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Die Ruhe vor dem Crash

So genannte Crash-Propheten gewinnen seit der Finanzkrise 2008 immer mehr an Aufmerksamkeit. Seit Corona ist das mediale Interesse an ihnen wieder sprungartig gestiegen. Das sieht man unter anderem daran, dass diese Propheten ungeheuren Zulauf in den sozialen Medien wie youtube gewonnen haben. Einer dieser Propheten heißt Max Otte. Otte sagt, eine Weltwirtschaftskrise wird kommen. Aber Corona sieht er nicht als Grund, sondern lediglich als Brandbeschleuniger. Doch wann wird die Krise kommen? So genau weiß Otte das nicht. Aber sie wird. Und mit dieser Meinung ist er nicht allein.

Der Crash wird kommen

Der Crash wird kommen. Die Frage ist nur: wann? Noch in diesem Jahr, in zwei Jahren oder vielleicht in 5 Jahren….keiner hat eine Glaskugel.

In Zeiten von Covid-19 und von drastischen Eingriffen der Politik in die Freiheit eines jeden einzelnen, in die Wirtschaft, Bildung und Kultur, um die rapiden wachsenden Infektionszahlen abzubremsen, wird immer häufiger von einer kommenden Weltwirtschaftskrise mit verheerenden Auswirkungen gesprochen. Doch wie entsteht eigentlich eine Weltwirtschaftskrise? Hierfür hilft ein Blick zurück in die Vergangenheit.

Vor fast einem Jahrhundert war die letzte große Weltwirtschaftskrise mit verherrenden Folgen

Die letzte uns bekannte Weltwirtschaftskrise mit verheerenden Folgen kennen die meisten von uns nur aus der Literatur. Nur die wenigsten haben weitreichende ökonomische Kenntnisse darüber, welche Faktoren letztendlich zu der damaligen Krise geführt haben. Schauen wir uns die bekannten Fakten einmal aus der Nähe an.

Der so genannte Schwarze Freitag war am 25. Oktober 1929. Das war der Tag, an dem die Börse in New York crashte.

Der schwarze Freitag

Auslöser der Krise war die schlechte gesamtwirtschaftliche Entwicklung über einen längeren Zeitraum, welche zu einer gewaltigen Blasenbildung am Finanzmarkt führte und diese letztendlich Ende Oktober 1929 zum Platzen brachte – ähnlich der Finanzkrise 2008 – nur nicht mit ganz so verheerenden, allumfassenden Folgen für sämtliche Lebensbereiche und Bürger.

Die Parallelen zur Weltwirtschaftskrise von 1929 sind mehr als offensichtlich. Zum Beispiel spiegeln Börsen im Normalfall die Realwirtschaft wider. Damals wie auch heute sind wir meilenweit weit davon entfernt. Die Börsen bilden eben nicht mehr die Realwirtschaft ab, sondern es findet eine Überbewertung der Wirtschaft statt. Man könnte auch sagen: Die Aktie des Unternehmens ist deutlich überbewertet, die betriebswirtschaftlichen Auswertungen sprechen eine andere Sprache.

Covid-19 ist nicht der Auslöser, sondern ein Brandbeschleuniger einer kommenden Weltwirtschaftskrise. Das heißt: Der Wirtschaft ging es bereits vor Corona nicht mehr wirklich berauschend.

Covid als Brandbeschleuniger

Der große Unterschied zu 1929 ist nun, dass wir jetzt mit einer Pandemie konfrontiert sind. Teilweise brechen Lieferketten zusammen. Es gibt zeitgleich sowohl ein Angebots- als auch ein Nachfrageschock. Das bedeutet: Zum einen ist bei manchen Produkten das Angebot viel größer als die Nachfrage (Angebotsschock, etwa bei Mercedes-Benz). Zum anderen ist in anderen Bereichen die Nachfrage viel größer als das Angebot (Nachfrageschock, etwa zeitweise Toilettenpapier und Mund-Nasenschutz).

Diese Situation ist völlig neu. Die Auswirkungen kann man nur in theoretischen Modellen darstellen. Es existieren keine Erfahrungswerte.

Stehen wir kurz vor der Staatspleite?

Stehen wir kurz vor einer oder mehrerer Staatspleiten? Spätestens seit der Rettung Griechenlands vor einer drohenden Staatspleite ist die Frage jetzt mehr denn je berechtigt.

Da einige  Wirtschaftsbranchen unter den Einschränkungen der Politik leiden und teilweise ums Überleben kämpfen, wird finanzielle  Unterstützung des Staates in verschiedenen Formen versprochen. Die Europäische Union (EU) hat bis jetzt 750 Milliarden bereitgestellt, um die Wirtschaft zu stützen.

Die EZB als möglicher Kreditgeber

Aber was passiert, wenn der Staat kein Geld mehr hat? Dann könnte er Kredite aufnehmen. Aber wer vergibt die  Kredite? Da momentan kein Staat innerhalb der EU für Deutschland bürgen kann (weil sie dazu finanziell überhaupt nicht in der Lage sind) und europäische  Rettungs- / Hilfs-Fonds gähnende Leere aufweisen, bleibt nur die europäische Zentralbank (EZB) als vermeintlicher Rettungsanker. Nur sie hat die Macht, Geld zu drucken und Kredite zu vergeben. Aufgrund des Ratings der einzelnen europäischen Staaten und anderer Faktoren entscheidet die EZB allein, ob ein Staat kreditwürdig ist.

Zunehmende Inflation

Da viele große Unternehmen in der EU als systemrelevant bezeichnet werden, bleibt der EZB nur die  Möglichkeit, ihre Geldschleusen noch weiter zu öffnen, um drohende Insolvenzen zu vermeiden. Das heißt, es befinden sich auch jetzt schon immer mehr Euro im Kreislauf.

Da das Zahlungsmittel Euro nicht limitiert ist, verliert er langfristig an Kaufkraft und eine Zunahme der Inflation ist die Folge. Dadurch steuern wir zwangsläufig auf eine Weltwirtschaftskrise zu.

Text: Markus Neugebauer

Weltwirtschaftskrise 1929