Bis jetzt ist Ziehl-Abegg ganz gut durch die Corona-Krise gekommen. Der Künzelsauer Ventilatorenhersteller hat früh mit Präventionsmaßnahmen begonnen und ist jetzt auch beim Impfen der Mitarbeiter im Betrieb ganz vorne mit dabei. Wirtschaftlich steht das Unternehmen besser da als anfangs erwartet. Ziehl-Abegg profitiert vor allem von der höheren Auslastung der Rechenzentren. GSCHWÄTZ hat sich mit dem Vorstandsvorsitzenden Peter Fenkl über Corona-Maßnahmen, die Vorbereitung auf Lieferengpässe und Naben-Motoren unterhalten.
GSCHWÄTZ: Mir gegenüber steht Herr Fenkl, der Vorstandsvorsitzende von Ziehl-Abegg. Wir treffen uns heute anlässlich des großen Impf-Tags bei Ziehl. Herr Fenkl wird uns einige Fragen beantworten. Fangen wir mal damit an – generell zur Corona-Situation bei Ihnen in der Firma. Welche Maßnahmen haben Sie getroffen? An Hygienemaßnahmen?
„Das war ein sehr schwieriges Unterfangen“
Fenkl: Wir sind eigentlich von Anfang der Pandemie sehr, sehr aktiv gewesen, Prävention durchzuführen. Wir haben schon Ende Februar einen Krisenstab gebildet, der sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. Es sind Mitarbeitende hier im Haus, die sich mit der Prävention beschäftigen und Fragen der Mitarbeiter beantworten. Wir haben ganz früh, als es noch gar keine Masken gab, schon Faceshields hier im Haus gedruckt. Die haben wir auch in der Region verteilt. Wir haben Mitarbeiter ans Landratsamt entsandt, um das Tracking – also die Suche, die Vernetzung, die die Inzidenz hatte – zu überprüfen. All das haben wir gemacht. Mit der Impf-Thematik haben wir uns Ende beziehungsweise Anfang dieses Jahres beschäftigt. Konkret wurde es Anfang März, da hatten wir alle Vorbereitungen getroffen und uns bemüht, an Impfstoff heranzukommen und an Ärzte. Das war erst ein sehr, sehr schwieriges Unterfangen. Wir wären diese Woche gestartet, nachdem wir tatsächlich Impfstoff bekommen und die Ärzte organisiert haben, dass wir gemäß der Kategorien entsprechend geimpft hätten. Aber glücklicherweise hat Herr Spahn am Donnerstag AstraZeneca freigegeben für alle Bereiche, sodass wir noch alle Mitarbeiter im Moment impfen können.
„Wir werden auch die Angehörigen impfen“
GSCHWÄTZ: Heute hat er auch den Johnson und Johnson-Impfstoff freigegeben, also auch die Einmal-Impfung wäre jetzt möglich.
Fenkl: Da hab ich noch gar nicht gehört.
GSCHWÄTZ: Relativ neu.
Fenkl: Supergut. Wir sind jetzt gut bestückt mit dem AstraZeneca. Das heißt, wir haben sogar mehr Dosen bekommen, als wir erwartet haben. Das heißt, wir werden ab sofort nicht mehr nur die eigenen Mitarbeiter impfen, sondern auch direkt die Angehörigen.
„Das macht ein externer Arzt“
GSCHWÄTZ: Und ist das durch den Betriebsarzt oder wie ist das organisiert?
Fenkl: Es ist ein externer Arzt, der uns hier unterstützt, der auch die Impfdosen besorgen konnte. Das lief über unser Netzwerk, weil wir eben sehr aktiv gearbeitet haben an der Stelle. Wir sind sehr dankbar, dass er heute die Belegschaft impft.
GSCHWÄTZ: Wie sieht es denn durch die ganzen Maßnahmen, die innerbetrieblich getroffen werden, mit dem sonstigen Krankenstand aus? Hat sich da was verändert?
Fenkl: Grippe ist praktisch null. Da haben wir gar nichts. Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion auf die Umwelt, die haben wir immer wieder. Das können wir nicht vermeiden.
„Bei den Augen hilft die Maske nicht“
GSCHWÄTZ: Aber die Maske schützt ja auch vor den Pollen.
Fenkl: Ich bin kein großer Allergiker, deswegen kann ich das nicht richtig beurteilen. Bei den Augen, da ist es ja auch immer so mit der Allergie, hilft die Maske natürlich nichts.
GSCHWÄTZ: Wenn Sie das Thema Grippe und Erkältungskrankheiten anschauen, können Sie sich vorstellen, die Hygienemaßnahmen aus dem Grund weiterzuverfolgen, wenn Corona vorbei sein sollte irgendwann?
„Maske zu tragen ist eine eine hohe Belastung für die Mitarbeiter“
Fenkl: Ich glaube nicht, weil es für die Mitarbeiter eine sehr hohe Belastung ist, insbesondere in der Produktion, die Masken zu tragen. Das wird in Richtung Sommer noch viel, viel schwieriger werden, die Maske immer aufzuhaben. Also von daher glaube ich es weniger. Ich würde es mir in gewissen Grenzen wünschen, aber da würde man von den Mitarbeitern zu viel verlangen.
GSCHWÄTZ: Okay, das wäre der erste Fragenkomplex gewesen. Der zweite Fragenkomplex dreht sich um die wirtschaftliche Situation von Ziehl-Abegg unter Corona. Wir haben uns das letzte Mal gesehen, als die Wirtschaftsministerin da war beim Spatenstich im Gewerbegebiet oben. Wie weit ist dieses Projekt mit der neuen Halle inzwischen?
„Alles ist am Laufen“
Fenkl: Das Projekt ist fast fertig. Die Halle ist bezugsbereit. Das heißt, die Maschinen sind jetzt im Anlauf. Es sind noch Kleinigkeiten zu machen, aber im Prinzip ist die Halle bezugsfertig. Jetzt kommen die Maschinen und die fahren wir in den nächsten Wochen ein. Also, es ist gut am Laufen.
GSCHWÄTZ: Sie haben damals davon gesprochen, dass Sie gerade in der Krise investieren wollen, damit Sie nach der Krise durchstarten können. Wie sind Sie denn bisher durch die Krise gekommen?
„Wir brauchen dringendst diese Produktionskapazitäten“
Fenkl: Wir haben das Jahr 2020 sehr gut abgeschlossen. Das sah zwischenzeitlich sehr schwierig aus, gerade in den ersten Monaten der Corona-Krise. In Summe haben wir das Jahr mit einem Umsatzwachstum von einem Prozent Plus abgeschlossen. Das heißt, wir waren sehr, sehr zufrieden. Dieses Jahr läuft hervorragend an. Das heißt, wir brauchen dringendst diese Produktionskapazitäten und wir werden sie wahrscheinlich viel schneller füllen, als wir das erwartet haben.
GSCHWÄTZ: Wie sieht es denn mit Ihren internationalen Lieferketten aus? Haben Sie da Einbußen erlitten? Sind da Lieferanten weggefallen?
„Das ist etwas, auf das wir uns vorbereiten müssen“
Fenkl: Im Wesentlichen sind wir relativ gut durchgekommen. Bis dato hat das ganz gut geklappt. Mittlerweile wird es insbesondere bei den elektronischen Komponenten immer schwieriger. Wir kennen das zum Beispiel aus der Automobilindustrie, wo ganze Werke stillstehen. Das ist etwas, auf das wir uns vorbereiten müssen. Wir sind da sehr stark am Arbeiten und hoffen, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.
GSCHWÄTZ: Das heißt, bisher konnten Sie ihre Kunden befriedigen und jetzt könnte es langsam kritisch werden?
Fenkl: Es ist immer tagesabhängig. Es sah auch schon mal zwischenzeitlich sehr schlecht aus. Dann haben wir es wieder hinbekommen. Ich wage da keine Prognose. Das kann sich jeden Tag ändern zum Positiven wie auch zum Negativen.
„Im Moment bin ich sehr positiv gestimmt“
GSCHWÄTZ: Wie sieht es denn bei den Kunden aus? Ist da zu befürchten, dass Kunden wegbrechen aufgrund der Corona-Krise?
Fenkl: Wir sind ja in sehr vielen Industriezweigen unterwegs. Da ist durchaus anzunehmen, dass der ein oder andere Industriezweig sich etwas schwerer tut. In den Kernbereichen muss ich sagen, ist die Auslastung sehr gut. Das zeigt sich auch in unserer sehr guten Auftragslage, die wir im Moment zu verzeichnen haben. Résumé ist dann nicht zu sehr bange. Im Moment bin ich sehr positiv gestimmt.
„Rechenzentren schießen wie Pilze aus dem Boden“
GSCHWÄTZ: Wenn man in die Zukunft schaut und sich überlegt, wie die Märkte sich nach der Krise weiterentwickeln würden, können Sie sich vorstellen, dass es durch die Krise dann auch beschleunigt Investitionen in neuere Technologien gibt und so das Althergebrachte eher abnehmen wird?
Fenkl: Wir haben da tatsächlich eine Befruchtung von modernen Anwendungen. Dies gilt insbesondere natürlich für Rechenzentren, die schießen im Moment wie Pilze aus dem Boden…
GSCHWÄTZ: … Lüftungsanlagen für Rechenzentren …
„Das ist sehr positiv für uns“
Fenkl: … Kühlung für Rechenzentren. Das heißt also, durch den zunehmenden Gebrauch vor allem von Videokonferenzen, Datenübermittlung – man weiß ja im Moment noch nicht so viel – braucht man mehr Rechenkapazität. Die Rechenzentren sind höher ausgelastet. Das ist ein Thema, das ganz stark kommt, das stellen wir fest. Aber auch diese Thematik, die jetzt von der Bundesregierung oder von der EU beschlossen würde bezogen auf die CO2-Einsparungen, wird ja bewirken, dass man noch effizienter arbeiten muss. Zum Beispiel mehr Windkraft, die Gebäude noch dichter werden. All diese Maßnahmen führen dazu, dass zusätzlich Ventilatoren gebraucht werden. Das ist natürlich sehr positiv für uns.
„Das betrifft uns nur am Rande“
GSCHWÄTZ: Wenn wir mal in die Automobilindustrie gehen – Elektrifizierung. Wie sehen Sie da die Zukunft?
Fenkl: Bezogen auf unsere Produkte Ventilatoren haben die da relativ wenig Einsatzgebiete, sodass es uns nur am Rande betrifft. Andere Bereiche werden sicherlich profitieren.
GSCHWÄTZ: Sie haben ja eigentlich etwas im Angebot, was ich für die Killer-Applikation im E-Automotive gesehen hätte. Das sind die Naben-Motoren.
Fenkl: Warum Killer?
„Es ist schwierig, im Automobilsektor Fuß zu fassen“
GSCHWÄTZ: Weil sie doch ungeheuer konstruktive Freiheiten geben für neue Ideen im Automobilbau. Aber Sie haben das jetzt vor einigen Jahren veröffentlicht, dass sie diese Firma übernommen haben.
Fenkl: Nicht nur übernommen, wir haben sie aufgebaut.
GSCHWÄTZ: Ich zumindest sehe die Dinger noch nicht in freier Wildbahn.
Fenkl: Die gibt es in freier Wildbahn. Sie gibt es auch hier in Hohenlohe, die laufen auch sehr erfolgreich. Allerdings haben wir, das muss ich zugestehen, es unterschätzt, wie schwierig es ist, im Automobilsektor wirklich Fuß zu fassen. Das ist Nummer eins. Und zum zweiten ist der Fokus im Automobilbereich im Moment ganz massiv auf die Pkw-Schiene gerichtet. Das ist in der öffentlichen Wahrnehmung ganz stark zu sehen. Das ist eben das, wo man im Automobilgeschäft das größte Geld verdient. Also werden im Moment alle Entwicklungskapazitäten in diese Richtung geschoben. Der Nutzfahrzeug-Bereich wird im Moment etwas stiefmütterlich behandelt. Aber es sind super Projekte in der Pipeline und ich bin an der Stelle durchaus sehr zuversichtlich, dass sich einiges bewegen wird. Allerdings nicht kurzfristig.
„Da wollen wir nicht rein“
GSCHWÄTZ: Aber im Pkw-Bereich sind Sie noch nicht wirklich in den Markt eingedrungen?
Fenkl: Da wollen wir auch gar nicht rein.
GSCHWÄTZ: Herr Fenkl, ich bedanke mich für das Gespräch und viel Erfolg wünsche ich Ihnen.
Interview: Matthias Lauterer