1

Annâweech macht glücklich

Unsere GSCHWÄTZ-Autorin Nadja Fischer hat sich unter den Hohenlohern umgehört, was sie glücklich macht. An erster Stelle rangieren Familie, Gesundheit und den Moment genießen. Für Luca Nobile aus Kupferzell bedeutet Glück etwa: „Wenn ich in meinem Auto laut die Band Annaweech hören kann.“

Für den verstorbenen Musiker Gonzo, war Glück, „wenn ich nach einem meiner vielen Auftritte in meine Heimat Hohenlohe zurückkehre. Ich freue mich jeden Tag darüber, in welch‘ einer schönen Gegend ich leben darf.“

Für Michael Fuchs bedeutet Glück, „gesund zu sein und das zu schätzen, dass man unbeschwert sein Leben genießen kann.“

 

Professor Dr. Frank Brettschneider von der Uni Hoheheim erforscht, was Menschen glücklich macht.

 

Ruhe genießen und nicht mitten im Stadtkern leben, das ist für viele bei der Wahl, wo sie wohnen möchten, wichtig. Nur 19 Prozent der Menschen bis 35 Jahren zieht es tatsächlich in die Innenstädte. Das ergab die Studie „Wohnwünsche 2017“ im Auftrag der LBS West. Im Rahmen von Online-Interviews hat die Beratungsgesellschaft für Wohnen, Immobilien und Stadtentwicklung 520 Mieter und Eigentümer in Nordrhein-Westfalen und Bremen befragt. Trotz des regionalen Charakters dieser Umfrage dürften die grundsätzlichen Ergebnisse auf das Gros der deutschen Bevölkerung übertragbar sein.

 

Ein weiteres Ergebnis:

 

Insgesamt hat die Mobilität der Bürger in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Wohnort muss dabei nicht direkt an der Arbeitsstelle liegen. Die Bereitschaft, einen längeren Weg zur Arbeit auf sich zu nehmen, ist gestiegen. Im Schnitt würden die Befragten 32 Kilometer zur Arbeit pendeln – pro Weg. Das sind noch einmal zwei Kilometer mehr als noch vor fünf Jahren. Soziale Bindung beim Wohnen zählt offensichtlich deutlich mehr als kurze Wege zum Job. „Sicherheit“, „Ruhe“ und „gute Nachbarschaft“ sind denn auch seit vielen Jahren die wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Wohnumfeldes.

 

Wir haben Prof. Dr. Frank Brettschneider, Glücksforscher an der Universität Universität Hohenheim, dazu befragt, was Menschen glücklich macht.

„Glücklichmacher sind Gesundheit, Partnerschaft und finanzielle Sicherheit“, sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider.
Foto: Brettschneider

GSCHWÄTZ: Sie haben ja 2016* und 2015 bereits Studien für die LBS durchgeführt. Was war das Ziel?

Brettschneider: Vor zwei Jahren wollte die LBS Stiftung Bauen und Wohnen von uns wissen, ob Wohneigentum glücklich macht. Damals haben wir herausgefunden, dass Wohneigentümer tatsächlich glücklicher sind als Mieter. Das gilt auch, wenn man das Einkommen, die Bildung und das Alter der Befragten berücksichtigt. Zweitens: Je zufriedener Menschen mit ihrer Wohnsituation sind, desto glücklicher sind sie. Ausschlaggebend für die Zufriedenheit sind die Größe der Wohnung und die Ausstattung. Drittens: Beim Kauf sind die größten Glücksmomente die Entscheidung für die Immobilie, der Kauf, der Einzug und die Zahlung der letzten Rate. In der Studie gab es auch Hinweise darauf, dass sich Wohneigentümer etwas stärker gesellschaftlich engagieren als Mieter. Das haben wir zum Anlass genommen, diesem Aspekt in der Folgestudie näher auf den Grund zu gehen.

 

„Von den Wohneigentümern geben 60 Prozent an, sehr glücklich zu sein.“

 

GSCHWÄTZ: Was sind die Ergebnisse der weitergeführten Studie von 2016? Sind Immobilien nach wie vor im wahrsten Sinne glücklich machende Objekte wie in der Studie von 2015?

Brettschneider: Ja, Wohneigentümer sind nach wie vor glücklicher als Mieter. Von den Wohneigentümern geben 60 Prozent an, sehr glücklich zu sein. Unter den Mietern sind es 43 Prozent. Dass Wohneigentümer glücklicher sind als Mieter gilt sowohl für Wohnlagen in Stadtzentren, in Stadtrandlagen, in Vororten und in ländlichen Gegenden. In Stadtzentren ist der Glücks-Unterschied zwischen Eigentümern und Mietern am größten. Am geringsten ist er in ländlichen Gegenden.

