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Das Ende des Kapitalismus – Greta vs. Friedrich

Friedrich Merz hat unlängst historische Sätze geäussert – zu einer historischen Person. Auf Greta Thunbergs Satz: „Ihr habt meine Jugend geraubt“ antwortete er sinngemäß: „Nein. Ganz im Gegenteil. Eure Generation hatte die beste Jugend, die es je gab in diesem Teil der Welt.“https://www.merkur.de/politik/greta-thunberg-friedrich-merz-cdu-parteitag-leipzig-merkel-akk-fridays-zr-13241303.html Diese beiden Aussagen zeigen eines ganz deutlich: Wie immens groß der Graben zwischen der alten Generation Merz und der neuen Generation Thunberg ist.

Anführerin einer globalen Bewegung

Denn: Sie haben völlig unterschiedliche Wertvorstellungen. Nach den Weltkriegen erlebte die Generation Merz den Aufstieg des Kapitalismus weltweit, der die Freiheit und die Wirtschaft hoch hielt. Getreu dem Motto: Höher, schneller weiter. Lediglich in den 1970er Jahren wurde das Wirtschaftswachstum kurzzeitig nicht mehr gefeiert, sondern von Teilen der Bürger verachtet. Aber für den Großteil galt weiterhin: Wir streben nach Konsum. Nun also Greta, die in der Ellen-Show in den Vereinigten Staaten sagte, sie kaufe sich erst etwas, wenn sie wirklich etwas Neues braucht https://www.youtube.com/watch?v=rsNskDfd5CM – und sie ist damit keine Außenseiterin (mehr), sondern die Anführerin einer globalen Bewegung, die in anderen, ideellen Dingen ihr Glück findet und nicht im Kauf neuer Güter. Nur mal kurz die Welt retten, heißt das minimalistische Ziel, dass sie sich gesteckt hat – oder zumindest so viel dafür tun, wie es ihr möglich ist.

Völlig unterschiedliche Wertvorstellungen

Für viele der Generation Greta zählt heute eben nicht mehr: Wer hat das neueste Handy und den größten Fernseher? Im Gegenteil. Mittlerweile gibt es eine gewisse Scham davor, zu sagen, dass man in den Urlaub fliegt, dass der neue Fernseher nochmal eine Nummer größer als das Vorgängermodell sein musste. Was aber zählt für die Generation Greta? Nachhaltigkeit. Einen möglichst kleine Fußbadruck auf dieser Erde zu hinterlassen. Nachzudenken darüber, was man wirklich braucht. Umweltschonend einkaufen. Weniger Plastik. Fair trade unterstützen. Weniger Fleisch essen. Eben: weniger egoistisch leben, sondern sich mehr Gedanken darüber machen, von wem und wie die Sachen produziert werden und was nach der Nutzung mit ihnen passiert – im Einklang mit der Natur. Lange habe ich diesen Satz nicht mehr geschrieben. „Im Einklang mit der Natur“ – Das klingt eher nach einer Esoterik-Gruppe, aber es ist tatsächlich ein neues Lebensgefühl.

Ich persönlich habe mir mit 16 Jahren nie solche Gedanken gemacht. Deswegen: Hut ab für eine politische Generation, eine Generation Greta, die so wenig materialistisch eingestellt ist und denen diese Dinge so herzlich egal sind, dass der Satz von Friedrich Merz nur eines zeigt: Er hat nicht im Mindesten verstanden, was dieser Generation wirklich wichtig ist.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann