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Elisabeth S.: „Susanne freut sich. Dann ist er fertig“

// Richter spielt Audio-Datei von Vier-Augen-Gespräch zwischen Elisabeth S. und Sohn vor

Stephan S. war zu aufgeregt, um mitzuschreiben. Der ansonsten so ruhig und nüchtern wirkende Fotodesigner nahm daher das Vier-Augen-Gespräch mit seiner Mutter Elisabeth S. im Landgericht Heilbronn am 03. Januar 2019 auf seinem IPad auf. Das Gespräch ging insgesamt rund drei Stunden. Zwei Stunden davon wurden von dem IPad aufgezeichnet. Diese Aufzeichnung ließ der Vorsitzende Richter des Verfahrens gegen Elisabeth S., Roland Kleinschroth, nun im Gerichtssaal abspielen. Es geht um die Tatnacht.

Der Ton ist nicht gut und vorab merkt Richter Kleinschroth an dem 12. Prozesstag am 15. März 2019 gegen Elisabeth S. an: Wenn er gewusst hätte, dass Stephan S. nicht mitschreibt, sondern aufnimmt, dann hätte er ihm ein Diktiergerät zur Verfügung gestellt. Aber man versteht als Zuhörer trotzdem den Großteil der Worte, die gesprochen worden sind in dieser ungewöhnlichen Situation. Man hört Elisabeth S. weinen, immer wieder beteuert sie, dass sie Ole doch nie habe etwas antun können. Sie habe ihn doch geliebt. Stephan S. hält sich zurück mit seinen Fragen. Hauptsächlich wird es ein sanftes Frage-Antwort-Spiel zwischen der Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf, die noch mit in dem Raum sitzt, und ihrer Mandantin Elisabeth S.. Es handelt sich daher korrekterweise nicht um ein Vier- sondern ein Sechs-Augen-Gespräch.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Gericht so ein Gespräch während eines Prozesses zugesteht und man hatte sich vor allem eins damit erhofft: Mehr Aufklärung zur Tatnacht.

Das ‚Wie‘ konnte mittlerweile anhand der Spurensicherung und dem Obduktionsbericht geklärt werden: Der siebenjährige Ole T. aus Künzelsau wurde von seiner Ersatz-Oma Elisabeth S. in der Tatnacht vom 27. auf den 28. April 2018 erwürgt. Jetzt geht es darum, die Frage nach dem Warum zu beantworten. Und damit tut sich Elisabeth S. sichtlich schwer. Sie erzählt im Laufe des Gespräches nahezu wortgleich dieselbe Geschichte, die sie vor Gericht bereits am 28. Januar 2019 erzählt hat: Eine Geschichte, die davon handelt, dass Ole nachts aufgewacht sei und keine Luft mehr bekommen habe. Sie habe ihm helfen wollen, ihn an den Schultern geschüttelt und vermutlich auch am Hals, habe ihn schließlich ins Badezimmer geschleift, um ihn mit Wasser „beträufelt“, dabei sei er ihr ins Wasser geglitten. Vermutlich aus Panik habe sie dann das Haus verlassen:

„Ich habe die Tage zuvor nicht so viel geschlafen“

„Er ist eingeschlafen. Ich habe die Tage zuvor nicht viel geschlafen, weil mir so viel im Kopf rumgegangen ist, Dann bin ich aufgewacht. Ole hat sich aufgebäumt und hat so schlecht geatmet. Ole, was ist los?, habe ich ihn gefragt. Ich habe ihn gepackt und geschüttelt. Ich war so in Panik und hatte solche Angst, dass er so schlecht atmet. Ich konnte nicht mehr klar denken. Was mach ich jetzt? Ich kann es euch nicht sagen, warum ich keinen Arzt gerufen habe.“

Wir wissen: Diese nun zum wiederholten Mal von ihr vorgetragene Geschichte entspricht nicht den Tatsachen (wir berichteten).

Immer wieder wird Elisabeth S., wenn sie abschweift in ihren Erzählungen, wieder von ihrer Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf und auch ihrem Sohn  Stephan S. zur Frage nach dem Wie zurückgeführt. Stiefel-Bechdolf macht ihre Mandatin darauf aufmerksam, dass es so nicht gewesen sein könne, wie sie erzählt (wir berichteten). Es seien nur am Hals Würgemale festgestellt worden. Jemand hat mehrere Minuten den Hals des Kindes zugedrückt, bis er erstickt ist. Und die Spurensicherung fand nur Spuren von Elisabeth S.. „Wer drückt jemandem den Hals zu, wenn er keine Luft mehr bekommt?“, wird Elisabeth S. gefragt. Anke Stiefel-Bechdolf spricht klar und deutlich zu ihr: „Sie haben es gemacht. Das müssen sie begreifen.“ Elisabeth S. sagt daraufhin: „Ich habe noch nie so etwas gedacht oder geplant.“ Es scheint nicht in ihr Weltbild zu passen, dass sie ein Kind umgebracht haben soll, daher kann es auch nicht der Realität entsprächen. So zumindest scheint Elisabeth S. diesen Fall zu bewerten. Sie erzählt ihrem Sohn und ihrer Anwältin, wie sie noch beim Verhör bei der Polizei in Künzelsau und in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Gmünd geglaubt habe, dass sich alles bald aufkläre und sie wieder freikomme.

Wer drückt jemandem den Hals zu, wenn dieser ohnehin schon keine Luft mehr bekommt?

Auffällig ist, dass die erzählte Geschichte der Tatnacht immer dann abbricht oder anders weitergeht, wenn es um das Thema, Ole baden‘ geht. Dieses Thema schein losgelöst von einer festen chronologischen Reihenfolge des Abends im Raum zu schweben. In einer ihrer früheren Erzählungen geht sie, als Ole sich weigert zu baden, direkt mit ihm ins Bett, dann erzählt sie, dass sie doch nochmal ins Wohnzimmer einen Stock tiefer gegangen seien. Bei ihrer Erzählung in dem Sechs-Augen-Gespräch scheint dieser Teil der Geschichte fast aus ihrem Gedächtnis verschwunden zu sein. Als sie bereits mit Ole erzähltechnisch im Bett liegt, fällt ihr plötzlich auf, dass die Geschichte mit dem baden ja noch irgendwo einzufügen sei. Ja, wann habe sie nochmal Ole baden wollen? Das Einordnen bereitet ihr offensichtlich Mühe. Warum? Bei so einem Abend brennt sich jedes Detail in den Kopf ein – sollte man meinen. Ist im Rahmen dieses Vorgangs vielleicht etwas passiert? Elisabeth S. hält aber weiter an der Version fest, dass der Junge in der Nacht aufgewacht sei und keine Luft mehr bekommen habe.

Der Sohn bittet seine Mutter, nochmal über Details nachzudenken, es wäre wichtig für die Aufklärung des Falles. So bleibe alles, was geschehen ist, ziemlich vage. Wenn Elisabeth S. nicht noch mehr Details einfallen, wird es ein bitteres Stück für die Eltern werden, dass sie serviert bekommen: Es wird ein Urteil geben, aber keine vollständige Aufklärung über den Tathergang.

Mutter von Ole zusammengebrochen

Als Regine S., die gemeinsame Ärztin von Ole T. und Elisabeth S., an dem 12. Prozesstag nochmal im Zeugenstand Platz nimmt, berichtet sie, dass die Mutter von Ole T., Susanne T., auf der Straße zusammengebrochen sei, als sie gehört habe, dass sich der Prozess noch bis April 2019 ziehen werde. Schon seit geraumer Zeit nimmt lediglich der Vater von Ole T., Dr. Jens T., an den Prozesstagen teil. Auch die zweistündige Audio-Datei hat er mitangehört.

