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Zwei Jahre GSCHWÄTZ

Am 01. November 2016 ging das erste GSCHWÄTZ-Magazin über die Hohenloher Ladentische. Der Aufmacher: „Aussteiger und Aufsteiger. Hohenloher, die die Welt erobern“. Damals 16 Seiten stark, hat sich unser Magazin auf 32 Seiten vergrößert. 2019 wollen wir auf 40 Seiten anwachsen – denn zu berichten gibt es viel in unserem schaurig-schönen Ländle.

Nicht nur im Printbereich, auch online sind wir rasant gewachsen. Seit rund einem Jahr sind wir bei Facebook aktiv. Hier erreichen wir monatlich teilweise über 40.000 Menschen. Auch unsere Internetseite, die erst ein Jahr jung ist, kann einiges an Wachstum vorweisen. Monatlich lesen dort teils über 22.000 Menschen unsere Berichte. Was uns besonders freut: Nach ersten Google-Analytics-Auswertungen lesen Männer und Frauen gleichermaßen unsere Artikel. Wir haben online ein sehr junges Publikum, die meisten sind zwischen 20 und 40 Jahren.

Während unsere Printleser unsere Ausgaben gerne archivieren, um komplexe Sachverhalte und Entwicklungen gegebenfalls nachlesen zu können, möchten unsere Online-Nutzer gerne schnell über Neuigkeiten aus dem Ländle informiert werden. Wir danken Ihnen allen für Ihr Interesse an unserer lokalen Hintergrundberichterstattung aus dem Hohenlohekreis. Wir bleiben auch weiter nah dran am Geschehen und verfolgen kritisch, was sich in der nächsten Zeit tut im Gesundheitswesen, in der Bildung, in der lokalen Wirtschaft, Politik, bei der Rente und der Pflege.

Ihr GSCHWÄTZ-Redaktionsteam




Die Uhr der Schande

Nach unserer Berichterstattung über den Pflegeskandal im Altenheim Krautheim hat uns eine tragische Geschichte aus Rheinland-Pfalz erreicht. Anbei veröffentlichen wir diese Geschichte, geschrieben von Stefan Heyde, die sich laut Heyde 2011 ereignet hat. Heyde und ein Kollege der Protestaktion „Pflegekräfte in Not“ haben den Brief sowie die dazugehörige kaputte Uhr (Foto links) im Juni 2018 im Bundesgesundheitsministerium (BG) abgegeben – adressiert an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.  Das BG weist auf GSCHWÄTZ-Nachfrage darauf hin, dass der für die Pflegeversicherung zuständige Unterabteilungsleiter der Abteilung vier, Herr Dr. Martin Schölkopf, als Vertreter des Ministers mit Herrn Heyde gesprochen und das Schreiben in Empfang genommen habe.

„Flächendeckender Tarifvertrag“

Auf die Pflegeproblematik allgemein angesprochen, verweist Doris Berve-Schucht vom BG darauf, dass es das Ziel des BG sei, „in der Altenpflege einen flächendeckenden Tarifvertrag zu erreichen. In der Krankenpflege wird hingegen bereits weitgehend nach Tarif bezahlt.“ [Anm. d. Red.: Die Mitarbeiter am Krankenhausstandort Künzelsau wurden jahrelang untertariflich bezahlt]. Das Ministerium verwies jedoch darauf, dass „das konkrete Aushandeln von Löhnen und Lohnerhöhungen in den Händen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer beziehungsweise der Tarifparteien liegt.“ Im Fall Altenheim Krautheim wären somit die BBT-Gruppe und der Hohenlohekreis als Eigner in der Pflicht, die Mitarbeiter nicht mehr länger untertariflich zu entlohnen.

28. Juni 2018 – der Brief

„Sehr geehrter Herr Spahn,

diese Uhr, welche sie in Ihren Händen halten, gehörte einem Bewohner aus einem Seniorenzentrum in Rheinland-Pfalz. Diese Uhr habe ich von der Ehefrau des Bewohners nach seinem Tod erhalten und die Geschichte hinter dieser zerbrochenen Uhr hat mich sehr traurig und nachdenklich gestimmt. Sie war ein Teil, der dazu beigetragen hat, mich so intensiv mit dem Pflegenotstand zu beschäftigen und gegen diesen anzukämpfen.

Es handelte sich um einen Mann von 76 Jahren. Er war noch sehr fit und eigenständig, obwohl ihn seine Grunderkrankung, Morbus Parkinson, immer mehr einschränkte und er dadurch auf Hilfe angewiesen war. Die Ehefrau hatte ihren Mann sehr lange, fast zehn Jahre, daheim mit Unterstützung eines ambulanten Dienstes versorgt. Am Ende reichte ihre Kraft jedoch nicht mehr aus und sie musste ihn schweren Herzens in ein Pflegeheim geben. Dort gewöhnte er sich schnell ein und verlor niemals den Humor und hatte Verständnis für die anderen Bewohner, aber auch für die Situation der Pflegekräfte vor Ort. Wenn es möglich war, half er mit und versuchte, diese zu entlasten. An diesem Tag jedoch sollte sich alles verändern.

Der Bewohner wollte kurz vor Mitternacht auf die Toilette gehen und meldete sich per Ruf bei der zuständigen Pflegekraft, um deren Unterstützung zu bekommen, da der Weg für ihn alleine zu gefährlich und er zu unsicher auf den Beinen aufgrund seiner Erkrankung war. Die Pflegekraft war in dieser Nacht jedoch mit der Situation im Wohnbereich überfordert, betrat das Zimmer und bat den Bewohner, um ein wenig Geduld. In „fünf Minuten“ wollte sie wieder da sein.

Er verlor das Gleichgewicht und stürzte.

Der Bewohner wartete und wartete, aber die Pflegekraft kam nicht wieder.  Um die Pflegekraft zu entlasten, machte er sich selbst auf den Weg zur Toilette, denn das hatte schon etliche Male vorher geklappt. Er lief schwankend zum Bad in seinem Zimmer und suchte nach dem Lichtschalter. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte. Mühevoll versuchte er, sich während des Sturzes irgendwo festzuhalten und schrammte dabei mit seinem Kopf vorbei, knallte auf das Waschbecken und fiel zu Boden. Er verlor das Bewusstsein.

Die Pflegekraft schaffte es erst um 0:15 Uhr, das Zimmer des Bewohners aufzusuchen und wollte ihn, wie geplant, zur Toilette begleiten. Als sie das Zimmer betrat, fand sie den Bewohner im Bad in einer großen Blutlache mit klaffender Platzwunde und ohne Puls vor. Die Pflegekraft fing sofort mit der Reanimation an, rief den Notarzt und kämpfte um das Leben des Bewohners. Als der Rettungsdienst eintraf, hatte der Bewohner einen sehr flachen Puls. Der Rettungsdienst nahm den Bewohner sofort mit, um ihn ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen. Der Bewohner verstarb gegen 03:00 Uhr an einer schweren Hirnblutung. Er starb, weil er die Pflegekraft, welche in der Nacht mit einem Kollegen zu zweit für über 110 Bewohner zuständig war, entlasten wollte. Diese Uhr hat mich viele Jahre begleitet und wurde für mich zu einem Symbol, sie wurde für mich zur „Uhr der Schande“. Nun ist es an der Zeit, diese Uhr weiterzugeben,  um vielleicht auch Sie zum Nachdenken zu bringen.

Diese Uhr wurde beim Sturz zerstört und blieb genau zu diesem Zeitpunkt mit zersplittertem Glas stehen. Die Uhrzeit zeigt 23:58 Uhr. Die Situation in den Pflegeberufen ist nicht mehr „fünf vor Zwölf“ oder „zwei Minuten vor Zwölf“, es ist schon weit danach.

Es wird Zeit, dass Sie handeln, fernab jedes Parteibuches zum Wohle der Bürger, welche einen Lebensabend in Würde und mit der bestmöglichen Versorgung verdient haben. Diese Uhr ist ein Sinnbild, wie schnell jeder von uns ein Teil dieses kranken Gesundheitssystems werden kann.“

Die Uhr der Schande.
Foto: privat




Halloween in der GSCHWÄTZ-Redaktion

In der Nacht vom 31. Oktober auf den 01. November 2018 sind die Friedhofsbewohner wieder auf Betriebsausflug. Untote, Zombies, Hexen, Geister und Vampire treiben ihr Unwesen. Auch von uns haben die gruseligen Gestalten Besitz ergriffen.

Die Redaktion des Grauens.
Foto: GSCHWÄTZ

Redakteurin Nadja Fischer wurde als erstes zu einer Untoten verwandelt. Danach verwandelte sie unsere Bürokatze Flocke – in einen Besen. Mit diesem Besen flog Hexenmeistern Dr. Sandra Hartmann zum Hexenkonvent nach Öhringen, während die Untote Nadja Fischer mit Vampir Kristina Dorn und Zombie Elke Brand nach Künzelsau flog, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

Kristina Dorn – der Vampir.
Foto: GSCHWÄTZ

Elke Brand – der Zombie.
Foto: GSCHWÄTZ

 

Dr. Sandra Hartmann – die Hexe.
Foto: GSCHWÄTZ

KLEINE INFO: In Hohenlohe gehen besonders in den kleineren Ortschaften in der Halloween-Nacht wieder viele Kinder von Haus zu Haus, um in gruseligen Kostümen nach Süßigkeiten zu fragen. Dieser Brauch geht auf die alten Kelten zurück. Sie feierten damals Samhain, eine Art Totenfest. Samhain bedeutet so viel wie Ende des Sommers und wurde dementsprechend zum Winteranfang des keltischen Kalenders gefeiert.

Am 31. Oktober bleibt der Friedhof wegen Betriebsausflug geschlossen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 




FRISCH GEDRUCKT: UNSERE NOVEMBER-AUSGABE

// „Ich wollte von der Kirche in Schwäbisch Hall springen.“ #ausderklapse – Uwe Hauck redet offen über seine Depression

// „Uhr der Schande“: Toter Heimbewohner sorgt für Wirbel

// Ihre Folterkammer – Kathys zuckersüßes Studio

// Niedernhaller marschiert durch die Welt und sucht coole Rezepte

Die Titelseite der aktuellen November-Ausgabe 2018.

=> Alles zu unseren Top-Themen und viele weitere Hintergrundinformationen lest ihr in unserer neuen, frisch gedruckten GSCHWÄTZ-November-Ausgabe

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Wir lieben unser Ländle.




Rauschgiftplantage entdeckt

In Eppingen stellten Rauschgiftfahnder der Kriminalpolizei Heilbronn am Sonntag, den 28. Oktober 2018, in einem Mehrfamilienhaus insgesamt 271 Marihuanapflanzen in unterschiedlichen Wachstumsstadien, knapp über zwei Kilogramm bereits geerntete Marihuanablüten, eine Schusswaffe mit Munition, diverse Messer sowie einen hohen vierstelligen Bargeldbetrag sicher.
Ein Bewohner des Hauses hatte seine zweistöckige Wohnung und seinen Balkon nahezu vollständig für den Anbau von Cannabispflanzen fachgerecht umgebaut. Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass der Mann bereits seit mehreren Jahren seinen Lebensunterhalt mit dem Anbau und Verkauf von Rauschgift verdiente. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn beantragte einen Haftbefehl gegen den Mann. Dieser wurde am Montag durch das zuständige Amtsgericht Heilbronn erlassen und in Vollzug gesetzt. Der Beschuldigte wurde in einen Justizvollzugsanstalt eingeliefert.
Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn



Exhibitionist in Öhringen

Am vergangenen Sonntagmittag, den 28. Oktober 2018, trat in der Zeit zwischen 12 und 12.30 Uhr ein unbekannter Exhibitionist in Öhringen am Radweg zwischen dem Einkaufszentrum und der Büttelbronner Höhe auf.
Der Mann zeigte sich im dortigen Bereich unter der Autobahnbrücke. Er wird auf etwa 30 bis 33 Jahre geschätzt, war etwa 170 bis 175 cm groß und wirkte korpulent. Er hatte eine Glatze mit seitlich wenig Haaren. Außerdem trug er einen kleinen dünnen Oberlippenbart. Bekleidet war er mit einer dunkelblauen Jeans, schwarzen Schuhen und einem dunklen, vermutlich schwarzen, etwa knielangen Mantel mit großen Plastikknöpfen. Er sprach deutsch mit tiefer Stimme.
Die Kriminalpolizei Künzelsau sucht Zeugen. Wer eine solche Person gesehen hat oder ebenfalls belästigt wurde, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 07940 9400 bei der Polizei Künzelsau zu melden.
Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn



Die Kunst zu Sterben

Am Donnerstag, den 08. November 2018, um 19 Uhr, referiert Bettina Jörger vom Hospizdienst Kocher-Jagst und Pfarrerin Sabine Focken im Foyer des Seniorenzentrums Schöntal-Westernhausen, über die Kunst zu Sterben und Palliativmedizin. Aus verschiedenen Blickwinkeln richten die Referenten an diesem Abend die Aufmerksamkeit auf die letzten Wochen, Tage und Stunden des Lebens in dieser Welt. Der Abend soll bereichern, sodass man Sterbenden mit Respekt begegnen kann und das eigene Leben lebendiger und tiefer wird.

Anmeldungen bis zum 05. November im Pfarramt Dörrenzimmern unter der Telefonnummer: 07940/3754 oder per E-Mail an: pfarramt.doerrenzimmern@elkw.de.




Mann entblößt sich vor 17-Jährigem

Hinweise zu einem Vorfall, der sich am Freitag, den 26. Oktober 2018, gegen 16.10 Uhr in der öffentlichen Toilette im Bahnhofsgebäude Osterburken ereignete, erhofft sich der Polizeiposten Adelsheim. Ein 50 bis 60 Jahre alter Mann entblößte gegenüber einem 17-Jährigen sein Geschlechtsteil und machte gegenüber dem Jugendlichen unsittliche Bemerkungen. Der junge Mann verließ daraufhin sofort die Toilette. Der 50 – 60 Jahre alte Mann, wird als etwa 1,80 Meter groß beschrieben, hatte eine normale, etwas kräftige Statur, braune Haare, eine Halbglatze und trug zur Tatzeit einen schwarzen Blouson und eine Jeans. Er hatte einen schwarzen Rucksack mit einem roten Emblem oder Aufschrieb dabei. Wer Hinweise zur unbekannten männlichen Person geben kann, wird gebeten, sich mit dem Polizeiposten Adelsheim unter der Telefonnummer 06291 648770 in Verbindung zu setzen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 28. Oktober 2018

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 




Annâweech macht glücklich

Unsere GSCHWÄTZ-Autorin Nadja Fischer hat sich unter den Hohenlohern umgehört, was sie glücklich macht. An erster Stelle rangieren Familie, Gesundheit und den Moment genießen. Für Luca Nobile aus Kupferzell bedeutet Glück etwa: „Wenn ich in meinem Auto laut die Band Annaweech hören kann.“

Für den verstorbenen Musiker Gonzo, war Glück, „wenn ich nach einem meiner vielen Auftritte in meine Heimat Hohenlohe zurückkehre. Ich freue mich jeden Tag darüber, in welch‘ einer schönen Gegend ich leben darf.“

Für Michael Fuchs bedeutet Glück, „gesund zu sein und das zu schätzen, dass man unbeschwert sein Leben genießen kann.“

 

Professor Dr. Frank Brettschneider von der Uni Hoheheim erforscht, was Menschen glücklich macht.

 

Ruhe genießen und nicht mitten im Stadtkern leben, das ist für viele bei der Wahl, wo sie wohnen möchten, wichtig. Nur 19 Prozent der Menschen bis 35 Jahren zieht es tatsächlich in die Innenstädte. Das ergab die Studie „Wohnwünsche 2017“ im Auftrag der LBS West. Im Rahmen von Online-Interviews hat die Beratungsgesellschaft für Wohnen, Immobilien und Stadtentwicklung 520 Mieter und Eigentümer in Nordrhein-Westfalen und Bremen befragt. Trotz des regionalen Charakters dieser Umfrage dürften die grundsätzlichen Ergebnisse auf das Gros der deutschen Bevölkerung übertragbar sein.

 

Ein weiteres Ergebnis:

 

Insgesamt hat die Mobilität der Bürger in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Wohnort muss dabei nicht direkt an der Arbeitsstelle liegen. Die Bereitschaft, einen längeren Weg zur Arbeit auf sich zu nehmen, ist gestiegen. Im Schnitt würden die Befragten 32 Kilometer zur Arbeit pendeln – pro Weg. Das sind noch einmal zwei Kilometer mehr als noch vor fünf Jahren. Soziale Bindung beim Wohnen zählt offensichtlich deutlich mehr als kurze Wege zum Job. „Sicherheit“, „Ruhe“ und „gute Nachbarschaft“ sind denn auch seit vielen Jahren die wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Wohnumfeldes.

 

Wir haben Prof. Dr. Frank Brettschneider, Glücksforscher an der Universität Universität Hohenheim, dazu befragt, was Menschen glücklich macht.

„Glücklichmacher sind Gesundheit, Partnerschaft und finanzielle Sicherheit“, sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider.
Foto: Brettschneider

GSCHWÄTZ: Sie haben ja 2016* und 2015 bereits Studien für die LBS durchgeführt. Was war das Ziel?

Brettschneider: Vor zwei Jahren wollte die LBS Stiftung Bauen und Wohnen von uns wissen, ob Wohneigentum glücklich macht. Damals haben wir herausgefunden, dass Wohneigentümer tatsächlich glücklicher sind als Mieter. Das gilt auch, wenn man das Einkommen, die Bildung und das Alter der Befragten berücksichtigt. Zweitens: Je zufriedener Menschen mit ihrer Wohnsituation sind, desto glücklicher sind sie. Ausschlaggebend für die Zufriedenheit sind die Größe der Wohnung und die Ausstattung. Drittens: Beim Kauf sind die größten Glücksmomente die Entscheidung für die Immobilie, der Kauf, der Einzug und die Zahlung der letzten Rate. In der Studie gab es auch Hinweise darauf, dass sich Wohneigentümer etwas stärker gesellschaftlich engagieren als Mieter. Das haben wir zum Anlass genommen, diesem Aspekt in der Folgestudie näher auf den Grund zu gehen.

 

„Von den Wohneigentümern geben 60 Prozent an, sehr glücklich zu sein.“

 

GSCHWÄTZ: Was sind die Ergebnisse der weitergeführten Studie von 2016? Sind Immobilien nach wie vor im wahrsten Sinne glücklich machende Objekte wie in der Studie von 2015?

Brettschneider: Ja, Wohneigentümer sind nach wie vor glücklicher als Mieter. Von den Wohneigentümern geben 60 Prozent an, sehr glücklich zu sein. Unter den Mietern sind es 43 Prozent. Dass Wohneigentümer glücklicher sind als Mieter gilt sowohl für Wohnlagen in Stadtzentren, in Stadtrandlagen, in Vororten und in ländlichen Gegenden. In Stadtzentren ist der Glücks-Unterschied zwischen Eigentümern und Mietern am größten. Am geringsten ist er in ländlichen Gegenden.

 

GSCHWÄTZ: Was sind weitere  „Glücklichmacher“?

Brettschneider: Das Glücksgefühl von Menschen speist sich aus zahlreichen Quellen. An der Spitze stehen Gesundheit und Partnerschaft. Dann kommen finanzielle Sicherheit und Selbstverwirklichung.

 

„Mit dem Alter steigt die regionale Verbundenheit.“

 

GSCHWÄTZ: Wie hängen Wohneigentum, regionale Verbundenheit und ehrenamtliches Engagement zusammen?

Brettschneider: Von den Wohneigentümern fühlen sich 64 Prozent sehr stark oder stark mit ihrer Region verbunden. Unter den Mietern sind es 51 Prozent. Mit dem Alter steigt die regionale Verbundenheit. In allen Altersgruppen drückt sie sich auf vielfältige Art und Weise aus. Dabei zeigt sich bei den Wohneigentümern immer eine stärkere regionale Verbundenheit als bei den Mietern: Wohneigentümer kaufen häufiger regionale Lebensmittel (56 Prozent) als Mieter (47 Prozent). Wohneigentümer haben häufiger viele Freunde und Bekannte in der Region (48 Prozent versus 39 Prozent). Sie kümmern sich häufiger um das, was in ihrer Nachbarschaft passiert (38 Prozent versus  29 Prozent). Und Wohneigentümer spenden häufiger für gemeinnützige Zwecke (34 Prozent) als Mieter (21 Prozent).

 

GSCHWÄTZ: Wie sind diese Ergebnisse zu erklären?

Brettschneider: Sich in einer Region niederzulassen, stärkt fast automatisch die regionale Verbundenheit. Wenn man mehr oder weniger dauerhaft an einem Ort wohnt, dann engagiert man sich auch eher im örtlichenSportverein, in der Bildungseinrichtung, im sozialen Bereich, in der Kirchengemeinde oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Dann hat man eher das Bedürfnis, sein Wohnumfeld aktiv mitzugestalten, als wenn man zur Miete wohnt und daher vielleicht auch eher mal den Wohnort wechselt. Mit anderen Worten: Mieter empfinden nicht weniger gesellschaftliche Verantwortung als Wohneigentümer. Die Umstände ihres Mietverhältnisses führen jedoch dazu, dass sie im Durchschnitt etwas weniger aktiv sind als die Wohneigentümer, die örtlich fester verwurzelt sind. Damit fördert Wohneigentum nicht nur das individuelle Wohlbefinden der Eigentümer. Es hat auch positive Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben.

 

GSCHWÄTZ: Was macht Sie persönlich glücklich?

Brettschneider: Am glücklichsten macht mich meine Familie. Aber auch mein Beruf, da ich es dort mit interessanten Menschen und spannenden Forschungsfragen zu tun habe.

 

„Aber immer definieren die Menschen selbst, was sie unter „ihrem Glück“ verstehen.“

 

GSCHWÄTZ: Werden wir zum Schluss noch ein wenig philosophisch: Wie haben Sie denn „Glück“ in Ihren Studien definiert? Was ist Glück / Glücklichsein?

Brettschneider: In der Wissenschaft übersetzen wir Glück mit „subjektivem Wohlbefinden“. Mit anderen Worten: Was Menschen unter ihrem individuellen Glück verstehen, variiert nach Alter, nach Kulturkreis, nach geografischer Region. Mit dem Ausmaß, den Ursachen und den Folgen von Glücklichsein beschäftigen sich inzwischen zahlreiche Wissenschaften – neben den Sozialwissenschaften auch die Wirtschafts- und die Politikwissenschaft. Aber immer definieren die Menschen selbst, was sie unter „ihrem Glück“ verstehen. Wir fragen sie nur, ob sie glücklich sind.

 

* Für diese Studie hat die GfK im Oktober 2016 eine repräsentative Umfrage mittels Online-Interviews durchgeführt. An der Umfrage haben laut  Frank Brettschneider bundesweit 1.109 Personen ab 18 Jahren teilgenommen. In Baden-Württemberg wurde die Zahl der Befragten auf 1.037 aufgestockt. Bei der Vorgänger-Studie waren es 1.442 Befragte bundesweit und 2.788 Befragte in Baden-Württemberg.

 

 

 




Künzelsau und Bad Mergentheim besonders gründungsfreundlich

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hat am Freitag, den 26. Oktober, bekanntgegeben, welche Kommunen und interkommunalen Projekte im bundesweit einmaligen Landeswettbewerb „Start-up BW local“ mit ihren Konzepten zur Gründungsförderung überzeugen konnten und nun als „Gründungsfreundliche Kommune“ ausgezeichnet werden.

Unter den Gewinnern waren auch Künzelsau und Bad Mergentheim.

Den Start für Unternehmensgründer erleichtern

Hoffmeister-Kraut gratulierte den ausgezeichneten Kommunen und zeigte sich begeistert über die große Resonanz auf den Landeswettbewerb: „Wir möchten Baden-Württemberg zu einer der gründungsdynamischsten Regionen Europas machen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir die Gründungsdynamik auch in der Fläche des Landes entfalten. Unser Wettbewerb zeigt uns, dass schon heute Gründungsvorhaben von den Kommunen und auf regionaler Ebene kreativ unterstützt werden. Das müssen wir weiter ausbauen.“

Die Kommunen leisteten als wichtige Anlaufstelle für Gründungswillige einen enorm wichtigen Beitrag zur weiteren Beschleunigung der Gründungsdynamik im gesamten Land. Der Wettbewerb habe sein Ziel erreicht, flächendeckend Kommunen zum Thema Gründung und Unternehmertum zu sensibilisieren, so die Wirtschaftsministerin. Dabei sei eine bemerkenswerte Bandbreite an Aktivitäten in den vorgestellten Konzepten deutlich geworden.

Gesamtsiegern winkt eine Finanzspritze

Die Kommunen und interkommunalen Projekte, deren Konzepte die stärkste Dynamik in einem weiteren Ausbau von Gründungsvorhaben erwarten lassen, präsentieren ihre Konzepte nun erneut beim „Start-up BW Summit 2019“ am 1. Februar 2019 auf der Landesmesse Stuttgart. Dort werden die siegreichen Wettbewerbsbeiträge dann unter Einbeziehung des Publikums ermittelt. Den Gesamtsiegern in den drei Kategorien „Gemeinde“, „Stadt“ und „Landkreis / interkommunales Projekt“ wird eine zweijährige Projektförderung für die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen in einem Gesamtvolumen von jeweils bis zu 100.000 Euro in Aussicht gestellt.

Hoffmeister-Kraut: „Mit der Auszeichnung ‚Gründungsfreundliche Kommune‘ möchten wir die Aktivitäten von Kommunen und in die Gründungsförderung eingebundener regionaler Partner würdigen und ihnen zusätzliche Sichtbarkeit verleihen.“ Aber nicht nur die Kommunen dürften sich über die Auszeichnungen freuen, so die Ministerin: „Insbesondere die Gründerinnen, Gründer und Start-ups in ganz Baden-Württemberg profitieren von der Umsetzung bereits begonnener und geplanter Konzepte. Auf diese Weise unterstützen wir alle gemeinsam die weitere Beschleunigung der Gründungsdynamik in Baden-Württemberg.“

Nach der laufenden ersten Runde in 2018/2019 soll der Wettbewerb – der vom Wirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit den kommunalen Spitzenverbänden Landkreistag Baden-Württemberg, Städtetag Baden-Württemberg, Gemeindetag Baden-Württemberg sowie dem baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertag BWIHK und dem baden-württembergischen Handwerkstag BWHT durchgeführt wird – im Jahr 2020 in die nächste Runde starten.

82 Kommunen aus Baden-Württemberg haben sich beworben

Zwölf Gemeinden, 19 Städte und zwölf Verbundprojekte – zusammengerechnet 82 Kommunen – aus Baden-Württemberg stellten am 16./17. Oktober 2018 in den Räumlichkeiten der L-Bank in Stuttgart ihre Konzepte, Aktivitäten und Visionen für eine gründungsfreundliche Kommune vor. Eine Jury aus gründungserfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern beurteilte die Wettbewerbsbeiträge und entschied über die Finalisten in den drei Kategorien „Gemeinde“, „Stadt“ und „Landkreis / interkommunales Projekt“.

Mit dem Label „Gründungsfreundliche Kommune 2018/2019“ ausgezeichnet wurden:
Kategorie Gemeinde (bis 20.000 Einwohner):
Blaubeuren, Breisach, Ebhausen, Künzelsau, Magstadt, Meßkirch, Oberderdingen, Sigmaringen, Walldorf
Kategorie Stadt:
Albstadt, Bad Mergentheim, Baden-Baden, Ehingen (Donau), Esslingen, Friedrichshafen, Geislingen (Steige), Göppingen, Konstanz, Leonberg, Mannheim, Ravensburg, Reutlingen, Rottenburg, Villingen-Schwenningen
Interkommunale Projekte
Bruchsal, Bad Schönborn, Dettenheim, Forst, Gondelsheim, Hambrücken, Karlsdorf-Neuthard, Kraichtal, Kronau, Östringen, Ubstadt-Weiher, Sulzfeld, Zaisenhausen
Dornhan, Alpirsbach, Loßburg
Freiburg, Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, Kreis Emmendingen
Region Heidelberg (Heidelberg, Hockenheim, Leimen, Rhein-Neckar-Kreis, Schriesheim, Schwetzingen, Sinsheim, Weinheim, Wiesloch)
Karlsruhe, Bühl, Ettlingen, Rastatt
Kirchheim unter Teck, Filderstadt, Nürtingen
Landkreis Ludwigsburg
Landkreis Biberach, Biberach, Laupheim, Riedlingen
Niedereschach, Dauchingen, Deißlingen
Ortenaukreis
Region Ostwürttemberg (Aalen, Ellwangen, Giengen, Heidenheim, Kreis Heidenheim, Ostalbkreis, Schwäbisch Gmünd)
Ulm, Alb-Donau-Kreis (in Kooperation mit Neu-Ulm und dem Kreis Neu-Ulm)
Am „Start-up BW Summit 2019“ am 1. Februar 2019 dürfen folgende Kommunen und interkommunalen Projekte ihre Konzepte präsentieren:
Kategorie Gemeinde (bis 20.000 Einwohner):
Ebhausen, Magstadt, Meßkirch
Kategorie Stadt:
Konstanz, Reutlingen, Rottenburg
Interkommunale Projekte
Landkreis Biberach (Biberach, Laupheim, Riedlingen)
Region Heidelberg (Heidelberg, Hockenheim, Leimen, Rhein-Neckar-Kreis, Schriesheim, Schwetzingen, Sinsheim, Weinheim, Wiesloch)
Ortenaukreis

Quelle: Pressemitteilung des baden-württembergischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau vom 26. Oktober 2018

Foto: Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg