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„Größtes Hilfspaket in der Geschichte Deutschlands“

Derzeit regnet es Hilfsgelder für die durch die Coronakrise angeschlagene Wirtschaft in Milliardenhöhe. Das Bundesfinanzministerium bezeichnete es als „größ­tes Hilfs­pa­ket in der Ge­schich­te Deutsch­lands“ https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-13-Milliarden-Schutzschild-fuer-Deutschland.html

Insgesgesamt 50 Milliarden stellt der Bund laut eigenen Aussagen allein für unbürokratische Soforthilfe für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler bereit. Indes fragt das Nachrichtenmagazin Spiegel zu Recht: „Wo kommen all die Milliarden her?“ https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-hilfen-wo-kommen-all-die-milliarden-her-und-hin-a-b02d45bf-ff20-4a31-82f4-5851919d2516

Zum einen hat der Bund über die vergangenen Jahre fleißig an der Schwarzen Null hinsichtlich Neuverschuldung gearbeitet, zum anderen aber häuft er nun auf einen Schlag wesentlich mehr Schulden an als all die Jahre zuvor. Dennoch, so der Spiegel, sei ein nicht zu unterschätzender Teil davon verzinste Darlehen, die an den Bund letzten Endes zurückgezahlt werden müssten.

Auch für den Gesundheitssektor sollen Corona-Milliarden bereit stehen. Laut dem Bundesfinanzministerium sieht das Schutzpaket hierfür folgendermaßen aus:

  • Die Bundesregierung stellt 3,5 Milliarden Euro zusätzlich bereit, unter anderem für Schutzausrüstung sowie die Entwicklung eines Impfstoffs und von weiteren Behandlungsmaßnahmen.
  • Weitere 55 Milliarden Euro stehen für die Pandemiebekämpfung zur Verfügung. Das ist wichtig, um flexibel und kurzfristig auf die Entwicklung der Pandemie reagieren zu können.
  • Der Bund spannt einen Schutzschirm für Krankenhäuser, um Einnahmeausfälle und höhere Kosten abzufedern.
  • Auch für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte werden die derzeitigen Einnahmeausfälle abgefedert.
  • Der Zoll überwacht die Einhaltung des EU-Ausfuhrverbots für Schutzmasken, Schutzbrillen und Schutzanzüge.

Allerdings scheint davon bislang nicht wirklich viel angekommen zu sein bei den Städten, Gemeinden und Landkreisen. Diese lassen unter anderem ihre Bürger Masken selbst nähen oder bitte um Spenden bezüglich Masken und Schutzausrüstung (wir berichteten). Auch Krankenschwestern, Altenpfleger und Bestatter aus dem Hohenlohekreis berichteten von einem Engpass bei der Schutzausrüstung. Teilweise hätten sie sich Schutzausrüstung selbst besorgen oder Dinge zum Einmalgebrauch mehrfach benutzen müssen. https://www.gschwaetz.de/2020/04/20/leider-muss-man-sagen-klinikpersonal-muss-einwegmaterialen-mehrfach-benutzen-sich-selbst-schutzausruestung-besorgen-derweil-explodieren-die-preise-fuer-schutzmasken/

Keine Zeit für Lobbyarbeit

In den vergangenen Jahren wurde vor allem im Gesundheitssektor der finanzielle Gürtel sehr eng geschnallt. Eine jahrzehntelange Sparpolitik auch im Hohenlohekreis, unter anderem bei der Altenpflege https://www.gschwaetz.de/2018/09/28/aufstand-im-altenheim-krautheim-der-pflege-skandal/, im Rettungsdienst https://www.gschwaetz.de/2017/12/03/wir-sehen-enorme-schwierigkeiten-die-notfallrettung-aufrechtzuerhalten/und die deutschlandweite Schließung zahlreicher kleiner Krankenhäuser, da sie zu kostenintensiv seien, ist erfolgt. https://www.gschwaetz.de/2017/06/10/aus-fuer-krankenhaus-kuenzelsau-kreisraete-attackieren-neumann-scharf/.

Während nun Pflegekräfte eine langfristig bessere Entlohnung in einem Offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert, http://www.altenpflege-online.net/Infopool/Nachrichten/Offener-Brief-Die-Belange-der-Pflegenden-nicht-vergessen,  ist es recht still um die Krankenschwestern und Pflegern, die in den Kliniken Covid-Patienten betreuen und damit an vorderster Front in dieser Coronakrise kämpfen. Vermutlich ist es aber nur deshalb so still um sie, weil sie gar keine Zeit haben, ordentlich Lobbyarbeit für sich und ihren Berufsstand zu machen. 

Text: Dr. Sandra Hartmann

Beatmung im Krankenhaus. Symbolfoto. Quelle: adobe stock




„Heute sind wir Helden“ – und morgen? Die bewegenden Worte einer Krankenschwester aus Kupferzell

Wir haben vor einigen Tagen ein kleines Schreiben erhalten von einer Krankenschwester aus Kupferzell. Diese Zeilen haben uns zutiefst bewegt. Daher veröffentlichen wir sie mit dem Einverständnis der Urheberin an dieser Stelle ungekürzt:

Liebes Team des GSCHWÄTZ,

eine Kollegin schickte mir dieses Bild:

Es beschäftigt mich sehr. Heute sind wir die Helden, gehören zu den wichtigen Berufsgruppen, die auch dann zur Arbeit gehen, wenn sie mit später positiv getesteten Patienten Kontakt hatten und erst dann zu Hause bleiben dürfen, denn sie Krankheitszeichen haben. Die Schutzkleidung ist knapp und muss gut eingeteilt werden. Wir setzen unsere Gesundheit aufs Spiel, halten auch Abstand zu unseren nächsten Angehörigen, weil wir Angst haben, sie zu infizieren. Und wenn Corona besiegt ist? Dann sind wir wieder der größte Kostenfaktor im Krankenhausbetrieb.“

Liebe Grüße Franziska Walenski, Kupferzell

 




Tod einer Krankenschwester

An einem Montagabend, den 05. März 2018, zwischen 20 und 20.30 Uhr, läuft eine Krankenschwester mit ihrer Arbeitskollegin und einem Praktikanten nach ihrem Spätdienst zu ihrem Auto, das auf einem Parkplatz auf dem Klinikgelände abgestellt war. Auf einmal kippt sie um, fällt mit dem Gesicht auf den asphaltierten Boden. Während die Kollegin bei ihr bleibt, gibt der Praktikant auf der Intensivstation im Krankenhaus Bescheid. Krankenhausmitarbeiter kommen mit einer Notfallausrüstung für die Erstversorgung auf den Parkplatz, parallel wird ein Notruf abgesetzt. Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes kommt und fährt die Krankenschwester ins Klinikum nach Bad Mergentheim. Alle Reanimationsmaßnahmen scheitern. Die Krankenschwester stirbt im Caritas-Klinikum in Bad Mergentheim. Diagnose: schwerer Herzinfarkt.

Ist Sie das erste Opfer der Krankenhaus-Sparpolitik?

Bürger rätseln seitdem, warum die Krankenschwester nicht gleich im Krankenhaus in Künzelsau behandelt wurde, anstatt wertvolle Zeit mit einem Abtransport nach Bad Mergentheim zu verlieren.

Der Standort Künzelsau sollte im Zuge des Neubaus des Ärztehauses und der Sanierung und Renovierung der Kranknenhausräume vor rund acht Jahren schließlich zum „Leuchtturm“ für kardiologische, sprich Herz-Erkankungen werden. Die teuren Geräte dazu, wie Kardio-MRT und Herzkatheterlabor, sind nach wie vor im Ärztehaus in Künzelsau.

sukzessiver Abbau in Künzelsau

Durch die Neuausrichtung des Hohenloher Krankenhauses sind nun diverse Schwerpunkte von Künzelsau nach Öhringen gewandert: Im vergangenen Jahr betraf dies unter anderem die Schlaganfalleinheit (wir berichten).

Auch der „Leuchtturm“ Kardiologie scheint ausgeleuchtet. Auch wenn die Geräte hierfür noch da sind, sei es nicht möglich, diese in einem solchen Notfall „mal schnell hochzufahren“, wie Krankenhaus-Mitarbeiter erklären. Allein für das Herzkatheterlabor bedarf es vier Kardiologen und Pflegepersonal, um dieses rund um die Uhr betreiben zu können.

Die damaligen Pläne, Künzelsau zum Schwerpunkt von Herzkrankheiten zu machen, seien ohnehin nur halbherzig umgesetzt worden, kritisiert die Bürgerinitiative pro Hohenloher Krankenhaus (BI) auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Eine 24-Stunden-Notfalleinheit im Bereich Herzerkrankungen sei nie umgesetzt worden.

Das Kardio-MRT, der Hybrid-OP und das Herzkatheter-Labor, welche im Ärztehaus bei Professor Dr. Christoph Karle im Einsatz sind, werden derzeit ausschließlich dort betrieben und nicht, wie einst im Unternehmenskonzept vorgesehen, als gemeinsamer kardiologischer Schwerpunkt mit dem Krankenhaus Künzelsau genutzt. Vor einigen Jahren gab es diese Zusammenarbeit im Rahmen der regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken. Das Angebot, das Herzkatheter-Labor zu nutzen, sei von Seiten des Krankenhauses jedoch nicht angenommen worden, heißt es.

Stattdessen wolle man nun Öhringen zum neuen Herz-Schwerpunktzentrum machen, so die aktuellen Pläne des neuen Mehrheitseigners, der BBT-Gruppe.

Je schneller ein Herzinfarkt korrekt behandelt wird, umso höher die Überlebenschancen und je minimaler die möglichen Schädigungen im Gehirn. Die Mitarbeiter des Krankenhauses trauern um eine „liebe Freundin und sehr gute Kollegin“.

 

Hintergrundinformation: Wechsel in der Führungsebene

Nachdem die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile an der Hohenloher Krankenhaus gGmbH übernommen hat, gibt es auch einen Wechsel in der Führungsspitze. Geschäftsführer Jürgen Schopf, der weniger als 1,5 Jahre die Geschäfte leitete, wird abgelöst von den vier neuen Geschäftsführern Dr. Albert-Peter Rethmann, Matthias Warmuth, Werner Hemmes und Andreas Latz, so eine Pressemitteilung der BBT-Gruppe. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass Betriebsleiter Helmut Munz kommissarisch die Aufgaben des kaufmännischen Direktors und des Pflegedirektors für die Krankenhäuser übernimmt, „bis zur Klärung der endgültigen Besetzung“. Herbert Trudel wird kaufmännischer Direktor für die Senioreneinrichtungen.