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„Die Reaktivierung ist eine große Chance für die gesamte Region“

Sie war eigentlich schon totgeglaubt, nun soll sie im Zuge der Grünen Schienen-Wende wie zahlreiche weitere Trassen in Deutschland wiederbelebt werden: die Kochertalbahn als moderne S-Bahn, die in regelmäßiger Taktung fährt und das Kochertal wieder an das Bahnsystem andocken soll.

Der ehemalige Künzelsauer Bahnhof – und zahlreiche weitere Bahnhöfe bis Forchtenberg – erinnern bis heute an die Kochertalbahn, die bis in die 1980er Jahre hinein 100 Jahre lang fuhr. Dann setzte die Region gänzlich auf den NVH (Nahverkehr Hohenlohe), also auf Busse anstatt auf die Bahn. Längst werden die alten Bahnhofsgebäude anderweitig genutzt.  In Künzelsau etwa befindet sich dort der Jugendkulturverein Kokolores und die Pizzeria EMMAS GLÜCK.

Erstelle, was du liebst – liebe, wie du’s erstellst.

Zwischen 200 und 300 Millionen Euro Kosten – Stand heute

Das Bahn-Wiederbelebungsprojekt sollt laut derzeitigen Schätzungen zwischen rund 200 (ohne Tunnelvariante) und rund 300 Millionen Euro (mit Tunnelvariante von der Berufsschule nach Gaisbach) kosten – kein Pappenstil also, obwohl sich die kleine Kreisstadt des kleinsten Kreises im Ländle nicht beschweren kann, ist doch unter anderem der Schrauben-Riese Würth und damit auch zweitreichste Familie in ganz Deutschland dort beheimatet – und zahlreiche weitere Weltmarktführer-Unternehmen. Dennoch reitet man als echter sparsamer Baden-Württemberger auch hier nicht mit einem Goldesel durch die Gegend.

Krankenhaus weg – Kochertalbahn her?

2018 wurde das kleine Krankenhaus in Künzelsau geschlossen aufgrund der von Baden-Württemberg und Berlin vorgegebenen Krankenhausreform. Krankenhäuser sollen am besten keine roten Zahlen schreiben. Stattdessen wurden Millionen in den Neubau des Krankenhauses in Öhringen gesteckt, das, nun ja, zahlentechnisch auch keine Erfolgsbilanz aufweist.

Bürgerinitiative kämpft wochenlang  umsonst

Damals gingen die Menschen wochenlang für ihr Krankenhaus in Künzelsau auf die Straße, es formierte sich eine Bürgerinitiative, die kämpfte – umsonst. Nun befindet sich in dem alten Krankenhausgebäude unter anderem eine Hospiz. Passender geht es wohl kaum.

Darum für viele auch etwas unverständlich, wie nun wieder so viel Geld da sein beziehungswiese locker gemacht werden soll für eine Bahn, an deren Stelle man ja auch einfach mit dem Bus zum nächsten Bahnhof – in diesem Fall in Waldenburg oder Öhringen – fahren soll. Während Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann mit der „Reaktivierung eine große Chance für die gesamte Region“ sieht, hält sich Waldenburg Bürgermeister Bernd Herzog mit seinen Worten eher zurück, wenn er erklärt: „“Uns ist es wichtig, dass alle relevanten Informationen aus Waldenburg, Kupferzell und Künzelsau in das Projekt einfließen, und am Ende die beste Lösung für die Region steht. Auf dem Weg dahin begleiten wir die Planungen der Stadt Künzelsau wohlwollend und ergebnisoffen.“ Man darf dabei auch nicht vergessen: Sein Waldenburg hat ja auch schon einen Bahnanschluss. Aber auch die Worte von Christoph Spieles, Bürgermeister aus Kupferzell, klingen eher verhalten beim Bahnprojekt: „Kupferzell, Waldenburg und Künzelsau arbeiten schon lange eng für die Region zusammen. Dafür ist es wichtig, dass alle immerzu gut informiert sind. Auf das Basis begleiten wir die Bemühungen der Stadt Künzelsau zur neuen Kochertalbahn offen und interessiert.“ Das hört sich fast so an, wie wenn man als Bürgermeister vom Zuschauerrand einfach mal abwartet, was so passiert.

