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Statt Appartements soll es nun Büros geben

Seit gut einem Jahr ist das MUSTANG-Gebäude nun Geschichte, der Abraum ist abgefahren und die Fläche ist leer. Die Natur holt sich einen Teil der Fläche zurück, auf einem weiteren Teil parken Baufahrzeuge. Von einem Baubeginn ist nichts zu sehen.

Geplant waren Appartements

Gebaut werden soll auf diesem Gelände eine Tiefgarage und darüber ein Komplex, der im Erdgeschoß einen großen Lebensmittelmarkt sowie einem oder mehreren kleineren Geschäften Platz bieten soll. Darüber waren 108 Micro-Appartements und 36 Serviced-Appartements geplant.

Sind die Planungen überholt?

Diese Planungen scheinen inzwischen obsolet zu sein. Noch vor kurzer Zeit war die iLive, die die Appartements betreiben wollte, im Gemeinderat sehr optimistisch, dass diese Appartements genau das Richtige für Künzelsau sind. Die Appartements sollten unter anderem die Wohnungsnot der Studenten mildern und dafür sorgen, dass Studenten aus Wohngemeinschaften in die neuen Appartements ziehen würden – und somit Wohnraum für Familien im Stadtgebiet frei würde. So argumentierten die Projektbetreiber im Gemeinderat.
Auf der Webseite der ILive ist das Wort Künzelsau nicht mehr zu finden, auch sind keine Pressemeldungen über das Projekt mehr online. Am grundsätzlichen Bedarf für derartigen Appartements auch in kleineren Städten scheint sich nichts geändert zu haben, schließlich hat ILive im Jahr 2021 in Heilbronn und Schwäbisch-Gmünd zwei ganz ähnliche Projekte eröffnet.

Merz Objektbau listet das Projekt noch

Screenshot Merz Objektbau 20.09.2021.

Auf den Seiten des Bauherrn, der Merz Objektbau GmbH & Co. KG, ist das Projekt noch in der ursprünglichen Form gelistet, auch die iLive Holding ist dort noch als Partner genannt – der letzte Statusbericht datiert allerdings auch schon aus dem Mai 2020.

ILive will wohl keine Appartements mehr

Am 14. September wurde im Gemeinderat berichtet, dass der Projektbetreiber seine Planung geändert habe: Es sollen nun keine Appartements mehr gebaut werden, stattdessen soll es nun Büros geben und die Tiefgarage soll deutlich verkleinert werden.

Christian Trautmann, zuständiger Projektentwickler bei Merz Objektbau, bestätigt am Telefon prinzipiell diese geänderten Pläne. Mehr will er nicht sagen, dazu müsse er direkt mit den Eigentümern sprechen. Auch über die Gründe der Veränderung sagt er nichts. Bei einem früheren Gespräch war von Einsprüchen von Anwohnern die Rede. Trotz mehrfacher Nachfragen von Seiten GSCHWÄTZ hat Trautmann wohl keine Freigabe bekommen. Auch von ILive wollte sich bisher niemand äußern.

Konsequenzen für die Stadtentwicklung Künzelsaus

Insbesondere Reintraut Lindenmaier sieht statt einer Lösung nun die alten Probleme wiederkehren: „Solange das Mustang-Areal nicht mit Wohnungen bebaut ist, ist das Thema Wohnen nicht vom Tisch. Wir haben zwar Wohnraum, aber keinen bezahlbaren Wohnraum“. Erhard Demuth verweist darauf, dass man einen Bebauungsplan verabschiedet hat, der Wohnbau an dieser Stelle zwingend vorsieht. Und schließlich haben man anderswo auf die Festschreibung von Wohnraum verzichtet, weil ja auf dem MUSTANG-Gelände Wohnraum entstehen sollte.

Langwieriges Verfahren

Sollte der Bebauungsplan neu aufgestellt werden müssen, ist mit einem längerfristigen Verfahren zu rechnen. Es besteht die Gefahr, dass auch dieses Gelände, wie das PEKA-Areal über lange Jahre eine innerstädtische Brachfläche bleiben wird. Künzelsau scheint mit seinen großen Bauprojekten kein glückliches Händchen zu haben, schließlich wartet man auch beim Sigloch-Areal auf Neuigkeiten.

