigte Staaten von Europa.

Prof. Dr. Jörg Meuthen, Bundessprecher der AfD und Europaabgeordneter, in der Stadthalle in Künzelsau. Im Hintergrund: Anton Baron, AfD-Landtagsabgeordneter des Hohenlohekreises.

Meuthen spricht von einer verkorksten Klimapolitik und betitelt die Grünen als Linksfaschisten und Feinde der Demokratie.

Der Wahlkampf sei auch für Meuthen anstrengend, sagen Parteifreunde.

Der Saal in der Stadthalle in Künzelsau blieb bei der Veranstaltung halb leer.

Prof. Dr. Jörg Meuthen und Anton Baron arbeiteten zusammen im Landtag in Baden-Württemberg, bis Meuthen nach Brüssel ging.

Zur parallel verlaufenden Kundgebung ,Für Demokratie gegen Faschismus‘ am Kokolores fanden sich wesentlich weniger Menschen ein als in Niedernhall, als Alice Weidel (AfD) sprach.

Unter anderem sprach die ehemalige Kreisrätin Magda Reichardt aus Niedernhall auf der Bühne.

Organisator Hans-Jürgen Saknus (SPD) lud zur Kundgebung.

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann war auf der Kundgebung am Kokolores und sagt: „Künzelsau ist bunt.“

Die Polizei hatte an diesem Abend nicht viel zu tun.




AfD: Meuthen kommt nach Künzelsau – Gegenkundgebung geplant

Am 13. Mai 2019 kommt Jörg Meuthen, AfD-Bundessprecher und ehemaliger baden-württembergischer Landtagsabgeordneter, nach Künzelsau und wird dort in der Stadthalle eine Rede halten. Neben Meuthen spricht auch der Landesvorsitzende Bernd Gögel. Um 19 Uhr beginnt die Veranstaltung, 18 Uhr ist Einlass. Seit Ende 2017 ist Meuthen Mitglied im EU-Parlament und dort stellvertretender Fraktionsvorsitzender der EFDD. Mit über 90 Prozent der Stimmen wählte ihn die AfD zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Europawahl 2019. Zwischen 17 und 22 Uhr ist eine Gegendemonstration ähnlich wie in Niedernhall geplant, so Hans-Jürgen Saknus (SPD), Versammlungsleiter vom Arbeitskreis für Demokratie – gegen Faschismus. Allerdings nicht direkt vor der Stadthalle, wie es unlängst in Niedernhall der Fall war, als Alice Weidel von der AfD in der Stadthalle eine Rede hielt. Grund: Man möchte der „AfD nicht noch mehr Aufmerksamkeit bescheren“. Die Kundgebung ist daher am und im Kokolores, dem ehemaligen Bahnhof in Künzelsau. Die Gegenveranstaltung zur AfD steht unter dem Motto: „Künzelsau für Menschenlichkeit“ mit dem Hashtag #frueherwarallesbesser

GSCHWÄTZ wird sowohl bei der AfD-Veranstaltung in der Stadthalle als auch bei der Kundgebung am alten Bahnhof vor Ort sein.

Demo gegen AfD-Veranstaltung am 02. Februar 2019 in Niedernhall. Foto: GSCHWÄTZ

Alice Weidel bei der AfD-Veranstaltung am 02. Februar 2019 in Niedernhall. Foto: GSCHWÄTZ

Flyer der AfD zur Veranstaltung in Künzelsau

Banner der Kundgebung des Arbeitskreises für Demokratie gegen Faschismus

Anbei veröffentlichen wir die Pressemitteilung des Arbeitskreises für Demokratie vom 08. Mai 2019:

„Schon 2016 sind Veranstaltungen unter dem Aufruf „Künzelsau für Menschlichkeit“ in Künzelsau
durchgeführt worden. Nun will das Bündnis zusammen mit dem Jugendkulturverein Kokolores e.V.,
dem AK fDgF und weiteren Bündnispartnern aus Hohenlohe daran anknüpfen und lädt die Künzelsauer
Bevölkerung sowie alle Interessierten zur Teilnahme ein. Unter dem Motto #frueherwarallesbesser
wird ein DJ Musik aus verschiedenen Epochen auflegen, lokale Musiker werden live performen. Ab
18 Uhr sind Wortbeiträge und Live-Musik auf dem Parkplatz am Alten Bahnhof vorgesehen. Mit Bannern
und Plakaten plädieren die Teilnehmer für ein respektvolles und zukunftsorientiertes Miteinander
und gegen eine Politik des Rückwärtsgewandten und der Ausgrenzung. Anschließend geht das Fest
in den Räumen des Kokolores weiter.

Der Arbeitskreis für Demokratie – gegen Faschismus (AK fDgF) hat sich Ende 2015 gegründet.
Wir sind ein Zusammenschluss verschiedener Initiativen, Freundeskreisen und Parteien in der Hohenloher
Raumschaft. Die Mitglieder setzen sich ein für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Schutz des
Grundgesetzes und Beachtung der Menschenrechte. Die Demokratie sichert Freiheit und Mitbestimmung
für eine offene Gesellschaft. Der Arbeitskreis wendet sich gegen Entwicklungen von Ausgrenzung,
Menschenfeindlichkeit gegen Einzelne und gegen Gruppen, Hetze und Gewalt. Der Arbeitskreis
ist in Sorge über die Eskalation von faschistischem Gedankengut im Internet und im echten Leben,
Hassparolen gegenüber Andersdenkenden und die Wahlerfolge von Rechtspopulisten, die rechtsradikales
Gedankengut verbreiten. Diesen fatalen Entwicklungen tritt der Arbeitskreis entgegen und
möchte einen Gegenpol setzen gegen hetzerische Auftritte von populistischen und radikalen Gruppen
und organisiert deshalb Kundgebungen.

Darüber hinaus wollen wir die Bildungsarbeit und Aufklärung über die demokratischen Grundlagen
und Prinzipien stärken, zum gesellschaftlichen Diskurs zur Unterstützung der Demokratie anregen und
vor allem in der jungen Generation das Bewusstsein für demokratische Möglichkeiten, Rechte und
Pflichten wecken. In regelmäßigen Abständen sind wir deshalb auf öffentlichen Plätzen und bei Veranstaltungen
mit Informationsständen vertreten. Wir stehen in Kontakt zu Bildungsträgern, der Jugendarbeit,
zu Initiativen und freien Trägern. Der Arbeitskreis lädt alle Demokraten und Demokratinnen zur
Mitarbeit ein.“

Quelle: Arbeitskreis für Demokratie – gegen Faschismus

Flyer Arbeitskreis für Demokratie – gegen Faschismus

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv/Alice Weidel in Niedernhall