In Ernsbach und Berlichingen will sich die Volksbank Hohenlohe zum 31. März 2020 aus den lokalen Geschäftsstellen zurückziehen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das als „Schließung“ bezeichnet. Von „Schließung“ will aber Jochen Leitner, Pressesprecher der Volksbank Hohenlohe, nicht sprechen: „Nein, die Filialen werden nicht geschlossen. Sie werden in eine VobaMobil-Filiale umgewandelt. Das bedeutet für die beiden Ortschaften eine Reduzierung von Öffnungszeiten der Volksbank Filiale.“ Eineinhalb Stunden am Dienstagnachmittag und zwei Stunden am Freitagvormittag soll den Ernsbachern zukünftig ein persönlicher Berater vor Ort zur Verfügung stehen – im sogenannten „VoBa-Mobil“, das auch einen Geldautomaten und einen Kontoauszugsdrucker mitbringt.
„Das Geld bleibt nicht in der Region“
Ernsbach, das mit Arnold und Henkel eine durchaus industrielle Infrastruktur hat und durch das geplante Museum noch attraktiver werden wird, wird in Zukunft keine feste Bankfiliale mehr haben, nachdem die Sparkasse ebenfalls nicht vor Ort vertreten ist. Reiner Gundel, der in Ernsbach eine Bäckerei betreibt, befürchtet weitere Reduzierungen: „Sindringen und Ohrnbach sind schon geschlossen. Wann schließen Forchtenberg und Weißbach? Dann muss ich zur Bank nach Künzelsau.“ Er bemängelt, dass keine dauerhafte Bargeldversorgung mehr vor Ort zur Verfügung steht. In der Bäckerei sei Barzahlung für die Kleinbeträge üblich. Ein Mitarbeiter der Volksbank habe ihm mitgeteilt, dass man ja heute jederzeit an der Tankstelle oder im Discounter Bargeld abheben könne. „Wenn der Kunde sowieso zum Discounter fahren muss, dann kauft er dort auch ein. Der Kleine geht kaputt, das Geld bleibt nicht in der Region“, ist Gundel entsetzt und befürchtet nicht nur für seinen Betrieb Einbußen.
Bargeldauszahlung im Laden anbieten
Gundel ist der Überzeugung, dass gerade die regional verankerte Genossenschaftsbank eine besondere Verantwortung für die Menschen und die Betriebe der Region hat. Eine andere Sicht auf die Situation hat Jochen Leitner: „Diesen Bargeldservice kann jeder Gewerbetreibende seinen Kunden anbieten – also auch das lokale Gewerbe. Insofern kann dieser Aspekt für einen lokalen Gewerbetreibenden sogar zu einem Wettbewerbsvorteil direkt vor Ort werden, wenn er in seinem Laden die Bargeldauszahlung anbietet.“ Im Übrigen sieht er die Bargeldversorgung vor Ort gesichert: „Die Versorgung der Ortschaften mit einem Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker erfolgt während der Standzeiten des VobaMobil“.
Elf Haltepunkte fürs VoBa-Mobil
Das VoBa-Mobil ist seit 2016 im Einsatz und ersetzt seitdem stationäre Filialen. In einer zweiten Welle hat die Volksbank Hohenlohe im Jahr 2018 die Filialen Kirchensall, Kocherstetten, Oberhöfen, Ohrnberg, Öhringen – Wollreffenweg und Sindringen zu mobilen Filialen oder zum reinen Standort von SB-Automaten umgewandelt. Auf der Homepage der Volksbank Hohenlohe sind derzeit 30 Filialen, inklusive reiner SB-Filialen, verzeichnet, dazu kommen elf Haltepunkte, wo für wenige Stunden in der Woche das VoBa-Mobil hält.
Erreichbarkeit rund um die Uhr
Ob man mit dem Rückzug aus der Fläche den Werbeslogan „Die Bank in Ihrer Nähe“ noch erfüllen kann? Ja, meint Leitner und verweist auf das Kundenservicecenter (KSC): „Dabei kann der Kunde nicht nur den beliebten Kontaktweg Telefon zum KSC wählen, sondern auch Fax, E-Mail, Brief, elektronisches Postfach im OnlineBanking, Chat und Co-Browsing. Das KSC der Volksbank Hohenlohe eG ist an allen sieben Tagen der Woche – durchgehend rund um die Uhr erreichbar. Also Erreichbarkeit 24/7/365.“
Weltweit älteste noch selbstständige Genossenschaftsbank
Allerdings bieten genau diese Art von Nähe inzwischen nahezu alle Banken an, insbesondere die Internetbanken, deren Konkurrenz von vielen Filialbanken gerne als Argument für Servicereduzierungen herangezogen wird. Leitner sieht die „weltweit älteste noch selbstständige Genossenschaftsbank“ mit 43.000 Genossen sowie Mitarbeitern aus der Region in einer guten Position gegenüber den Internetbanken: „Wir selbst als Bank sind ein großer Steuerzahler für die Region und lassen über eine Dividende unsere Mitglieder am Erfolg der Bank teilhaben. Dazu prägen wir durch vielfältige Aktionen, sowie Spenden und Sponsoring das gesellschaftliche Leben mit und unterstützen Vereine, Kirchen, Schulen und andere Einrichtungen.“
Nach Amrichshausen wird das VoBaMobil zukünftig nicht mehr kommen. Ob man wenigstens das eine „Schließung“ nennen kann?
Text: Matthias Lauterer

Die Volksbank-Filiale in Ernsbach soll durch ein VoBa-Mobil ersetzt werden. Foto: GSCHWÄTZ

Ernsbach soll durch das geplante Museum noch attraktiver werden. Einigen Bürgern wäre eine Bank vor Ort lieber. Foto: GSCHWÄTZ

Ernsbach hat auch eine starke Industrie – hier die Firma Arnold. Foto: GSCHWÄTZ

Auch den Mitarbeitern der ortsansässigen Firmen wie Henkel steht dann keine dauerhafte Bargeldversorgung vor Ort mehr zur Verfügung. Foto: GSCHWÄTZ

Bäcker Reiner Gundel befürchtet nicht nur für seinen Betrieb Einbußen. Foto: GSCHWÄTZ

Annerose Wertheim fragt, wo das Wir-Gefühl bleibt, das die Volksbank sonst immer so betont. Foto: GSCHWÄTZ