Auch an der Familie von Elisabeth S. gehen die Geschehnisse nicht spurlos vorüber. Der Sohn befindet sich laut eigenen Aussagen mittlerweile in einer Trauma-Therapie. Auch vom Gericht fühlt er sich verkannt:„Ich sitze hier mit einer Verteidigungshaltung und fühle mich ausgenutzt.“ Die Audio-Datei habe er „wiederhergestellt, damit ich nicht aussagen muss. Sonst würde es heißen, ich würde etwas verheimlichen, wenn ich nicht aussage.“ Elisabeth S. versuchte Blickkontakt mit ihrem Sohn herzustellen. Aber Stephan S. würdigte sie keines Blickes. Als er den Raum verließ, brach sie in Tränen aus. Auch der sehr ruhig wirkende Bruder Wolfgang K. nannte als einen Grund dafür, dass er zunächst von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht habe, weil er sich diesen Umständen nicht habe aussetzen wollen, dass sei alles psychisch sehr belastend.

Auch über die Psyche von Elisabeth S. in der Tatnacht erfährt man einiges. Gegenüber dem Sohn und ihrer Anwältin erzählt die 70-Jährige, dass sie Tage zuvor bereits nicht mehr richtig schlafen konnte, dass sie mit den Gedanken immer wieder abgeschweift sei und gar nicht ganz bei Ole war. Sie habe sich schreckliche Sorgen wegen der Entrümpelungihres Kellers gemacht und wie sie das alles schaffen solle:

„Erst musst du etwas essen. Dann kriegst du Schokolade, habe ich zu Ole gesagt. Dann haben wir mit den Autos gespielt. Ich habe in der Küche noch etwas aufgeräumt. Mit den Gedanken war ich noch beim Keller, wie ich das alles auf die Reihe bekomme. Das hat mich wahnsinnig belastet. Ich habe mich aber zusammengerissen.“

Warum habe sie Ole die Haare waschen wollen?, wird Elisabeth S. gefragt. Ihre Antwort: „Susanne freut sich. Dann ist er fertig.“

Elisabeth S. habe laut eigenen Aussagen Angst gehabt, dass den ihr nahestehenden Menschen etwas passiert. Nun ist es diese Angst quasi zu einer selbsterfüllenden Prophezeihung geworden.

Foto & Video: GSCHWÄTZ

 

 




TETs spielen in Künzelsau: Karten ab sofort

Nach zwei vergangenen Konzerten in diesem Jahr steigt die nächste „KÜNightLive sponsored by Adolf Würth GmbH & Co. KG“ am Mittwoch, den 03. April 2019, um 19 Uhr mit den TETs. Die Partyband aus Schwäbisch Hall hat die perfekte Musik für generationenübergreifende Partys. Neben den Klassikern aus Rock und Pop, spielen sie auch die aktuellen Charts, Hits aus den 1990ern und bekannte Oldies.

Die Weinschmiede aus Criesbach verwöhnt die Gäste mit einer Auswahl an Weinen und Fingerfood. Bei den Konzerten im Rathaus-Foyer in Künzelsau spielen an jedem ersten Mittwoch im Monat verschiedene regionale Bands.

Gruppenrabatt ab fünf Personen

Konzertkarten für den April-Termin gibt es für acht Euro im Bürgerbüro im Rathaus, Stuttgarter Straße 7, telefonisch zur Reservierung bei der Stadtverwaltung Künzelsau, Renate Kilb, Telefon 07940 129-121, E-Mail renate.kilb@kuenzelsau.de. Karten an der Abendkasse kosten zehn Euro. Gruppen ab fünf Personen zahlen nur sechs Euro pro Person. Einlass ist um 18 Uhr. Konzertbeginn ist um 19 Uhr.

Weitere Termine

Im Künzelsauer Rathaus Foyer findet auch in diesem Jahr regelmäßig an jedem ersten Mittwoch im Monat ein Live-Konzert statt. Hier die weiteren Termine:

08. Mai 2019 The Uniques

05. Juni 2019 Hautnah

04. September 2019 Gravity

02. Oktober 2019 Little Miss Martin

06. November 2019 Miss Foxy

 

Foto: Die  TETs 2018 bei der KÜNightLive im Rathaus-Foyer. Foto: Stadt Künzelsau/Dirk König




Große Welcome-Party für Alexander Gerst

Der Termin steht: Am Samstag, den 18. Mai 2019, richtet Künzelsau eine große Welcome-Party für den ESA-Astronauten Dr. Alexander Gerst aus. „Wir begrüßen unseren Ehrenbürger nach seinem zweiten Aufenthalt im All und bereiten eine tolle Party gemeinsam mit der ESA und dem DLR vor“, freut sich Bürgermeister Stefan Neumann. Details stehen zwar noch nicht fest. Die Bühnenshow soll aber nachmittags in der Künzelsauer Hauptstraße stattfinden, damit möglichst viele Menschen Astro-Alex live erleben können. Jetzt geht es an die Planung. Neben Alexander Gerst werden Ehrengäste aus Politik und Raumfahrt erwartet.

