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Hohenlohe startet mit den ersten Impfungen – gehören solche Bilder also bald der Vergangenheit an?

Die ersten Impfdosen verteilte das Deutsche Rote Kreuz unlängst an ein Pflegeheim in Pfedelbach. Ist die Pandemie damit bald zu Ende und damit auch die Coronamaßnahmen? Indes mehren sich politische Stimmen, dass der derzeitige Shutdown verlängert werden soll – manche sagen, bis Ostern 2021. Vor einem Jahr hat die Mehrheit der Europäer Covid noch nicht gekannt. Wie hat eigentlich alles bei uns angefangen? Wir drehen die Coronauhr genau 1 Jahr zurück (Teil 1 von 2).

Januar

Anfang Januar 2020 gelangen erste Berichte über ein neues Virus im fernen China in die Nachrichtensendungen. China ist weit weg und wir hatten ja schon unsere Erfahrung mit dem SARS und dem MERS-Virus gemacht. Diese Viren waren ja ebenfalls weit weg und sie haben in Europa auch nicht wirklich zugeschlagen. 9 dokumentierte SARS Fälle 2003, darunter kein Todesfall, in Deutschland – die Bedrohung durch das neue Virus war überschaubar. Auch noch, als es Ende Januar scheinbar gelang, den ersten dokumentierten Ausbruch bei WEBASTO in Starnberg unter Kontrolle zu halten. Bereits bei diesem „Patient 1“ stellte man fest, dass bereits ein kurzer Kontakt zur Ansteckung führen kann. Ende des Monats sind außerhalb Chinas etwa 50 Fälle aus mehreren Ländern dokumentiert – erste ausländische Firmen schließen Betriebe in der Region Hubei, Fluggesellschaften stellen Flüge ein und die WHO erklärt am 30. Januar eine „Internationale Gesundheitsnotlage“.

Hohenloher Firmen mit intensiven Kontakten nach China werden aufmerksam: Ziehl-Abegg stellt alle Dienstreisen nach China ein und unterstützt seine chinesischen Werke mit Mundschutz und die Regierung mit einer Lüftungsanlage für ein Krankenhaus.

Februar

Noch macht man sich über den Virus lustig. Bild in WhatsApp.

Im Februar bekommen das Virus und die von ihm ausgelöste Krankheit einen Namen: Die WHO nennt das Virus Sars-Cov-2 und die Krankheit COVID-19. Der Volksmund bezeichnet beides bereits als „Corona“. Der erste Virologe, Alexander Kekulé wird der Öffentlichkeit bekannt, damals noch mit der These „Bei den Corona-Viren ist es leichter als bei der Grippe, durch Hygienemaßnahmen und das, was wir soziale Distanzierung nennen.“ Frankreich beklagt den ersten nachweislichen Toten in Europa, in Norditalien werden, bei etwa 150 bekannten Fällen, Gebiete abgesperrt. Und Ende Februar tagt erstmals der Krisenstab der Bundesregierung.

In Hohenlohe ist das Virus noch nicht wirklich angekommen. Zwar bereiten sich die Ärzte darauf vor, allerdings ist die Unsicherheit sowohl bei Ärzten als auch bei der Bevölkerung weiterhin hoch, zu wenig ist wirklich über das Virus, seine Verbreitung und seine Folgen bekannt. Dazu kommen erste zweifelhafte Informationsquellen, die die Verwirrung erhöhen: Der Coronavirus kommt und ihr seid noch beim Karneval.

März

Weg zur Abstrichstelle in Belzhag auf dem Frühjahrshöhepunkt der Pandemie im Hohenlohekreis. Foto: GSCHWÄTZ

Im März nimmt die Pandemie endgültig Fahrt auf: Am 01. März 2020 findet in Kupferzell ein Kirchenkonzert statt, das die Keimzelle für den Hotspot Kupferzell werden wird. Erste größere Veranstaltungen, wie die Leipziger Buchmesse, werden abgesagt. Italien schließt die Schulen, mit Sachsen-Anhalt ist Corona in allen Bundesländern angekommen. Schulen und Kindergärten werden geschlossen, bisher offene Grenzen abgeriegelt, Italien und Spanien melden jeweils über 3.000 Tote, die WHO bezeichnet Corona als „Pandemie“, die Fußball-EM und die Olympischen Spiele werden abgesagt.

In Deutschland beginnt der sogenannte „erste Lockdown“, nicht vergleichbar mit den Ausgangssperren, wie sie in Spanien herrschen. Weltweit werden Hilfspakete für die Wirtschaft geschnürt.

In Hohenlohe wird der erste Corona-Fall am 05. März registriert: Landrat Neth: „Mögliche Folgen einer unkontrollierten Verbreitung wären enorm“. Nahezu alle Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben, nicht aber das „Rebenglühen“ in  Bretzfeld – wahrscheinlich die Ursache für den zweiten Hotspot im Hohenlohekreis. Erste Fälle in Kupferzell treten auf: Kupferzell: 4 weitere Coronafälle – Verdachtsfälle in Künzelsau. Im Gesundheitsamt in Künzelsau wird eine erste Abstrichstelle eröffnet und kurz darauf durch eine zentrale Abstrichstelle in Belzhag ersetzt. Erst einige, dann alle Schulen und Kindergärten schließen. Der Landrat wird erstmals deutlich: „Leider nicht bei allen angekommen, wie dramatisch die Situation ist“.

