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„Über den Tag 1 hinausdenken und vorbereitet sein“

Landrat Dr. Matthias Neth und Integrationsmanager Dr. Tobias Wittlinger begrüßten am 1. April 2022 zur Eröffnung des Willkommenspunktes im ehemaligen Krankenhauses neben den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag sowie Vertreter:innen der Stadtverwaltung Künzelsau, einige der im Landratsamt mit Flüchtlingsangelegenheiten betrauten Mitarbeiter:innen und auch Vertreter:innen der ehrenamtlichen Helfer:innen durften nun dabei sein als Zeichen der Wertschätzung ihres bereits seit Wochen andauernden Engagements hinter den Kulissen.

Die Notfallambulanz hat sich verändert

Wickelgelegenheit für die Kleinsten. Foto: GSCHWÄTZ

In der ehemaligen Notfallambulanz wird von jetzt an der so genannte Willkommenspunkt für Flüchtlinge, nicht nur aus der Ukraine, für die Anliegen der Geflüchteten bereitstehen. An alle ist gedacht: Für die Kleinsten steht ein Wickelplatz zur Verfügung, für die älteren Kinder ein Spielzimmer. Die Erwachsenen können über PC-Arbeitsplätze mit der Heimat oder zum Beispiel mit der Arbeitsagentur kommunizieren, auch der Ausdruck von Formularen oder Dokumenten ist dort möglich, eine Teeküche, eine Sitzecke und Räume für Gespräche ergänzen das Angebot.

Ziel: „Vorbereitet sein“

Dr. Matthias Neth will „über den Tag 1 hinausdenken und vorbereitet sein“, auch für die Zeit, wo es möglicherweise einen starken Ansturm von Flüchtlingen geben könnte. Es sei wichtig, umgehend mit Sozialarbeit und Integration zu beginnen, sagt er. Noch sei nicht alles perfekt, meint er, aber die Eröffnung zeige „das Symbol, es geht jetzt los“.

Eigentlich sei die Integration Landesaufgabe, „aber wir konnten nicht warten“.

Blick ins Spielzimmer. Foto: GSCHWÄTZ

Anlaufpunkt

Ein Anlaufpunkt für die Geflüchteten soll der Willkommenspunkt sein, andererseits wollen die Ämter und ehrenamtlich Tätigen Präsenz zeigen und konkrete Angebote machen können. Wichtig sei es, den Geflüchteten einen ruhigen und sicheren Raum anbieten zu können – nicht direkt in, aber nahe bei den Unterkünften. Daher soll in naher Zukunft in Öhringen ein weiterer Willkommenspunkt eröffnet werden.

Computerarbeitsplätze stehen zur Verfügung, für die Kommunikation mit der Heimat oder mit Behörden. Foto: GSCHWÄTZ

Appell und Angebot an die Städte und Gemeinden

Neth weist nochmals auf die Rechtslage hin: Nach sechs Monaten verlagert sich die Verantwortlichkeit für die Geflüchteten an die Gemeinden, die dann Unterstützung brauchen – die Neth ihnen verspricht.  Er habe bisher eine Solidarität und einen Zusammenhalt im Hohenlohekreis erlebt, die beispielhaft sei: „In der Not hält man zusammen“.

Neth: „Wie man sieht, steht der Kreistag hinter mir“. Irmgard Kircher-Wieland und Michael Schenk. Foto: GSCHWÄTZ

Dank an alle Beteiligten

Er dankt den Bürgermeistern der Gemeinden, die Raum für Unterkünfte umgehend angeboten haben, aber auch lokalen Firmen – beispielsweise der Forchtenberger Firma Merlin, die das Spielzimmer ausgestattet hat und der Künzelsauer Firma Ottenbacher, die Drucker, Kopierer und Verbrauchsmaterial bereitstellen wird. Und natürlich dankte er auch den ehrenamtlichen Initiativen, die bisher bereits wertvolle Unterstützung gegeben haben. Ein Lob galt seinen Mitarbeiter:innen, die in der kurzen Zeit – „da hat der Landrat in seinen Terminkalender geschaut und gesagt, Freitag um 13 Uhr habe ich noch frei“ – die Infrastruktur des Willkommenspunkts auf die Beine gestellt haben.

