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Der Lockdown ist noch nicht vorbei

In Simbabwe ist der Lockdown immer noch nicht ausgestanden, wie der Hilfsverein Bongai Shamwari e.V. mitteilt. Dieser wurde von der Ingelfingerin Christa Zeller gegründet, die sich seit den 1980er-Jahren für die Menschen in dem südafrikanischen Land engagiert, und betreibt einen Kindergarten für 25 Kinder in einer Vorstadt von Mutare. GSCHWÄTZ berichtete bereits öfters unter anderem unter https://www.gschwaetz.de/2018/05/18/gruener-strom-fuer-christas-kinder/ und https://www.gschwaetz.de/2018/12/18/vor-den-tueren-von-christa-zellers-kindergarten-abgesetzt/.

Die Wiedereröffnung des Kindergartens verschiebt sich laut Auskunft des Vereins in der momentanen Situation noch weiter. Stand jetzt gibt es noch kein vorläufiges Datum, an dem die Kinder wieder kommen dürfen, und auch sonst keine weiteren Informationen.

Das Team arbeitet währenddessen weiter im Kindergarten. Es entstehen neue Spielsachen und selbst genähte Masken, die Außenwände wurden bemalt und auch der Garten wird weiterhin bewirtschaftet. Rudo ist für die Finanzen zuständig, arbeitet mittlerweile aber von zu Hause aus, damit die Kontakte so gut wie möglich beschränkt werden.

Natürlich werden auch weiterhin die Essenspakete alle zwei Wochen verteilt, sodass die Familien zumindest eine kleine Grundsicherung haben.

Quelle: Pressemitteilung des Vereins Bongai Shamwari e.V. unter Gründerin Christa Zeller aus Ingelfingen

Das Team arbeitet weiter im Kindergarten. Foto: Bongai Shamwari e.V.

Die Außenwände des Kindergartens wurden neu gestrichen. Foto: Bongai Shamwari e.V.

Der Garten muss weiterhin gepflegt und bewirtschaftet werden. Foto: Bongai Shamwari e.V.

Das Team fertigt auch selbst genähte Masken an. Foto: Bongai Shamwari e.V.

Auch der Hund des Kindergartens darf nicht vergessen werden. Foto: Bongai Shamwari e.V.




Mehr als 70 Schüler und 16 Lehrer sowie eine Gemeinschaftsunterkunft in Quarantäne

An diesem Wochenende sind dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt zehn Fälle von Covid-19-Infektionen gemeldet worden. Somit liegt die 7-Tage-Inzidenz nun bei über 10 pro 100.000 Einwohner und befindet sich damit in der so genannten Anstiegsphase. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Einzelne Fälle seien danach auf eine schon bekannte Infektionsquelle zurückzuführen. Dazu komme eine Person, die aus dem Ausland eingereist ist.

Mit der Karoline-Breitinger-Schule in Künzelsau und Johann-Friedrich-Meyer-Schule Kupferzell sind auch zwei Schulen betroffen. Insgesamt hat das Gesundheitsamt für drei Klassen eine Quarantäne angeordnet. Betroffen sind insgesamt mehr als 70 Schüler und 16 Lehrer.

Außerdem gibt es einen positiven Fall in einer Anschlussunterkunft für Asylbewerber im Raum Öhringen. Alle Bewohner der Unterkunft müssen sich nun in Quarantäne begeben, betroffen sind hier mehr als 40 Menschen.

Das Gesundheitsamt hat laut dem Landratsamt für alle Kontaktpersonen eine Testung auf das Corona-Virus empfohlen und steht im engen Austausch mit den betroffenen Ortspolizeibehörden.

„Das Geschehen an diesem Wochenende zeigt, dass wir auch im Hohenlohekreis einen Anstieg an Fällen verzeichnen müssen. Daher bitten wir die Bevölkerung, gerade in dieser Phase der Pandemie besonders vorsichtig zu sein und die bekannten Verhaltensregeln einzuhalten“, erklärt Annemarie Flicker-Klein, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes des Hohenlohekreises.

 

 

 




Anzahl der Neuinfektionen nimmt stetig zu

Die Anzahl an Neuinfektionen mit dem SARS-CoV-2 nimmt in den letzten Wochen stetig zu, weshalb die Tragepflicht von Alltagsmasken wieder verstärkt in den Fokus rückt. Weiterhin ist von einer dynamischen und ernst zu nehmenden Gefahr für die gesundheitliche Situation der Bevölkerung auszugehen. Laut Einschätzung des Robert-Koch-Instituts kann das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung die Ausbreitung des SARS-Virus reduzieren. Nach dem Motto, wer Maske trägt schützt andere, will die Polizei mit entsprechenden Kontrollen die Achtsamkeit und Verantwortung in der Gesellschaft stärken und gleichzeitig Maskenmuffeln und Verweigerern zu Leibe rücken. Dies insbesondere auch im Bereich des ÖNPV, wo die Menschen sich zwangsläufig sehr nahekommen und ein Rückgang der Akzeptanz der Corona-Verordnung festzustellen ist. Die bisherigen öffentlichen Apelle zeigen nicht flächendeckend die notwendige, aber dringend erforderliche Wirkung, nämlich die konsequente Einhaltung der bekannten Infektionsschutzregeln.

