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Künzelsau: Urmel schlüpft aus dem Ei – Karten ab sofort erhältlich

Eines der liebenswertesten Geschöpfe der deutschen Kinderliteratur kommt am Dienstag, den 31. März 2020, in die Stadthalle in Künzelsau. Aus Hannover reist das kleine Ensemble des Figurentheaters „Die Complizen“ an und bringt das Urmel mit. „Urmel schlüpft aus dem Ei“ heißt das 60 Minuten dauernde Stück für Zuschauer ab vier Jahren.

Auf der Insel Titiwu bringt der Professor Habakuk Tibatong Tieren das Sprechen bei. Dann passiert etwas Unerwartetes: Ein großer Eisberg wird an den Strand geschwemmt. Ein Ei befindet sich darin. Der Professor und seine Tiere brüten es aus. Heraus schlüpft ein Urmel. Eine Sensation!

Das Original von Max Kruse bildet die Basis. Angereichert mit den schönsten Momenten des Bilderbuchtitels, mit charakterstarken Figuren auf die Rundbühne gebracht, mit eingängiger Musik vertont und mit verbindenden Mitmachelementen ist das Stück weit mehr als Figurentheater.

Angeboten werden zwei Aufführungen, Beginn ist um 9 Uhr und um 10.30 Uhr, Einlass in die Stadthalle Künzelsau ist jeweils 30 Minuten vor Beginn. Das Stück für Zuschauer dauert ungefähr 60 Minuten.

Eintrittskarten zum Preis von drei Euro sind bei Renate Kilb zu haben per E-Mail renate.kilb@kuenzelsau.de  oder unter Telefon 07940/129 121. Der günstige Eintrittspreis ist möglich, weil die Albert Berner-Stiftung das städtische Kinderkulturprogramm unterstützt.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Digitalisierung erreicht Künzelsau – Kostenlose Werbung für Veranstaltungen möglich

Die Digitalisierung des öffentlichen Raumes hat endlich auch Künzelsau erreicht. Aber vielleicht nicht so, wie sich der Bürger und die Bundesregierung mit ihrem Digitalpakt sich das so vorstellen:
Da stand eine Litfaßsäule mitten in der Stadt. Eine richtig moderne. Nicht so eine alte, bei der man die Plakate draufkleisterte und jedes Jahr einer mit schwerem Gerät die gesammelten Plakate des letzten Jahres abgefräst und danach dem Stadtarchivar übergeben hat.

Alle Veranstaltungen im Blick

Nein, es war eine ganz moderne, bei der man, wenn man dazu berechtigt war und den Schlüssel hatte, das gläserne Rund öffnen und Plakate und Mitteilungen mit Reißzwecken befestigen konnte.
Einmal im Kreis um die Litfaßsäule laufen und alle Kulturveranstaltungen im Blick haben. Was einen interessiert, konnte man näher inspizieren, Uninteressantes konnte man wegblenden. Innerhalb weniger Sekunden war man informiert.
Der Mensch ist recht gut darin, mit einem flüchtigen Blick zu erfassen, dass da unter vielen Unwichtigkeiten etwas ist, was ihn interessiert. Diese Fähigkeit hat ihm zu Zeiten der Säbelzahnkatze oft das Leben gerettet.
Man konnte aber auch einfach vorbeigehen, ohne Kenntnis zu nehmen, irgendwie angenehm unaufdringlich, das Teil.
Und das Allerbeste: Die Säule war nachts sogar beleuchtet.

Zeitgemäßes Ding mit Touch-Funktion

Jetzt steht da so ein zeitgemäßes digitales Ding mitten in der Künzelsauer Innenstadt. Anschaffungskosten: 24.000 Euro. Es zeigt einem eine Veranstaltung an und wenn man gerade genauer nachlesen will – husch – ist das Bild weg und es erscheint irgendwas, was einen nicht interessiert. Warten, bis nach wie vielen anderen Werbebotschaften die eine, die mich interessiert, wiederkommt? Nein, das muss man zum Glück nicht, denn die Säule hat eine Touch-Funktion, mit der man sich auch selbstständig durch das Angebot navigieren kann. Aber diese funktioniert teilweise nur seeeehr stark zeitverzögert. Aber ganz ehrlich: Übersichtlicher fand ich persönlich die gute alte Litfaßsäule.

