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Hohenlohe / Corona – Warum die Zahl in Wahrheit signifikant höher ist – Ärztliche Diagnosen fließen nicht in offizielle Statistik ein

Man wundert sich dieser Tage schon ein wenig. Denn der Graben zwischen den offiziellen Coronazahlen im Hohenlohekreis und der Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, wird immer größer.

Eine neue geschaffene Isolierstation im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau mit dreimal so viel Betten wie in Kupferzell, der Hilferuf des Landrats Dr. Matthias Neth nach mehr Schutzmasken und medizinischem Personal. Und demgegenüber aktuell aber offiziell „lediglich“ 350 bestätigte Coronainfizierte im Kreis (Sozialministerium Baden-Württemberg, Stand: 27. März 2020, 16 Uhr https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/corona-karte-baden-wuerttemberg/). 

Das klingt zuerst nach nicht wirklich vielen Fällen bei rund 120.000 Einwohnern. Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

  1. Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, also 50 weniger. In einer Woche könnte man so schnelle eine vierstellige Zahl im Hohenlohekreis erreichen. Der exponentielle Anstieg (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen den Infizierten in Baden-Württemberg. So liegt die Zahl der Infizierten derzeit bei 9.729 Fälle), einen Tag zuvor war die Zahl 8.441 Fälle. Das bedeutet einen Anstieg um rund 1.300 Fälle innerhalb von 24 Stunden).
  2. Es werden längst nicht alle Coronainfizierten bei der offiziellen Statistik erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders. Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelte, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach wurde nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen  „stillen“ aktiven Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken. Das größte Problem bei der offiziellen Zahlenstatistik ist aber: Es finden derzeit weit weniger Coronatestungen statt. Als im März 2020 der Abstrich-Drive-In in Belzhag eröffnet wurde, testeten Ärzte bis zu 200 Menschen täglich. Ziemlich schnell, noch bevor der Monat um war, gingen die Teststäbchen fürs Labor zur Neige. Fortan sollten die Ärzte vermehrt klinische Diagnosen durchführen, vom Landratsamt wurde diese Methode als genauso gut empfunden. Das Problem: Diese klinischen Diagnosen fließen nicht in die offizielle Corona-Statistik ein. Das bestätigte uns sowohl das Landratsamt des Hohenlohekreises als auch das Sozialministerium Baden-Württemberg in einem Schreiben auf Nachfrage gegenüber GSCHWÄTZ. Das Landratsamt verwies dabei auf die Vorgaben das Robert-Koch-Instituts hinsichtlich der Erstellung der Statistik. Daher ist es falsch zu glauben, dass die Zahl der Coronainfizierten weniger stark steigt, da die Statistik bislang nur die rückläufigen Labordiagnosen berücksichtigt und nicht die ärztlichen Diagnosen.
  3. Aber auch ärztliche Diagnosen sind derzeit nicht so leicht zu bekommen. Denn: Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/03/27/arzt-und-oder-personal-infiziert-11-bis-15-arztpraxen-in-hohenlohe-mussten-bereits-schliessen/). Dies macht es diversen Menschen es noch schwerer, einen Arzt für eine Diagnose zu konsultieren. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.
  4. Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises selbst hat Wochen später erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier unmöglich sei.
  5. Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung). Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat, ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung derzeit nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal derzeit noch unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. 
  6. Man verdreifacht nicht mal einfach so die Isolierplätze in einem Landkreis, wenn es nicht erforderlich wäre beziehungsweise wenn man nicht die Annahme hegt, dass sich die Zahl der Infizierten weiter erhöhen wird.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen. Aber dafür muss der Kreis jetzt alle nur erdenklichen Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.

 

 




„Jetzt zählt jedes Bett“ – Aufrüstung des Krankenhausgebäudes in Künzelsau – Dr. Andreas Kühn, Chefarzt im HK, im großen Interview

„Schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden“

Dr. Andreas Kühn ist noch bis 01. April 2020 Chefarzt und stellvertretender ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus (HK). Er ist Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Zusätzlich ist er derzeit noch der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Hohenlohe und Vorsitzender der Ärzteschaft Künzelsau. Dr. Andreas Kühn wurde am 04.11.1969  geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwölf und 14 Jahren. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann sprach mit Dr. Kühn über die Corona-Pandemie.

Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden

GSCHWÄTZ: Herr Kühn, angesichts der Coronapandemie und der bezeichnenden Lage im so genannten Hotspot Hohenlohe – Könnten Sie sich vorstellen, nicht ab 01. April 2020 das Krankenhaus zu verlassen, sondern noch länger in dieser Krise als Arzt für das HK zu arbeiten?

Kühn: Ich bin Intensivmediziner und Anästhesist. Das sind genau die Menschen, die man jetzt braucht. Wenn man mich braucht, bin ich auch da in so einer angespannten Situation. Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden.

GSCHWÄTZ: Ärzte aus dem Hohenlohekreis nehmen derzeit die Abstriche der Verdachtsfälle in der Abstrichstelle in Belzhag.

Kühn: Hausärzte von hier sind in Belzhag, die sich in ihrer eigenen Praxis frei machen für einige Stunden im stetigen Wechsel. Die kassenärztliche Vereinigung stellt eine medizinische Fachangestellte und man kann noch selbst eine Kraft zur Unterstützung aus der eigenen Praxis mitbringen. Eventuell bleibt dann die Praxis währenddessen zu, wenn man keine Gemeinschaftspraxis hat.

Ganzkörperschutzoverall anstatt „Norovirenkittelchen“

GSCHWÄTZ: Haben Sie selbst auch schon Abstriche vorgenommen? Wenn ja, hat man als Arzt Angst, sich anzustecken? Immerhin sind ja schon einige Ärzte erkrankt.

Kühn: Ich habe Abstriche gemacht, als die Abstrichstelle noch am Gesundheitsamt war, aber Angst vor einer Ansteckung habe ich nicht wirklich, denn ich weiß, wie man sich professionell schützt. Ich hatte einen weißen Ganzkörpervollschutzoverall (kein „Norovirenkittelchen“), Kategorie 3, an, eine Maske (FFP3–Mundschutz) und ein großes Schutzvisier, doppelte Handschuhe, so war alles geschützt, auch der Hals, da guckt kein bisschen Haut raus. Aber es ist unangenehm, damit zu arbeiten, weil es ist heiß darunter ist.

Bergamo ist in seiner Größe vergleichbar mit dem Hohenlohekreis

GSCHWÄTZ: Ihre Schmerztherapie-Praxis hat weiterhin geöffnet, weil ihre Patienten angewiesen sind auf die Behandlungen und Medikamente. Was tun sie, um dabei volle Wartezimmer zu vermeiden?

Kühn: Ich biete jetzt Videosprechstunden an und schicke Rezepte per Post. Darüber hinaus bestelle ich die Menschen einzeln in meine Praxis und lasse kein Wartezimmer volllaufen. Ich arbeite immer mit Handschuhen und Mundschutz, meine Angestellten tragen auch Mundschutz und Handschuhe im Umgang mit Patienten. Viele sagen derzeit aber auch ihre Termine ab aus Angst, sich anzustecken. Meine Frau ist Gynäkologin, in diesem Bereich verschieben gerade auch viele ihre Vorsorgetermine. Aber natürlich kann es dann passieren, dass wir nach der Krise einen Rattenschwanz aufzuarbeiten haben.