Das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration des Landes Baden-Württemberg sagte den Städten und Gemeinden im Land die Unterstützung des Polizeivollzugsdienstes bei entsprechenden Kontrollen zu und beauftragte die regionalen Polizeipräsidien, die Einhaltung der Maskentragepflicht im öffentlichen und touristischen Personenverkehr gezielt zu überwachen. Daher wird die Polizei Heilbronn in ihrem Zuständigkeitsbereich im Rahmen dieser Unterstützung der örtlichen Kommunen in den kommenden Wochen mit Unterstützung durch Kräfte des Polizeipräsidiums Einsatz an mehreren Kontrolltagen im ÖPNV die Beachtung der in der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg vorgeschriebenen Maskentragepflicht kontrollieren. Ein Verstoß der Maskenpflicht kann mit einem Bußgeld von bis zu 250 Euro geahndet werden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Positive Corona-Tests bei zwei Kindern nach Zeltlager in Krautheim-Oberginsbach

Im Hohenlohekreis sind zwei Kinder positiv auf das Corona-Virus getestet worden, die sich zuvor in einem Zeltlager in Krautheim-Oberginsbach aufgehalten hatten. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat daher alle Teilnehmer des Zeltlagers sowie die Betreuer – insgesamt 41 Personen, darunter 30 Kinder – als direkte Kontaktpersonen eingestuft und eine zweiwöchige Quarantäne verhängt. Alle Kontaktpersonen wurden innerhalb weniger Stunden telefonisch erreicht, dazu wurden die Gesundheitsämter der umliegenden Landkreise miteinbezogen, da nicht alle Kontaktpersonen im Hohenlohekreis wohnen oder sich derzeit dort aufhalten.

Allen Betroffenen wurde ein Test empfohlen.

Kostenlose Tests für Lehrer und Erzieher

Seit 17. August haben Lehrer, Erzieher sowie das weitere Personal an Schulen, Kindertagesstätten und der Kindertagespflege die Möglichkeit, sich auch symptomfrei auf das Vorliegen einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus testen zu lassen.

Terminvereinbarung

„Mit einer Terminvereinbarung sollten die Personen aber nicht bis zur letzten Sommerferienwoche warten, da man sonst mit Wartezeiten für einen Abstrichtermin rechnen muss und das Testergebnis womöglich nicht bis Schulbeginn vorliegt“ appelliert Ursula Mühleck, Dezernentin für Familie, Bildung und Soziales, sich rechtzeitig mit dem Hausarzt oder einer der 17 Corona-Schwerpunktpraxen für einen Abstrich in Verbindung zu setzen. „Auch die Laborkapazitäten kommen so an ihre Grenzen.“ Noch bis 30. September kann man sich maximal zweimal testen lassen, ein dafür notwendiges Formular hat jeder Beschäftigte einer Schule oder Kindertageseinrichtung erhalten bzw. erhält dieses über den Träger. „Die Tests sind freiwillig. Wir als Schulträger unserer Kreisschulen haben bereits unser Personal auf die Möglichkeit der Testung aufmerksam gemacht. Klar ist aber – die Ergebnisse stellen nur eine Momentaufnahme dar – Abstands- und Hygienemaßnahmen sind auch nach den Sommerferien unerlässlich“.

Hausärzte, Kinderärzte und Schwerpunktpraxen übernehmen die Testungen

Die Abstriche im Hohenlohekreis übernehmen die Hausärzte, ein Kinder- oder Jugendarzt bzw. die Schwerpunktpraxen. „Wir sind seit Pandemiebeginn in sehr gutem Austausch mit den niedergelassenen Ärzten. So haben wir auch gemeinsam die Ausrichtung für die derzeit anstehenden Tests, wie auch eine mögliche zweite Welle besprochen,“ ist Annemarie Flicker-Klein, stellvertretende Amtsleiterin des Gesundheitsamtes Hohenlohekreis, dankbar über die gute Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft. Die gemeinsame Abstrichstelle in Belzhag kann jederzeit kurzfristig in Betrieb genommen werden, wenn es die Lageentwicklung erfordert.

Neth: „Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung der niedergelassenen Ärzte“

„Hohenlohe steht zusammen und ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Unterstützung und Ihre tägliche Arbeit in den Praxen, für Ihren Dienst an unseren Bürgerinnen und Bürger,“ richtet auch Landrat Dr. Matthias Neth seine Dankbarkeit an die niedergelassenen Ärzte im Hohenlohekreis.

„Bitte kommen Sie nicht einfach in eine Praxis, wenn Sie einen Termin für einen Abstrich möchten, sondern vereinbaren Sie diesen unbedingt telefonisch. Dies gilt insbesondere, wenn Sie typische COVID-19-Symptome entwickelt haben, wie Fieber, Husten oder Geruchs- und Geschmacksverlust,“ erinnert Susanne Bublitz, Sprecherin der Kreisärzteschaft Öhringen an die Verhaltensregeln und die telefonische Terminvereinbarung.

Eine Übersicht der ambulanten Corona Versorgungs- und Testeinrichtungen in ganz Baden-Württemberg ist unterhttp://coronakarte.kvbawue.de/ zu finden.