Ich bin jedenfalls gespannt, wann das Teil zum ersten Mal gehackt wird. Weltweit machen sich ja Menschen einen Spaß aus sowas daraus – und plötzlich erscheinen ganz andere Informationen auf dem Display.

Veranstaltungen kostenlos ankündigen

Wer kein Hacker ist, kann – ganz old school – seine Anliegen über diese neue digitale Säule bewerben lassen. Kostenlos, wie die Stadtverwaltung betont.
Laut Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadtverwaltung Künzelsau, gibt es „zwei Möglichkeiten, Veranstaltungen über das Info-Terminal zu bewerben. Die erste Möglichkeit ist der Veranstaltungseintrag auf der Homepage. Der Veranstaltungskalender der Homepage ist mit dem Info-Terminal verknüpft und erscheint somit automatisch. Jeder darf Veranstaltungen in Künzelsau auf der Homepage eintragen, die nach einer Prüfung von uns genehmigt werden. Die zweite Möglichkeit ist die Bewerbung der Veranstaltung durch ein digitales Plakat auf der Info-Tafel. Das Plakat muss in JPG-Format an helen.buehler@kuenzelsau.de gesendet werden. Beide Möglichkeiten sind kostenlos.“

Ein Kommentar von: Matthias Lauterer

Einmal im Kreis um die Litfaßsäule laufen und alle Kulturveranstaltungen im Blick haben, wie hier in Seligenstadt, das war einmal. Foto: Symbolfoto Litfaßsäule. Quelle: GSCHWÄTZ

 

https://www.gschwaetz.de/2020/01/30/landratsamt-gibt-klares-bekenntnis-zur-kreisstadt-ab-sitz-der-verwaltung-des-hohenlohekreises-bleibt-kuenzelsau/

 




Kupferzell/Künzelsau: Bank führte laut Staatsanwaltschaft Geldtransport in Privat-Pkw durch und wird ausgeraubt

Bei diesem Bankraub stehen nicht nur die Beschuldigten im Mittelpunkt, auch die Volksbank Hohenlohe muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen.

Überfall in Kupferzell 

Aber was genau ist geschehen? Am 01. August 2019 soll eine Mitarbeiterin der Volksbank Hohenlohe gegen 08 Uhr mit ihrem Privatwagen zur Filiale in Kupferzell gefahren sein, im Auto befanden sich wohl 135.000 Euro. Das Geld kommt nicht im dortigen Tresor an: Noch auf dem Parkplatz der Filiale sei die Mitarbeiterin von einem Mann mit Reizgas attackiert worden, das Geld wird geraubt. Der Mann kann zu Fuß entkommen, die unmittelbar eingeleitete Fahndung führt nicht zum Auffinden des Täters.

Überfall in Neuenstein 

Schon vorher, am 18. März 2019, wird die Volksbank Hohenlohe von einem Überfall erschüttert: Ein Mann betritt am frühen Nachmittag die Filiale der Volksbank in Neuenstein, bedroht den anwesenden Angestellten mit vorgehaltener Waffe, fesselt ihn, erleichtert den Tresor um eine hohe Summe, die Süddeutsche Zeitung spricht von zirka 60.000 Euro, und schafft es, die Bank unbehelligt zu verlassen und sich ohne aufzufallen vom Tatort zu entfernen. Der Angestellte kann sich später selber befreien und alarmiert die Polizei, die sofort eine Fahndung einleitet, diese blieb allerdings trotz Hubschraubereinsatz ohne Erfolg.

Einer der Festgenommenen soll ein Azubi der Bank sein

Ein ganz ähnliches Tatmuster findet sich bei zwei Überfällen in Petersberg (Osthessen), wo 2013 eine Geldbotin mithilfe von Insiderwissen und unter Verwendung von Reizgas beim Geldeinwurf in den Nachttresor überfallen wurde und 2016 ein Überfall auf dieselbe Filiale der dortigen Volksbank vorgetäuscht wurde – möglicherweise das Vorbild für die hiesigen Täter? Der dortige Täter, ein Mitarbeiter der überfallenen Bank, konnte 2018 festgenommen werden.