Im Künzelsauer Krankenhaus wird eine Isolierstation eröffnet. Schutzausrüstungen für Gesundheitsbedienstete gehen aus, Landrat Dr. Neth muss Firmen und Privatleute um Unterstützung bitten – und erhält diese in großer Menge.

Ende März waren in Deutschland 670 Menschen an Corona verstorben. Am 17. März 2020 wird der erste Corona-Todesfall im Hohenlohekreis vermeldet. Der Hohenlohekreis ist nun einer der am stärksten betroffenen Landkreise in Deutschland.

April

Professor Ralph Wystup (rechts) präsentiert die Atemschutzhaube Landrat Dr. Matthias Neth (links). Foto: GSCHWÄTZ

Die Lage bleibt unübersichtlich. Obwohl es immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse über das Virus und seine Ausbreitung gibt, wächst die Unsicherheit in der Bevölkerung. Auch weil die Politik es nicht schafft, einheitliche Verhaltensregeln zu definieren: Zwar treten Mitte April erste „Lockerungen“ in Kraft, diese sind aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Man hat den Eindruck, jeder Ministerpräsident will seiner Bevölkerung ein eigenes „Zuckerle“ geben. Baumarkttourismus über die bayrisch-hessische Landesgrenze ist nur ein Beispiel. Bundeskanzlerin Merkel versucht noch, die Lockerungen zu begrenzen und zu vereinheitlichen, vergeblich. Nicht zum letzten Mal.

So unterschiedlich sind die Lockerungen, dass die Menschen die Regeln nicht mehr verstehen und beginnen, sich aufzulehnen. Auch die von Land zu Land unterschiedlichen Regelungen für das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes verwirren.

Selbst die „Großen“ können Corona nicht entfliehen: Der britische Premierminister Boris Johnson muß auf der Intensivstation behandelt werden. Ende April geben Biontech und Pfizer bekannt, einen Impfstoff an Menschen zu testen.

Das ehemalige Krankenhaus kann nicht zur Corona-Klinik umgewidmet werden. Das Landratsamt empfiehlt Mund-Nasen-Schutz, daraufhin werden Tausende Masken in Privatinitiative genäht. Auch Gewerbe und Industrie spenden weiter Schutzmasken. Trotzdem bleibt Schutzausrüstung knapp, auch für das Bestattungswesen. Hohenloher entwickeln eine Schutzhaube für besonders kontaminierte Bereiche. Kurios: Berittene Polizei sorgt für den Kontaktabstand in Künzelsau. Eltern sind mehr und mehr mit Home-Office und Kinderbetreuung überlastet. Die Reisebranche demonstriert in Künzelsau und die Gastronomie paßt ihr Angebot an.

Der Hohenlohekreis meldet Quarantänemaßnahmen in acht Pflegeheimen und warnt vor drohender Überlastung des Öhringer Krankenhauses, das Gesundheitsamt scheint überlastet. Künzelsau sagt alle Veranstaltungen der nächsten Monate ab.

Mai

Der Medi-Bus des RKI stand in Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Parallel zu den traditionellen Maidemonstrationen finden erste Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen statt.  Das Bundeskriminalamt warnt Mitte Mai vor einer Kaperung der Proteste durch Rechtsextreme. Kontaktbeschränkungen werden gelockert und die Bundesliga nimmt ihren Spielbetrieb in leeren Stadien wieder auf. Die Infektionszahlen in Deutschland sinken auf unter 1.000 positive Tests pro Tag, weltweit steigen sie weiter. Erste Berichte über die Impfversuche sprechen von Erfolgen. Der Optimismus steigt. Weitere Lockerungen treten in Kraft. Die Lufthansa erhält ein Hilfspaket in Höhe von 9 Milliarden Euro. Immer mehr Bundesländer öffnen Schulen und Kindergärten – mit Sicherheitsmaßnahmen. Die medizinische Forschung stellt fest, dass Corona nahezu alle Organe beeinträchtigen kann, nicht nur die Lunge. Es wird bekannt, dass Veröffentlichungen des Virologen Hendrik Streeck von einer PR-Agentur gesteuert werden – das fördert das Vertrauen in die Wissenschaft nicht.

Die Hohenloher finden kreative Lösungen, um ein gewisses Maß an Normalität in der Freizeit wiederherzustellen: Autokino, Autokonzert, eine Klopapier-Challenge, Outdoor-Konzerte. Gleichzeitig werden Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Corona-Maßnahmen lauter. Der Einzelhandel stellt sich um und beliefert seine Kunden an der Haustür. Auch die Urlaubspläne der Menschen ändern sich. Die Corona-Fallzahlen in Hohenlohe sind stabil, allerdings sind 40 Menschen bereits verstorben. Weiter werden in großem Stil  Masken genäht. Auch die Hohenloher Schulen öffnen für einzelne Klassenstufen. Ab dem 20. Mai führt das Robert-Koch-Institut im ehemaligen Hotspot Kupferzell eine Reihenuntersuchung zur Erforschung der Verbreitung des Virus durch.

Juni

Leere Eisdiele bei strahlendem Sonnenschein. Das hat einen traurigen Seltenheitswert. Foto: GSCHWÄTZ

An Pfingsten müssen Urlaubsgebiete gesperrt werden, so hoch ist der Andrang. Mit  einem  Konjunkturpaket der Bundesregierung zur Ankurbelung der Wirtschaft werden unter anderem der Kinderbonus und die zeitweise Absenkung der Mehrwertsteuer beschlossen. Die Lage auf den Intensivstationen entspannt sich – gegenüber dem Höchststand von 2.900 Patienten werden noch etwa 700 Patienten behandelt. Mehrere lokal beschränkte Ausbrüche, zum Beispiel in Schlachthöfen und Wohnsiedlungen führen zu lokalen Maßnahmen. Die Corona-Warn-App startet. Spanien beendet seinen 3-monatigen Lockdown nach 28.000 Toten. Aufgrund der lokalen Corona-Ausbrüche werden für die Urlaubszeit Einreisebeschränkungen für Menschen aus Risikolandkreisen beschlossen.