 

Hintergrund: Corona-Schwerpunktpraxis

Eine Corona-Schwerpunktpraxis ist eine reguläre Haus- oder Facharztpraxis, die für Infektpatienten und Corona-Verdachtsfälle spezielle Sprechstunden vorhält. Besteht ein Coronaverdacht, gelten deutlich erweiterte Sicherheitsstandards und eine strikte Trennung von den übrigen Patienten der Praxis. Kann beispielsweise eine Hausarztpraxis die Betreuung des Patienten bei Atemwegsinfektionen nicht gewährleisten, weil der Arzt selbst zur Risikogruppe gehört, übernimmt die Schwerpunktpraxis die weitere Untersuchung und Behandlung von Verdachtsfällen auf Corona.

 

 




Vom Ertragen anderer Meinungen

Unsere GSCHWÄTZ-Reporterin Priscilla Dekorsi war am vergangenen Wochenende auf der von der Initiative Querdenken organisierten so genannte Coronademo in Berlin (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/09/01/fuer-frieden-freiheit-und-demokratie/), um selbst zu erleben, wer da demonstriert, warum und vor allem: wie. Die nicht selten sehr kritische mediale Berichterstattung von diesen Demos und ihr völlig anderes Bild vor Ort hat unsere Reporterin veranlasst, einen Kommentar zu schreiben, den wir an dieser Stelle veröffentlichen:

Ein Plädoyer für mehr Toleranz in unserer Gesellschaft

„Wir distanzieren uns von jeglichem rechtsextremen und menschenverachtendem Gedankengut. Auch von linksextremistischem gewaltbereitem Gedankengut distanzieren wir uns. Wir sind eine friedliche Vereinigung von Menschen, die für Grundrechte einstehen.“ – So beschreibt sich die Querdenken-Gruppe Heilbronn selbst auf ihrem Telegram-Kanal. Das lässt wenig Spielraum dafür, sie in eine Nazi-Schublade zu stecken, oder?

Ich war am vergangenen Wochenende dabei, als in Berlin gegen die Corona-Politik der Regierung und für Freiheit, Demokratie und Grundrechte demonstriert wurde. Wenn ich meine Augen schließe und an Berlin zurückdenke, habe ich zwei Sprechchöre im Kopf „Wir Menschen zusammen im Frieden für den Wandel.“ Und „Zeigt Eure Herzen – We are Love!“. Um es klar und deutlich zu sagen: Die Querdenken-Demo ist absolut friedlich verlaufen. Alle Menschen haben uns freundlich empfangen. Menschen aller Altersgruppen, verschiedener Nationalitäten und Religionen sind Seite an Seite für ihre Anliegen eingestanden. Es wurden Durchsagen gemacht, die zur Friedlichkeit aufrufen und sich von Gewalt und Extremismus distanzieren. Ich habe Essen mit einer Muslima geteilt, mit einem linken Berliner Urgestein diskutiert und interessante Begegnungen mit verschiedenen Familien gehabt. Ich habe Gespräche über Jesus geführt, meditiert, und von einem praktizierenden Juden Dinge über das Judentum gelernt, die mir vorher nicht bewusst waren. Einem Neonazi bin ich nicht begegnet. Mir hat ein Mann erzählt, dass er ein Foto von einer Reichflagge in einem Meer von Pace-Fahnen aufgenommen habe, der Kontrast hätte ihn fasziniert.

Es waren tatsächlich verschiedene Fahnen und Symbole vor Ort, auch Reichsflaggen und Deutschlandfahnen. Noch mehr Pace-Fahnen, Mahatma Gandhi- oder Weiße Rose-Transparente. Also ein Sinnbild unserer Demokratie. Auch in unserer Gesellschaft gibt es Meinungen, mit denen wir vielleicht nicht d’accord sind. Und das ist gut so. Denn Dialog und Diskurs ermöglichen Progressivität. Das macht uns als Demokratie aus, das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben. Das Ertragen und Akzeptieren des Andersseins der Anderen, das ist für mich Respekt. Damit unsere Demokratie auch demokratisch bleibt, plädiere ich dafür, den öffentlichen Diskurs zuzulassen. Eine Diskreditierung von namhaften Ärzten und Professoren, eine Verunglimpfung von Gegnern des aktuellen Regierungskurses als Covidioten oder Verschwörungstheoretiker und der fehlende öffentliche Diskurs über Entscheidungen, die uns alle etwas angehen, führen zu einer Spaltung in unserer Gesellschaft. Das ist nicht nur schade, sondern fatal. Und gefährlich. Vor allem für unsere Demokratie.

GSCHWÄTZ-Mitarbeiterin Priscilla Dekorsi war auf der Coronademo in Berlin am vergangenen Wochenende. Foto: Screenshot aus dem GSCHWÄTZ-Video

 




„Für Frieden, Freiheit und Demokratie“

„Der aktuelle Stand scheint so zu sein, dass die Polizei uns nicht ziehen lässt, weil die Abstände nicht eingehalten werden. Das heißt, wir kommen weder in die eine, noch in die andere Richtung. Es sind hunderttausende Menschen hier, die in Frieden und Freiheit herumziehen wollen und sie lassen uns nicht. Wir wissen nicht, wie es weitergeht.“, die Demonstrantin Natascha bemüht sich sichtlich, gelassen zu bleiben, während sie ihre Lage beschreibt. Das ist eine von mehreren Situationen, die am vergangenen Wochenende für Kopfschütteln sorgen.

Demozug wird laut Demonstranten von der Polizei gestoppt

Von Freitag, den 28. August 2020, bis Sonntag, den 30. August 2020, versammeln sich Menschen aus ganz Europa in Berlin. Sie sind so verschieden, wie man es sich nur vorstellen kann, doch der Grund für ihre Anreise vereint sie. „Frieden, Freiheit, Liebe und Heilung!“ haben sich viele von ihnen auf die Fahnen geschrieben. Auslöser für ihren Protest sind die Corona-Politik der Bundesregierung und der „fehlende öffentliche Diskurs“ darüber. Michael ist aus München angereist. Er erzählt: „Ich wollte mir die ganze Sache einmal aus erster Hand anschauen und dann vergleiche ich das nachher mit den Medienberichten, damit ich nicht immer aus zweiter Hand schales Müsli essen muss. Ich hoffe, dass alles friedlich verläuft. Bis jetzt sieht es so aus.“

Demonstranten bemängeln „fehlenden öffentlichen Diskurs“

Nach tagelangem Hin und Her entschied sich das Berliner Verwaltungsgericht schließlich für die Genehmigung der Demo, die vom Stuttgarter Unternehmer Michael Ballweg und der Querdenken-Initiative veranstaltet wird. Voraussetzung: Die Einhaltung der Mindestabstände. Nachdem am Samstag Falschmeldungen in verschiedenen Medien die Runde machten und verkündeten, die Demo sei aufgelöst worden, macht sich auf dem Gelände kurz Verwirrung breit. Doch  schnell wird klar: Es handelt sich ausschließlich um den Umzug, nicht aber um die Hauptkundgebung.

Politik wollte die Veranstaltung stoppen, das Berliner Verwaltungsgericht genehmigt schließlich doch

Hier sind wir wieder bei Natascha. Der freie Journalist Micha erklärt die Situation folgendermaßen: „Der Umzug hat sich kein Stück bewegt, weil man ihn nicht hat beginnen lassen. Daraufhin stauten sich die Leute stundenlang. Hätte man die Abstände regeln wollen, hätte man den Umzug starten lassen. Das Gegenteil ist passiert. Sprich: Die Begründung der Auflösung aufgrund fehlender Abstände und Masken ist an den Haaren herbeigezogen. Es wurde ja auch im Vorfeld, zum Beispiel von der „Welt“, klar kommuniziert, dass es keine Maskenpflicht gibt.“

Keine Maskenpflicht, aber Mindestabstandsgebot

Doch noch weitere Geschehnisse sorgen am vergangenen Samstag für Zündstoff. Eine Handvoll Menschen stürmt die Treppe des Reichstags. Lutz, der die Demonstration mit seiner Kamera festgehalten hat, erlebt den Vorfall mit und berichtet: „Am Samstag fanden noch weitere Kundgebungen in Berlin statt, so auch eine Kundgebung von Reichsbürgern vor dem Reichstag. Heute überschlagen sich die Medien mit Meldungen von dem, was am Reichstag geschah. Ein willkommener Anlass, um von der Mega-Demo abzulenken.“

Kundgebung von Reichsbürgern vor dem Reichstag gab es parallel zu der Coronademo

Die Querdenken-Demonstranten sind allesamt betont friedlich. Es sind viele Familien vor Ort, auch ein junges Elternpaar aus Leipzig. Die Mutter hat ihr Baby in einer Trage und spricht über den Grund ihrer Anreise: „Wir wollten uns einmal ein Bild von der Demo machen. Man sieht, hier ist alles friedlich. Wir sind hier, um für Freiheit, Demokratie und für die Liebe untereinander zu stehen. Wir feiern hier ein Fest, ein Freudenfest.“

Familien vor Ort

In einer Seitenstraße gibt ein Passant ein Statement zu der Kundgebung ab: „Ich bin der Meinung, dass jeder seine eigene Meinung sagen dürfen soll. Ob die richtig oder falsch ist, sei dahingestellt, aber es herrscht eben Meinungsfreiheit.“ Damit das auch so bleibt, ist Olli aus Heidelberg nach Berlin gekommen und appelliert: „Liebe Presse, hört auf, in Schubladen zu denken. Hört auf damit, uns zu diskreditieren, zu verunglimpfen. Lasst den Diskurs zu, lasst den Dialog zu, vor allen Dingen mit anderen Wissenschaftlern. Wenn wir in einer Gesellschaft leben, wo die Gegenrede nicht mehr zulässig ist, dann haben wir unsere Demokratie verloren.“

Text: Priscilla Dekorsi

 

Berliner Großdemo vom 28. bis 30. August 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Zahlreiche Menchen demonstrieren für Freiheit, Demokratie und ihre Grundrechte. Foto: GSCHWÄTZ

Manche Demonstranten kritisieren die Maskenpflicht. An der Demo selbst gab es keine Maskenpflicht. Foto: GSCHWÄTZ

Menschenmassen und im Hintergrund die Siegessäule – das gab es zuletzt bei der Love Parade. Foto: GSCHWÄTZ




Corona: Zahlen steigen auch im Hohenlohekreis wieder – Ehemalige Hotspots bleiben weiter vorn mit dabei

Auch bei uns steigen die Coronazahlen wieder. Laut dem baden-württembergischen Regierungspräsidium in Stuttgart gibt es derzeit 809 offizielle Coronafälle allein im Hohenlohekreis. Dieser Wert ist fast doppelt so hoch wie der Wert im Neckar-Odenwald-Kreis (486). Im Vergleich: Die Stadt Heilbronn hat aktuell offiziell 580 Coronainfizierte. Der Wert von schwäbisch Hall ist allerdings noch etwas schlechter als der vom Hohenlohekreis (944). Bislang gab es offiziell 47 Coronatote im Hohenlohekreis.

Am 26. August 2020 meldete das Landratsamt des Hohenlohekreises allein 136 Infizierte in Öhringen. Damit  ist die große Kreisstadt derzeit Spitzenreiter, gefolgt von den ehemaligen Hotspots Pfedelbach (123) und Kupferzell (117).

Ehemalige Hotspots bleiben mit den Zahlen an der Spitze

Wenn man die Coronazahlen von Anfang Juli 2020 mit der jetzigen Coronakarte des Landratsamtes vergleicht, fällt auf, dass nur manche Städte und Gemeinden ansteigende Zahlen verzeichnen und dies auch nur minimal. So hatte Künzelsau Anfang Juli 2020 76 offizielle Coronafälle und nun 81. Auffällig: Bei manchen Städten und Gemeinden bewegt sich seit rund zwei Monaten gar nichts. Sprich: Die Zahlen sind immer dieselben, wie etwa in Ingelfingen (24). Offenbar sind seit Anfang Juli in Ingelfingen konstant 24 Menschen an Corona erkrankt oder warum ändern sich hier die Zahlen nicht?

Rot als Warnfarbe?

Interessant auch das Farbenspiel des Landratsamtes: Bis Ende Juni 2020 veröffentlichte das Landratsamt regelmäßig grüne Landkarten mit Zahlen der Gesundeten. Seit Anfang Juli 2020 gibt es wieder die roten Karten mit den Zahlen der offiziell Erkrankten.  Dieser Farbwechsel kann zum einensymbolisch für den Anstieg der Coronazahlen verstanden werden oder als psychologische Warnung, in der Reisezeit vorsichtiger zu sein, damit sich das Virus nicht wieder sprunghaft ausbreitet.

 

https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-sm/intern/bilder/03_Gesundheit/Coronavirus_Faelle-BW_Karte.jpg

Corona Zahlen vom 06.07.2020. Quelle: Landratsamt Hohenlohekreis

Corona Zahlen vom 26.08.2020. Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises

Bis Ende Juni 2020 veröffentlichte das Landratsamt regelmäßig grüne Landkarten mit Zahlen der Gesundeten. Seit Anfang Juli 2020 gibt es wieder die roten Karten mit den Zahlen der offiziell Erkrankten.  Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises.




„Corona-Schutz ist Arbeitsschutz“

Die „Corona-Disziplin“ auf dem Bau sinkt: Auf immer mehr Baustellen im Hohenlohekreis wird gegen Abstands- und Hygieneregeln verstoßen, kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in einer Pressemitteilung. „Viele Baufirmen nehmen die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus auf die leichte Schulter. Das ist fatal“, sagt der Vorsitzende der IG BAU Stuttgart, Mike Paul, laut der Mitteilung. Immer häufiger werde wieder „im alten Trott“ gearbeitet – wie vor der Corona-Pandemie. Viele Bauunternehmen blendeten die Gefahr einer Infektion mit dem Covid-19-Virus inzwischen einfach aus, so die IG BAU weiter.

„Oft ist nicht einmal Händewaschen möglich.“

Bei ihren Baustellen-Visiten stoße die Gewerkschaft auf „grobe Corona-Sünden“: „Oft ist nicht einmal das Händewaschen möglich. Ein Waschbecken mit Seife und fließendem Wasser – Fehlanzeige. Von Desinfektionsmittel-Spendern ganz zu schweigen. Aber auch Sammeltransporte in Bullis sind schon längst wieder an der Tagesordnung. Genauso Frühstücks- und Mittagspausen dicht an dicht im Bauwagen“, sagt Mike Paul. Corona-Schutz auf dem Bau koste – wie in anderen Bereichen der Wirtschaft auch – Geld. Das seien allerdings notwendige Kosten, die die Bauunternehmen im Hohenlohekreis nicht scheuen dürften, fordert die IG BAU Stuttgart: „In der CoronaPandemie zeigen Baubeschäftigte im Hohenlohekreis volle Leistung. Dafür haben sie auch vollen Gesundheitsschutz verdient.“

„Den müssen Beschäftigte selbstbewusst einfordern.“

Der IG BAU-Bezirksvorsitzende Paul appelliert an die Baubeschäftigten im Hohenlohekreis, strikt darauf zu achten, sich zu schützen: „Regelmäßiges Händewaschen, Schutzmasken und das Arbeiten mit Abstand gehören zu den To-dos auf dem Bau. Denn Corona-Schutz ist Arbeitsschutz. Und den müssen Beschäftigte notfalls selbstbewusst einfordern“, macht Paul deutlich. Dass das Arbeiten unter freiem Himmel das Infektionsrisiko reduziere, sei nur die halbe Wahrheit, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Spätestens beim Innenausbau und beim Sanieren sehe das dann schon ganz anders aus. Zudem lauere bei gemeinsamen Pausen eine hohe Infektionsgefahr.

Wegezeit wird zum „wunden Punkt“

Ebenso auf dem Weg zur Baustelle im Sammeltransporter: „Hier müssen Arbeitgeber Einzelfahrten möglich machen – und den Bauarbeitern dafür auch etwas bieten“, fordert Mike Paul. An- und Abfahrten zwischen Wohnort und Baustelle würden bislang in der Regel nicht entschädigt. „Dabei legen Bauarbeiter oft enorme Strecken zurück. Das ist verlorene Zeit für sie“, kritisiert der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Für diese Wegezeit nichts zu bekommen, sorge für immer mehr Unmut und Ärger unter den Bauarbeitern. Immerhin diktiere der Chef, wer wann zu welcher Baustelle fahren müsse. Die Wegezeit ist für einen Großteil der Baubeschäftigten im Hohenlohekreis längst zu einem „wunden Punkt“ geworden, so die IG BAU. Trotzdem hätten die Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen für das Bauhauptgewerbe zur Wegezeit kein Angebot auf den Tisch gelegt. „Auch in puncto Lohn und Gehalt kam nichts von den Arbeitgebern. Sie gehen stattdessen auf Konfrontationskurs“, so Mike Paul.

Schlichtung startet am 26. August

Die IG BAU werde jedoch nicht lockerlassen: „Gerade auch nach den Erfahrungen, die viele Baubeschäftigte in der Corona-Pandemie gemacht haben und nach wie vor machen müssen, wird die IG BAU die Wegezeit in der bevorstehenden Schlichtung wieder auf den Verhandlungstisch packen.“ Dies wird, so die Erwartung der IG BAU, in der letzten Augustwoche (voraussichtlich am 26. August) der Fall sein. Im Fokus der Verhandlungen steht dann auch die Lohnforderung der IG BAU: ein Plus von 6,8 Prozent, mindestens jedoch 230 Euro pro Monat mehr für die Baubeschäftigten. Darüber hinaus sollen Azubis aller Ausbildungsjahre 100 Euro zusätzlich im Monat erhalten. „Mehr Arbeitsschutz und mehr Lohn – das hat der Bau verdient. Und die Bauunternehmer können es sich leisten. Denn der Bau boomt – auch im Hohenlohekreis“, sagt Mike Paul.

Hier geht es zu den Corona-Arbeitsschutz-Standards der IG BAU: https://igbau.de/Informationen-zu-Corona.html

Quelle: Pressemitteilung der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) 




Frauen zurück an den Herd

Nein, das ist kein Text mit „Emanzenrumgeheule“, wie nun vielleicht man(n) etwas despektierlich äussern würde. Es geht hier nicht um die reine Selbstverwirklichung der Frau vor allem anderen – auch vor der Familie. Oder warten Sie mal. Vielleicht geht es doch ein bisschen darum in meinem Kommentar. Aber beginnen wir doch bei dem Auslöser allen Übels: bei Corona.

Harte Maßnahmen

Seit der Spanischen Grippe hat es kein Virus mehr gegeben, das die Welt zur selben Zeiten in annähernd ähnlicher Weise lahmgelegt hat wie Covid-19. Es gibt zwar bislang weit weniger Tote als bei der Spanischen Grippe, aber dafür werden länderübergreifend auch harte Maßnahmen ergriffen, um möglichst wenig Tote zu bekommen. Die Gesundheit der Menschheit steht derzeit vermeintlich an oberster Stelle.

Digitales homeschooling soll weitergehen

Um nicht neue Hotspots heraufzubeschwören, werden unter anderem Schulen monatelang geschlossen beziehungsweise nur teilweise wieder geöffnet. Angesichts steigender Zahlen und einer möglichen zweiten Welle wird viel über eine weitere Digitalisierung an den Schulen gesprochen – auch und vor allem nach den Sommerferien. Sprich: Das digitale homeschooling, der Unterricht zu Hause soll besser klappen mit besserer Ausstattung und einer besseren Vernetzung. Jede Schule kocht hier ihr eigenes Süppchen und ob letztendlich die Datenübertragung am lahmen Internet scheitert, da kann man dann noch so ein tolles individuelles Tablet zu Hause haben – geschenkt.

Kostenlose Schulungen für Eltern

Eltern wurden bereits zum Ende des alten Schuljahres angeschrieben von manchen Schulen, dass sie kostenlos eine Schulung im Bereich des digitaliserten Unterrichts besuchen dürfen. Das ist eine nette Geste. Das wird sicher viele Eltern beziehungsweise Mütter freuen, die sich seit März 2020 oft neben ihren eigentlichen Berufen dem Lehredasein zu Hause widmen. Nun auch noch Schulungen, damit das Fernlernen auch in Zukunft besser klappt. Was manche Schulen offensichtlich nicht wissen: Nicht selten wird das Fernlernen nicht durch eine digitale Überforderung der Erziehungsberechtigten gestört (im Gegenteil: hier sind viele Eltern affiner als manch ein Lehrer, der noch Arbeitsblätter abfotografiert und den Eltern in Minimalauflösung zuschickt), sondern schlicht an der fehlenden Zeit der Mütter, die sich diesem Thema häufig im Alleingang annehmen müssen, während der Ehemann seinem handelsüblichen Beruf weitergeht. Die Mütter sind es doch im überwiegenden Maße, die seit März den Spagat zwischen homeschooling, home office, Kurzarbeit und Präsenzarbeit im Büro oder an der Supermarktkasse bewältigen.

Mamis sind die Leidtragenden

Und die Firmen sind es, die dies mittragen, in dem sie die Mamis bestmöglich dabei unterstützen und gewähren lassen, obwohl es viele Berufe gibt, bei denen eine Präsenzpflicht unumgänglich und daheim arbeiten eben nicht so einfach möglich ist. Geschweige denn, dass man auch bei einem monatelangen homeoffice neben homeschooling sicherlich nicht von einem qualitativ besseren Arbeiten sprechen kann – im Gegenteil. Und da bahnt sich die nächste Frage an: Welche Firma macht das auf Dauer mit? Sind wir mal ehrlich. Wären Sie derzeit Peronsalerin, würden Sie ernsthaft Mütter einstellen, die Schulkinder haben? Vermutlich eher nicht, aus Angst, dass die Mamis bald wieder als Arbeitskräfte wegbrechen, wenn die nächste Coronawelle anrollt.

Frauen mit Schulkindern werden aus zukünfitg auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben

Ergo: Frauen mit Schulkindern sind auf dem Arbeitsmarkt derzeit vermutlich schwerer vermittelbar als Männer oder Frauen, die bereits erwachsene Kinder haben. Und das bei einer Frauengeneration mit den besten Ausbilungsabschlüssen aller Zeiten. So viel Potenzial bleibt hier auf der Strecke. Fast jeder zweite Arbeitsplatz besetzt in Deutschland eine Frau. Bereits 2002,  also vor 18 Jahren, waren von den 36,5 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland 44 Prozent Frauen (16,2 Millionen). https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEMonografie_derivate_00000307/1021211039014[1].pdf;jsessionid=4D713E68628F2609C3F18AB127D5A338 Diese Zahl dürfte im Laufe der Jahe bis 2020 nicht niedriger geworden sein. Im Gegenteil. 2019 gab es laut dem Statistischen Bundesamt 44, 7 Millionen Erwerbstätige  https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/03/PD19_075_132.html

Drei von vier Frauen sind – Stand März 2020 –  in Deutschland erwerbstätig. Das ist der dritthöchste Wert in der EU https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/03/PD20_N010_132.html

Wie viele Arbeitsplätze können nun seit Corona nicht mehr ordnungsgemäß ausgeführt werden und werden letzten Endes auch der Wirtschaft viel Geld kosten?

Und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit:

„Das Wohl der Kinder müsste den Frauen wichtiger sein als Karriere“, sagen manche Kritiker, wenn Mütter sich öffentlich und kritisch über die derzeitige Situation beklagen. Darum geht es aber nicht. Es geht nicht um Karriere. Es geht um arbeitende Frauen, die nicht selten sehr gut ausgebildet sind und erst wieder angefangen haben zu arbeiten, nachdem ihre Kinder in den Kindergarten kamen oder in die Schule. Wer kann denn ahnen, dass Corona kommt? Was hätten Frauen tun sollen? Reihenweise ihre Jobs kündigen, um das homeschooling zu gewährleisten? Also versuchen sie wie so wie oft im Leben: den Spagat zwischen allen Stühlen – was schlicht und ergreifend nicht gelingen kann. Erst recht nicht, wenn es noch mehr Coronawellen gibt, die Schulschließungen nach sich ziehen.

Es gilt hier letzten Endes auch die Frauen zu schützen vor einer Überforderung der Familien. Denn sie sind es, die auch bei Schulschließungen häufig noch weiterarbeiten müssen in ihrem angestammten Berufen und auch dort nicht vor Corona fliehen können.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Fast jeder zweite Arbeitsplatz besetzt heutzutage eine Frau in Deutschland. Symbolfoto. Quelle: adobe stock

Schreiben einer Schule an die Eltern bezüglich des neuen Schuljahres ab September 2020.

 

 

 




Corona – ein so genannter schwarzer Schwan kam über der Welt

Noch nie in der Menschheitsgeschichte gab es ein einziges Thema, das über den gesamten Globus medial so verbreitet ist und uns tagtäglich begleitet. Ein sogenannter „schwarzer Schwan“ (ein unvorhergesehenes Ereignis) tritt sehr selten ein und hinterlässt deutliche Spuren in einigen Bereichen des menschlichen Lebens. Corona ist eine besondere Art des schwarzen Schwans. Dieser hat direkte und indirekte deutlich spürbare Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem, unter anderem auf die Weltwirtschaft, das Finanzsystem, die Gesellschaft und die Politik.

Einschränkung demokratischer Rechte

Diese Situation hat unsere Regierung dazu bewogen, außerordentliche Maßnahmen und Gesetze in Windeseile durch alle Gewalten des Staates „durchzupeitschen“. Diese greifen hinein bis zu einer seit den 1930er und 1940 Jahren nie da gewesenen Einschränkung freiheitlich demokratischer Rechte, welche im Grundgesetz in Deutschland fest verankert sind. Die Maskenpflicht sowie die Quarantäneverordnungen sind etwa Einschränkungen des Artikels 2 des Grundgesetzes (GG), des Artikels 8 des GG (Verbot der Versammlungsfreiheit) sowie der Ausübung von Gottesdiensten (Artikel 5 des GG).

