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Im Herbst 2020 soll das Geheimnis gelüftet werden

An der Kreistagssitzung am 13. Juli 3030, in Öhringen, gab es auch einen Tagesordnungspunkt rund ums Öhringer Krankenhaus. Abstimmungen gab es keine hierzu, es war ein Tagesordnungspunkt „zu Kenntnisnahme.“. Dem Kreistag soll damit, so das Landratsamt in seiner Tischvorlage, „ein aktueller Überblick über die Entwicklungen am Standort Öhringen gegeben werden, insbesondere auch im Hinblick auf die medizinische Ausrichtung und den Neubau“.

Blick zurück und nach vorn

Das Landratsamt erinnert in seiner Tischvorlage ncohmal an die Entscheidung im Juni 2017, als der Kreistag für die Annahme der Fördermittel aus dem Krankenhausstrukturfonds in Höhe von 51,5 Mio. € und somit einem Krankenhausneubau in Öhringen und einer Schließung des Künzelsauer Krankenhauses zugestimmt hat. „Mit Einstieg der BBT-Gruppe im Mai 2018 in das operative Geschäft wurden die bereits angestoßenen Neubaupläne weiter vorangetrieben“, heißt es weiter.

Neubau mit einem Generalübernehmer

„Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH hat Ende Januar 2020 einen europaweiten Teilnahmewettbewerb ausgeschrieben, um mit einem Generalübernehmer den Partner für die weitere Planung und Umsetzung des Neubauprojekts zu finden. Das gewählte PartnerringVerfahren wurde bei einigen Klinikbauten im Land angewandt. In diesem Verfahren wird bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Generalübernehmer mit einbezogen, der auch für die spätere Umsetzung des Bauvorhabens zuständig ist. Vorteile dieses Verfahrens sind insbesondere bessere Steuerung der Zeit- und Kostenplanung. Basis der Ausschreibung bildete das erarbeitete und mit dem Ministerium abgestimmte Raum- und Funktionsprogramm sowie die funktionale Leistungsbeschreibung.
Die Entscheidung zu diesem Vorgehen erfolgte in einer Gesellschafterversammlung durch die Gesellschafter. Die eingegangenen Teilnahmeanträge wurden anhand der zuvor festgelegten Kriterien ausgewertet. In einer Verhandlungsphase wurden der Projektentwicklungsvertrag sowie der Generalübernehmervertrag für die Realisierung des Neubaus eines Krankenhauses zu einem garantierten Maximalpreis (GMP) mit dem Bestbieter vereinbart.“ Das Landratsamt sagt: „Die Planungen für den Neubau
des Krankenhauses liegen momentan im Zeitplan, die Kosten (hier heiß es nur nebulös: „Kostengruppe 300-600 also inklusive Medizintechnik“) im Kostenplan.“ Hier stellt sich die Frage, welcher Zeitplan gemeint ist, denn ursprünglich sollte das Krankenhaus mit Neubau ein Jahr früher in betrieb gehen, als nun vorgesehen. Auch die Kostenplan war ursprünglich etwas anders, als sie nun im Raum stehen.

„Nach Beschlussfassung in der zuständigen Gesellschafterversammlung wird das Neubauprojekt weiter konkretisiert und unter Berücksichtigung eines Maximalpreises sowie der weiteren Vorgaben vorangetrieben.“

Im Herbst 2020 soll dann auch die Vorstellung der Pläne und Entwürfe in der Öffentlichkeit erfolgen. Geplanter Baubeginn ist im Herbst 2021, die Fertigstellung des Neubaus und die anschließende
Inbetriebnahme ist 2023/2024 vorgesehen.

Grundlage der Ausschreibung war ein Krankenhaus mit 205 Betten sowie vorgegebenem RaumFunktionsprogramm. Dieses Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung erfüllt die
Voraussetzungen zur dauerhaften Sicherstellung der Krankenhausversorgung der Bevölkerung im  Hohenlohekreis.