Am 10. Juni teilt Landrat Neth mit, dass es seit einer Woche im Hohenlohekreis keine Neuinfektionen mehr gegeben hat. Die Normalität scheint näherzurücken. Der Einzelhandel zieht eine erste Bilanz: Wesentlich weniger Kunden als vorher. Die Unsicherheit, wie es auch mit den Bundeshilfen weitergehen wird, bleibt aber. An der Kupferzeller RKI-Studie haben mehr als 2.000 Menschen teilgenommen – ein voller Erfolg. Am 19. Juni besucht Ministerpräsident Kretschmann den Hohenlohekreis und erläutert die Coronamassnahmen des Landes. Das neugestaltete Kocherfreibad in Künzelsau nimmt am 29. Juni verspätet seinen Betrieb mit einem Sicherheitskonzept auf, das Niedernhaller Freibad bleibt geschlossen. In Öhringen öffnen H2Ö und Fitnesspark. Der Sommer kann kommen.

Text: Matthias Lauterer

 




„Milliardenhilfen fließen in die Wirtschaft, warum nicht in das Gesundheitssystem und die Schulen?“

Den Zeitpunkt seiner Ansteckung weiß er ganz sicher, sagt Ralf Lauber. Der freie Architekt aus Künzelsau-Ohrenbach ist im Frühjahr 2020, bei der ersten Coronawelle, positiv auf das Virus getestet worden. „Am 10. März 2020 hatte ich einen Termin mit einem Handwerker in Kupferzell. Das dauerte zirka 1,5 Stunden.“ Dieser Handwerker, der mit Erkältungssymptomen zu dem Termin erschienen sei, sei später positiv auf Corona getestet worden, sagt Lauber.

Zwei Tage später war das Ergebnis da

Eine Woche später habe Lauber mitbekommen, dass der Handwerker wegen Corona im Kankenhaus liege. „Daraufhin habe ich meinen Hausarzt angerufen. Am nächsten Tag hatte ich einen Termin in Belzhag [offizielle Drive-in-Abstrichstelle des Hohenlohekreises] zur Testung.“ Zwei Tage später sei schon das Ergebnis da gewesen. Sein Hausarzt habe ihn angerufen. Positiv. „Ich hatte damit gar nicht gerechnet, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Symptome“, erinnert sich der 57-Jährige. Ob er denn nach Mitteilung der Diagnose Angst gehabt habe? Der zweifache Familienvater erklärt: „Eigentlich nicht. Damals hast du über Corona noch nicht viel gewusst. Da hat man dann nur gedacht: Ok. Dann bleibe ich halt 14 Tage zu Hause.“ 14 Tage Quarantäne bedeutete das Testergebnis für ihn. Auch seine Frau Ute sei vorsorglich nicht zur Arbeit gegangen.

„Ok. Dann bleibe ich halt 14 Tage zu Hause“

„In der Quarantäne dann haben wir dann beide Symptome bekommen“, sagt Ralf Lauber. Kopfschmerzen, moderates Fieber (38,4 Grad), Geruchs- und Geschmacksverlust. „Zirka eine Woche lang hat bei mir alles salzig geschmeckt, egal, wie ich es gewürzt hatte.“

Alles salzig geschmeckt

Wie haben die Familie und der Freundeskreis auf die Diagnose reagiert? Ein Geheimnis um die Diagnose haben sie nicht gemacht, so Lauber: „Jeder von unserem Verwandten- und Freundeskreis hat es gewusst. Sie haben gefragt, was wir machen dürfen und was nicht.“ Aber alle seien sehr locker damit umgegangen.

Abschlusstest wurde nicht gemacht

Lauber hat auch zwei Söhne im Alter von 27 und 23 Jahre, aber diese seien schon ausgezogen aus dem Haus, so dass hier keine unmittelbare Ansteckungsgefahr drohte. Die Symptome hätten genau die zwei Quarantänewochen angehalten. Am letzten Quarantänetag sei der Familienvater aufgestanden und habe zu seiner Frau gesagt: „Corona ist weg.“ Und so sei es denn auch gewesen, zumindest was die Symptome anging. Ein Abschlusstest sei nicht gemacht worden. Der Hausarzt habe lediglich gefragt, ob Lauber noch Symptome zeige. Als dieser verneinte, sagte sein Arzt: „Sie können davon ausgehen, dass Sie genesen und immun sind.“ [Anm. d. Redaktion: Mittlerweile wird empfohlen, dass ein nochmaliger Text am Ende der Quarantänezeit gemacht wird. Diverse Wirtschaftsunternehmen üben diese Praxis aus, denn auch wenn jemand nach 14 Tagen symptomfrei ist, kann er trotzdem noch coronapositiv sein. Auch die Aussage mit der Immunität ist mittlerweile widerlegt. Es gab diverse Betroffene, die mehrfach erkrankt sind. Hier kommt es auf die Höhe und die Dauer der Antikörperkonzentration im Blut an. Diese kann sich jedoch ständig ändern. Mehr Infos: https://www.helios-gesundheit.de/magazin/corona/news/corona-immunitaet/]