 Verdecke Ermittlungen

Bereits zwei Monate nach dem Überfall in Kupferzell, am 01. Oktober 2019, verkündet die Staatsanwaltschaft Heilbronn den Erfolg der teilweise verdeckt geführten polizeilichen Ermittlungen und vermeldet, dass drei Männer, damals im Alter von 19, 22 und 34 Jahren, vorläufig festgenommen und anschließend dem Haftrichter vorgeführt wurden. Die Beschuldigten kamen daraufhin in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft geht zum damaligen Zeitpunkt sowohl von einem vorgetäuschten Überfall in Neuenstein als auch von Insiderinformationen aus.
Und tatsächlich erscheint ein Auszubildender der Bank von da an nicht mehr an seinem Arbeitsplatz. Offenbar hatte er, wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, Kenntnis davon, dass und wann die Summe von 135.000 Euro in die Filiale verbracht werden sollte – außerdem war ihm auch das Transportmittel bekannt: Der private PKW einer Bankmitarbeiterin, die das Geld alleine und ohne Begleitung in die Filiale transportiert hat. Der Auszubildende ist einer der Festgenommenen und wird sich vor Gericht verantworten müssen.

Geldtransport mit einem Privatauto

Es stellt sich die Frage, warum ein Bankinstitut eine Mitarbeiterin der Gefahr eines Überfalls aussetzt und sie einen derart hohen Betrag in ihrem Privatauto transportieren lässt – die Volksbank Hohenlohe wollte sich auf GSCHWÄTZ-Anfrage nicht dazu äußern, ob Transporte solch großer Geldsummen durch Bankmitarbeiter in deren privaten Fahrzeugen bei der Volksbank üblich sind. Auch auf die Frage, ob dieser Ablauf zwischenzeitlich geändert wurde, wollte die Volksbank „keine weiteren und zusätzlichen Auskünfte geben“. Jochen Leitner von der Volksbank Hohenlohe: „Wichtig ist für uns in dem Zusammenhang, dass wir die Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft nicht behindern und beeinträchtigen.
Deswegen können wir zu dem laufenden Ermittlungsverfahren und zu der zitierten Pressemitteilung keine weiteren und zusätzlichen Auskünfte geben. Bitte haben Sie vielmals Verständnis.“

Vorgetäuschter Banküberfall?

Im Falle des Überfalls in Neuenstein sprachen Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst in einer Pressemitteilung vom 01. Oktober 2019 davon, dass der Überfall vorgetäuscht gewesen sein soll. Was kann man sich unter einem vorgetäuschten Banküberfall vorstellen? Das Geld wurde schließlich tatsächlich entwendet. Ist der Bankmitarbeiter, der gefesselt wurde, eventuell ein Komplize, so dass er sich nach einer Weile auf einfache Weise selber befreien und die Polizei alarmieren konnte? Ist der Angestellte möglicherweise derselbe, der beim Überfall in Kupferzell die Insiderinformationen nutzte? Die Staatsanwaltschaft will sich auf GSCHWÄTZ-Nachfrage nicht konkret hierzu äußern: „Ob sich der Verdacht, der Überfall sei vorgetäuscht worden, bestätigen wird, kann noch nicht gesagt werden.“

Drei Tatbeteiligte?

Laut Staatsanwaltschaft Heilbronn wurde der älteste der drei Festgenommenen inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt, da sich der Tatverdacht gegen ihn nicht erhärtet hat. Die Staatsanwaltschaft geht aber weiterhin von drei Tatbeteiligten aus und sucht nach einem 20-Jährigen, der sich vermutlich ins Ausland abgesetzt hat.

Eine Untersuchungshaft ist laut Paragraf 112 der Strafprozessordnung, falls nicht außergewöhnliche Umstände eintreten, auf die Dauer von sechs Monaten beschränkt, daher dürfte der Prozess spätestens Ende März 2020 beginnen. Es wurde bereits – aufgrund des Alters eines der Festgenommenen bei der Großen Jugendkammer des Landgerichts Heilbronn – wegen gemeinschaftlichen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung Anklage erhoben. Schwerer Raub unter Verwendung einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs (hier das Reizgas) ist nach Paragraf 250 des Strafgesetzbuches mit einer Haftstrafe nicht unter fünf Jahren zu bestrafen. Der Prozesstermin war bis zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Ungesicherter Transport

In diesem Prozess wird die Frage, ob die Art des Transportes – ungesichert ohne Begleitung und in einem privaten Fahrzeug – es den Tätern relativ einfach gemacht hat, eine wichtige Rolle spielen, genauso wie die Frage nach den gesundheitlichen Folgen für die überfallene Mitarbeiterin. Die Antworten werden, sofern ein Schuldspruch erfolgen wird, sicherlich das Strafmaß beeinflussen.

Text: Matthias Lauterer

Es wurde bereits – aufgrund des Alters eines der Festgenommenen bei der Großen Jugendkammer des Landgerichs Heilbronn – wegen gemeinschaftlichem besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung Anklage erhoben. Foto: GSCHWÄTZ/ Archiv

 




Künzelsau: Der weiße Massai-Krieger

Als erster weißer Mann wurde Benjamin Eicher dazu eingeladen, in Kenia ein Krieger der Massai zu werden. Gemeinsam mit seinem Team begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise durch die Serengeti, um einen der ältesten und traditionsreichsten Stämme Afrikas zu erforschen. Auf spielerische Weise lernt er die Heimat seiner Stammesbrüder kennen und taucht tief in ihre Kultur ein.

Die einmalige Live-Vorstellung ist am Mittwoch, den 12. Februar 2020, um 19.30 Uhr im Künzelsauer Filmtheater Prestige.




Künzelsau: Schönen Gruß, ich komm zu Fuß

Das Beste und Schönste aus 25 Jahren Bühne – Ingo Oschmanns Jubiläumsprogramm hat es in sich. Oschmann schafft es immer wieder aufs Neue, sein Publikum zu begeistern. Abwechslungsreich, warmherzig, offen, persönlich, lustig und intelligent geht er auf sein Publikum ein, ohne verletzend oder langweilig zu sein. Staunen und lachen im Sekundentakt.

Am Donnerstag, den 27. Februar 2020, steht er ab 20 Uhr live im Filmtheater Prestige auf der Bühne.




Bedingt einsatzbereit – Rettungsdienst nur eingeschränkt unterwegs

Allein im Dezember 2019 waren die Rettungsfahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Hohenlohekreis viermal nicht voll einsatzbereit. Dies bestätigte DRK-Kreisgeschäftsführer Bernd Thierer gegenüber GSCHWÄTZ. Das wäre im Durchschnitt mindestens einmal wöchentlich. Aber was heißt überhaupt voll einsatzbereit?

Am 11., 15., 16. sowie 23. Dezember 2019 war der Rettungsdienst nur eingeschränkt unterwegs. Das heißt konkret: An allen genannten Tagen war das Notarzteinsatzfahrzeug in Westernhausen nicht besetzt. Der Notarzt musste auf dem Rettungswagen mitfahren. 

Angespannte Personalsituation

Thierer verweist auf die schwierige Personalsituation, die das DRK habe: „In Baden-Württemberg besteht im Bereich der Notfallrettung flächendeckend eine sehr angespannte Personalsituation. Die planerischen Herausforderungen bei der Besetzung der Rettungsmittel durch den Personalmangel können derzeit nahezu vollständig kompensiert werden durch die bestehende Bereitschaft zur Leistung von Überstunden durch unsere Mitarbeiter. Bei kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfällen von Mitarbeitern muss allerdings umgehend darauf reagiert und geeignete Maßnahmen für die Schicht ergriffen werden. Hierzu wurde an den betreffenden Tagen statt eines eigenständigen NEF (Notarzteinsatzfahrzeug), ein NAW (Notarztwagen im Kompaktsystem) an der Rettungswache am Standort Westernhausen betrieben.“

Rettungsdienstler bemängeln, dass dadurch der Notarzt nicht mehr unabhängig agieren könne und eventuell bereits früher zu der nächsten Unfallstelle aufbrechen müsse, sondern dadurch gebunden an den Notarztwagen sei, in dem er mitfahren müsse. Angesichts der angespannten Personalsituation, mit der das DRK bereits seit mehreren Jahren zu kämpfen hat (wir berichteten), stellt sich die Frage, mit welchem Personal die zusätzliche Rettungswache in Kirchensall (und möglicherweise in Stachenhausen), die angekündigt wurde (wir berichteten), betrieben werden soll.

Immer wieder war im Zuge der Krankenhausschließung im Gespräch, den Rettungsdienst finanziell und personell zu stärken. So wirklich stark wirkt er momentan allerdings nicht.

DRK sucht Rettungsdienstler

Das Deutsche Rote Kreuz Hohenlohe sucht Rettungsdienstler.
Anforderungen: abgeschlossene Ausbildung zum Rettungssanitäter, Führerschein Klasse B (langfristig C1), persönliches Engagement und soziale Kompetenz. Die Bewerber sollten die Bereitschaft zur Teilnahme am Schichtdienst und kontinuierlicher Weiterbildung mitbringen.

Mehr Informationen: http://www.drk-hohenlohe.de




Künzelsauer HNO-Arzt Dr. Krist kritisiert Landrat: „Er möchte Künzelsau auf das Niveau von Bieringen runterfahren“

Der Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Matthias Krist hatte GSCHWÄTZ vor nicht allzu langer Zeit einen Leserbrief zukommen lassen, den wir in unserer Printausgabe abgedruckt haben – und bei dem wir noch einige Nachfragen hatten. Thema: Gesundheitsversorgung in Künzelsau. Daher haben wir den HNO-Arzt zu einem Interview zu uns in die Redaktion gebeten. Krist hat zugesagt und sprach mit GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann unter anderem über die schlechte Bezahlung von Fachärzten und warum er zwischen seiner Praxis in Künzelsau und dem Öhringer Krankenhaus pendelt.

GSCHWÄTZ: Dr. Krist, in Ihrem ersten Punkt in Ihrem Leserbrief weisen Sie darauf hin, dass Künzelsau kein ambulantes Problem habe. Aber wir haben doch de facto Engpässe im Rettungsdienst und eine neue Notarztpraxis, bei der der Notarzt fast nicht handlungsfähig ist (wir berichteten).

Krist: Zu einer ambulanten Versorgung gehört per Definition nicht der Rettungsdienst und nicht die Notarzt-Versorgung. Die ambulante Versorgung beinhaltet die Arztpraxen, die auch einen Notdienst haben. Wir haben aber nichts mit dem Krankenhaus zu tun. Wir sind völlig autark. Der Rettungsdienst ist ebenfalls völlig autark. Er ist sozusagen der verlängerte Arm des Krankenhauses. Wir haben seit 1945 eine gute ärztliche Versorgung hier in Künzelsau. Es gibt eigentlich keine echten Defizite. Es ist eigentlich alles vorhanden.

„Wir haben ein sehr unsoziales Kassensystem“

GSCHWÄTZ: Ob das die Patienten, die einen Kinderarzt brauchen, so unterschreiben würden? Immerhin gab es früher in Künzelsau und Ingelfingen einen Kinderarzt, nun gibt es nur noch Dr. Marcel Monn, der zwar hervorragend arbeitet, dessen Praxis aber auch sehr voll ist.

Krist: Ich muss auch in Kauf nehmen, nach Öhringen zu fahren, wenn ich zum Kinderarzt will. Ich verstehe sehr wohl, dass jemand den Kinderarzt vor Ort haben will, aber die Politik will diese gute Versorgung nicht – weder bei den Ärzten, noch beim Krankenhaus. Weil sie das Geld, das sie von den Leuten dafür einnehmen, anderweitig verwerten.

„Ich kalkuliere mit einem Nettoverdienst bei einem Kassenpatienten über drei Monate (pro Quartal) von drei Euro als Facharzt.“

GSCHWÄTZ: Inwiefern?

