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Die Imker stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze und haben ein gutes Gefühl

Der Kontext Landwirtschaft und Imkerei ist voller Spannungen und polarisiert. In den Monaten vor Corona sei er von „dogmatischen und unkooperativen Interessensvertretern befeuert“ worden, die es nach den Aussagen der drei Fachleute am Feldrand mitten in Hohenlohe (siehe Foto) immer und überall gebe. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems hervor.

„Zum Glück ist der größte Teil der Imker und Landwirte vernünftig“

So hätten Aktionen wie “Pro Biene” „bestehende Vorurteile nicht abgebaut, sondern weiter bestärkt“. Die Landwirtschaft sei als “Räuber” dargestellt worden und die Imker als “Beschützer”. Riesige Fronten seien dadurch aufgebaut worden, die nach ihrer Meinung mit der gelebten Realität wenig zu tun haben. Denn da gehe es immer um Kompromisse. “Zum Glück ist der größte Teil der Imker vernünftig und der größte Teil der Landwirte auch”, schließt Imker Hans-Martin Syring, das Thema ab, welches vor rund neun Monaten viele Landwirte und Naturschützer bis nach Berlin und zur Kanzlerin bewegte.

„Wir sind anständig miteinander umgegangen“

Das es auch anders geht, weiß Gerd Schonder von der Betriebsgemeinschaft Hofgut Neuhof in Schöntal. “Unsere erste Begegnung war so, dass jeder von uns offen war und wir anständig miteinander umgegangen sind”, beschreibt Landwirt Gerd Schonder den Start der Zusammenarbeit zwischen ihm und zwei Imkern aus der nahe gelegenen Region westlich von Ludwigsburg. Daraus ist eine Wertegemeinschaft entstanden, die auf Vertrauen und Zusammenarbeit basiert. “Wir sind ein schönes Beispiel dafür, dass wir das zusammen gut hinbekommen und weiter gestalten können.“ Da sind sich der Landwirt und die Imker Hans-Martin Syling und Dieter Böhmer einig. Schon seit Jahren kommen die beiden mit ihren Bienen an die Feldflächen in Hohenlohe. Insbesondere der Raps sei für ihre Völker wichtig, da sie genau jetzt in einer wichtigen Phase der Entwicklung stünen.

Bienen fliegen total auf Raps – Kooperation zwischen Imkern und Landwirten

“Die Population des Bienenvolkes wächst in der Zeit der Winter- auf Sommersonnenwende rasant. Sie sammeln ihren Wintervorrat und brauchen sehr viel Nahrung. Da ist der Raps mit seiner üppigen Blütenpracht alternativlos,” bekräftigen die Imker. Wenn man weiß, was man tut, kann man ausschließen, daß Bienen Schaden nehmen. Die beiden Imker stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze mit so genannten Drop Leg Düsen und haben ein gutes Gefühl, heißt es in der Pressemitteilung des Bauernverbandes. Denn „sie vertrauen darauf, dass die gespritzten Mittel bei dieser neuen Technik direkt unterhalb der Blüten und nicht darauf dosiert werden“ – also da, wo die Pilze an den Pflanzen sitzen und die Bienen sowieso nicht sind. Das sei ein großer Vorteil und sei in den vergangenen drei Jahren als Projekt mit der Landesanstalt für Bienenkunde entwickelt und auch überprüft worden. Untersuchungen der Methode hätten ergeben, dass keinerlei Pflanzenschutzmittel im Honig nachgewiesen worden sei. “Wenn es nicht so wäre, würden wir Raps nicht anwandern, Da uns die Volksgesundheit der Bienen wichtig ist.”

Die beiden Imker stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze und haben ein gutes Gefühl

Vertrauen und Verlässlichkeit kennzeichnet nun mal unsere Zusammenarbeit“, betont Landwirt Gerd Schonder. Diese basiert auf Austausch und Annäherung, und auf der Überzeugung, dass man Wahrheiten irgendwann aushalten können muss. „Wir sitzen in einer Arche: als Landwirte bauen wir den Raps gern an. Die Imker schätzen ihn als Futter für ihre Bienen.“ Zusammen sehen sie sich als erfindungsreiche Problemlöser. Dafür ist die Region Hohenlohe schon lange sehr bekannt. „Wir von der BG Neuhof fühlen uns im normalen Ackerbau der Umwelt verpflichtet und empfinden die Hybrid-Landwirtschaft als sinnvollen Zwischenweg”. Damit meint Landwirt Gerd Schonder den Weg zwischen konventioneller und Bio-Landwirtschaft. Er wünscht sich, dass beide Seiten vernünftig miteinander umgehen und reden. Schließlich haben die Landwirte und die Imker ein Ziel: gesunde regionale Lebensmittel zu erzeugen. Dafür arbeiten sie immer wieder an Kompromissen und mit neuen Techniken. Der Zugang zur Imkerei beispielsweise, der dadurch möglich wird, gibt Schonder ein rundum gutes Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Die beiden Imker wiederum freuen sich immer über Ansprechpartner für neue Blühflächen. Sie beobachten, dass der Wechsel der Stellflächen für ihre Bienen, bei den Imkern die Anwanderung genannt, den Völkern gut tut. “Das beschäftigt das Bienenvolk, regt es an und schafft gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit”, weiß Imker Dieter Böhmer. “Glauben sie mir: ich kenne jede Königin in jedem Kasten. Deshalb ist Vertrauen für mich so wichtig. Ich freue mich über dieses wunderbarer Frühjahr für unsere Bienen!”

Betriebsgemeinschaft Hofgut Neuhof in Schöntal

Service: Betriebsgemeinschaft Hofgut Neuhof in Schöntal / Hohenlohe: 13 Landwirtsbetriebe im westlichen Hohenlohe haben sich seit dem Jahr 2002 zu einer Einheit zusammengeschlossen. Sie bauen neben Raps alle heimischen Getreidearten, Zuckerrüben, Mais und Soja-und Ackerbohnen an. Legehennen ergänzen die Arbeit der jeweiligen Betriebsleiter.

Die  Imker stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze und haben ein gutes Gefühl. Sie kooperien mit Landwirten der Betriebsgemeinschaft Hofgut Neuhof in Schöntal. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems

 

 




Öhringen: Bienenzuchtverein sucht Paten für Blühwiese

Nicht nur Öhringen soll weiterblühen, sondern ganz Hohenlohe soll sich auch im Bereich des Natur- und Umweltschutzes weiterhin positiv entwickeln. Daher legen laut einer Pressemitteilung der Öhringer Bienenzuchtverein und der Hohenloher Landwirt Thomas Karle auf einer Fläche von 1,5 Hektar am Ortseingang von Großhirschbach eine Blühwiese zum Schutz der Insekten und der Artenvielfalt an.

Dabei können sich Blühpaten aktiv einbringen und für die Dauer von zwei Jahren eine Blühpatenschaft erwerben. Mit einem Beitrag von 2,50 Euro pro Monat (60 Euro für zwei Jahre) können einzelne Personen, Familien oder Unternehmen jeweils eine Fläche von rund 240 Quadratmetern zum Blühen bringen. Kleine Schilder weisen darauf hin, wer die jeweilige Blühfläche ermöglicht hat. Jeder Pate trägt dazu bei, die Hohenloher Natur farbenfroher und abwechslungsreicher zu gestalten und einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen den Lebensraum zu erhalten.

Thomas Karle legt die Blühwiese an und betreut sie. Die Blühpaten werden von ihm und dem Bienenzuchtverein Öhringen regelmäßig über die Entwicklung der Blühwiese informiert. Imker stellen Bienenvölker am Rande der Wiese auf und überreichen jedem Blühpaten pro Jahr ein 500 Gramm-Glas leckeren Blühwiesen-Honig als Dankeschön für das Engagement. Wer zusätzlich noch selbst mit anpacken möchte, kann für zehn Euro Aufpreis auf seiner Blühpatenfläche einen Randstreifen von rund 25 Quadratmetern selbst bewirtschaften, um eigene Kräuter, Blumen oder Gemüse anzubauen.

„Gerne unterstützen wir die Initiative des Öhringer Bienenzuchtvereins bei der Bewerbung der Blühpaten, denn gerade in der aktuellen Corona-Zeit ist ein solches Zukunftsprojekt ein ganz wichtiges und positives Signal“, freut sich Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler in der Mitteilung. Ansprechpartnerin für das Projekt ist Susanne Schweizer vom Bienenzuchtverein Hohenlohe-Öhringen. Sie ist per E-Mail susanne@schweizer-cappel.de oder unter Telefon 0176/210 68 366 zu erreichen. Weitere Informationen gibt es unter  http://www.imker-oehringen.de. Bewerbungen für Patenschaften sind bei Susanne Schweizer bis Freitag, den 15. Mai 2020, möglich, da nach diesem Datum die Einsaat erfolgen sollte.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Öhringen und des Bienenzuchtvereins Hohenlohe-Öhringen




Familie Franz möchte rund 5.000qm-Fläche zum Schlaraffenland für Bienen, Hummeln & Schmetterlinge umwandeln

In Ochsental soll es laut einer Pressemitteilung ab Juni summen und brummen. Ein 4.700 Quadratmeter großes Feld wird zum Schlaraffenland für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten. Dafür sorgt die Landwirtsfamilie Franz vom Hoflädle Ochsental in Mulfingen mit ihrem Blühpaten-Projekt. Kunden des Hofladens fördern die Bienenweide. „Es war uns schon immer ein Anliegen, Qualität statt Masse zu produzieren“, erklärt Simone Franz in der Mitteilung, „deshalb setzen wir uns ein für gute Böden, für Nachhaltigkeit und Artenvielfalt.“ Mit dem Blühpaten-Projekt will Familie Franz die Verbraucher nun mit ins Boot holen, denn viele möchten etwas für die Bienen tun. Insekten sind ein wichtiger Faktor für das Gleichgewicht des Ökosystems. Dass die Bestände von Fluginsekten und Vögeln in den vergangenen 30 Jahren um drei Viertel zurückgegangen sind, macht den Menschen Sorge, denn wir sind darauf angewiesen, dass sie unsere Nutz- und Nahrungspflanzen bestäuben.

„Wir wollen kein Wachstum um jeden Preis.“

Familie Franz züchtet als Mitglied der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall in Ochsental das Schwäbisch-Hällische Landschwein und vermarktet Fleisch und Wurst im eigenen Hofladen. Das Futter für ihre Tiere bauen sie weitestgehend selbst an und achten darauf, die Böden nicht auszulaugen, sondern vital und humusreich zu halten. „Wir denken in Kreisläufen, vom gesunden Boden über gesunde Pflanzen zu hochwertigen Lebensmitteln. Deshalb arbeiten wir schon lange ohne Fungizide auf unseren Feldern“, versichert Rainer Franz. „Dass wir unseren Hof jetzt auf Bio-Anbau umgestellt haben, war für uns die logische Konsequenz. Wir wollen kein Wachstum um jeden Preis, sondern ein Wirtschaften, das unsere Lebensgrundlage erhält.“

Blühpaten gesucht

Noch im April sät der Landwirtschaftsmeister eine Bio-Blühmischung mit Klatschmohn, Sonnenblume, Kornblume, Inkarnatklee und verschiedenen Kräutern auf der Bienenweide aus. Von Juni bis September wird der Tisch für die Insekten dort reich gedeckt sein. Das Blühpaten-Feld befindet sich am Ortsausgang Richtung Mulfingen, die Sponsoren werden dort und auf der Hoflädle-Website auf Wunsch namentlich genannt. Den finanziellen Aufwand für die Bienenweide tragen die Blühpaten. Auch Unternehmen können sich als Sponsoren beteiligen. Kurzentschlossene, die das Projekt in Ochsental noch unterstützen oder eine Blühpatenschaft an Freunde verschenken möchten, können sich bis Ende April bei Familie Franz melden unter Telefon 07938/72 25, per Mail an info@hoflaedle-ochsental.de oder über http://www.hoflaedle-ochsental.de.

Quelle: Pressemitteilung des Hoflädle Ochsental

Die Bienen sind vom Aussterben bedroht. Foto: unsplash/Aaron Burden




Hohenlohe: Rettet die Bienen – oder doch nicht?

Volksbegehren lässt Weinerzeuger um ihre Zukunft bangen, am Ende schreitet Stuttgart ein und macht kurzen Prozess.

Viele Bienen-Arten sind vom Aussterben bedroht. Daher haben nun Bienenfreunde ein Volksbegehren mit dem Titel „Rettet die Bienen“ gestartet. Bis zum 23. März 2020 benötigen sie Unterschriften von zehn Prozent der Wahlberechtigten in Baden-Württemberg, also zirka 770.000, damit es das Volksbegehren zur Diskussion in den Stuttgarter Landtag schafft.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ fordert vier Dinge: „Die Landesregierung soll den Öko-Landbau so fördern, dass bis 2035 die Hälfte der Flächen in Baden-Württemberg ökologisch bewirtschaftet werden. Zudem soll sie Landwirte dabei fördern, ab 2025 nur noch halb so viele Flächen wie heute mit chemisch-synthetischen Pestiziden zu bearbeiten. Darüber hinaus sollen künftig Streuobstflächen nicht mehr so einfach für Baugebiete gerodet werden und in Schutzgebieten soll es ein Verbot geben, gefährliche Pestizide wie etwa Glyphosat auszubringen. Das ist nämlich heute noch erlaubt“, erklärt Sven Prange, Koordinator des Volksbegehrens Artenschutz.
Auf der Internetseite des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ Baden-Württemberg ist zu lesen, dass 71 Prozent der von Menschen verzehrten Lebensmittel von Bienen bestäubt werden. In Baden-Württemberg stünden insgesamt die Hälfte der 460 Wildbienenarten, die hier vorkommen, auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten. Weltweit seien etwa eine Million Tier- und Pfanzenarten bedroht.

Massive Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Helmut Bleher, Geschäftsführer des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V., sieht das Volksbegehren dennoch mehr als kritisch: „Das Volksbegehren hat das Ziel, die Artenvielfalt zu fördern. Exemplarisch dafür wird die beliebte ‚Biene‘ als Symbol benutzt. Hinter dem Ziel, die Arten und die Natur zu fördern und zu schützen, stehen wir als Bauernverband uneingeschränkt. Leider ist das Volksbegehren von Menschen verfasst worden, die keinen landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Diese haben als Gesetzentwurf zum Beispiel das Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Landschaftsschutzgebieten aufgenommen, dazu deren Reduzierung auf die Hälfte der landwirtschaftich genutzten Fläche. Außerdem soll die Biolandwirtschaft auf 50 Prozent der Nutzfläche ausgedehnt werden.“

Das habe wiederum massive Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Besonders die Weinerzeuger sorgen sich um ihre Zukunft. Auf einem Flyer der Hohenloher Weinerzeuger heißt es: „Nach Inkrafttreten der angestrebten Gesetzesänderung des Volksbegehrens dürfen wir auf der Hälfte der Weinberge im Hohenlohekreis die Reben nicht mehr vor Krankheiten schützen.“ Dies sei jedoch unumgänglich. Ohne diesen Pflanzenschutz sei kein Weinbau und kein regionaler Wein mehr möglich. Eberhard Brand, Geschäftsführer der Fürstenfass Weinkellerei Hohenlohe eG, weist darauf hin, dass sämtliche Pflanzenschutzmittel pauschal als „Pestizide“ bezeichnet werden – was aber falsch sei.

Auch im Bio-Landbau geht es nicht ohne Pflanzenschutzmittel

„Pestizide sind Gifte zur Schädlingsbekämpfung, die im Weinbau kaum noch zum Einsatz kommen. Das Problem ist eben, dass mit dem Verbot auch sämtliche Fungizide betroffen wären. Fungizide werden gegen pflanzliche Pilzkrankheiten wie zum Beispiel Mehltau eingesetzt. Befallene Früchte sind unbrauchbar und die Pflanzen gehen über kurz oder lang ein. Auch im biologischen Anbau geht es im Übrigen nicht ohne Pflanzenschutzmittel“, betont Brand.

Die Landwirte müssen, so Bleher vom Bauernverband, ihre Pflanzen und Früchte vor Schädlingen schützen, sonst verfaulen diese oder werden von Raupen und Fliegen gefressen. Somit gäbe es diese Früchte bei der Ernte nicht mehr. Dieses Risiko könne kein Landwirt eingehen. „Er wird deshalb gezwungen, den Anbau einzustellen, denn es macht ja keinen Sinn, eine Kultur ein ganzes Jahr zu hegen und zu pflegen, um dann zuzuschauen, wie Pilze, Fäulnis und Getier alles hinwegfressen. Denken Sie einfach an die Schnecken im Garten: Wenn Sie den Salat nicht schützen dürfen, gibt es keinen mehr“, schildert Bleher.

„Es gibt keinen Grund für Ängste“

‚Rettet die Bienen‘-Vertreter prangern jedoch an, dass das Volksbegehren Pflanzenschutzmittel auch nicht verbieten wolle. Lediglich innerhalb von Schutzgebieten würde es künftig eine bessere Regulierung geben. Dort können Landwirte zum Beispiel nach den Prinzipien des Öko-Landbaus arbeiten. Prange weiter: „Wir verstehen, dass angesichts der Angstkampagne der konventionellen Bauernverbände einzelne Landwirte Ängste haben. Aber dafür gibt es keinen Grund. Es wird überall, wo heute Weinbau möglich ist, auch nach einem erfolgreichen Volksbegehren Weinbau geben. Öko-Winzer haben vom Volksbegehren so gut wie gar nichts zu befürchten. Und für konventionelle Winzer wird es pragmatische Lösungen in den Schutzgebieten geben. Wer seinen Weinberg außerhalb von Schutzgebieten hat, ist ohnehin durch das Volksbegehren von keinem Verbot betroffen.“

Auch die Verbraucher sind betroffen

Konsequenzen werde das Gesetz aber vor allem für die Verbraucher haben, wie Bleher befürchtet. Er sagt, dass wenn die regionalen Lebensmittel nicht mehr geerntet werden, kommen Produkte aus China, Spanien, Brasilien und der Ukraine. „Diese finden sich übrigens heute schon vielfach in unseren Regalen. Momentan sind unsere Produkte noch vorhanden – was passiert, wenn dies nicht mehr so ist oder unsere Erzeugnisse viel zu teuer wären?“

In Bayern ist seit dem 01. August 2019 das Volksbegehren ‚Rettet die Bienen‘-Gesetz. Jedoch unterscheidet sich dieses vom baden-württembergischen Volksbegehren. Prange erklärt: „Unsere Ziele für den Ausbau der Öko-Landwirtschaft sind etwas ambitionierter, weil der Bereich in Baden-Württemberg schon besser entwickelt ist und uns da entsprechend mehr möglich scheint. Zudem fordern wir, dass auch Landwirte in Schutzgebieten vorsichtiger mit Pflanzenschutzmitteln umgehen müssen. Das war in Bayern nicht der Fall. Allerdings ist das Artensterben in Baden-Württemberg auch in Schutzgebieten so dramatisch, dass wir da entsprechenden Handlungsbedarf sehen.“

Gewässerrandstreifen verpflichtend in Baden-Württemberg

Bleher wiederum sagt, dass das bayerische Volksbegehren jetzt erst in Bayern die rechtliche Lage einführt, die in Baden-Württemberg schon lange gelte. Baden-Württemberg habe seit vielen Jahren Gewässerrandstreifen verpflichtend eingeführt. Bedauerlich sei, dass die Initiatoren des Volksbegehrens in Baden-Württemberg diesen natürlichen Status nicht sehen, sondern „aus Aktionismus die Schrauben überdrehen und gefährliche und die Landwirtschaft bedrohende Maßnahmen drauf satteln“. Im Grunde hätten, so Bleher die baden-württembergischen Naturschutzverbände öffentlich erklären müssen, dass – nicht zuletzt auch aufgrund ihrer eigenen Arbeit – in Baden-Württemberg – hervorragende Verhältnisse herrschen.

Alle Insekten müssen gefördert werden

Bleher ist sich klar, dass die Bienen mit allen wichtigen Insekten nicht nur gerettet, sondern gefördert werden müssen. Aber „die Vorschläge von proBiene führen dazu, dass die Vielfalt der Natur durch den Wegfall der heimischen Kulturen leidet. Es wird dann keine blühenden Obstbäume oder Ackerrandstreifen, sondern Büsche und verödete Wiesen ohne diese natürliche Vielfalt geben. Wenn wir das Volksbegehren verhindern und zusammen mit der Landwirtschaft auf dem bisher beschrittenen gemeinsamen guten Weg weiter gehen, retten wir nicht nur die Bienen, sondern unsere gesamte Natur. Wir haben gerade in Baden-Württemberg und Hohenlohe in den letzten Jahren begonnen, Blühstreifen, Ackerrandstreifen, Lerchenfenster und ökologische Rückzugsräume im Kontext mit dem Naturschutz zu schaffen.“

Keine Aktionen bis Mitte Dezember

Auf der Internetseite des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ heißt es aktuell: „Nun haben wir uns in der Breite unseres Trägerkreises […] entschieden, die Mobilisierung vorerst und vermutlich bis Mitte Dezember nicht aktiv weiter zu treiben. Das Volksbegehren ist damit nicht zu Ende, es ruht. […] Die Landesregierung hat uns dazu ein Eckpunkte-Papier vorgelegt, das viele unserer Forderungen aufgreift und zum Teil auch neue Vorhaben zum Artenschutz vorschlägt.“

Manche Bienen-Arten sind vom Aussterben bedroht. Foto: unsplash/Aaron Burden