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Verkehrsministerium Ba-Wü mehr als deutlich: „Offenbar ist die Bahn mit diesem Großprojekt überfordert“

Wann die ersten Fahrgäste am Tiefbahnhof Stuttgart 21 ein- und aussteigen werden, ist wieder völlig offen. Die für Ende 2026 geplante Teileröffnung ist wohl vom Tisch. Neues Datum? Fehlanzeige.

Nun kritisierte auch das baden-württembergische Verkehrsministerium in einer Pressemitteilung die Deutsche Bahn.

Verkehrsminister Winfried Hermann erklärt zu den Berichten über eine mögliche Verschiebung der Eröffnung von Stuttgart 21 auf unbestimmte Zeit: „Die erneute Verschiebung von Stuttgart 21 auf unbestimmte Zeit ist für Region, Stadt und Land und vor allem für die Fahrgäste eine fatale Nachricht. Die Fahrgäste ächzen seit Jahren unter den Folgen der Großbaustelle und es ist einfach kein Ende des angeblich „best geplanten“ Bauprojekts absehbar. Das letzte bisschen Vertrauen in die Bahn wird mit dieser Ankündigung verspielt. Noch vor einem Monat hat uns die Bahn den Eröffnungstermin im nächsten Jahr bestätigt – auch auf Rückfragen. Diese Zusagen waren offensichtlich windig oder falsch. Wir fühlen uns getäuscht.

Es bestätigt sich abermals, dass die Bahn politisch in ein unfassbar kompliziertes und teures Mega-Projekt getrieben wurde. Stuttgart 21 zeigt seit Jahren ein Muster: Die Deutsche Bahn vertröstet, beschönigt, verzögert und die Kosten steigen. Offenbar ist die Bahn mit diesem Großprojekt überfordert. Sie hat Schwierigkeiten beim Bauen und beim Digitalisieren. Beides gemeinsam zu organisieren, gelingt ihr noch weniger. Jetzt scheint die Digitalisierung das Problem zu sein. Dabei ist schon seit vielen Jahren klar, dass dieser Knoten und die Schiene in Deutschland digitalisiert werden müssen. Eine mögliche Verschiebung auf unbestimmte Zeit kann nicht das letzte Wort sein. Wir fordern von der neuen Bahnchefin Evelin Palla echte Transparenz. Wir wollen keine neuen Termine ohne Substanz. Wir erwarten Ehrlichkeit statt weiterer Vertröstungen. Deshalb ist ein Sonderlenkungskreis zu Stuttgart 21 dringlich erforderlich.“

Quelle: Pressemitteilung des Verkehrsministeriums vom 19. November 2025




Ich bin da, nur meine Koffer nicht

Lange, eigentlich bis kurz vor meiner Reise nach Amrum, eine kleine Insel im hohen Norden, habe ich mit mir gerungen, ob ich wirklich den Auftakt meiner Reise in die Hände der Deutschen Bahn legen soll oder nicht doch, wie immer, in mein Auto steigen soll. Selbst das Ticket war bis kurz vor Reiseanritt noch als Autofährticket angelegt, damit ich mit meinem Fahrzeug zu der kleinen Insel geschippert werde.

In 3,5 Stunden von Würzburg nach Hamburg

Dann dachte ich an die nicht selten kilometerlangen Staus auf der A7, an den oft verstopften Elbtunnel bei Hamburg, an Unfälle auf der Strecke, kilometerlange Baustellen. Schließlich stornierte ich das Autofährticket und buchte ein normales Fährticket ohne Auto plus die Fahrt mit der Deutschen Bahn. Eine Bilanz.

Mit dem Auto hätte ich von Künzelsau nach Amrum laut Google für 79 km fast elf Stunden gebraucht (ohne Pausen). Bei der Bahn geht das alles – rein theoretisch – schneller und günstiger. Die  Hin- und Rückfahrt kostet mich mit einem Supersparpreistarif (kein Umbuchen möglich), 1. Klasse, 123 Euro. In 3,5 Stunden fährt der ICE von Würzburg nach Hamburg, dann noch zweimal umsteigen in kleinere Züge und schon steht man am Fähranlager zu der Insel Amrum.

