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Deutschland droht ab Dienstag der totale Shutdown

Am Dienstag, den 19. Januar 2021, wollen der Bund und die Länder in Deutschland noch härtere Corona-Maßnahmen verabschieden. Das Treffen sollte eigentlich erst eine Woche später stattfinden, doch angesichts der weiterhin zu hohen Coronazahlen wurde der Termin nun vorverlegt.

Ein Blick auf die Divi-Karte mit den Intensivbetten, die in Deutschland mit Coronapatienten belegt sind, zeigt jedoch sinkende Zahlen an, auch im Hohenlohekreis fallen die Werte:

Die Zahlen sinken: Divi-Intensivbettenbelegung durch Covid-Patienten. Stand: 17.01.2020. Quelle: NTV. Screenshot

Divi-Intensivbettenbelegung durch Covid-Patienten. Stand: 17.01.2020. Quelle: NTV. Screenshot

Deutschland: Coronazahlen im Überblick. Quelle: google. Screenshot

Dennoch sollen die Maßnahmen nun noch weiter angezogen werden. Was kommt auf die Bürger in Deutschland zu? Bayern hat bereits die FFP2-Maskenpflicht in Bussen und beim Einkaufen eingeführt. Kritiker bemängeln die Kosten, insbesondere für Geringverdiener und Rentner. Eine Maske koste rund 2 Euro. Hochgerechnet kann das ein Minus von bis zu 60 Euro in die Haushaltskasse reißen, rechnet man eine Maske im Durchschnitt pro Tag. Die Hersteller empfehlen die FFP2-Masken zur einmaligen Verwendung (1 Tag 1 Maske).

Neben Bayern plant auch Österreich mit strengeren Maßnahmen.

Haus nur noch in dringenden Fällen verlassen

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte in seiner Rede vergangene Woche schon darauf hingewiesen, was genau nun von den Bürgern erwartet werde: noch mehr homeoffice, noch weniger Kontakte (wir berichteten). Sprich: Es könnte dazu kommen, das Kontakte zu anderen Haushalten gänzlich untersagt werden. Derzeit darf sich ein Haushalt in Baden-Württemberg noch mit einer weiteren Person und ihren Kindern (bis 14 Jahre) treffen.

Kein Kreis in Baden-Württemberg erfüllt derzeit die Vorgaben

Ein weiterer möglicher Ansatzpunkt wäre, dass die Ausgangssperren nicht erst ab 20 Uhr gelten, sondern bereits ab 18 Uhr oder – das Horrorszenario für viele – auch tagsüber. Doch eigentlich gelte schon jetzt, so Kretschmann, dass die Bürger das Haus nur noch in dringenden Fällen verlassen dürfen.

Das Ziel der Coronamaßnahmen sei, dass der Inzidenzwert auf unter 50 zu drücken (das bedeutet, dass sich wöchentlich nur noch 50 oder weniger Menschen mit Corona infizieren – hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Dadurch wäre eine Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter wieder möglich, um eine weitere Verbreitung einzudämmen). Im Hohenlohekreis liegt er aktuell (Stand 15. Januar 2021) mit 92,3 (20 neue Fälle im Vergleich zum Vortag) fast doppelt so hoch. Irritierend ist in diesem Zusammenhang, dass auf der Seite des Regierungspräsidiums (Stand: 17. Januar 2021) zeitgleich für den Hohenlohekreis ein wesentlich niedriger ein Inzidenzwert von aktuell 78,1 angegeben ist. Aber manchmal werden die Daten zeitverzögert gemeldet und so steht manchmal noch der Inzidenzwert des Vortages auf der Seite. Andere Kreise wie der Stadtkreis Heilbronn haben bereits die 200er Marke durchbrochen. Kein Kreis in Baden-Württemberg hat derzeit einen Inzidenzwert von unter 50. Die Frage ist: Wir realistisch ist es, diesen Wert zu schaffen? Und die zweite Frage: Was macht Deutschland, wenn das nicht zu schaffen ist? Verharrt das Land 2021 im Dauer-Shutdown, bis die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist?

Der Hohenlohekreit steht auf der Seite des Regierungspräsidiums noch vergleichsweise gut da hinsichtlich des Inzidenzwertes. Allerdings steht zeitgleich ein höherer Inzidenzwert auf der Hohenlohekreis-Seite.

Sinkende Zahlen auch im Hohenlohekreis. Das zumindest geht aus dem Dashboard des Hohenlohekreises hervor auf der Internetseite corona-im-hok.de vom 17. Januar 2021

Am Samstag, den 16. Januar 2021, gab es laut dem Regierungspräsidium in Stuttgart in Baden-Württemberg weitere 1.873 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Damit erhöhte sich die Zahl der Infizierten im Land auf mindestens 273.834, davon sind ungefähr 228.775 Personen wieder genesen. Die Zahl der COVID-19-Todesfälle stieg laut dem Regierungspräsidium um 39 auf insgesamt 6.088 – bei rund 11 Millionen Einwohnern.