GSCHWÄTZ: Keiner von uns hat eine derartige Ausnahmesituation, eine Pandemie, jemals erlebt. Unter- oder übertreiben wir dabei in unserem Tun?

Kühn: Wenn uns so etwas passiert wie in Bergamo, das eine vergleichbare Größe wie der Hohenlohekreis aufweist, wenn man die Einwohnerzahl von 120.000 betrachtet, mit aktuell 800 und bald vermutlich 1.000 Toten, dann kämen wir bald an eine Letalitätsrate [Anm. d. Red.: Sterberate] von einem Prozent auf die Gesamtbevölkerung (nicht nur der Infizierten). Wenn man das auf Gesamtdeutschland überträgt mit rund 82 Millionen Einwohnern, dann wären das 820.000 Tote. Nicht zu vergessen: Die Intensivstationen in Bergamo sind sehr gut ausgestattet un ganz abgesehen davon, dass der Höhepunkt hier noch nicht erreicht ist.

„Uns entgehen die ganzen Symptomlosen“, die nicht getestet werden

GSCHWÄTZ: Hat Deutschland zu spät reagiert?

Kühn: In Südkorea werden nicht nur Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch äußerlich gesunde Menschen und darunter waren einige positiv Getestete. Uns entgehen die ganzen Symptomlosen und dadurch verbreitet sich der Virus weiter. Wer sowieso schon Grippesymptome aufweist, geht in der Regel nicht mehr so auf die Straße und steckt andere an, wie jemand, der sich gesund fühlt, aber Corona hat.

GSCHWÄTZ: Durch den Engpass an Teststäbchen werden derzeit auch nicht mal mehr alle mit Symptomen getestet und den Ärzten obliegt es, hier eine korrekte klinischeDiagnose zu treffen. Ein schier unmögliches Unterfangen, oder?

Kühn: Es ist ganz einfach: Wenn jemand derzeit Grippesymptome hat, muss er zu Hause in Quarantäne bleiben. Dann meldet der Arzt ihn als möglichen Coronaverdacht. Der Abstrich wird nur noch gemacht, wenn er ins Krankenhaus muss und er dadurch in Kontakt mit anderen Menschen kommt.

Stichwort Krankenhaus Künzelsau: „Jetzt zählt jedes Bett“

GSCHWÄTZ: Das Krankenhaus Künzelsau wurde am 15. November 2019 geschlossen. Kurz darauf breitete sich in China die Corona-Epidemie rasant aus. Anfang 2020 traf es auch Deutschland. Aus einer Epidemie wurde eine Pandemie. Wie viele Krankenhausbetten entgehen uns derzeit durch das Sparen im Krankenhaussystem in den vergangenen Jahren?

Kühn: Vor der Krise war die Aussage von dem baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha, dass man von 5,5 auf 4,4 Krankenhausbetten auf 1.000 Einwohner reduzieren wolle. Im Vergleich: Japan hat 13,9 Betten auf 1.000 Einwohner, also rund dreimal so viel. In Hohenlohe gab es bereits vor der Schließung lediglich 2,5 Krankenhausbetten, nach der Schließung des Krankenhauses Künzelsau waren es noch 1,7 Betten auf 1.000 Einwohner. Jetzt zählt jedes Bett und besonders die Intensivbetten mit Beatmung bei den schweren Corona-Verläufen.

GSCHWÄTZ: Wie ist der Hohenlohekreis hier derzeit aufgestellt?

Kühn: In Öhringen gibt es 12 Beatmungsplätze pro 110.000 Einwohner – wenn man die Narkosegeräte noch mit dazu zählt. Der Bundesdurchschnitt liegt hier rund dreimal so hoch bei 34 Beatmungsplätzen pro 100.000 Einwohner. Man darf dabei auch nicht vergessen: Jedes der 140 Betten im Künzelsauer Krankenhaus hätte Sauerstoffversorgung gehabt für die leichteren Fälle. Aber das jetzt auf die Schnelle wieder hochzuziehen, wird sehr schwierig werden. Jetzt sieht man mal, was passiert, wenn man auf viele Jahre das Gesundheitswesen auf Effizienz trimmt. Das reicht halt für eine Pandemie nicht.

„Entweder es gibt eine schnelle Durschseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das in die Länge und kriegen bestmögliche Versorgungsbedingungen hin

GSCHWÄTZ: Was denken Sie, wie lange die Pandemie uns in Atem halten wird?

Kühn: Entweder es gibt eine schnelle Durchseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das dementsprechend in die Länge und kriegen bestmögliche Bedingungen für die Versorgung hin, das dauert dann zwar auch dementsprechend länger, aber es werden weniger sterben. Also daher bitte ich jeden, zu Hause bleiben, damit die Kapazitäten ausreichen, damit alle bei Bedarf eine ausreichende Beatmungstherapie bekommen.

GSCHWÄTZ: Eine Herausforderung auch für die Ärzte.

KÜHN: Das sind schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden und vor denen wir Angst haben. Was macht man beispielsweise, wenn die Intensivstation voll ist mit Menschen über 80 Jahren und dann kommt ein 40-Jähriger, der ebenfalls beatmet werden muss?

Wie konnte Hohenlohe Corona-Hotspot werden?

GSCHWÄTZ: Hohenlohe ist der Corona-Hotspot in Deutschland mit den offiziell am meisten Infizierten pro Kopf, geht man von der offiziellen Zahl aus. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Kühn: Man weiß mittlerweile anhand von diversen Beispielen, dass sich viele bei öffentlichen Veranstaltungen angesteckt haben. Daraus kann man schließen, dass man sich ziemlich schnell und leicht anstecken kann mit dem Virus. Zur Zeit des Rebenglühens Anfang März 2020 hat man diesen Virus in Hohenlohe noch nicht so richtig ernst genommen.

„Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann“

GSCHWÄTZ: Wie gehen Sie privat mit der Krise um?

Kühn: Ich gehe persönlich nicht mehr einkaufen im Supermarkt, nur noch im Monat einmal, dann aber kaufe ich viel. Ein guter Tipp aus meiner Zeit, als ich in Kalkutta als Medizinstudent war, beherzigen wir jetzt auch wieder: schälen, kochen oder wegwerfen. Sprich: Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann.

Herr Kühn, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Seit Anfang dieser Woche rüstet das THW das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau auf. Foto: GSCHWÄTZ vom 26.03.2020

Anbei veröffentlichen wir die aktuellen Corona-Zahlen des Sozialministeriums Baden-Württemberg (26. März 2020). Derzeit gibt es offiziell 8.441 Fälle und 76 Todesopfer. 302 Coronafälle weist der Hohenlohekreis dabei auf:




Künzelsauer Krankenhaus: Vor 2 Wochen noch ein klares Nein der BBT-Gruppe – Nun erfolgt eine Kehrtwende um 180 Grad

Was kann einem Landkreis peinlicheres passieren, als ein Krankenhaus trotz wochenlanger Proteste der Bevölkerung zu schließen, um es nur vier Monate später wieder zu öffnen (sicher, es ist derzeit „nur“ eine Isolierstation, aber wer weiß heutzutage schon, was morgen daraus wird? Hier scheinen sich jedenfalls die Spielregeln ständig zu ändern)? Hinzu kommt, dass ausgerechnet dieser Landkreis derzeit im Fokus Deutschlands als Corona-Hotspot steht. Beides Schlagzeilen, über die der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth vermutlich nicht besonders amused ist.

