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Des Bürgermeisters großes Mimimi

Ein Kommentar von Matthias Lauterer über die Rolle des Künzelsauer Bürgermeisters Stefan Neumann beim Thema Krankenhaus.

Wie erwartet hat der Kreistag sich mit überwältigender Mehrheit, sogar mit 100 Prozent, für den einzigen verbliebenen Bewerber BBT entschieden.

Der Künzelsauer Bürgermeister Neumann empfand es kurz vor der Abstimmung noch als notwendig, eine Pressemeldung vor der versammelten Weltpresse (z.B. hier nachzulesen) herauszugeben, in der er nachdrücklich und fast schon weinerlich darum fleht, doch endlich auch mal was zum Thema beitragen zu dürfen:

„Als Vertreter der Stadt Künzelsau biete ich dem Kreis an, dass wir uns in den nun folgenden Prozess aktiv einbringen und gerne Verhandlungsteilnehmer werden.“

Wen er mit „ich“ meint, ist klar, aber wen genau meint er mit „wir“?

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, daß die „Vertreter der Stadt Künzelsau“ in die Entscheidungen über das Wohl und Wehe der Stadt Künzelsau einbezogen werden. Wenn das nun, so muß ich Neumann interpretieren, nicht der Fall ist, dann muß sich der Bürgermeister und dann müssen sich natürlich auch die Bürger, um deren Stimmen er sich ja wieder bewirbt, fragen, warum das so ist.

Und auch mit den Sätzen

„Als Mitglied des Lenkungsausschusses habe ich den Prozess des Markterkundungsverfahrens aktiv begleitet. (…) Leider war kein Interessent bereit, den Standort Künzelsau als akutstationäres Haus zu betreiben.“

disqualifiziert und demontiert er sich als „Mitglied des Lenkungsausschusses“ eigentlich selbst – denn er sollte in dieser Funktion eigentlich wissen, daß (nach der Zusicherung der knapp 50 Millionen vom Land und der Zusicherung des Bettenabbaus im Gegenzug … oder war die Reihenfolge doch umgekehrt? Egal.) die Option „akutstationäres Haus in Künzelsau“ bereits bei Erstellung der Ausschreibung schon gar nicht mehr wirklich offenstand. Warum er diese Option im Nachhinein wieder in den Raum stellt, ist doch sehr merkwürdig.

Wie das Gschwaetz berichtet, sagt Dr. Andreas Eckle als Vorsitzender der BI „Wir sind HK“, daß der Bürgermeister „machtlos“ sei – und damit hat er sicherlich aus heutiger Sicht aber sowas von recht.

Man darf aber nicht vergessen, daß derselbe Bürgermeister bis 2015 Mitglied im Aufsichtsrat der Hohenloher Krankenhaus gGmbH war, also durchaus in einer Position, in der er ganz und gar nicht „machtlos“ war! Diesen Posten hat er 2015 freiwillig aufgegeben – die Gründe für den Rücktritt von diesem Amt hat er bis heute nicht öffentlich gemacht.

„Ich sehe mich nicht mehr in der Lage, meiner Aufsichtspflicht im Rahmen des mir erteilten Mandates gerecht zu werden.“

[Quelle: Hohenloher Zeitung]

ist halt leider nur eine inhaltsleere Aussage. Dabei spricht er doch selber von Aufsichtspflicht – gerade wenn die Aufsichtsführung problematisch ist, wäre es nur pflichtbewußt gegenüber den Bürgern seiner Stadt (die ihn in das Amt des Bürgermeisters Amt gewählt haben und gegenüber denen er in der Verantwortung ist), diese Aufsicht weiterhin auszuüben und seinen Einfluß innerhalb des Gremiums (und sei es vielleicht letztendlich vielleicht auch nur als lästige, aber immerhin protokollrelevante Gegenstimme) auszuüben. So hat er sich selber aus dem Spiel genommen und sich selber vom Informationsfluß abgeschnitten.

Fakt ist, daß er als Bürgermeister damit die Entscheidungsgewalt über einen ganz wichtigen Aspekt der Zukunft seiner Stadt aus der Hand gegeben hat. Ist es das, was ein Bürger von einem Bürgermeister erwartet? Zumindest ich erwarte etwas anderes.

Und Fakt ist, daß er jetzt herumjammert, daß er keinen Einfluß mehr habe. Nun … das eine hat sicherlich mit dem anderen zu tun.

Fakt ist auch, daß er sich im gesamten Prozeß nicht unbedingt durch Einbringen von konstruktiven Beiträgen hervorgetan hat. Immerhin sieht er für Künzelsau

„eine große Chance, den Standort als Gesundheitscampus in eine gute Zukunft zu überführen.“

Was das denn sein mag, so ein Gesundheitscampus, das ist sein Geheimnis – und damit ist er ein genausogroßer Geheimniskrämer wie Landrat Neth, der ja auch über „fünf tolle Konzepte“ verfügt, über die er allerdings mit den Bürgern nicht reden mag.

Über Neumanns Amtsführung wird ja bald abgestimmt und das Krankenhaus-Schlammassel ist sicher sein größter und folgenschwerster politischer Mißerfolg.

