„Als Hohenloher bisch du ä ganz großer hier uf de Erde“ Die besten Zitate 2019
Für die Kreisstadt des Hohenlohekreises war das Jahr 2019 gezeichnet durch eine Achterbahnfahrt der Gefühle. 2018 begann der Prozess um Elisabeth S. aus Künzelsau, die ihren damals siebenjährigen Ersatzenkel Ole aus Künzelsau erwürgt hat. Der Prozess endete im April 2019 – fast genau ein Jahr nach der Tat mit einer Verurteilung wegen Totschlags zu etwas mehr als zehn Jahren Haft für die ehemalige Krankenschwester.

Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf plädierte auf fahrlässige Tötung. Foto: GSCHWÄTZ
An dem Schicksal des Jungen nahm nicht nur ganz Künzelsau Anteil, sondern eine ganze Nation. Deutschlandweit berichteten Medien über die schier unfassbare Tat. Die an Depressionen leidende Elisabeth S. sagte unter anderem aus: „Ich habe gedacht, er hat etwas verschluckt. Ich habe in Panik nicht abrufen können, was ich gelernt habe. Ich habe am Brustkorb versucht, ihn zu reanimieren. Nie im Leben würde ich Ole etwas antun.“ Richter Roland Kleinschroth antwortete damals: „Das Problem ist nur: Ole ist tot.“

Klimazug rollte am 20.
September 2019 durch Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ
Für unsere Redaktion, die diesen Prozess eng verfolgte und darüber berichtete, steht diese Tat stellvertretend für die Abgründe menschlichen Handelns und man wird erinnert an den von Thomas Hobbes geprägten pessimistischen Satz, was die menschliche Spezies betrifft: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“
Dagegen hat eine junge Generation wieder neue Hoffnung. Die Fridays-for-future-Bewegung, die 2018 mit Greta Thunbergs Klimaprotest in Stockholm begann, erreichte 2019 auch den Hohenlohekreis. Hunderte Schüler, Eltern, Lehrer und fff-Anhänger demonstrierten für einen besseren Klimaschutz. Die Bauern zogen nach. Nachdem ihnen massive Kritik ob einer vermeintlich klimaschädlichen Landwirtschaftspolitik zu Teil wurde, rollten Hunderte von Traktoren nach Stuttgart und Tausende nach Berlin, um gegen weitere Restriktionen zu demonstrieren und stattdessen gemeinsam mit den Verbrauchern über nachhaltige Landwirtschaft zu sprechen. Währenddessen pflanzten Politiker wie der Ingelfinger Bürgermeister Michael Bauer und die beiden Landtagsabgeordneten Arnulf von Eyb (CDU) und Anton Baron (AfD) Bäume im Ingelfinger Stadtwald. Roland Hartz erinnerte wegen der anhaltenden Dürre daran, dass „wir die gefährlichste Situation im Wald seit Menschengedenken haben.“

Alice Weidel bei der AfD-Veranstaltung am 02. Februar 2019 in Niedernhall. Foto: GSCHWÄTZ
Es war das Jahr der Proteste. Die Künzelsauer protestierten 2018 und 2019 zumindest gedanklich weiter gegen die Schließung ihres Krankenhauses – ohne Erfolg. Am 15. November 2019 gingen endgültig die Lichter aus am Krankenhausstandort in Künzelsau. „Das bricht einem fast das Herz“, äußerte sich eine Mitarbeiterin des Krankenhauses kurz vor der Schließung gegenüber GSCHWÄTZ.

Das HK Team verabschiedet sich. Foto: privat
Mit viel Polizei und Sicherheitskräften ist die AfD bei ihren Wahlkampfverabstaltungen vor den Europawahlen im Hohenlohekreis aufgefahren. Alice Weidel sprach in Niedernhall, Jörg Meuthen in Künzelsau. Meuthen sagte unter anderem in Künzelsau: „Es wird derzeit eine völlig verkorkste Klimapolitik gemacht. Ich habe das Gefühl, das Europäische Parlament ist ein Stuhlkreis der Vollzeitverstrahlten.“

Besucher des Stadtfestes in Künzelsau von 12. bis 14. Juli 2019. Foto: GSCHWÄTZ
Aber es gab auch genügend zu feiern. Nach zwei Jahren rief Künzelsau wieder zum Stadtfest und die Besucher kamen aus allen Nachbarstädten und Ortschaften. Ein Dorf aus dem Jagsttal feierte 2019 ein ganz besonderes Fest. Hollenbach. 800 Jahre. Hier sprach einer der begnadetsten Redner aus der Region: Gerhard Sprügel. Mit seinen Worten möchten wir unseren kurzen unvollständigen, aber doch hoffentlich kurzweiligen Jahresrückblick 2019 beenden: „Als Hoheloher bisch du ä ganz großer hier uf de Erde. Aber mehr als ä Hollebacher kannsch net werde.“

„Er nahm vom Besten nur das Beste und nicht von der großen Welt die Reste“. Besucher auf dem Fest zum 800-jährigen Jubiläum von Hollenbach. Foto: GSCHWÄTZ