Not amused

Vielleicht schaffen wir es aber auch bald, den Hotspot-Thron wieder zu verlassen, es gibt ja derzeit im Hohenlohekreis sowieso nur noch eine begrenzte Zahl an Teststäbchen, mit denen man testen kann, wer nun Corona hat und wer nicht.  Jeder, der grippeähnliche Symptome hat, wird derzeit angehalten, einfach mal Zuhause bleiben und wenn es schlimmer wird, sich wieder zu melden. Soweit von der Krisenfront im Hohenlohischen.

Als wir rund vor zwei Wochen bei der BBT-Gruppe – wir erinnern uns, die mit dem wohlklingenden Namen ,Barmherzigen Brüder‘ – gefragt haben, ob das Künzelsauer Krankenhausgebäude im Zuge der Coronapandemie möglicherweise genutzt wird – besteht also eventuell auch nur die geringste Chance – erhielten wir ein klares Nein. Ohne Begründung. Und nun, zwei Wochen später, die Kehrtwende um 180 Grad. So weit zur Weitsicht von Krankenhausträgern in gesundheitsbedingten Krisenzeiten.

Wir erinnern uns: Kleine Krankenhäuser sind zu teuer und zu ineffizient

Die Pandemie ist keine Frage verheerend, kein Spaß und mit Sicherheit hat sie keiner kommen sehen zu einer Zeit, als die Bundes- und/oder Landesregierungen (wer weiß das schon so genau, keiner will es gewesen sein) die Krankenhausschließungen  mit der Axt quer durch Deutschland geschlagen haben. In zahlreichen Landkreisen gab es Proteste wie in Künzelsau. Kleine Krankenhäuser seien zu teuer, zu ineffizient. Manfred Lucha, der Sozialminister in Baden-Württemberg, gab die Marschrichtung vor, zahlreiche Landräte folgten und verwiesen stets auf „die da oben“. Eines aber schienen die meisten von ihnen vergessen zu haben:

Auf einmal sind problemlos Milliarden da

Das Sozialsystem Deutschlands ist kein Wirtschaftsgut, sondern ein Grundrecht, dieses es nicht zu bemessen gilt mit dem spitzen Bleistift eines Finanzministers – zumal – hoppla, auf einmal problemlos Milliarden da sind, die nun an die Wirtschaft angesichts der drohenden Krise ohne Probleme seitens der Regierung ausgeschüttet werden können, weil – so erklärt es die Regierung in Berlin – der Staatssäckel gut gefüllt sei, weil man ja gut gewirtschaftet habe. Genau. Unter anderem beim Gesundheitssystem. In Katastrophen-Szenarien zeigen sich die wahren Helden und das sind die Menschen, die dieses Gesundheitssystem jetzt und bereits seit Jahren unter erschwerten Bedingungen am Leben erhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nur bei einem „danke“ an alle nun helfenden Hände – Rettungsdienstler, Ärzte, Krankenschwestern, Pflegemitarbeiter und viele andere mehr – bleibt, sondern dass zumindest einer als Sieger aus dieser Pandemie hervorgeht:

das deutsche Gesundheitssystem und alle, die es stützen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

 




Corona Hotspot Hohenlohe – Was ist schiefgelaufen?

Festleskultur, zu wenig Tests, zu viele „stille“ Träger

Der Hohenlohekreis gelangte in den vergangenen Wochen zu deutschlandweiter Berühmtheit. Und das diesmal nicht durch den Schraubenmilliardär Reinhold Würth und sein Imperium mit der Schaltzentrale in Künzelsau-Gaisbach, sondern mit einem Virus, das sich rasant weltweit ausgebreitet hat.

Der Hohenlohekreis ist ähnlich wie Bergamo in Italien und das Elsaß in Frankreich als Hotspot von Coronainfizierten in den Medien genannt worden. So viele Infizierte umgerechnet auf die Einwohnerzahl gibt es derzeit nirgends sonst in Deutschland. Doch wie konnte es soweit kommen? Was ist schiefgelaufen in diesem kleinen Kreis im Norden Baden-Württembergs mit seinen rund 120.000 Einwohnern? Ein Kreis, der so ländlich geprägt und gleichzeitig so wirtschaftsstark ist wie kaum ein anderer.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befand sich noch im Winterschlaf

Drehen wir die Zeit ein paar Wochen zurück. Wir schreiben Mitte Februar 2020. Während in China die Zahl der an Covid-19 erkrankten Fälle und auch die Todesrate sprunghaft in die Höhe schießt, schwadroniert der Bundesgesundheitsminister und damals noch potenzielle Kanzlerkandidat Jens Spahn darüber, dass er mit der CDU bei der nächsten Wahl die 30-Prozent-Hürde knacken möchte. Kein Wort zu Corona. Wir haben darüber am 14. Februar 2020 einen Kommentar mit dem Titel veröffentlicht: „Der Coronavirus kommt und ihr seid noch beim Karneval – Die Unfähigkeit der regierenden Politiker“.

Air China fliegt weiter

Air China fliegt weiter und wird noch lange weiterfliegen – aus wirtschaftlichen Gründen, wie der Münchner Merkur berichtet. Die ersten Meldungen aus dem Bundesland Bayern kommen hereingeflattert, Mitarbeiter der Firma Webasto haben sich infiziert mit dem neuartigen Coronavirus, dem man den Namen Covid-19 geben wird. Menschen, die aus China angeflogen kommen, müssen einen Fragebogen ausfüllen, auf dem sie ankreuzen, ob sie Kontakt mit Coronainfizierten hatten und damit in 14-tägige Quarantäne müssen. Das erinnert ein wenig an den Fragebogen der Vereinigten Staaten, wenn man einreist à la : Sind Sie Terrorist?

Noch Anfang März Veranstaltungsankündigungen des Landratsamtes

Es gibt zunächst kaum offizielle und einheitliche Informationsschreiben über das Virus, die Symptome, den Verbreitungsweg (wir berichteten in unserer Märzausgabe 2020). Daher kann es sich auch zunächst ungeniert in Deutschland ausbreiten. Noch Ende Februar und Anfang März 2020 veröffentlicht das Landratsamt des Hohenlohekreises Pressemitteilungen mit der Ankündigung öffentlicher Veranstaltungen, die teilweise für den 19. März 2020 terminiert sind. Am 02. März 2020, nur wenige Tage nach dem Ende der Faschingsferien, ändert sich alles. Die Stadt Künzelsau sagt alle öffentlichen Veranstaltungen, auch die Einwohnerversammlung ab.

Die offizielle Zahl des Hohenlohekreises beläuft sich anfangs noch auf Null

Das Landratsamt berichtet fortan fast täglich über die Zahl der Coronainfizierten im Hohenlohekreis, deren Zahl sich zunächst auf Null beläuft. Ein Koordinierungsstab wird gebildet, das Landratsamt verweist darauf, dass öffentliche Veranstaltungen dazu beitragen können, dass sich der Virus schneller verbreitet. Der erste offiziell als corona-positiv bestätigte Fall veröffentlichte das Landratsamt am 05. März 2020.

Aber es gibt Veranstaltungen, die nicht abgesagt werden in einem Landkreis, der geprägt ist von der Vereins- und Festleskultur, vom Ehrenamt und Zusammenhalt. Das Rebenglühen in Bretzfeld mit rund 10.000 Teilnehmern findet von 06. bis 08. März 2020 statt. Am Samstag, den 07. März 2020, gab es einen Kleinkindkleiderbasar in der Weinbrennerhalle in Untermünkheim. Am 01. März 2020 gab es noch Konzert mit mehreren Posaunenchören in einer kleinen Kirche im Ort Kupferzell. So berichtet es das Nachrichtenmagazin Focus online. Auch in Pfedelbach gibt es noch diverse Veranstaltungen, unter anderem der Weltgebetstag in Pfedelbach-Untersteinbach am 06. März 2020 sowie die Hohenlohe Rallye am 07. März 2020 – alles Städte und Gemeinden, die später zu so genannten Hotspots mutierten sollen – also wo es besonders viele Covid-Infizierte geben wird.

10. März 2020. Es gib 16 offiziell registrierte Coronafälle im Hohenlohekreis. In Kupferzell lässt das Landratsamt unter anderem durch das Technische Hilfswerk (THW) vorsorglich eine Quarantänestation in der Akademie für Landwirtschaft einrichten. Die 17 Betten sollen für Menschen sein, die sich nach einer Corona-Diagnose nicht zu Hause isolierten können oder wollen, um andere anzustecken. In der Pressemitteilung des Landratsamtes hierzu heißt es: „Das Robert Koch-Institut beurteilt die Gefährdungssituation für die Bevölkerung als mäßig.“Das wird sich kurze Zeit später ändern.

15. März 2020. „In den kommenden Tagen rechnet der Hohenlohekreis mit einem weiteren Anstieg der bestätigten Coronavirus-Fälle im Hohenlohekreis sowie der Verdachtsfälle“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Daher hat das Landratsamt in Zusammenarbeit mit dem THW Pfedelbach nun die Möglichkeit einer so genannten „Drive-in-Abstrichstelle“ in Belzhag bei Kupferzell geschaffen. Die Abstrichstelle wird von Ärzten der kassenärztlichen Vereinigung gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz betrieben. Ähnliche Stellen gibt es bereits in anderen Landkreisen. Das THW Künzelsau unterstützt die Umsetzung des Projekts ab Betriebsbeginn. Die Abstrichstelle beim Gesundheitsamt in Künzelsau wird ihren Betrieb einstellen.

Das Prozedere: Die Menschen, die grippeähnliche Symptome und dann noch typische Covid-Symptome haben wie trockener Husten und Atemnot, sollen sich beim Hausarzt melden. Dieser überweist sie an die Drive-In-Abstrichstelle. Erst mit dieser Überweisung wird der Abstrich in Belzhag vorgenommen.

Kein telefonisches Durchkommen bei den Hausärzten, Tage später Tests, Tage später das Ergebnis.

An dieser Stelle ergeben sich gleich mehrere Probleme: Bei den Hausärzten ist zu dieser Zeit kaum mehr ein telefonisches Durchkommen. Viele Einwohner berichten uns, dass es vom Verdacht bis zur Diagnose mehrere Tage vergehen. In dieser Zeit können wiederum andere Personen angesteckt werden, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine Quarantäneregulungen für diese Verdachtsfälle gibt.

17. März 2020. Der Hohenlohekreis meldet den ersten Corona-Todesfall.

18. März 2020. Nach Bayern und zahlreichen anderen Bundesländern schließt nun auch Baden-Württemberg alle Schulen und Kindergärten. Bereits Tage zuvor schloss das Ganerben-Gymnasium und die Anne-Sophie -Schule, weil sie Covid-Verdachtsfälle hatte. Die Ergebnisse lassen auf sich warten.
Zur gleichen Zeit schließen fast alle Rathäuser ihre Pforten für die Öffentlichkeit und sind fortan lediglich über E-Mail oder eingeschränkt telefonisch zu erreichen.

Niedernhalls Stadtverwaltung setzt ein Zeichen und lässt nur noch eine begrenzte Zahl an Kunden in die Supermärkte und Drogerien vor Ort. In der Kreisstadt Künzelsau gibt es in den Supermärkten in Künzelsau auch Anfang April noch keine Einlassbeschränkungen. Teilweise stauen sich die Kundenschlangen im Kaufland, weil nur zwei Kassen offen sind. Auch bei den Schutzmasken ist Niedernhalls Stadtverwaltung Vorreiter und veröffentlicht Anfang April 2020 ein Schreiben, indem die Bevölkerung gebeten wird, mitzuhelfen, 4.000 Masken herzustellen.

Lange Schlangen an den Supermarktkassen, auch als alle Alarmzeichen schon leuchten

Es gibt landesweite Kontaktsperren. Mehr als zwei Personen dürfen sich nicht mehr zu Zusammenkünften treffen – ausgenommen Familien. Bayern geht mit der meisten Anzahl an Infizierten einen Sonderweg und führt Ausgangssperren ein. Auch in Baden-Württemberg werden die Menschen angehalten, nur noch zwecks Arbeit und zum Enkaufen das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Derweil haben die Krankenhäuser in und um den Hohenlohekreis die ersten Covid-Patienten, die
wegen starken Atemwegsproblemen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

HK-Chefarzt kritisiert Vorgehen des Landratsamtes massiv

Trotz eines klaren „Neins“ der BBT-Gruppe, des Mehrheitseigners der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK), gegenüber GSCHWÄTZ zwei Wochen zuvor, wird das Krankenhaus Künzelsau Ende März 2020 vom THW für Coronazwecke reaktiviert.Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha bekundet angesichts der Coronapandemie nun, dass auch ehemalige Krankenhausgebäude wieder genutzt werden könnten. Erst rund vier Monate zuvor, am 15. November 2020, wurde es auch federführend unter Lucha geschlossen, weil es laut dem Landkreis und dem Land Baden-Württemberg zu kostenintensiv war. Aber: Es soll nur als Isolierstation dienen, ohne medizinisches Fachpersonal und ohne Sauerstoffversorgung für Patienten mit Atemwegsproblemen. Dr. Andreas Kühn, bis 01. April 2020, Chefarzt am HK, kritisiert scharf, dass laut dem Landratsamt sowohl gesunde Risikogruppen als auch kranke Menschen mit leichten Symptomen in der Isolierstation untergebracht werden. Dieses Vorgehen sei „absolut fahrlässig“. Kühn warnt öffentlich davor, als Gesunder in die Isolierstation zu gehen, da die Ansteckungsgefahr zu groß sei.

Ärzte im Hohenlohekreis schlagen Alarm

Hohenlohe: Viele Jahre wurde an den Krankenhausmitarbeitern gespart – Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter noch gegen Arbeitsverträge

Am 22. März 2020 meldet das Landratsamt die offizielle Zahl von 350 Infizierten.

Landrat Dr. Matthias Neth ruft öffentlich nach Spenden von Schutzkleidung wie Schutzmasken auf. Zusätzlich werde medizinisches Personal benötigt. Woran derzeit keiner mehr denkt: Noch Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter des seit vier Monaten geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau gegen die HK vor, weil sie wesentlich schlechtere Arbeitsverträge angeboten bekommen haben https://www.gschwaetz.de/2020/02/06/keinen-lohn-keine-krankenversicherung-mehr-2-mitarbeiterinnen-verklagen-hk/

Auch medizinisches Personal muss man sich eben leisten können. Vor der Seuche konnte der Hohenlohekreis es nur noch eingeschränkt. Und jetzt?

Vor den Hilfsrufen des Landrats hat er noch zwei Videos veröffentlicht, in welchen er unter anderem die Bvölkerung dazu aufruft, zu Hause zu bleiben, um die Schwachen und Alten zu schützen. Es gehe „um Leben und Tod“.

Es gehe um Leben und Tod

Teile der Hohenloher Bevölkerung sind irritiert angesichts der relativ niedrigen offiziellen Zahl an Infizierten auf der einen und den Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, auf der anderen Seite.

Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, zwei Tage später über 400. Bei einerm derartigen Wachstum ist der Sprung zu einer vier- oder gar fünfstelligen Zahl nicht mehr weit.

Der exponentielle Anstieg der Infektionszahlen, vor dem zahlreiche Experten warnen (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen der Infizierten in Baden-Württemberg. Ende März 2020 wächst die Zahl der Coronafälle pro Tag vierstellig. Am 28. März 2020 sind es fast 11.000 offiziell erfasste Coronafälle im Ländle – Tendenz weiter stark steigend. Vier Wochen zuvor waren es noch eine Handvoll.

Zahlreiche Coronainfizierte werden nicht erfasst

Das Problem bei dieser Statistik ist: Es werden längst nicht alle Coronainfizierte erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders.

Die gefährlichsten Verbreiter, nämlich Infizierte ohne Symptome, werden nicht getestet

Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelt, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach oder eine pauschale Testung aller Besucher einer Veranstaltung mit Coronainfzierten wurde bislang nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen „stillen“, weil symptomlosen Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken.

Nichtsdestotrotz testen die Hausärzte im Hohenlohekreis zuerst im Gesundheitsamt in Künzelsau, dann an einer provisorisch eingerichteten so genannten Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag im März 2020 zahlreiche Menschen mit Teststäbchen, an einem Tag nicht selten zwischen 100 und 200. Das Problem: Diese Teststäbchen sind mittlerweile nur noch in begrenzter Anzahl vorhanden. Ein deutschlandweites Problem. Getestet werden daher in der Regel nur noch „Härtefälle“ mit schwerem Verlauf, die ins Krankenhaus müssen und man vorher abklären muss, ob sie eine starke Grippe oder Corona haben, um im Krankenhaus nicht wieder andere zu infizieren.
Bereits in der letzten Märzwoche finden wesentlich weniger Testungen statt, teils nur noch 16 pro Tag. Damit einhergehend steigt auch die offizielle Zahl von Coronainfizierten im Hohenlohekreis weniger stark an. Denn: Nur die mittels Teststäbchen im Labor getesteten Infizierten fließen in die offizielle Coronastatistik mit ein.

Diese so genannten klinischen Diagnosen der Ärzte fließen aber nicht in die offizielle Zahlenstatistik des Landratsamtes mit ein. 

Zweistellige Zahl an Arztpraxen musste schließen

Hinzu kommt: Eine ärztliche Diagnose ist gar nicht mehr so einfach zu bekommen. Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat seit Mitte März 2020 in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.

Das Problem mit der nachträglichen Ermittlung aller Kontaktpersonen.

Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises hat erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier schier unmöglich sei. Diese öffentliche Erklärung erfolgte allerdings erst über zwei Wochen nach der eigentlichen Veranstaltung.

Was bedeutet eine steigende Zahl an Infizierten für die Krankenhäuser im Hohenlohekreis und im Umland?

Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung), die man bei schweren Coronaverläufen braucht. Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat (maximal 12 sind laut Aussagen von hiesigen Ärzten möglich), ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung bereits nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal in Öhringen unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. Ein vollkommen separates Haus wie etwa in Schwäbisch Hall gibt es für Coronapatienten in Öhringen nicht.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen.

Aber dafür muss der Kreis jetzt alle Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall, gewappnet zu sein.

Besonders bitter: Weder das Landratsamt des Hohenlohekreises noch das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg haben bislang gegenüber der Presse (Stand: 30.03.2020) auch auf mehrfache Nachfrage hin keine Zahlen über die klinischen, also die ärztlichen Corona-Diagnosen veröffentlicht. Dann hätte man vermutlich ein wesentlich realistischeres Bild hinsichtlich der Anzahl der Infizierten. Die offiziell über das Labor positiv getesteten Infizierten liegt laut dem Landratsamt bei 453 Infizierten im Hohenlohekreis (Stand: 30.03.3030).

 




Der Shut-down muss kommen

Quarantäne – Kinderbetreuung – Schule zu Hause – Eltern am Anschlag zwischen Job und Kindern. Deutschlands Firmen brechen wegen den Auswirkungen und der politischen Verordnungen der Coronapandemie reihenweise die Arbeitnehmer weg. Wie soll da ein Betrieb noch richtig laufen können? Oder aber die Arbeitnehmer erledigen home office und Kinderbetreuung in einem Aufwasch und gehen parallel noch für die ältere Generation innerhalb der Familie einkaufen. Man mag erst gar nicht daran denken, wenn dann noch eine Infektion mit dem Coronavirus hinzukommt. In dieser Zeit haben viele nicht nur das Gefühl der Überforderung.

Der Industrie ergeht es ähnlich. Firmen haben weiterhin ihre Ausgaben, während die Aufträge wegbrechen und/oder es an Arbeitnehmern zum Abarbeiten derselben fehlt. Ein Teufelskreis. Ein so genannter Shut-down, den diverse Experten für Deutschland empfohlen haben, würde helfen, den Druck aus der Gesellschaft zu nehmen und zugleich die potentielle Zahl der Ansteckungen radikal zu reduzieren. Doch was bedeutet ein Shut-down?

Bei einem Shut-down herrscht quasi für eine gewisse Zeit – hinsichtlich der Coronakrise empfehlen Experten zwei bis drei Wochen – eine Art Stillstand im Land. Sprich: Firmen arbeiten in dieser Zeit nicht mehr, nur die Betriebe und Einrichtungen laufen auf Minimalniveau weiter, die für die Versorgung – selbstverständlich auch und insbesondere der Gesundheitsversorgung – von Nöten sind, wie etwa die Lebensmittelbranche.

Alles andere „gefriert“ ein. Idealerweise auch alle monatlichen Abbuchungen von laufenden Kosten. Das betrifft unter anderem Mieten, Forderungen von Banken und ähnliches. Das würde vielen am Ende des Monats März schon helfen. Wenn man diesen Shut-down nun ausrufen würde, wäre im Monat April eventuell schon wieder Licht am Ende des Tunnels.

Je später man aber nun reagiert, umso größer der Schaden und umso länger wird Deutschland brauchen, sich davon zu erholen.

Symbolfoto Geld. unsplash/Ibrahim Rifath

 




Corona: Reaktivierung des Künzelsauer Krankenhauses möglich

Nein.“ So lautete die knappe Antwort der Barmherzigen Brüder Trier (BBT), dem Mehrheitseigner der Hohenloher Krankenhaus gGmbH vor nicht allzu langer Zeit auf die Frage (wir berichteten), ob das ehemalige Künzelsauer Krankenhaus im Zuge der Corona-Pandemie eventuell wieder genutzt werden wird, etwa für eine Quarantänestation oder auch, um Infizierte zu behandeln. Auch mögliche andere Nutzungen des Krankenhausgebäudes in Künzelsau im Zuge der Pandemie wurden von der BBT-Gruppe nicht genannt. Mittlerweile hat sich der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha jedoch gegenüber dem SWR dahingehend geäussert, dass auch ehemalige Krankenhausgebäude zur Nutzung von leicht- bis mittelschwer Erkrankten in Betracht gezogen werden. https://www.gschwaetz.de/2020/03/14/gesundheitsminister-lucha-moechte-leere-krankenhaeusgebaeude-zur-behandlung-des-virus-zu-nutzen/

Also besteht nun doch die Möglichkeit einer Reaktivierung und wenn ja, wer entscheidet dies nun in einer derartigen Ausnahmesituation, wie wir sie aktuell erleben – der Mehrheitseigner BBT oder die Regierung? Fragt man diesbezüglich das Landratsamt, ist die Antwort eindeutig: „Ob und inwieweit das ehemalige Krankenhausgebäude Künzelsau von der Landes- oder Bundesregierung genutzt werden soll, ist nicht durch den Hohenlohekreis, sondern durch die Bundes- beziehungsweise Landesregierung zu entscheiden.“ Die Landesregierung hat sich bislang noch nicht dazu geäussert, welche ehemaligen Krankenhäuser hier in Betracht gezogen werden.

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann würde er eine Reaktivierung begrüßen. Grundsätzlich ist es laut Neumann wichtig, in dieser Ausnahmesituation, zu fragen: „Was ist notwendig, damit Betroffene adäquat behandelt werden?“

Entscheidend wird hier sein, wie stark die Zahl der Infizierten im Hohenlohekreis ansteigen wird und wie viele von ihnen einen Krankheitsverlauf haben werden, der eine Krankenhausaufenthalt erforderlich macht.

 

 




Bürgermeister Neumann: „Wir nehmen die Lage ernst, aber übertriebene Panikmache ist nicht angesagt“ – Wie es nun weitergeht in der Kreisstadt für die Bürger & das Gewerbe

Es ist Dienstagvormittag, der 17. März 2020. Stefan Neumann kommt gerade von einer Sondersitzung des Leitungsstabes zum Coronavirus‘. Sie würden sich nun fast täglich treffen, erklärt der Bürgermeister von Künzelsau. „Bislang waren wir im Beobachtungsmodus, jetzt sind wir im Krisenmodus“ angesichts der steigenden Zahlen an Infizierten im Hohenlohekreis. Der Rathauschef wirkt dennoch ruhig und gelassen. Wir wohlen von ihm wissen: Wie gut ist Künzelsau vorbereitet auf das, was nun kommen könnte?

Neumann: „Wir haben uns relativ früh entschieden, hier eher restriktiv vorgehen, wir waren früh dran mit der Absage von Veranstaltungen.“

Tatsächlich hat Künzelsau früher als andere Städte und Gemeinden Veranstaltungen, die in den kommenden Wochen angestanden wären, abgesagt, so auch die Einwohnerversammlung, die eigentlich direkt nach den Faschingsferien hätte stattfinden sollen.

GSCHWÄTZ: Wie sehen Sie die Rolle der Stadtverwaltung in der kommenden Zeit?

Neumann: Es gibt ja nun diverse Verordnungen des Landes, unter anderem was Restaurants und Geschäfte betrifft. (Anm. d. Red.: Mehr Informationen zu den Schließungen am Beispiel Bruchsal: https://www.wochenblatt-reporter.de/bruchsal/c-lokales/zum-schutz-vor-dem-coronavirus-schliessen-spielplaetze-und-geschaefte_a180844) Unsere Aufgabe ist es: Wie können wir vor Ort beraten und unterstützen? Wir versuchen, den Draht zu den Unternehmen und Gewerbetreibenden zu halten. Wir als Stadtverwaltung sind arbeitsfähig. Wir schichten. Wir wollen Ansprechpartner sein für Fragen, die sich nun auftun.

GSCHWÄTZ: Haben sich schon Gewerbetreibende aus Sorge, wie es nun weitergeht, an Sie gewandt?

Neumann: Ja, manche Gewerbetreibende haben mir gegenüber schon Existenzängste geäussert. Und das kann man auch verstehen. Wir als Stadt sind ja auch Vermieter und Pächter und wir machen uns Gedanken, wie wir da helfen können. Unser Ziel muss ja sein, dass diese Läden wieder öffnen können, dass es diese Läden danach noch gibt.

GSCHWÄTZ: Als eines der wenigen Rathäuser haben Sie noch geöffnet. Welche konkreten Hygienemaßnahmen gibt es für Besucher und -mitarbeiter?

Neumann: Es gibt natürlich verschärfte Hygieneregeln, das beinhaltet auch das Desinfizieren der Hände.

GSCHWÄTZ: Sitzen Sie schon mit Atemschutzmaske und Schutzhandschuhen im Büro?

Neumann (lacht): Nein. Ich halte nichts davon, dass jeder jetzt mit Atemschutzmaske und Schutzhandschuhen vor die Tür geht. Wir nehmen die Lage ernst, aber übertriebene Panikmache ist nicht angesagt. Wenn jeder die Regeln beachtet, kann man was tun. Wir haben gestern morgen beraten, ob wir Spielplätze schließen oder nicht. Nun kam die Botschaft, dass die Spielplätze geschlossen werden müssen.

GSCHWÄTZ: Sie sind selbst dreifacher Familienvater. Wie gehen Sie und Ihre Frau privat mit der Situation um?

Neumann: Man bleibt zu Hause, im Garten oder auf der Straße vor dem Haus, man schraubt die sozialen Kontakte herunter. Das ist anstrengend, aber es wird noch viel anstrengender werden.

GSCHWÄTZ: Wie lange, schätzen Sie, könnten diese Maßnahmen dauern?

Neumann: Das wird bis Ostern noch ein Stück anziehen mit den Fällen. Wir hoffen, dass diese Eindämmungsmaßnahmen Wirkung zeigen. Und dann streben wir an, nach Ostern das öffentliche Leben wieder in Gang zu setzen. Alle Regelungen dienen dazu, die Eindämmung zu verlangsamen. Jeder sollte die Lage ernst nehmen. Bezüglich Veranstaltungen werden wir auch im Mai nichts Größeres machen. Wir planen derzeit auch keine Veranstaltungen. Das wird uns noch eine ganze Weile begleiten.

GSCHWÄTZ: Wie oft sind Sie angesichts der Ausbreitung des Coronavirus‘ in Kontakt mit dem Landratsamt?

Neumann: Bedarfsbezogen, wir sind in direktem Austausch, teilweise mehrmals am Tag. Das funktioniert auch sehr gut. Ich glaube, die Mitarbeiter des Landratsamtes leisten richtig gute Arbeit hinsichtlich der Kommunikaton und Information.

GSCHWÄTZ: Sind Sie auch mit Ärzten vor Ort in Kontakt? Bürger haben uns berichtet, dass sie mehrere Stunden versucht haben, ihren Hausarzt telefonisch zu erreichen.

Neumann: Die Allgemeinmediziner werden, glaube ich, ziemlich überrannt, zusätzlich zu der normalen Grippewelle. Man hat ja derzeit auch ein hohes Gefühl der Unsicherheit, wenn man Husten oder Schnupfen hat. Aber man muss einfach Geduld haben, bis man durchkommt. Hier leistet jeder sein Möglichstes.

 

 

 

 




„Man versucht, sich selber zu schützen und andere wollen einen reinreiten“ – Schornsteinfeger kritisiert Weisung von oben

Manche ältere Menschen möchten angesichts des Coronavirus‘ keine Schornsteinfegerbesuche mehr, das baden-württembergische Wirtschaftsministerium hält jedoch daran fest.

Mehrere Jahrzehnte ist er nun schon Schornsteinfeger im Hohenlohekreis. Er liebt seinen Beruf, aber das, was der Familienvater derzeit erlebt, darüber kann Daniel Müller (Der Name wurde von der Redaktion geändert, der richtige Name ist der Redaktion bekannt) nur den Kopf schütteln. Denn das baden-württembergische Wirtschaftsministerium hat sich offiziell dazui geäussert, inwieweit Schornsteinger noch Haushalte angesichts der Verbreitung des Coronavirus‘ besuchen sollen – und diese Weisung widerspricht allen offiziellen Empfehlungen der Landesregierung.

Wir bearbeiten rund 2ß00 bis 250 Häuser wöchentlich“, berichtet Daniel Müller gegenüber der Redaktion GSCHWÄTZ. „Wir müssen durch das Haus laufen, je nachdem, wo der Ofen steht. Wir haben selbst Kinder zu Hause, die wir nicht anstecken möchten.“ Und vor allem: „Stellen Sie sich nur mal vor, ich stecke da jetzt jemanden an und dem geht es schlecht wegen mir.“ Viele ihrer Kunden seien älter, gehören also der Hochrisikogruppe an. Bei manchen Haushalten wurde ihm bereits der Zutritt verweigert aufgrund der Angst wegen des Coronavirus‘ mit den Worten: “ „Wir sind Risikogruppe und sollen nicht raus. Warum sollen wir Sie reinlassen?“

Für Müller durchaus nachvollziehbar. „Es gibt mit Sicherheit aber auch viele, die sich nicht trauen, etwas zu sagen, auch wenn sie Angst haben und einen nicht reinlassen wollen“, gibt er zu Bedenken.

Das sind die Sorgen, die Müller derzeit plagen – und auch einige seiner Schornsteinfeger-Kollegen. Bei einer offiziellen Anfrage an die Landesregierung in Baden-Württemberg nimmmt das Wirtschaftsministerium Stellung. Ina von Cube antwortet am 13. März 2020 unter anderem mit diesem Satz: „Dennoch ist festzuhalten, dass die gesetzlich begründeten Eigentümerpflichten aufgrund der Corona-Pandemie nicht aufgehoben sind.“ Sprich: Die Hausbesitzer müssen Schornsteinfeger ins Haus lassen. Ein Widerspruch zur offiziellen weisung des Landesministeriums und auch der Bundesregierung, soziale Kontakte auf das Nötigste zu beschränken, inbesondere bei Hochrisikogruppen. Gehört zur essenziellen Versorgung also auch der Schornsteinfegerbesuch? Die Präsident der Schornsteinfegerinnung Baden-Württemberg, Stefan Eisele, bestätigt: „Derzeit gibt es keinen Grund, Schornsteinfegerarbeiten nicht auszuführen, da eine Ansteckung nur über direkten Kontakt erfolgt. Schutzmaßnahmen wir Handschuhe oder Mundschutz können jedoch hilfreich sein. Schutzmaßnahmen wir Handschuhe oder Mundschutz können jedoch hilfreich sein.“ Das ist zum einen nicht korrekt. Eine Ansteckung lann auch durch indirekten Kontakt über Oberflächen erfolgen. https://www.ruhr24.de/service/coronavirus-lebensdauer-viren-oberflaechen-forscher-desinfizieren-zr-13597748.html

Zum anderen widerspricht diese Weisung allen Weisungen der Landes- und Bundesregierung, soziale Kontakte soweit es geht zu vermeiden https://www.welt.de/wissenschaft/plus206529025/Coronavirus-Social-Distancing-Was-bringt-das-ueberhaupt.html

Zum anderen ergibt sich nun ein neues Problem für die Schornsteinfeger. Je mehr Haushalte ihnen den Zugang verwehren, desto länger werde der Rattenschwanz, so Müller. Denn: „Wir müssen das alles schriftlich dokumentieren, einen zweiten Termin ausmachen und so weiter. Als allerletzte Maßnahme gäbe es dann noch die Zwangsöffnung.“ Bislang habe er so etwas nur eine Handvoll Mal in seiner beruflichen Laufbahn erlebt.

Daniel Müller bleibt nun erst einmal zu Hause auf und baut Überstunden ab.

 

 

 

Screenshots des Schreibens der baden-württembergischen Landesregierung, Seite 1.

Screenhot des Schreibens des Präsidenten der Schornsteinfegerinnung.

Screenshots des Schreibens der baden-württembergischen Landesregierung, Seite 1.

 




Hohenlohe/Corona: Altenheime & Schulen im Ausnahmezustand – Werden alle Einrichtungen geschlossen?

Das Altenheim Sankt Bernhard in Künzelsau bittet in einem Schreiben an Angehörige um Verständnis, dass angesichts des Coronavirus‘ erst einmal nur noch „unaufschiebbare“ Besuche nach „vorheriger telefonischer Absprache und Anmeldung in der Einrichtung erfolgen“. Ansonsten bleiben die Türen für Besucher erst einmal geschlossen. Damit möchte die Leitung verhindern, dass sich Bewohner und Mitarbeiter des Heimes mit dem Virus infizieren. In diversen Schulen im Hohenlohekreis wird mit Spannung die Kultusministerkonferenz am heutigen (12. März 2020) Nachmittag erwartet, bei der es unter anderem darum gehen wird, ob es deutschlandweite Maßnahmen bezüglich Schulschließungen geben soll – so wie es auch in anderen Länderen durchgeführt wird – etwa in Tschechien, Österreich und Italien.

Jede Schule reagiert anders

Derzeit agiert jedes Bundesland, jede Stadt und Gemeinde hier unterschiedlich. Selbst innerhalb derselben Stadt reagieren die Schulen nicht einheitlich. Während in Künzelsau die Anne-Sophie-Schule aufgrund eines Corona-Verdachtsfalles am Donnerstag, den 12. März 2020, und Freitag, den 13. März 2020, erst einmal ihre Pforten geschlossen hat, sind an den Berufsschulen der Kreisstadt bislang nur vereinzelt Klassen zu Hause geblieben. Das Ganerben-Gymnasium hat wie die Anne-Sophie-Schule für alle Schüler geschlossen, während in der die Realschule wiederum der Schulbetrieb normal weitergeht.

In einem Interview des Radiosenders SWR 2 am Mittwoch, den 11. März 2020 forderte Ralf Caspary, Vorsitzender des Philologenverbandes Baden-Württemberg: Alle Schulen müssten wegen des Corona-Virus bis zu den Osterferien präventiv geschlossen werden. Immerhin sei auch der Schulbetrieb eine Großveranstaltung, die man nun meiden solle.

