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Mehr Geld für Krankenhaus- und Altenheim-Mitarbeiter

Die BBT-Gruppe hat sich mit ver.di in den Tarifgeprächen um die Gehälter der Mitarbeiter des Hohenloher Krankenhauses (HK) und der Hohenloher Seniorenbetreuung (HSB) geeinigt. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der BBT-Gruppe und ver.di vom 07. Dezember 2018 hervor.

Danach erhalten die Mitarbeiter eine stufenweise Erhöhung ihrer Gehälter. Bis Ende 2020 sollen die Gehälter dann für alle Mitarbeiter komplett an die Tabellenentgelte des TVöD (Tarivertrag des öffentlichen Dienstes) angepasst sein. „Die stufenweise Anpassung der Tabellenentgelte berücksichtigt die wirtschaftliche Entwicklung von HK und der HSB, denn die zusätzlichen Personalausgaben müssen auch von uns erwirtschaftet werden“, unterstreicht Thomas Weber, Regionalleiter der BBT-Gruppe . „Durchschnittlich steigen Löhne und Gehälter nach der jetzigen Vereinbarung um rund 5% pro Jahr – eine Steigerung, die deutlich über den Mitteln liegt, die über den Landesbasisfallwert erstattet werden.“

Die Mehrkosten müssen nun erstmal erwirtschaftet werden

Auch für den Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Ehmann ist die stufenweise Anpassung der Tabellenentgelte bis Dezember 2020 ein schwerer Brocken. „Wir haben diesen Stufenplan schweren Herzens akzeptiert, weil wir uns als Betriebsrat auch mitverantwortlich für die Zukunft des Unternehmens fühlen. Die stufenweise Anpassung der Tabellenentgelte, die wir jetzt erreicht haben, zeichnet einen verlässlichen Weg auf und benennt klar die verschiedenen Etappen bis das Tabellenentgelt ab 1. Dezember 2020 komplett angepasst sein wird. Das ist für jeden einzelnen Mitarbeiter berechenbar und nachvollziehbar.“

„Enttäuschung gegenüber den Verantwortlichen in der Vergangenheit ist groß“

Ver.di-Verhandlungsführer Arne Gailing lobt die Einigung, kritisiert jedoch auch die früheren Verantwortlichen der HK und HSB: „Wir hätten es natürlich gerne gesehen, dass am 01. April 2018 wieder nach TVöD bezahlt wird. Dieses Ziel hatten wir mit unserem letzten Verhandlungspartner vereinbart. Leider blieben die dazugehörigen Maßnahmen, um die wirtschaftliche Situation der Häuser in einen positiven Bereich zu bringen aus. Die Enttäuschung gegenüber den Verantwortlichen in der Vergangenheit ist groß, da sie nicht die entsprechenden Weichen gestellt haben.“ so Gailing. „Erst nach längerer Abwägung, Diskussion und Rücksprache mit unseren Mitgliedern und der Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer haben wir uns erneut auf Verhandlungen zur stufenweisen Annäherung an den TVöD eingelassen. Wir halten das jetzige Ergebnis für einen guten Kompromiss, der klar in die Zukunft der Unternehmen und deren Beschäftigte gerichtet ist, und wir sind froh, dass in einem überschaubaren Zeitraum der TVöD wieder vollständig Anwendung findet und erleichtert, dass es eine große Zustimmung zu diesem Ergebnis unter unseren Mitgliedern gibt.“




Aufstand im Altenheim Krautheim – Der Pflege-Skandal

// BBT-Gruppe verspricht Besserung

„Es tut mir so leid.“ Gertruds* Stimme zittert, wenn sie über ihren Beruf spricht. Sie ist ausgebrannt. „Die Zustände haben sich in den vergangenen Jahren merklich verschlechtert“, sagt sie. Sie hat das Gefühl, sie wird ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht – den alten Menschen nicht mehr gerecht. Seit einigen Jahren arbeitet sie im Altenheim in Krautheim. Was sie sagt, geht einem auch als Unbeteiligter unter die Haut.

Altenpflegerin Gertrud: „Die Patienten schreien“

„Die Patienten schreien im wahrsten Sinn nach Liebe“, berichtet sie. Doch dafür, für Umarmungen, für Gespräche bleibe keine Zeit. Im Gegenteil: „Wenn demenzkranke Patienten schreien, werden sie einfach kurzerhand auf ihr Zimmer geschoben und die Tür zugemacht.“ Das zumindest berichtet eine Angehörige, Anneliese Riegler aus Krautheim, die ihre Mutter in dem Heim hat. Gertrud bestätigt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage dieses Vorgehen und erklärt: „Durch das Schreien werden andere Patienten gestört.“ Die Mitarbeiter wiederum hätten gar nicht die Zeit, sich um
die Patienten zu kümmern. „Man kann seinen Job gar nicht mehr richtig machen“, sagt Gertrud. Viele, die herumschreien, seien demenzkrank. „Die bräuchten eigentlich eine Eins-zu-Eins-Betreuung. Dies jedoch könne das kleine Team gar nicht leisten.

Krautheim liegt im idyllischen Jagsttal. (Hier zu sehen: Die Burg.) Doch die Idylle trügt. Foto: GSCHWÄTZ

Zwei Mitarbeiter für über 20 Senioren

Früher hätten sie mehrere Azubis gehabt, jetzt sei nur noch ein Lehrling da, eine Azubine, die gerade 16 Jahre geworden sei und bereits voll mitarbeiten müsse, berichtet Gertrud. Im Altenheim in Krautheim, das zur Hohenlohe Krankenhaus gGmbH und damit wiederum zur BBT-Gruppe gehört (staatlich/kirchliche Trägerschaft), gibt es rund 45 Plätze – verteilt auf zwei Stockwerke, so Getrud. Zwei bis drei Mitarbeiter (darunter Minijobber und Teilzeitkräfte) kümmern sich laut Gertrud und Anneliese Riegler um jeweils ein Stockwerk mit teilweise über 20 Patienten. Manchmal,
berichtet Riegler, „bleibt keine Zeit, um die Heimbewohner zu duschen, dann gibt’s Katzenwäsche“.

300 bis 400 Überstunden

Viele der Mitarbeiter seien an ihr Leistungslimit gekommen, seien krank, überarbeitet, hätten gekündigt oder häufen bis zu 300 oder 400 Überstunden an. Neue Mitarbeiter werden immer seltener eingestellt, weil „die eben auch nicht einfach so von den Bäumen hüpfen“, erst recht nicht, wenn man bedenkt, wie viel eine Teilzeitkraft im Pflegebereich verdient (um die 1.000 Euro
brutto). Unter diesen Bedingungen „kann man seinen Job nicht mehr richtig machen“. Das ist es, was Gertrud am meisten belastet.

Im März 2018 wenden sich die Angehörigen der Heimbewohner in einem Beschwerdebrief an den kaufmännischen Direktor, an Herbert Trudel. Dieses Schreiben liegt GSCHWÄTZ vor. Darin heißt es unter anderem: „Wir zahlen einen nicht unerheblichen Beitrag dafür, damit sie [unsere Angehörigen] gut versorgt sind. […] Wir haben in zehn Jahren viele Heimleitungen kommen
und gehen sehen. […] Das Pflegepersonal (mit Doppelschichten) ist an ihre Grenzen gekommen. […] Es wird immer mehr an Personal gespart“, obwohl die Bewohner teilweise in höhere Pflegegrade eingestuft werden und dadurch auch mehr Pflege benötigen. „Seit Wochen sehen wir oft nur eine Person in der Küche“, die für alle Heimbewohner das Essen zubereiten solle. Riegler und auch Mitarbeiterin Gertrud berichten unabhängig voneinander gegenüber GSCHWÄTZ, dass sich auch das Essen an sich verschlechtert habe, dass die Heimbewohner teilweise dünne Suppen bekämen. Frisches Brot beim örtlichen Bäcker kaufe die neue Heimleitung nicht mehr ein, sondern stattdessen Essen bei günstigen Supermarktketten. „Es wird an allen Ecken und Enden gespart“, lautet das Fazit auch von Mitarbeiterin Gertrud.

Mitarbeiter, Angehörige und Heimbewohner gehen auf die Barrikaden. Foto: unsplash

Angehörige: „Seit Wochen sehen wir oft nur eine Person in der Küche“

Herbert Trudel antwortet nur wenige Tage später. Trudels Schreiben liegt der Redaktion GSCHWÄTZ ebenfalls vor. Darin heißt es: „Betroffen haben Herr Mächtlen und ich Ihre Beschwerde […] zur Kenntnis genommen.“ Trudel verweist darauf, diese Beschwerden bei der nächsten Angehörigenversammlung am 11. April 2018 anzusprechen. Riegler wiederum teilte GSCHWÄTZ mit, dass es auch nach dieser Versammlung zu keinerlei Verbesserung gekommen sei. Im Gegenteil. „Der Zustand hat sich verschlechtert. Das Personal ist ständig unterbesetzt. Gutes Personal hat gekündigt.“ Ein weiteres Ärgernis: „Die Räume sind dreckig und schmutzig“, erzählt Anneliese Riegler. Eine externe Firma sei für die Reinigung der Räume zuständig. Aber vermutlich werde auch hier gespart.

Rund 3.000 Euro für einen Platz im Altenheim

Rund 3.000 Euro zahlen Angehörige im Schnitt für einen Heimplatz in Krautheim. Sind alle 45 Plätze in Krautheim belegt, wären das monatliche Umsätze von 135.000 Euro. Nun sollen die Pflege-Entgelte nochmal angehoben werden, wie Einrichtungsleiter Maximilian Mächtlen in einem Schreiben an die Angehörigen der Heimbewohner ankündigte. Hierzu lud er alle Angehörigen
zum nächsten Angehörigentreffen ein. Am 24. September 2018 war es soweit. An diesem Abend entlud sich, was sich über Monate und teilweise Jahre angestaut hatte.

An diesem Abend entlud sich, was sich über Monate und teilweise Jahre angestaut hatte

17 Menschen waren zur Versammlung gekommen, darunter drei Heimbewohner. Rund die Hälfte meldete sich zu Wort und beschwerte sich bei Trudel und Mächtlen. Die Vorwürfe reihten sich wie Perlen aneinander. Fünf „gute“ Pflegekräfte hätten gekündigt. Zwei Hilfskräfte aus Mazedonien, die fast kein Deutsch können, seien stattdessen eingestellt worden. Das Essen lies angesichts vieler Heimbewohner, die sowieso schon Probleme mit dem Magen hatten, zu wünschen übrig. Von übersäuertem Ochsenmaulsalat war die Rede und Vollkornbrot, das viele schlicht nicht mehr
essen könnten. Und überhaupt: Das Personal habe zu wenig Zeit, um die Menschen nach Bedarf zu füttern. Die Jalousien würden nicht repariert werden, so dass die Heimbewohner teils im Dunkeln sitzen müssten.

Alte sitzen im Dunkeln, Mitarbeiter haben nur noch Zeit für Katzenwäsche

Und: Es fehle eine offene, transparente, kritische Kommunikation über all diese Misstände. Jemand sprach von „Betrug“ angesichts der Tatsache, dass die Heimbewohner beziehungsweise
die Angehörigen nun auch noch mehrere hundert Euro mehr für den Heimplatz bezahlen müssen. Wohin fließe das Geld?, wollte jemand wissen. Trudel und Mächtlen verwiesen indes darauf, dass ab dem 01. Oktober 2018 zwei neue Pflegekräfte kommen würden und zusätzlich eine Nachtwache. Aber der vorgegebene Stellenschlüssel müsse eingehalten werden. Mächtlen verwies auf die Vorgaben der Kranken- und Sozialkassen. In einem halben Jahr wollen sie zum nächsten Angehörigentreffen einladen. Ein Heimbewohner im Rollstuhl schüttelte nur frustriert den Kopf und meinte: „Hier wird doch sowieso nur geredet, aber nichts kommt heraus.“ – „So schaffen wir das nicht“, meinte eine andere Stimme. Seit dem letzten Treffen, überhaupt die letzten Jahre, habe sich nichts verbessert, kritisierte eine weitere Stimme. Jahrelang seien diese Missstände schon vorgetragen worden. Doch nichts sei passiert. Im Gegenteil.

Mitarbeiter haben teilweise keine Zeit mehr, die Heimbewohner zu duschen. Dann gibt es Katzenwäsche. Foto: adobe stock

GSCHWÄTZ die BBT-Gruppe als Mehrheitseigner der Hohenloher Seniorenheime um eine Stellungnahme gebeten. Der BBT-Gruppe äusserte sich nicht überrascht und betont, dass bereits erste Schritte zur Verbesserung der Situation eingeleitet wurden:

BBT-Gruppe stimmt zu: „Es gibt Handlungsbedarf“

„Bereits kurz nach Übernahme der Verantwortung für die Seniorenheime der Hohenloher Seniorenbetreuung (HSB) haben wir uns intensiv mit der Situation dort beschäftigt.  Von Mitte Juni bis Mitte Juli fanden in allen stationären Senioreneinrichtungen interne Audits statt. Dabei wurden intensive Gespräche mit den Einrichtungsleitungen, Wohnbereichsleitungen und PDL über die Infrastruktur der Gebäude, über die Personalsituation sowie die aktuellen Berichte der Heimaufsicht und des MDK geführt. Auf der Grundlage dieser Audits haben wir Konzepte für die Weiterentwicklung der Senioreneinrichtungen erstellt, die gemeinsame Standards zur Qualitätssicherung, zu Personalmanagement und Personalentwicklung beinhalten. Wir sind nun dabei, diese Konzepte Schritt für Schritt umzusetzen und haben bereits erste Sofortmaßnahmen eingeleitet“, beschreibt BBT-Regionalleiter Thomas Wigant die Situation. „Das ist allerdings ein kontinuierlicher Prozess, der nicht immer sofort nach außen sichtbar ist. Im Altenheim  Krautheim stehen wir vor einigen besonderen Herausforderungen, es gibt Handlungsbedarf und wir haben bereits damit begonnen, uns dem zu stellen.“

Zu wenig Personal in der Pflege

Die BBT-Gruppe verweist auf die derzeit deutschlandweite Situation, dass Pflegepersonal überall Mangelware sei.

„Gut ausgebildetes Pflegepersonal ist nach unserer Ansicht für eine gute Pflege in unseren Senioreneinrichtungen unverzichtbar. Bundesweit fehlen allein in der Altenpflege mehrere tausend Fachkräfte und gerade in ländlichen Regionen ist es schwierig, ausreichend Pflegefachkräfte zu finden. Dabei stehen wir vor der Herausforderung, dass die Suche nach qualifiziertem Pflegepersonal in den Einrichtungen der HSB durch die Löhne nach einem niedrigeren Haustarif in den vergangenen Jahren zusätzlich erschwert wurde. Dieser Herausforderung stellen wir uns – gerade auch im Sinne einer guten Versorgung für unsere Bewohner.  Zurzeit führen wir Tarifgespräche mit der Gewerkschaft verdi und dem Betriebsrat, die eine schrittweise Annäherung an den Tarif des öffentlichen Dienstes und damit eine Rückkehr in den Flächentarif zum Ziel haben. Diese Gespräche stehen jetzt kurz vor einem Abschluss“, so der Regionalleiter der BBT-Gruppe Thomas Weber. „Wichtiges Anliegen ist es dabei für uns als Verantwortliche, einen guten Ausgleich zu finden zwischen  – einerseits – unserer erklärten Absicht, die Löhne und Gehälter für unsere Mitarbeiter künftig schrittweise an den Tarif des TVÖD anzupassen und  – andererseits – die finanzielle Belastung für unsere Bewohnerinnen und Bewohner beziehungsweise deren Angehörige in Grenzen zu halten“, so Thomas Weber weiter. „Gute Pflege muss uns – auch als Gesellschaft insgesamt – etwas wert sein. Dieser Schritt ist für uns eine Grundlage sowohl für die künftige Gewinnung als auch die Bindung von qualifizierten Pflegenden, die bereits in unseren Einrichtungen arbeiten.“

„Dabei sind die vorgegeben Pflegeschlüssel orientiert an den Pflegegraden Bewohner für uns verbindlich und werden auch durch die Kostenträger und die Heimaufsicht extern kontrolliert“, unterstreicht der kaufmännische Direktor der HSB Herbert Trudel. „Im Altenheim Krautheim  waren im ersten Halbjahr 2018 – bei monatlichen Schwankungen – im Schnitt 0,3 VK mehr Pflegepersonal beschäftigt, als vom vereinbarten Pflegeschlüssel verlangt. Dabei gab es allerdings auch Personalwechsel. Fünf Mitarbeiter haben uns verlassen. Dafür wurden sechs Mitarbeiter neu eingestellt, darunter zwei ausgebildete mazedonische Pflegekräfte mit Sprachniveau B2, die mit wöchentlichem Sprachunterricht unterstützt werden, um ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbessern.“

BBT-Gruppe verspricht, Jalousien zu reparieren und gesteht Mängel in der Sauberkeit der Räume ein

„In einigen – auch von Ihnen angeführten – Fällen haben wir im Altenheim Krautheim bereits Sofortmaßnahmen eingeleitet: Tatsächlich war die Qualität der Reinigungsfirma auch aus unserer Sicht nicht ausreichend. Nachdem unsere Interventionen bei der Firma nicht die gewünschten Besserungen erzielten, werden wir in Kürze die Gebäudereinigung wieder selbst übernehmen. Auch die Reparatur der Jalousien in einigen Zimmern hat in dieser Woche bereits begonnen“, heißt es in der Antwort auf unsere Presseanfrage. In einem Punkt jedoch betont BBT, dass es keine Mängel gab:

„Den Vorwurf, am Essen zu sparen, weisen wir entschieden zurück. Das Essen stellt aus unserer Sicht für unsere Bewohner einen wesentlichen Bestandteil der Lebensqualität dar“, so der kaufmännische Direktor der HSB Herbert Trudel weiter. „Die Speiseplanung erfolgt  durch unsere qualifizierte Hauswirtschaftsleiterin nach ernährungswissenschaftlichen  Gesichtspunkten und den Bewohnerbedürfnissen und -wünschen. Es gibt daher keine ‚dünnen Suppen‘. Sicher schmecken nicht immer alle Speisen jedem Bewohner. Wir versuchen daher soweit es geht, auch den individuellen Essenswünschen nachzukommen. Deshalb ist es auch wichtig. etwa beim Brot abwechselnde Angebote zu machen, ob von örtlichen Bäckereien oder von anderen Lieferanten. Generell legen wir Wert darauf, unsere Lebensmittel (zum Beispiel Brot, Wurst, Säfte) auch von örtlichen und regionalen Lieferanten zu  beziehen.“

BBT: „Den Vorwurf, beim Essen zu sparen, weisen wir entschieden zurück“

„Wir nehmen alle von den Angehörigen genannten Hinweise sehr ernst und beziehen sie gezielt in unser Qualitätsmanagement mit ein“, betont Regionalleiter Thomas Wigant. „Rückmeldungen der Bewohner und Angehörigen – am besten im direkten Gespräch mit den zuständigen Verantwortlichen in den Senioreneinrichtungen – sind wichtig, damit wir konkrete Maßnahmen zu einer weiteren Verbesserung einleiten können. Daran arbeiten wir und wir setzen dabei auf einen guten Dialog mit unseren Bewohnern und deren Angehörigen.

Kaum einer glaubt noch an eine Verbesserung, es werde nur immer schlechter, schlagen Angehörige, Heimbewohner und Mitarbeiter Alarm

Der Frust und die Enttäuschung sind groß in Krautheim, denn kaum glaubt an eine Verbesserung der Situation, viele Mitarbeiter, aber auch Angehörige sind am Ende ihrer
Kräfte. „Wir alle sind alle fix und fertig“, sagte Anneliese Riegler gegenüber GSCHWÄTZ.

 

BBT-Gruppe bleibt Frage nach den Gehältern der Geschäftsführung offen

Die BBT-Gruppe hat der Redaktion GSCHWÄTZ  in kürzester Zeit umfassend und auch selbstkritisch geantwortet. Die einzige Frage, die sie offen lies, war die Frage, wie viel die Geschäftsführung verdient.

Wieviel verdient die Geschäftsführung? Foto: adobe unstock

Altenheime in Hohenlohe

Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK) führt laut dem Geschäftsbericht von 2016 zwei Altenheime. Die Hohenloher Seniorenbetreuung gGmbH (HS) führt sechs weitere Seniorenzentren im
Landkreis. Die HS ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der HK. Laut dem Geschäftsbericht 2016 erwirtschafteten die Altenheime in Öhringen und Krautheim einen Überschuss von 129.000 Euro. Vergleichbare Zahlen zu den anderen Altenheimen, wie etwa Krautheim, werden in dem Bericht nicht einzeln aufgeführt. In diesem Geschäftsbericht verwies der damalige Geschäftsführer Jürgen Schopf auf die schlechte finanzielle Entwicklung der HK insgesamt und die Entscheidung des Kreistages, Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds zu beantragen.
Die Annahme der Mittel ging später mit der Schließung des Krankenhausstandortes in Künzelsau einher.

 

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// Mehr wissen // Wir lieben unser Ländle //

 

 




Neth // „Wir werden Künzelsau finanziell unterstützen“

„Kann ein Kreistag so mit Steuergeldern umgehen?“, fragt der Sprecher der Bürgerinitiative des Hohenloher Krankenhauses (BI), Dr. Andreas Eckle, gleich zu Beginn der Pressekonferenz der BI am Donnerstag, den 29. März 2018, in Künzelsau. Das ist die zentrale Frage, die für die BI bleibt, nachdem die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile der HK übernehmen wird (wir berichteten) und der Standort Künzelsau in diesem Zuge 2022 geschlossen werden soll. Eckle: „Ich möchte, dass es öffentlich gemacht wird, was passiert ist. Wir möchten Aufklärung, wer dafür verantwortlich ist und wir möchten wissen, ob die, die entschieden haben, ordentlich informiert waren.“

 

Denn die große Frage, die immernoch unbeantwortet im Raum stünde, laute: „Wie kann es sein, dass vor einigen Jahren noch Millionen in den Standort Künzelsau investiert wurde (Anmerkung der Redaktion: vor sieben Jahren wurde das Ärztehaus  für rund zehn Millionen gebaut, über vier Millionen kostete die Sanierung des Krankenhauses in Künzelsau, wir berichteten in unserer Februarausgabe 2017) und nun dieser Standort geschlossen wird?“, fragt er und vermutet Managementfehler, die zu dem anhaltenden Defizit seit 2012 führten: „Wir unterstellen, dass die HK nicht richtig geführt wurde und ob das nicht sogar gewollt war.“ Die Kreisräte wiederum verweisen auf Veränderungen in der Krankenhauslandschaft in den vergangenen Jahren.

Karlheinz Börkel, CDU-Fraktionsvorsitzender und Kreistagsmitglied, hat bereits vor einiger Zeit, in einem Gespräch mit der Redaktion GSCHWÄTZ, auf Veränderungen in der Krankenhauslandschaft hingewiesen, durch die es immer schwerer werde für kleinere Häuser zu überleben. Stichwort: Fallpauschalen/DRGs und Mindestmengen. :http://www.g-drg.de/Aktuelles/Abrechnungsbestimmungen_und_DRG-Fallpauschalen-Katalog_2018

Landrat Dr. Matthias Neth verweist darauf, dass der Bau des Ärztehauses unabhängig vom Krankenhaus eine sinnvolle Investition für die Sicherstellung einer ambulanten Versorgung war. Das privat geführte Ärztehaus oder auch MVZ (medizinisches Versorgungszentrum) in Forchtenberg könne für Künzelsau Vorbildcharakter haben.

Ein Mitglieder der BI erklärt: „Die Entscheidung für Künzelsau ist gefallen, aber wir wollen, dass es nicht in Vergessenheit gerät, dass das Künzelsauer Krankenhaus viele Jahre gut dagestanden hat und jeder hier sein Bestes gegeben hat.“

// Landrat Neth: „Wir werden Künzelsau finanziell unterstützen“ //

Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth betonte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, dass die BBT-Gruppe „fünf tolle Konzepte“ für Künzelsau habe und er „optimistisch“ in die Zukunft gehe. Warum wurden die Konzepte nicht an der Kreistagssitzung in Pfedelbach am 21. März 2018 (wir berichteten) vorgestellt? Neth verweist darauf, dass es sehr unterschiedliche Konzepte seien und man erst mit den externen Akteuren bezüglich einer möglichen Umsetzung sprechen müsse. Wird der Hohenlohekreis die Umsetzung eines der Konzepte in Künzelsau auch finanziell mittragen? Neth: „Wir haben keine rechtliche Verantwortung, aber eine politische und moralische. Wir werden daher auch finanziell Künzelsau bei der Umsetzung unterstützen.“ Er bedaure selbst, dass „wir nun nochmal eine Durststrecke haben“, bis es an die Umsetzung für Künzelsau gehe.

// BI meldet neuen Investor //

Kurz vor Ende des Markterkundungsverfahrens hat sich Eckle nochmals an Neth gewandt, da er einen neuen Interessenten für das HK gefunden habe. Ein am 05. März datiertes Schreiben mit dem Titel „Hohenloher Krankenhaus – Überlegungen zum Strukturkonzept“ hat Eckle per E-Mail an Landrat Neth geschickt. Darin der Verweis auf drei potenzielle Interessenten für das HK – mit Interesse an beiden Standorten, Künzelsau wie auch Öhringen. Das Angebot der Beteiligungsgesellschaft: „Möglichkeit A) „Rückkauf aller Planbetten zum Ausbau und Neuausrichtung als Plankrankenhaus. Möglichkeit B) Klinik als wissenschaftliche Forschungseinrichtung zur Entwicklung neuer Therapieverfahren. Angedachtes Kapitalvolumen zum Gebäudeerwerb, zum Planbettenrückkauf, zur Weiterentwicklung, Ausstattung und Personalentwicklung: 150 Millionen Euro.“ Der Inhalt umfasst eine halbe DIN-A4-Seite. Wer der Interessent sei, wollte Eckle nicht verraten.

Landrat Neth antwortet in einem Schreiben vom 14. März 2018, dass sich Interessenten an Oberender und Partner wenden können, die das Markterkundungsverfahren betreuen und verweist auf den 21. März 2018, an dem der Kreistag in einer öffentlichen Sitzung das Markterkundungsverfahren beendet.

Eckle findet es bedauerlich, dass Neth die Chance nicht genutzt habe, sich vor Beendigung des Markterkundungsverfahrens mit dem Vertreter der Investitionsfirma zu unterhalten. Neth wiederum verweist darauf, dass BBT zu dieser Zeit bereits ein über 500-seitiges Konzept vorgelegt habe. „Jeder hatte die Möglichkeit, sich ordnungsgemäß zu bewerben.“

// Eckle bescheinigt BBT ordentliches Management und Künzelsaus‘ Bürgermeister Neumann Machtlosigkeit //

Der BBT-Gruppe steht Eckle positiv gegenüber und bescheinigt ihr ein ordentliches Management. Das sei ersichtlich, da jedes ihrer Häuser, auch die kleineren in der Gruppe, schwarze Zahlen schreiben würden. Für Eckle bedeutet das: „Man sieht also: Auch kleinere Häuser können schwarze Zahlen schreiben, wenn man das Krankenhaus richtig führt. Das war auch in Künzelsau möglich.“ BBT sieht in Öhringen für die Zukunft als Grundversorgerkrankenhaus. Zugleich will die Gruppe Schwerpunkte setzen in den Bereichen Kardiologie, Onkologie und Geriatrie. Das sei aber keine neue Idee, so Eckle.

Im Zuge des Baus des Ärztehauses und der Sanierung des Krankenhauses Künzelsau habe man damals ebenfalls Schwerpunkte gesetzt, in Künzelsau im Bereich Kardiologie und Schlaganfalleinheit und in Öhringen im Bereich Geburtshilfe als Familienkrankenhaus.

Künzelsaus‘ Bürgermeister, Stefan Neumann, sieht Eckle bei den Entwicklungen in den vergangenen Jahren in einer glücklosen Rolle: „Es zeigt sich, dass er keinen Einfluss auf das Ganze nehmen kann.“

// Zur Person Dr. Andreas Eckle //

Dr. Andreas Eckle war 25 Jahre Chefarzt am HK und 13 ärztlicher Direktor.

 

Siehe auch:

 

 

 

 

 




Hohenloher Krankenhaus // Vierstündiger Abstimmungsmarathon über Mehrheitsanteile

Nach vier Stunden Kreistagssitzung am 21. März 2018 in Pfedelbach ist es amtlich: Die BBT-Gruppe kauft die Mehrheitsanteile (51 Prozent) der Hohenlohe Krankenhaus gGmbH (HK). Alle Mitglieder des Kreistages haben dafür gestimmt. Vier Kreistagsmitglieder waren nicht anwesend (Christian von Stetten, Joachim Schaaf, Gudrun Struve, Professor Dr. Christoph A. Karle). Über 100 Bürger waren gekommen, um den Abstimmungsprozess zu verfolgen. Es gab zahlreiche Wortmeldungen, Fragen an die BBT-Gruppe seitens der Kreisräte, aber auch Lob an den Landrat für sein Vorgehen. Nach vier Stunden wurde zügig abgestimmt. Alle Hände gingen nach oben und gaben der BBT-Gruppe den Zuschlag.

Der Kaufpreis werde nicht verraten, so Landrat Dr. Matthias Neth auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, auch die BBT-Gruppe wollte sich dazu nicht konkret äussern. Um die 800.000 Euro soll die Vorgängergesellschaft, die regionale Gesundheitsholdung Heilbronn-Franken (RGH) noch bekommen. Wieviel der Landkreis erh#lt, ist nicht bekannt. Allerdings betonte die BBT-Gruppe, dass dieses Geld nicht in den Landkreis allgemein fließe. Das Geld bleibe stattdessen im HK beziehungsweise in dem neuen Verbund, um dort, also in der Gesundheitsversorgung, auch direkt genutzt werden zu können.

