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Erste Schätzungen für den Hochwasserschutz Künzelsau: bis zu 20 Millionen Euro

Sabrina Theel vom Ingenieurbüro BIT hat Planungen und das Starkregenrisikomanagementkonzept dem Künzelsauer Gemeinderat vorgestellt. Der Gemeinderat hat dem bei der Gemeinderatsitzung am Dienstag, den 19. November 2019, zugestimmt. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst.

Insgesamt sind im Handlungskonzept 59 Maßnahmen in Künzelsau und den Stadtteilen enthalten, die entsprechend verschiedener Prioritäten bis 2030 ausgeführt werden sollen. Damit erforderliche Haushaltsmittel bereitgestellt werden können, hat das Büro BIT Ingenieure eine Grobkostenschätzung – ohne wesentliche Grundlagenermittlung, Kenntnisse über wirtschaftliche Machbarkeit und Umsetzung, da dies in Detailplanungen ermittelt werden muss – vorgelegt. Demnach werden zwischen 13 und 20 Millionen Euro – ohne Förderung – in den Jahren 2020 bis 2030 benötigt. Die Daten des Starkregenrisikomanagementkonzepts sollen bis Ende des Monats an das Landratsamt Hohenlohekreis und das Regierungspräsidium übergeben und bis Ende des Jahres abgestimmt werden.

Im Rahmen des Starkregenrisikomanagements wurde eine Gefährdungsanalyse durchgeführt, Risikobereiche analysiert und dokumentiert, daraus Maßnahmen abgeleitet und in einem Handlungskonzept zusammengefasst. Ziel dieses Handlungskonzeptes ist ein Konzept zu erstellen, das Überflutungsschäden minimiert. Es wurden Maßnahmen zum Schutz vor Überflutung durch Starkregen und vor Flusshochwasser betrachtet.

Vorgeschlagen sind unter anderem Maßnahmen wie Retentionsraum in der Ortslage von Amrichshausen zu schaffen, die Aufstockung der Hochwasserschutz-Einrichtungen am Kocher in Künzelsau in der Würzburger Straße und anschließend auch in Morsbach durchzuführen. Um Starkregen besser abzuleiten, sind Verbesserungen an einem Einlaufwerk in Amrichshausen oder in Künzelsau an verschiedenen Stellen der Einbau von Treibgutrechen, Geröllfängen und Geländemodellierungen angedacht. In Kocherstetten ist geplant, 2020 die Brücke über den Heiligenbach zu erneuern und damit das Risiko der Überflutung in der Ortslage zu entschärfen. Im Förderprogramm des kommunalen Sanierungsfonds Brücken wurde die Erneuerung der Heiligenbachbrücke angemeldet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 318.000 Euro brutto. Hiervon sind 126.720 Euro brutto zuwendungsfähig. Die Förderquote beträgt 50 Prozent und ergibt eine Zuwendungshöhe von 63.360 Euro brutto.

Quelle: Pressemitteilung des Stadtverwaltung Künzelsau




Alles überflutet: Was wurde seit dem Hochwasser 2016 getan?

Das Hochwasser von 2016 lässt den Hohenlohern noch heute einen kalten Schauer über den Rücken laufen, wenn sie daran denken. Aber inwieweit wurde der Hochwasserschutz seit der letzten Flut 2016 vorangetrieben?

Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau, erklärt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Nach dem schlimmen Unwetter am 29. Mai 2016 hat der Gemeinderat festgelegt, ein Konzept für das Starkregenrisikomanagement zu erstellen, das das gesamte Künzelsauer Stadtgebiet auf Gefährdungsstellen untersucht. In der Gemeinderatssitzung am 29. April 2019 hat das beauftragte Büro BIT Ingenieure aus Heilbronn Risiko- und Gefährdungsbereiche sowie erste Sofortmaßnahmen benannt. Der Gemeinderat hat in dieser Sitzung beschlossen, im Verlauf des Künsbachs als Sofortmaßnahmen dieses Jahr noch an verschiedenen Stellen Rechen und Geröllfänge zu installieren. Geröll und Treibgut sollen damit bei einem Starkregen zurückgehalten werden.“ Außerdem seien weitere Baumaßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Amrichshausen und Ohrenbach für 2019 geplant.