Schutz der Schwachen

https://www.swr.de/swr2/wissen/Medizin-Neues-Coronavirus-Wir-muessen-alle-Schulen-schliessen,neues-coronavirus-wir-muessen-alle-schulen-schliessen-100.html

Caspary plädierte unter anderem für eine einheitliche bundesweite Regelung. Derzeit zögert Deutschland noch mit derartigen Maßnahmen. Zum einen wegen der föderalistisch geprägten Republik, wonach Bildung Ländersache ist. Zum anderen wäre der volkswirtschaftliche Schaden vermutlich erst einmal immens. Wenn alle Schüler zu Hause blieben, wer betreut diese? Die eigentlich berufstätigen Mamas oder gar die als Hochrisikogruppe eingestuften Großeltern? Wie arbeiten Firmen und andere Einrichtungen weiter, ohne weibliche Arbeitskräfte, die daraufhin eventuell reihenweise wegbrächen? Auf der anderen Seite gilt es nun vor allem die Schwachen der Bevölkerung zu schützen vor dem Virus, der zehnmal tödlicher als eine Grippe verläuft: ältere Menschen, kranke, schwache. Und die kann man am besten schützen, in dem sich generell so wenig wie möglich infizieren und den Virus weiterverbreiten. Und da ist Vorsorge besser als Nachsorge, um die Ansteckungskette zu unterbrechen.




SPD & Grüne fordern Mietpreisbremse für Künzelsau – Stadtverwaltung nimmt nach Absprung Ingelfingens Abstand von dem Thema

In den vergangenen Jahren sind die Mieten in Künzelsau drastisch gestiegen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/02/09/kuenzelsau-mietpreise-erhoehen-sich-in-fuenf-jahren-um-ueber-32-prozent/ Nun fordern SPD und Grüne eine Mietpreisbremse in Künzelsau. Die Stadtverwaltung hat diesen Plan nun aber erstmal ad acta gelegt.

„Im bisherigen Haushaltsplan lag bei der Verwaltung die Aufgabe, einen qualifizierten Mietspiegel zu erstellen. Auf unsere Nachfrage hin hat die Verwaltungsspitze dem Gemeinderat eröffnet, dass sie diese Maßnahme gestrichen hat“, sagt Hans-Jürgen Saknus, stellvertretender SPD-Kreisverbandsvorsitzender im Hohenlohekreis im Namen der SPD und Grünen in seiner Rede zum Haushalt 2020 der Stadtverwaltung Künzelsau. Saknus fordert im Namen der SPD und der Grünen eine Mietpreisbremse für Künzelsau. Zunächst sollte diese auch kommen. Nun aber scheint das Thema für die Stadtverwaltung Künzelsau erstmal vom Tisch.

Verhinderung von Preisspiralen durch Mietwucher

Die Stadtverwaltung Künzelsau begründet ihre Streichung damit, dass, so Elke Sturm von der Stadtverwaltung Künzelsau, „ein interkommunaler Versuch, einen Mietspiegel zu erarbeiten, leider gescheitert ist.“ Die Stadt Künzelsau habe daraufhin Abstand davon genommen, einen Mietspiegel zu erstellen. Hintergrund ist der Absprung der Gemeinde Ingelfingen, die mit Künzelsau einen gemeinsamen Mietspiegel erheben wollte. Warum die Stadtverwaltung nicht allein, ohne Ingelfinge,n einen Mitspiegel erhebt, darauf ging die Stadtverwaltung in ihrer Presseantwort nicht näher ein.

Saknus erklärt gegenüber GSCHWÄTZ, dass „das Land Baden-Württemberg die Erstellung eines qualifizierten Mietspiegels mit 50 Cent pro Einwohner fördert, wenn zwei oder mehr Kommunen gemeinsam einen Mietspiegel einführen“. Trotz des Absprungs Ingelfingens sehen die SPD und die Grünen einen Mietspiegel für Künzelsau für dringend geboten, denn , so Saknus, „ein qualifizierter Mietspiegel ist ein transparentes Instrument für die Beteiligten im Wohnungsmarkt. Er ist für Investoren Kalkulationsskala und Mietern verlässliche Grundlage für die Verhandlungen. Eine ortsübliche Vergleichsmiete verhindert Preisspiralen durch Mietwucher und bietet Klarheit und Rückhalt für Mietsucher“. Fehlende Transparenz wiederum fördert seiner Meinung nach finanzielle und soziale Benachteiligungen. „Gerade im Wohnungsmarkt einer Kreisstadt sollte hier Orientierung und Transparenz durch die Verwaltung angeboten werden.“

Insbesondere kleinere Wohneinheiten stark gefragt

Er verweist in diesem Zuge auf den Paragrafen 558 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach die Aufgaben und Ziele eines Mietspiegels klar definiert seien. Elke Sturm von der Stadtverwaltung sagt, dass die Erstellung eines Mietspiegels rechtlich wiederum nicht vorgeschrieben sei. Die Stadtverwaltung Künzelsau sehe zwar, so Elke Sturm, dass der Wohnraum in Künzelsau begehrt sei. Insbesondere „kleinere Wohneinheiten seien, mit bedingt durch die Studenten an der Reinhold-Würth-Hochschule, stark nachgefragt. Auch Familien wohnen gerne in der Stadt. Die Stadtverwaltung ist daher „froh, dass die Bauträger der Region attraktive Wohnungen – auch für Familien – hauptsächlich in der Kernstadt, im Wohngebiet Taläcker und in Gaisbach schaffen. Mit der Erschließung von Neubaugebieten bietet die Stadtverwaltung auch dem Eigenheim-Interessenten viele Möglichkeiten, sich in Künzelsau niederzulassen. Baureife Grundstücke stehen zur Verfügung in Amrichshausen, Kocherstetten und Morsbach.“ So werde ein großes Wohngebiet gerade in Gaisbach erschlossen. Dort können die ersten Häuser voraussichtlich ab Anfang 2021 gebaut werden. Weitere Baugebiete seien geplant in Belsenberg und Nitzenhausen. Auch die Stadtverwaltung Künzelsau vermietet Wohnungen, die größtenteils für Studenten zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus würden Sanierungsprogramme des Landes genutzt: „Zur Zeit werden außerdem mit Landesmitteln aus dem „Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum“ (ELR) beispielsweise Maßnahmen von privaten Bauherren im Ortskern von Nagelsberg gefördert.“

Stadtverwaltung Künzelsau: „Die Wertwiesen wurden zu einem schmucken Naherholungsbereich mitten in der Stadt umgestaltet“

Des Weiteren, so Sturm, sei die Hauptstraße in Künzelsau im Rahmen der Stadtkernsanierung neu gestaltet und auch „die Wertwiesen wurden zu einem schmucken Naherholungsbereich mitten in der Stadt umgestaltet“ worden. Im Sanierungsgebiet „Westliche Innenstadt“ seien in den letzten Jahren rund 80 Wohneinheiten entstanden. Außerdem seien im ehemaligen Mustang-Areal und Quartier An der Stadtmauer über 150 Appartements und Wohnungen geplant. Damit Künzelsau weiterhin so attraktiv für die Menschen bleibt, werde die Stadtverwaltung weitere Bauflächen schaffen und dazu beitragen, dass neuer Wohnraum entstehe. Zusätzlich unterstütze die Stadtverwaltung Bemühungen zur Sanierung und Umnutzung von vorhandener Bausubstanz in Künzelsau und den Teilorten.