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Winfried Kretschmann: „Man darf das Haus nur mit triftigem Grund verlassen“

Am Dienstag, den 05. Januar 2021 beschloss der Bund gemeinsam mit den Ländern, dass ab Montag, den 11. Januar 2021 angesichts stetig steigender Coronazahlen ( 38.987 Todesfälle in Deutschland, Stand 08. Januar 2020), schärfere Coronamaßnahmen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2021/01/06/neue-ausgangsregelungen-betreffen-derzeit-noch-nicht-den-hohenlohekreis-heilbronn-steht-jedoch-kurz-davor/ ). Der zweite Lockdown hat sich in einen Shutdown verwandelt, bei dem sich die Bürger in manchen Gemeinden in manchen Bundesländern und ab einem Inzidenzwert von über 200 nicht mehr weiter von seinem Heimatort fortbewegen darf als 15 Kilometer. Baden-Württembergs Landesregierung scherte nur Stunden später aus den gemeinsamen Coronabeschlüssen in zwei Punkten aus. Zum einen bei dem Punkt mit dem 15-Kilometerradius (hier müsse die Umsetzbarkeit zunächst geprüft werden), zum anderen bei den Schulen und Kitas (wir berichteten). Diese sollten eigentlich vorerst flächendeckend bis Ende Januar 2021 geschlossen bleiben und die Schüler ins homeschooling wechseln. Nun aber sollen, wenn es die Coronazahlen denn erlauben (was auch immer das heißen mag, nächste Woche soll auch hierüber eine Entscheidung fallen), die Grundschulen und Kitas bereits ab dem 18. Januar 2021 wieder starten dürfen.

Weitere Aufweichung der Coronamaßnahmen

Am Freitag, den 08. Januar 2021 nun weichte die baden-württembergische Landesregierung die ab dem 11. Januar 2021 geltenden strengeren Coronaregeln weiter auf. Bislang zählten Kinder bis 14 Jahren aus demselben Haushalt nicht dazu bei Begrenzungen der Personenzahl, wollte man sich mit anderen Menschen treffen. Wenn sich etwa aktuell vier Personen treffen dürfen, wurden Kinder unter 14 Jahren hier nicht mit dazugezählt. Das sollte nun eigentlich restriktiver gehandhabt werden. Nur noch eine Familie sollte sich mit einer Person treffen dürfen. Treffen von zwei Familien beziehungsweise Haushalte (was bislang erlaubt war) und mehr sollten fortan eigentlich tabu sein. Kinder sollten, bei etwaigen Personenanzahlbeschränkungen (wie an beispielsweise Weihnachten) voll dazugezählt werden. Nach heftiger Kritik daran rudert nun die baden-württembergische Landesregierung zurück. Man wolle keine Familien entzweien oder Alleinerziehende mit Kindern, die ohnehin schon schwer belastet sind, noch mehr belasten. Zudem könnten sich zwei Familien künftig für eine feste Betreuungsgemeinschaft während des Shutdowns zusammenschließen.

„Geschlaucht und genervt“

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat am Freitag, den 08. Januar 2021, vor dem Landtag eine Rede gehalten zur Verlängerung und Verschärfung des Shutdowns. Zwar könne man wegen des Impfstoffes positiv ins neue Jahr starten, aber „man sei noch längst nicht über den Berg“. Bezogen auf die Wintermonate sagte Kretschmann: „Vor uns liegt vermutlich die schwierigste Strecke der Pandemie.“ In dieser Zeit komme es an, „stark und geduldig zu bleiben, auch wenn wir alle von der Pandemie geschlaucht und genervt sind.“ Denn die Lage sei ernst. Das medizinische Personal sei in vielen Krankenhäusern und Heimen an seiner Belastungsgrenze. Die Intensivstationen seien noch nie so voll gewesen wie zum Jahreswechsel. Zwischenrufe ertönen an dieser Stelle von Seiten des Parlaments, dass das gar nicht stimmen würde.

Wirft man am 08. Januar 2021 einen Blick auf das Divi-Intensivbettenregister gibt es derzeit 5.484 Covid-Intensivfälle in den Krankenhäusern. 22.568 gibt es insgesamt, das heißt, in rund jedem vierten Intensivbett liegt derzeit laut dem Divi-Register ein Covid-Patient. 4.364 Intensivbetten sind derzeit laut Divi noch frei, was 16,2 Prozent entspricht.

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Intensivbettenbelegung nach dem Divi-Register. Stand: 08. Januar 2021. Quelle: ntv

Eine „harte und kurze“ Bremsung

„Noch nie seit dem Beginn der Pandemie seien so viele Menschen an Corona gestorben wie im letzten Monat“, sagt Kretschmann. Ob sich seine Zahlen auf Baden-Württemberg oder Deutschland beziehen, ist nicht bekannt. „Wir sind immer noch weit davon entfernt“, so Kretschmann an den Inzidenzwert von 50 zu kommen (50 neue Fälle pro 100.000 Einwohner pro Woche, dann sei eine Rückverfolgung der Corona-Kontaktpersonen über die Gesundheitsämter wieder möglich und die Infektionsketten „wirksam brechen“). So exponentiell wie die Zahlen ansteigen, können sie auch wieder zurückgehen, wenn man „hart und kurz“ bremse. „Nur niedrige Zahlen verhindern Tod und Leid“. Hinzu komme: Die Virusmutationen von Großbritannien, die bereits in Baden-Württemberg angekommen sei, seien zudem vermutlich wesentlich ansteckender. Man wolle auch das medizinische Personal nicht noch mehr belasten.

Haus darf man nur in dringenden Fällen verlassen

Kretschmann betont, dass es in Baden-Württemberg Ausgangsbeschränkungen gibt, die es nach wie vor einzuhalten gelte. „Man darf das Haus nur mit triftigem Grund verlassen“, betont der Ministerpräsident, ohne das jedoch näher zu präzisieren. Auch Abends gelte es, zu Hause zu bleiben. Kretschmann verteidigt die harten Coronamaßnahmen, indem er sagt: „Wenn wir jetzt anders handeln würden, würden die Zahlen explodieren“.

Als „historisch einmalige Leistung“ bezeichnete Kretschmann die schnelle Entwicklung eines Impfstoffes.

Hohenlohekreis derzeit ein niedriger Inzidenzwert

Der Hohenlohekreis hat aktuell einen vergleichsweise niedrigen Inzidenzwert von 95,9 pro 100.000 Einwohner. Im Hohenlohekreis wurden am 8. Januar 2021 insgesamt 14 neue Corona-Fälle gemeldet.