Christian Freiherr von Stetten, MdB und Mitglied in der Parlamentariergruppe für Luft- und Raumfahrt hat auch Alexander Gersts zweite Mission horizons mit Begeisterung von Anfang an begleitet und war beim Start am 6. Juni 2018 in Baikonur: „Neben den schönen Bildern, welche Alexander Gerst gepostet hat, war seine Mission auch aus wirtschaftspolitischer Sicht ein voller Erfolg. Die deutsche Luft- und Raumfahrt ist ein bedeutender Wirtschaftszweig. Dass der für Raumfahrt zuständige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ebenfalls zur „Welcome-Party“ nach Künzelsau kommt, unterstreicht die Bedeutung der Veranstaltung.“

 

Quelle: Stadtverwaltung Künzelsau

 




Künzelsau: Junge Forscher präsentieren essbares Plastik und einen Elektro-Bollerwagen

Auch Künzelsauer Schüler haben beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht – Schüler experimentieren“ in Heilbronn-Franken wieder Preise und Auszeichnungen errungen. Seit über 20 Jahren unterstützt ebm-papst in Mulfingen diese Ideenschmiede, denn die Schüler von heute sind Techniker und Tüftler von morgen, auf die der Konzern bauen will. Insgesamt gingen in den sieben Fachbereichen 126 Teilnehmer mit 65 Projekten an den Start. Die vielen pfiffigen Ideen und das Engagement der Jugendlichen begeisterten auch in diesem Jahr die Juroren. Bei etlichen Projekten spielten Digitalisierung und Nachhaltigkeit eine große Rolle. So auch bei einemKünzelsauer Mädchentrio vom Ganerben-Gymnasium, das dem überbordenen Plastikmüll zu Leibe rücken will – mit essbarer Plastikfolie. GSCHWÄTZ-Video-Reporter Dr. Felix Kribus war bei der Prämierung der Jungerfinder am Freitag, den 22. Februar 2019, auf dem Campus Künzelsau der Reinhold-Würth-Hochschule  mit dabei und hat sich unter anderem auch den elektrisch betriebenen Bollerwagen mit Kühlfunktion für Cola angesehen.

 

Die Siegerin weiß, wie man Flecken erfolgreich bekämpft. Foto: GSCHWÄTZ

Ralf Sturm erklärt, warum ebm-papst Jugend forscht unterstützt. Foto: GSCHWÄTZ

Diesen Elekro-Bollerwagen haben drei junge Männer erfunden. Foto: GSCHWÄTZ

Fotos: GSCHWÄTZ

Video: GSCHWÄTZ

 

 




20% bei Werkstatt am Schloss in Künzelsau

Bei der Werkstatt am Schloss in Künzelsau, Schlossgasse 12 (fast neben Dies & Das, Richtung Schlossgymnasium) gibt es den kompletten Februar über 20 Prozent auf alle Waren – handmade-Produkte ausgenommen.

 

Geschenkebox. Foto: GSCHWÄTZ




Hochzeitstauben: Zum Sterben verurteilt

Für den schönsten Tag eines Paares, den Tag der Hochzeit, kann man auf eBay Kleinanzeigen für sechs Euro weiße Tauben mit einem niedlichen Gesicht und langem Federkleid kaufen. Doch was passiert mit den Tauben, sobald sie in die Lüfte steigen und das Brautpaar sich anderen Dingen widmet?