Nach dem Beschluss des Gemeinderats soll, laut Sturm, nach der Umsetzung der Sofortmaßnahmen das Heilbronner Büro ein Handlungskonzept für das Starkregenrisikomanagement für das gesamte Künzelsauer Stadtgebiet erarbeiten. Mögliche Gefahrenbereiche sollen dargestellt, Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und zur Ausführungsplanung gebracht werden. Einen Zeitrahmen nannte die Stadtverwaltung hierbei nicht.

 

 




Erneute Straßensperrung zwischen Criesbach und Niedernhall

Die Straßenteilsperrung zwischen Criesbach und Niedernhall geht in die nächste Runde. Ab Montag, den 06. Mai 2019, wird der Straßenverkehr auf der Kochertalstraße zwischen der Tankstelle in Niedernhall und Criesbach einspurig geführt. Die Fahrzeuge von Criesbach kommend werden fortan über die Salzstraße geleitet. Grund ist der Start der Bauarbeiten für die Hochwasserschutzmaßnahme am Kocher. Ab dieser Woche erfolgt die Baustelleneinrichtung der Firma Wolff & Müller auf dem Kerl-Areal.

Quelle: Bekanntmachungsblatt der Stadt Niedernhall

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv/Hochwaser in Ingelfingen im Januar 2019




Hochwasser: Ingelfingen säuft ab

Ein Tag Regen reichte aus, um Ingelfingen unter Wasser zu setzen. Der Sportplatz an der Hauptstraße steht nach anhaltendem Regen komplett unter Wasser. GSCHWÄTZ war vor Ort und hat sich die Lage aus der Nähe angeschaut.

Es ist Sonntagabend, der 13. Januar 2019, 22.45 Uhr. Ein gruseliges Bild spielt sich hinter Dr. Sandra Hartmann ab, als sie am Sportplatz steht. Hinter ihr, so glaubt man im ersten Moment, könnte direkt der Kocher sein. Aber es ist der Sportplatz, der – wie so oft bei länger anhaltendem Regen – komplett vom Kocher überflutet wurde. Die Schneefälle bis Samstag, den 12. Januar 2019, waren der Vorbote für den Regen, der danach einsetzte. Binnen Stunden verbreiterte sich der Kocher um mehrere Meter, stieg gefährlich an.

Welche Maßnahmen ergreift Ingelfingen in den kommenden Jahren dagegen? Im Hintergrund ist die Kochertalstraße zu sehen.

Vor einigen Wochen erst wurden die Arbeiten für den Hochwasserschutz zwischen Criesbach und Niedernhall beendet. Eine Betonmauer entlang der Kochertalstraße (ab der Brücke zu Gemü bis kurz vor BTI in Niedernhall) soll die Kochertalstraße vor Überflutung schützen. Noch sind GSCHWÄTZ keine Pläne bekannt, dass die Stadt Ingelfingen auch das Gebiet um den Sportplatz speziell gegen Hochwasser schützen will. Die Firmen, die sich dort in unmittelbarer Nähe befinden  – Reisser, Bürkert und Gemü – schützen sich bereits seit Jahren mit Sandsäcken und speziellen Spundwänden, wenn die Gefahr eines Hochwassers droht.

Dass Wasser überflutete den gesamten Sportplatz und erreichte nach mehreren Stunden bereits fast die Kochertalstraße (rechts).

Das größte Hochwasser in jüngster Zeit gab es 2015, als viele Zuflüsse die Wassermengen, die vom Himmel kamen, nicht mehr fassen konnten und dadurch nicht nur Künzelsaus Innenstadt geflutet wurde, sondern auch viele kleinere Ortschaften im Kochertal. Am schwersten hat es dabei Braunsbach erwischt. Jahrelang hatten die Bewohner dort mit den Folgen des Hochwassers zu kämpfen. Damals hatten Städte wie Niedernhall und Künzelsau angekündigt, ihre Hochwasserschutzmaßnahmen zu verbessern.

Dr. Sandra Hartmann vor Ort

 

Video gedreht von Nadja Fischer