Neth freut sich auf den Zeitpunkt, wenn die Räumlichkeiten mit Leben gefüllt sind.

Koordination der Kräfte

Ein erster Schwerpunkt der Tätigkeit wird die Koordination der Hilfsangebote sein, dazu wird in der nächsten Woche ein Treffen mit den ehrenamtlichen Helfern stattfinden, kündigte Tobias Wittlinger an. „Dieser Ort soll ein Kommunikationsort sein, Kommunikation ist eine wichtige Grundlage der Integration“, stellt er fest.

Gerne weist er die Gäste auf scheinbare Kleinigkeiten hin, die den Geflüchteten helfen sollen: So habe man Computertastaturen mit kyrillischen und arabischen Schriftzeichen beschafft. Und ein großes Fenster vom einen Computerraum ins Spielzimmer erlaubt es Müttern, am Computer zu arbeiten und ihr Kind im Auge zu behalten.

Text: Matthias Lauterer

 




„Willkommenspunkt“ für Flüchtlinge im Krankenhaus Künzelsau

Im Rahmen der Fluchtwelle aus der Ukraine beschreitet der Hohenlohekreis neue Wege. Zwei „Willkommenspunkte“ will der Kreis eröffnen, wo Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer Kontakt zueinander finden können.

Eröffnung bereits am Freitag, den 1. April 2022

Einer dieser Willkommenspunkte eröffnet bereits am Freitag, 01. April 2022, im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau, wo auch Flüchtlinge untergebracht sind. Der zweite ist in Öhringen geplant, ein Zeitpunkt für die Eröffnung wurde noch nicht genannt.

In Künzelsau soll eine Spielecke aufgebaut werden, dazu soll es einen Internetanschluß geben und Räume für ruhige Gespräche.

Integrationskonzept neu aufleben lassen

Die Willkommenspunkte sind Teil des neubelebten Integrationskonzepts, das Dr. Mark Tobias Wittlinger, der Integrationsmanager dem Kreistag am Montag, 28. März 2022, vorgestellt hatte. „Integration ist eine Daueraufgabe“, sagte er. Auf drei Säulen soll das Integrationskonzept stehen: Das Integrationsbündnis aller mit Integration befassten Stellen und Organisationen, das Integrationsmanagement des Landratsamts sowie dem ehrenamtlichen Engagement. Drei Arbeitsschwerpunkte nannte Wittlinger:

  • dezentrale und flexible Angebote, wie zum Beispiel die Willkommenspunkte
  • Stärkung des Integrationmanagements. Dafür will er bis zu drei neue Stellen schaffen
  • Ausbau der zentralen Koordination im Hohenloher Integrationsbündnis 25.

Ehrenamtliche wurden nicht informiert

Ehrenamtliche Helfer, die sich bisher über das Landratsamt engagiert haben, zeigen sich darüber verwundert, dass sie weder über die Einrichtung dieses Willkommenspunktes noch über den Zeitpunkt der Eröffnung informiert wurden. In der Kreistagssitzung vom 28. März 2022 wurde mehrfach die Notwendigkeit des Ehrenamts hervorgehoben und nochmals an die Bürger:innen appelliert, sich ehrenamtlich für Flüchtlinge und Integration zu engagieren. Als „Chaos-Situation“ bezeichnete Mike Weise das aktuelle Arbeiten – mit einer Koordination der unterschiedlichen ehrenamtlichen Initiativen könnte die Regelsituation, die sein Ziel ist, vielleicht ein wenig früher erreicht werden.

Text: Matthias Lauterer