„Keiner kann dir mit Sicherheit sagen, ob du immun bist oder nicht“

Ein Antikörpertest wurde bei den Laubers ebenfalls nicht gemacht. Der Architekt braucht diesen Test auch nicht, denn „das interessiert nicht. Wichtig ist: Uns geht es seitdem gut.“ Es macht keinen Unterschied, weil sowieso keiner mit Sicherheit sagen kann, ob du immun bist oder nicht.“

„Ich finde nicht alle Maßnahmen gut“

Was sagt er zu den derzeitigen Coronamaßnahmen? „Wir leben mit den Maßnahmen, aber ich finde nicht alle gut. Jetzt schränkt man nach den Novembermaßnahmen nochmal alles massiv ein. Mir kommt das so vor, dass man immer weiter einschränkt, ohne dass diese Beschränkungen erkennbar helfen, die Zahlen zu drücken.“ Er fände es etwa wichtig, auch die derzeitigen winterlichen Temperaturen mitzubedenken, was seiner Meinung nach zu wenig Beachtung findet. Aber sicher müsse man diverse Maßnahmen ergreifen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Zu wenig Geld fließe in die Schulen und das Gesundheitssystem

Zu den Coronahilfen hat er eine klare Meinung: „Milliarden Hilfen fließen in die Wirtschaft, vor allem in die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren viel Geld verdient haben. Warum unterstützt man nicht viel mehr das Gesundheitssystem? Und warum muss mit der Gesundheitsversorgung Geld verdient sein? Auch die Schulen müssten mehr unterstützt werden, zum Beispiel mit Luftreinigern.“ Aber auch hier spare der Staat.

Auch bei der staatlichen Informationspolitik könne manches besser laufen: „Nichts wird richtig erklärt, man kann vieles nicht richtig nachvollziehen. Viele Bürger sind verunsichert.“ Hinzu komme eine Überwachspolitik der Bürger untereinander, etwa an der Supermarktkasse, wenn es um das Einhalten der Abstände gehe. Es sei in diesem Klima der Angst jeder etwas übersensibilisert, findet er.

Wird er sich impfen lassen? „Ich bin gegen die Impfpflicht, weil das mein Körper ist und die körperliche Unversehrtheit im Grundgesetz steht. Aber wenn die Impflicht kommt, wehre ich mich nicht dagegen. Impfen sollte nichtsdestotrotz freiwillig bleiben. Wenn die Pflicht dazu kommt, gehört dein Körper definitiv nicht mehr dir. Wo soll das hinführen?“

Text: Dr. Sandra Hartmann

 

 

 




„Das ist sicher nur ein grippaler Infekt“

„Das ist sicher nur ein grippaler Infekt“, sagte ihr Hausarzt. Es war Mitte März 2020, zu Beginn des ersten harten Lockdowns in Deutschland, als Daniela H., wohnhaft im Hohenlohekreis, (der Name wurde von der Redaktion auf Wunsch geändert), bei ihrem Hausarzt sitzt und dieser einen Coronatest als nicht nötig erachtet.

Bei 28 Grad mit Wärmflasche im Bett

Einige Tage zuvor hatte Daniela H. noch Besuch von einer Freundin. Es war Donnerstag. Da ging es Daniela noch gut. Von Donnerstag auf Freitag verschlechterte sich der Zustand der 44-Jährigen rapide. „Ich weiß noch, dass es draußen für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm war, an die 28 Grad am Tag. Aber ich lag nachts mit einer Wärmflasche im Bett, weil ich so gefroren habe.“ Starke Kopf – und auch Gliederschmerzen kamen hinzu. Corona war bekannt. Daniela H. ist Lehrerin, sie hat Kontakt mit vielen Menschen. Einige ihrer Schüler waren in den Faschingsferien Skifahren gewesen – im Nachhinein mit ein Coronatreiber in Deutschland. Verwandte von Daniela hatten zwar kein Corona, befanden sich aber in Quarantäne, weil sie ebenfalls in einem Skigebiet Ski fahren waren, das im Nachhinein als Coronahotspot deklariert wurde. Daniela H. habe ihren Arzt gefragt, ob es sein kann, dass sie Corona habe. „Das ist sicher nur ein grippaler Infekt.“

An die 41 Grad Fieber

Währenddessen habe Danielas Mann Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises aufgenommen und gefragt, ob man seine Frau nicht mal testen wolle in Bezug auf Corona. Er habe auch gesagt, dass sie Lehrerin sei. Nach zwei oder drei Anrufen des Ehemannes und eine Woche später habe Daniela H. einen Termin in der Abstrichstelle Belzhag bekommen. Tagelang liegt Daniela H. teilweise mit 40,8 Grad Fieber im Bett, berichtet sie gegenüber GSCHWÄTZ. „Da habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, ins Krankenhaus zu gehen. Ich habe in dieser Zeit nur noch geschlafen, fernsehen oder lesen ging gar nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, die Lunge brennt. Aber ich hatte keinen Husten, eher Beengungsgefühle.“ Daniela H. hat mit Salbutamol inhaliert und das Schlafzimmerfenster während der Hochphase ihrer Erkrankung immer offen gehabt. Früher hatte sie mit Asthma zu kämpfen, aber sie ist keine „aktive Asthmatikerin“, wie sie selbst sagt.

Das erste Ergbebnis war negativ

Das Ergebnis des Coronatests kam wiederum erst eine Woche nach der Testung. Da war Daniela H. schon zwei Wochen krank und eigentlich schon wieder auf dem Weg der Besserung. „Ich konnte wieder am Esstisch sitzen und lag nicht mehr im Bett.“ Das Fieber war auf 39 Grad gesunken.