Auch Halt im Gewerbepark

Fakt ist: Es ist einfach komfortabler und bequemer, mit einer Bahn, die regelmäßig, etwa im 1-Stunden-Takt fährt, an den nächsten Bahnhof zu fahren Zum anderen wäre die Kreisstadt nach Jahrzehnten wieder an ein Bahnnetz angeschlossen. Die Studenten in dieser Stadt würden das sicher begrüßen – und auch die zahlreichen Arbeitnehmer:inenn, die tagtäglich zum Gewerbepark Hohenlohe zu ihren Weltmarktführer-Arbeitgeber:innen an der A6 mit ihrem Auto fahren. Dort würde die Bahn auch Halt machen.

Die Wiederbelebung alter Trassen ist auch ein Trend, den man in Europa beobachten kann, was den Tourismus betrifft. Manche erreichen dabei sogar Kultstatus – bei einer Trasse in idyllischer Umgebung und/oder mit einer Bahn, die auf „old charme“ optisch aufbereitet ist. Auch die Trasse der ursprünglichen Kochertalbahn führt malerisch bergauf bergab zwischen Wäldern und Wiesen vorbei. Es war damals übrigens die Trasse mit der beeindruckendsten Steigung.

Derzeit starke finanzielle Fördermöglichkeiten von Land und Bund für die Wiederbelebung alter Trassen

Die Reaktivierung von Bahngleisten könnte laut der Stadtverwaltung Künzelsau aktuell finanziell stark von Bund und Land gemäß dem Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungsgesetzt gefördert werden. Der Bund würde dabei, laut der Stadtverwaltung Künzelsau, 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten tragen. Die restlichen zehn Prozent würden zum Teil durch das Land Baden-Württemberg übernommen werden.

Entscheidend sei dabei, so betont es die Stadt Künzelsau, jetzt zügig voranzukommen, da für die ersten hundert reaktivierten Bahnkilometer übernimmt das Land-Baden-Württemberg die Kosten für den Betrieb im Ein-Stunden-Takt komplett.

Die Strecke soll sich so weit wie möglich am historischen Trassenverlauf orientierten. Das würde bedeuteten: Abfahrt in Künzelsau wäre am Kokolores / an der Pizzeria EMMAS Glück.

Bislang würde die Trasse lediglich zwischen der A6 und Künzelsau wiederbelebt werden. Möglich wäre aber – rein theoretisch – auch ein Ausbau wie ehedem bis nach Forchtenberg. In jedem Fall würde die Kochertalbahn eine Aufwertung der ländlich-touristischen Region bedeuten.

Foto: Ehemalige Kochertalbahn, die bis in die 1980er Jahre hinein über 100 Jahre lang betrieben wurde

Video: Altes Videomaterial von der Kochertalbahn

 




Geflüchtete werden Lokführer:innen bei der S-Bahn Stuttgart

Land, Deutsche Bahn und die Bundesagentur für Arbeit machen Geflüchtete fit für die Zukunft. Die Bahn bildet bei DB Regio in Stuttgart seit 1. Februar 2021 Geflüchtete zu Lokführer:innen aus. In der Umschulung (IHKBerufsabschluss) zum/r Eisenbahner:in im Betriebsdienst bereitet die Bahn die Auszubildenden auf einen Einsatz bei der SBahn Stuttgart ab Anfang des kommenden Jahres vor.

Das zweijährige Pilotprojekt ist Teil des von Verkehrsminister Winfried Hermann initiierten Modellprojekts „Qualifizierung Geflüchteter zu Triebfahrzeugführern“, das im Januar 2019 gemeinsam mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und weiteren Eisenbahnverkehrsunternehmen gestartet wurde.

Pressemitteilung Verkehrsministerium BW




So wird das nix mit dem Bahnverkehr

Es ist Dienstag, 9. August 2022. Eine Fahrt mit dem 9€-Ticket in die Landeshauptstadt Stuttgart steht auf dem Programm. Es ist ungefähr 07:45  am Morgen, der Bahnsteig 2 im Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental füllt sich. Pendler sind unter den Wartenden, aber auch viele offensichtliche Ausflügler. Alle, es werden um die 100 Menschen sein, warten sie auf den Regionalexpress RE90 um 08:03 nach Stuttgart, als die elektronische Anzeige informiert, dass sie noch etwas länger warten müssen. Genauer: Der Zug ist voraussichtlich 50 Minuten verspätet. Grund sei „eine verspätete Bereitstellung“.

Fahrplanaushang verwirrt

Am Fahrplanaushang ist verwirrendes zu lesen: Von Schienenersatzverkehr von und nach Gaildorf ist die Rede und von Bauarbeiten im Stuttgarter Tunnel, die den Fahrplan durcheinanderwürfeln könnten. Der Umstieg in die S-Bahn wird empfohlen. Welche Züge vom Schienenersatzverkehr betroffen sind, ist nicht leicht herauszufinden. In altbewährter Manier hat man einfach einen Gesamtfahrplan für alle Haltepunkte ausgedruckt, in dem einzelne Felder rot markiert oder durchgestrichen sind – die Bedeutung dieser beiden Kennzeichnungen, Ausfall oder Ersatzverkehr, ist nicht erklärt. Und wirklich lesen kann man diesen Fahrplan auch nicht, so tief ist er aufgehängt. Eine klare, deutliche und zielgerichtete Kommunikation sieht anders aus.

Ein einfacher Zettel würde schon reichen

Wie einfach wäre es doch, wenn man einen Zettel, der die vom Ersatzverkehr betroffenen Züge und deren Abfahrtszeiten klar und deutlich und nur für den jeweiligen Haltepunkt nennen würde. Man hat den Eindruck, dass jemandem das zu einfach wäre … aber: Wer in Hessental einsteigen will, den interessiert hauptsächlich, was er in Hessental vorfindet und interessiert sich kaum für den Haltepunkt in Fornsbach.

Die Hohenlohebahn war pünktlich

Ein Lichtblick ist, dass wenigstens die Hohenlohebahn pünktlich eintrifft, die ja auch schon des Öfteren wegen Personalmangels ausgefallen ist. Sie bringt weitere Menschen, die ebenfalls nach Stuttgart reisen wollen und die sich jetzt den Wartenden anschließen.

So fördert man den ÖPNV nicht

Ein leicht nutzbarer ÖPNV sieht anders aus. Einerseits ergibt der bundesweite Großversuch mit dem 9€-Ticket deutlich, dass ein Bedarf für den Bahnverkehr vorhanden ist und viele Menschen gerne den Zug nutzen würden, wenn das Angebot attraktiv wäre.
Andererseits sind die Bahnbetreiber, die Landesregierung als Auftraggeber der Bahnbetreiber und die DB Netz AG – ein Unternehmen der Deutschen Bahn, die zu 100% im Besitz des Bundes ist, überhaupt nicht auf einen höheren Bedarf vorbereitet.

Elfmeter verschossen

Zuverlässigkeit ist für einen ÖPNV essenziell. Wenn Pendler sich nicht auf die Verfügbarkeit und die Pünktlichkeit der Verkehrsmittel verlassen können, dann nutzen sie eben weiterhin das Auto. Die Chance, Menschen vom Auto auf den ÖPNV zu bringen, wird gerade von der Politik vergeben.

Eine Stunde wollten wir auf dem Bahnhof Hessental, der wirklich nicht zum Verweilen einlädt, dann nicht warten. Die Fahrt nach Stuttgart fiel aus.

Text: Matthias Lauterer




Rund 60 Millionen Euro aus Rettungsschirm-Mitteln

Das Land Baden-Württemberg hilft der in Folge rasant steigender Kraftstoffpreise in Bedrängnis geratenen Busbranche durch schnelle Überweisung eines dreistelligen Millionenbetrags aus dem ÖPNV-Rettungsschirm und eine vorgezogene Auszahlung von ÖPNV-Fördermitteln. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landes Baden-Württemberg hervor. Aus den Rettungsschirm-Mitteln werden in den kommenden Tagen vorab gut 120 Millionen Euro überwiesen. Hinzu kommen knapp 60 Millionen Euro Vorwegzahlung von Mitteln nach dem ÖPNV-Gesetz an die kommunalen Aufgabenträger.

Das schaffe zunächst einen Zeitgewinn

„So kann die Liquidität der Betriebe für die kommenden Monate gesichert werden.“ Dies teilte Verkehrsminister Winfried Hermann  am Mittwoch nach einem Krisengipfel mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche und der Kommunalverbände mit. Das schaffe zunächst einen Zeitgewinn, bis neue Lösungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Einigkeit bestand darin, dass Land, Verkehrsunternehmen und die kommunale Seite gemeinsam an einem Stützungspakt für den ÖPNV arbeiten. Verkehrsminister Hermann sagte: „Wir brauchen einen erweiterten und verlängerten Rettungsschirm und deutlich höhere Regionalisierungsmittel vom Bund.

Land Baden-Württemberg fordert

„Die meist kleinen und mittelständischen Busunternehmen sind das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in ländlichen Regionen. Ihre täglichen Leistungen im Linienverkehr sind ein wichtiger Beitrag für die Verkehrswende hin zu einer klimaschonenden Mobilität. Deshalb sind wir bereit, sie durch eine vorgezogene Auszahlung von ÖPNV-Fördermitteln zu stabilisieren. Nun müssten auch die Stadt- und Landkreise als Aufgabenträger im Busverkehr ihren Anteil für Unterstützung der Busbranche bringen.“

Klimaneutrale Antriebe gewünscht

Der Minister unterstrich: „Das Land fördert schon seit Jahren mit erheblichen und steigenden Finanzmitteln den Busverkehr. Den Einsatz klimaneutraler Antriebe mit Batterie oder Brennstoffzelle unterstützen wir in besonderem Maß.“

Den Busverbänden und den kommunalen Aufgabenträgern wurde zugesagt, dass die Fördermittel für den Busverkehr nach §15 ÖPNV-Gesetz in Höhe von 58,5 Millionen Euro bereits in den kommenden Tagen statt regulär zum 1. Oktober 2022 ausbezahlt werden.

Für den Verband baden-württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) erklärte der Vorsitzende Klaus Sedelmeier: „Wichtig ist neben den vorgezogenen Liquiditätshilfen – welche die Unternehmen nur kurzfristig entlasten – vor allem eine Übernahme der Mehrkosten. Und zwar schnell, nicht erst in zwei oder drei Monaten.“

Der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) Baden-Württemberg, Ulrich Weber sagte: „Kleine und große Verkehrsunternehmen im Land sind stark betroffen von den massiven und unvorhersehbaren Energiepreissteigerungen. Wir richten uns mit der Bitte an Bund und Land, diese hohen Mehrkosten auszugleichen, z.B. durch eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel. Damit kann der ÖPNV in seiner heutigen Qualität gesichert und weiter ausgebaut werden“.

Von kommunaler Seite erklärten der Hauptgeschäftsführer des Landkreistags, Prof. Dr. Alexis von Komorowski, der Präsident des Gemeindetages, Steffen Jäger und die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Dr. Susanne Nusser: „Die ÖPNV-Branche muss in der aktuellen Energiekrise stabilisiert werden, denn ohne sie werden wir die Klimaschutzziele nicht erreichen. Die kommunalen Aufgabenträger werden daher die Liquiditätshilfen des Landes kurzfristig weiterreichen. Zugleich werden wir uns für den ÖPNV-Stützungspakt engagieren, den das Land gemeinsam mit den Unternehmen und den Kommunen noch vor Ostern auf den Weg bringen wird. Teil dieses Stützungspakts muss nach Auffassung der Kommunalen Landesverbände ein aus originärem Landesgeld gespeistes Sonderprogramm zugunsten der ÖPNV-Branche einschließlich der kommunalen Verkehrsunternehmen sein. Die kommunalen Aufgabenträger werden sich insbesondere auch durch Vertragsanpassungen an der Problemlösung beteiligen.“




Drastische Worte von Minister Herrmann: „Es gibt ein Leben nach Corona, jedenfalls für die meisten“

Es tut sich was im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Region. Nicht nur, dass es in Baden-Württemberg gute Chancen für die Reaktivierung der Kochertalbahn und der Strecke Heilbronn-Marbach gibt – auch von Crailsheim soll man ab 2024 mit der S-Bahn bis Ansbach und Nürnberg fahren können.

Föderalismus macht das scheinbar einfache Projekt kompliziert

Obwohl die Schienenstränge bereits liegen, war für dieses Projekt eine länderübergreifende Zusammenarbeit auf ministerieller Ebene notwendig. Daher wurde am Freitag, den 04. Dezember 2020, eine Gemeinsame Erklärung der Länder Bayern und Baden-Württemberg sowie der Landkreise Ansbach und Schwäbisch-Hall unterzeichnet. Genauer: Es wurden vier Exemplare dieser Erklärung von je einem Beteiligten unterzeichnet, denn die Unterzeichnungszeremonie fand mittels einer Videokonferenz statt.

Verlängerung der bestehenden S4 bis Crailsheim

Die bestehende S-Bahn-Linie S4 von Nürnberg über Ansbach nach Dombühl soll über die bisherige Endstation hinaus über Schnelldorf bis Crailsheim verlängert werden. Ein zusätzlicher Halt wird am stillgelegten Bahnhof in Satteldorf-Ellrichshausen eingerichtet. Außerdem werden die regionalen Busverkehre an die neue S-Bahn angepasst.

Länderübergreifende Kooperation

Alle Beteiligten freuen sich darüber, dass es gelungen sei, die Regionen enger miteinander zu verzahnen. Ansbachs Landrat Dr. Jürgen Ludwig: „Die Einrichtung der S4 zwischen Dombühl und Crailsheim ist ein wichtiger Schritt: für Pendler, für den Berufsverkehr und für den Freizeitverkehr in der Region.“ Er rechnet mit deutlich mehr als 500 Personen pro Tag, die die S-Bahn nutzen werden. Ludwig weist darauf hin, dass es aus dem Kreis Ansbach in Richtung Crailsheim „erhebliche Pendlerströme“ gebe „stärker als in die benachbarten bayrischen Landkreise“. Auch der Schwäbisch-Haller Landrat Gerhard Bauer ist „überzeugt, dass diese Lösung ein voller Erfolg wird.“ Geradezu historisch sei die Zusammengehörigkeit von Ansbach und Crailsheim, schließlich gehörte Crailsheim zum Fürstentum Ansbach, meint Ludwig, und Bauer ergänzt: „Die beiden Landkreise Ansbach und Schwäbisch Hall, in denen die Menschen vielfältige Beziehungen und Freundschaften pflegen, wachsen auch im Zugverkehr weiter zusammen.“

Relativ geringe Kosten

Die Investitionskosten sind relativ gering, da die Strecke bereits vorhanden ist. Im Wesentlichen müssen nur die Bahnhöfe S-Bahn-tauglich ausgebaut werden, man geht von Kosten in Höhe von etwa drei Millionen Euro aus. Die Finanzierung sei gesichert, auch unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie. „Es gibt ein Leben nach Corona, jedenfalls für die meisten“, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Herrmann und meinte damit wohl, dass man seinen Blick auch in eine Zukunft jenseits der Pandemie richten soll. Die Finanzierung sei per Gesetz verabschiedet, „da müssten schon Bundestag und Bundesrat Gesetze ändern. Da sehe ich heute niemanden, der das wollte.“

Über die Betriebskosten lässt sich noch nichts Genaues sagen, abhängig vom Verkehrsvertrag rechnet Herrmann für Baden-Württemberg mit Kosten von rund einer Million Euro pro Jahr. Aktuell, so die Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, sei der derzeitige S-Bahn-Betreiber, die DB Regio, aufgefordert, ein Angebot für die verkehrlichen Mehrleistungen abzugeben. Darauf aufbauend wird der finanzielle Rahmen zwischen den beiden Ländern abgestimmt. Die Besteller, in Bayern die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) und in Baden-Württemberg die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), entscheiden dann endgültig.

Text: Matthias Lauterer

S-Bahn-Zug. Symbolbild. Quelle: pixabay

S-Bahn Erweiterung nach Crailsheim mit erwarteten Fahrgastströmen. Quelle: Staatsministerium für Verkehr Bayern.

 




Die Bahn kommt, nur wann? Grün unterwegs von Lauda zur Frankfurter Buchmesse – zwischen Plastikbechern und Zeitansagern

Wochenlang habe ich überlegt – Auto oder Zug oder doch Auto? Wie komme ich nur zur Buchmesse nach Frankfurt am Main? Der Fiesta, mein treues Diesel-Gefährt, braucht für die Strecke hin und zurück höchstens einen halben Tank, wenn es mich nicht überkommt und ich über die Autobahn hinwegfege – lassen wir es dennoch mal 20 Euro kosten.

Warum zur Hölle sitze ich dann um 7.34 Uhr im Bad Mergentheim im Zug und fluche? Weil ich meinte, mal ‚grün‘ sein zu wollen und den stinkenden Diesel vor dem Haus stehen ließ.

Na ja nicht ganz … ich muss ja erstmal nach Bad Mergentheim kommen, um dann gefühlte 100mal umzusteigen. 7.34 Uhr sollte die geplante Abfahrt des Zuges nach Lauda. 7.35 Uhr … 7.36 Uhr …7.37 Uhr – die geplante Abfahrt verzögert sich – tja wer hätte das gedacht? Mit acht Minuten Verspätung rollen wir gemächlich los. Die freundliche Schaffnerin erklärt bei der Fahrscheinkontrolle jedem, der nach Würzburg weiter reisen möchte: „Ihr Anschlusszug wartet in Lauda auf Se.“ In Lauda wartet der Anschlusszug aber nicht auf uns, wir warten auf ihn. Denn der Zug hat, seien Sie jetzt nicht überrascht, auch Verspätung. Und es zieht sich wie ein roter Faden. Auch in Würzburg ist weit und breit kein Zug in Sicht. Hier werden es letztendlich 15 Minuten Verspätung. Kein Problem. Ich hab ja nur schlappe 90 Euro in die Hand genommen, um den ganzen Tag mit dem ICE zwischen Würzburg und Frankfurt schneller wie der Wind reisen zu können.

Und da sitze ich dann im stickigen ICE-Abteil zwischen To-Go Bechern und Plastiktütchen, in denen das gute Versperbrot verpackt ist. Meine Sitznachbarin redet mir das Ohr blutig, Damen in unmittelbarer Reich-und Hörweite spielen auf ihrem Smartphone Candy Crush auf voller Lautstärke, hinter mir wird gegen meinen Sitz getreten und ich wünschte mir, ich würde in meinem Fiesta im Stau vor Frankfurt sitzen und zu meiner Lieblingsmusik singen können.

Durch geschicktes von Gleis-zu-Gleis-Hechten und dank der stetigen Verspätung der Deutschen Bahn schaffe ich es irgendwie nach Frankfurt und treffe mit der nur 13 Minuten Verspätung schließlich bei der Buchmesse ein. Ein Kinderspiel.

Ein Kommentar von Nadja Fischer

Nadja Fischer unterwegs mit der Deutschen Bahn. Foto: GSCHWÄTZ


 




Niederstetten: Kuh stoppt Bahn

Gerade noch rechtzeitig konnte der Fahrer eines Regionalexpresses bei Niederstetten anhalten, bevor die Bahn gegen eine auf den Schienen stehende Kuh prallte. Die alarmierten Polizeibeamten des Reviers Bad Mergentheim nahmen dann einen zwei Kilometer langen Fußmarsch auf sich. Um das Tier vom Gleiskörper bis auf eine Wiese zu führen. Dann konnte sie wieder zurück zu ihrer Herde getrieben werden. Dank des tierischen Einsatzes der Polizisten konnte der Regionalexpress seine Fahrt fortsetzen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn von Sonntag, den 26. August 2018

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Kein Geld für Nahverkehr

Immer wieder  forderten Bürger eine Erweiterung der Busfahrpläne und eine bessere Anpassung an Schulzeiten, um die Schüler optimal zu befördern. Teilweise fahren etwa keine Busse, wenn Schüler Unterrichtsschluss haben. Am morgigen Montag, den 06. November 2017, tagt der Kreistag um 14 Uhr in der Dreschhalle in Hollenbach. In der öffentlichen Sitzung soll es unter anderem um den Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) gehen. Wünsche der Bürger und Gemeinden fanden Eingang in die 140 Seiten starke Sitzungsvorlage. Aber um es vorweg zu nehmen, steht bereits auf Seite eins: „Nicht berücksichtigt werden konnten im Nahverkehrsplan betriebliche Anregungen, da der Nahverkehrsplan ein Rahmenplan ist. Detaillierte Anregungen zu einzelnen Linien oder konkrete Fahrten können erst im Betriebsablauf geprüft und umgesetzt werden. (…) Die Anregungen, die eine Ausweitung des Angebots und Erhöhung der Fahrtenzahl einzelner Linien zum Inhalt hatten, konnten im Nahverkehrsplan nicht berücksichtigt we den, da die finanziellen Rahmenbedingungen durch den Kreistag festgelegt sind.“ Sprich: Mehr Geld soll (voerst) nicht in den Nahverkehr investiert werden, weniger aber aucht nicht. Die Gesamtkosten des NVH belaufen sich laut der Sitzungsvorlage auf 17 Millionen Euro, wobei fünf Millionen vom Landkreis als Aufgabenträger übernommen werden. Warum ist die Sitzungsvorlage dann 140 Seiten stark, wenn sich im Grunde nicht viel ändern wird?

Grundlage der Sitzungsvorlage ist eine Analyse der PTV Transport Consult GmbH mit Sitz in Karlsruhe, die vom Landkreis Hohenlohekreis in Auftrag gegeben wurde. Die Kosten für diese Analyse sind GSCHWÄTZ nicht bekannt. Die Analyse zeigt unter andem den Ist-Zustand des NVH auf. Danach sind

// Künzelsau und Öhringen die Dreh- und Angelpunkte beim NVH

// 80 Prozent der Bürger, die befördert werden, sind Schüler

// sehr gut ausgelastete Linien sind 7, 11, 13, 18 und 28
// Barrierefreiheit für Menschen mit körperlicher Einschränkung wird weiter forciert, da sie auch rechtlich rechtlich zwingend vorgeschrieben  ist
// eine weitere Reduzierung empfiehlt PTV nicht, da das Angebot bereits 2010/11 stark reduziert wurde. Dies betraf vor allem Linien unter der woche zwischen den Hauptverkehrszeiten sowie eine starke Ausdünnung der Fahrten an Samstagen und Sonntagen und einer Einrichtung einer Betriebsruhe zwischen 09 und 11 Uhr

 

// Die Analyse zeigt dagegen deutlich, dass das Abend- und Wochenendangebot sehr gering ist und überwiegend auf den wichtigen Achsen stattfindet.

Daher hat PTV ein Konzept entwickelt, das eine Aufwertung des NVH ohne Angebotskürzungen vorsieht. Stattdessen soll durch einen Rufbus das Angebot erweitert werden. Dieser Rufbus, der an Abendfahrten und Wochenenden auf Abruf fahren soll, kostet jedoch bei einer Abrufquote von 100 Prozent 1,3 Millionenen jährlich. Beschränkt man das Angebot nur aufs Wochenende würde es 0,5 Millionen Euro pro Jahr kosten. In der Sitzungsvorlage heißt es daher: „Auch wenn derzeit keine Umsetzung vorgesehen ist, kann auf die Strategie zurück-

gegriffen werden.“ Immerhin der Wunsch vieler Bürger, landkreisübergrifend mit Bussen unterwegs sein zu können, wurde in Angriff genommen. Zwischen Künzelsau und Bad Mergentheim wurde seit Februar 2016 schrittweise jeweils eine Regiobuslinie des Landes Baden-Württemberg auf Basis des bestehenden Angebotes eingerichtet (Linie 7
und 19).

Die Sitzungsvorlage soll so morgen von den Kreisräten beschlossen werden.