Und über den Spruch „Wir haben keine rechtliche Verantwortung, aber eine politische und moralische. Wir werden daher auch finanziell Künzelsau bei der Umsetzung unterstützen.“ von Landrat Neth sage ich jetzt besser nichts ….

 

// Den Text und weitere Kommentare von Matthias Lauterer gibt es nachzulesen auf seinem Blog rund ums Künzelsauer Weltgeschehen:

 

https://matthiasausk.blogspot.de/2018/03/des-burgermeisters-groes-mimimi.html

 

Fotos // GSCHWÄTZ; Mattias Lauterer




Neth // „Wir werden Künzelsau finanziell unterstützen“

„Kann ein Kreistag so mit Steuergeldern umgehen?“, fragt der Sprecher der Bürgerinitiative des Hohenloher Krankenhauses (BI), Dr. Andreas Eckle, gleich zu Beginn der Pressekonferenz der BI am Donnerstag, den 29. März 2018, in Künzelsau. Das ist die zentrale Frage, die für die BI bleibt, nachdem die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile der HK übernehmen wird (wir berichteten) und der Standort Künzelsau in diesem Zuge 2022 geschlossen werden soll. Eckle: „Ich möchte, dass es öffentlich gemacht wird, was passiert ist. Wir möchten Aufklärung, wer dafür verantwortlich ist und wir möchten wissen, ob die, die entschieden haben, ordentlich informiert waren.“

 

Denn die große Frage, die immernoch unbeantwortet im Raum stünde, laute: „Wie kann es sein, dass vor einigen Jahren noch Millionen in den Standort Künzelsau investiert wurde (Anmerkung der Redaktion: vor sieben Jahren wurde das Ärztehaus  für rund zehn Millionen gebaut, über vier Millionen kostete die Sanierung des Krankenhauses in Künzelsau, wir berichteten in unserer Februarausgabe 2017) und nun dieser Standort geschlossen wird?“, fragt er und vermutet Managementfehler, die zu dem anhaltenden Defizit seit 2012 führten: „Wir unterstellen, dass die HK nicht richtig geführt wurde und ob das nicht sogar gewollt war.“ Die Kreisräte wiederum verweisen auf Veränderungen in der Krankenhauslandschaft in den vergangenen Jahren.

Karlheinz Börkel, CDU-Fraktionsvorsitzender und Kreistagsmitglied, hat bereits vor einiger Zeit, in einem Gespräch mit der Redaktion GSCHWÄTZ, auf Veränderungen in der Krankenhauslandschaft hingewiesen, durch die es immer schwerer werde für kleinere Häuser zu überleben. Stichwort: Fallpauschalen/DRGs und Mindestmengen. :http://www.g-drg.de/Aktuelles/Abrechnungsbestimmungen_und_DRG-Fallpauschalen-Katalog_2018

Landrat Dr. Matthias Neth verweist darauf, dass der Bau des Ärztehauses unabhängig vom Krankenhaus eine sinnvolle Investition für die Sicherstellung einer ambulanten Versorgung war. Das privat geführte Ärztehaus oder auch MVZ (medizinisches Versorgungszentrum) in Forchtenberg könne für Künzelsau Vorbildcharakter haben.

Ein Mitglieder der BI erklärt: „Die Entscheidung für Künzelsau ist gefallen, aber wir wollen, dass es nicht in Vergessenheit gerät, dass das Künzelsauer Krankenhaus viele Jahre gut dagestanden hat und jeder hier sein Bestes gegeben hat.“

// Landrat Neth: „Wir werden Künzelsau finanziell unterstützen“ //

Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth betonte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, dass die BBT-Gruppe „fünf tolle Konzepte“ für Künzelsau habe und er „optimistisch“ in die Zukunft gehe. Warum wurden die Konzepte nicht an der Kreistagssitzung in Pfedelbach am 21. März 2018 (wir berichteten) vorgestellt? Neth verweist darauf, dass es sehr unterschiedliche Konzepte seien und man erst mit den externen Akteuren bezüglich einer möglichen Umsetzung sprechen müsse. Wird der Hohenlohekreis die Umsetzung eines der Konzepte in Künzelsau auch finanziell mittragen? Neth: „Wir haben keine rechtliche Verantwortung, aber eine politische und moralische. Wir werden daher auch finanziell Künzelsau bei der Umsetzung unterstützen.“ Er bedaure selbst, dass „wir nun nochmal eine Durststrecke haben“, bis es an die Umsetzung für Künzelsau gehe.

// BI meldet neuen Investor //

Kurz vor Ende des Markterkundungsverfahrens hat sich Eckle nochmals an Neth gewandt, da er einen neuen Interessenten für das HK gefunden habe. Ein am 05. März datiertes Schreiben mit dem Titel „Hohenloher Krankenhaus – Überlegungen zum Strukturkonzept“ hat Eckle per E-Mail an Landrat Neth geschickt. Darin der Verweis auf drei potenzielle Interessenten für das HK – mit Interesse an beiden Standorten, Künzelsau wie auch Öhringen. Das Angebot der Beteiligungsgesellschaft: „Möglichkeit A) „Rückkauf aller Planbetten zum Ausbau und Neuausrichtung als Plankrankenhaus. Möglichkeit B) Klinik als wissenschaftliche Forschungseinrichtung zur Entwicklung neuer Therapieverfahren. Angedachtes Kapitalvolumen zum Gebäudeerwerb, zum Planbettenrückkauf, zur Weiterentwicklung, Ausstattung und Personalentwicklung: 150 Millionen Euro.“ Der Inhalt umfasst eine halbe DIN-A4-Seite. Wer der Interessent sei, wollte Eckle nicht verraten.

