Was tun, wenn der Körper zu wenig Antikörper gegen Corona bildet – trotz Impfung?
Nach dem schleppenden Start kommt die Impfkampagne gegen das Corona-Virus nun auch in Deutschland in Fahrt. Immer mehr Menschen erhalten zumindest den ersten Piks. Laut Robert Koch-Institut hatten am Mittwoch, den 28. April 2021, 24,7 Prozent der Deutschen die erste Impfung erhalten und 7,4 Prozent die zweite Dosis (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquoten-Tab.html). Mittlerweile haben Diskussionen begonnen, ob vollständig Geimpfte Lockerungen erhalten sollen.
Kaum Antikörper trotz Impfung
Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, wie wirksam die Impfungen schützen und wie lange der Schutz vor einer Corona-Infektion anhält. Eine GSCHWÄTZ-Leserin aus Niedernhall, die anonym bleiben möchte, war Ende Januar 2021 mit dem Impfstoff von Biontech/Pfitzer geimpft worden. Im April wurde sie auf Antikörper getestet. Dabei zeigte sich, dass sie einen Wert von 7,1 U/ml hat, aber erst bei einem Wert von 15 U/ml kann man von einer wahrscheinlichen Immunisierung ausgehen. (U/ml steht hier für Units pro Milliliter).
Antwort des Immunsystems
Über die Antikörper heißt es auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums: „Die Bildung von Antikörpern gehört zu einem sehr wichtigen Arm des Immunsystems, nämlich dem humoralen Immunsystem. Einen weiteren wichtigen Arm des Immunsystems bildet die zelluläre Immunantwort. Auch dieser Teil des Immunsystems wird durch eine Impfung angeregt. Die zelluläre Immunantwort umfasst so auch Immunzellen, die infizierte Zellen erkennen und zerstören können.“ Mit einer Impfung werden also neben den Antikörpern auch Immunzellen trainiert, die Corona-infizierte Zellen erkennen und zerstören können. Damit könne die schützende Immunisierung erreicht werden, auch wenn der Antikörperspiegel einige Monate nach der Impfung abfalle oder sie nur unzureichend gebildet werden. „Wie lange der Schutz anhält, wird im Rahmen der klinischen Prüfungen auch nach einer Zulassung weiter ermittelt“, heißt es weiter (https://www.zusammengegencorona.de/impfen/impfstoffe/wirksamkeit-und-sicherheit/#faqitem=5dc5e067-5334-5b0f-bfcc-2cf7ce670ded).
Unterschiedliche Wirksamkeit
Im Fall der mRNA-Impfstoffe – das sind beispielsweise die Seren von BioNTech/Pfizer und Moderna – spricht das Robert Koch-Institut (RKI) von einer Wirksamkeit von 95 Prozent (https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html). Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass geimpfte Personen an dem Virus erkranken, ist bei ihnen um 95 Prozent geringer als bei ungeimpften Personen. Dafür müsse der Impfstoff zweimal verabreicht werden und spätestens 14 Tage nach der weiten Impfung sei ein ausreichender Schutz vorhanden. Im Fall der Vektor-basierten Impfstoffe wie beispielsweise AstraZeneca geht das RKI von einer 80-prozentigen Wirksamkeit aus. Dafür muss der Impfstoff ebenfalls zweimal, allerdings im Abstand von zwölf Wochen, verimpft werden. Der ebenfalls Vektor-basierte Impfstoff von Johnson&Johnson soll laut RKI nach der empfohlenen einmaligen Impfdosis eine Wirksamkeit von etwa 65 Prozent haben und zu etwa 75 Prozent gegen schwere Verläufe schützen.
Auch vor Mutanten geschützt
Das RKI geht außerdem auch davon aus, „dass die verfügbaren Impfstoffe auch gegen die neuen Linien wirksam sind“, die geimpften Personen also auch vor den Mutanten geschützt sind. Zwar könne bei manchen Mutanten eine Erkrankung auftreten – beispielsweise bei der Südafrika-Variante B.1.351. Es hätte sich aber auch gezeigt, dass die Impfung vor einem schweren Verlauf der Infektion schütze und dieser eher milde sei.
Geimpfte können trotzdem erkranken
Für beide mögliche Impfstoff-Varianten schreibt das RKI allerdings auch: „Wenn eine mit einem COVID-19-Impfstoff geimpfte Person mit dem Erreger in Kontakt kommt, wird sie also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erkranken.“ Es sei zwar wenig wahrscheinlich, dass eine vollständig geimpfte Person positiv wird, aber die Wahrscheinlichkeit sei nicht gleich null. Der Schutz setze „auch nicht sofort nach der Impfung ein und einige geimpfte Personen bleiben ungeschützt“. Trotz der guten Wirksamkeit könne es auch nach einer Impfung zu einer Covid-19-Erkrankung kommen, „da die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz bietet“. Das könne laut RKI dann der Fall sein, „wenn die Infektion kurz vor der Impfung stattgefunden hat – wenn also in der Inkubationszeit geimpft wurde – oder wenn eine Infektion in den ersten Tagen nach der Impfung erfolgt ist, bevor der Impfschutz vollständig ausgebildet werden konnte“. Die absolute Sicherheit gibt es also nicht. Außerdem ist auch noch nicht bekannt, wie lange der Schutz anhält.
Gefahr der Übertragung ist nicht aus der Welt
Zudem heißt es auf der RKI-Homepage weiter: „Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Menschen trotz Impfung symptomatisch oder asymptomatisch infiziert werden können und dabei SARS-CoV-2 ausscheiden.“ Das heißt, die Gefahr, dass zweifach geimpfte Personen das Virus übertragen, ist zwar geringer als bei ungeimpften, aber nicht völlig aus der Welt. Deshalb empfiehlt die Stiko, auch nach „einer Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen (Alltag mit Maske, Hygieneregeln, Abstandhalten, Lüften) weiterhin einzuhalten“.
Regelmäßige Auffrischung
Ebenfalls noch ziemlich unklar ist, wie lange die Impfung vor Corona schützt. Im Moment wird von einem sechsmonatigen Schutz ausgegangen. Beim RKI heißt es dazu: „Für die COVID-19-Impfstoffe liegen aktuell noch keine Daten vor, ob und ggf. in welchem Zeitabstand eine Auffrischimpfung notwendig sein wird.“ Das hänge von verschiedenen Faktoren ab: Dauer des Impfschutzes nach primärer Impfserie, Wirkweise des Impfstoffs, mögliche Immunitätsentwicklung gegen Impfstoffkomponenten oder Wirksamkeit gegen neue Virusmutationen. „Bei vielen Standard- oder Indikationsimpfungen ist empfohlen, nach einem bestimmten Zeitintervall eine Auffrischimpfung zum Erhalt des Impfschutzes durchzuführen.“ Möglicherweise muss also auch die Impfung gegen Covid-19 regelmäßig aufgefrischt und zusätzlich die Impfstoffe an die Mutationen angepasst werden.