Deutschland beklagt seit Ausbruch der Pandemie rund 46.500 Todesfälle – bei rund 83 Millionen Einwohnern.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




Corona: Johann-Friedrich-Mayer-Schule betroffen

Am Freitag, den 20. November 2020, hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 29 neue Corona-Infektionen an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt jetzt bei 140,3 pro 100.000 Einwohner. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Quarantäne für 25 Personen

In einer bisher noch nicht betroffenen Pflegeeinrichtung wurden acht Neuinfektionen bestätigt, dabei handelt es sich in einem Fall um eine Pflegekraft. Ein positiver Fall an der Johann-Friedrich-Mayer-Schule Kupferzell hatte eine Quarantäneanordnung für rund 25 Kontaktpersonen der Kategorie 1 zur Folge. Am Bildungszentrum Bretzfeld wurde ein weiterer Schüler positiv getestet. Dieser war bereits durch die Fallermittler im Gesundheitsamt als K1 eingestuft und häuslich isoliert.




Corona: Zahlen steigen auch im Hohenlohekreis wieder – Ehemalige Hotspots bleiben weiter vorn mit dabei

Auch bei uns steigen die Coronazahlen wieder. Laut dem baden-württembergischen Regierungspräsidium in Stuttgart gibt es derzeit 809 offizielle Coronafälle allein im Hohenlohekreis. Dieser Wert ist fast doppelt so hoch wie der Wert im Neckar-Odenwald-Kreis (486). Im Vergleich: Die Stadt Heilbronn hat aktuell offiziell 580 Coronainfizierte. Der Wert von schwäbisch Hall ist allerdings noch etwas schlechter als der vom Hohenlohekreis (944). Bislang gab es offiziell 47 Coronatote im Hohenlohekreis.

Am 26. August 2020 meldete das Landratsamt des Hohenlohekreises allein 136 Infizierte in Öhringen. Damit  ist die große Kreisstadt derzeit Spitzenreiter, gefolgt von den ehemaligen Hotspots Pfedelbach (123) und Kupferzell (117).

Ehemalige Hotspots bleiben mit den Zahlen an der Spitze

Wenn man die Coronazahlen von Anfang Juli 2020 mit der jetzigen Coronakarte des Landratsamtes vergleicht, fällt auf, dass nur manche Städte und Gemeinden ansteigende Zahlen verzeichnen und dies auch nur minimal. So hatte Künzelsau Anfang Juli 2020 76 offizielle Coronafälle und nun 81. Auffällig: Bei manchen Städten und Gemeinden bewegt sich seit rund zwei Monaten gar nichts. Sprich: Die Zahlen sind immer dieselben, wie etwa in Ingelfingen (24). Offenbar sind seit Anfang Juli in Ingelfingen konstant 24 Menschen an Corona erkrankt oder warum ändern sich hier die Zahlen nicht?

Rot als Warnfarbe?

Interessant auch das Farbenspiel des Landratsamtes: Bis Ende Juni 2020 veröffentlichte das Landratsamt regelmäßig grüne Landkarten mit Zahlen der Gesundeten. Seit Anfang Juli 2020 gibt es wieder die roten Karten mit den Zahlen der offiziell Erkrankten.  Dieser Farbwechsel kann zum einensymbolisch für den Anstieg der Coronazahlen verstanden werden oder als psychologische Warnung, in der Reisezeit vorsichtiger zu sein, damit sich das Virus nicht wieder sprunghaft ausbreitet.

 

https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-sm/intern/bilder/03_Gesundheit/Coronavirus_Faelle-BW_Karte.jpg

Corona Zahlen vom 06.07.2020. Quelle: Landratsamt Hohenlohekreis

Corona Zahlen vom 26.08.2020. Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises

Bis Ende Juni 2020 veröffentlichte das Landratsamt regelmäßig grüne Landkarten mit Zahlen der Gesundeten. Seit Anfang Juli 2020 gibt es wieder die roten Karten mit den Zahlen der offiziell Erkrankten.  Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises.




Hohenlohekreis: Bislang 40 offizielle Todesfälle

Betrachtet man die aktuelle Coronakarte des Hohenlohekreises https://www.corona-im-hok.de/images/grafiken-fallzahlen/2020-05-08_Indexf%C3%A4lle_Gemeinden.jpg

vom 08. Mai 2020 fällt einem vor alle eines auf: die seit Wochen sich kaum verändernden Fallzahlen. Die Gesamtzahl der offiziell an Corona Infizierten im Hohenlohekreis beläuft sich laut dem Regierungspräsidium Stuttgart auf 757 Fälle https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/infektionsschutz-hygiene/informationen-zu-coronavirus/lage-in-baden-wuerttemberg/

In Baden-Württemberg gibt es aktuell offiziell 33.252 Infizierte und 1.542 Todesfälle. Im Hohenlohekreis sind bislang nach offiziellen Angaben 40 Menschen an dem Virus gestorben (Stand: 09. Mai 2020).

In die offizielle Coronastatistik werden die Coronainfizierten aufgenommen, die mittels Teststäbchen getestet worden sind. Klinische Diagnosen von Ärzten fließen nicht mit in die Statistik ein. Begründet wird das mit den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (wir berichteten). An der Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag wurden bislang potenzielle Infizierte mittels Teststäbchen getestet. Ab Ende dieser Woche soll die zentrale Abstrichstelle in Belzhag laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises nun erstmal ruhen. Die Abstriche sollen dann in den Arztpraxen direkt durchgeführt werden.

Wie die Abstriche von potenziell Coronainfizierten gemacht werden, ohne dabei andere Patienten anzustecken, ist noch nicht bekannt.

Coronakarte des Regierungspräsidiums Stuttgart. Stand: 09. Mai 2020:

Offizielle Corona Zahlen im Hohenlohekreis vom 08. Mai 2020. Screenshot der Homepage des Landratsamtes des Hohenlohekreises.




Ba-Wü: Von heute auf morgen mehr als 10.000 Genesene…Wie kann das sein?

Am 08. April 2020 vermeldet die Pressestelle des Ministeriums für Soziales und Integration in Baden-Württemberg eine schier unglaubliche Zahl von Covid-Gesundeten. Im Vergleich zum Vortag seien rund 10.000 an Covid-19 erkrankte Menschen wieder gesund. Wie aber kann das sein? Handelt es sich dabei um eine Massenheilung? Mitnichten. Die Pressestelle liefert die Erklärung für den sprunghaften Anstieg gleich mit, wenn sie erklärt:

„Die hohe Differenz der Zahl der Genesenen im Vergleich zum Vortag (2.685) erklärt sich folgendermaßen: Das Landesgesundheitsamt veröffentlicht ab sofort den Schätzwert der SARS-CoV-2-Genesenen in Baden-Württemberg auf Grundlage eines heute durch das Robert Koch-Institut in Berlin angepassten Algorithmus. Hierbei werden Fälle ohne Angabe des Erkrankungsbeginns anhand des Meldedatum berücksichtigt. Diese Methodik führt zu einer deutlich besseren Abschätzung der tatsächlich Genesenen in Baden-Württemberg.“

Diese etwa nbulöse Erklärung wirft diverse Fragen auf.

1) Wie wurde denn bislang die Zahl der „Gesundeten“ gemessen?

2) Wie unterscheidet sich das bisherige Messverfahren von dem vorangegangen?

3) Warum sind die Zahlen dadurch valider, sprich, näher an der Realität dran als die bisherigen Zahlen?

4) Wie wird denn konkret die Zahl der „Gesundeten“ gemessen? Gibt es Abschlusstests? Werden die an Covid-Erkrankten automatisch als gesund registiriert, wenn sie sich nach 14 Tagen bei keinem Arzt oder Gesundheitsamt mehr vorstellig werden?

5) Wird auch die Zahl der ärztlichen Coronadiagnosen mit in diese Statistik einbezogen oder lediglich die mittels Labortest positiv auf Covid-19 Getesteten?

 

Wir haben beim Robert-Koch-Institut (RKI) nachgfragt, um diese Fragen zu klären. Das RKI betont, dass diese Zahlen, die das RKI ermittelt, ein „Angebot“ sei, das „Länder und Landkreise nutzen können“. Es handle sich bei den Zahlen um Schätzungen: „Ein genaues Datum der Genesung liegt uns für die meisten Fälle nicht vor. Daher verwenden wir einen Algorithmus zur Schätzung der Anzahl der Genesenen. Da wir den Algorithmus zur Schätzung der Genesenen so verbessert haben, dass nun alle übermittelten Fälle bei der Schätzung berücksichtigt werden können, also auch die ohne Angaben zum Erkrankungsbeginn, ist im Vergleich zu gestern ein größerer Anstieg als sonst zu verzeichnen.“ Wie dieser Algorithmus ausschaut und welche Variablen hier mit einbezogen werden, darauf ging das RKI nicht näher ein.

Text: Matthias Lauterer

 

 




„Wenn nicht alle bekannten Fälle gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem“ – Max-Planck-Wissenschaftler ahnungslos über Nichterfassung ärztlicher Diagnosen

Bisher kursierten sehr unterschiedliche Zahlen und Auswertungen zu den möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland. Viele Medien reportieren Zahlen nur, halten sich aber mit einer Bewertung oder Prognosen zurück, und das aus gutem Grund: Zu unterschiedlich sind die Datengrundlagen, die im Umlauf sind, zu oft wurden Erfassungsmethoden geändert. Allein der Vergleich zwischen den meistgenannten Zahlen des amtlichen Robert-Koch-Instituts und denen der Johns-Hopkins-Universität für Gesamtdeutschland zeigt das deutlich (Stand 09.04., 16:00): Infizierte 113.296 gegenüber 108.202, Verstorbene 2107 gegenüber 2349. Das habe etwas mit einer zeitlich verzögerten Datenerfassung und -weitergabe zu tun, wurde des Öfteren erklärend hinterhergeschoben. So viel zum Thema digitales Hinterherhinken in Deutschland.