Maritta Müller erklärt, warum Hochzeitstauben zum Sterben verurteilt sind. Foto: GSCHWÄTZ

// „Eine traurige Tradition“ //

Maritta Müller vom Taubenhaus in Künzelsau erklärt: „Eine traurige Tradition, dass man am Hochzeitstag weiße Tauben fliegen lässt und die an dem Tag sehr schön findet. In der Regel sind das aber Tiere, die gezüchtet werden für diesen einen Tag. Sie werden frei gelassen und wissen dann nicht wohin, da sie in der Regel kein zu Hause haben. Es kommt ein Greifvogel und holt sie sich, weil sie auffällig weiß sind. Sie sind überzüchtet, haben zu kurze Schnäbel und können nicht richtig picken.“ Müller kümmert sich täglich um die 150 im Taubenhaus in Künzelsau lebenden Tauben und die Stadttauben, welche jeden Tag zur Fütterungszeit vorbeikommen. Auch Hochzeitstauben sind darunter.

// „Für mich ist das kein Sport, sondern Tierquälerei.“ //

Brieftauben ergeht es ähnlich. Die monogam lebenden Tiere würden ihren Partnern entrissen und zum Beispiel 300 Kilometer weiter weg wieder frei gelassen werden. „Die Brieftauben müssen dann wieder nach Hause finden. Die Schnellste und Beste gewinnt und es gibt Preisgelder. Für mich ist das kein Sport, sondern Tierquälerei“, sagt Müller. „Man nimmt das Männchen und bringt es weg. Das Männchen will nichts lieber, als zu seiner Familie und deswegen fliegt es so schnell. Aber oft schaffen sie es nicht.“ Das Taubenhaus beherbergt momentan zwölf solcher Vögel. Man erkennt sie daran, dass sie einen Ring ums Bein haben.

// über 1.000 Tauben weniger in Künzelsau //

Die ersten 20 Tauben hat Müller in der Künzelsauer Innenstadt gefangen und im Taubenhaus eingesperrt, bis sie angefangen haben zu brüten. Danach sind sie nicht mehr eingesperrt, aber sie bleiben dann aus reiner Gewohnheit an diesem Fleck, ihrer neuen Heimat – ein freies Areal rund um ein kleines Gartenhäuschen am Rande von Künzelsau.

// Wer ernährt sich schon gerne von Essensresten und Kippenstummel? //

Aber wie kam es dazu, dass immer mehr Tauben die Städte bevölkern? Früher habe man Tauben gezüchtet, um sie zu essen, erklärt Müller, aber irgendwann habe man die Tauben nicht mehr gewollt. Die Taubenliebhaberin verdeutlicht: „Dazu kommt, dass die Tauben in der Regel krank sind, weil sie nichts zu fressen finden – oder das Falsche zu fressen finden. Tauben sind reine Körnerfresser. In der Stadt finden sie aber nur Essensreste und fressen sogar Zigarettenkippen, wenn es ganz schlimm kommt – weil sie am Verhungern sind.“ Da die Tauben meist im Schwarm auf Nahrungssuche sind, erklärt Müller, sind sie für viele Menschen lästig. Aber auch die Angst vor dem gesundheitsgefährdeten Kot schwirre immer im Hinterkopf der Menschen. „Das ist eigentlich bitter, weil es ein von Menschen gemachtes Problem ist. Menschen sind dafür verantwortlich, dass man den Tauben hilft – so wie hier in Künzelsau. Die Taubenanzahl wird minimiert, in dem man Eier abliest,“ erklärt die Künzelsauerin.

Die Ehrenamtlichen locken die Tauben mit Futter raus aus der Künzelsauer Innenstadt zum Taubenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

// „Riesige Drecksarbeit, aber ich mache nichts so gerne wie das“ //

Eier ablesen bedeute, wenn eine Taube ein Ei legt, nimmt man dieser Taube das Ei weg und ersetzt es durch ein Gips-Ei, damit den Tauben der Eierklau von den Taubenfreunden nicht auffällt. Bisher konnten so über 1.000 Eier entfernt werden. Das seien, so Müller, über 1.000 Tauben weniger in der Künzelsauer Innenstadt.

Für die Arbeit im Taubenhaus will man gut ausgerüstet sein.