Sitzplatzreservierung zu empfehlen

Die Züge waren allesamt nicht überfüllt, so dass man nicht unbedingt eine Sitzplatzreservierung haben müsste. Aber es empfiehlt sich vor allem im ICE, denn man will es sich ja während der mehrstündigen Fahrt gemütlich machen und nicht bei jeder Haltestelle Angst haben müssen, dass ein Fahrgast zusteigt, der genau diesen Platz reserviert hat und man dementsprechend das Feld räumen muss.

FFP2-Masken Pflicht

Das Abenteuer beginnt an einem Dienstagmorgen im Dezember 2021 um halb acht. In Würzburg am Bahnhof fällt man als Baden-Württemberger sofort auf, wird man doch sofort von drei Menschen darauf hingeweisen, dass in der Bahnhofshalle FFP2-Masken zu tragen seien. Willkommen in Bayern. Auch in den Dügen empfiehlt die Deutsche Bahn das Tragen von FFP2-Masken. Auf dem Bahnsteig teilt der Bahnhofslautsprecher mit, dass der ICE zirka eine halbe Stunde Verspätung hat. Dass das am frühen Morgen schon möglich ist, hätte ich nicht gedacht. Nach Überprüfung meines Zugtickets stelle ich fest, dass die Anschlusszüge ziemlich eng hintereinander fahren und ich vermutlich meinen ersten Anschlusszug und damit auch alle anderen verpassen werde, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Der Dominoeffekt tritt ein

Es geschieht kein Wunder. Stattdessen tritt der befürchtete Dominoeffekt ein. Ich frage die netten Mitarbeiter:innen, die mir eine Brezel und einen Kaffee an meinen Tisch bringen, ob ich denn den Anschlusszug in Hamburg Altona noch schaffe und wenn nicht, was Sie mir dann raten. Sie raten erstmal zu gar nicht viel. Ein Mitarbeiter vertröstet mich fast bis zum Schluss mit den Worten, dass ein ICE auch ein paar Minuten wieder reinholen könne und dann passt alles wieder. Letztendlich passt es nicht, da der Zug unerwarteterweise wegen Gleisarbeiten bereits in Hamburg und nicht in Hamburg Altona endet. Damit platzt der Traum endgültig mit dem reibungslosen Weiterkommen. Alle Fahrgäste steigen aus. Ein Mitarbeiterin der Deutschen Bahn zeigt mir noch den Weg zur S-Bahn, die Fahrten nach Hamburg Altona für die Anschlusszüge anbietet.

Die letzte Fähre bekomme ich noch

Mit der Verspätung erlischt zwar meine Verbindung, aber ich darf dadurch jeden anderen Zug, um an mein Ziel zu gelangen, zumindest kostenfrei nutzen. Mit einem Laptop unterm Arm und einem gefühlt 10 Kilo schweren Rucksack auf den Schultern erfahre ich von dem Mann im Informationshäuschen am Bahnhof in Hamburg Altona, wie meine weitere Verbindung aussehen könnte, nachdem ich den Anschluss verpasst habe. Ich muss zwar 1,5 Stunden warten und bekomme die 15 Uhr Fähre nach Amrum nicht mehr wie geplant, aber dafür zumindest noch die letzte Fähre des Tages um 20.30 Uhr.In diesem Moment will ich mir lieber nicht ausrechnen, ob ich mit dem Auto nicht doch schneller gewesen wäre. Aber entspannter als im Auto war die Zugfahrt im ICE allemal.

Alle Sitzplatzreservierungen waren hinfällig

Die Rückfahrt gestaltete sich weniger problematisch, da hier der Dominoeffekt trat nicht eintrat. Ich hatte aber solceh Angst, dass er eintritt, dass ich eine Fähre früher als geplant von Amrum aufgebrochen, dann mit den zwei kleineren Regionalzügen wieder nach Hamburg Altona gefahren bin, um dort dann 2 Stunden auf den ICE zu warten. In Hamburg Altona vergeht die Zeit dank der direkt angrenzenden Innenstadt dafür wie im Flug. Der bereitstehende ICE war zwar etwas anders vom Aufbau, so dass alle Sitzplatzreservierungen hinfällig waren und der arme Schaffner das bei jedem Halt für die neuen Fahrgäste relativ genervt wiederholen musste, dass eben jeder Fahrgast nun so flexibel sein müsse, sich einen anderen Sitzplatz zu suchen. Aber das werde schon jeder schaffen und Geld könne man dann auch zurückreklamieren für diese Fahrt. Ein solches Dokument hatte ich bereits für die Hinfahrt erhalten. Für das Eintreten des Dominoeffektes könne ich 50 Prozent Erstattung des Fahrpreises geltend machen, informierte mich der Mann am Informationsschalter. Mit der Reklamation auf der Rückfahrt reise ich quasi umsonst. Da ist die Bahn schon sehr kulant. Wegen des ohnehin schon sehr geringen Fahrpreises verzichte ich aber auf eine Rückerstattung.

Rückerstattungen des Fahrpreises bei Verspätungen: Hier zeigt sich die Bahn sehr kulant

Fazit: Preis-Leisung fand ich super mit der Deutschen Bahn. Wenn man erst einmal im Zug sitzt, ist es in jedem Fall ein stressfreieres Reisen als im Auto – und wenn man nur aus dem Fenster schaut und die vorbeirauschende Landschaft betrachtet. Bahnfahren ist ja auch besser für die Umwelt. Das gibt einem zusätzlich ein gutes Gefühl. Verspätungen können immer vorkommen. Das nächste Mal würde ich einfach schauen, dass zwischen den einzelnen Zugverbindungen wenn möglich mehr Zeit ist. Auch auf Amrum war es wesentlich entschleunigter, wenn man nur zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus unterwegs ist. Amrum ist aber auch sehr klein und prädesteniert dafür, ohne Auto trotzdem überall hinzukommen.

Der einzige richtig große Minuspunkt ist der Gepäckservice der Deutschen Bahn

Der einzige richtig große Minuspunkt ist der Gepäckservice der Deutschen Bahn, ausgeführt von Hermes. Wer nicht mit seinem ganzen Gepäck reisen möchte, kann es bequem vorausschicken. Man gibt die Anzahl der Gepäckstücke online auf und gibt an, wann das Gepäck am Zielort sein soll. Dann rechnet der Computer aus, an welchem Tag das Gepäck von Hermes abgeholt wird. Die Abholung hat geklappt, nur am Ziel waren die Koffer erst drei Tage später als geplant. Insgesagt hat das Gepäck 6 Tage gebraucht, um auf Amrum anzukommen.Was macht man drei Tage ohne frische Kleidung bei kühlem Nordwind? Richtig. Man geht nicht raus.

2 Koffer wurden gar nicht erst mitgenommen

Das größere Chaos geschah allerdings bei der Heimfahrt. Die Fähre ging früh am Morgen, so dass Hermes das Gepäck erst abgeholt hat, als ich selbst schon auf der Fähre war. 2 Koffer wurden gar nicht erst mitgenommen, sondern stehen gelassen. Das teilte mir im Nachhinein die Rezeption mit. Ich telefonierte daraufhin fast 1 Stunde mit dem Gepäckservice der Deutschen Bahn, der mit dazu riet, die zwei Gepäckstücke mit einem neuen Auftrag für rund 40 Euro abholen zu lassen. Ich erklärte, dass ich bereits über 200 Euro nur für die Verschikung des Gepäcks bezahlt habe. Aber egal, ich wollte nur, dass meine Koffer so schnell wie möglich abgeholt werden. Als ich ihm alle meine Daten nochmal durchgegeben habe, inklusive meiner VISA-Nummer, sagte er mir, dass das Gepäck frühestens nächste Woche abgeholt werden könne, da ein Formular hierfür nicht online verfügbar sei. Dies müsse er per Post verschicken.

Er sagte mir, ich könne auch direkt bei Hermes anrufen und da mein Glück versuchen. Gesagt, getan. Hermes hat sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt und einen neuen Abholauftrag für die verbliebenen Gepäckstücke kostenfrei in die Wege geleitet. Zwischenzeitlich sind seit meiner Rückreise vor 7 Tagen scheibchenweise 5 Koffer wieder bei mir zu Hause eingetroffen, auf drei warte ich noch. Ein Hermes-Mitarbeiter, der mir am Vortag versprach, sich darum zu kümmern, brachte dann doch tatsächlich am nächsten Tag die letzten drei Gepäckstücke.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Die Bahn kommt, nur wann? Grün unterwegs von Lauda zur Frankfurter Buchmesse – zwischen Plastikbechern und Zeitansagern

Wochenlang habe ich überlegt – Auto oder Zug oder doch Auto? Wie komme ich nur zur Buchmesse nach Frankfurt am Main? Der Fiesta, mein treues Diesel-Gefährt, braucht für die Strecke hin und zurück höchstens einen halben Tank, wenn es mich nicht überkommt und ich über die Autobahn hinwegfege – lassen wir es dennoch mal 20 Euro kosten.

Warum zur Hölle sitze ich dann um 7.34 Uhr im Bad Mergentheim im Zug und fluche? Weil ich meinte, mal ‚grün‘ sein zu wollen und den stinkenden Diesel vor dem Haus stehen ließ.

Na ja nicht ganz … ich muss ja erstmal nach Bad Mergentheim kommen, um dann gefühlte 100mal umzusteigen. 7.34 Uhr sollte die geplante Abfahrt des Zuges nach Lauda. 7.35 Uhr … 7.36 Uhr …7.37 Uhr – die geplante Abfahrt verzögert sich – tja wer hätte das gedacht? Mit acht Minuten Verspätung rollen wir gemächlich los. Die freundliche Schaffnerin erklärt bei der Fahrscheinkontrolle jedem, der nach Würzburg weiter reisen möchte: „Ihr Anschlusszug wartet in Lauda auf Se.“ In Lauda wartet der Anschlusszug aber nicht auf uns, wir warten auf ihn. Denn der Zug hat, seien Sie jetzt nicht überrascht, auch Verspätung. Und es zieht sich wie ein roter Faden. Auch in Würzburg ist weit und breit kein Zug in Sicht. Hier werden es letztendlich 15 Minuten Verspätung. Kein Problem. Ich hab ja nur schlappe 90 Euro in die Hand genommen, um den ganzen Tag mit dem ICE zwischen Würzburg und Frankfurt schneller wie der Wind reisen zu können.

Und da sitze ich dann im stickigen ICE-Abteil zwischen To-Go Bechern und Plastiktütchen, in denen das gute Versperbrot verpackt ist. Meine Sitznachbarin redet mir das Ohr blutig, Damen in unmittelbarer Reich-und Hörweite spielen auf ihrem Smartphone Candy Crush auf voller Lautstärke, hinter mir wird gegen meinen Sitz getreten und ich wünschte mir, ich würde in meinem Fiesta im Stau vor Frankfurt sitzen und zu meiner Lieblingsmusik singen können.

Durch geschicktes von Gleis-zu-Gleis-Hechten und dank der stetigen Verspätung der Deutschen Bahn schaffe ich es irgendwie nach Frankfurt und treffe mit der nur 13 Minuten Verspätung schließlich bei der Buchmesse ein. Ein Kinderspiel.

Ein Kommentar von Nadja Fischer

Nadja Fischer unterwegs mit der Deutschen Bahn. Foto: GSCHWÄTZ