HK – In geheimer Mission

Am 09. Dezember 2019 hat der Kreistag des Hohenlohekreises den Beschluss gefasst, den kurz vorher beschlossenen „Sitzdienst“ eines Notarztes im Künzelsauer Krankenhaus kurzfristig zu evaluieren. Kriterien für die Evaluierung wurden keine festgelegt, „das ist dann eine politische Entscheidung“, bemerkte damals Landrat Dr. Matthias Neth. Das nennt man wohl Hohenloher Landrecht. Beschlossen, um es kurze Zeit später ohne weitere Erklärung wieder zu streichen.

Notarzt-Sitzdienst kommt nach kürzester Zeit wieder weg

Inzwischen wurde anscheinend Evaluierung abgeschlossen und es wurde wohl beschlossen, den Sitzdienst nach kurzer Zeit schon wieder zu beenden. Das mag ja durchaus eine sinnvolle Entscheidung gewesen sein, allerdings kann das niemand so wirklich beurteilen, denn die Informationspolitik des Landrats Dr. Neth lässt zum wiederholten Male sehr zu wünschen übrig. Auf welchen Zahlen, Daten und Fakten diese Entscheidung beruht und von wem sie getroffen wurde (Kreistag, Landrat/samt oder BBT-Gruppe) ist nicht bekannt.

Offenbar wurde „exklusiv“ die Hohenloher Zeitung über diesen Beschluss informiert, die Bürger wurden wieder einmal vom Landrat gar nicht erst angesprochen, nicht einmal durch eine „NEWS“ im Internetangebot des Landratsamts. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Landrat die Hohenloher Zeitung als sein persönliches Verlautbarungsorgan ansieht und die Hohenloher Zeitung das ähnlich sieht.

Auf welcher Grundlage werden hier Entscheidungen von wem getroffen?

Über die Entscheidungsgrundlagen und vor allem, wer und wie die Entscheidung mit welcher Mehrheit getroffen hat, ist dort allerdings nichts zu lesen. Dabei forderte der Antragsteller, Niederrnhalls Bürgermeister Achim Beck, im Dezember mit klaren Worten Transparenz, als er beantragte, daß der Kreistag „in einer nachfolgenden öffentlichen Sitzung im März oder April 2020 zur Entscheidung bezüglich der weiteren Fortführung“ abstimmen sollte. Ein kürzlicher Termin einer Kreistagssitzung ist nicht bekannt. Sollte es einen Beschluss ohne Sitzung im Umlaufverfahren gegeben haben, würde man doch wenigstens eine Bekanntmachung auf den Internetseiten des Landkreises erwarten.

Einmal mehr ist daher die bekannt intransparente Informationspolitik von Landrat Dr. Neth zu beklagen.

Verlautbaren ließ Dr. Neth übrigens auch, dass in das Krankenhausgebäude ein Hospiz einziehen soll und dass das MVZ Gestalt annehmen würde. Dasselbe MVZ, das den Künzelsauer Bürgern bereits 2018 versprochen wurde und von dem zwei Jahre später noch immer nichts zu sehen ist. Ob es  inzwischen Arztsitze gibt, die an die BBT übertragen wurden? Nein, auch darüber erfährt man nichts. Ohne Arztsitze kann es aber kein funktionierendes und breit aufgestelltes MVZ geben – der Bürger wird auch hierzu im Dunklen gelassen.

Auch hierzu wird der Bürger im Dunkeln gelassen

Erstaunlich ist auch der zeitliche Zusammenhang der Verlautbarung mit dem Brief der Stadt Künzelsau an die Ärzte, in dem den Ärzten und den Bürgern in Aussicht gestellt wird, dass die Stadt Künzelsau mit dem Gedanken spiele, das Krankenhausgebäude zu kaufen, um hier Praxisräume für Ärzte zu schaffen – zwar laut Neumann „eine Option von vielen“, aber dennoch eine Option.