So schaut es im Inneren des Taubenhauses aus. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Landrat Dr. Matthias Neth (2. v. li.) und Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (rechts) statteten dem Taubenhaus schon einen Besuch ab. Foto: Taubenfreunde

// Ehrenamtliche gesucht, auch Handwerker //

Das Taubenhaus ist immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die im Taubenhaus aktiv helfen. „Wenn die Tauben gesund sind, sind es wunderschöne, dankbare und intelligente Tiere“, so Müller. Sie betont aber: „Es ist eine riesige Drecksarbeit, aber ich mache nichts so gerne wie das.“ Das Taubenhaus soll um eine Quarantäne erweitert werden. Dafür werden noch Handwerker gesucht.

Wer nicht ausmisten will oder Eier ablesen möchte, kann sich schon darin nützlich machen die schweren Futtersäcke aus dem Auto zu laden. Denn zu den 150 im Taubenhaus wohnhaften Tiere kommen jeden Morgen noch um die 300 Tiere hinzu, die in der Stadt nicht mehr auf der Suche nach Nahrung sind.

Das komplette Interview mit Maritta Müller gibt es als Video auf www.gschwaetz.de.




Richter Kleinschroth: „Das Problem ist nur: Ole ist tot“

Nein. Was sie bei der Polizei direkt nach ihrer Festnahme gesagt habe über die Tatnacht entspräche nicht der Wahrheit. Es sei nur ein „erster Erklärungsversuch“ gewesen. Das gestand Elisabeth S. nun am Montag, den 28. Januar 2019. Hier lesen Sie die komplette Aussage von Elisabeth S. an diesem achten Prozesstag.

18 Fragen sollte Elisabeth S. gegenüber dem Gericht beantworten. Dann spricht sie jedoch fast vollumfänglich über die Tatnacht.

Es ist eine „Einlassung zur Sache“, die nun komme, sagt Anke Stiefel-Bechdolf, die Verteidigerin von Elisabeth S.. Sprich: Die Angeklagte möchte über die Tatnacht sprechen. Es wird mucksmäuschenstill im Großen Strafkammersaal im Landgericht Heilbronn.

Das Mikrofon wird vor ihr platziert. „Es fällt ihr sehr schwer“, bemerkt Stiefel-Bechdolf. Dann spricht Elisabeth S.. Anfangs klingeln ihre Sätze fast identisch mit dem, was sie bereits gegenüber Dr. Thomas Heinrich (siehe Magazin Seiten 12 bis 15) zu Protokoll gegeben hat.

„Es fällt mir sehr, sehr schwer, darüber zu reden. Es ist für mich unbegreiflich. Ole war für mich einer der wichtigsten Menschen. Wir haben nie gestritten. Nie im Leben hätte ich Ole etwas angetan. Es ist mir unerklärlich, wie ich reagiert habe in dieser Nacht.“ Elisabeth S. weint nun und sie wird nicht mehr aufhören zu weinen, bis sie fertig erzählt hat. „Ich hatte keine Angst, ihn zu verlieren. Er ist ja immer zu mir gekommen.“
„In den Wochen davor ging es mir nicht sehr gut. Ich hatte große Schlafprobleme und habe gemerkt, dass ich vieles nicht mehr auf die Reihe bekomme. Ich wollte nur noch im Bett liegen. Ich musste mich zu allem zwingen. Nach aussen habe ich es mir nicht anmerken lassen. Aber ich konnte kein Buch mehr lesen, keine Zeitung. Wenn ich einkaufen war, wusste ich nicht mehr, was ich einkaufen sollte und wollte.“
„Ich habe mir große Vorwürfe gemacht, dass ich das mit dem Keller [Anm. d. Red.: Entrümpelung] nicht auf die Reihe bekomme. Ich habe mich geschämt, weil alles durcheinander war. Ich habe es immer wieder versucht, aber ich hatte keine Kraft mehr. Ich habe mich selber nicht mehr gekannt. Als Ole [Anm. d. Red.: an dem Tattag] vom Tennis spielen kam, war ich müde. Wir haben im Wohnzimmer etwas gespielt. Im Laufe des Spiels habe ich gefragt, ob er baden möchte. Aber als ich das Wasser einlaufen lassen habe, wollte er doch nicht. Ich habe verständnisvoll reagiert. Dann gingen wir wieder nach unten. Ich habe vergessen, das Wasser ablaufen zu lassen. Bei der Polizei war ich sehr durcheinander. Mir war schlecht, schwindlig, habe mich erbrochen, konnte nicht richtig laufen. Ich wollte aus der Vernehmungssituation heraus.“