Der Lichtblick am Ende des Tunnels ist mehr als fraglich

Am 08. April 2020 hat sich mit dem Leipziger Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften wohl erstmals ein renommiertes Institut, bei dem man von der Anwendung guter mathematischer Methodik ausgehen darf, zu Wort gemeldet und eine Prognose für die weitere Entwicklung der Infiziertenzahlen veröffentlicht.
https://www.mpg.de/14661027/corona-pandemie-analyse-prognose

// Überraschende Ergebnisse einer MPI-Studie //

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick überraschend: Die Leipziger Wissenschaftler um Professor Dr. Jürgen Jost kommen zum Ergebnis, dass die Pandemie in Deutschland bei einer Zahl von 120.000 bis 160.000 Infizierten zum Stillstand kommen könnte und sie rechnen mit 4.000 bis 5. 000 Toten. Wenn man diese Zahlen mit den oben genannten Zahlen vergleicht, dann würden ja nur noch wenige Tausend fehlen, bis der Stillstand da wäre. Man könnte  auf die Idee kommen, dass wir die Pandemie beherrschen und die schlimmste Zeit schon in den nächsten Tagen vorüber sein könnte.

Auf GSCHWÄTZ-Anfrage nach den getroffenen Annahmen im mathematischen Modell erklärt Paul Heine, Science Content Manager am Max-Planck-Institut: „Wir arbeiten mit der Annahme, dass die Wachstumsraten der gemeldeten Fälle diejenigen der tatsächlichen Fälle einigermaßen abbilden.“

Er geht also genaugenommen von zwei Annahmen aus, nämlich davon, dass es gemeldete Fälle und eine Dunkelziffer gibt und davon, dass die Wachstumsrate der gemeldeten Fälle und die Wachstumsrate der Dunkelziffer mehr oder weniger identisch sind. Es gibt aber zusätzlich eine dritte nicht unerhebliche Zahl, nämlich die der „Klinischen Diagnosen“ (ärztlichen Diagnosen), die nicht an das Robert-Koch-Insitut (RKI) gemeldet werden.

Wir wissen also im Hohenlohekreis von Infizierten, die nicht in der Dunkelziffer enthalten sind, diese werden aber nicht ans RKI weitergemeldet. Dadurch dass die Zahl der „klinisch diagnostizierten“ Fälle dem mathematischen Modell, das das MPI anwendet, durch Nichtmeldung vollständig entzogen werden, wird die Steigerungsrate der Infektionen und der Dunkelziffer systematisch unterschätzt und somit die Zahlen des Modells verfälscht.

Das Regierungspräsidium bezieht sich bei seiner Aussage auf eine „Falldefinition“ des RKI, das würde bedeuten, dass nicht nur die ärztlichen Diagnosen aus dem Hohenlohekreis, sondern aus ganz Deutschland  nicht in die RKI-Fallzahlen einbezogen werden. Daher wird die Anstiegsrate für ganz Deutschland unterschätzt.

„Wenn nicht alle bekannten Fälle auch gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem“

Paul Heine vom Max-Planck-Institut sagt: „Wenn nicht alle bekannten Fälle auch gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem, insbesondere, wenn deren Wachstumsrate höher ist.“ Die Nichterfassung wurde dem MPI gar nicht mitgeteilt: „Wir wissen allerdings nicht, inwieweit dieses Problem nur in einigen Gebieten mit sehr hohen Fallzahlen auftritt. Hier in Leipzig ist uns beispielsweise nichts davon bekannt.“

Eine weitere implizite Annahme des Modells ist also, daß zu jeder Zeit ausreichende Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen, was offenbar nicht der Fall ist.

In Baden-Württemberg werden seit rund drei Wochen Labortests häufig durch „klinische Diagnosen“ ersetzt, weil laut der Politik nicht genügend Testsets zur Verfügung stehen. Wenn aber nur eine gewisse Anzahl von Testsets täglich zur Verfügung stehen, können auch nicht mehr als diese Anzahl positiv getestete Personen gemeldet werden – in Wahrheit viel weniger, denn es gibt ja glücklicherweise auch negative Tests. Steigt die Zahl der verfügbaren Tests weniger stark als die Anzahl der Erkrankten, führt das zu einer weiteren systematischen Unterschätzung, da in diesem Fall die angenommene Dunkelziffer stärker steigt als die der getestet Infizierten. Eine weitere implizite Annahme des Modells ist also, daß zu jeder Zeit ausreichende Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen, was offenbar nicht der Fall ist. Datenbasis unsicher //

Warum erfasst das RKI die Zahlen der klinischen Diagnosen nicht  und verfälscht damit die Datenbasis derart, dass jede mathematische Prognose die Folgen der Pandemie unterschätzen muss? Die Zahlen der klinischen Diagnosen sind bekannt und deren Einbeziehung in die Statistik würde zu einer aussagekräftigeren Datenbasis führen.

Prognose der Infiziertenzahlen systematisch unterschätzt

Politisch gravierend ist, dass diese systematische Unterschätzung Wasser auf die Mühlen derer gibt, die eine möglichst schnelle Wiedereröffnung der Wirtschaft fordern, koste es, was es wolle. Und die Bundesregierung wird nächste Woche anhand dieser unterschätzenden Zahlen und vielleicht aufgrund der Studie des MPI entscheiden, ob und wie stark die verhängten Maßnahmen gelockert werden. Solange die Datenbasis aber derart unsicher ist, ist eine rationale Entscheidung unmöglich, statt auf wissenschaftlicher Grundlage wird rein politisch entschieden werden müssen.

Angela Merkel hat in der Pressekonferenz vom 09. April 2020 betont, dass es wichtig ist, die Anzahl der Neuerkrankungen pro Tag unter die Anzahl der Geheilten pro Tag zu drücken – wenn man aber die Anzahl der Neuerkrankungen systematisch untererfaßt, kann es fatal enden, wenn man sich auf diese Zahl verlässt.

Auch Zahl der Gesundeten plötzlich stark erhöht  – Das ist keine österliche Massenwunderheilung

Auf der anderen Seite weist Baden-Württemberg am 07. April 2020 noch 2.685 Geheilte aus, am 08. April 2020 nennt das Sozialministerium auf einmal sage und schreibe 12.267 Gesundete. Das ist keine österliche Massenwunderheilung sondern schlicht das Ergebnis einer neuen Erfassungsmethode: „Das Landesgesundheitsamt veröffentlicht ab sofort den Schätzwert der SARS-CoV-2-Genesenen in Baden-Württemberg auf Grundlage eines heute durch das Robert Koch-Institut in Berlin angepassten Algorithmus. Hierbei werden Fälle ohne Angabe des Erkrankungsbeginns anhand des Meldedatum berücksichtigt.“, erläutert das Sozialministerium. Das RKI sagt auf GSCHWÄTZ-Anfrage: „Das RKI schreibt niemandem etwas vor, es ist ein Angebot, das Länder und Landkreise nutzen können.“ Und weiter: „Da wir den Algorithmus zur Schätzung der Genesenen so verbessert haben, dass nun alle übermittelten Fälle bei der Schätzung berücksichtigt werden können, also auch die ohne Angaben zum Erkrankungsbeginn, ist im Vergleich zu gestern ein größerer Anstieg als sonst zu verzeichnen.“

Wasser auf die Mühlen aller, die die Wirtschaft schnell wieder ankurbeln möchten

Weitere Aussagen, warum der vorher verwendete Algorithmus die Zahl so stark unterschätzt haben soll und warum man annimmt, dass die deutlich höheren Zahlen die Wahrheit besser wiedergeben, lässt sich das RKI auch auf konkrete Nachfrage nicht entlocken.

// Zahlen von gestern sind heute Schall und Rauch //

Zahlen, auf die sich gestern noch jeder berufen hat, sind heute Schall und Rauch. Und es besteht täglich die Möglichkeit, dass morgen wieder ganz andere Zahlen gültig sein sollen. Das zeigt, wie weit wir von zuverlässigen Daten, die dann zur Grundlage wissenschaftlicher Analysen werden können, entfernt sind.

Warum die Zahlen der ärztlichen Diagnosen nicht veröffentlicht werden, bleibt ein Rätsel

Warum das Land Baden-Württemberg den Boden der rationalen Wissenschaft verlässt und die Zahlen der „klinischen Diagnosen“, die das RKI nicht haben will, weder den Forschungsinstitutionen noch der Bevölkerung transparent bekanntgibt, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Auf mehrmalige Nachfrage haben wir die Zahlen nicht erhalten und wurden an das Landratsamt des Hohenlohekreises verwiesen. Das Landratsamt verwies wiederum nach mehrmaliger Nachfrage auf das Sozialministerium (wir berichteten).

Genau so wenig nachvollziehbar ist, inwieweit man die Schätzmethode für die Gesundeten derart ändern kann, dass die Anzahl der Gesundeten über Nacht um Faktor 4 ansteigt.

Dieses Verhalten kann für viele Menschen tödliche Folgen haben, wenn sich zu viele Entscheider auf eine scheinbare Zuverlässigkeit und Korrektheit der Zahlen verlassen oder die Zahlen sogar wider eigentlich besseres Wissen für ihre eigenen politischen Ziele benutzen.

Text: Matthias Lauterer




Corona Hotspot Hohenlohe – Was ist schiefgelaufen?

Festleskultur, zu wenig Tests, zu viele „stille“ Träger

Der Hohenlohekreis gelangte in den vergangenen Wochen zu deutschlandweiter Berühmtheit. Und das diesmal nicht durch den Schraubenmilliardär Reinhold Würth und sein Imperium mit der Schaltzentrale in Künzelsau-Gaisbach, sondern mit einem Virus, das sich rasant weltweit ausgebreitet hat.