// Rund die Häflte der Hohenloher geht in Krankenhäuser ausserhalb des Hohenlohekreises //

Die BBT-Gruppe präsentierte sich bei der Kreistagssitzung als neuer Partner, dem es wichtig sei, die lokale Gesundheitsversorgung vor Ort zu stärken. Mit einem qualitativ hochwertigen Angebot sollen wieder mehr Patienten in die HK gehen. Derzeit würden rund die Hälfte der Hohenloher in andere Krankenhäuser ausserhalb des Kreises gehen. Der Standort Öhringen soll ein solider Grund- und Basisversorger werden mit vier Schwerpunkten: Onkologie (Krebserkrankungen), Kardiologie (Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Orthopädie und Altersmedizin.

Die Angleichung der Löhne und die Gehälter an den öffentlichen Dienst sei angestrebt, so die BBT-Gruppe. Eine Versicherung hierfür konnten die BBT-Vertreter hierfür allerdings nicht aussprechen. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es bis 2021 nicht. Thomas Rudoph, Geschäftsführer von Oberender und Partner, die das Markterkundungsverfahren betreut haben, lobte das „maximal zielorientierte Arbeiten des Steuerungskreises“. Projektleiter Maximilian Mai betonte: „Jeder konnte seine Interessensbekundung abgeben.“ Der Lenkungsausschusses habe sich bewährt, stimmte auch Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann zu, der mit in dem Gremium saß, um in sieben Sitzungen über die Frage zu entscheiden, wer Mehrheitseigner der HK wird.

// Ingelfingens Bürgermeister: „kein gutes Angebot“ //

Für den Standort Künzelsau gibt es bislang keine konkreten Pläne. Kreistagsmitglied Michael Bauer (CDU) weiß, dass „wir in dieser Verhandlungsposition keine Forderungen stellen können.“ Aber nach Beschäftigung mit dem 500-Seiten-Vertrag komme er zum dem Schluss: „Es ist kein gutes Angebot. Schulnote: ausreichend.“ Weiter führte er aus: „Die einzige Alternative wäre gewesen, es allein zu versuchen, aber dazu hätte es Mut bedarft. Ich persönlich hätte mir diesen Mut gewünscht, denn das finanzielle Risiko tragen nun wir.“

Er bedauerte, dass es für den Standort Künzelsau nur „vage Absichtsvermutungen“ gebe. Landrat Dr. Matthias Neth betonte indes, wie auch diverse andere Kreistagmitglieder, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, diesen Krankenhausstandort zu schließen und im Gegenzug die knapp 50 Millionen Fördermittel für den Neubau zu bekommen. Denn: Von anfangs 25 Interessenten sei letzten Endes nur einer übriggeblieben, der ein Angebot für die HK abgegeben habe. Alle Interessenten, einschließlich der BBT-Gruppe hätten betont, dass für sie der Standort Künzelsau nicht interessant gewesen sei. Es gab jedoch auch Interessenten, die abgesprungen sind, weil sie „die Zukunftsaussichten des Standortes Öhringen als negativ bewertet“ haben, so heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes hierzu.

// Die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis //

Matthias Warmuth, Geschäftsführer der BBT-Gruppe betonte, dass die Medizin in Zukunft ambulanter werde. Die Einführung der Fallpauschalen von der Bundespolitik machen es kleineren Krankenhäusern schwerer, zu überleben. Daher sei ein solcher Verbund, wie nun zwischen der HK und BBT geschlossen werden, sinnvoll. Und „die, die übrigbleiben nach dieser Marktbereinigung müssen sich in der ländlichen Gesundheitsversorgung stärker engagieren, in Zusammenarbeit mit den Ärzten vor Ort.“ Auch für die (zukünftigen) Mitarbeiter sei ein solcher Verbund attraktiver, da sie etwa die Möglichkeit hätten, sich hausintern weiterzubilden. Warmuth betonte zudem die Gemeinnützigkeit ihrer BBT-Gruppe. Will heißen: „Wir haben keine Gewinnabführungsabsichten.“ Allerdings betonte er auch, dass jedes Haus für sich schwarze Zahlen schreiben müsse.

Eine schlanke Personalstruktur, kurze Entscheidungswege und eine starke Gesellschafterversammlung, die auch aus Kreistagsmitgliedern bestehe, soll es laut Thomas Weber, kaufmännischer Direktor der BBt-Gruppe, geben. Und: Entscheidungen auf Gesellschafterversammlungen müssen einstimmig getroffen werden, so stehe es im über 500 Seiten starken Vertragswerk. Eine Trennungsklausel (was geschieht im Falle einer Trennung?) gebe es hingegen nicht. Geschäftsführer Warmuth betonte jedoch, dass die BBT-Gruppe „kein Geld mitnehmen werde“, falls es soweit kommen sollte.

Landrat Dr. Matthias Neth betonte, dass es neben dem Krankenhaus nun noch zahlreiche andere Baustellen gebe, die es gelte, anzugehen, unter anderem den Pflegenotstand, die Weiterentwicklung des Rettungsdienstes, den Kampf gegen den Ärztemangel sowie die Aufrechterhaltung der Notfallversorgung, denn auch in diesem Bereich solle laut politischen Vorgaben gespart werden. Er sehe mittlerweile auch diverse Themenfelder, „wo die kommunale Ebene immer mehr unter Druck kommt“.

// Wer zahlt was?//

Der Hohenlohekreis zahlt den geplanten Neubau in Öhringen, der bis 2022 stehen soll. Zudem trägt der Kreis die bislang aufgehäuften „Altlasten“ in Form der Verluste der vergangenen Jahre. Auch die Umsetzung und Finanzierung eines neuen Gesundheitskonzepts für Künzelsau liegt in kommunaler Hand. Allerdings will die BBT-Gruppe innerhalb der nächsten fünf Monate dem Kreistag vier oder fünf mögliche Konzepte hierzu vorstellen. Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann betonte, dass die Umsetzung dieses Zukunftskonzeptes nicht alleine die Stadt Künzelsau tragen könne, sondern hier angewiesen sei auf Unterstützung des Landkreises.

// Die Bürgerinitiative nimmt Stellung: „Hoch spezalisiertes Krankenhaus vernichtet“ //

„Die Bürgerinitiative wird die weiteren Schritte sehr genau verfolgen und entsprechend agieren“, heißt es in einer Stellungnahme von Seiten der Bürgerinitiative (BI). Problematisch sehen sie, dass „die Kosten aus der bisherigen Aufstellung des Hohenloher Krankenhaueses zu 100 Prozent beim Kreis“ bleiben. „Dazu gehören Belastungen aus den Vorjahren, Kosten für den Weiterbetrieb in Künzelsau, Kosten für die Schließung des Standortes Künzelsau und Kosten für die Nachnutzung des Standortes Künzelsau.“ Fast schon „kreativ scheint das Voranpreschen von [Künzelsaus‘; Anmerkung der Redaktion) Bürgermeister Neumann. Man muss den Bürgern einfach Begriffe um die Ohren werfen, die sich gut anhören, aber nicht weiter ausgeführt werden – so wie die neueste Erfindung von Hr. Neumann – ein Gesundheitscampus.“ Seit Monaten verspreche Landrat Dr. Matthias Neth, konkrete Konzept für den Standort Künzelsau vorzulegen. Bislang sei jedoch nichts dahingehend geschehen, kritisiert die BI. So kommt die Initiative zu dem Schluss:

„Eines hat Landrat Dr. Neth aber ganz sicher geschafft – das Mittelzentrum Künzelsau weiter zu schwächen und ein kleines aber hoch spezialisiertes Krankenhaus mit Intensivstation, Dialyseanbindung, Kardio MRT, lokaler Schlaganfalleinheit und Fachabteilungen wie Allgemein- und Unfallchirurgie mit stationärer Schmerztherapie durch die Anästhesie, Innerer Medizin, Geriatrie und nicht zuletzt die Belegabteilungen HNO, Gynäkologie und Urologie zu vernichten.“

// Zitate //

Landrat Dr. Matthias Neth: „Der Kreistag ist seinen Aufgaben mustergültig nachgekommen, auch wenn der Druck für manche unerträglich geworden ist.“

Thomas Föhl, Kreistagsmitglied und Fraktionsvorsitzender der FWV: „Ein Landrat kann nichts dafür, dass sich das Gesundheitssystem so verändert hat.“

Thomas Dubowy, Arzt aus Krautheim (FWV): „Ich möchte auch der Bevölkerung gegenüber ehrlich sein. Bezüglich der Notfallversorgung herrschen viele Ängste. Natürlich wünscht sich jeder eine solche Versorgung vor Ort. Aber ich sage Ihnen: Das brauchen sie gar nicht. Das brauchen sie in einer Nähe von 20 Kilometern. Das ist absolut ausreichend.“

Matthias Warmuth, Geschäftsfüher der BBT-Gruppe: „Wir streben eine langfristige Partnerschaft an.“

Thomas Weber, kaufmännischer Direktor der BBT-Gruppe: „Die Aufrechterhaltung der 24-Stunden-Notfallversorgung kann man lösen, aber sie wird Geld kosten.“

Karlheinz Börkel, Kreistagsmitglied und Bürgermeister von Schöntal a.D. (CDU): „Wir haben nun einen besseren Partner gefunden.“

Ute Oettinger-Griese, Kreistagsmitglied und Unternehmerin (FDP): „Wir haben sehr schlechte Erfahrungen mit unserem alten Partner gemacht und werden daher sehr genau darauf achten, dass das funktioniert.“

Martin Tuffentsammer, Kreistagsmitglied und Bürgermeister von Forchtenberg a.D. (CDU): „Wenn der Landrat nicht so gekämpft hätte, hätten wir diesen Zuschuss nicht bekommen.“ Er könne sich für Künzelsau beispielsweise ein medizinisches Versorgungszentrum wie in Forchtenberg vorstellen.

Mitarbeiterin des Krankenhauses Künzelsau, die anonym bleiben möchte: „Wie soll das funktionieren, wenn Künzelsau geschlossen wird? Wir haben derzeit wieder so viele Patienten. Wo sollen die künftig alle hingehen?“

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Wer sind die barmherzigen Brüder und mehr Informationen lesen Sie in diesem Artikel:

 

Text: Dr. Sandra Hartmann; Fotos: Nadja Fischer