Bittersüße Neuigkeiten
Jürgen Maurer, Vorsitzender des „Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.“ informiert über die zu erwartende Zuckerrübenernte und die Lage der Zuckerrübenanbauer:
“Die Bedingungen für die Ernte der Zuckerrüben, welche hier in Schwäbisch Hall und Hohenlohe am 3. und 4. Oktober 2020 begann, sind generell gut. Es hat rechtzeitig geregnet, was den Boden für die Rodetechnik entsprechend gut vorbereitet hat”, erklärt Maurer.
Gute Erntebedingungen, aber geringer Ertrag: Nur etwa 80% des Duchschnittsertrags
Die Erträge bei der Zuckerrübenernte in der Region lägen jedoch weit unter den durchschnittlichen Werten der letzten fünf Jahre und schwanken in diesem Jahr zwischen nur 45 und 75 Tonnen pro Hektar. Normale, durchschnittliche Erträge wären 65 bis 90 Tonnen. Maurer nennt dafür 2 Gründe: einmal die Trockenheit der letzten Monate, die einen direkten Einfluß auf die Ertragsmenge hat. Zum anderen Blattkrankheiten wie SBR (Syndrome Basses Richesses). Das ist eine neue, durch Zikaden übertragbare Krankheit, die sich von Frankreich aus in deutsche Rübenanbaugebiete ausbreitet. Diese Krankheit reduziere die Fotosynthese und schmälere den Zuckergehalt der Rüben.
Trockenheit und eine neue Pflanzenkrankheit setzen den Zuckerrüben zu
Damit sinke, so Maurer, der Wert der Rüben und schlussendlich der erzielbare Preis für die Landwirte.
Die bisher zum Pflanzenschutz eingesetzten Neonicotinoide seien in Deutschland seit zwei Jahren nicht mehr erlaubt. Die Alternative, Flächenspritzungen mit Insektiziden, erforderten höhere Wirkstoffmengen, seien weniger effektiv und sehr abhängig vom Wetter und seien deshalb in Summe weniger wirksam, beklagt Maurer.
Ernte genau getaktet
Gut organisiert seien Zuckerrübenernte und -vermarktung, teilt Maurer mit: „Die jährliche Ernte der Zuckerrüben, von den Landwirten “Kampagne” genannt, geht diese Jahr über genau 84 Tage und endet regulär kurz vor der Weihnachtszeit. Sie wird für die Anbauer von Zuckerrüben von der LMZ (Landwirtschaftliche Maschinengemeinschaft Zuckerrübenanbauer) in Schönenberg / Untermünkheim für das regionale Gesamteinzugsgebiet genau getaktet. Über Proberodungen vom Frühsommer bis Mitte September wird alles exakt berechnet. Jeder landwirtschaftliche Zuckerrübenanbauer weiß dadurch, wann er welche Menge von seiner Rübenernte liefern kann. Darüber gibt es Verträge mit der Firma “Südzucker” in Offenau bei Heilbronn. Dadurch kann der Anbau und die Ernte von allen Seiten – Landwirt, LMZ, Lohnunternehmen und verarbeitende Industrie, wie der Zuckerfabrik – in enger Zusammenarbeit genau geplant und organisiert werden. Die Ernte der Bio-Zuckerrüber wurde bereits vor dem Start der konventionellen Rüben-Kampagne abgeschlossen, damit es keine Vermischungen gibt.“
Weltweiter Wettbewerb im Zuckermarkt durch Europäische Zuckermarktordnung
Seit 2017 gibt es eine europäische Zuckermarktordnung. “Diese bewirkt für uns Landwirte, dass wir zusätzlich zu den hiesigen starken Anbaueinschränkungen nun im weltweiten Wettbewerb, zum Beispiel mit Ländern Südamerikas oder Asiens, stehen”, erläutert Maurer. “Abnahmemengen und Anbauquoten waren bis vor drei Jahren festgelegt”, so der Landwirt weiter. Neue Anbieter und Produkte, wie Rohrzucker, drängen seither auf den Markt. Dass die Abnahmepreise für Rüben anbauende Landwirte dadurch nicht steigen, liege auf der Hand, meiunt Maurer. Zu den Anbaueinschränkungen in Deutschland gehört auch, dass sich die Erträge durch erweiterte Fruchtfolgen reduzieren. Was heisst das? “Zuckerrüben sollten nur alle drei, besser alle vier bis fünf, Jahre in Folge auf der gleichen Fläche angebaut werden. Denn sie vertragen sich quasi nicht mit sich selbst”, so Jürgen Maurer. “Wir gestalten deshalb die Fruchtfolge weiter, um Krankheiten einzudämmen. Wir werden zukünftig aber weniger Zuckerrüben ernten, da unsere Erträge und die Attraktivität des regionalen Zuckerrübenanbau für landwirtschaftliche Betriebe weiter sinken”, erklärt der Vorsitzende des Bauernverbandes.
“Süßes Statement”
Jürgen Maurer verweist auf die Rolle der Zuckerrüben für die Produktion von Zucker als Lebensmittel: Der Anbau mache 15 bis 20% der Ackerfrüchte im Verbandsgebiet aus. “Zucker ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Stellen Sie sich ein Leben ohne Zucker, also beispielsweise ohne Schokolade und Kuchen vor“, sagt er stellvertretend für viele Naschkatzen.

Zuckerrübe.
Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Vollernter bei der Arbeit.
Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Vollernter bei der Arbeit.
Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Jürgen Maurer, Vorsitzender des Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.
Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.