Man bekommt den Eindruck, als ob es nicht nur mit der Offenheit gegenüber den Bürgern, sondern auch mit der Kommunikation zwischen Landratsamt und der Stadt Künzelsau nicht zum Besten steht. Wenn die Stadt Künzelsau die Ärzte darüber informiert, dass sie das Krankenhausgebäude möglicherweise kaufen und dort eventuell Raum für Arztpraxen schaffen würde, dann muss man davon ausgehen, dass die Grundlage für so eine Anfrage bereits einigermaßen abgeklärt ist. Es sollte zum Beispiel eine erklärte Verkaufsabsicht des Eigentümers vorhanden sein und es sollte auch abgeklärt sein, dass der Verkäufer auch tatsächlich an die Stadt Künzelsau verkaufen würde. Wenn der Verkäufer, in dem Fall das Landratsamt, danach mitteilt, vor einem eventuellen Verkauf einen großen Mieter in das Gebäude zu setzen, dann ist das doch recht unüblich.

„Diese Summe halte ich für überzogen“

Auch mit den Zahlen, die in Bezug auf das ehemalige Krankenhausgebäude immer wieder genannt werden, wird umgegangen, wie wenn es sich dabei lediglich um lapidare Cent-Beträge handelt. Betonte Landrat Neth auf der Kreistagssitzung im Rahmen der zukünftigen Gesundheitsversorgung Künzelsau, noch die Summe von rund 30 Millionen Euro, die zur Sanierung des Krankenhausgebäudes benötigt werde – sagte Bürgermeister Stefan Neumann nun vor kurzem hierzu: „Diese Summe halte ich für überzogen.“ Der Landrat und der Bürgermeister scheinen in diesem Punkt uneins zu sein. Da fragt man sich wieder mal, auf welcher Grundlage hier Zahlen auf den Tisch geworfen und darauf basierend Entscheidungen gefällt werden. Wie sagte Arnulf von Eyb doch einst: „Wir sind doch hier nicht in Bananien.“

Aber man muss sich zum Schutz von Bürgermeister Neumann schon fragen, wie denn ein Hospiz nun auf einmal ohne Weiteres in das Gebäude einziehen soll, wenn doch zuvor diese teure Renovierung / Sanierung der Räumlichkeiten immer wieder im Raum stand – oder beabsichtigt man das Gebäude gar nicht zu renovieren / zu sanieren für das Hospiz, das angeblich kommen soll?

Man fragt sich, welche Strategie hinter einer derartigen Informationspolitik steckt, in der offensichtlich sowohl die Bürger als auch die Gremien der Kreisstadt, Gemeinderat und Bürgermeister, entweder im Unklaren gelassen oder schlicht falsch informiert werden.

Künzelsaus Bürgermeister Neumann hat das Jahr 2020 unter das Leitmotiv „Zukunft Gesundheit“ gestellt. Auch er muß langsam liefern – das Jahr ist schließlich halb vorbei.

Das Krankenhaus und die Folgen der Schließung des Standorts Künzelsau werden den Hohenlohekreis noch lange beschäftigen.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer




„Wir sind total abgehängt. Es ist eine Katastophe“

Im Rahmen der Kreisärzteschaftssitzung vor rund zehn Tagen wurde auch die mögliche Abschaffung der Notdienste für Künzelsau scharf kritisiert und diskutiert. Der im Zuge der Krankenhausschließung in Künzelsau neu eingeführte so genannte „Sitznotdienst“, der von Anfang an in der Kritik stand, da der Arzt rein rechtlich keine Patienten behandeln, sondern nur weiterleiten da (wir berichteten), wird wohl nun wieder nach nur wenigen Monaten abgeschafft, weil  er von der Beölkerung nicht angenommen wird. Das war nicht wirklich überraschend.

„Uns fehlt das Krankenhaus“ zum Weiterbehandeln

Stattdessen soll nun der von den hiesigen Ärzten abwechselne betriebende kassenärztliche Notdienst ausgebaut werden um drei Stunden am Wochenende. Hiesige Ärzte sehen darin allerdings alles andere als einen Ausbau, sondern eher einen kompletten Abbau. Dr.  Lieselotte Wesely-Lany, stellvertretende Vorsitzende der Vorstandschaft der Kreisärzteschaft Künzelsau, erklärte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Das ist ein Kompensationsgeschäft“, weil der Sitznotdienst beendet wird. Aber eigentlich mache der Ausbau um drei weitere Stunden keinen Sinn, „denn es ist nicht mehr das, was es war“.  Das Hauptproblem: „Uns fehlt das Krankenhaus. Die Ärzte des Notfalldienstes können kein Röntgen und kein Labor anbieten. Die Bürger könnten denken, dann gehe ich gleich nach Öhringen“.

Dr. Wesely-Lany befürchtet, „dass die Kassenärztliche Vereinigung den Notfalldienst irgendwann auch zu macht, weil es sich so nicht mehr lohnt. Wir sind total abgehängt. Es ist eine Katastrophe.“

 




Stadt Künzelsau möchte eventuell Krankenhausgebäude kaufen

Die Stadtverwaltung Künzelsau hat am 06. Mai 2020 ein Schreiben an hiesige Ärzte verschickt. In dem Schreiben, das der GSCHWÄTZ-Redaktion vorliegt, schreibt die Stadtverwaltung, dass sie sich derzeit „intensiv mit der zukünftigen gesundheitlichen Versorgung sowie einer möglichen Folgenutzung für das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau“ beschäftige. Sie sei in Gesprächen zum Erwerb des Hauses. Um diese „ganzheitlich positiv beeinflussen zu können“, wird die Mithilfe der angeschriebenen Ärzte erbeten.

Um die Planungen weiterführen zu können, möchte die Stadtverwaltung von den angeschriebenen Ärzten unter anderem wissen, ob diese zufrieden mit dem derzeitigen Praxisstandort sind und ob es Pläne für eine Praxiserweiterung oder Nachfolgeregungen für die Praxis gibt, falls der jeweilige Arzt plant, seine Tätigkeit in der Praxis niederzulegen oder in naher Zukunft in Ruhestand zu gehen. Auch für den Flächenbedarf bei einer möglichen Erweiterung interessiert sich die Stadtverwaltung und dafür, „welcher medizinische Bereich aus Sicht des Arztes wichtig für Künzelsau ist“.

Laut dem Schreiben bittet die Stadtverwaltung um eine Antwort der Ärzte bis spätestens 21. Mai 2020. Danach werden laut der Stadtverwaltung die gesammelten Informationen zusammengetragen und mit der Feinplanung begonnen.

Text: Sonja Bossert




Hohenlohe: Ohne medizinischen Sauerstoff werden die Patienten sofort blau – Pfleger berichtet von schockierenden Bildern

Es haben uns verschiedene Rückmeldungen von Mitarbeitern erreicht, die derzeit mit der Versorgung von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern betraut sind. Die Aussagen sind teils erschreckend und bedrückend. Auch junge Menschen werden derzeit in den Kliniken behandelt, die keine Vorerkrankungen haben.

Ein Pfleger berichtet, dass viele der Erkrankten unter Sauerstoffnot und Kurzatmigkeit leiden, nimmt man ihnen nur für kurze Zeit die Sauerstoffbrille aus der Nase, werden die Patienten sofort blau. So was habe er zuvor in dem Ausmaß noch nicht erlebt und er mache seinen Beruf schon seit mehr als 30 Jahren. Wie haben sich die Kliniken auf die Versorgung mit Covid 19 Erkrankten in der Region vorbereitet?

In Öhringen wurden zwei Stockwerke für die Behandlung von Covid-19-Patienten eingerichtet. In den letzten beiden Wochen befanden sich dort um die 30 Patienten.

Die Intensivplätze wurden von sieben Betten auf zwölf Betten erhöht. Es stehen derzeit somit 12 Intensivbetten für 120.000 Einwohner zur Verfügung.

Interne Quellen haben berichtet, dass täglich ein bis zwei intensivpflichtige Patienten mit Covid-19 an andere Standorte verlegt werden mussten, um wieder freie Plätze auf der Intensivstation zu schaffen.

Das sei derzeit noch möglich, da Häuser wie Löwenstein und Gesundbrunnen noch Kapazitäten hätten.