Landrat Neth antwortet in einem Schreiben vom 14. März 2018, dass sich Interessenten an Oberender und Partner wenden können, die das Markterkundungsverfahren betreuen und verweist auf den 21. März 2018, an dem der Kreistag in einer öffentlichen Sitzung das Markterkundungsverfahren beendet.

Eckle findet es bedauerlich, dass Neth die Chance nicht genutzt habe, sich vor Beendigung des Markterkundungsverfahrens mit dem Vertreter der Investitionsfirma zu unterhalten. Neth wiederum verweist darauf, dass BBT zu dieser Zeit bereits ein über 500-seitiges Konzept vorgelegt habe. „Jeder hatte die Möglichkeit, sich ordnungsgemäß zu bewerben.“

// Eckle bescheinigt BBT ordentliches Management und Künzelsaus‘ Bürgermeister Neumann Machtlosigkeit //

Der BBT-Gruppe steht Eckle positiv gegenüber und bescheinigt ihr ein ordentliches Management. Das sei ersichtlich, da jedes ihrer Häuser, auch die kleineren in der Gruppe, schwarze Zahlen schreiben würden. Für Eckle bedeutet das: „Man sieht also: Auch kleinere Häuser können schwarze Zahlen schreiben, wenn man das Krankenhaus richtig führt. Das war auch in Künzelsau möglich.“ BBT sieht in Öhringen für die Zukunft als Grundversorgerkrankenhaus. Zugleich will die Gruppe Schwerpunkte setzen in den Bereichen Kardiologie, Onkologie und Geriatrie. Das sei aber keine neue Idee, so Eckle.

Im Zuge des Baus des Ärztehauses und der Sanierung des Krankenhauses Künzelsau habe man damals ebenfalls Schwerpunkte gesetzt, in Künzelsau im Bereich Kardiologie und Schlaganfalleinheit und in Öhringen im Bereich Geburtshilfe als Familienkrankenhaus.

Künzelsaus‘ Bürgermeister, Stefan Neumann, sieht Eckle bei den Entwicklungen in den vergangenen Jahren in einer glücklosen Rolle: „Es zeigt sich, dass er keinen Einfluss auf das Ganze nehmen kann.“

// Zur Person Dr. Andreas Eckle //

Dr. Andreas Eckle war 25 Jahre Chefarzt am HK und 13 ärztlicher Direktor.

 

Siehe auch:

 

 

 

 

 




Wackelt auch Öhringen?

Ein Kommentar von Matthias Lauterer.

Am Mittwoch, den 21. März 2018, (frühzeitige Platzbelegung könnte angeraten sein, denn der Verein Mehr Demokratie e.V. hat sich zu dem Thema Volksantrag angesagt) wird also angeblich über die Zukunft der medizinischen Versorgung des Hohenlohekreises entschieden. Eine wirkliche Entscheidung ist es wohl nicht, denn es gibt nur einen einzigen Anbieter, der noch in der Lostrommel steckt.

Und eine Abstimmung über die Zukunft der medizinischen Versorgung ist es auch nicht: Es ist genaugenommen nur eine Entscheidung über den zukünftigen Betreiber des Krankenhauses. Über das „Drumherum“ wird gar nicht entschieden, dafür bestünden immerhin „Modelle“ oder „Varianten“, die aber noch „zu konkretisieren“ seien und über ein „Konzept“ müsse noch entschieden werden.

Nichtsdestotrotz ist jetzt schon klar, daß es eine riesige Mehrheit geben wird, denn die Entscheidung ist ja ganz offensichtlich „alternativlos“. Wir und der Kandidat müssen uns da keine Sorgen machen: Am Ende wird die BBT als alleiniger Bieter den Zuschlag erhalten – wahrscheinlich zu sehr vorteilhaften Bedingungen, da  Landrat Matthias Neth den vorgeblichen Verlustbringer Krankenhaus gewißlich wenigstens für die nächste Zeit erstmal vom Hals haben will.

Und man wird wohl in einer Pressemitteilung noch betonen, wie toll es doch sei, daß man einen „lokal engagierten“ Partner „gewonnen“ habe, mit dem „die Zukunft der Medizinversorgung im Hohenlohekreis gesichert“ ist.

Es bleibt die Frage offen, warum von den vielen Anbietern auf dem „Gesundheitsmarkt“ – eine „eine zweistellige Zahl an Interessenten“ folgte schließlich „der Aufforderung zur Abgabe einer Interessenbekundung“ – überhaupt nur einer übriggeblieben ist – und vor allem, warum ein zweiter Anbieter ganz kurz vor dem Ende des Verfahrens sich überraschend entschlossen hat, doch kein Gebot abzugeben.

Nun, laut Sitzungsvorlage liegen den Absagen vieler Bieter „negative Bewertungen bzgl. der Zukunftsaussichten des Standorts Öhringen“ zugrunde …
Nur gut, daß diese Haupthäuser durch die stündliche Buslinie nach Mergentheim … ach, nein, über den Stundentakt wird ja auch schon wieder nachgedacht …

Und warum erfährt man wieder nichts, was über das eigentliche Krankenhaus hinausgeht? Die Vernetzung der Fachärzte mit den stationären und ambulanten Strukturen, die heutzutage von den beiden Krankenhäusern im Hohenlohekreis in guter Qualität angeboten werden? Die notwendige Verstärkung der Rettungsdienste und Transportdienste? Dazu heißt es nur:
„Dieses Nachnutzungskonzept der BBT-Gruppe für Künzelsau zeigt fünf verschiedene Modelle oder Varianten auf, die von BBT nach Übernahme der Geschäftsanteile an HK innerhalb definierter Fristen noch weiter zu konkretisieren sind. Ein Nachnutzungskonzept für Künzelsau ist einzig kommunal zu finanzieren. Über ein entsprechendes Konzept muss der Kreistag im Laufe des Jahres 2018 entscheiden.“

Ich gehe selbstverständlich zuversichtlich davon aus, daß unser Landrat bereits für ganz kurz nach dem 21.3. eine große Informationsveranstaltung für die Bürger geplant hat, um die fünf Modelle vorzustellen und die Meinung und den konstruktiven Input der Bürger abzuholen.

Leider sind weiterhin nur inhaltsleere Worthülsen im Umlauf – jetzt ist plötzlich nicht mehr das vom Landrat so bezeichnete Medizinische Versorgungs Zentrum MVZ aktuell sondern jetzt bereichert der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann seinen Wahlkampf und unseren Wortschatz in einem Statement fürs Gschwaetz durch das wohlklingende Wort Gesundheitscampus (ich sehe gerade: das Wort ist noch so frisch, das steht noch gar nicht auf meinem Bingo-Kärtchen), ohne allerdings zu sagen, was das überhaupt sein soll und wie sich dieser von einem ebenso undefinierten MVZ unterscheiden soll.

Stefan Neumann befindet sich schon im Wahlkampfmodus – aber mit inhaltsleeren Worthülsen ist niemandem gedient und das Thema ist zu wichtig, als daß es durch noch so toll klingende Wortschöpfungen zu erschlagen wäre.

Nein – es müssen endlich Konzepte und Zahlen öffentlich kommuniziert werden und es braucht eine konstruktive Beteiligung der Betroffenen: der Bürger und vor auch von denjenigen, die heute und in Zukunft die medizinische Versorgung der Bürger gewährleisten! Ob ich das dem  Bürgermeister oder dem Landrat sage oder an eine  Parkuhr predige … wir werden irgendwann überrascht mit einer Versorgung, die „nachhaltig und für die Zukunft tragfähig“ ist.

Den kompletten Kommentar gibt es auf:

https://matthiasausk.blogspot.de/2018/03/wahlkampf-und-worthulsenalarm-rund-um.html

 




Ärztemangel // Übervolle Wartezimmer & Aufnahmestopps

// Jagsttal muss längere Wege in Kauf nehmen //

 

Das hat dem Jagsttal gerade noch gefehlt. Seit einigen Monaten hat die Hausarztpraxis von Dr. Rainer Freyburger in Dörzbach krankheitsbedingt geschlossen. Ob und wenn ja, wie lange der bereits im fortgeschrittenen Alter praktizierende Arzt überhaupt noch weitermachen kann, ist nicht sicher. „Das Jagsttal ist sowieso schon chronisch unterversorgt“, klagt Dr. Andreas Kühn, Vorsitzender der Ärzteschaft Künzelsau und verweist auf zahlreiche Praxen, die in den vergangenen Jahren geschlossen haben: angefangen bei Praxis Dr. Ganz, der 2011 aus persönlichen Gründen seine Praxis geschlossen hat. Einen Nachfolger für die Praxis hat er nicht gefunden.

Freyburgers Patienten versorgen derweil die umliegenden Ärzte, unter anderem Dr. Arno Hofmann. Aber auch er ist an seiner Leistungsgrenze angekommen. Wenn er Glück habe, beginne sein Arbeitsstag um sieben und ende zwischen 20 und 22 Uhr.

 

// Kinderärzte sind ungleich im Hohenlohekreis verteilt //

Bei Kinderarzt Dr. Marcel Monn in Künzelsau sieht es ähnlich aus. Seit Beginn seiner Tätigkeit 2003 bis heute hat er 80 Prozent mehr Patienten. Monn: „Nicht, dass ich nicht alle Kinder gerne auch medizinisch versorgen wollte. Jedoch kann ich es leider nicht leisten.“ Fragt man in der Kinder- und Jugendarztpraxis Dr. Baumann, Wagner und Hauser in Öhringen nach, bekommt man eine andere Antwort. Baumann: „Organisation ist alles. Wir haben drei Telefonleitungen, über die unsere erfahrenen Helferinnen Termine vergeben. Natürlich muss man auch Verständnis haben, dass wenn ein Kind erst seit einer Stunde Halsschmerzen hat, man vielleicht noch einen Tag warten sollte.“
In seiner Praxis werden pro Tag laut eigenen Aussagen zirka 130 Patienten behandelt. „Akute Fälle, sei es Fieber oder Schmerzen, erhalten noch am selben Tag einen Termin zur Behandlung. Bei chronischen Krankheiten kann es zu einer Wartezeit von 14 Tagen kommen.“ In der Praxis haben Patienten jedoch andere Erfahrungen gemacht. Als eine Mutter bei Dr. Baumann angerufen hat wegen Verdachts auf Scharlach bei ihrem Sohn und ihr eigentlicher Kinderarzt Dr. Monn über die Faschingsferien geschlossen hatte, wurde sie mit den Worten abgewiesen, dass die Praxis voll sei und sie zu einem anderen Arzt gehen müsse.

Seit zwei Jahren nimmt Dr. Hofmann keine zusätzlichen Patienten mehr an, nur noch in Notfällen. Die Praxis von Dr. Monn nimmt momentan nur noch Neugeborene aus Künzelsau neu auf, jedoch keine anderweitig versorgten Geschwisterkinder. Das Arbeitspensum senken konnten beide dadurch nicht. Denn: Immer mehr Bürokratie sei hinzugekommen. So gelte es etwa beim Ausstellen eines einfaches Rezeptes diverse Dinge zu beachten. Hofmann: „Wir müssen unter anderem das preisgünstigste Medikament heraussuchen.“ Beim Ausstellen eines Rezeptes für Krankengymnastik gebe es einen über 30 Seiten starken Katalog zur Vorgehensweise.

 

// zu viel Bürokratie lähmt die Praxen //

 

„Die Politik hat nicht verstanden, dass junges Blut fehlt. Das wurde bereits vor zehn Jahren bemängelt“, kritisiert Hofmann.
Heute gehen ausgelernte Mediziner lieber in eine Klinik mit geregelten Arbeitszeiten, als in eine eigene Praxis. Besonders für Frauen sei der Alltag in einer Praxis schwierig mit einer eigenen Familie zu vereinbaren, gibt Hofmann zu bedenken. „Der Beruf ist attraktiv, aber heute möchte keiner mehr 50 bis 60 Wochenstunden arbeiten, sondern jeder Familie und Beruf besser kombinieren können“, so auch die Einschätzung von Swantje Middeldorff, stellvertretende Sprecherin der kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (kV). Wobei die Brisanz nicht nur im ländlichen Raum liege. „In Baden-Württemberg ist es mittlerweile nahezu überall möglich, eine Praxis aufzumachen, da überall Ärzte gesucht werden, auch in Stuttgart.“ Hofmann fordert, den Arztberuf zu entbürokratisieren und den Numerus Clausus herunterzusetzen, um wieder mehr Menschen in das Medizinstudium zu bringen. Middeldorff von der kV betont allerdings: „Wir haben mehr als genug Bewerber auf die Medienstudienplätze. Es müsste einfach generell mehr Plätze geben.“ Das Problem: Das kostet die einzelnen Universtitäten und damit Bundesländer mehr Geld. Aber nun sei dieses Mehr an Medizinplätzen wohl in derm derzeit vorliegenden vorläufigen Koalitionspapier von CDU/CSU und SPD endlich verankert.
Im Hinblick einer immer älter werdenden Gesellschaft werden langfristig generell wesentlich mehr Ärzte benötigt. Hinzu kommt eine steigende Zahl an psychosomatischen Erkrankungen. „Die Krankheitslast der Kinder verlagert sich zunehmend in den deutlich zeitaufwändigeren Bereich der Psychosomatik und Sozialmedizin, bei der man nicht in fünf Minuten eine Lösung aus dem Hut zaubern kann“, so Dr. Monn.

 

// Mehr Medizinstudienplätze muss es geben //

 

Bis das Mehr an Medizinern mit dem Studium fertig ist, vergehen allerdings zehn bis 15 Jahre. Bis dahin „müssen die Menschen bereit sein, längere Wege in Kauf zu nehmen und 30 Kilometer bis zum nächsten Arzt zu fahren“, so Hofmann. Seit 24 Jahren praktiziert er am Standort Dörzbach. Seine Tochter studiert Lehramt.

 

// Wo fehlen Ärzte besonders? Hier geht’s zur Landkarte //

Die Landkarte der Hausärzte der kassenärztlichen Vereinigung in Baden Württemberg ist bis auf ein paar wenige rote Flecken grün. Das heißt: Überall dort, wo es grün ist, gibt es freie Sitze, wo sich Ärzte niederlassen können: In Öhringen, Heilbronn oder Bad Mergentheim etwa. Künzelsau und Schwäbisch Hall sind dagegen rot markiert. Das heißt: Hier darf man derzeit keine neue Hausarztpraxis eröffnen, da es bereits genügend Ärzte dort gibt. Wie rechnet die kV? Ein Arzt auf 1.670 Einwohner ist der Verteilerschlüssel, so Swantje Middeldorff. Bei den Kinderärzten ist alles bis auf Biberach rot. Sprich: Eine weitere Kinderarztpraxis zu eröffnen, ist derzeit fast nirgends zulässig. Die Landkarte gibt es auf: http://www.kvbawue.de

Fotos // GSCHWÄTZ; adobe stock




Frisch gedruckt: Unsere GSCHWÄTZ-Januar-Ausgabe

// Interne Prüfungen beim Deutschen Roten Kreuz (DRK): Was unterscheidet Malteser, ASB und diverse andere Verbände vom DRK Hohenlohe? Sie zahlen Steuern beim Verkauf von Kleiderspenden aus Altkleidercontainern. Derzeit laufen interne Untersuchungen, ob es rechtens ist, dass der DRK Hohenlohe keine Steuern diesbezüglich abführt. Was sagt der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, dazu?