Der Hohenlohekreis ist ähnlich wie Bergamo in Italien und das Elsaß in Frankreich als Hotspot von Coronainfizierten in den Medien genannt worden. So viele Infizierte umgerechnet auf die Einwohnerzahl gibt es derzeit nirgends sonst in Deutschland. Doch wie konnte es soweit kommen? Was ist schiefgelaufen in diesem kleinen Kreis im Norden Baden-Württembergs mit seinen rund 120.000 Einwohnern? Ein Kreis, der so ländlich geprägt und gleichzeitig so wirtschaftsstark ist wie kaum ein anderer.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befand sich noch im Winterschlaf

Drehen wir die Zeit ein paar Wochen zurück. Wir schreiben Mitte Februar 2020. Während in China die Zahl der an Covid-19 erkrankten Fälle und auch die Todesrate sprunghaft in die Höhe schießt, schwadroniert der Bundesgesundheitsminister und damals noch potenzielle Kanzlerkandidat Jens Spahn darüber, dass er mit der CDU bei der nächsten Wahl die 30-Prozent-Hürde knacken möchte. Kein Wort zu Corona. Wir haben darüber am 14. Februar 2020 einen Kommentar mit dem Titel veröffentlicht: „Der Coronavirus kommt und ihr seid noch beim Karneval – Die Unfähigkeit der regierenden Politiker“.

Air China fliegt weiter

Air China fliegt weiter und wird noch lange weiterfliegen – aus wirtschaftlichen Gründen, wie der Münchner Merkur berichtet. Die ersten Meldungen aus dem Bundesland Bayern kommen hereingeflattert, Mitarbeiter der Firma Webasto haben sich infiziert mit dem neuartigen Coronavirus, dem man den Namen Covid-19 geben wird. Menschen, die aus China angeflogen kommen, müssen einen Fragebogen ausfüllen, auf dem sie ankreuzen, ob sie Kontakt mit Coronainfizierten hatten und damit in 14-tägige Quarantäne müssen. Das erinnert ein wenig an den Fragebogen der Vereinigten Staaten, wenn man einreist à la : Sind Sie Terrorist?

Noch Anfang März Veranstaltungsankündigungen des Landratsamtes

Es gibt zunächst kaum offizielle und einheitliche Informationsschreiben über das Virus, die Symptome, den Verbreitungsweg (wir berichteten in unserer Märzausgabe 2020). Daher kann es sich auch zunächst ungeniert in Deutschland ausbreiten. Noch Ende Februar und Anfang März 2020 veröffentlicht das Landratsamt des Hohenlohekreises Pressemitteilungen mit der Ankündigung öffentlicher Veranstaltungen, die teilweise für den 19. März 2020 terminiert sind. Am 02. März 2020, nur wenige Tage nach dem Ende der Faschingsferien, ändert sich alles. Die Stadt Künzelsau sagt alle öffentlichen Veranstaltungen, auch die Einwohnerversammlung ab.

Die offizielle Zahl des Hohenlohekreises beläuft sich anfangs noch auf Null

Das Landratsamt berichtet fortan fast täglich über die Zahl der Coronainfizierten im Hohenlohekreis, deren Zahl sich zunächst auf Null beläuft. Ein Koordinierungsstab wird gebildet, das Landratsamt verweist darauf, dass öffentliche Veranstaltungen dazu beitragen können, dass sich der Virus schneller verbreitet. Der erste offiziell als corona-positiv bestätigte Fall veröffentlichte das Landratsamt am 05. März 2020.

Aber es gibt Veranstaltungen, die nicht abgesagt werden in einem Landkreis, der geprägt ist von der Vereins- und Festleskultur, vom Ehrenamt und Zusammenhalt. Das Rebenglühen in Bretzfeld mit rund 10.000 Teilnehmern findet von 06. bis 08. März 2020 statt. Am Samstag, den 07. März 2020, gab es einen Kleinkindkleiderbasar in der Weinbrennerhalle in Untermünkheim. Am 01. März 2020 gab es noch Konzert mit mehreren Posaunenchören in einer kleinen Kirche im Ort Kupferzell. So berichtet es das Nachrichtenmagazin Focus online. Auch in Pfedelbach gibt es noch diverse Veranstaltungen, unter anderem der Weltgebetstag in Pfedelbach-Untersteinbach am 06. März 2020 sowie die Hohenlohe Rallye am 07. März 2020 – alles Städte und Gemeinden, die später zu so genannten Hotspots mutierten sollen – also wo es besonders viele Covid-Infizierte geben wird.

10. März 2020. Es gib 16 offiziell registrierte Coronafälle im Hohenlohekreis. In Kupferzell lässt das Landratsamt unter anderem durch das Technische Hilfswerk (THW) vorsorglich eine Quarantänestation in der Akademie für Landwirtschaft einrichten. Die 17 Betten sollen für Menschen sein, die sich nach einer Corona-Diagnose nicht zu Hause isolierten können oder wollen, um andere anzustecken. In der Pressemitteilung des Landratsamtes hierzu heißt es: „Das Robert Koch-Institut beurteilt die Gefährdungssituation für die Bevölkerung als mäßig.“Das wird sich kurze Zeit später ändern.