Krist: Wir haben ein sehr unsoziales Kassensystem. Nehmen Sie nur mal die Schweiz. Der Staat zahlt dort aus Steuermitteln aus dem gesamten Steueraufkommen die Gesundheitsversorgung und in Deutschland zahlen nur die, die arbeiten. Das ist in höchstem Maße unsozial. Man hätte mehr Geld, wenn der Staat und nicht die Bürger für all diejenigen aufkommen müsste, die nicht einzahlen. Wir haben sehr viele Leute, die nicht mehr arbeiten oder arbeiten können. Zusätzlich gibt es ein Verteilungsproblem in der Gesundheitsversorgung. Die größten Kürzungen hat der ambulante Bereich 1996 hinnehmen müssen. Wir arbeiten heute für den gleichen Umsatz wie 1978. Ich kalkuliere mit einem Nettoverdienst bei einem Kassenpatienten über drei Monate (pro Quartal) von drei Euro als Facharzt. Der reine Umsatz pro Patient liegt bei 33 bis 35 Euro. Rund 30 Euro Unkosten können Sie davon abziehen. Dann bleiben pro Patient rund drei bis fünf Euro Gewinn. Beim Hausarzt schaut es besser aus. Er fängt mit 60 Euro Umsatz an bis zu 100 Euro. 1996 hat der Hausärzteverband erwirkt, dass die Hausärzte mehr Geld bekamen. Die Fachärzte wurden dementsprechend runtergekürzt. Hinzu kommen Hausarzt-Modelle, die lukrativ und auch sinnvoll sind, aber der Mangel an Fachärzten wird kommen.

Krist wird im Jahr 2020 60 Jahre alt. Seine HNO-Praxis in Künzelsau hat er von Dr. Grell 1996 übernommen. Die Praxis wurde laut Krist seitdem ausgebaut, unter anderem kam eine große operative Abteilung dazu. Neben seiner Praxistätigkeit arbeitet Krist für das Hohenloher Krankenhaus und führt in Öhringen Operationen durch. Er sagt, er arbeitet rund 60 Stunden wöchentlich im Durchschnitt – mal mehr, mal weniger.

GSCHWÄTZ: Warum sinkt die Attraktivität für Medizinstudenten, Facharzt zu werden?

Krist: Ich habe rückblickend in den ganzen 25 Jahren keinen einzigen Tag gehabt, wo ich heimgekommen wäre und gesagt habe: Da hat sich was verbessert. Es ist alles kontinuierlich schlechter geworden. Es funktioniert trotz der politischen Vorgaben, nicht wegen. Wir Ärzte sind Lebenskünstler. In fünf oder sechs Jahren hat man die Lebenskünstler nicht mehr. Dann hat man eine andere Generation. Die macht das nicht mehr mit.

„Der Fachkräftemangel wird kommen“

GSCHWÄTZ: In Ihrem Leserbrief sind Sie absolut gegen ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) für Künzelsau. Warum?

Krist: Weil wir in dem Ärztehaus bereits sehr viele Arztpraxen haben. Ein MVZ macht dann Sinn, wenn ich noch nichts habe und Ärzten eine Möglichkeit geben will, Fuß zu fassen. Für etablierte Praxen so wie die im Ärztehaus wird durch ein MVZ alles signifikant uninteressanter, mit den daraus resultierenden Folgen für die Patientenversorgung der Zukunft.

GSCHWÄTZ: Ist das bestehende Ärztehaus nicht quasi schon ein MVZ nur unter anderem Namen?

Krist: Im Ärztehaus arbeiten alle autark und für sich. Sie zahlen lediglich Miete für die Räume. Bei einem MVZ haben Sie einen Träger (Anm. d. Red.: In Künzelsau ist es die BBT-Gruppe gemeinsam mit dem Hohenlohekreis), dem das MVZ gehört. Die Ärzte mit ihren bestehenden Arztpraxen müssten sich bereiterklären, ihre Praxen an den Träger zu verkaufen, um dann im Angestelltendasein zu arbeiten. Ich könnte meine Praxis verkaufen ans MVZ und könnte dann für diesen Träger arbeiten. Das wäre etwa kurz vor der Rente interessant. Ansonsten ist das aber absolut unattraktiv für die bestehenden Praxen. Zudem erhält ein MVZ Zuschläge pro Arzt. Dadurch kann das MVZ aggressiver auf dem Markt auftreten. Das wäre dann eine neue Konkurrenz besonders für die Hausärzte.

GSCHWÄTZ: Das MVZ in Forchtenberg wird gern als Positiv-Beispiel von diversen Kreisräten genannt.

Krist: Das MVZ in Forchtenberg ist ein privates MVZ mit einem sehr guten Geschäftsführer, der gleichzeitig auch Doktor mit einer Praxis ist. Diese Kombination gibt es selten.

„Es gibt bereits den hausärztlichen Notdienst. Dieser reicht völlig aus.“

GSCHWÄTZ: Eigentlich haben wir doch schon alle wichtigen Ärzte in dem Ärztehaus in Künzelsau vereint, oder?

Krist: Wir bräuchten noch Neurologen, einen weiteren Kinderarzt sowie zwei HNO-Ärzte.

GSCHWÄTZ: Wir bräuchten auch einen handlungsfähigen Notarzt im Sitzdienst im Krankenhaus in Künzelsau. Momentan darf der Notarzt keine Patienten versorgen, sondern nur beratend tätig sein.

Krist: Es gibt bereits den hausärztlichen Notdienst. Dieser reicht völlig aus. Man kann ihn nachts und am Wochenende immer anrufen. Diesen Notdienst gibt es nicht nur für Hausärzte, sondern auch für Fachärzte.

„Bevor die Schließung im Gespräch war, gab es mal Pläne für ein Hohenloher Krankenhaus auf der grünen Wiese – also weder in Künzelsau noch in Öhringen“

GSCHWÄTZ: Aber ist bei den Patienten hier nicht die Hemmschwelle größer, einen Hausarzt nachts aus dem Bett zu klingeln, als einfach ins Krankenhaus zu fahren, um dort versorgt zu werden?

Krist: Das Problem ist, dass mittlerweile in den Notfallambulanzen dermaßen viele sitzen, die sich einfach die Wartezeiten in den Praxen sparen wollen. Das Problem beim Hohenloher Krankenhaus ist, dass der strategisch denkbar ungünstigste Teil – nämlich Künzelsau – geschlossen wurde, weil Öhringen zu nah an Heilbronn grenzt. Bevor die Schließung im Gespräch war, gab es mal Pläne für ein Hohenloher Krankenhaus auf der grünen Wiese – also weder in Künzelsau noch in Öhringen. Dieser Neubau hätte in Neuenstein stehen können oder irgendwo an der A6 zwischen Künzelsau und Öhringen. Aber diese Pläne hatte man dann wieder verworfen.

„Er hat eine Altersresidenz aufgebaut, die eine der besten Deutschlands ist“

GSCHWÄTZ: Wie sehen Sie das neue Ärztehaus von Christian von Stetten in Schloss Stetten, das im Frühjahr fertig werden soll?

Krist: Herr von Stetten unterscheidet sich von Landrat Dr. Matthias Neth dadurch, dass alles, was er macht, klug ist. Er hat eine Altersresidenz aufgebaut, die eine der besten Deutschlands ist und daran eine Altersversorgung anzuschließen, ist nur logisch und konsequent. Wäre er in der Lage, darüber hinaus ein Facharztzentrum mit Kurzliegebetten zu etablieren, die von den Ärzten selbstständig bewirtschaftet werden können, dann wäre das Defizit, das durch die Schließung des Krankenhauses entstanden ist, weitestgehend kompensiert.

„Öhringen liegt an der falschen Stelle, da es direkt vor Heilbronn liegt.“

GSCHWÄTZ: Aber die Politik möchte diese Lösung bislang nicht, da die Ärzte, die in diesem neuen Haus arbeiten würden, dann auch eine kassenärztliche Erlaubnis haben müssten. Die deutsche Krankenhausgesellschaft (starke Lobby) müsste Betten abtreten an von Stetten. Und das will eine der stärksten Lobbys in Deutschland sicher nicht.

„Im Übrigen: Ich bin zufrieden in Künzelsau“

GSCHWÄTZ: Sie pendeln ja derzeit zwischen Ihrer Praxis und dem Öhringer Krankenhaus als weiterem Arbeitsplatz drei- bis viermal wöchentlich. Können Sie sich vorstellen, langfristig ganz nach Öhringen mit Ihrer Praxis zu gehen?

Krist: Nein, hier zumachen steht nicht zur Debatte. Wir haben eine sehr große und leistungsstarke Praxis. Ein Umzug nach Öhringen ist nicht sinnvoll. Das wäre auch mit enormen Investitionen verbunden. Im Übrigen: Ich bin zufrieden in Künzelsau.

GSCHWÄTZ: Wie schätzen Sie den Neubau in Öhringen ein? Es gibt ja kritische Stimmen, die sagen, dass er gar nicht kommen wird.

Krist: Ganz schwer zu sagen. Meine persönliche Einschätzung: Wir werden da noch so manche Überraschung erleben und mir ist nicht klar, ob da tatsächlich ein Krankenhaus gebaut wird. Öhringen liegt an der falschen Stelle, da es direkt vor Heilbronn liegt. Künzelsau wäre geografisch richtiger. Aber der Landrat möchte Künzelsau auf das Niveau von Bieringen herunterfahren.




Künzelsau: Einbruch in Jugendhaus

Zu einem Einbruch in das Künzelsauer Jugendhaus im Lipfersberger Weg kam es innerhalb der vergangenen Tage. Im Zeitraum von Donnerstag, den 23. Januar 2020, ab 16.30 Uhr bis Montag, den 27. Februar 2020, um 17.45 Uhr wurde das Fenster mit einem Werkzeug aufgehebelt. Entwendet wurde offenbar nichts, jedoch entstand ein Sachschaden in Höhe von zirka 200 Euro.

Es wird gebeten, Hinweise zu den Einbrechern und dem Tathergang dem Polizeirevier Künzelsau unter Telefon 07940/94 00 zu melden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 28. Januar 2020




Künzelsau: Erste KÜNightLive 2020 mit Gonzo’s Friends

Nach der zweimonatigen Winterpause startet die Künzelsauer Konzertreihe „KÜNightLive“ gleich mit einem Highlight: Am Mittwoch, den 05. Februar 2020, sind Gonzo´s Friends ab 19 Uhr zu Gast im Rathaus-Foyer. Die Band hat zehn Jahre lang Josip „Gonzo“ Krolo begleitet.

Michael Breitschopf ist ein Bandmitglied, das sich in den letzten Jahren bei vielen Auftritten – auch solo – einen Namen gemacht hat. Er konnte bei „Jugend musiziert“ mit seinem „Duo Tirando“ und als Solokünstler erste Lorbeeren als Fingerpicking-Spezialist auf der Akustischen Gitarre und am Gesang einheimsen. Jetzt steht er mit anderen Musikern auf der kleinen Bühne im Rathausfoyer für ein Konzert. Gonzo’s Friends stehen für handwerklich und künstlerisch hochwertige Covermusik, der in jedem Takt anzumerken ist, dass Komponisten und Songwriter am Werk sind, die ihr komplettes künstlerisches Potenzial einbringen. 

Kulinarisch werden die Besucher mit verschiedene Leckerbissen und kühlen Getränken verwöhnt. Karten für den Februar-Termin gibt es für acht Euro im Bürgerbüro im Rathaus, Stuttgarter Straße 7, telefonisch zur Reservierung bei der Stadtverwaltung Künzelsau, Renate Kilb, unter Telefon 07940/129 121 oder per E-Mail renate.kilb@kuenzelsau.de. Karten an der Abendkasse kosten zehn Euro. Gruppen ab fünf Personen zahlen nur sechs Euro pro Person. Einlass ist um 18 Uhr. Konzertbeginn ist um 19 Uhr.

Quelle: Stadtverwaltung Künzelsau

 

Gonzo’s Friends stehen für handwerklich und künstlerisch hochwertige Covermusik. Foto: Dirk König

 




Garnberg: Fahrzeug rollt über Beine einer Frau

Im Krankenhaus endete die Autofahrt für eine 61-Jährige in Künzelsau am heutigen Dienstag, den 28. Januar 2020. Diese befuhr gegen 6 Uhr mit ihrem PKW die Langenburger Straße in Richtung Amrichshausen. Auf Höhe der Einmündung Garnberg hörte sie ihr Handy klingeln, weshalb sie vorbildlich in der dortigen Haltebucht zum Telefonieren anhielt und ausstieg. Die Frau vergaß jedoch, die Handbremse des Fahrzeugs anzuziehen, weshalb dieses zu rollen begann. Hierbei stürzte die Frau und das Fahrzeug rollte über ihre Beine. Erst an der Leitplanke kam das Fahrzeug zum Stillstand.

Sachschaden entstand nicht. Jedoch musste die Frau leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 28.01.2020