// Hetzer oder Held? Dr. Andreas Eckle äussert sich im Interview zu den Vorwürfen gegen seine Person, die von Kreisräten, dem Landrat und der hiesigen Tagespresse gegen ihn erhoben wurden und sagt, warum das Krankenhaus Künzelsau nie hätte geschlossen werden dürfen

// 30 Jahre Gonzo live. Der Musiker aus Künzelsau, der weltweit Auftritte hat, öffnet uns seine Türen zu seinem Palast und hat mit uns über Tinder, Star Wars und das Wichtigste in seinem Leben gesprochen.

Ab heute überall zu kaufen: Unsere frisch gedruckte GSCHWÄTZ-Januar-Ausgabe // Mehr wissen // Wir lieben unser Ländle //




Dr. Krist entlastet BI-Sprecher Andreas Eckle

An der  37. Mittwochsdemo der Bürgerinitiative Pro Krankenhaus Künzelsau (BI) am 20. Dezember 2017 vor dem Krankenhauseingang in Künzelsau gab es einige Menschen, die sich zu Wort gemeldet  und Dr. Andreas Eckle, den Sprecher der BI, verteidigt haben. Vorausgegangen waren in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Angriffe gegen den BI-Sprecher von Seiten des Kreistags und der hiesigen Tagespresse, der Heilbronner Stimme, die Eckle vorwarfen, eine Hetzkampagne gegen den ehemaligen Krankenhaus-Geschäftsführer Dr. Andor Toth zu betreiben, so dass dieser letzten Endes eine Stelle am Zollernalb-Klinikum nicht bekam. Nachdem Eckle in den vergangenen Wochen dadurch immer mehr unter Druck geraten war, haben sich nun mehrere Bürger wie Ärzte öffentlich geäussert, Eckle verteidigt und entlastet.

Besonders das kurze Statement von Dr. Matthias Krist lies die zirka 200 anwesenden Demonstranten aufhorchen. Der HNO-Arzt aus Künzelsau wollte eigentlich nichts sagen, wie er betonte. Aber „nachdem ich gesehen habe, wie auf intrigante Weise mit Herrn Eckle in der Öffentlichkeit umgegangen wird, möchte ich eine Aussage machen“. Und das, was er zu sagen hatte, hatte Gewicht: „Ich bin persönlich von verschiedenen Leuten, Ärzten und Nicht-Ärzten, aus dem Zollernalbkreis in meiner Praxis angerufen worden. Diese Leute waren bereits informiert über Herr Toth, inklusive der Prozesse, die er verloren hatte.“ Krist wurde von den Anrufern gefragt, ob das alles stimme, was man von Toth gehört habe. Krist entgegnete: „Ja, das stimmt. Das heißt“, so Krist weiter, „wir sind angerufen worden. Wir haben niemanden angerufen.“

Kreisräte und die hiesige Tagespresse, die Heilbronner Stimme, warfen der BI und Eckle in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder vor, Schuld an der Nicht-Einstellung Toths im Zollernalbkreis zu sein und unter anderem im Zollernalbkreis angerufen und Stimmung gegen Toth gemacht zu haben. Dr. Andor Toth war bis Anfang des Jahres 2017 Geschäftsführer der Hohenloher Krankenhauses gGmbH (HK), bevor der Kreisrat beschlossen hat, einen anderen Geschäftsführer hierzu einzustellen. Kritiker werfen Toth Missmanagement vor.

Auch einige Bürger haben sich zu Wort gemeldet, unter anderem Robert Beck. Er kritisierte die Abwertung der Demonstranten in der regionalen Tagespresse: „Hier demonstrieren nur normale Bürger. Für uns ist die Schließung des Krankenhauses Künzelsau ein Verbrechen am Bürger und der Gesundheitsversorgung vor Ort im ländlichen Raum.“

Auch der AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron war vor Ort an der Demo ebenso wie der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Hans-Jürgen Saknus und der Hohenlohe-unzensiert-Blogger Matthias Lauterer. Man wolle das Bieterverfahren, das demnächst abgeschlossen sein müsste, abwarten und verfolgen, wer nun der neue Mehrheitseigener der HK werde, so die BI zum weiteren Vorgehen. Interesse bekundet hatten unter anderem das Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim sowie das Diak in Schwäbisch Hall. Der private Investor Ameos war interessiert an beiden Standorten, sowohl an Künzelsau als auch an Öhringen.

 




Jetzt wird’s persönlich

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann zur Berichterstattung der Hohenloher Zeitung über Dr. Andreas Eckle (BI) und Dr. Andor Toth

Eine „Hasskampagne“ sei von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Hohenloher Krankenhauses (BI) gegen Dr. Andor Toth gefahren worden, so sagt es Uwe Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme und Hohenloher Zeitung, in seinem 360-Grad-Video von vergangener Woche, während er eigentlich gerade dabei war, die Vorzüge des Sole- und Saunaparadieses Rappsodie in Bad Rappenau vorzustellen. So ein Verhalten sei „menschenverachtend“ und „unterste Schublade“. Dann stellte er weiter die Vorzüge der Therme vor. Was ist passiert?

Für alle, die das Thema Hohenloher Krankenhaus (HK) längst ad acta gelegt haben: Andor Toth war der ehemalige Geschäftsführer der HK, Vorgänger des jetzigen Geschäftsführers Jürgen Schopf. Der Aufsichtsrat der HK hat sich von ihm nach einer kurzen Amtszeit als Geschäftsführer getrennt und Jürgen Schopf zum 01. Februar 2017 zum neuen Geschäftsführer bestellt. Danach bewarb sich Andor Toth bei dem Zollernalb-Klinikum in Balingen als Geschäftsführer.  Laut diversen Aussagen von hiesigen Kreisräten während einer Kreistagssitzung im Juni 2017, nun von der Hohenloher Zeitung noch einmal recherchiert und von dem Landrat in Balingen bestätigt, gab es wohl Anrufe von Seiten der BI beim Balinger Klinikum mit Verweis auf das wenig rühmliche Abschneiden Toths während seiner Zeit in Künzelsau und Öhringen. Dies soll nun der Grund gewesen sein, warum Toth den dortigen Posten nicht bekommen habe.

Dr. Andreas Eckle soll laut der HZ der böse Bube gewesen sein, der hinter den Anrufen gesteckt kat. Eckle hat gegenüber der HZ schon vor einiger Zeit gesagt, dass er nicht dort angerufen hat. Trotzdem wird sein Name wieder aufs Tableau gebracht und auch seine Frau findet Erwähnung. In einem Kommentar schreibt Uwe Heer: „Dass er [Eckle] seine Gegner vernichten will, das ist schäbig. Seine Frau wird übrigens neue Vorsitzende des Sportkreises Hohenlohe. Dort legt man Wert auf Fair Play. Sie sollte ihrem Mann darin Nachhilfe geben.“

Als Chefredakteur einer unabhängigen Zeitung macht  Heer mit seinen brachialen Sätzen genau das, was er Eckle vorwirft: Er diffamiert eine Person persönlich, hat jedoch keine Beweise, dass Eckle dort angerufen hat. Auch vor Gericht gilt: Wenn es keine Beweise gibt, im Zweifel für den Angeklagten. Fair Play, oder?

Fotos // Youtube, GSCHWÄTZ




Fast jeder zweite bezahlt zu wenig, jeder vierte beschäftigt illegal Ausländer

// Zoll untersucht Gastronomiegewerbe – auch im Hohenlohekreis

Bei einer bundesweit durchgeführten Prüfung im Gastronomiesektor am Donnerstag und Freitag, den 09. und 10. November 2017, waren 51 Beschäftigte des Hauptzollamts Heilbronn eingebunden. Die Prüfobjekte wurden sowohl verdachtsunabhängig als auch risikoorientiert aufgesucht. Hierbei hat der Zoll laut einer aktuellen Pressemitteilung Personenbefragungen der vor Ort angetroffenen Beschäftigten in Restaurants, Schnellimbissen und Gaststättenbetrieben in mehreren Städten und Gemeinden im Großraum Heilbronn, Ludwigsburg, Öhringen sowie dem Main-Tauber-Kraus und Hohenlohe durchgeführt.

„Die konzertierte Maßnahme sollte unter anderem die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns sicherstellen, Fälle von Scheinselbstständigkeit oder Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt aufdecken“ erklärt Marcel Schröder, Pressesprecher des Hauptzollamts Heilbronn. Daneben ermittelt der Zoll auch Fälle illegaler Ausländerbeschäftigung und Fälle von Leistungsbetrug. Mit dem Hotel- und Gaststättengewerbe wurde ein Segment des Arbeitsmarkts überprüft, das den besonders von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung betroffenen Branchen zuzurechnen ist. Der vom Gesetzgeber verankerte Mindeststundenlohn im Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe beträgt 8,84 Euro.

Neben den Beschäftigten kontrollierte der Zoll in insgesamt 61 Betrieben auch deren Arbeitgeber und hat dabei folgende Feststellungen getroffen:

//  In insgesamt 26 Fällen, also in fast jedem zweiten Betrieb, besteht der Verdacht des Verstoßes gegen das Mindestlohngesetz

// In 25 Fällen besteht der Verdacht der Beitragsvorenthaltung

// In 14 Fällen, also bei fast jedem vierten Betrieb, besteht der Verdacht der illegalen Ausländerbeschäftigung

// In 9 Fällen besteht der Verdacht des Leistungsmissbrauchs

„Leider belegen die festgestellten Verdachtsfälle, dass „fairer Lohn und fairer Wettbewerb“ trotz wirtschaftlich günstiger Zeiten keine Selbstverständlichkeiten sind, die sich auf dem Arbeitsmarkt von alleine einstellen“, begründet Marcel Schröder die Prüfungsmaßnahmen und ergänzt: „Mit dieser Kontrollaktion versucht der Zoll auch, das in der Bevölkerung vorhandene Unrechtsbewusstsein gegenüber der Schwarzarbeit und der illegalen Beschäftigung in allen ihren vielfältigen Ausgestaltungen zu stärken und diesen Beschäftigungsformen somit die gesellschaftliche Akzeptanz zu entziehen“. Seit 1. Januar 2017 gilt der gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro auch für Beschäftigte im Hotel- und Gaststättengewerbe. Der überwiegende Teil der Beschäftigungsverhältnisse in diesem Tätigkeitsfeld besteht aus geringfügig Beschäftigten.

Foto // Putzkäfte gibt es jetzt auch schon ganz günstig, etwa bei Playmobil.

 




Bürger in Künzelsau 1 Monat nach der Bundestwahl: „Angela Merkel hat mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht“

Von den knapp 170.000 Wählern im Wahlkreis 268 (Schwäbisch Hall – Hohenlohe) haben ihre Erststimme 40,5 Prozent der CDU gegeben. 18,5 Prozent der Stimmen bekam die SPD. Drittstärkste Partei ist die AfD mit 13,5 Prozent noch vor der FDP und den Grünen geworden. Wie die Hohenloher mit dem Wahlergebnis zufrieden sind und warum wohl jeder achte Wähler blau gewählt hat, das haben sie Dr. Felix Kribus vor dem Künzelsauer Rathaus erzählt – eine nicht repräsentative Umfrage.

Manuel Schäfer, Künzelsau, Azubi:

„Es ist echt beschissen ausgegangen, weil es traurig ist, dass ein Land, das die Geschichte so geprägt hat, so viele AfD-Wähler hat und auch Sonstiges ziemlich altmodisch bleibt und nichts Neues von den Leuten gewählt wird. Man sollte sich um die Leute kümmern, die Hilfe brauchen und nicht über Abschiebung oder Mindestgrenzen nachdenken.“

Uwe Haag, Künzelsau:

„Ich bin erstaunt, habe es fast befürchtet mit dem Wahlergebnis. Das Abschneiden der AfD macht mir Sorgen und ich bin gespannt, wie es weitergeht, wie sich die Dinge entwickeln und gestalten werden und wann die Menschen merken, dass man zwar ein Recht hat auf Veränderungen, aber dass das so nicht der richtige Weg ist.“

Klaus Hillenmaier, Ingelfingen:

„Es ist erschreckend, dass die AfD so viele Stimmen von uns Bürgern erhalten hat. Das war sehr viel Protestwahl. Aber es geht auch sehr viel tendenziell mehr in Richtung rechts. Dass die Verhältnisse jetzt so sind, dass es schwieriger wird, eine Regierung zu bilden, vor allem auch dieser Schwester- oder Bruderkrieg von der CDU/CSU finde ich nicht richtig.“

Ingo Rudolph, Künzelsau:

„Ich finde, das Wahlergebnis spiegelt die derzeitige Lage in Deutschland wieder. Ein Teil hat aus Überzeugung gewählt. Aber die meisten haben aus Protest gewählt, weil sie die großen Parteien nicht wählen wollten. Die Linke ist ja bei Protestwählern schon rausgefallen und deshalb auch keine Protestpartei mehr.“

A. C. (möchte anonym bleiben):

„Das war meine Erstwahl. Ich habe mir Videos angeschaut, habe mich mit meinen Freunden ausgetauscht. Jede Partei hat Versprechungen gemacht und man kann sich sicher sein, dass nicht alles so realisierbar ist, aber es hört sich sehr gut an. Ich war sehr enttäuscht, dass in meinem Freundeskreis wirklich junge Leute, um die 20 Jahre, AfD, gewählt haben.




Maulkorb für Rettungsdienstmitarbeiter

Seit Freitag, den 27. Oktober 2017, gibt es unsere November-Ausgabe in gedruckter Form zu kaufen. Der Aufmascher: Rettungsdienst am Limit. Warum Fahrzeuge im Hohenlohekreis nicht oder nur bedingt einsatzbereit ausrücken können. Fast zur selben Zeit erhielten Rettungsdienstmitarbeiter des DRK (Deutschen Roten Kreuzes) Hohenlohekreis eine interne E-Mail von Ihrem neuen Chef, Kreisgeschäftsführer Bernd Thierer. Darin werden die Mitarbeiter explizit darauf hingewiesen, den Umgang mit der Presse zu meiden und auf ihre Schweigepflicht hingewiesen.

In unserer Analyse über den Rettungsdienst im Hohenlohekreis in unserer aktuellen gedruckten Ausgabe bemängen Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter unter anderem die dünne Personaldecke, die hohe Überstundenzahl und „signifikante Mängel in der Führung, Organisation und Anwendung einschlägiger Vorschriften und Leitlinien“. Besonders in der Kritik steht dabei Karl Heer, der bis vor kurzem Kreisgeschäftsführer des DRK war: „Unser ehemaliger Kreisgeschäftsführer (…)  hat viele richtige Dinge dort gesagt, leider aber auch dreist gelogen. Er sagte, dass bisher noch keine Rettungsfahrzeuge wegen Personalmangel ausgefallen seien und das ist schlichtweg falsch“, sagen Mitarbeiter.