Die Geschichte mit dem Toben auf dem Bett sei also falsch?, hakt der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth ein. „Ja, es war ein erster Erklärungsversuch“, sagt Elisabeth S.. „Ich habe ihn geschüttelt und am Hals gedrückt. Ich hatte solche Angst um ihn. Ich habe gedacht, er habe etwas verschluckt. Ich habe in Panik nicht abrufen können, was ich gelernt habe. Ich habe am Brustkorb versucht, ihn zu reanimieren. Ich habe ihn an meine Seite gestützt und ins Bad genommen. Er hat nicht mehr reagiert. Ich hatte das Gefühl, dass er nicht mehr atmet. Ich habe ihn über die Badewanne gebeugt und mit Wasser bespritzt. Er hat keine Reaktion gezeigt. Dann wurde ich immer hektischer. Dabei ist Ole in die Badewanne geglitten. Richter Kleinschroth betont, dass das Gericht nach derzeitigem Wissensstand wohl nicht davon ausgeht, dass der Junge ertrunken sei. Trotzdem möchte er von Elisabeth S. wissen, wie Ole einfach so in die Badewanne rutschen konnte. Hier hakt Verteidigerin Stiefel-Bechdolf ein und verweist darauf, dass sie diese Frage auch schon versucht haben, mit ihr zu klären, aber Elisabeth S. wisse es einfach nicht. „Ole war schon im Schlafzimmer leblos“, erzählt Elisabeth S. weiter. „Er war tot und ich habe nicht begriffen, warum. Ich war verzweifelt.“ Aber der Brief, den die Polizei in ihrem Haus gefunden hat, sollte kein Abschiedsbrief sein, sagt die 70-Jährige, sondern „eine Entschuldigung an meinen Sohn dafür, dass ich nicht alles auf die Reihe bekommen habe.“ Das Messer sei mitten im Flur auf ihrer Kommode gelegen, weil sie Angst vor Einbrechern habe. „Als Ole kam, wollte ich es vom Schlafzimmer in die Küche legen. Dann habe ich es vergessen. Ich war in großer Panik, als ich aus dem Haus ging, ich ging Richtung Friedhof, Richtung Kocher. Dort bin ich ins Wasser gerutscht. Ich war verzweifelt. Ich war den ganzen Tag im Wasser gelegen. Ich wollte meinen Sohn anrufen. Ich war fertig. Es ist alles so schlimm. Ich hatte nie das Gefühl, dass Ole nur mir gehört. Ole war eine Freude. Ich wollte Ole nie etwas tun. Ich habe noch nie jemandem etwas getan. Ole war für mich so wichtig. Wir haben uns gut verstanden. Warum sollte ich denn Verlustängste haben?“
Richter Kleinschroth: „Es passierte in der Nacht?“
Elisabeth S.: „Er hat geschlafen und ist dann aufgewacht und hat schwer geatmet. Ich habe die Nächte davor schlecht geschlafen.“
Richter Kleinschroth: „Können Sie sagen, wie lange sie ihn geschüttelt und gedrückt haben?“
Elisabeth S. schüttelt den Kopf und fährt fort: „Ole hat mich nie aufgeregt. Wir konnten auch immer gut miteinander reden. Maßregeln musste ich Ole nie.“
Richter Kleinschroth: „Wollten Sie sich selbst etwas antun? Elisabeth S. sagt, dass sie verzweifelt gewesen sei, aber sie habe sich nicht umbringen wollen.
Richter Kleinschroth: „Können Sie sich erklären, warum Ole nicht überlebt hat?“
Elisabeth S.: „Ich kann es nicht erklären und nicht verstehen.“
Richter Kleinschroth: „Finden Sie, dass Sie zu Recht oder Unrecht hier sitzen?“
Elisabeth S.: „Ich möchte dafür einstehen. Ich mache mir ganz große Vorwürfe, dass alles so gelaufen ist.“
Richter Kleinschroth: „Glauben Sie, dass Sie in Künzelsau noch eine Zukunft haben?“
Elisabeth S.: „Nein. Ich weiss, dass ich anschließend nicht mehr nach Hause kann. Ich möchte so sehr, dass es nicht passiert ist. Nie im Leben würde ich Ole etwas antun.“