Weiterverlegung der Patienten an andere Krankenhäuser

Das Diak hat auf Nachfrage von uns berichtet, dass es einen Klinikgebäudetrakt reaktiviert habe, der früher als Infektkrankenhaus genutzt wurde. So konnten für die Patienten mit Covid-19 verschiedene, von einander abgetrennte Bereiche geschaffen werden.

Das Diak in Schwäbisch Hall hat 20 Intensivbetten und kann diese noch um acht weitere Plätze erweitern, wenn die jetzigen Ressourcen nicht mehr für die Behandlung ausreichen. Das Diak hat, wie anderen Kliniken auch, aufgrund des Beschlusses der Regierung und der Länder alle geplanten Operationen verschoben, um so viele Beatmungsplätze wie möglich frei zu halten. Auch das Diak betonte auf unsere Presseanfrage, dass nicht nur ältere Patienten mit Vorerkrankungen an Covid-19 erkranken, sondern auch jüngere Menschen einen schweren Krankheitsverlauf erfahren können.

Auch Klinikpersonal infiziert

Ein Anzeichen für beginnendes Lungenversagen ist Kurzatmigkeit. Steigt die Atemfrequenz eines Erwachsenen, die normalerweise 12 bis 18 Atemzüge pro Minute beträgt, auf 25, 30 oder mehr, reicht die einfache Sauerstoffbrille nicht mehr aus und der Patient muss künstlich beatmet werden.

Auch das Klinikpersonal bleibt vor einer Infektion mit Covid-19 nicht verschont. Das Diak hat mitgeteilt, dass Mitarbeiter die Symptome zeigen, sofort in häusliche Quarantäne gehen. Ärzte und Pfleger appellieren daher an die Bürger, sich auch weiterhin an die beschlossenen Maßnahmen von Bund und Land zu halten, trotz des verlängerten Osterwochenendes.

Text: Carla Mosel




Landratsamt sagt: Corona-Isolierstation im Künzelsauer Krankenhausgebäude für gesunde & kranke Menschen gleichermaßen gedacht

Nun ist es amtlich, was GSCHWÄTZ Anfang dieser Woche veröffentlicht hat: Die Landkreisverwaltung hat sich entschieden, im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau eine Isolierstation einzurichten. Am heutigen Donnerstag, den 26. März 2020, nun hierzu auch eine offizielle Pressemitteilung.

Die Isolierstation kann, so das Landratsamt, für folgende Fälle genutzt werden:

1. Menschen mit schwachen Krankheitsanzeichen, die nicht zuhause leben können, weil dort Risikogruppen mit Ihnen leben.
2. Gesunde Menschen, die von kranken Familienmitgliedern getrennt werden sollen.
3. Klassische Verdachtspersonen, d.h. z.B. Personen, die aus dem Ausland einreisen, können in der Isolierstation zwei Wochen leben, bis klar ist, dass sie keine Infektion haben.
4. Risikogruppen, wie z.B. alte oder immunschwache Menschen, die von den Familienmitgliedern getrennt untergebracht werden sollen.
5. Mitglieder von systemrelevanten Berufen, die vorsorglich isoliert leben sollen.
6. Menschen, die aus dem Krankenhaus mit noch schwachen Symptomen entlassen werden.

Offen lässt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung, wie gesunde Menschen aus Risikogruppen innerhalb des Gebäudes strikt getrennt werden von Coronapatienten, um Ansteckungen zu vermeiden. Zumal sich dort vermutlich jeder frei bewegen kann.

Die BBT-Gruppe hat noch vor rund zwei Wochen auf GSCHWÄTZ-Nachfrage ein klares „Nein“ geantwortet bei der Frage, ob das eheamlige Künzelsauer Krankenhaus im Rahmen der Corona-Pandemie genutzt werden könnte. https://www.gschwaetz.de/2020/03/10/coronavirus-quarantaenestation-in-kupferzell-krankenhaus-kuenzelsau-kommt-nicht-als-quarantaenestation-in-betracht/

Nun also der Umschwung, nachdem der Hohenlohekreis mit steigenden Coronazahlen zum deutschlandweiten Hotspot avanciert ist.

Die Hohenloher Krankenhaus GmbH habe in den vergangenen Wochen überprüft, inwiefern kurzfristig weitere Krankenhausplätze geschaffen werden können, erklärt das Landratsamt die Meinungsänderung. Für Coronapatienten mit einem schweren Krankheitsverlauf stünde jedoch nach wie vor das Öhringer Krankenhaus an erster Anlaufstelle. Denn: „Insbesondere für Menschen, die beatmet werden müssen, ist es nicht sinnvoll, diese im Hohenlohekreis außerhalb des Öhringer Krankenhauses unterzubringen. Denn nur im Krankenhaus Öhringen sind die medizinischen Geräte und die medizinischen Fachleute vor Ort.“

Aufnahme erfolgt freiwillig – medizinisches Personal werde es nicht geben

Daher handelt es sich, betont das Landratsamt, „beim ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau um eine reine Isoliereinrichtung, eine medizinische Versorgung wird nicht angeboten. Die Aufnahme in der Isolierstation erfolgt freiwillig. Das Essen der Bewohner werde vom DRK Hohenlohekreis gestellt. Warum aber hat man die Isolierstation nicht in Kupferzell belassen? „Ein Vorteil gegenüber der Isolierstation in der Akademie Kupferzell ist, dass die Zimmer im ehemaligen Krankenhaus Nasszellen haben und die dort lebenden Personen somit ihre Zimmer nicht verlassen müssen“, erklärt das Landratsamt.

Aber es gäbe noch einen weiteren Grund: „Aus den Krankenhausentlassberichten von bisherigen Patienten ist ersichtlich, dass viele Infizierte aus dem Krankenhaus entlassen werden können, auch wenn noch leichte Krankheitssymptome und eine Virusausscheidung vorliegen. Diese Personen können dann, falls eine häusliche Unterbringung nicht sinnvoll ist, in der Isolierstation bis zur vollständigen Genesung bleiben. Dadurch können Krankhausbetten für schwerer erkrankte Personen freigehalten werden.“

Das Technische Hilfswerk Künzelsau werde, so das Landratsamt, die Isolierstation im Krankenhaus Künzelsau mit Materialien, die noch aus der Flüchtlingskrise zur Verfügung stehen, herrichten.

Ab nächster Woche startklar

Die Nutzung des Gebäudes wurde mit der Stadt Künzelsau abgestimmt. Die Isolierstation könnte somit ab Anfang nächster Woche in Betrieb gehen. Platz für über 50 Personen steht dann bereit.
Landrat Dr. Neth und die BBT-Gruppe haben dem Land Baden-Württemberg auch frühzeitig angeboten, dass das ehemalige Künzelsauer Krankenhaus für landeseigene Nutzungen zur Verfügung steht. Auch der Bundeswehr sei das Gebäude zum Gebrauch angeboten worden. Vor zwei Tagen allerdings wusste die dafür zuständige Bundeswehr in Stuttgart noch nichts davon (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/?s=bundeswehr ). Das Land und der Bund würden derzeit noch prüfen, ob sie das Krankenhausgebäude nutzen möchten. Falls diese Prüfung positiv verlaufe, könnte sich der Hohenlohekreis vorstellen, „die Räumlichkeiten dann anderen Trägern zu übergeben“. Die BBT-Gruppe als Mehrheitseigner erwähnt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung nicht.




Corona-Quarantänestation: Abbau in Kupferzell, Aufbau im Krankenhaus Künzelsau – Bundeswehr bislang nicht involviert

Laut Quellen aus Kupferzell wird derzeit die Quarantänestation in der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell abgebaut und im Krankenhaus Künzelsau wieder aufgebaut.

Die Quarantänestation in der Akademie in Kupferzell beherbergt aktuell 17 Einzelzimmer, die Anzahl der Betten in Künzelsau ist bislang nicht bekannt. Der Aufbau der Station in Künzelsau soll Quellenangaben zu Folge durch das THW unterstützt werden.

