1

„Wir als Stadtverwaltung sprechen uns ganz klar gegen die geplanten Windräder in Waldenburg aus.“

GSCHWÄTZ berichtete, dass die Anhörung zu den Bürgereinwänden gegen den Windpark Karlsfurtebene vom Landratsamt abgesagt wurde. GSCHWÄTZ hat dazu den Waldenburger Bürgermeister Bernd Herzog befragt.

Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windkraftanlagen, wir sind nur mit dem geplanten Standort nicht einverstanden.

Dieser lässt keine Zweifel offen. „Wir als Stadtverwaltung sprechen uns ganz klar gegen die geplanten Windräder in Waldenburg aus. Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windkraftanlagen, wir sind nur mit dem geplanten Standort nicht einverstanden. Der Standort, an dem diese Anlagen gebaut werden sollen, liegt im Wald und in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten. Wir sehen da eine konkrete Brandgefahr.“ Obwohl, so der Bürgermeister, zahlreiche Argumente, wie beispielsweise die Störung der Sichtachse, gegen das Bauprojekt sprechen, sei der entscheidende Punkt die Brandgefahr. „Diese Gefahr wollen wir nicht hinnehmen. Gestern in der Gemeinderatssitzung haben wir dieses Thema umfassend mit allen relevanten Informationen und vielen Details erörtert. Das Brandschutzkonzept, das für den geplanten Windpark vorgelegt wurde, ist kaum individualisiert und für uns nicht überzeugend.“

Herzog sieht kein Schutzkonzept für den Wald

Auf die Frage, wie Herzog die Chancen, das Großprojekt zu verhindern, sehe, antwortet dieser: „Auf einer meiner Folien der Gemeinderatssitzung war ein Bild der Koalitionsverhandlungen der Landesregierung abgebildet. (Regierung in Baden-Württemberg: Kretschmann und Strobl unterzeichnen Koalitionsvertrag – Baden-Württemberg – Stuttgarter Nachrichten (stuttgarter-nachrichten.de)) Man sieht darauf die Herrschaften (Winfried Kretschmann und Thomas Strobl) den Koalitionsvertrag in die Kamera halten. Auf der ersten Seite ist das Bild eines Waldes abgedruckt. Windräder verändern die Umgebungssituation nachhaltig. Im Falle Waldenburgs würde dadurch der Wald nachhaltig durch Generatoren geschädigt – und das ohne Schutzkonzept! Es kann nicht politischer Wille sein, den Wald zu zerstören und Menschen in Gefahr zu bringen. Unsere Regierung sagt, sie sei für Mensch und Natur. Insofern vertraue ich darauf, dass der Bürgerwille gehört wird.“

„Wir sehen eine Handlungsmacht beim Bürger“

Die Entscheidung, ob der Windpark gebaut wird, trifft das Landratsamt. „Wir versuchen die Menschen vor Ort sauber und sachlich zu informieren“, erzählt Herzog. „Dass durch die Corona-Verordnungen die Möglichkeit, Informationsveranstaltungen zu initiieren, eingeschränkt ist, ist unserer Sache natürlich nicht zuträglich. Aber wir sehen, nichtsdestotrotz, auch eine Handlungsmacht beim Bürger. Hier geht es um so eine wichtige Sache. Jeder Bürger sollte sich informieren und, wenn er dagegen ist, seine Verantwortung wahrnehmen und dem Landratsamt seine Meinung mit einer Einwendung kundtun. Ich persönlich habe auch das Landratsamt angeschrieben und meine Meinung zu diesem Thema zum Ausdruck gebracht.“

Bürgerinitiative Gegenwind ist auch weiter aktiv

Auf der Website der Initiative Gegenwind sind ausführliche und weiterführende Informationen, sowie eine Hilfestellung beim Verfassen einer solchen Einwendung zu finden: Windpark Öhringen Karlsfurtebene verhindern (gegenwind-waldenburg.de)

Auch am kommenden Samstag wird die Bürgerinitiative wieder am Waldenburger Marktplatz an der Hauptstraße stehen, über den geplanten Windpark aufklären und für den Schwäbisch-Fränkischen Wald kämpfen.

Text: Priscilla Dekorsi

 




Landratsamt genehmigt 4 von 9 Windrädern auf der Karlsfurtebene nicht

Seit einigen Jahren ist der Bau eines Windparks auf der „Karlsfurtebene“ Wald südlich von Waldenburg im Gespräch. Neun Windräder plant die ABO Wind AG aus Wiesbaden, die sich selbst als „internationaler Projektierer für erneuerbare Energien“ bezeichnet.  Jedes dieser Windräder soll eine Höhe von 230 Metern vom Boden bis zur Rotorspitze erreichen, jedes einzelne Windrad soll eine Leistung von 3,6 Megawatt erbringen, insgesamt also 32,4 Megawatt. Zum Vergleich: Das Wasserkraftwerk an der Kocherbrücke in Künzelsau hat eine installierte Leistung von 530 Kilowatt.

Lage der geplanten Windräder im Wald südlich von Waldenburg.
Foto: Homepage ABO Wind

Gegenstimmen in der Politik und bei Bürgern

Die Gegenstimmen gegen das Projekt sind laut. So hat der Gemeinderat der Stadt Waldenburg im Juli 2020 die Stadt bereits ermächtigt, gegen die Errichtung des Windparks zu klagen, sollte das Landratsamt die Anlage genehmigen.

Von Bürgern der angrenzenden Gemeinden wurde die „Bürgerinitiative Gegenwind Waldenburg-Michelbach-Öhringen e.V.“ gegründet, die sich laut ihrer Homepage unter anderem für den Erhalt des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald als Naherholungsgebiet, den Schutz der Bevölkerung vor schädlichen Infraschalleinflüssen durch Windkraftanlagen, den Artenschutz von Fauna und Flora, den Erhalt der denkmalgeschützten Silhouette von Waldenburg und die Wahrnehmung des demokratischen Grundrechts zur Mitwirkung an der Ausweisung von Vorrangsflächen von Windkraftanlagen auf dem Gebiet Karlsfurtebene sowie Nachbargemeinden einsetzt.

Im Wahlkampf um den Bürgermeisterposten von Waldenburg war die Windanlage ein Thema, so ist der neugewählte Bürgermeister Bernd Herzog ein bekennender Gegner der geplanten Anlage.

Landratsamt lehnt Genehmigung für 4 der geplanten Windräder ab

Am 11. November 2020 entschied das Landratsamt des Hohenlohekreises, dass die  immissionsschutzrechtliche Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb der vier Windenergienalagen, die in der Karte mit WEA3, WEA5, WEA6 und WEA9 bezeichnet sind, abgelehnt wird.

ABO Wind: „Wir halten die Ablehnung für unbegründet“

Gegen diesen Beschluß kann noch Widerspruch eingelegt werden, ein Rechtsmittel, das die ABO Wind prüft, wie ihr Pressesprecher Daniel Duben bekräftigt: „In der Tat hat das Landratsamt Hohenlohekreis unseren Antrag auf Bau und Betrieb von vier der insgesamt neun Anlagen des Windparks Karlsfurtebene abgelehnt. Wir halten die Ablehnung für unbegründet und prüfen nun, ob wir dagegen Rechtsmittel einlegen werden. Über den Antrag zum Betrieb der übrigen fünf Anlagen hat das Landratsamt noch nicht entschieden.“

Denkmalschutz als Ablehnungsgrund

Das bestätigt das Landratsamt in einer Pressemitteilung: „Für die WEA 1,2,4,7 und 8 ist über die Genehmigungsfähigkeit noch nicht entschieden.“ Als Begründung für die Ablehnung der vier Windräder gibt das Landratsamt an, dass dem „Bau und Betrieb der genannten Anlagen öffentliche Vorschriften des Bauplanungsrechts sowie des Denkmalschutzes“ entgegenstünden.

So stellt sich ABO Wind die Waldenburger „Skyline“ mit Windrädern vor.
Bild: ABO Wind Webseite

Für Waldenburgs Neubürgermeister Bernd Herzog ist die Ablehnung „ein erstes gutes Zeichen“. Es sei allerdings noch „zu früh für Rückschlüsse auf die Zukunft“ der geplanten Anlage.

Text: Matthias Lauterer