Richter Kleinschroth: „Das Problem ist nur: Ole ist tot.“




Elisabeth S. gesteht Falschaussage

Am heutigen (28. Januar 2019) achten Verhandlungstag gegen Elisabeth S., die des Totschlags an ihrem siebenjährigen Zieh-Enkel Ole T. angeklagt ist und sich seit November 2018 vor dem Landgericht Heilbronn verantworten muss, gestand Elisabeth S., dass sie bei ihrer ersten polizeilichen Vernehmung falsch ausgesagt hat.
 
Demnach hat sich Ole nicht beim Herumtoben am Bettposten gestoßen und dadurch am Hals verletzt, sondern er sei in der Nacht aufgewacht und habe schlecht Luft bekommen. Sie habe ihn daraufhin geschüttelt und am Hals gedrückt, weil sie das Gefühl gehabt habe, es stecke möglicherweise etwas in seinem Hals. Daraufhin seit er bewusstlos geworden. Als sie ihn ins Badezimmer geschleppt habe, um ihn mit Wasser zu besprenkeln, war er vermutlich schon nicht mehr am Leben. Es tue ihr alles so leid, sagt Elisabeth S..
 
Der Vater von Ole T., Dr. Jens T., hat heute erneut Zweifel an der Aussage von Elisabeth S. geäussert hat. Er und seine Frau sehen weiterhin das Tatmotiv der Verlustangst im Raum stehen, wie es auch der Erste Staatsanwalt Harald Lustig in seinem Plädoyer beim Prozessauftakt am 27. November 2018 vorgetragen hat.
 
Elisabeth S. wiederum streitet es ab, dass sie das Gefühl gehabt habe, Ole zu verlieren. Sie sei aber in dieser Zeit allgemein in einer schlechten psychischen Verfassung gewesen.



Vandalismus auf dem Künzelsauer Friedhof

In der Nacht von Freitag, den 25. Januar 2019, auf Samstag, den 26. Januar 2019, wurden auf dem Friedhof Künzelsau in der Stettenstraße mehrere Gräber beschädigt beziehungsweise Grabschmuck zerstört. Die Unbekannten rissen Kreuze von den Gräbern, verteilten den Grabschmuck im Friedhofsbereich beziehungsweise beschädigten oder zerstörten diesen. Nach den bisherigen Ermittlungen ist davon auszugehen, dass es sich um mindestens zwei Vandalen gehandelt hat. Bisher konnte noch nicht geklärt werden, wie viele Gräber in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Der entstandene Sachschaden dürfte sich in einem vierstelligen Bereich bewegen. Die Polizei Künzelsau, Tel. 07940 9400, bittet Personen, die Hinweise zu den unbekannten Vandalen geben können, sich zu melden. Außerdem sollen sich Betroffene von geschädigten Gräbern bei der Polizei in Künzelsau melden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 27. Januar 2019




Künzelsau: Zwei vermisste Mädchen wieder da

Die beiden seit Montag, den 14. Januar 2019, vermissten Mädchen aus Künzelsau meldeten sich am Freitagmittag, den 18. Januar 2019,  persönlich bei einem Polizeirevier in Leipzig. Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut. Die Eltern der Vermissten wurden umgehend verständigt und machten sich sofort auf den Weg zu ihren Kindern. Wo die Mädchen seit Montag überall waren konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden. Derzeit ist nicht klar, wieso die beiden von Zuhause wegliefen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 18. Januar 2019

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv