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Öhringen: „Großveranstaltungen vermutlich bis Jahresende landesweit nicht mehr durchführbar“

Die Stadt Öhringen setzt in diesem Jahr hinsichtlich der Coronapandemie auf „Veranstaltungen in Öhringen mit Augenmaß“. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung hervor. So sollen „kreative und verantwortungsvolle Konzepte Lücken füllen“.

„Großveranstaltungen sind bis Ende August und vermutlich bis Jahresende landesweit nicht mehr durchführbar. Kleine, kreative und verantwortungsvolle Konzepte könnten jedoch unter Auflagen und der nötigen Vorsicht das kulturelle Leben in Öhringen und Umgebung bereichern“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Mit etwas Glück im Herbst

„Wir haben bei der Stadt ein kreatives Veranstaltungsteam und meine Mitarbeiter haben gute Ideen skizziert, wie wir im Rahmen der aktuellen Vorgaben das kulturelle Leben wieder aktivieren können“, freut sich Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler. Zunächst muss auch er jedoch eingestehen, dass große Veranstaltungen wie das traditionelle Hohenloher Weindorf, das beliebte Sommerfestival als auch die stimmungsvolle Lange Nacht der Kultur in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden können. „Vielleicht können wir das Weindorf mit etwas Glück in den Herbst verschieben, dies muss aber mit den gültigen Regelungen in Einklang stehen, denn die Gesundheit von uns allen geht vor!“ ergänzt Michler.

Kleine, feine und sichere Konzepte

Ingrid Sterzer, städtische Leiterin des Bereichs Kultur und Veranstaltungen, kann sich in der Coronazeit für Öhringen kleinere und stets sichere Konzepte vorstellen. Für das Sommerfestival gibt Kathja Maneke, Geschäftsführerin der städtischen Kultura, auch den beteiligten Künstlern eine Perspektive: „Das Öhringer Sommerfestival ist fertig geplant und wir möchten das schöne Programm gerne komplett ins nächste Jahr 2021 verschieben.“

Lindenabende statt Sommerfestival, Sommerfestival soll ins Jahr 2021 verschoben werden

„Als kleines Alternativkonzept wären im laufenden Jahr an der Öhringer Tanzlinde einzelne Lindenabende mit Kleinkunst und Musik denkbar, die im Rahmen der geltenden Abstands- und Hygieneregelungen durchgeführt würden“, erklärt die erfahrene Öhringer Kulturchefin Ingrid Sterzer. Auch die Lange Nacht der Kultur könnte stark verändert, auf größere Räumlichkeiten beschränkt, mit limitierten Tickets versehen und im gesetzlichen Rahmen durchgeführt werden. Für das Picknick in Weiß hat das Team von Ingrid Sterzer ein „Picknick in bunt“ mit vorab buchbaren Picknickdecken im Ideenpool. Lunchpakete von örtlichen Gastronomen könnten für sicheres Catering sorgen.

Erweitertes Kinderprogramm

Auch ein erweitertes Kinderferienprogramm soll im „Corona-Jahr 2020“ in den Sommerferien für Abwechslung sorgen – stets unter Einhaltung der gültigen Abstands- und Hygieneregelungen. Nähere Informationen werden für Eltern und Kinder folgen.

Passend zu diesen Veranstaltungskonzepten wurden durch das Kultusministerium Baden-Württemberg für diese Woche neue Regelungen angekündigt, die im Kultur- und Veranstaltungsbereich „Spielräume für kleine, kreative Formate ermöglichen werden“. Das städtische Kultur- und Veranstaltungsteam ist hierfür bereits in den Startlöchern und wird die kommenden Regelungen in die bestehenden Projektideen einarbeiten. „Ich freue mich, wenn wir hier in Öhringen ab dem Sommer wieder mit dem nötigen Augenmaß schöne kulturelle Veranstaltungen anbieten können – denn in Öhringen feiert es sich mit Abstand am besten“, erklärt Ingrid Sterzer mit einem Augenzwinkern.

Glühweihnacht in Öhringen. Foto: HGV Öhringen/Archiv




Grundschulen: Fokus auf Mathe, Deutsch & Sachkunde

Nach den Pfingstferien startet für den Großteil der Grundschüler wieder der Unterricht im Klassenzimmer. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage bestätigte Christine Sattler vom baden-württembergischen Kultusministerium, dass „die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachunterricht Vorrang“ haben hinsichtlich dessen, was noch in den Klassenzimmern unterricht wird in den letzten Wochen bis zum Schujahresende. Die Klassenstufe vier werde darüber hinaus vorbereitet „auf den Übergang auf die weiterführende Schule“.

Wieviel Lehrer fallen kontret aus?

Des Weiteren wollten wir wissen, wieviel Lehrer konkret ausfallen, das heißt, keinen Präsenzunterricht halten, weil sie einer Risikogruppe angehören. Das Land Baden-Württemberg schätzte die Zahl bislang auf ein Viertel bis ein Drittel der Lehrer. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Allerdings laufe seit vergangener Woche eine Abfrage an Schulen zum Personaleinsatz vor dem Hintergrund der Einschränkungen durch Risikogruppen sowie zur räumlichen Situation an den Schulen durchgeführt. Die Ergebnisse hierzu liegen allerdings noch nicht vor, da die umfangreichen Daten derzeit noch ausgewertet und aufbereitet sowie eventuelle Fehleinträge abgeklärt werden müssen. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich gegen Ende Woche vor“, so Sattler.

Kontaktabstand: Problem in großen Klassen

Grundschulen haben oft größere Klassen mit bis zu 27 Kindern, was einen Unterricht mit dem nötigen Kontaktabstand nicht gewährleistet. Inoffzielle Quellen berichten, dass diese Klassen zweigeteilt werden und in zwei verschiedenen Klassenzimmern parallel unterricht werden sollen – unter anderem mit Unterstützung der Lehrer, die in dieser Woche jeweils keinen Präsenzunterricht ihrer Klassen haben. Hier steht eine Antwort des Regierungspräsidiums noch aus. Jeder betont Christine Sattler: „Aufgrund der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen an den einzelnen Grundschulen vor Ort ist es ausdrücklich zulässig, vor Ort schulindividuelle Lösungen entwickeln, den Schulen wird deshalb ausdrücklich ein Gestaltungsfreiraum eingeräumt.“

Hintergrund rollierendes System

Nach den Herbstferien starten die Schulen mit einem so genannten rollierenden System den Unterricht in den Klassenzimmern wieder. Dieses rollierende System sieht vor, dass die Kinder im wöchentlichen Wechsel an die Schule kommen – eine Woche die Erst- und Drittklässler, eine Woche die Zweit- und Viertklässler. Der Turnus ist: immer eine Woche Unterricht an der Schule und dann wieder eine Woche Fernlernen von Zuhause aus. Damit ist nach den Pfingstferien immer die Hälfte der Grundschüler an der Schule. Hinzu kommen die Kinder der Notbetreuung, soweit sie nicht zu den Klassenstufen zählen, die Präsenzunterricht haben.

Hintergrund Risikogruppe

Lehrer, die ein gewisses Alter erreicht haben, Vorerkrankungen haben oder schwanger sind, zählen zur Risikogruppe und dürfen vom Präsenzunterricht in den Klassenzimmern freigestellt werden, um sich nicht mit dem Coronavirus zu infizieren. Sie verrichten dann andere Arbeiten, arbeiten vermehrt beim homeschooling mit oder bereiten Unterricht.

Wie laufe ich richtig in Zeiten von Corona? Wegweiser in der Georg-Wagner-Realschule in Künzelsau. Quelle: GSCHWÄTZ/Archiv

 




„Größtes Hilfspaket in der Geschichte Deutschlands“

Derzeit regnet es Hilfsgelder für die durch die Coronakrise angeschlagene Wirtschaft in Milliardenhöhe. Das Bundesfinanzministerium bezeichnete es als „größ­tes Hilfs­pa­ket in der Ge­schich­te Deutsch­lands“ https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-13-Milliarden-Schutzschild-fuer-Deutschland.html

Insgesgesamt 50 Milliarden stellt der Bund laut eigenen Aussagen allein für unbürokratische Soforthilfe für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler bereit. Indes fragt das Nachrichtenmagazin Spiegel zu Recht: „Wo kommen all die Milliarden her?“ https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-hilfen-wo-kommen-all-die-milliarden-her-und-hin-a-b02d45bf-ff20-4a31-82f4-5851919d2516

Zum einen hat der Bund über die vergangenen Jahre fleißig an der Schwarzen Null hinsichtlich Neuverschuldung gearbeitet, zum anderen aber häuft er nun auf einen Schlag wesentlich mehr Schulden an als all die Jahre zuvor. Dennoch, so der Spiegel, sei ein nicht zu unterschätzender Teil davon verzinste Darlehen, die an den Bund letzten Endes zurückgezahlt werden müssten.

Auch für den Gesundheitssektor sollen Corona-Milliarden bereit stehen. Laut dem Bundesfinanzministerium sieht das Schutzpaket hierfür folgendermaßen aus:

  • Die Bundesregierung stellt 3,5 Milliarden Euro zusätzlich bereit, unter anderem für Schutzausrüstung sowie die Entwicklung eines Impfstoffs und von weiteren Behandlungsmaßnahmen.
  • Weitere 55 Milliarden Euro stehen für die Pandemiebekämpfung zur Verfügung. Das ist wichtig, um flexibel und kurzfristig auf die Entwicklung der Pandemie reagieren zu können.
  • Der Bund spannt einen Schutzschirm für Krankenhäuser, um Einnahmeausfälle und höhere Kosten abzufedern.
  • Auch für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte werden die derzeitigen Einnahmeausfälle abgefedert.
  • Der Zoll überwacht die Einhaltung des EU-Ausfuhrverbots für Schutzmasken, Schutzbrillen und Schutzanzüge.

Allerdings scheint davon bislang nicht wirklich viel angekommen zu sein bei den Städten, Gemeinden und Landkreisen. Diese lassen unter anderem ihre Bürger Masken selbst nähen oder bitte um Spenden bezüglich Masken und Schutzausrüstung (wir berichteten). Auch Krankenschwestern, Altenpfleger und Bestatter aus dem Hohenlohekreis berichteten von einem Engpass bei der Schutzausrüstung. Teilweise hätten sie sich Schutzausrüstung selbst besorgen oder Dinge zum Einmalgebrauch mehrfach benutzen müssen. https://www.gschwaetz.de/2020/04/20/leider-muss-man-sagen-klinikpersonal-muss-einwegmaterialen-mehrfach-benutzen-sich-selbst-schutzausruestung-besorgen-derweil-explodieren-die-preise-fuer-schutzmasken/

Keine Zeit für Lobbyarbeit

In den vergangenen Jahren wurde vor allem im Gesundheitssektor der finanzielle Gürtel sehr eng geschnallt. Eine jahrzehntelange Sparpolitik auch im Hohenlohekreis, unter anderem bei der Altenpflege https://www.gschwaetz.de/2018/09/28/aufstand-im-altenheim-krautheim-der-pflege-skandal/, im Rettungsdienst https://www.gschwaetz.de/2017/12/03/wir-sehen-enorme-schwierigkeiten-die-notfallrettung-aufrechtzuerhalten/und die deutschlandweite Schließung zahlreicher kleiner Krankenhäuser, da sie zu kostenintensiv seien, ist erfolgt. https://www.gschwaetz.de/2017/06/10/aus-fuer-krankenhaus-kuenzelsau-kreisraete-attackieren-neumann-scharf/.

Während nun Pflegekräfte eine langfristig bessere Entlohnung in einem Offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert, http://www.altenpflege-online.net/Infopool/Nachrichten/Offener-Brief-Die-Belange-der-Pflegenden-nicht-vergessen,  ist es recht still um die Krankenschwestern und Pflegern, die in den Kliniken Covid-Patienten betreuen und damit an vorderster Front in dieser Coronakrise kämpfen. Vermutlich ist es aber nur deshalb so still um sie, weil sie gar keine Zeit haben, ordentlich Lobbyarbeit für sich und ihren Berufsstand zu machen. 

Text: Dr. Sandra Hartmann

Beatmung im Krankenhaus. Symbolfoto. Quelle: adobe stock




Hohenlohekreis: Bislang 40 offizielle Todesfälle

Betrachtet man die aktuelle Coronakarte des Hohenlohekreises https://www.corona-im-hok.de/images/grafiken-fallzahlen/2020-05-08_Indexf%C3%A4lle_Gemeinden.jpg

vom 08. Mai 2020 fällt einem vor alle eines auf: die seit Wochen sich kaum verändernden Fallzahlen. Die Gesamtzahl der offiziell an Corona Infizierten im Hohenlohekreis beläuft sich laut dem Regierungspräsidium Stuttgart auf 757 Fälle https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/infektionsschutz-hygiene/informationen-zu-coronavirus/lage-in-baden-wuerttemberg/

In Baden-Württemberg gibt es aktuell offiziell 33.252 Infizierte und 1.542 Todesfälle. Im Hohenlohekreis sind bislang nach offiziellen Angaben 40 Menschen an dem Virus gestorben (Stand: 09. Mai 2020).

In die offizielle Coronastatistik werden die Coronainfizierten aufgenommen, die mittels Teststäbchen getestet worden sind. Klinische Diagnosen von Ärzten fließen nicht mit in die Statistik ein. Begründet wird das mit den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (wir berichteten). An der Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag wurden bislang potenzielle Infizierte mittels Teststäbchen getestet. Ab Ende dieser Woche soll die zentrale Abstrichstelle in Belzhag laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises nun erstmal ruhen. Die Abstriche sollen dann in den Arztpraxen direkt durchgeführt werden.

Wie die Abstriche von potenziell Coronainfizierten gemacht werden, ohne dabei andere Patienten anzustecken, ist noch nicht bekannt.

Coronakarte des Regierungspräsidiums Stuttgart. Stand: 09. Mai 2020:

Offizielle Corona Zahlen im Hohenlohekreis vom 08. Mai 2020. Screenshot der Homepage des Landratsamtes des Hohenlohekreises.




Belzhag: Corona-Drive-In-Abstrichstelle hat erstmal ausgedient

Seit Mittwoch, den 06. Mai 2020, werden Coronaverdachtspersonen nicht mehr in der Drive-In-Abstrichstelle in Belzag getestet, sondern direkt in den Arztpraxen. Hintergrund ist die Umsetzung einer neuen Corona-Testkonzeption des Landes Baden-Württemberg. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises vom 08. Mai 2020 hervor.

Verstärkte Testung von engen Kontaktpersonen und in Betrieben

Die Konzeption des Landes sieht neben den bereits bekannten Testungen von symptomatischen Personen gemäß RKI-Empfehlung weitere Fallgruppen vor. Dabei geht es um enge Kontaktpersonen (so genannte K1-Personen) von positiv getesteten Fällen oder auch Menschen in medizinischen Einrichtungen und in der stationären Pflege. Zudem soll bei Erkrankungshäufungen etwa in Gemeinschaftsunterkünften oder Betrieben verstärkt dort getestet werden.

Corona-Schwerpunkt-Arztpraxen

Die Abstriche erfolgen künftig durch die niedergelassenen Ärzte in ihren Praxen, sprich der Hausarzt führt ihn selbst durch oder überweist an einen Kollegen. Für diese Fälle stehen im Hohenlohekreis zahlreiche Corona-Schwerpunktpraxen zur Verfügung bzw. Praxen, die bereit sind, Abstriche von Patienten zu nehmen, die von anderen Praxen geschickt werden. Eine Überweisung an die Zentrale Abstrichstelle Belzhag erfolgt vorerst nicht mehr. „Die Abstrichstelle war angelegt für eine sehr hohe Zahl an Testungen. Derzeit sind die niedergelassenen Ärzte jedoch sehr gut in der Lage, die anfallenden Abstriche in ihren Praxen durchzuführen“, erklärt Dr. Susanne Bublitz, Vorsitzende der Kreisärzteschaft Öhringen.

In Folge dessen wird die Zentrale Abstrichstelle in Belzhag ab 16. Mai 2020 in einen Standby-Betrieb versetzt. Sollte das Lagebild sich ändern, besteht jederzeit die Möglichkeit, die Abstrichstelle kurzfristig wieder in Betrieb zu nehmen. „Im Kern folgen wir mit der gemeinsamen Strategie für den Hohenlohekreis den Wünschen der Kreisärzteschaft, die Abstriche wieder in den eigenen Praxen durchzuführen“, erklärt Landrat Dr. Matthias Neth und dankte den Ärzten für die ausgesprochen konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Wochen.

Neth: Dank an die Kreisärzteschaft

Dies betont auch Dr. Andreas Kühn, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Künzelsau: „Die Zentrale Abstrichstelle hat insbesondere wegen des hohen Engagements der ehrenamtlichen Helfer, der Unterstützer der Kassenärztlichen Vereinigung sowie nicht zuletzt der Mitarbeiter des Landratsamtes hervorragend funktioniert.“

Hintergrund zur Abstrichstelle in Belzhag

Der Hohenlohekreis hat gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten als einer der ersten Landkreise in Baden-Württemberg eine Zentrale Abstrichstelle der niedergelassenen Ärzte in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt zunächst in den Räumen des Gesundheitsamts und später in Belzhag in Betrieb genommen. Dort wurden täglich teils mehr als 150 Abstriche vorgenommen.

Weg zur Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




„Was anfangs schön, entwickelte sich immer mehr zum Albtraum“

Vor wenigen Tagen haben wir einen Aufruf gestartet. Wir wollten von den Hohenlohern wissen, wie sehr Corona ihr Leben verändert hat. Die Frage lautete: „Corona – lebensverändernd oder einfach nur nervig?“ Anbei veröffentlichen wir Auszüge aus den bisher eingegangenen Antworten:

„Soziale Kontakte bis auf Social Media eingeschränkt“

Für Helmut Zier trifft beides zu. Das Coronavirus sei sowohl lebensverändernd für ihn gewesen, also auch nervig. „Da passt alles“, resümiert er. Jürgen Wernando sieht das ähnlich: „Corona hat auf alle Fälle mein Leben verändert“, sagt er. Besonders die eingeschränktes Freizeitaktivitäten verändern das Privatleben: „Die sozialen Kontakte sind bis auf Social Media eingeschränkt. Ich hatte auch Urlaub in der Lockdownzeit und konnte nicht wie sonst üblich Familie und Freunde besuchen. Jetzt werden die Maßnahmen ja gelockert, hoffentlich nicht zu schnell, um eine zweite Welle zu vermeiden und vielleicht einen zweiten Lockdown.“

„Uns geht allen die Puste aus“

Kim Schrader berichtet über die Entwicklung, die sie während der Lockdownzeit durchlebt hat: „Ich bin Mutter von drei Kindern. Anfangs war es für uns tatsächlich eine Erleichterung. Kein Termindruck, kein Mama-Taxi, keine Verabredungen. Morgens keine Brote schmieren, die Kinder schlafen lassen. Ja, es war tatsächlich richtig schön, eine Zeitlang.“ Nun sei es „einfach nur noch anstrengend und zum Haare sträuben… jedes Spiel wurde unzählige Male gespielt, das anfangs spannende Homeschooling wird zur täglichen Geduldsprobe für Kind und mich und die Langeweile steigt ins Unermessliche.“ Ihr Fazit: „Uns geht allen die Puste aus. Was anfangs wie Urlaub war, entwickelt sich immer mehr in richtig Albtraum. Es wird Zeit, dass wir wieder ein Stückchen Normalität zurückbekommen.“

Aufgaben über den PC selbst kontrollieren, Musikschulunterricht übers Telefon

Eine Familie mit ebenfalls drei Kindern, die anonym bleiben möchte, schildert ähnliches: „Wir sind eine fünfköpfige Familie. Ein Kind geht noch in die Grundschule (2. Klasse), zwei Kinder gehen auf die weiterführende Schule (Gymnasium). Corona hat unser Leben total verändert. Mein Mann macht seit Beginn der Pandemie nur noch Homeoffice und betreut unsere drei Kinder zu Hause. Ich habe eine anwesenheitspflichtige Halbtagsstelle und bin jeden Morgen werktags außer Haus. In der Zeit muss mein Mann alles regeln. Zur Mittagszeit komme ich nach Hause, wir kochen und essen danach gemeinsam. Nachmittags machen die Großen weiterhin ihre Hausaufgaben und das kleinste Kind beschäftigt sich mit Spielmöglichkeiten im Haus oder wir spielen gemeinsam etwas. Informationen/Aufgaben bekommen die Kinder über IServ oder die Schul-Cloud. Jeden Dienstag muss das kleinste Kind seine erledigten Aufgaben in der Schule abgeben und ein neues Lernpaket, dass es zu festgelegten Zeiten in der Schule abholen muss, mitnehmen.

Kontakt mit Freunden nur übers Handy

Freitags muss es die Aufgaben zunächst erst mal über den Rechner selbst kontrollieren. Wenn die Großen fertig sind, spielen wir Brettspiele. Nach draußen gehen wir selten, nur zum Einkaufen, zur Arbeitsstelle oder auf einen kurzen Spaziergang. Die Kinder haben Angst vor Corona und trauen sich gar nicht mehr so richtig, nach draußen zu gehen. Musikschulunterricht an der Musikschule erhalten die Kinder über das Telefon und/ oder Videoanruf. Der Informationsaustausch mit der Schule findet nur noch per Computer statt (E- mails, Videokonferenzen….). Kontakt mit Freunden findet nur noch über das Handy statt. Alle Vereinsaktivitäten finden aufgrund der Coronapandemie derzeit nicht mehr statt.“

Mitmachen und Geschenk bekommen

Wie hat Corona Ihr Leben verändert? Schilden auch Sie uns Ihre Erfahrungen. Als Dank erhält jeder Teilnehmer ein türkisfarbenes GSCHWÄTZ-Notizbuch, DIN-A5, zugeschickt. Bitte geben Sie Ihre Anschrift an, wenn Sie uns Ihre Nachricht schicken, an: info@gschwaetz.de




„Unter Umständen möglich, bis zu den Sommerferien Grundschüler wieder in die Schule zu bringen“

Am kommenden Montag, den 04. Mai 2020, beginnt in Baden-Württemberg wieder der Schulbetrieb, so auch in Hohenlohe. Allerdings stark eingeschränkt. So beginnen an der Georg-Wagner-Schule in Künzelsau zunächst die neunten und zehnten Klassen – mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen.
GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat mit Rektor Florian Frank unter anderem über die Vorsichtsmaßnahmen und über dessen Zuversicht in puncto gelungener Schulstart gesprochen.
GSCHWÄTZ: Welche Maßnahmen sind für den Schulstart am 04. Mai 2020 geplant?
Frank: Wir haben das ganze Schulgebäude etwas umstrukturiert, wir haben die Klassenzimmer ausgeräumt. Wir haben die Klassengruppen halbiert. In jedem Klassenzimmer befinden sich damit maximal 15 Kinder. Wir halten dadurch die erforderlichen Abstände ein .Es gibt zwei Zugänge zu unseren Waschgelegenheiten. Im ganzen Gebäude sind Laufrichtungen festgelegt worden. Es gibt ein Raum-Nutzungs-Konzept und eine erweiterte Hausordnung, die die Schüler alle im Vorfeld bekommen haben – samt der Einteilung in diese Halbe-Klassen-Gruppen.
„Ich freue mich auf Montag“
GSCHWÄTZ: Wir realistisch lassen sich diese Maßnahmen umsetzen, etwa im Pausenhof?
Frank: Es hängt ja nicht nur an der Schulordnung und am Pausenhof. Es fängt ja an mit dem Schülertransport, dem öffentlichen Nahverkehr, und geht weiter zum Hygieneplan im Gebäude und wie dieser umgesetzt wird. Da haben viele Menschen im Vorfeld zusammengearbeitet – sowohl der Schulträger und der NVH (Nahverkehr Hohenlohe) als auch wir. Wir haben uns abgestimmt. Wir haben nun beispielsweise einen gestaffelten Unterrichtsplan. Das heißt, die Zehntklässler kommen bei uns montags, mittwochs und freitags, die Neuntklässler dienstags und donnerstags. Dadurch entzerren wir den Nahverkehr, so dass auch an dieser Stelle die Abstände gewahrt werden können. Und wir haben selbst dadurch auch weniger Schüler gleichzeitig an der Schule. Wir haben im Vorfeld die Schüler aufgerufen, Mund-Nasen-Schutz zu nähen. Das hat funktioniert. Wir haben nun über 400 Masken hier, die auch an die Schüler bei Bedarf ausgegeben werden können, zum Beispiel in Prüfungssituationen, wenn wir in Situationen kommen, in denen wir nicht den geforderten Mindestabstand halten können. Ich halte es daher auch für realistisch, dass wir diese Regeln an dieser Schule umsetzen können.
Die Markierungen sind da, die Räume sind großzügig gewählt, die Gruppen sind geteilt, die Abstände sind vorgegeben, alle sind informiert. Wir haben ausreichend Personal da. Und immer maximal zirka 120 Schüler im Gebäude.
GSCHWÄTZ: Das heißt, sie schauen zuversichtlich auf den Schulbeginn am Montag?
Frank: Ich freue mich auf Montag und ich hoffe, dass wir das auch gemeinsam – Eltern, Schüler und Lehrer – gut hinbekommen. Viele Menschen haben in den vergangenen 14 Tagen enorm daran gearbeitet, dass es funktioniert. Für viele Schüler, vor allem auch für die Prüflinge, ist es eine Erleichterung, dass sie wieder in den Schulbetrieb einsteigen dürfen, dass sie uns noch einmal persönlich sehen und dass wir sie vorbereiten können. Es sind trotzdem gemischte Gefühle. Wir können uns sorgsam vorbereiten. Aber wie nun letztendlich das Ganze funktioniert, wie verantwortungsvoll Schüler oder auch Eltern damit umgehen, wie es im Alltag klappt, ob das alles in der Praxis so umsetzbar ist, das wird sich am Montag zeigen. Aber ich bin zuversichtlich. Ich weiß von vielen Kolleginnen und Kollegen, dass sie sich darauf freuen, die Schülerinnen und Schüler wieder zu sehen. Auch aus Videokonferenzen und aus dem Online-Präsenzunterricht weiß ich, dass sich einige Schüler darauf freuen, auch viele, die die gesagt hätten, dass sie die Schule vermissen würden, sehnen sich jetzt diesem Tag entgegen.
Dadurch dass wir erst vor kurzem eine Generalsanierung hatten, sind wir auch räumlich sehr gut ausgestattet. Dadurch können wir diese Hygienemaßnahmen und Abstände auch gut umsetzen.
Ein Drittel der Lehrer gehört der Risikogruppe an und ist daher nicht für den Präsenzunterricht verfügbar
GSCHWÄTZ: Wie sehen denn ältere Kollegen dem Schulbeginn entgegen?
Frank: Im Rahmen der Fürsorge hat das Land erstmal die Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, freigestellt von der Präsenzarbeit. Das heißt, wir setzen alle Lehrer, die gerade nicht Präsenzunterricht leisten können, ein bei Online-Lernangeboten oder bei Arbeiten ohne direktem Schülerkontakt. Ein Drittel der Kollegen ist daher nicht für den Präsenzunterricht verfügbar. Bei den höheren Klassenstufen ist es das etwas schwerer, weil man hier Kollegen braucht, die erfahren sind, die diese Prüfungsvorbereitung schon einmal gemacht haben, die die Jungs und Mädels noch einmal gezielt unterstützen können, damit diese sicher in die Prüfungen gehen können.
Da war es auch nicht ganz einfach, umzustrukturieren. Wir haben jetzt Klassengruppen, bei denen ein Kollege von zu Hause den Unterricht vorbereitet und die Lehrkraft, die sich hier vor Ort befindet, mit Aufgaben versorgt. Bei den Lehrern gibt es hier gemischte Gefühle: Einzelne Kollegen fragen sich: „Bekommen wir das hin?“ – „Können wir das leisten?“ – „Halten sich die Kollegen und die Schüler an die Vorgaben?“ – „Können wir die Situation gemeinsam bewältigen?“ Das wird sich am Montag zeigen. Wir haben viel dafür getan, dass wir am Montag sicher und verlässlich einsteigen können.
GSCHWÄTZ: Wie wird die Umsetzung bei den ganz jungen, den Erst- und Zweitklässlern, sein?
Frank: Ich glaube, dass wir in der gegenwärtigen Situation auch lernen, wie wir mit den Bedingungen umgehen. Wir fangen mit den älteren Schülern an, schaffen Strukturen und schauen, wie wir in dieser dynamischen Lage auch dynamisch die Situation anpassen können. Ich gehe davon aus, dass wir mit kleineren Gruppen, mit einer angepassten räumlichen Struktur, mit unterschiedlichen Lern- oder methodischen Formen auch Grundschüler beschulen können. Allerdings sieht der Plan vor, dass zunächst mit den Viertklässlern angefangen wird. [Wann das sein wird, steht derzeit noch nicht fest], weil die Viertklässler im Übergang zur weiterführenden Schule stehen. Da ist es ähnlich wichtig wie bei Neunt- und Zehntklässlern. Dann denke ich, dass es unter Umständen möglich sein wird, bis zu den Sommerferien oder vielleicht auch später, die Grundschüler wieder sukzessive in die Schule zu bringen. Das halte ich auch für wichtig.
„Zu einzelnen wenigen Schülern haben wir auch den Kontakt am Anfang verloren“
GSCHWÄTZ: Manche Familien haben wegen der Infektionsgefahr Angst, ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Frank: Da hat das Land weise entschieden. Schüler mit Vorerkrankungen oder Schüler, die in einem Haushalt mit Risikogruppen leben, können mit ihren Eltern entscheiden, ob sie am Unterricht teilnehmen oder nicht. Wir haben aber auch viele Schüler, wo sich die Eltern wegen ihren beruflichen Verpflichtungen oder aus anderen Gründen nicht in dem Umfang um die Schüler kümmern können, wie vielleicht jemand, der von zu Hause arbeiten kann und im home office tätig ist. Zu einzelnen wenigen Schülern haben wir auch tatsächlich den Kontakt am Anfang verloren. Da sind wir froh, dass wir die Schulsozialarbeit haben, die schaut gezielt nach solchen Schülern und wird dementsprechende Betreuungsangebote aufbauen. Wir müssen schauen, dass wir die Schere, die sich da auftut, ein bisschen kompensieren können. Und dass wir Schüler, die vielleicht ein wenig abgehängt wurden durch dieses Fernlernen, wieder mit hineinbringen und den Kontakt wieder bekommen. Unsere Lehrkräfte schauen aber generell darauf, dass sie wöchentlich Kontakt mit ihren Schülern haben, entweder über unsere Online-Lernplattform oder telefonisch und versorgen sie mit Aufgaben. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Bedingungen: Die Bandbreite, die Internetanschlüsse, die Endgeräte, der Zugang zu Endgeräten gestaltet sich äußerst unterschiedlich.
Herr Frank, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Florian Frank, Rektor der Georg-Wagner-Realschule in Künzelsau. Quelle: Screenshot aus dem Video

Georg-Wagner-Realschule. Quelle: Screenshot aus dem Video

Hygieneregeln an der Grund- und Realschule in Künzelsau. Quelle: Screenshot aus dem Video




„Meinem Chef ist es völlig wurscht, ob ich eine homeschooling-Schule betreibe“ – Fünf Mamis berichten über ihren Arbeits- und Lernalltag zu Hause

Tanja ist Sozialarbeiterin, doch derzeit kommt sie sich manchmal vor, wie wenn sie selbst soziale Betreuung bräuchte. Die zweifache Mutter betreut nun schon seit über einem Monat ihre beiden Kinder zu Hause und versucht nebenher von zu Hause aus, so gut es geht, ihre Arbeit zu machen. Während sie mit dem Jugendamt von zu Hause aus Telefonate über soziale Härtefälle führt, arbeitet sie auch selbst am Limit: „“Home office mit Kindern ist wie Zähne putzen mit Nutella“, resümiert sie.

Beschäftigungstherapie für Mamis

Julia ist zwar nicht berufstätig, aber die gelernte Buchhalterin und Mutter von drei Kindern ist ebenfalls am Ende ihrer Kräfte. Vor kurzem hat sie ihrem Mann nachts um 01.30 Uhr eine Sprachnachricht über WhatsApp hinterlassen. Ein Satz daraus lautete: „Ich bin durch. Jetzt bist du dran.“ Zuvor saß die gelernte Buchhalterin über fünf Stunden am Korrigieren der Arbeitsblätter ihrer Kinder. „Ich will es halt gut und ordentlich machen, damit meine Kinder jetzt den Anschluss nicht verpassen.“ Was die 39-Jährige nicht versteht: Warum konzentriert man sich nicht auf das Wesentliche beim homeschooling? Mathe, Deutsch, Englisch. Stattdessen erhalten ihre Grundschulkinder Aufgaben in Kunst, Musik und Religion. Unter anderem haben sie zu Hause nun Blumen in Kunst gebastelt und in youtube Videos über Moses angeschaut. Das Problem: Eigentlich ist ihr Familientablet zeitbeschränkt, so dass die Kinder nur maximal eine halbe Stunde pro Tag damit spielen und im Internet surfen dürfen. Auch bei youtube können sie eigentlich nur youtube-kids-Videos wegen der Kindersicherung anschauen. Die vorgegebenen Videos von der Schule werden aber dadurch oft gar nicht abgespielt. Auch die Zeit, um die Aufgaben zu bewältigen, schaffen die Kinder nicht in 30 Minuten. Daher wurde das Tablett nun komplett entsperrt und alle Zugänge offen gelegt – genau das Gegenteil, was jahrelang von Bildungsministerien gepredigt wurde. „Eigentlich sitzt das Kind jetzt mehr vor dem Tablet als jemals zuvor“, sagt  Julia. Und wäre froh, wenn sie noch irgendwann am Tag Zeit finden würde, um mit ihren Kindern draussen zu spielen.

Musik: Wieviel Schläge hat nochmal eine Viertelnote?

Stattdessen sitzt sie mit ihrem Ältesten vor einem Bild eines Pharaos, das er hat malen müssen, um darunter mit Backpapier den Namen ihres Junged in Hieroglyphen durchzupausen – eine schulische Aufgabenstellung, die mehr zur Beschäftigungstherapie für die Mütter neigt als zu allem anderen, wie sie es selbst formuliert. Oder sie muss ihrem Sonn in Musik erklären, wieviel Schläge eine Viertelnote hat. Dazu kommen Sachkunde- und Buchpräsentationen, die vorbereitet werden sollen.

„Eigentlich sitzt das Kind jetzt mehr vor dem Tablet als jemals zuvor“

Jasmin, 36, arbeitet eigentlich Vollzeit. Das tut sie immernoch – nur von zu Hause, während sie ihre zehnjährige Tochter bei den Aufgaben der fünften Klasse in einem Gymnasium betreut. „Meinem Chef ist es völlig wurscht, ob ich nebenbei eine homeschooling-Schule betreibe, solange ich meinen 40-Stunden-Job erledige.“ Auch sie findet: „Können wir uns nicht einfach auf die Kernfächer konzentrieren?“ Stattdessen gelte es beispielsweise, das Alte und Neue Testament zu memorieren. Ihr Kind habe derzeit rund zehn Fächer abzuarbeiten, dazu gibt es jeweils eine digitale Gruppe. „Wenn man sein Handy anmacht, erwarten einen manchmal über 100 Nachrichten.“ Kürzlich habe sie die erste Videokonferenz verpasst, weil diese in irgendeinem der unzähligen Chatverläufe angekündigt gewesen sei.

„Wir haben gar keinen Internetanschluss“

„Wir haben gar keinen Internetanschluss“, berichtet Simone. Es gäbe zwar Internet, nur eben nicht für alle. Sie teile sich daher den Anschluss mit den Nachbarn. So reiche der Zugang genau zu Simones Schreibtisch. Der älteste Sohn könne dann arbeiten, die anderen aber hätten das Nachsehen. schließlich könne man nicht für jedes Kind einen separaten digitalen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen – geschweige denn, dass die Internetleitung ohnehin sehr schwach sei. Um von der Schule vorgegebene Youtube-Videos anzuschauen, gehe sie mit ihrer Tochter vor die Haustüre, weil da die Videos besser liefen. Manche Eltern setzten sich für Videokonferenzen an ihrer Schule ein, aber der schulleiter habe abgelehnt und auf die Bildungsgerechtigkeit hingewiesen. Sprich: Solange nicht jeder gleichermaßen digital versorgt sei, wären Videokonferenzen und dergleichen schlicht ungerecht denjenigen gegenüber, die das Angebot nicht nutzen könnten. Wie gut die Aufgaben zu Hause erledigt werden, sei bei ihnen zu Hause stark altersabhängig, berichtet die dreifache Mutter. Während der älteste Sohn mit seinen 15 Jahren durch Videokonferenzen sehr gut und selbstständig alles erledige, müsse sie bei dem mittleren (12) alles nochmal kontrollieren, „sonst wird die Hälfte vergessen“. Sonja arbeitet Teilzeit in einem Büro. „Wenn ich arbeite, mich ich nacharbeiten, wenn ich nach Hause komme.“ Das heißt: Sie prüft alles nach und kontrolliert, was und wie die Kinder die Aufgaben bewältigt haben -auch wenn ihr Mann zu Hause ist. Denn die Männer fänden sich oft noch schlechter im homeschooling-Dschungel zurecht, weil auch bei den normalen Hausaufgaben vor Corona oft die Mamis die Ansprechpartner und Begleiter gewesen seien.

„Mama, wie soll ich das schaffen?“

Zu Beginn der Homeschooling-Zeit habe der Mathelehrer ihres Sohnes gesagt, dass es nach den Osterferien nahtlos mit dem Unterricht weitergehen werde, als er den Aufgabenstapel verteilt habe. Daraufhin habe ihr Junge geweint und gefragt: „Mama, wie soll ichd das schaffen?“

Teilweise fünf Tage, bis Lehrer antworten

Die ungenügende Technik ist ein weiteres Problem. Während Sonja nicht immer auf den Schulserver zugreifen kann, weil er manchmal wegen Überlastung streikt, bekam Corinna bis vor kurzem noch von den einzelnen Gymnasiallehrern ihres Sohnes separate E-Mails für jedes Fach ihres Sohnes, mittlerweile wurde ein Online-Portal eingerichtet. In der Grundschule muss die berufstätige Mutter die Aufgabenblätter wiederum direkt in der Schule abholen – für ihr mittleres Kind. Einmal wöchentlich haben die Mamis am Gymnasium die Gelegenheit, mit den Lehrern zu chatten, also zu schreiben, Videokonferenzen gäbe es nicht, berichtet sie. An der Grundschule sei ihnen gesagt worden, sie können sich jederzeit bei Fragen melden, aber Corinna wartet, wenn sie mal eine Frage habe, teilweise fünf Tage, bis eine Antwort komme. Zum Teil bekomme sie nur einen Link als Antwort nach dem Motto: „Hier, könnt ihr nachlesen.“

Symbolfoto homeschooling meets home office. Quelle: adobe stock

 

 

 

 




„Olaf, bitte komm schnell mal. Mir wird ganz schwummrig“

Das Tragen von Masken über Mund und Nase soll helfen, das Coronavirus einzudämmen. Schutzmasken sind seit Montag, den 27. April 2020, in Baden-Württemberg im Einzelhandel sowie im öffentlichen Personennahverkehr Pflicht.

Wir waren heute Vormittag in Pfedelbach unterwegs, eine der so genannten Hot-Spot-Gemeinden der Coronapandemie in Deutschland. Vor einem Supermarkt haben wir Kunden angesprochen, was sie von der Maskenpflicht halten und ob sie sich durch das Tragen einer Schutzmaske beim Einkaufen besser geschützt fühlen.

„Mir wird schwindelig unter der Maske“

Evelyne Mitar aus Pfedelbach empfindet es als sehr unangenehm. „Gerade jetzt, wenn es wieder wärmer wird, bekommt man kaum Luft und mir wird schwindelig unter der Maske.“ Sie hofft daher, dass diese Regelung nicht lang bleibt. Ihr Sicherheitsgefühl habe sich dadurch auch nicht verbessert. Wir haben vor Ort auch gefragt, ob man sich durch Landrat Dr. M. Neth gut durch die Corona-Krise geführt fühle. Evelyne Mitar sagt dazu: „Nein, viele Maßnahmen sind viel zu spät getroffen worden, nicht umsonst waren wir eine der Hot-Spot-Gemeinden“.

Nicht alle Kunde,  die wir angesprochen haben, möchten ihren Namen preisgeben. Zu Kontrovers werden derzeit viele Themen rund um Corona diskutiert.

Besser, wenn man den Mindestabstand einhält

Eine weitere Kundin ist Arzthelferin, sie wohnt in Öhringen.  Sie sagt: „Das Tagen der Schutzmasken bringt null, vor allem da die meisten einen Mundschutz benutzen, der dafür nicht geeignet ist. Besser sei es den Mindestabstand einzuhalten, sich häufig die Hände zu waschen und vor allem nicht ins Gesicht fassen“. Über meine eigene Stoffmaske, die ich bei der Befragung trage, muss sie schmunzeln.

Auf die Frage, ob sie sich durch Landrat Dr. Neth gut durch die Corona-Krise geführt fühle, antwortet sie: „Absolut nicht, mehr möchte ich dazu auch gar nicht sagen“.

Aber es gibt auch andere Einschätzungen. Eine junge Frau, Rana Mohamed Ali aus Öhringen, sagt, dass sie dass Tragen der Schutzmasken gut findet, allerdings kommt diese Entscheidung für sie etwas spät. Sie findet die Arbeit von Kreis und Landrat in der Coronapandemie gut, auch wie immer wieder eingegriffen wurde, um neue Maßnahmen durchzusetzen.

Im Supermarkt selbst tragen alle Kunden wie vorgeschrieben eine Schutzmaske. Nur selten sieht man jedoch medizinische Schutzmasken. Die überwiegende Zahl sind Stoffmasken.Ein älteres Ehepaar steht vor dem Kühlregal, beide mit Stoffschutzmasken versehen, auf einmal ruft die ältere Dame ihrem Mann zu: „Olaf, bitte komm schnell mal. Mir wird ganz schwummrig.“

Die Kassiererin findet die neue Regelung gut. Ihr gibt es ein besseres Gefühl, wenn auch die Kunden eine Schutzmaske tragen. 

Text: Carla Mosel

Evelyne Mitar beim Einkaufen am Montag, den 27. April 2020, mit Schutzmaske in einem Pfedelbacher Supermarkt. Foto: GSCHWÄTZ

 




Lieber Lehrer Flad, mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter

+ + + Öffentliche Stellungnahme + + +
Lieber Lehrer Flad,
 
Sie haben meinen Video-Kommentar vom 19. April 2020 zum „Coronaschulwahnsinn“ https://www.youtube.com/watch?v=Qj2xYDJ3es8 auf unserer Facebookseite GSCHWÄTZ mehrfach öffentlich kommentiert und kritisiert. Ich wende mich daher heute auch öffentlich an Sie, weil Ihre kritischen Kommentare leider am Inhalt vorbeigehen und ich sie von einem Lehrer in Künzelsau, wie Sie es sind, in der Argumentation enttäuschend schwach fand.
 
Mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter
 
Mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter, Herr Flad. Aber schauen wir uns doch einfach noch einmal einige Ihrer Kommentare der Reihe nach an:
 
Kommentar Philipp Flad: „Ich hätte es [Printausgabe von GSCHWÄTZ] eh nicht genommen, wegen der Druckerschwärze am Popo, haha.“ Da hätte ich Ihnen sicherlich keine gute Note im Ausdruck gegeben. Inhaltlich, das versteht sich von selbst, geht dieser Kommentar leider nicht auf die Probleme des homeschooling ein, die es aufwirft. Schade, Chance vertan.
 
Chance vertan
 
Bezüglich Kommentar 2 von Ihnen, Herr Flad: Überlegen wir mal, was ich in meinem Video-Kommentar vom 19. April 2020 zum Thema „Coronaschulwahnsinn“ gesagt habe: Man sollte die nächsten Wochen einen Gang runterschalten beim homeschooling. Sie antworten wortwörtlich: „Als Gymnasiallehrer der ab morgen wieder 10 Stunden am Tag am Schreibtisch sitzen wird um Unterrichtsmaterial Schüler- und elterngerecht aufzubereiten und von 8-17h online in Videokonferenzen zur Verfügung stehen.“ Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Das merken Sie selbst, oder? Ich habe gesagt, wir müssten homeschooling etwas entspannter angehen. Das würde ja nicht nur die Eltern, sondern auch engagierte Lehrer entlasten. Stattdessen gehen Sie als Antwort darauf in eine ungefragte Rechtfertigungshaltung. Ich bin in meinem Kommentar auf die Situation der Eltern eingegangen und habe schließlich nicht gesagt, dass Lehrer gar nichts vorbereiten würden. Aber es findet de facto kein Präsenzunterricht statt. Also schon wieder: leider völlig am Thema vorbei argumentiert.
 
