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„Während wir derzeit weitaus mehr Sendungen befördern als jemals zuvor, sind unsere Arbeitsabläufe deutlich weniger effizient als üblich“

Seit Monaten wird von „Störungen der Lieferketten“ geschrieben, von der Chipkrise. Die Versorgung mit – hauptsächlich – technischen Komponenten oder deren Vorprodukten aus den asiatischen Märkten ist deutlich schlechter als vor der Corona-Pandemie. Gerne wird diese Situation auf Corona geschoben, aber ob dies tatsächlich eine direkte Folge der Pandemie ist oder ob dieser Mangel eher eine Folge der Organisation der Lieferketten ist, sei einmal dahingestellt.

Grenze zwischen USA und Kanada blockiert

Eine mittelbare Folge der Pandemie sind allerdings Szenen wie am wichtigsten Grenzübergang zwischen den USA und Kanada, der von LKWs blockiert ist – die Folge eines Coronaprotests kanadischer Trucker. Die Folgen sind unmittelbar sichtbar, denn Kanadas größter Exportmarkt sind die USA. Die Klagen der kanadischen Wirtschaft hören sich vertraut an: Durch eine anhaltende Blockade werde »die Automobilproduktion gefährdet, die Zehntausende von Kanadiern beschäftigt«, so zitiert Der Spiegel den Präsidenten des Kanadischen Automobilbau-Verbandes er Präsident der Canadian Vehicle Manufacturers‘ Association sagte, durch eine anhaltende Blockade werde »die Automobilproduktion gefährdet, die Zehntausende von Kanadiern beschäftigt«.

Deutsche Exportwirtschaft boomt trotz allem

Auf die deutschen Exporte scheint die „Transportkrise“ wenig Auswirkungen zu haben: Mit 1375,5 Milliarden wurde 2021 eine Rekordausfuhr realisiert, das Vor-Corona-Jahr 2019 wurde um 3.6 Prozent übertroffen, das erste Corona-Jahr 2020 um 14 Prozent.

Personalnot aufgrund Omikron

Jetzt berichten Firmen davon, dass Omikron deutliche Auswirkungen auf die Lieferfähigkeit hat. Denn trotz „mildem“ Verlauf ist Omikron so ansteckend, dass viele Mitarbeiter aktuell erkrankt oder in Quarantäne sind. Welche Auswirkungen hat diese Krankheitswelle auf den Verbraucher?

Nachfrage bei den Paketzustellern

Durch die Einschränkungen beim Einzelhandel steigt das Internetgeschäft an, viele Menschen bestellen beim Versandhandel und hoffen darauf, dass das Bestellte umgehend geliefert wird. Man erkennt das daran, dass im ersten Coronajahr 2020 die Paketdienste eine Steigerung des Paketvolumens von über 10 Prozent auf über 13 Millionen Sendungen pro Tag verzeichneten und rund 10.000 neue Arbeitsplätze vermelden.

GSCHWÄTZ hat daher bei den vier großen Paketzustellern nachgefragt, wie sich die Personalsituation derzeit darstellt und wie sich die Personalsituation auf die Lieferquoten auswirkt. Drei der vier angeschriebenen Unternehmen haben geantwortet, einzig UPS blieb eine Antwort schuldig. Vorab: Über die aktuellen Lieferquoten, das heißt die Quote der Pakete, die am ersten oder zweiten Tag nach der Einlieferung beim Empfänger zugestellt werden, macht keiner eine wirkliche Aussage.

„Business Continuity Planning“ bei DHL

DHL antwortet wenig aussagekräftig, insbesondere geht man dort mit keinem Wort auf eventuelle Schwierigkeiten bei der Zustellung ein:

„Vor dem Hintergrund der weltweiten COVID-19-Pandemie wird die Geschäftstätigkeit des Konzerns Deutsche Post DHL Group kontinuierlich angepasst, um mögliche Auswirkungen abzumildern. Als global operierendes Unternehmen sind Epidemie- und Pandemie-Risikoszenarien ein integraler Bestandteil der kontinuierlichen Risikoplanung des Konzerns. Der Konzern verfolgt einen ganzheitlichen Managementprozess, der es unseren Geschäftsbereichen ermöglicht, mit Hilfe des so genannten Business Continuity Planning auch im Notfall den bestmöglichen Betrieb für unsere Kunden sicherzustellen.

Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden steht dabei an erster Stelle. Deshalb überwacht die Task Force der Gruppe regelmäßig die Situation, koordiniert sich mit internationalen Organisationen (WHO, CDC, ECDC und Robert Koch-Institut) und stellt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und relevanten Betrieben die notwendigen Informationen zur Verfügung.“

Andererseits findet man versteckt auf der Homepage des Unternehmens folgenden Hinweis für Geschäftskunden:

Die Transportzeiten sind also derzeit doch länger als üblich.