Bei einer Isolierung wird durch räumliche Trennung eine Übertragung von Krankheitserregern vorgebeugt. Unter dem Begriff Quarantäne, der derzeit viel gebraucht wird, ist eine vorübergehende Isolierung zu verstehen.

In Kupferzell waren bislang laut dem Landratsamt des Hohenlohekreises die Infizierten untergebracht, für die eine häusliche Quarantäne nicht möglich war.

Positiv getestete Personen müssen sich 14 Tage häuslich isolieren. Auch direkte Kontaktpersonen und Menschen, die im selben Haushalt leben von positiv getesteten Personen müssen sich für 14 Tage häuslich isolieren.

Bundeswehr bislang nicht involviert

Das Landratsamt äußerte sich laut einem Bericht der Heilbronner Stimme dahingehend, dass die Bundeswehr hinsichtlich des ehemaligen Künzelsauer Krankenhausgebäudes eine medizinische Infrastruktur aufbauen könnte.

Tatsächlich gibt es diese Möglichkeit, bei der Bundeswehr eine dementsprechende Hilfe zu beantragen. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Amtshilfeersuchen. Laut dem Oberstabsfeldwebel Harald Dettenborn von der Pressestelle der Bundeswehr in Stuttgart liegt ein solches Amtshilfeersuchen vom Landratsamt des Hohenlohekreises allerdings bislang nicht vor.

Von heute auf morgen 1.000 Fälle mehr

Laut dem Sozialministerium Baden-Württemberg (Stand: 24. März 2020, 15 Uhr): gibt es in Baden Württemberg derzeit offiziell 5.333 Corona-Erkrankte, seit 23. März sind somit 1.000 Fälle dazu gekommen. Bisher sind 31 Menschen an dem Virus Covid 19 in Baden-Württemberg gestorben. Der Hohenlohekreis ist vom Coronavirus besonders betroffen, 257 Menschen sind derzeit nachweislich mit dem Virus infiziert. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/uebersicht-infektionen-und-todesfaelle-in-baden-wuerttemberg/

Die Ausbreitung des Coronavirus verläuft exponentiell. Das heißt zu Beginn sind die Fallzahlen überschaubar und steigen zunächst nur langsam an, doch nach einer gewissen Zeit nimmt dieser Prozess an Fahrt auf und die Zahlen steigen drastisch.

Eine Stellungnahme seitens des Landratsamtes zur neuen Nutzung des ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau steht derzeit noch aus.

Text: Carla Mosel

 

 




Öhringer Krankenhaus in Corona-Zeiten – Keine Spur von Aufregung

Es ist ziemlich ruhig an diesem frühen Dienstag, den 17. März 2020, vor dem Hohenloher Krankenhaus in Öhringen. Nur wenige Autos stehen auf den Parkplätzen, so nach und nach trudeln Mitarbeiter ein. Sie begrüßen sich lachend, unterhalten sich, winken einander zu. Ein einsamer Patient sitzt vor der Tür und raucht. Von Corona-Virus-Aufregung hier keine Spur.

Krankenhaus für Besucher zu

Aber der Eingang ist geschlossen, die große Türe öffnet sich nicht mehr. Auf einem Schild an der Tür steht, dass „aufgrund einer amtlichen Bekanntmachung das Krankenhaus grundsätzlich von Besuchern nicht mehr betreten“ werden darf. Ausnahmen sind lediglich „Behandlungsbedürftige und die Begleitung Sterbender“. Das LimesCasino ist nur noch für Krankenhaus-Mitarbeiter geöffnet. Und das auch nur bis 13.45 Uhr. Ins Krankenhaus selbst kommt man nur rein, wenn man klingelt. Dann muss man den Nebeneingang benutzen.

Kein separater Wartebereich für Corona-Verdachtsfälle

Kommt ein Corona-Verdachtsfall, muss er direkt neben (!) der Eingangstür warten und die auf einem Schild angegebene Telefonnummer anrufen. Unter der gibt es dann Informationen zum weiteren Vorgehen. Irgendwo separat und getrennt von den anderen Passanten zu warten, geht da aber nicht beziehungsweise es ist zumindest auf den ersten Blick nichts erkennbar.