Am 1. Oktober tagt der Gestaltungsbeirat der Stadt Künzelsau. Das Thema MUSTANG-Areal dürfte dann auf der Tagesordnung stehen.

Text: Matthias Lauterer




„Mieten im Hohenlohekreis heben ab“ – in 6 Jahren um 41,1 Prozent gestiegen

Das Wohnen fängt beim Wählen an: „Für die Mieten im Hohenlohekreis gibt es seit Jahren nur eine Richtung – nämlich immer nach oben“, sagt Mike Paul. Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Stuttgart beruft sich dabei auf eine Mietpreis-Analyse des Pestel-Instituts. Im Fokus der Untersuchung steht der Anstieg der Kosten fürs Wohnen, die der Staat übernimmt, wenn Haushalte auf Hartz IV angewiesen sind:

Mietsteigerung von 41.1 Prozent für einfachen Standard in 6 Jahren

Selbst die Kaltmiete für Wohnungen mit einfachem Standard ist demnach im Hohenlohekreis von 5,30 Euro pro Quadratmeter (im Januar 2015) auf 7,50 Euro (im April 2021) enorm angestiegen – ein Plus von 41,1 Prozent. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise haben im gleichen Zeitraum deutlich weniger zugelegt – nämlich um 9,8 Prozent, so das Pestel-Institut.

Forderung an die neue Regierung: mehr Wohnungen

„Die neue Bundesregierung muss sich enorm ins Zeug legen und für mehr Wohnungen sorgen“, so Mike Paul. Es fehlten vor allem bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen – gerade auch im Hohenlohekreis. „Die Situation im Hohenlohekreis ist damit Teil der bundesweiten Misere auf dem
Wohnungsmarkt“, sagt der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger. Das Drehen an der Mietspirale müsse ein Ende haben. „Die Mieten müssen wieder runter. Dafür muss der Neubau aber deutlich nach oben gehen – vor allem bei den bezahlbaren Wohnungen und bei Sozialwohnungen“, fordert Feiger. Deshalb müsse die neue Bundesregierung „schleunigst ein dickes Wohnungsbau-Paket“ auf den Weg bringen.

Manche Parteien „bleiben vage und vermeiden konkrete Zahlen“

„Damit das passiert, ist eine Botschaft wichtig: Das Wohnen fängt beim Wählen an“, so Feiger. Der IG BAU-Chef appelliert deshalb, „einen kritischen Blick in die Wahlprogramme der Parteien zu werfen und genau zuzuhören, was von denen kommt, die in den Bundestag und ins Kanzleramt wollen“. Es gebe Parteien, die bereits klare Zielmarken beim Neubau von Wohnungen gesetzt hätten. Andere dagegen blieben vage und vermieden konkrete Zahlen.

Spots mit skurrilen Szenen und kuriosen Charakteren

„Wohnungen kann man wählen. Gute Arbeit und eine ordentliche Rente übrigens auch“, sagt Feiger. Dazu startet die IG BAU jetzt einen „Lockruf in die Wahlkabine“ – mit WahlClips und der Aufforderung: „… iXen gehen!“. Es sind Film-Spots mit skurrilen Szenen und kuriosen Charaktertypen – wie dem „Wohnungen-wählen“, der als grotesker Makler die Situation auf dem Wohnungsmarkt ebenso schräg wie spöttisch skizziert.

Ernstes Thema mit einem Augenzwinkern auf den Punkt bringen

Die IG BAU will damit einen „Weckruf zur Wahl“ machen: „Es geht darum, die Probleme, die den Menschen auf den Nägeln brennen, klar auf den Punkt zu bringen – mit einem Augenzwinkern. Ob per Briefwahl am Küchentisch oder am 26. September in der Wahlkabine: Wichtig ist, dass die Menschen wählen gehen“, sagt der IG BAUBundesvorsitzende Robert Feiger.

Hier geht es zum Wahl-Clip „Wohnen“ mit einem „Wohnungen-wählen“: www.igbau.de/wohnungen-wählen

Quelle: Pressemitteilung der IG BAU