Die Preisträger des Jungwinzerpreises Württemberg kommen aus Ingelfingen
Wer einen Preis als Auszeichnung für seine Arbeit bekommt, der darf darauf stolz sein und der darf mit diesem Preis auch für sich und seine Arbeit werben. Dass es auch ganz anders kommen kann, mussten Gerrit und Yannik Schmetzer, die „junge Generation“ im Ingelfinger Weingut Gaufer erfahren: Sie erhielten bereits im Jahr 2020 den Baden-Württembergischen Jungwinzerpreis, konnten diesen Preis wegen der Pandemie aber nicht für sich ausnutzen – alle Veranstaltungen, bei denen sie sich hätten präsentieren können, sind ausgefallen. „So sind wir aber immerhin die längsten Träger des Preises“, lacht Gerrit Schmetzer – denn die Preisverleihung der Jahre 2021 fielen der Pandemie zum Opfer und so sind sie immer noch die amtierenden Preisträger.
Ausgeschrieben wird der Preis jährlich Preis vom Weinbauverband Württemberg in Kooperation mit dem Fachblatt „Rebe und Wein“. Verliehen wurde den beiden Brüdern der Preis aber nicht deshalb, weil sie einen ganz besonderen Wein der Spitzenklasse kreiert hätten – belohnt wurde eine Marketing-Idee: „Wir wollten weg von den Fachbegriffen wie Sorten und Lagen und wollen so vor allem für die junge Generation einen einfachen Einstieg in den Weingenuß anbieten“. Die Brüder kreierten also eine eigene Reihe, die sie „Wine for Vibes“, übersetzt etwa „Stimmungswein“, nennen und in der momentan vier Weine für vier Stimmungen oder Gelegenheiten angeboten werden: Fürs Tanzen, Feiern, Lieben und Chillen haben die Brüder einen jeweils passenden Wein zusammengestellt – alle vier Weine sind Cuvées, selbstverständlich aus den eigenen Reben.
In „normalen“ Jahren wäre mit dem Preis die Präsenz auf mehreren großen Weinmessen verbunden gewesen, wo man Kontakte zu Endkunden, Gastronomen oder Weinfachgeschäften hätte knüpfen können. „Das ist alles weggefallen. Wir sind aber im Kontakt mit dem Verband, vielleicht können wir das ja in diesem Jahr wahrnehmen“, hofft Gerrit Schmetzer.
Marketing als Herausforderung für Winzer
Marketing sei überhaupt eines der wichtigen Themen im Weinbau der Zukunft: „Der Markt ist gesättigt, es gibt einen Verdrängungswettbewerb. Jede Flasche, die wir mehr verkaufen, verkauft ein anderer weniger“. Das Internet biete aber auch kleineren Weinerzeugern – wie er einer ist – inzwischen preiswerte und gezielte Möglichkeiten. So habe das Weingut Gaufer während der Pandemie erfolgreich „Online-Weinproben“ durchgeführt: Kunden konnten ein Weinpaket bestellen, die Verkostung fand dann unter fachkundiger Begleitung über das Internet zuhause statt. „Da haben wir uns auch noch das Gläserspülen gespart“, grinst er.
Der Klimawandel wird den Weinbau verändern
Ein weiteres Zukunftsthema sei die Reaktion auf den Klimawandel. Nicht nur die Trockenheit bedrohe die Reben, auch die Klimakapriolen mit Sturm, Starkregen, Hagel, seien eine Gefahr. Die Wissenschaft hat sich dieses Themas schon angenommen und versucht, mit Neuzüchtungen gegenzusteuern. Dort hat sich einiges getan, weiß Gerrit Schmetzer: „Früher musste man mehrere Jahre warten, bis man wußte, ob eine neue Rebsorte die Erwartungen erfüllt. Durch die modernen Methoden der Biologie kann man schon an einer kleinen Pflanze vieles erkennen. Das reduziert die Zeit bis zur Einführung einer neuen Rebsorte beträchtlich.“ Er nennt als Beispiel Neuzüchtungen pilzresistenter Rebsorten – die wurden erforderlich, weil die Umweltauflagen das „Spritzen“ stark einschränken.
High-Tech nimmt immer mehr Raum ein
Der dritte Faktor, der den Weinbau der Zukunft bestimmen wird, ist High-Tech. Nicht nur aus den Biowissenschaften, auch in der Weinbergtechnik. Gerrit Schmetzer erwähnt einen Roboter, der die Reben nachts mit UV-Licht bestrahlt, um Pilze abzutöten. Der Mensch greift der Natur also beim Naturprodukt Wein kräftig unter die Arme.
Alten Beruf komplett aufgegeben
Inzwischen hat Gerrit Schmetzer seinen ursprünglich erlernten Beruf aufgegeben, hat in Neustadt an der Weinstraße/Wstr Weinbau und Önologie studiert und bei namhaften Winzern in der Pfalz und Baden gearbeitet. Nun bringt er seine Arbeitskraft vollständig ins Familienweingut ein. Auch sein Bruder Yanik ist dem Wein verbunden – er arbeitet bei einer Firma, die technische Geräte für die Weinerzeugung herstellt – „das ist gut, wenn man so direkte Kontakte in die Industrie hat“.
Den Wein macht nicht nur der Winzer
Im Weinkeller zeigt Gerrit Schmetzer, wie wichtig die Fachbegriffe, die den Kunden nicht interessieren müssen, dann doch sind. Er blüht regelrecht auf, wenn er von Farb- und Gerbstoffen spricht, die sich gegenseitig stabilisieren und wie man die Farbe des Weins auf ganz einfache Weise und ganz ohne Chemie ein wenig steuern kann. Er ist in seinem Element und wird ganz enthusiastisch, sprüht geradezu vor Ideen – und was ganz wichtig ist: Er ist stolz auf „sein“ Produkt. Auch deshalb, weil es eben nicht nur „sein“ Produkt ist, sondern ein Produkt der Region und der Natur.
Der Weinmarkt ist im Wandel
Aber noch im Keller spricht er wieder über den Weinmarkt und seine Kunden. Aufgrund der relativ kleinen Mengen, die das Weingut produzieren kann, kann er seine Weine nicht den großen Lebensmittelketten oder Internet-Weinhändlern anbieten. Seine Kunden sind eher Gastronomen und selbständige Lebensmittelmärkte, die nicht nur über den Zentraleinkauf beziehen – und natürlich die Kunden, die direkt ab Hof oder über die Webseite kaufen.
Kleine Weingüter haben es schwer
Schmetzer weiß, dass es kleine Weingüter in einem Marktumfeld, in dem ein „großer Name“ die Marktposition beeinflusst, schwer haben. Nicht zuletzt deshalb würden gerade viele Weingüter oder Weinbauern das Geschäft aufgeben. Trotzdem sieht er sein Weingut für die Zukunft gut aufgestellt: Man sei wirtschaftlich gut durch die bisherige Pandemie gekommen und habe einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Selbst in großen Weinführern, die weltweit vertrieben werden, ist der Name Gaufer, die Stadt Ingelfingen und das Kochertal inzwischen zu finden.
Text: Matthias Lauterer