Keine besonderen Maßnahmen

Keine der Personen, die durch die Krankenhaustür rein- oder rauskommen, trägt einen Mundschutz oder Handschuhe. Schaut man durch das Fenster, erkennt man Leute an der Empfangstheke und andere, die durchs Foyer gehen. Auch von ihnen scheint niemand besondere Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus ergriffen zu haben.

Ein ruhiger Morgen vor dem Öhringer Krankenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

 

Besucher dürfen nicht mehr ins Öhringer Krankenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

 

Das LimesCasino ist nur noch für Krankenhaus-Mitarbeiter geöffnet. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 




Kreistag lehnt Achim Becks Antrag ab – Neumann redet Klartext für Künzelsau

Die Überraschung des Kreistagsabends: Der Kreistag, vornehmlich die CDU und die Grünen, lehnen in der Sitzung am 09. Dezember 2019 in Waldenburg den von Achim Beck eingebrachten Antrag der Freien Wähler Verweinigung (FWV) auf Überprüfung des neuen Notarzt-Modells nach nur drei Monaten, das wäre im März 2019, ab. Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (CDU) kritisierte die FWV, die mit ihrem Antrag lediglich das Ziel verfolge, das neue Notarztmodell für Künzelsau sofort wieder abzuschaffen. Daraufhin gab es empörte Wortmeldungen von Seiten der FWV, dass dies eine Unterstellung sei.

Dennoch bleibt die Freude bei den Künzelsauern etwas getrübt. Der Antrag der Grünen wurde einvernehmlich angenommen, das neue Notarztmodell nach etwa vier Monaten und dann nach acht Monaten zu prüfen.

Neumann gibt zu Bedenken, dass man trotz aller Kritik am neuen Notarztmodell, Neuem erst einmal Zeit zum wachsen und zum sich etablieren geben müsse. Unlängst hatte die BBT-Gruppe an Künzelsauer Haushalte erst einen Flyer und Informationen rund um die Angebote der Gesundheitsversorgung in Künzelsau verschickt. Der neue Notarzt wird darin jedoch lediglich nur kurz erwähnt. Dafür erhalten Interessierte einen Überblick, welche Ärzte derzeit im Medikün ihre Dienste anbieten. Auch die Stadtverwaltung Künzelsauer informierte in ihren Künzelsauer Nachrichten ausführlich über den neuen ärztlichen, so genannten „Präsenzdienst“.

Offen ist nach wie vor, wie eine Überprüfung des neuen Notarztmodells nach den vier Monaten ausschaut. Sprich: Nach welchen Kriterien prüft man den Notarzt und die Entscheidung über den Fortbestand der Praxis oder deren Beendigung? Da er derzeit nur sehr wenig Handlungsspielraum hat aufgrund des fehlenden Kassensitzes, wurde auch laut über Möglichkeiten gesprochen, diesen Handlungsspielraum zu verbessern. Zum einen bestünde eventuell die Möglichkeit, sich mit der kassenärztlichen Vereinigung  auf einen Sondersitz zu einigen. Zum anderen könnte man möglicherweise über ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), das ja für Küzelsau etabliert werden soll, einen regulären Notarztsitz bekommen. Sprich: Dann dürfte der Notarzt auch ganz regulär Patienten behandeln, Überweisungen und Rezepte ausstellen. Das darf er bislang nicht, weil er keinen Kassensitz hat.



 

 




Tschuldigung, wo geht´s denn hier zum Notarzt?

Wenn sich die Glastüre öffnet, dann immer schön dem Absperrband folgen. Auf einem kleinen Tischchen im Windfang liegt ein Handy mit einem Zettel, auf dem handschriftlich einen Nummer geschrieben steht… Klingt fast wie eine Schnitzeljagd – ist es aber nicht.  GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat morgens gegen 03 Uhr den neuen Künzelsauer Notsitzdienst im ehemaligen Hohenloher Krankenhaus getestet. Ihr Resümee sehen Sie im Video.