Verlust der Demokratie?

Der Staat beruft sich bei allen Einschränkungen auf die Generalermächtigung des §28 Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Die Einschränkungen sind auf heftigen Widerstand in Teilen der Bevölkerung gestoßen. Von Verlust der Demokratie war öfters die Rede. Auch in Deutschland gab es Demonstrationen, allen voran in Stuttgart. Diese waren von massiven Ausschreitungen begleitet (wir berichteten). Hier stellt sich die Frage, inwieweit geht die persönliche Freiheit eines Einzelnen? Sie findet innerhalb der Gesetzgebung dort ihre Grenzen, wo die Freiheit des anderen eingegrenzt wird. Durch Covid-19 wurde die Grenze noch enger gezogen, da nicht nur die Gefährdung des eigenen Lebens, sondern auch die anderer Personen durch das eigene Verhalten hinzukommt.

Verheerende Auswirkungen

Entsprechende Maßnahmen, um die Verbreitung des Covid-19-Virus einzudämmen, haben verheerende Auswirkungen und zukünftig negative Folgen auf die Wirtschaft. Dass es solche Ausmaße annimmt, war wahrscheinlich der nationalen Politik zum Zeitpunkt des Lockdowns nicht bewusst.

Es ist eine politische Aufgabe, sich auf einen derartigen worst-case-Fall vorzubereiten, Blaupausen gab es genug

Natürlich ist es extrem schwierig, Entscheidungen zu treffen, da die Politik mit einer solchen Situation noch nie konfrontiert wurde. Jedoch spätestens nach der Vogel- beziehungsweise Schweinegrippe gehört eine mögliche Pandemie nicht mehr in die Kategorie „Märchenbuch“. Es ist eine politische Aufgabe, sich auf einen derartigen worst-case-Fall vorzubereiten, einen „Plan A und B “ in der Schublade zu haben. Bemerkenswerterweise lagen zuhauf Pläne bezüglich einer Eskalation des Kalten Krieges vor. Die Volksvertreter werden gewählt (und auch dafür bezahlt), nicht nur die Stimme des Volkes zu repräsentieren, sondern auch um jetzigen und zukünftigen Schaden des Volkes abzuwenden oder zumindest zu minimieren.

Der Bund ist gefragt, nicht die einzelnen Bundesländer

Desweiteren sollten Einschränkungen jeglicher Art auf nationaler Ebene und nicht auf Länderebene getroffen werden, um Unsicherheiten und Vertrauensverlust in der Bevölkerung auf ein minimales Maas zu reduzieren. Auch im Bildungswesen sollte diese Sparte zumindest temporär in die Hand des Bundes gegeben werden. Es ist ein schlechter Scherz, dass die Zeit der Sommerferien kaum genutzt wurde, um klare Richtlinien oder „Fahrpläne“ einheitlich zu erstellen, um diese dann kurzfristig umzusetzen. In der Schule würde man sagen: Note 5, mangelhaft.

Einheitliches Vorgehen wäre so wichtig – Die Spätfolgen von Covid-19 sind noch völlig unbekannt

Ein Sechser im Lotto ist vermutlich wahrscheinlicher, als eine einheitliche deutsche, geschweige denn europäische Regelung zu erreichen. Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass der Politik nicht bewusst ist, welche vielfältigen Probleme Covid-19 jetzt schon mit sich bringt und zukünftig mit sich bringen kann. Eines ist jedoch klar und sollte bei einer Meinungsbildung mit einbezogen werden: Eine Covid-19-Erkrankung kann zum Tode führen. Die Spätfolgen dieser Erkrankung sind noch völlig unbekannt. Zukünftige Folgen eines Lockdowns sind wirtschaftlich, medizinisch und sozial allenfalls zu erahnen.

Die menschliche Gesundheit steht über den wirtschaftlichen Folgen

Das Leben jedes einzelnen steht aber an oberster Stelle. Die Einschränkungen müssen so kurz wie notwendig sein, da sonst die bereits angeschlagene Demokratie in höchster Gefahr ist. Bezüglich der zeitlichen Begrenzung hat die Politik nur eine Möglichkeit: Sie muss den Aussagen der medizinischen Institutionen vertrauen und diesen den höchsten Stellenwert in ihrer Meinungsbildung geben.

Gewaltige wirtschaftliche Folgen

Die wirtschaftlichen Folgen sind jetzt schon gewaltig und werden bei einem weiteren Lockdown kaum zu reparieren sein. Jedoch war die weltweite ökonomische Situation vor der Pandemie auch nicht gerade berauschend und hätte schleichend zu einem Kollaps geführt. Corona ist ein „gewaltiger Brandbeschleuniger“. Zu sagen, der Virus ist Schuld an einer kommenden Weltwirtschaftskrise, ist aber definitiv falsch. Er könnte nur stark daran beteiligt sein.

Die Gewinner des unvorhergesehenen Ereignisses sind die Natur und die Digitalisierung.

Ein Kommentar von Markus Neugebauer