Das erste Testergebnis war negativ. Wie konnte das sein? Hatte sie doch kein Corona gehabt? Wiederum vier Tage später kam das korrigierte positive Ergebnis. Das Gesundheitsamt habe ihr mitgeteilte, dass sie ab sofort für zehn Tage in Quarantäne sei. Daniela H. fragte, ob das ein Witz sei. Schließlich sei sie die vergangenen 2,5 Wochen bereits zu Hause gewesen.

Rund 2,5 Wochen nach den ersten Symptomen bekommt sie erst das positive Coronaergebnis

Rund 2,5 Wochen hat es bei Daniela H. gedauert von den ersten Symptomen bis zum positiven Ergebnis. In dieser Zeit hat sie mit ihrer Familie weiterhin wie gewohnt zusammengelebt und hätte prinzipiell alle Familienmitglieder anstecken können. Doch weder ihr Ehemann ist in dieser Zeit krank geworden, noch ihre Tochter. Lediglich ihr Sohn habe es ebenfalls mit derselben, allerdings wesentlich leichteren Symptomatik erwischt. Getestet sei er jedoch nicht geworden. Warum erkranken die einen, während die anderen nicht erkranken oder sind sie erkrankt, nur hatten sie keine Symptome? Die Familie nahm im Mai 2020 an einer Heidelberger Kinder-Corona-Studie teil. Das Ergebnis: Die Hälfte der Familie hatte nicht nur keine Symptome, sondern auch keinerlei Coronaantikörper im Körper, während die andere Hälfte der Familie sowohl teilweise heftige Symptome entwickelte und ihre Körper daraufhin Antikörper gebildet hatten. So richtig nachvollziehen kann man das Virus in dieser Hinsicht nicht.

„Soll ich ins Krankenhaus gehen?“

„Ich war in meinem Leben noch nie so krank gewesen“, sagt Daniela H., die heute wieder täglich Sport macht, nur ihr Geschmacks- und Geruchssinn sei auch nach einem halben Jahr noch nicht vollständig zurückgekehrt. In den schlimmsten Tagen ihrer Krankheit habe sie überlegt, ob sie ins Krankenhaus gehen soll, ob sie eventuell sogar beatmet werden muss. Aber Daniela H. hat Angst vor Krankenhäusern, als Kind sei sie zu oft schon darin gewesen. Ihr Körper hat es auch ohne künstliche Beatmung geschafft, mit der Krankheit umzugehen. Hat sie danach Angst gehabt, zurück in die Schule zu gehen und möglicherweise wieder angesteckt zu werden? „Nein, ich habe gedacht, ich habe ja jetzt Antikörper. Aber habe ich jetzt noch genug Antikörper?“, fragt sie sich heute. Wir haben mittlerweile Dezember 2020. Deutschland befindet sich im zweiten harten Lockdown. „Aber selbst wenn ich nochmal Corona kriegen würde, weiß ich, dass mein Körper das durchstehen kann.“ Lässt sie sich impfen?, wollen wir von ihr wissen. „Wenn ich mich impfen lasse, dann frühestens ab Herbst 2021. Ich möchte das erstmal beobachten.“ Daniela H. ist vorsichtig geworden. „Ich meide Kontakte, ich trage immer eine Maske, auch auf dem Parkplatz. Ich gehe einkaufen, wenn nicht so viel los ist.“

Als Lehrer schwierig, als Coronamaßnahmen im Unterricht umzusetzen

Wie sieht sie als von Corona betroffene Lehrerin die Maßnahmen in der Schule? „Ausreichend sind die Maßnahmen nicht. Es gibt Lehrer, die haben ein CO2-Messgerät im Klassenzimmer stehen. Das misst den CO2-Gehalt in der Luft. Ich versuche, alle 20 Minuten zu lüften, aber das gelingt nicht immer. Manchmal ist man so im Arbeitsfluss mit den Kindern drin, dass man es schlicht und einfach vergisst. Wenn man lüftet, frieren die Kinder. Da braucht man dann in dieser Zeit gar nicht zu unterrichten. Eigentlich ist der zweite Lockdown viel zu spät gekommen. Warum hat man nicht viel früher etwas gemacht? Dann hätten wir normale Weihnachten haben können.“

 

 




„Meine große Dankbarkeit gilt den Mitarbeiter:innen der Hohenloher Krankenhaus gGmbH“

Am Wochenende hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 32 neue Corona-Infektionen an das Landesgesundheitsamt gemeldet, (Samstag = 9 Fälle, Sonntag = 23 Fälle). Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 132,3 pro 100.000 Einwohner. Erneut betroffen sind Pflegeeinrichtungen im Hohenlohekreis. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises vom 13. Dezember 2020 hervor.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Coronavirus sowie das Dashboard mit den einzelnen Zahlen pro Gemeinde gibt es auf www.corona-im-hok.de

Statement Landrat Dr. Matthias Neth zu den weiteren Beschlüssen zur Eindämmung der Corona-Pandemie

„Die Entscheidung, die Maßnahmen nochmals deutlich zu verschärfen, ist richtig. Baden-Württemberg hat dies bereits mit Wirkung zum 12.12.2020 mit großer Entschlossenheit getan. Leider blieb angesichts des steigenden Fallzahlen keine andere Wahl“, sagt Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth angesichts des deutschlandweiten Shutdowns ab Mittwoch, den 16. Dezember 2020.

„Erfolgreich können wir nur sein, wenn wir alle dafür kämpfen“

„Die Pandemie stellt uns alle vor noch nie da gewesene Herausforderungen. Gesundheitswesen, Wirtschaft, Bildungssektor und die ganz persönliche Lebensgestaltung ist in einem unvorstellbaren Maße gefordert. Auch wenn dies eine andere Vorweihnachtszeit, ein anderes Weihnachtsfest und einen anderen Jahreswechsel bedeutet – Solidarität und Respekt vor dem Leben des anderen ist das deutlich höherwiegende Gut. Erfolgreich können wir nur sein, wenn wir alle dafür kämpfen, die Pandemie auf schnellsten Weg wieder unter Kontrolle zu bringen. Und jeder Einzelne kann etwas dafür tun.

Meine persönlichen Gedanken und große Dankbarkeit gelten allen Mitarbeiter:innen im Gesundheitswesen und all denjenigen, die für andere da sind, insbesondere den Mitarbeiter:innen der Hohenloher Krankenhaus gGmbH und unserer Pflegeeinrichtungen.“




Höhere Chancen, Corona zu bekommen, wenn man arm ist

In einem aktuellen Artikel der Wochenzeitung Die Zeit analysiert die Autorin Anna Mayr mehrere Studien zum Thema: Corona und Ansteckung. Das Ergebnis: Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten stecken sich im Durchschnitt häufiger mit dem Virus an als reiche. https://www.zeit.de/2020/49/soziale-ungleichheit-corona-ansteckungsgefahr-arm-reich

Hat man zu Hause mehr Platz, ist das während einer Quarantäne entspannter Luxus

Wie aber kommt es zu dieser Ungleichverteilung? Zum einen spielt die soziale Umgebung eine Rolle. Wenn man zu Hause bereits mehr Platz zum Leben und um sich zurückzuziehen hat, wirkt das Virus wohl weit weniger ansteckend wie einer Wohnung, in der vier Menschen auf wesentlich engerem Raum leben. Sich aus dem Weg zu gehen in einer Quarantänesituation ist hier schier unmöglich. Ebenso wenn man auf soziale Brennpunktviertel schaut. Es macht eben doch einen Unterschied, ob man in einem Haus mit Garten und Platz um sich herum wohnt oder in einer dicht an dicht bebauten Wohnsiedlung. Hier hat das Virus weit mehr Chancen, sich zu verbreiten. Im Juni 2020 ließ die Stadt Göttingen etwa einen ganzen Wohnkomplex einzäunen, weil 120 der 700 Bewohner infiziert gewesen seien (siehe Foto).

Das Nachsehen haben Supermarktkräfte

Aber auch das Arbeitsumfeld kann man sich eher flexibel gestalten, wenn man sein eigener Chef oder zumindest in einer Abteilung ist, in dem home office möglich ist. Das Nachsehen haben Pflegekräfte, Supermarktkräfte, Arbeiter auf dem Bau.

Chronischer Stress schwächt das Immunsystem

Weiterhin ergaben Studien, dass auch der existenzielle Stress eine Rolle spielt, wie schnell man sich das Virus einfangen kann. Die Menschen, die während und auch schon vor der Coronazeit permanent Ängsten ausgesetzt sind hinsichtlich des Bezahlens ihrer Miete oder ob sie ihren Job verlieren, tragen laut dem Artikel ein weit höheres Risiko in sich, an Corona zu erkranken. Denn: Chronischer Stress schwächt das Immunsystem. Und macht es demnach angreifbarer für Corona.

Auch die Ernährung spielt eine große Rolle. Das Virus trifft vermehrt Menschen mit Übergewicht und/oder Herzproblemen. Wer sich gesund ernährt, macht sich weniger angreifbar. Gesündere Ernährung überwiegt aber eher in Familien mit einem höheren Lebensstandard.

Zudem wird in diversen Studien vermutet, dass auch eine gewisse Unkenntnis in bildungsfernen Schichten dazu führt, dass sich ärmere Bevölkerungsgruppen häufiger anstecken: weil sie schlicht nicht wüssten, wie man sich schützen könne.




Sportunterricht für zu zahlreichen Kontaktpersonen an Schulen

Am Samstag, den 21. November 2020, hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 39 neue Corona-Infektionen an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt jetzt bei 155,3 pro 100.000 Einwohner. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Vier Schulen betroffen

Durch die heute gemeldeten Fälle sind auch vier Schulen betroffen: die Brüder-Grimm-Schule Künzelsau, die Grundschule Taläcker, die August-Weygang-Gemeinschaftsschule Öhringen und das Hohenlohe-Gymnasium Öhringen. In allen Klassen hat Sportunterricht stattgefunden, weshalb durch die Fallermittler im Gesundheitsamt eine große Anzahl an Kontaktpersonen der Kategorie 1 ermittelt und Quarantäne angeordnet werden musste.

 




Corona: Johann-Friedrich-Mayer-Schule betroffen

Am Freitag, den 20. November 2020, hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 29 neue Corona-Infektionen an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt jetzt bei 140,3 pro 100.000 Einwohner. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Quarantäne für 25 Personen

In einer bisher noch nicht betroffenen Pflegeeinrichtung wurden acht Neuinfektionen bestätigt, dabei handelt es sich in einem Fall um eine Pflegekraft. Ein positiver Fall an der Johann-Friedrich-Mayer-Schule Kupferzell hatte eine Quarantäneanordnung für rund 25 Kontaktpersonen der Kategorie 1 zur Folge. Am Bildungszentrum Bretzfeld wurde ein weiterer Schüler positiv getestet. Dieser war bereits durch die Fallermittler im Gesundheitsamt als K1 eingestuft und häuslich isoliert.




70 weitere Bürger in Quarantäne

Am Donnerstag, den 12. November 2020, hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 22 neue Corona-Fälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tages-Inzidenz liegt damit laut dem Landratsamt bei 89,7 pro 100.000 Einwohner. Vor kurz lag diese noch bei über 100.

Durch die positiven Fälle sind jedoch nun rund 70 neue Quarantäneverfügungen für direkte Kontaktpersonen ergangen. Betroffen sind unter anderem zwei Pflegeeinrichtungen sowie eine Grundschule in Pfedelbach. Wie GSCHWÄTZ vor kurzem berichtete, müssen K1-Personen fortan sofort, wenn sie die Mitteilung des Gesundheitsamtes erhalten 14 Tage in Quarantäne – unabhängig von einem Covid-19-Test.




Dornröschenschlaf für Deutschland

Ab Montag, den 02. November 2020, sinkt Deutschland für einen Monat in einen Dornröschenschlaf. So zumindest will es die Bundesregierung, die versucht, mit diversen Maßnahmen (wir berichteten https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/PDF/Coronainfos/201028_Corona_Massnahmen_A4_lang_V3.pdf), den steigenden Coronazahlen Herr zu werden (aktuelle Zahlen für den Hohenlohekreis gibt es hier: https://www.corona-im-hok.de/). Kurz – und vielleicht auch etwas überspitzt – gesagt: Alles, was Spaß macht, ist ab Montag wieder weitestgehend verboten beziehungsweise es wird einem davon abgeraten, wie etwa Freunde und Familie zu treffen, Sport in einem Verein zu machen, ins Theater oder ins Kino zu gehen, auch Schwimmbäder müssen schließen, ebenso wie Restaurants und Kneipen. Dadurch sollen die Coronazahlen wieder sinken.

Erkältungszeit und schon gehen die Coronazahlen wieder hoch – das ist wenig überraschend

Das Paradox: Dass die Zahlen wieder steigen, liegt weniger an Hotspots, die in Restaurants oder Kinos entstanden sind. Diese haben in der Regel vorbildlich versucht, die zahlreichen Hygienevorschriften bestmöglich umzusetzen. So stand etwa am Eingang der Therme in Sinsheim ein Körpertemperaturscanner. Die Kinobesucher hielten Abstand zu anderen Besuchern, fast überall gab es die Möglichkeit von Onlinereservierungen wegen eines reduzierten Platzangebots aufgrund der Abstandsregelungen. Die steigenden Coronazahlen rühren vielmehr auch von der kälteren Jahreszeit, die Erkältungen sowie grippale Infekte befördern. Diese wiederum bringen Coronasymptome als Begleiterscheinung mit, ergo lassen sich wieder mehr Menschen auf Corona testen, was wiederum dazu führt, dass bei mehr Menschen Corona festgestellt wird, die sich ohne derartige Symptome vermutlich gar nicht hätten testen lassen. Des Weiteren ist ein schwächelndes Immunsystem etwa in einer kälteren Jahreszeit anfälliger für Coronaviren.

Was bringt das Herunterfahren des Freizeitbereiches?

Die Gesundheitsämter auch im Hohenlohekreis haben ihre Personalkapazität mithilfe der Bundeswehr aufgestockt  (wir berichteten). Das Ziel: Schneller Hotspots entdecken und die Menschen benachrichtigen, die Kontaktpersonen von Coronaerkrankten sind, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Was aber bringt das Herunterfahren des Freizeitbereiches im November? Nicht viel, warnen doch Ärzte und Wissenschaftler eher davor, dass psychische Krankheiten und Angstzustände seit Corona sowieso schon zunehmen und Lockdowns die Situation verschärfen. Denn: Sport und Spaß sind eigentlich gute Heilsbringer für ein starkes Immunsystem. Nun kann man noch diszipliniert alleine im Wald joggen gehen, aber das soziale Miteinander fehlt irgendwann dann doch. Die Vereinsamung unter der Maske droht – gerade in Stimmungstief-Zeiten wie dem Herbst. Da hilft dann auch nicht die Aussicht auf Weihnachten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel postuliert, weil jeder weiß: Auch an Weihnachten wird nichts normal sein. Die Maske wird uns noch lange begleiten.

Auch an Weihnachten wird nichts normal sein

Zum einen werden also nun entgegen der Meinung von diversen angesehen Wissenschaftler und Ärzte (wir berichteten) Freizeitaktivitäten auf ein Minimum reduziert. Zum anderen soll aber das Volk weiterhin arbeiten – bestenfalls im staatlich empfohlenen home office. Nur: Auch Büroarbeit klappt langfristig häufig besser von Angesicht zu Angesicht, insbesondere wenn man komplexere Sachverhalte gemeinsam anschauen muss. Abgesehen davon können Krankenschwestern, Pfleger, Kassierer, Ärzte und Müllarbeiter auch nicht einfach ins home office verschwinden. Sie sollen angesichts steigender Zahlen weiterhin arbeiten, aber der Freizeitausgleich wird ihnen gestrichen. Psychologisch gesehen setzt das Menschen noch mehr unter Druck – und Aggressionen und Gewalt können daraus entstehen. Auch Polizisten bekamen dies zu spüren, unter anderem unlängst in Frankfurt https://www.hessenschau.de/panorama/mit-steinen-flaschen-pfefferspray-jugendliche-attackieren-polizisten-in-frankfurt-,angriff-polizeistreife-100.html

Die Polizei – dein Freund oder Feind?