15. März 2020. „In den kommenden Tagen rechnet der Hohenlohekreis mit einem weiteren Anstieg der bestätigten Coronavirus-Fälle im Hohenlohekreis sowie der Verdachtsfälle“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Daher hat das Landratsamt in Zusammenarbeit mit dem THW Pfedelbach nun die Möglichkeit einer so genannten „Drive-in-Abstrichstelle“ in Belzhag bei Kupferzell geschaffen. Die Abstrichstelle wird von Ärzten der kassenärztlichen Vereinigung gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz betrieben. Ähnliche Stellen gibt es bereits in anderen Landkreisen. Das THW Künzelsau unterstützt die Umsetzung des Projekts ab Betriebsbeginn. Die Abstrichstelle beim Gesundheitsamt in Künzelsau wird ihren Betrieb einstellen.

Das Prozedere: Die Menschen, die grippeähnliche Symptome und dann noch typische Covid-Symptome haben wie trockener Husten und Atemnot, sollen sich beim Hausarzt melden. Dieser überweist sie an die Drive-In-Abstrichstelle. Erst mit dieser Überweisung wird der Abstrich in Belzhag vorgenommen.

Kein telefonisches Durchkommen bei den Hausärzten, Tage später Tests, Tage später das Ergebnis.

An dieser Stelle ergeben sich gleich mehrere Probleme: Bei den Hausärzten ist zu dieser Zeit kaum mehr ein telefonisches Durchkommen. Viele Einwohner berichten uns, dass es vom Verdacht bis zur Diagnose mehrere Tage vergehen. In dieser Zeit können wiederum andere Personen angesteckt werden, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine Quarantäneregulungen für diese Verdachtsfälle gibt.

17. März 2020. Der Hohenlohekreis meldet den ersten Corona-Todesfall.

18. März 2020. Nach Bayern und zahlreichen anderen Bundesländern schließt nun auch Baden-Württemberg alle Schulen und Kindergärten. Bereits Tage zuvor schloss das Ganerben-Gymnasium und die Anne-Sophie -Schule, weil sie Covid-Verdachtsfälle hatte. Die Ergebnisse lassen auf sich warten.
Zur gleichen Zeit schließen fast alle Rathäuser ihre Pforten für die Öffentlichkeit und sind fortan lediglich über E-Mail oder eingeschränkt telefonisch zu erreichen.

Niedernhalls Stadtverwaltung setzt ein Zeichen und lässt nur noch eine begrenzte Zahl an Kunden in die Supermärkte und Drogerien vor Ort. In der Kreisstadt Künzelsau gibt es in den Supermärkten in Künzelsau auch Anfang April noch keine Einlassbeschränkungen. Teilweise stauen sich die Kundenschlangen im Kaufland, weil nur zwei Kassen offen sind. Auch bei den Schutzmasken ist Niedernhalls Stadtverwaltung Vorreiter und veröffentlicht Anfang April 2020 ein Schreiben, indem die Bevölkerung gebeten wird, mitzuhelfen, 4.000 Masken herzustellen.

Lange Schlangen an den Supermarktkassen, auch als alle Alarmzeichen schon leuchten

Es gibt landesweite Kontaktsperren. Mehr als zwei Personen dürfen sich nicht mehr zu Zusammenkünften treffen – ausgenommen Familien. Bayern geht mit der meisten Anzahl an Infizierten einen Sonderweg und führt Ausgangssperren ein. Auch in Baden-Württemberg werden die Menschen angehalten, nur noch zwecks Arbeit und zum Enkaufen das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Derweil haben die Krankenhäuser in und um den Hohenlohekreis die ersten Covid-Patienten, die
wegen starken Atemwegsproblemen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

HK-Chefarzt kritisiert Vorgehen des Landratsamtes massiv

Trotz eines klaren „Neins“ der BBT-Gruppe, des Mehrheitseigners der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK), gegenüber GSCHWÄTZ zwei Wochen zuvor, wird das Krankenhaus Künzelsau Ende März 2020 vom THW für Coronazwecke reaktiviert.Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha bekundet angesichts der Coronapandemie nun, dass auch ehemalige Krankenhausgebäude wieder genutzt werden könnten. Erst rund vier Monate zuvor, am 15. November 2020, wurde es auch federführend unter Lucha geschlossen, weil es laut dem Landkreis und dem Land Baden-Württemberg zu kostenintensiv war. Aber: Es soll nur als Isolierstation dienen, ohne medizinisches Fachpersonal und ohne Sauerstoffversorgung für Patienten mit Atemwegsproblemen. Dr. Andreas Kühn, bis 01. April 2020, Chefarzt am HK, kritisiert scharf, dass laut dem Landratsamt sowohl gesunde Risikogruppen als auch kranke Menschen mit leichten Symptomen in der Isolierstation untergebracht werden. Dieses Vorgehen sei „absolut fahrlässig“. Kühn warnt öffentlich davor, als Gesunder in die Isolierstation zu gehen, da die Ansteckungsgefahr zu groß sei.

Ärzte im Hohenlohekreis schlagen Alarm

Hohenlohe: Viele Jahre wurde an den Krankenhausmitarbeitern gespart – Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter noch gegen Arbeitsverträge

Am 22. März 2020 meldet das Landratsamt die offizielle Zahl von 350 Infizierten.