Winfried Kretschmann erklärt die neuen Shutdown-Maßnahmen am 07. Januar 2021. Quelle: Screenshot youtube

Der baden-württembergiche Landtag bei der Rede von Winfried Kretschmann, der die neuen Shutdown-Maßnahmen am 07. Januar 2021 erklärt. Quelle: Screenshot youtube

 

 




„Ich wollte nicht, dass wegen mir andere Leute sterben“

„Ich wollte nicht, dass wegen mir andere Leute sterben.“ Das sagt eine Sechtsklässlerin in der Dokumentation von Arte: „Corona: Sicherheit kontra Freiheit“, die man noch bis 07. Januar 2021 online abrufen kann: https://www.arte.tv/de/videos/098118-000-A/corona-sicherheit-kontra-freiheit/?fbclid=IwAR2sfN6H3dwmXQHOQL3BN3A8CugCOKvUWNb0JV4-Gh5nSWOPA9YDhpVSq4s

Gleich zu Beginn der Pandemie wurden Kinder stigmatisiert

In der rund 50-minütigen Doku geht es unter anderem um die Angstschürung in Deutschland (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2021/01/06/wenn-man-den-menschen-nur-erzaehlt-es-ist-fuer-das-gute-sind-sie-zu-fast-allem-bereit/) und das Durchregieren ohne das Parlament (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2021/01/06/gesundheitsminister-jens-spahn-kann-zunaechst-fuer-ein-jahr-weitreichende-entscheidungen-treffen-ohne-das-parlament-konsultieren-zu-muessen/). Im dritten Teil nun geht es um die Kinder, die zu Beginn der Pandemie in Deutschland im Frühjahr 2020 als Überträger Nummer eins seitens der Politik kommuniziert wurden. Kinder sollten möglichst keinen direkten Kontakt mehr mit ihren Großeltern haben. Diverse Familien trennten die Kinder von ihren Großeltern daher über Monate. Sie sahen sich nur noch über Skype oder telefonierten. Manche an Corona erkrankte Kinder wurden zeitweise sogar in der Familie separiert – auf politisches Anraten hin – ohne an die psychischen langfristigen Folgen zu denken.

Kinder unter Generalverdacht, den Tod anderer zu verschulden

„Kinder standen unter Generalverdacht, den Tod anderer zu verschulden“, so Arte. Dabei war zu dieser Zeit noch nicht klar, wer sich wie warum ansteckte. Nur weil Kinder vermeintlich wenig bis keine Symptome haben, sind sie nicht ansteckender als andere Menschen beziehungsweise eine Studie Monate später kam sogar zu dem gegenteiligen Schluss, nämlich, dass Kinder weniger Covid-19 übertragen als andere Personengruppen, weswegen sich unter anderem die baden-württembergische Landesregierung daraufhin für konsequente Schulöffnungen und Präsenzunterricht stark machte.

Hendrik Streeck: „Schulen tragen nicht zum Infektionsgeschehen bei“

So verweist der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte darauf hin, dass „von Kindern nur selten Infektionen ausgehen“. So wie die schwedische Regierung, die die Eigenverantwortung auf diejenigen legt, die zu einer Risikogruppe zählen, sieht auch die Kinderärztin Karin Michael nicht das Ziel darin, dass jedes Kind eine Maske trägt, sondern nur diejenigen, die besonders gefährdet sind. Dadurch dass Kinder als Todesengel abgestempelt worden seien, sei ihnen eine Last auferlegt worden, so die Ärztin, die zu schweren psychischen Problemen führen können. Kinderärztin Nicola Fels stimmt dem zu: „Man muss sich das mal vorstellen: Wie gehen diese Kinder jetzt durch’s Leben? Mit dem Gefühl: ,Ich könnte dafür verantwortlich sein, dass jemand stirbt.'“ Unterstützung bekommen sie dabei von dem Virologen Hendrik Streeck: „Schulen wurden noch nie als ein Superspreading-Event beschrieben, so dass man relativ sicher sagen kann, dass Schulen nicht zum Infektionsgeschehen beitragen.“

„Wir können unsere Freunde nicht mehr umarmen“

Diese Erkenntnisse führen jedoch in der Politik zu keinem Umdenken. Auch im Januar-Shutdown bleiben die Schulen geschlossen. Auch die Verunsicherung unter den Schülern selbst bleibt: „Wir können unsere Freunde nicht mehr umarmen. Das finde ich nicht schön“, sagt eine Sechstklässlerin in dem Beitrag.

Kinder verpfeifen sich gegenseitig, wer sich nicht an die Coronaregeln hält

Corona verändert das soziale Miteinander. Die Kinder lernen nun ein a-soziales Verhalten sei gut. „Tiefes Misstrauen, Denunziantentum und den anderen verpfeifen, wenn er etwas nicht korrekt macht“, komme hinzu, so die Kinderärztin Karin Michael. Das Ordnungsamt der Stadt bestätigt dieses Verhalten auch bei Erwachsenen. So seien während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 rund 200 Hinweise eingegangen bezüglich eines vermeintlichen Corona-Fehlverhaltens von anderen Menschen. So hatte etwa ein Imbissbetreiber die Listen, in die sich die Gäste eintragen, nicht richtig geführt, und wird verwarnt. Für manche Gäste sind die Kontrollen nicht nachvollziehbar. „Ich habe mittlerweile keine Angst mehr vor Corona, sondern vor den Maßnahmen“, sagt ein Gast in dem Arte-Beitrag.

Riss durch die Gesellschaft

Hier gibt es mittlerweile zwei Lager: Menschen, die die Maßnahmen kritisch hinterfragen oder sich nicht regelkonform verhalten möchten und Menschen, die hinter den Coronamaßnahmen stehen. Eine Spaltung der Gesellschaft ist dadurch bereits eingetreten, findet Soziologin Ulrike Guerot. Die Frage sei, ob es der Gesellschaft gelinge, nach Corona diesen Spalt wieder zu schließen.

Menschen haben Angst, eine Meinung zu äussern, die abweicht von der öffentlich vorherrschenden Meinung

Der Philosoph Markus Gabriel sagt: „Es besteht derzeit die Neigung, dass die Gesellschaft Menschen, die eine andere Meinung als die öffentlich vorherrschende Meinung vertreten, zu Dissidenten machen. „Viele völlig vernünftige Menschen haben das Gefühl, dass es gefährlich geworden ist, eine Meinung zur Pandemiebekämpfung zu haben, die abweicht von der herrschenden Meinung.“ Viele Bürger haben indes kein Verständnis für die Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen. Für die meisten geht die Sicherheit vor. Selbst ein Hinterfragen wird oft nicht mal mehr geduldet.

Es herrsche eine „geschlossene Meinungsdecke“, urteilt die Soziologin Guerot. Gesundheitwissenschaftlerin Claudia Hanson pflichtet dem bei: „Covid ist ein weißer Elefant, der im Raum steht und wir können nicht diskutieren.“

 

 

 

 

 




„Gesundheitsminister Jens Spahn kann zunächst für ein Jahr weitreichende Entscheidungen treffen, ohne das Parlament konsultieren zu müssen“

Eine zentrale Frage, die angesichts des harten Shutdowns, den Deutschland derzeit erlebt, lautet: „Sind die Eingriffe verhältnismäßig angesichts der Schäden, die sie erzeugen?“ Das fragt unter anderem der Sender Arte in seiner deutsch-französischen Dokumentation: „Corona – Sicherheit kontra Freiheit.“ Die Doku ist noch bis zum 07. Januar 2020 online abrufbar:

https://www.arte.tv/de/videos/098118-000-A/corona-sicherheit-kontra-freiheit/?fbclid=IwAR2sfN6H3dwmXQHOQL3BN3A8CugCOKvUWNb0JV4-Gh5nSWOPA9YDhpVSq4s

„Worin läge der Vorteil, wenn wir 40.000 oder 50.000 mehr Tote hätten?“

In mehreren Beiträgen widmen wir uns von der Redaktion GSCHWÄTZ den Inhalten dieser Dokumentation, weil wir sie anhand der befragten hochkarätigen Personen als sehr aussagekräftig halten. Im ersten Teil ging es um Gehorsam durch Angst – die Coronapolitik der deutschen Bundesregierung. Teil 2 beschäftigt sich unter anderem mit den Notfallgesetzen unter Ausschaltung des Parlaments.

Jens Spahn muss keinen mehr um Erlaubnis fragen

So heißt es in der Doku: „Der Gesundheitsminister Jens Spahn kann zunächst für ein Jahr weitreichende Entscheidungen treffen, ohne das Parlament konsultieren zu müssen. Der bekannte Strafverteidiger Gerhard Strate gibt zu Bedenken: „Derart massive Eingriffe in Grundrechte bleiben nur erträglich, wenn sie zeitlich begrenzt sind.“ Monate später sei man nun in einer Situation, die nur noch „wenig verständlich“ und „kaum erträglich“ sei, denn ein Rechtsstaat lebe von den Grundrechten. „Wenn wir das hinnehmen, was wir jetzt im Moment an Einschränkungen haben, dann sind wir mit dem Rechtsstaat wirklich am Ende“, urteilt Strate.

Gerichte korrigieren die Maßnahmen

Inzwischen haben, so Arte, Gerichte festgestellt, dass Dutzende von Coronamaßnahmen rechtswidrig sind. Sie streichen oder reduzieren vom Staat verhängte Verbote oder Bußgelder.

Arzt sieht Maßnahmen als übertrieben an, weil mehr Menschen an einer Lungenentzündung sterben, als an Covid-19

Der Internist Matthias Schrappe sieht die Verhältnismäßigkeit zwischen der Schwere der Krankheit und den Grundrechtseinschränkungen nicht gegeben, denn „von Covid-19-Patienten, die ins Krankenhaus aufgenommen werden, sterben acht bis neun Prozent. Zum Vergleich: „Wenn Menschen mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kommen, sterben zwischen acht und 13 Prozent.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechtfertigt hingegen die Maßnahmen, bis die Pandemie vorbei ist, damit es am Ende nicht „40.000 oder mehr Tote“ gibt.

Durchregieren per Verordnung, egal, aus welchem Grund, das lehnt die Martinne Wonner, Abgeordnete der Nationalversammlung Paris, ab. „Das bedroht unsere Demokratie, unsere Freiheit und unsere Grundrechte. Die Demokratie ist ernsthaft erkrankt – an Covid-19.“

Fixierung auf Infektions- und Todeszahlen

Mit Beginn der Krise beginnt, so Arte, eine „Fixierung auf Infektions- und Todeszahlen“. Soziologin Ulrike Guerot kritisiert den Fokus auf die Fallzahlen, denn „es macht keinen Sinn, weil es keine Referenzgröße und damit auch keine Relation gibt“ zu einem noch nie da gewesenen Ereignis. Sind 10.000 Infizierte viel oder wenig? Man weiß es eigentlich gar nicht. Es bewirkt lediglich Angst. Das Problem aber ist, zu wissen, wann ist der Punkt erreicht, wann es wirklich brenzlig wird, fragt der Virologe Hendrick Streeck und sieht die ständige Veröffentlichung der Fallzahlen daher ebenfalls eher kritisch.

„Coronamaßnahmen haben der Gesellschaft extremen Schaden zugefügt“

Viele Krankenhausbetten blieben in Deutschland trotz Warnungen leer. Ende Oktober 2020 geht es wieder in einen Lockdown-Light – obwohl mittlerweile viele Experten vor einem Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens warnten. John Ioannidis von der Universität Stanford erklärt: Zu Beginn der Pandemie seien die drastischen Maßnahmen gerechtfertigt gewesen, da man nicht gewusst habe, was da wirklich auf die Welt zukäme. Aber mittlerweile habe man festgestellt, dass „die Maßnahmen der Gesundheit und der Gesellschaft enormen Schaden zugefügt haben“. Es bekamen etwa Menschen mit ernsthaften anderweitigen Erkranken keine oder verspätete medizinische Hilfe. In Deutschland sterben beispielsweise jeden Tag 700 Menschen an Krebs. Bis November 2020 sind in Deutschland rund 10.000 Menschen an Covid-19 gestorben. Karl Lauterbach hingegen sagt, dass es ohne die Coronamaßnahmen rund eine halbe Million Coronatote in  Europa gegeben hätte.

Die Armen traf es besonders hart

Unbeachtet bleiben die psychischen Schäden, die die Coronamaßnahmen in der Gesellschaft hinterlassen. Arte zeigt eine französische Familie, die zu viert in einer 28-Quadratmeter-Wohnung lebt. Als die Quarantäne in Frankreich ihren Höhepunkt erreichte, war dies kaum auszuhalten auf so beengtem Raum, erzählt die Familie. „Der Lockdown hat die Verletzlichen besonders getroffen“, meint Cynthia Fleury-Berkins von der französischen Ethikkommission. Viele sowieso schon schlecht Verdienenden wie Minijobber und Menschen mit Zeitarbeitsverträgen hätten ihre Arbeit verloren. „All die Ungleichheiten in der Gesellschaft haben sich durch den Lockdown noch verstärkt“, findet Louis Cantuel, Leiter institutionelle Beziehungen der Tafel. Vor allem Frauen seien davon betroffen, die nicht selten in Geringverdiener-Jobs arbeiten und während die Schulen geschlossen waren, ausgefallen sind.

 

 

 

 

 

 




„Wenn man den Menschen nur erzählt, es ist für das Gute, sind sie zu fast allem bereit“

Eine zentrale Frage, die angesichts des harten Shutdowns, den Deutschland derzeit erlebt, lautet: „Sind die Eingriffe verhältnismäßig angesichts der Schäden, die sie erzeugen?“ Das fragt unter anderem der Sender Arte in seiner deutsch-französischen Dokumentation: „Corona – Sicherheit kontra Freiheit.“ Die Doku ist noch bis zum 07. Januar 2020 online abrufbar:

https://www.arte.tv/de/videos/098118-000-A/corona-sicherheit-kontra-freiheit/?fbclid=IwAR2sfN6H3dwmXQHOQL3BN3A8CugCOKvUWNb0JV4-Gh5nSWOPA9YDhpVSq4s

„Worin läge der Vorteil, wenn wir 40.000 oder 50.000 mehr Tote hätten?“

In mehreren Beiträgen widmen wir uns von der Redaktion GSCHWÄTZ den Inhalten dieser Dokumentation, weil wir sie anhand der befragten hochkarätigen Personen als sehr aussagekräftig halten. Teil 1 beschäftigt sich mit den Mechanismen der Angst im Coronajahr 2020.

Sicherheit versus Freiheit – Waren beziehungsweise sind die harten Coronaßnahmen nötig?

„Wir müssen davon ausgehen, dass wir soziale, bildungspolitische, finanzielle Nebeneffekte haben, die sehr groß sein werden“, sagt etwa Ulrike Guerot, Soziologin an der Donauuniversität Krems.“ Der Immunologe Jean-Francois Delfraissy ist sich wiederum sicher: „Der Lockdown war die einzige Möglichkeit, das Virus zu stoppen angesichts seiner explosionsartigen Verbreitung in der gesamten Bevölkerung.“Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fragt völlig ironiefrei: „Worin läge denn der Vorteil, wenn wir ohne Lockdown nun 40.000 der 50.000 Tote hätten?“ Der Epidemiologe Laurent Toubiana verweist wiederum auf Schweden und darauf, dass dieses Land ohne Lockdown keine höheren Sterberaten aufweise als Frankreich. Zwischen Frühjahr und Herbst 2020 sind in Frankreich laut der Dokumentation über 37.000 Menschen an Corona gestorben. Das ist eine der höchsten Todesraten in ganz Europa.

Sicherheit versus Freiheit – Waren beziehungsweise sind die harten Coronamaßnahmen nötig, fragt der Arte-Beitrag und lässt die Diskussion, die sich bald im Kreis zu drehen scheint, beginnen. Dabei zeigt sich schnell: Letztendlich kann man alles mit diversen Zahöen, Studien und Statistiken begründen. Das Für, aber auch das Wider der Maßnahmen, die es so (einheitlich) noch nie in Deutschland und auf der Welt gegeben hat.

Schweden gegen den Rest der Welt

Auch in Frankreich gibt es, ähnlich wie in Deutschland, Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen. In Frankreich gehen auch Ärzte und Pfleger:innen auf die Straße, um auf den Personal- und Materialmangel aufmerksam zu machen. Auch vor der Coronakrise gab es im französischen Gesundheitssystem massive Sparmaßnahmen – ähnlich wie in Deutschland, auch im Hohenlohekreis (wir berichteten). Hier in Deutschland bewegte sich der Protest der Mitarbeiter des Gesundheitswesens allerdings auf eher wütende Facebook-Posts. Um 21 Uhr applaudieren diverse Bürger für die Krankenschwestern und Pfleger, das soll erst einmal reichen.

Viele Schweden blieben einfach freiwillig zu Hause

Anders als Frankreich und Deutschland setzt Schweden bei den Coronamaßnahmen auf Selbstbestimmung der Bürger setzte. Viele Schweden seien auf dem Höhepunkt der Krise freiwillig zu Hause geblieben, so die Arte-Doku. Bereits im Frühjahr 2020 sagte die schwedische Regierung, dass man lange mit dem Virus werde leben müssen. Daher setzte die Regierung auf Maßnahmen, die die Bürger auch lange mitmachen können und würden. Die Todeszahlen schnellten allerdings erst einmal in die Höhe. 2020 gab es in Schweden bis November 2020 fünfmal so viele Coronatote wie in Deutschland, wenn man die Zahlen auf die Einwohnerzahlen herunterbricht. Allerdings scheint die Psyche der Schweden, so zeigt es der Film, durch die milderen Maßnahmen stabiler zu sein nach den Coronamonaten. Demos blieben aus.

So einfach gehorchen Menschen

Angela Merkel vergleicht die derzeitige Coronakrise indes mit dem Zweiten Weltkrieg, so schwierig sei die derzeitige Lage. Die Soziologin Guerot erklärt die breite Akzeptanz der harten Maßnahmen in Deutschland mit Psychologie: „Wenn man den Menschen nur erzählt, es ist für das Gute, sind sie zu fast allem bereit.“ Die Maske sei dabei die symbolische Aufladung. Der soziale Druck, sie zu tragen, dementsprechend groß.

Die deutsche Regierung setzt auf Disziplin, Angst und Emotionen

Ein internes Papier aus dem Innenministerium vom April 2020 lässt darauf vermuten, dass die deutsche Regierung vor allem auf Disziplin, Angst und Emotionen bei ihren Bürgern setzt, um die Coronamaßnahmen umzusetzen: „Der worst case ist mit allen Folgen für die Bevölkerung in Deutschland unmissverständlich zu verdeutlichen. […] Um die gewünschten Schockwirkungen zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden.“ Wenn nichts getan werde, prognostizieren die Experten über eine Million Tote in Deutschland im Jahr 2020 – durch Corona. Letzten Endes wären es wesentlich weniger gewesen, wenn man an die Zahl denkt, die Karl Lauterbach zu Beginn des Beitrages genannt hat – 30.000 bis 40.000. Das sind immer noch viele Tote – aber kein Vergleich zu der Zahl, die vor rund einem Jahr genannt wurde. Die Frage ist: Kann man sich wirklich so verkalkulieren oder war das vielleicht doch Taktik?

„Menschen, die Angst haben, lassen sich in Krisen besser steuern“

Weiter heißt es in dem Papier: Man müsse klarmachen, dass viele Menschen um Luft ringend zu Hause sterben. Kinder würden Eltern anstecken. Der Psychologe Professor Gerd Gigerenzer vom Max-Plack-Bildungsinstitut für Bildungsforschung, erklärt: „Menschen, die Angst haben, lassen sich in Krisen besser steuern, solange sie nicht zu viel Angst haben.“ Man könne vermuten, dass die Modellrechnugnen, die anfangs kursierten und die viel zu hoch waren, geholfen haben, dass Menschen genügend Angst bekommen haben und die Hygieneregeln befolgt haben.“

„Die Angst der Bevölkerung steht in keinem Verhältnis zu den Todeszahlen“

In Deutschland hatten im Herbst 2020 rund 37 Prozent Angst, an Corona zu erkranken, in Frankreich waren es 70 Prozent. Die Angst steht, so Arte, in keinem Verhältnis zu den Todeszahlen. Zum Vergleich: Etwa 20mal so viele Menschen starben in Deutschland an Krebs.

Nur wenig kritische Stimmen, als es um die starken Eingriffe in die Grundrechte ging

„Sind es die Angst und der Schock, den die Parlamentarier im März 2020 dazu veranlasst, nach nur 1,5 Stunden über eine epidemische Lage nationaler Tragweite zu entscheiden und dass es zu diesen starken Eingriffen in die Grundrechte lange Zeit nur wenige kritische Stimmen gab?“, fragt Arte.




Neue Bewegungsregelungen betreffen derzeit nicht den Hohenlohekreis

Durch die seit Dienstag, den 05. Januar 2021, von der Bundesregierung beschlossenen verschärften Corona-Shutdown-Maßnahmen wird die Gesellschaft auf den ersten Blick noch a-sozialer. Noch weniger Kontakt, noch mehr Distanz, noch weniger Bewegungsradius. Hier die neuen Maßnahmen im Überblick und inwiefern sie Baden-Württemberg und den Hohenlohekreis betreffen:

// Der derzeitige Shutdown wird verlängert bis mindestens 31. Januar 2020

// Geöffnet haben weiterhin nur Supermärkte und Drogerien. Baumärkte, Elektromärkte, Restaurants und Buchhandlungen bleiben geschlossen beziehungsweise dürfen nur Dienste To-Go anbieten

// Es gelten noch schärfere Kontaktbeschränkungen. Ein Hausstand /eine Familie darf sich künftig nur noch mit einer weiteren Person, nicht aber einem weiteren Hausstand / einer weiteren Familie treffen. Neu: Hier zählen nun auch Kinder jeden Alters.

Sonderweg Baden-Württemberg

// Kitas und Schulen haben bis mindestens Ende Januar geschlossen. Die Schüler sollen im homeschooling lernen. Bundesweit sprach man davon, dass Schüler von der ersten bis sechsten Klasse frühestens ab Anfang Februar 2021 in den Präsenzunterricht zurückkehren sollen. Baden-Württemberg möchte jedoch für die Grundschüler die Schulen bereits wieder ab dem 18. Januar öffnen, wenn es die Coronazahlen zulassen. Auch die Kitas sollen dann wieder öffnen. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/lockdown-bis-ende-januar-verlaengert/

// Der Bewegungsradius wird eingeschränkt in Regionen mit einer Inzidenz von über 200. Dann dürfen sich Bewohner nur noch 15 Kilometer vom Wohnort wegbewegen. Ursprünglich wollte die Bundeskanzlerin laut diversen Medienberichten durchsetzen, dass der Bewegungsradius bereits ab einer Inzidenz von 100 eingeschränkt wird. Das hätte fast ganz Deutschland betroffen. Problematisch wird der neue Bewegungsradius dennoch in Regionen, in denen man zum einkaufen weiter als 15 Kilometer fahren muss. Das darf man nämlich laut den neuen Bestimmungen nicht mehr.

Baden-Württemberg schert auch hier aus: „Baden-Württemberg plant aktuell, das nicht umzusetzen, da das Land die Regelung zunächst auf Umsetz- und Kontrollierbarkeit prüft.“

Der Hohenlohekreis hat derzeit einen Inzidenzwert von 130,5 und würde somit noch nicht in den eingeschränkten Bewegungsradius fallen. Heilbronn allerdings stünde mit einer Inzidenz 189 kurz davor. Am Dienstag, 5. Januar 2021, hat das Landratsamt des Hohenlohekreises insgesamt 34 neue Corona-Infektionen an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 130,5 pro 100.000 Einwohner. Auch ein Todesfall wurde im Hohenlohekreis gemeldet. Erneut sind 7 Fälle in Pflegeheimen bestätigt. Mit Stand 05. Januar 2021 gibt es in insgesamt 5 Pflegeheimen im Hohenlohekreis positive Fälle. Die ersten Pflegeheimmitarbeiter sind nun gegen Corona geimpft worden. Weitere Informationen zum Coronavirus sowie das Dashboard mit den einzelnen Zahlen pro Gemeinde sind unter www.corona-im-hok.de zu finden.

Hohenlohekreis: „Es ist richtig, den Lockdown zu verlängern“

„Die Zahlen zeigen nach wie vor, dass wir uns in einer äußerst angespannten Lage befinden. Die heute getroffenen Maßnahmen sind für mich daher alles andere als unerwartet“, sagt Gotthard Wirth, der erste Landesbeamte des Hohenlohekreises, zu den neuen Shutdown-Entscheidungen von Bund und Ländern. „Es ist richtig, den Lockdown zu verlängern. Auch machen die noch weitergehenden Regelungen deutlich, dass wir uns hinsichtlich des Ausbruchgeschehens und dessen Folgen noch lange nicht an dem Punkt befinden, zu dem wir hinmüssen.“

Die vermeintlich a-soziale Gesellschaft

Die Maßnahmen sollen dazu dienen, dass der Inzidenzwert wieder auf mindestens 50 sinkt und damit eine Rückverfolgung der Corona-Kontaktpersonen wieder möglich ist. Dadurch sollen letztendlich weniger Menschen an Corona erkranken und weniger daran sterben. Derweil gibt es kritische Stimmen, die die Maßnahmen als zu hart empfinden und auf langfristige Folgeschäden hinweisen im sozialen und psychischen Bereich.

 




„Eine Pause ist für alle gut, denn Corona war für viele sehr stressig, sowohl für Lehrer als auch für die Schüler“

Der Coronavirus hat schon zu viel zu verantworten und jetzt beschert er uns Schülern auch noch länger Ferien. Für Schüler hört es sich nicht schlecht an, wenn verkündet wird, dass sie mehr Ferientage bekommen. Das heißt, es sind jetzt schon ab dem 16. Dezember 2020 Ferien, anstatt erst am 23. Dezember 2020. Aber auch hier gibt es Haken, welche nicht mit Freude aufgenommen werden. Auch die Schüler sind sich nicht sicher, wie sie alles aufnehmen sollen. Sofie Taube, Schülerin aus Künzelsau, ist zwiegespalten, wie sie äußert und nicht nur ihr geht es so. Ein Artikel von Cora-Lee Pusker, Schülerin in Künzelsau (der Text entstand vor den Beschlüssen am 04. und 05. Januar 2020, dass der Präsenzunterricht mindestens bis Ende Januar 2021 weiterhin nicht stattfindet an den Schulen).

Alles kann sich von einem auf den anderen Tag verändern

Viele sind verunsichert, da sich alles von einem auf den anderen Tag verändern kann, wie man genau in dieser Situation gemerkt hat. Anfangs hieß es noch es sollten nur zwei Tage früher Ferien sein, mit Homeschooling für die Klassen, welche über der achten Klasse sind und Notbetreuung für die Klassen, welche unter der achten Klasse liegen. Jetzt wurde dieses Konzept umgeworfen und festgelegt, dass nun schon ab dem 16. Dezember die Ferien anfangen sollen. Dieses aber ohne Homeschooling, sondern mit freiwilligen Aufgaben für die Schüler.  Ausgenommen hiervon sind die Abschlussklassen, welche regulär in die Schule müssen.

Schüler verstehen die Strategie nicht

Wenn man sich unter den Schülern umhört, merkt man schnell, wie viele verschiedene Emotionen bei diesem Thema hochkochen. Die am stärksten verbreitetsten sind Freude, aber auch manchmal Verständnislosigkeit. „Wer freut sich nicht über mehr Ferien?“ Auch ich muss zugeben ich war nicht traurig, als ich davon gehört habe. Und noch besser hat mir gefallen, dass es wirklich Ferien sind und kein Homeschooling, also Unterricht von Zuhause aus. Hier stellt sich mir allerdings eine Frage, warum wurde bei den zwei Tagen früher Ferien festgelegt, dass Fernunterricht sein soll, aber bei eineinhalb Wochen früher nicht? Ich finde dies sehr fragwürdig, denn es ist Stoff von eineinhalb Wochen, der nachgeholt werden muss, während der Stoff von zwei Tagen einfacher zum Nachholen gewesen wären.

„Unlogisch“

Auch Sofie Taube findet das unlogisch. Sie versteht nicht, warum man bei den zwei Tagen mehr Fernunterricht gemacht hätte, aber nicht bei den eineinhalb Wochen mehr. Dennoch genießt sie es, so wie es ist, auch wenn es in ihren Augen nicht sinnvoll scheint. Sie sieht die Ferien als Erholung von dem ganzen Schulstress vor Weihnachten. Denn wie sie erklärt werden vor den Weihnachtsferien sehr viele Arbeiten sowie Tests geschrieben. Für sie ist es eine ersehnte Pause, auf die sie hingearbeitet hat. Auf die Frage, ob sie denkt, dass man den Schulstoff gut nachholen könne, meint sie, dass sie zuversichtlich ist, denn letztes Schuljahr beim ersten Lockdown hat sie dies auch hinbekommen. Sie erzählt auch, dass sie freiwillige Aufgaben bearbeitet oder auch an manchen Konferenzen über das Internet, die angeboten werden für Schüler die möchten, teilnimmt, um im Thema zu bleiben und vielleicht eine gute Unterrichtsnote zu bekommen. Allerdings vermisst sie in ihren Ferien ihre Freunde, mit denen sie sich gerade nicht treffen kann, aufgrund der vielen Beschränkungen, aber auch die Weihnachtsstimmung vermisst Sofie, denn die kam bei ihr durch die traditionellen Weihnachtsmärkte auf, welche dieses Jahr auch abgesagt wurden aufgrund des Coronavirus‘.

„Es bringt insgesamt mehr im Kampf gegen das Coronavirus“

William Liebschner aus Kupferzell findet die eineinhalb Wochen mehr Ferien sinnvoll. „Es bringt insgesamt mehr im Kampf gegen das Corona Virus. Es ist alleine schon wegen der hohen Infektionszahlen sinnvoll und vor Weihnachten kommt nicht mehr viel Stoff neu dazu.“ Aber wäre es dann trotzdem nicht doch sinnvoller gewesen, die eineinhalb Wochen noch Fernunterricht zu machen? Immerhin war es, als es noch hieß, die Schüler gehen nur zwei Tage früher in die Ferien geplant, dass Fernunterricht stattfindet. Dies kann William auch nicht ganz nachvollziehen, dennoch trauert er dem nicht nach und genießt seine Ferien so gut es geht, auch wenn es nicht die wie sonst traditionellen Weihnachtsferien sind.

„Eine  Pause ist für alle gut“

In Weihnachtsstimmung ist Tabea Nannie, Schülerin der zehnten Klasse, gekommen. Sie findet die zusätzlichen Ferien fantastisch, wie sie sagt. Denn dieses Mal hatte sie noch Zeit sich entspannt und ohne Stress auf die Weihnachtszeit einzulassen. „Die Ferien sind nicht so kurzfristig vor Weihnachten, dieses Mal hat man noch etwas Vorlauf. In dieser Zeit kann man wunderbar in die Weihnachtszeit reinkommen. Und ich genieße meine Ferien, in dem ich viel Zeit mit meiner Familie verbringe und die Schule einmal links liegen lasse. Eine Pause ist für alle gut, denn Corona war für viele sehr stressig, sowohl für Lehrer als auch für die Schüler. Und mit den zusätzlichen Ferien hat man dem Ganzen den Schwung genommen.“  Allerdings ist sie skeptisch, ob es wie geplant am 11. Januar 2021 mit der Schule weitergeht, denn auch wenn sie denkt, dass sich bei den eineinhalb Wochen mehr Ferien Gedanken gemacht wurden im Kampf gegen Corona, ist es ein Ziel, Zeit zu gewinnen und dann wäre es in ihren Augen ein Rückschritt, wenn an diesem Tag die Schule weitergeht, wie sie sagt. „lieber sollte man zuhause bleiben auch, wenn es schwerfällt.“

Niemand weiß, wie es mit dem Unterricht weitergeht

Auch die Regierung muss nun über das weitere Vorgehen abstimmen. Auch ich, als Schülerin, bin gespannt und hoffe, dass es mit Präsenzunterricht weitergehen kann.*

Text: Cora-Lee Pusker

Am 11. Januar 2021 wäre der eigentlich erste geplante Schultag nach den Ferien, nun ist klar, dass es mindestens bis Ende Januar 2021 keinen Präsenzunterricht geben wird aufgrund der Coronalage (wir berichteten).

Der leere Eingangsbereich der Bischof-von-Lipp-Schule. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 




Kultusministerkonferenz: vorerst kein Präsenzunterricht

Die 16 Kultusminister:innen haben sich in ihrer Sitzung vom Montag, den 04. Januar 2021, darauf festgelegt, dass die Schulen – sofern auch die sonstigen Lockdown-Maßnhmen verlängert werden – weiterhin keinen Präsenzunterricht anbieten. Die Entscheidung über die Fortführung des Lockdowns wird bei der morgigen Sitzung der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin getroffen werden.

Stufenplan für die Wiedereinführung des Präsenzunterrichts

Die Kultusministerkonferenz schlägt einen Stufenplan bei Lockerungen der Maßnahmen vor: Erst sollen die unteren Klassen von 1-6 wieder Präsenzunterricht erhalten, danach soll es für die höheren Klassen einen Präsenzunterricht mit Wechselunterricht geben und erst in einem dritten Schritt soll der klassische Präsenzunterricht für alle wieder aufgenommen werden. An welche konkreten Bedingungen, zum Beispiel Inzidenzzahlen, diese Stufen geknüpft sein sollen und ob es dafür bundeseinheitliche Kriterien geben wird, wurde noch nicht bekannt. Daher ist derzeit auch nicht klar, ab wann es wieder losgehen soll mit Präsenzunterricht. Für Abschlussklassen soll es besondere Regelungen geben, um eine angemessene Prüfungsvorbereitung zu gewährleisten.

Informationen über Aufnahme des Unterrichtsbetriebd folgen

In Baden-Württemberg beginnt der Unterricht nach den Weihnachtsferien eigentlich regulär am 11. Januar 2021. Dem Kultusministerium bleiben also einige Tage, um genaue Informationen über den Unterrichtsbetrieb zu veröffentlichen. Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann plädierte in den vergangenen Tagen für einen unmittelbaren Wiederbeginn des Präsenzunterrichts und musste dafür viel Kritik einstecken.

Ob und wie ein adäquater Onlineunterricht im Januar 2021 für die Schüler:innen ausschauen wird und welche Betreuungsangebote es für Kinder gibt, deren Eltern arbeiten gehen müssen, ist derzeit noch nicht bekannt. Der Lockdown soll voraussichtlich bis Ende Januar 2021 verlängert werden. Die Entscheidung darüber fällt voraussichtlich am Dienstag, den 05. Januar 2020.

Text: Matthias Lauterer




Corona: Es gibt keine persönlichen Benachrichtigungen

Voraussichtlich ab Mitte Januar sind Impfungen in den Kreisimpfzentren (KIZ) möglich. Das Kreisimpfzentrum des Hohenlohekreises befindet sich in der Hohenlohe-Sporthalle in Öhringen. Die Vorbereitungen durch einen Messebauer und viele freiwillige Helfer der Blaulichtorganisationen wurde am 23. Dezember fertiggestellt. Wann die ersten Impftermine stattfinden und wann diese gebucht werden können, steht noch nicht fest und ist von der Lieferung des Impfstoffs durch das Land Baden-Württemberg abhängig.

Mobile Impfteams bereits unterwegs

Am 27. Dezember 2020 haben die Zentralen Impfzentren (ZIZ) in Baden-Württemberg ihren Betrieb aufgenommen. Das für den Hohenlohekreis zuständige ZIZ befindet sich in Rot am See. Von dort aus sind bereits jetzt mobile Impfteams unterwegs, um auch in den Pflegeheimen in unserem Kreisgebiet Impfungen durchzuführen.

Impfung nur mit  Termin

Eine Impfung im Impfzentrum erfolgt nur mit Termin. Impftermine für das Zentrale Impfzentrum können über die Impftermin-Servicehotline des Landes unter der Nummer 116 117 (kostenlos, Montag bis Sonntag von 8 bis 22 Uhr) oder unter www.impfterminservice.de/impftermine gebucht werden.

Impfung nach Prioritäten

Es wird schrittweise geimpft: Denn zuerst müssen die Menschen geschützt werden, die das höchste Risiko haben. Priorisiert geimpft werden Bürgerinnen und Bürger, die ein besonders hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf oder ein besonders hohes berufliches Risiko haben, sich oder schutzbedürftige Personen anzustecken. Folgende Personen haben daher mit höchster Priorität Anspruch auf Schutzimpfung:

  • Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben;
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden;
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen tätig sind;
  • Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen;
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind;
  • Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht.

Die Impfung ist freiwillig und für alle Bürgerinnen und Bürger kostenlos.

Wird man persönlich benachrichtigt? Das Regierungspräsidium Stuttgart informiert auf seiner Homepage wie folgt:

Impfung nur nach Terminvereinbarung

Bürger:innen werden über die Priorisierung, die Möglichkeit und die Terminierung der Impfung durch Öffentlichkeitsarbeit, beispielsweise über das Landesportal Baden-Württemberg.de informiert. Es wird keine personalisierte Einladung erfolgen. Sprechen Sie auch mit Ihrem Hausarzt darüber, zu welcher priorisierten Gruppe Sie unter Umständen gehören.

Danach können impfwillige Bürgerinnen und Bürger der priorisierten Gruppen einen Termin vereinbaren. Zum vereinbarten Termin finden sich die Impfwilligen in dem jeweils regional zuständigen Impfzentrum ein. Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen werden über mobile Impfteams erreicht.

Haus- und Fachärzte informieren vorab

Bitte besprechen Sie medizinische Fragen mit Ihrem Haus- oder Facharzt. Die Landesregierung stellt die Logistik für die Impfungen. Wir können und dürfen keine medizinischen Fragen beantworten. Vor der Impfung im Impfzentrum oder durch ein mobiles Impfteam findet ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt statt. Hier bekommen Sie fachkundige Auskunft zu Ihren Fragen. Nach dem Gespräch steht Ihnen weiterhin frei, ob Sie sich impfen lassen möchten oder nicht.

Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises, www.corona-im-hok.de

Deutschland krempelt die Ärmel hoch – Impfkampagne für die Corona-Schutzimpfung




Mobile Impfteams starten im Hohenlohekreis

Am Mittwoch, den 30. Dezember 2020, erfolgten die ersten Impfungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie im Hohenlohekreis. Hierzu sind mobile Impfteams des zentralen Impfzentrums aus Rot am See in zwei Pflegeheimen im Kreis im Einsatz, am Donnerstag folgten zwei weitere Pflegeheime im Hohenlohekreis. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

111 Impfungen

„Wir planen heute insgesamt 111 Impfungen im Hohenlohekreis durchzuführen“, erklärt Dr. Susanne Bublitz, Impfbeauftragte im Hohenlohekreis. „Die Impfungen beginnen auch im Hohenlohekreis in den Pflegeheimen und damit bei den Menschen, die durch das Coronavirus am stärksten gefährdet sind.“

„Heute ist ein guter Tag für die Menschen im Hohenlohekreis“

Auch Landrat Dr. Matthias Neth sieht die Impfungen als wichtigen Schritt zur Bewältigung der Pandemie. „Heute ist ein guter Tag für die Menschen im Hohenlohekreis. Die Impfung ist für die Bewohner der Pflegeheime, aber auch für uns alle der Beginn zu einer langsamen Rückkehr in die Normalität. Ich freue mich, dass wir in unserem Kreisimpfzentrum ab Mitte Januar 2021 vielen weiteren Bürger:innen die Impfung ermöglichen können.“ Sobald feststeht, wann genau die ersten Impfungen in der Hohenlohe-Sporthalle stattfinden und wann diese Termine gebucht werden können, wird das Landratsamt Hohenlohekreis hierüber informieren.

 

Erste Impfungen im Hohenlohekreis. Landrat Dr. Matthias Neth und Dr. Susanne Bublitz empfangen den Impfstoff für den Hohenlohekreis.Foto: Landratsamt Hohenlohekreis

Erste Impfungen im Hohenlohekreis. Foto: Landratsamt Hohenlohekreis. Mitarbeiter des Mobilen Impfteam mit dem Impfstoff. Foto: Landratsamt des Hohenlohekreises

 

 




Hohenlohe startet mit den ersten Impfungen – gehören solche Bilder also bald der Vergangenheit an?

Die ersten Impfdosen verteilte das Deutsche Rote Kreuz unlängst an ein Pflegeheim in Pfedelbach. Ist die Pandemie damit bald zu Ende und damit auch die Coronamaßnahmen? Indes mehren sich politische Stimmen, dass der derzeitige Shutdown verlängert werden soll – manche sagen, bis Ostern 2021. Vor einem Jahr hat die Mehrheit der Europäer Covid noch nicht gekannt. Wie hat eigentlich alles bei uns angefangen? Wir drehen die Coronauhr genau 1 Jahr zurück (Teil 1 von 2).

Januar

Anfang Januar 2020 gelangen erste Berichte über ein neues Virus im fernen China in die Nachrichtensendungen. China ist weit weg und wir hatten ja schon unsere Erfahrung mit dem SARS und dem MERS-Virus gemacht. Diese Viren waren ja ebenfalls weit weg und sie haben in Europa auch nicht wirklich zugeschlagen. 9 dokumentierte SARS Fälle 2003, darunter kein Todesfall, in Deutschland – die Bedrohung durch das neue Virus war überschaubar. Auch noch, als es Ende Januar scheinbar gelang, den ersten dokumentierten Ausbruch bei WEBASTO in Starnberg unter Kontrolle zu halten. Bereits bei diesem „Patient 1“ stellte man fest, dass bereits ein kurzer Kontakt zur Ansteckung führen kann. Ende des Monats sind außerhalb Chinas etwa 50 Fälle aus mehreren Ländern dokumentiert – erste ausländische Firmen schließen Betriebe in der Region Hubei, Fluggesellschaften stellen Flüge ein und die WHO erklärt am 30. Januar eine „Internationale Gesundheitsnotlage“.

Hohenloher Firmen mit intensiven Kontakten nach China werden aufmerksam: Ziehl-Abegg stellt alle Dienstreisen nach China ein und unterstützt seine chinesischen Werke mit Mundschutz und die Regierung mit einer Lüftungsanlage für ein Krankenhaus.

Februar

Noch macht man sich über den Virus lustig. Bild in WhatsApp.

Im Februar bekommen das Virus und die von ihm ausgelöste Krankheit einen Namen: Die WHO nennt das Virus Sars-Cov-2 und die Krankheit COVID-19. Der Volksmund bezeichnet beides bereits als „Corona“. Der erste Virologe, Alexander Kekulé wird der Öffentlichkeit bekannt, damals noch mit der These „Bei den Corona-Viren ist es leichter als bei der Grippe, durch Hygienemaßnahmen und das, was wir soziale Distanzierung nennen.“ Frankreich beklagt den ersten nachweislichen Toten in Europa, in Norditalien werden, bei etwa 150 bekannten Fällen, Gebiete abgesperrt. Und Ende Februar tagt erstmals der Krisenstab der Bundesregierung.

In Hohenlohe ist das Virus noch nicht wirklich angekommen. Zwar bereiten sich die Ärzte darauf vor, allerdings ist die Unsicherheit sowohl bei Ärzten als auch bei der Bevölkerung weiterhin hoch, zu wenig ist wirklich über das Virus, seine Verbreitung und seine Folgen bekannt. Dazu kommen erste zweifelhafte Informationsquellen, die die Verwirrung erhöhen: Der Coronavirus kommt und ihr seid noch beim Karneval.

März

Weg zur Abstrichstelle in Belzhag auf dem Frühjahrshöhepunkt der Pandemie im Hohenlohekreis. Foto: GSCHWÄTZ

Im März nimmt die Pandemie endgültig Fahrt auf: Am 01. März 2020 findet in Kupferzell ein Kirchenkonzert statt, das die Keimzelle für den Hotspot Kupferzell werden wird. Erste größere Veranstaltungen, wie die Leipziger Buchmesse, werden abgesagt. Italien schließt die Schulen, mit Sachsen-Anhalt ist Corona in allen Bundesländern angekommen. Schulen und Kindergärten werden geschlossen, bisher offene Grenzen abgeriegelt, Italien und Spanien melden jeweils über 3.000 Tote, die WHO bezeichnet Corona als „Pandemie“, die Fußball-EM und die Olympischen Spiele werden abgesagt.

In Deutschland beginnt der sogenannte „erste Lockdown“, nicht vergleichbar mit den Ausgangssperren, wie sie in Spanien herrschen. Weltweit werden Hilfspakete für die Wirtschaft geschnürt.

In Hohenlohe wird der erste Corona-Fall am 05. März registriert: Landrat Neth: „Mögliche Folgen einer unkontrollierten Verbreitung wären enorm“. Nahezu alle Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben, nicht aber das „Rebenglühen“ in  Bretzfeld – wahrscheinlich die Ursache für den zweiten Hotspot im Hohenlohekreis. Erste Fälle in Kupferzell treten auf: Kupferzell: 4 weitere Coronafälle – Verdachtsfälle in Künzelsau. Im Gesundheitsamt in Künzelsau wird eine erste Abstrichstelle eröffnet und kurz darauf durch eine zentrale Abstrichstelle in Belzhag ersetzt. Erst einige, dann alle Schulen und Kindergärten schließen. Der Landrat wird erstmals deutlich: „Leider nicht bei allen angekommen, wie dramatisch die Situation ist“.

Im Künzelsauer Krankenhaus wird eine Isolierstation eröffnet. Schutzausrüstungen für Gesundheitsbedienstete gehen aus, Landrat Dr. Neth muss Firmen und Privatleute um Unterstützung bitten – und erhält diese in großer Menge.

Ende März waren in Deutschland 670 Menschen an Corona verstorben. Am 17. März 2020 wird der erste Corona-Todesfall im Hohenlohekreis vermeldet. Der Hohenlohekreis ist nun einer der am stärksten betroffenen Landkreise in Deutschland.

April

Professor Ralph Wystup (rechts) präsentiert die Atemschutzhaube Landrat Dr. Matthias Neth (links). Foto: GSCHWÄTZ

Die Lage bleibt unübersichtlich. Obwohl es immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse über das Virus und seine Ausbreitung gibt, wächst die Unsicherheit in der Bevölkerung. Auch weil die Politik es nicht schafft, einheitliche Verhaltensregeln zu definieren: Zwar treten Mitte April erste „Lockerungen“ in Kraft, diese sind aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Man hat den Eindruck, jeder Ministerpräsident will seiner Bevölkerung ein eigenes „Zuckerle“ geben. Baumarkttourismus über die bayrisch-hessische Landesgrenze ist nur ein Beispiel. Bundeskanzlerin Merkel versucht noch, die Lockerungen zu begrenzen und zu vereinheitlichen, vergeblich. Nicht zum letzten Mal.

So unterschiedlich sind die Lockerungen, dass die Menschen die Regeln nicht mehr verstehen und beginnen, sich aufzulehnen. Auch die von Land zu Land unterschiedlichen Regelungen für das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes verwirren.

Selbst die „Großen“ können Corona nicht entfliehen: Der britische Premierminister Boris Johnson muß auf der Intensivstation behandelt werden. Ende April geben Biontech und Pfizer bekannt, einen Impfstoff an Menschen zu testen.

Das ehemalige Krankenhaus kann nicht zur Corona-Klinik umgewidmet werden. Das Landratsamt empfiehlt Mund-Nasen-Schutz, daraufhin werden Tausende Masken in Privatinitiative genäht. Auch Gewerbe und Industrie spenden weiter Schutzmasken. Trotzdem bleibt Schutzausrüstung knapp, auch für das Bestattungswesen. Hohenloher entwickeln eine Schutzhaube für besonders kontaminierte Bereiche. Kurios: Berittene Polizei sorgt für den Kontaktabstand in Künzelsau. Eltern sind mehr und mehr mit Home-Office und Kinderbetreuung überlastet. Die Reisebranche demonstriert in Künzelsau und die Gastronomie paßt ihr Angebot an.

Der Hohenlohekreis meldet Quarantänemaßnahmen in acht Pflegeheimen und warnt vor drohender Überlastung des Öhringer Krankenhauses, das Gesundheitsamt scheint überlastet. Künzelsau sagt alle Veranstaltungen der nächsten Monate ab.

Mai

Der Medi-Bus des RKI stand in Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Parallel zu den traditionellen Maidemonstrationen finden erste Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen statt.  Das Bundeskriminalamt warnt Mitte Mai vor einer Kaperung der Proteste durch Rechtsextreme. Kontaktbeschränkungen werden gelockert und die Bundesliga nimmt ihren Spielbetrieb in leeren Stadien wieder auf. Die Infektionszahlen in Deutschland sinken auf unter 1.000 positive Tests pro Tag, weltweit steigen sie weiter. Erste Berichte über die Impfversuche sprechen von Erfolgen. Der Optimismus steigt. Weitere Lockerungen treten in Kraft. Die Lufthansa erhält ein Hilfspaket in Höhe von 9 Milliarden Euro. Immer mehr Bundesländer öffnen Schulen und Kindergärten – mit Sicherheitsmaßnahmen. Die medizinische Forschung stellt fest, dass Corona nahezu alle Organe beeinträchtigen kann, nicht nur die Lunge. Es wird bekannt, dass Veröffentlichungen des Virologen Hendrik Streeck von einer PR-Agentur gesteuert werden – das fördert das Vertrauen in die Wissenschaft nicht.

Die Hohenloher finden kreative Lösungen, um ein gewisses Maß an Normalität in der Freizeit wiederherzustellen: Autokino, Autokonzert, eine Klopapier-Challenge, Outdoor-Konzerte. Gleichzeitig werden Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Corona-Maßnahmen lauter. Der Einzelhandel stellt sich um und beliefert seine Kunden an der Haustür. Auch die Urlaubspläne der Menschen ändern sich. Die Corona-Fallzahlen in Hohenlohe sind stabil, allerdings sind 40 Menschen bereits verstorben. Weiter werden in großem Stil  Masken genäht. Auch die Hohenloher Schulen öffnen für einzelne Klassenstufen. Ab dem 20. Mai führt das Robert-Koch-Institut im ehemaligen Hotspot Kupferzell eine Reihenuntersuchung zur Erforschung der Verbreitung des Virus durch.

Juni

Leere Eisdiele bei strahlendem Sonnenschein. Das hat einen traurigen Seltenheitswert. Foto: GSCHWÄTZ

An Pfingsten müssen Urlaubsgebiete gesperrt werden, so hoch ist der Andrang. Mit  einem  Konjunkturpaket der Bundesregierung zur Ankurbelung der Wirtschaft werden unter anderem der Kinderbonus und die zeitweise Absenkung der Mehrwertsteuer beschlossen. Die Lage auf den Intensivstationen entspannt sich – gegenüber dem Höchststand von 2.900 Patienten werden noch etwa 700 Patienten behandelt. Mehrere lokal beschränkte Ausbrüche, zum Beispiel in Schlachthöfen und Wohnsiedlungen führen zu lokalen Maßnahmen. Die Corona-Warn-App startet. Spanien beendet seinen 3-monatigen Lockdown nach 28.000 Toten. Aufgrund der lokalen Corona-Ausbrüche werden für die Urlaubszeit Einreisebeschränkungen für Menschen aus Risikolandkreisen beschlossen.

Am 10. Juni teilt Landrat Neth mit, dass es seit einer Woche im Hohenlohekreis keine Neuinfektionen mehr gegeben hat. Die Normalität scheint näherzurücken. Der Einzelhandel zieht eine erste Bilanz: Wesentlich weniger Kunden als vorher. Die Unsicherheit, wie es auch mit den Bundeshilfen weitergehen wird, bleibt aber. An der Kupferzeller RKI-Studie haben mehr als 2.000 Menschen teilgenommen – ein voller Erfolg. Am 19. Juni besucht Ministerpräsident Kretschmann den Hohenlohekreis und erläutert die Coronamassnahmen des Landes. Das neugestaltete Kocherfreibad in Künzelsau nimmt am 29. Juni verspätet seinen Betrieb mit einem Sicherheitskonzept auf, das Niedernhaller Freibad bleibt geschlossen. In Öhringen öffnen H2Ö und Fitnesspark. Der Sommer kann kommen.

Text: Matthias Lauterer