Andererseits denken führende Politiker laut darüber nach, die Kompetenzen der Polizei zu erweitern. So ruderte unlängst der SPD-Politiker Karl-Lauterbach nach heftiger Kritik unlängst wieder zurück, nachdem er angesichts der drastisch gestiegenen Corona-Infektionszahlen zuvor Kontrollen in privaten Räumen gefordert hat. „Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann. Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein“, sagte Lauterbach der  Rheinischen Post. „Wenn private Feiern in Wohnungen und Häusern die öffentliche Gesundheit und damit die Sicherheit gefährden, müssen die Behörden einschreiten können.“ https://www.hna.de/politik/corona-zahlen-news-lauterbach-kontrollen-polizei-privatwohnungen-coronavirus-merkel-kassel-hna-90083279.html

Es haben sich zwei Lager gebildet

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es ist richtig und wichtig, dass man Maßnahmen, die tief in die deutschen Grundrechte eingreifen, kritisch hinterfragt oder auch demonstriert. Das fordert schon die deutsche Geschichte von uns ein. Aber bei Gewalt hört das Verständnis auf. Auch wir merken anhand der Kommentare, die uns täglich erreichen zu diesem Thema, dass sich zwei Lager gebildet haben – die Menschen, die den Kurs der Regierung befürworten und alle Maßnahmen bestmöglich versuchen umzusetzen und diejenigen, die die Maßnahmen kritisch sehen oder gänzlich ablehnen. Zusätzlich gibt es diejenigen, die Covid-19 gänzlich in Frage stellen.

Was ist richtig, was ist falsch?

Was ist richtig, was ist falsch? Das wird sich erst rückblickend in einigen Jahren sagen lassen. Aber was jetzt wichtig ist: Dass wir einen offenen Diskurs zulassen über diese Pandemie und die Maßnahmen, mit der wir ihr begegnen. Dass wir uns trauen, unsere Meinung zu sagen, wohlwissend, dass die durch ständig neue Erkenntnisse diese nicht in Stein gemeißelt werden kann. Dass wir immer im Diskurs bleiben mit anderen, die nicht dieselbe Meinung haben wie wir. Durch den Dialog können wir vielleicht dafür sorgen, dass sorgen wir dafür der Riss, der sich allmählich durch alle gesellschaftliche Schichten zieht, nicht noch tiefer wird und eine endgültige Spaltung verursacht. Amerika dient hier als eine nicht zu unterschätzende Blaupause.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Corona: Bundeswehr unterstützt Landratsamt in Künzelsau

Seit Mittwoch, den 28. Oktober 2020, erhält der Hohenlohekreis in der Corona-Pandemie Unterstützung von der Bundeswehr. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor. Zehn Soldaten vom Logistikbataillon 461 aus Walldürn im Odenwald verstärken die Fallermittler des Landratsamtes Hohenlohekreis bei der Kontaktpersonennachverfolgung. Dies bedeutet insbesondere an den Wochenenden, aber auch unter der Woche, eine Entlastung für die Mitarbeiter des Landratsamtes, die bereits seit Anfang März die wichtige Aufgabe der Nachverfolgung übernehmen.

Landratsamtmitarbeiter sollen entlastet werden

„Ich bin sehr froh und dankbar, dass die Unterstützung durch die Bundeswehr zeitnah realisiert werden konnte. Die Arbeit der Fallermittler ist immens wichtig, aber auch teilweise sehr aufwändig. Die Situation ist im Vergleich zum Frühjahr verschärft, da auch die Verwaltung weiterhin unter Vollbetrieb arbeitet“, erklärte Landrat Dr. Matthias Neth, als er die Soldaten im ehemaligen Krankenhausgebäude in Künzelsau begrüßte.

Begrüßung im ehemaligen Krankenhausgebäude

Für Major Christian Schmidt, Kompaniechef vom Logistikbataillon 461 in Walldürn, ist der Einsatz ein soldatisches Selbstverständnis: „Wir freuen uns, den Hohenlohekreis bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe im Rahmen der Amtshilfe nach Artikel 35 des Grundgesetzes („Alle Behörden des Bundes und der Länder leisten sich gegenseitig Rechts- und Amtshilfe. In Absatz 2 und 3 werden spezielle Formen der Amtshilfe im Falle einer Naturkatastrophe oder in einem besonders schweren Unglücksfall geregelt“ unterstützen zu können. Mit der hohen Motivation der Soldaten werden wir dem Hohenlohekreis bestmöglich zur Seite stehen.“

2-Schichtbetrieb

Rund 35 Mitarbeiter sind derzeit allein im Fachdienst Infektionsschutz und Umwelthygiene beim Gesundheitsamt tätig. „Gerade jetzt, wenn die Fallzahlen steigen, steigt auch das Arbeitsaufkommen im Bereich der Kontaktpersonennachverfolgung stark an. Je schneller Kontakte ermittelt und in Quarantäne versetzt werden können, umso besser sind die Chancen, die Infektionsketten zu unterbrechen“, ist Dr. Susanne Gebert, Fachdienstleiterin Infektionsschutz und Umwelthygiene beim Gesundheitsamt, ebenfalls dankbar über den Personalzuwachs. Die Dauer der Unterstützung ist zunächst bis Anfang Dezember geplant, kann bei Bedarf aber verlängert werden. Wie die Fallermittler auch sind die Soldaten am Wochenende im Einsatz und arbeiten werktags im 2-Schicht-Betrieb.