 

GSCHWÄTZ: Was sind weitere  „Glücklichmacher“?

Brettschneider: Das Glücksgefühl von Menschen speist sich aus zahlreichen Quellen. An der Spitze stehen Gesundheit und Partnerschaft. Dann kommen finanzielle Sicherheit und Selbstverwirklichung.

 

„Mit dem Alter steigt die regionale Verbundenheit.“

 

GSCHWÄTZ: Wie hängen Wohneigentum, regionale Verbundenheit und ehrenamtliches Engagement zusammen?

Brettschneider: Von den Wohneigentümern fühlen sich 64 Prozent sehr stark oder stark mit ihrer Region verbunden. Unter den Mietern sind es 51 Prozent. Mit dem Alter steigt die regionale Verbundenheit. In allen Altersgruppen drückt sie sich auf vielfältige Art und Weise aus. Dabei zeigt sich bei den Wohneigentümern immer eine stärkere regionale Verbundenheit als bei den Mietern: Wohneigentümer kaufen häufiger regionale Lebensmittel (56 Prozent) als Mieter (47 Prozent). Wohneigentümer haben häufiger viele Freunde und Bekannte in der Region (48 Prozent versus 39 Prozent). Sie kümmern sich häufiger um das, was in ihrer Nachbarschaft passiert (38 Prozent versus  29 Prozent). Und Wohneigentümer spenden häufiger für gemeinnützige Zwecke (34 Prozent) als Mieter (21 Prozent).

 

GSCHWÄTZ: Wie sind diese Ergebnisse zu erklären?

Brettschneider: Sich in einer Region niederzulassen, stärkt fast automatisch die regionale Verbundenheit. Wenn man mehr oder weniger dauerhaft an einem Ort wohnt, dann engagiert man sich auch eher im örtlichenSportverein, in der Bildungseinrichtung, im sozialen Bereich, in der Kirchengemeinde oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Dann hat man eher das Bedürfnis, sein Wohnumfeld aktiv mitzugestalten, als wenn man zur Miete wohnt und daher vielleicht auch eher mal den Wohnort wechselt. Mit anderen Worten: Mieter empfinden nicht weniger gesellschaftliche Verantwortung als Wohneigentümer. Die Umstände ihres Mietverhältnisses führen jedoch dazu, dass sie im Durchschnitt etwas weniger aktiv sind als die Wohneigentümer, die örtlich fester verwurzelt sind. Damit fördert Wohneigentum nicht nur das individuelle Wohlbefinden der Eigentümer. Es hat auch positive Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben.

 

GSCHWÄTZ: Was macht Sie persönlich glücklich?

Brettschneider: Am glücklichsten macht mich meine Familie. Aber auch mein Beruf, da ich es dort mit interessanten Menschen und spannenden Forschungsfragen zu tun habe.

 

„Aber immer definieren die Menschen selbst, was sie unter „ihrem Glück“ verstehen.“

 

GSCHWÄTZ: Werden wir zum Schluss noch ein wenig philosophisch: Wie haben Sie denn „Glück“ in Ihren Studien definiert? Was ist Glück / Glücklichsein?

Brettschneider: In der Wissenschaft übersetzen wir Glück mit „subjektivem Wohlbefinden“. Mit anderen Worten: Was Menschen unter ihrem individuellen Glück verstehen, variiert nach Alter, nach Kulturkreis, nach geografischer Region. Mit dem Ausmaß, den Ursachen und den Folgen von Glücklichsein beschäftigen sich inzwischen zahlreiche Wissenschaften – neben den Sozialwissenschaften auch die Wirtschafts- und die Politikwissenschaft. Aber immer definieren die Menschen selbst, was sie unter „ihrem Glück“ verstehen. Wir fragen sie nur, ob sie glücklich sind.

 

* Für diese Studie hat die GfK im Oktober 2016 eine repräsentative Umfrage mittels Online-Interviews durchgeführt. An der Umfrage haben laut  Frank Brettschneider bundesweit 1.109 Personen ab 18 Jahren teilgenommen. In Baden-Württemberg wurde die Zahl der Befragten auf 1.037 aufgestockt. Bei der Vorgänger-Studie waren es 1.442 Befragte bundesweit und 2.788 Befragte in Baden-Württemberg.