DPD sieht derzeit noch keine größeren Probleme

Zustellung DPD. Foto: DPD

DPD geht zuerst auf den Schutz der Belegschaft ein

Seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie setzt DPD auf eine Reihe von Maßnahmen, um der weiteren Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken und die eigene Belegschaft zu schützen. Dazu zählen beispielsweise eine Maskenpflicht sowie strikte Abstands- und Hygieneregeln an den Standorten, eine flächendeckende Ausstattung mit Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln, das Fiebermessen sowie die konsequente Überprüfung von 3G-Nachweisen vor Betreten eines DPD Standorts.

bevor man bestätigt, dass es die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Notfallpläne – auch Paketdienste gehören zur KRITIS-Infrastruktur – gibt, und dass sie bereits zum Einsatz gekommen sind:

Für alle Standorte existieren aktualisierte Pandemiepläne, um unseren Service auch im Falle einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus aufrechtzuerhalten. Dabei ist DPD auch auf worst-case-Szenarien vorbereitet, etwa den gänzlichen Ausfall eines ganzen Depots aufgrund eines massiven Ausbruchs an Coronafällen. Einen ähnlichen Fall verzeichneten wir bereits im Jahr 2020, als der Betrieb am Standort Hückelhoven aufgrund gehäufter Corona-Fälle vorsorglich eingestellt wurde: https://www.dpd.com/de/de/2020/05/16/dpd-setzt-betrieb-in-h-ckelhoven-aufgrund-von-corona-infektionen-vor-bergehend-aus/ Durch die Umverteilung der Pakete auf umliegende Standorte sowie den Einsatz zusätzlicher Zusteller, die die Kolleginnen und Kollegen vor Ort unterstützten, konnte die Paketzustellung im Kreis Heinsberg aufrecht erhalten werden.

Eine Beeinträchtigung der Lieferqualität will man bei DPD nicht sehen:

Zum jetzigen Zeitpunkt verzeichnen wir keine überdurchschnittlich hohen Krankheitsausfälle. Entsprechend kommen auch weiterhin über 99 Prozent aller Sendungen, die mit DPD zugestellt werden, sicher und zuverlässig beim Paketempfänger an.

Auch bei GLS im Moment keine größeren Verzögerungen

Zustellung mit GLS. Foto: GLS

Pelle Faust, der Unternehmenssprecher von GLS antwortet am detailliertesten. Neben den allgemein empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen hat man dort weitere Maßnahmen ergriffen:

  • die Home-Office-Regel wird in allen Unternehmensbereichen strikt umgesetzt, sofern dies die operative Arbeit in den Depots nicht einschränkt. Überall dort, wo die Home-Office-Regel nicht umgesetzt werden kann, halten sich die Betroffenen streng an die 3G-Regel (Prüfung durch z. B. Eingangskontrollen vor Betreten des Betriebsgeländes; lokale Testangebote). Dies gilt auch für die Fahrer*innen.
  • Parallel treibt GLS Germany das Thema Impfung der Mitarbeitenden sowie Subunternehmer aktiv voran und ergreift Maßnahmen, um schnellstmöglich eine hohe Impfquote zu erreichen (z. B. „Impf-Events“ für Mitarbeitende und Subunternehmer an verschiedenen Standorten).
  • Im Angesicht des dynamischen Infektionsgeschehens setzt GLS Germany auf Prävention und eine umfassende Gesamtstrategie, um mit Blick auf das Tagesgeschäft auch bei steigenden Infektionszahlen voll handlungs- und funktionsfähig zu bleiben. Ein interdisziplinär besetzter Krisenstab tagt regelmäßig und bewertet die dynamische Lage nach aktuellen Gesichtspunkten. Notfallpläne garantieren im Krisenfall die weitere Abwicklung des Tagesgeschäfts über benachbarte Standorte.

Der derzeitige Krankenstand liege, so Faust, „gemäß kürzlicher Auswertungen leicht über den Prognosen.“ Er führt das aber nicht nur auf Corona zurück, sondern auf auf jahreszeitliche Erkältungskrankheiten.
Die Formulierung „Das operative Netzwerk von GLS Germany ist stabil, sodass das aufkommende Paketvolumen nach wie vor mit vereinten Kräften bewältigt werden kann.“ läßt darauf schließen, dass eine gewisse Anspannung zu verzeichnen ist, aber „Das Unternehmen hat in den zurückliegenden Infektionswellen bewiesen, dass es in der Lage ist, den Versorgungsauftrag und damit Service, den Kundinnen und Kunden gewohnt sind, durchgängig aufrechtzuerhalten – so auch in der aktuellen Situation. Die generelle Zustellquote des täglich zu bewältigenden Paketvolumens hat sich im Verlauf der Pandemie nicht signifikant verändert.“ – so Pelle Faust.

Die Kunden sind vorsichtiger

Screenshot amazon.de vom 09.02.2022.

Die Wahrnehmung der Kunden ist eine andere – die Kunden der Paketdienstleister rechnen im Moment nicht mehr mit einer „Next-Day“-Belieferung. Dazu muß man nicht nach den Erfahrungen der Empfänger fragen – diese sind ja nicht die Kunden -, sondern nach den Erfahrungen der Versender. Selbst bei Amazon wird inzwischen das geschätzte Lieferdatum für Prime-Kunden nicht mehr mit „morgen“ angegeben. Oftmals auch nicht mit „übermorgen“. Selbst Buchbestellungen mit Amazon Prime dauern inzwischen geschätzte 2 Werktage – obwohl die „Next-day“-Belieferung ja das ursprüngliche Argument für Prime war.
amazon ist mit seinen Aussagen also deutlich vorsichtiger als die Paketdienste.

Text: Matthias Lauterer