Automatischer Rechtfertigungsmechanismus
 
Sie schreiben: „Sie stehen zur Verfügung in Videokonferenzen“? Was meinen Sie konkret mit dieser Aussage? Bei Bedarf der Eltern? Nach Terminvereinbarung? Ganz zu schweigen davon, dass viele Schulen gar keine Videokonferenzen machen – und auch keine Tabletts oder Lap Tops an ihre Schüler verteilen. Hier gibt es große Unterschiede. Auch hier muss man der Realität der begrenzten technisch-digitalen Möglichkeiten auf dem Land realistisch in die Augen schauen. Wäre es nicht auch sinnvoller, an einem einheitlichen digitalen Unterricht zu arbeiten und nicht nur „zur Verfügung zu stehen“ für den einzelnen Bedarf? Hierzu müsste man aber wie gesagt, zunächst dafür sorgen, dass jeder eine ausreichend schnelle Datenleitung dafür hat – und auch die erforderliche (Anzahl an) Hard- und Software zu Hause.
In Bayern gehen Schulen hier mustergültig mit Tablets für die Schüler zwecks homeschooling und digitalem Unterricht voran. Das kann natürlich kein Lehrer für sich entscheiden, aber man kann sich dafür einsetzen und offen ansprechen, damit auch die Schüler im Hohenlohekreis hier flächendeckend gleichermaßen gut versorgt sind. Und: Es gibt extreme Unterschiede, wie Schulen und Lehrer Stoffe vermitteln, wie präsent sie sind und wie empathisch. Denn derzeit möchten viele Eltern schlicht nur eines von ihren Lehrern: Verständnis – Verständnis, wenn nicht alle Aufgaben bewältigt werden können. Lehrer, die den Druck aus dieser für alle einmaligen schwierigen Situation herausnehmen, anstatt ihn noch weiter aufzubauen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
 Bayrische Schulen machen es vor: Tablets für Kinder fürs homeschooling
 
Der beste Kommentar von Ihnen, Herr Flad, ist aber dieser: „Und jetzt werden Sie doch auch mal konkret: Welche neuen! Lerninhalte haben Sie [Dr. Sandra Hartmann] oder ihre Follower ihren Kindern schon vermitteln müssen. Wie sind sie didaktisch und methodisch dabei vorgegangen? Das würde mich brennend interessieren. Vielleicht lerne ich ja noch was von Ihnen.“
Dieser Kommentar von Ihnen suggeriert zum einen, dass Eltern in diesen Wochen des homeschooling ihren Kindern keine neuen Lernhinhalte beibringen müssen. Das ist nicht korrekt. So lernen beispielsweise Grundschüler in diesen Wochen des homeschooling unter anderem neue Buchstaben und die korrekte Schreibweise von ihren Eltern. Von Fremdsprachen in den höheren Klassen ganz zu schweigen. Zum anderen suggeriert Ihr Kommentar, dass Eltern oft nur didaktisch und methodisch falsch an die Sache herangehen. Sie, Herr Flad, werten mit dieser Aussage ihren eigenen Beruf ab. Nicht ohne Grund gibt es doch ein Lehramtsstudium, in dem Sie gelernt haben, wie man didaktisch und methodisch vorgeht. Wie sollen das Eltern – gelernte Krankenschwestern, Supermarktmitarbeiter, Bürokauffleute – mal kurz nebenbei lernen? Geschweige denn, dass es auch für Sie sicherlich nicht einfäch wäre, mal kurz über Wochen einen anderen Beruf wie etwa Krankenschwester auf der Intensivstation ungelernt auszuüben – und parallel homeschooling zu betreiben.
Von der Realität vieler Eltern weit entfernt
 
Man merkt: Sie sind weit von der Realität vieler Eltern entfernt. Natürlich antworten diverse Eltern, wenn sie gefragt werden, wie es zu Hause läuft: Super läuft‘s. Denn fast niemand möchte sich die Blöße geben, zu sagen: Das funktioniert so nicht.
 
Sie gehen leider in keinster Weise auf die Hauptargumentation in meinem Kommentar ein, wie es berufstätige Eltern schaffen sollen, neben ihrem normalen (nicht selten nicht zu Hause umsetzbaren) Beruf parallel homeschooling mit mehreren Kindern zu betreiben. Sie vergessen, dass es Familien mit mehreren Kindern gibt und dass teilweise auch Grundschüler nicht nur Mathe und Deutsch als Aufgaben zu Hause abarbeiten müssen, sondern auch in den Nebenfächern. Das macht dann pro Kind im Durchschnitt acht Fächer. Wenn man vier Kinder hat, sind das Aufgaben für 32 Fächer pro Woche. Wann soll eine Mutter, die etwa morgens fünf Stunden an der Kasse im Supermarkt arbeitet, einkauft, nach Hause kommt, kocht, den Haushalt macht, noch die Zeit finden, diese Aufgaben mit ihren Kindern durchzugehen, die ja leider nicht alle 16 Jahre alt sind und mustergültig vormittags alles schon ganz alleine oder mit Papa zu Hause bewältigt haben? Aber vielleicht hat man auch als Eltern das Glück, dass zwei der vier Kinder noch in die Kita gehen und zu Hause „nur bespaßt“ werden wollen – ganz ohne offizielle Aufgaben.
 
Gehen wir doch einfach alle mal ein bisschen runter vom Gas
 
Wie ist das zu schaffen? Sie machen sich nicht mal die Mühe, darauf einzugehen. Anstatt auch Verständnis für die Eltern zu zeigen, schlagen Sie nur verbal um sich, weil Sie sich als Lehrer angegriffen fühlen wegen eines Kommentars von uns, der lediglich sagt: Gehen wir doch einfach mal alle ein bisschen runter vom Gas.
 
Bereit für ein Interview?
 
Ich möchte Ihnen die Gelegenheit geben, die Sie einfordern an das GSCHWÄTZ-Team in Ihren Kommentaren. Lassen Sie uns ein Interview führen, in welchem wir über die Arbeit der Lehrer und über die Arbeit der Eltern in den Coronawochen sprechen. Lassen Sie uns für einen Tag den Alltag in diesen Wochen tauschen und vielleicht gewinnen wir dann beide neue Erkenntnisse.
 
Ich warte auf Ihren Terminvorschlag an: info@gschwaetz.de
Sonnige Grüße
Dr. Sandra Hartmann

Auszug aus den Kommentaren von Philipp Flad auf unserer öffentlichen Facebookseite GSCHWÄTZ zum Thema Coronaschulwahnsinn. Screenshot

Auszug aus den Kommentaren von Philipp Flad auf unserer öffentlichen Facebookseite GSCHWÄTZ zum Thema Coronaschulwahnsinn. Screenshot

So einfach ist homeschooling, oder? Symbolfoto homeschooling. Foto: adobe stock