Landrat Dr. Matthias Neth ruft öffentlich nach Spenden von Schutzkleidung wie Schutzmasken auf. Zusätzlich werde medizinisches Personal benötigt. Woran derzeit keiner mehr denkt: Noch Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter des seit vier Monaten geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau gegen die HK vor, weil sie wesentlich schlechtere Arbeitsverträge angeboten bekommen haben https://www.gschwaetz.de/2020/02/06/keinen-lohn-keine-krankenversicherung-mehr-2-mitarbeiterinnen-verklagen-hk/

Auch medizinisches Personal muss man sich eben leisten können. Vor der Seuche konnte der Hohenlohekreis es nur noch eingeschränkt. Und jetzt?

Vor den Hilfsrufen des Landrats hat er noch zwei Videos veröffentlicht, in welchen er unter anderem die Bvölkerung dazu aufruft, zu Hause zu bleiben, um die Schwachen und Alten zu schützen. Es gehe „um Leben und Tod“.

Es gehe um Leben und Tod

Teile der Hohenloher Bevölkerung sind irritiert angesichts der relativ niedrigen offiziellen Zahl an Infizierten auf der einen und den Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, auf der anderen Seite.

Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, zwei Tage später über 400. Bei einerm derartigen Wachstum ist der Sprung zu einer vier- oder gar fünfstelligen Zahl nicht mehr weit.

Der exponentielle Anstieg der Infektionszahlen, vor dem zahlreiche Experten warnen (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen der Infizierten in Baden-Württemberg. Ende März 2020 wächst die Zahl der Coronafälle pro Tag vierstellig. Am 28. März 2020 sind es fast 11.000 offiziell erfasste Coronafälle im Ländle – Tendenz weiter stark steigend. Vier Wochen zuvor waren es noch eine Handvoll.

Zahlreiche Coronainfizierte werden nicht erfasst

Das Problem bei dieser Statistik ist: Es werden längst nicht alle Coronainfizierte erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders.

Die gefährlichsten Verbreiter, nämlich Infizierte ohne Symptome, werden nicht getestet

Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelt, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach oder eine pauschale Testung aller Besucher einer Veranstaltung mit Coronainfzierten wurde bislang nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen „stillen“, weil symptomlosen Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken.

Nichtsdestotrotz testen die Hausärzte im Hohenlohekreis zuerst im Gesundheitsamt in Künzelsau, dann an einer provisorisch eingerichteten so genannten Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag im März 2020 zahlreiche Menschen mit Teststäbchen, an einem Tag nicht selten zwischen 100 und 200. Das Problem: Diese Teststäbchen sind mittlerweile nur noch in begrenzter Anzahl vorhanden. Ein deutschlandweites Problem. Getestet werden daher in der Regel nur noch „Härtefälle“ mit schwerem Verlauf, die ins Krankenhaus müssen und man vorher abklären muss, ob sie eine starke Grippe oder Corona haben, um im Krankenhaus nicht wieder andere zu infizieren.
Bereits in der letzten Märzwoche finden wesentlich weniger Testungen statt, teils nur noch 16 pro Tag. Damit einhergehend steigt auch die offizielle Zahl von Coronainfizierten im Hohenlohekreis weniger stark an. Denn: Nur die mittels Teststäbchen im Labor getesteten Infizierten fließen in die offizielle Coronastatistik mit ein.

Diese so genannten klinischen Diagnosen der Ärzte fließen aber nicht in die offizielle Zahlenstatistik des Landratsamtes mit ein. 

Zweistellige Zahl an Arztpraxen musste schließen

Hinzu kommt: Eine ärztliche Diagnose ist gar nicht mehr so einfach zu bekommen. Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat seit Mitte März 2020 in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.

Das Problem mit der nachträglichen Ermittlung aller Kontaktpersonen.

Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises hat erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier schier unmöglich sei. Diese öffentliche Erklärung erfolgte allerdings erst über zwei Wochen nach der eigentlichen Veranstaltung.

Was bedeutet eine steigende Zahl an Infizierten für die Krankenhäuser im Hohenlohekreis und im Umland?

Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung), die man bei schweren Coronaverläufen braucht. Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat (maximal 12 sind laut Aussagen von hiesigen Ärzten möglich), ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung bereits nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal in Öhringen unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. Ein vollkommen separates Haus wie etwa in Schwäbisch Hall gibt es für Coronapatienten in Öhringen nicht.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen.

Aber dafür muss der Kreis jetzt alle Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall, gewappnet zu sein.

Besonders bitter: Weder das Landratsamt des Hohenlohekreises noch das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg haben bislang gegenüber der Presse (Stand: 30.03.2020) auch auf mehrfache Nachfrage hin keine Zahlen über die klinischen, also die ärztlichen Corona-Diagnosen veröffentlicht. Dann hätte man vermutlich ein wesentlich realistischeres Bild hinsichtlich der Anzahl der Infizierten. Die offiziell über das Labor positiv getesteten Infizierten liegt laut dem Landratsamt bei 453 Infizierten im Hohenlohekreis (Stand: 30.03.3030).