Polizei sucht nach 16-Jähriger
Eine Meldung der Polizei Heilbronn vom 31. Oktober 2021.
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Eine Meldung der Polizei Heilbronn vom 31. Oktober 2021.
Altersdemente Menschen können eine starke Belastung für ihr soziales Umfeld, aber auch für Altenheimmitarbeiter sein. Warum dennoch versucht werden sollte, sie in ihrer gewohnten Umgebung zu lassen, erklärt der Pressesprecher des Klinikums am Weißenhof in Weinsberg, Valentin Rohn. Vorausgegangen war die Kritik einer Familie über die Behandlung ihrer altersdementen Angehörigen am Klinikum in Weinsberg (wir berichteten).
„Zeigen meist herausfordernde Verhaltensweisen“
GCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass manchmal stark altersdemente Personen in Räumen stundenlang separiert werden?
Rohn: Patienten, die auf der Station mit Schwerpunkt zur Diagnostik und Behandlung von kognitiven Störungen und Demenzerkrankungen aufgenommen werden, zeigen meist herausfordernde Verhaltensweisen (zum Beispiel schwere Unruhe und Getriebenheit mit zeitweise lautem Rufen oder Schreien, oft auch eigen- und fremdgefährdendem Verhalten). Eine stationäre Aufnahme erfolgt meist dann, wenn das Umfeld (Pflegeheim oder Angehörige zuhause) mit diesen Verhaltensweisen nicht mehr gut zurechtkommt und eine ambulante Behandlung nicht ausreicht. Eine ungewohnte und gegebenenfalls unruhige Umgebung kann die oben genannten Verhaltensweisen zunächst noch verstärken und sich dann sogar auf andere Mitpatienten übertragen. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein, einen unruhigen Patienten aus der Situation zu nehmen und ihn einzeln oder in einer Kleingruppe zu betreuen. Patienten mit nasser Kleidung (zum Beispiel durch das Verschütten von Getränken) werden selbstverständlich schnellstmöglich umgekleidet.
Personalengpass ist mir nicht bekannt
GSCHWÄTZ: Gibt es einen Personalengpass an bestimmten Stellen in dieser Abteilung?
Rohn: Personelle Engpässe diesbezüglich sind uns nicht bekannt. Unsere Klinik weist keine erhöhte Personalfluktuation auf. Offene Stellen können zeitnah nachbesetzt werden.
„Dadurch würde sich ihr Zustan eher verschlimmern“
GSCHWÄTZ: Mediziner wie Gian Domenico Borasio, ein angesehener Professor in der Schweiz, wies jüngst in einem Artikel in der ZEIT (Titel: „Das Gegenteil von Hilfe“, Ausgabe 25. Februar 2021) darauf hin, dass es nicht unbedingt von Vorteil ist, an Altersdemenz erkrankte Menschen in eine komplett neue Umgebung zu überführen, wenn auch nur für ein paar Wochen. Dadurch würde sich ihr Zustand nicht selten eher verschlimmern als verbessern. Hinzu käme die Gefahr von Klinikkeimen. Teilen Sie diese Ansicht? Wenn ja, warum beziehungsweise warum nicht?
Rohn: Als Fachklinik für Gerontopsychiatrie können wir dieser Aussage nur zustimmen. Eine Behandlung von demenzerkrankten Menschen sollte idealerweise in Ihrer gewohnten Umgebung stattfinden. Eine große Anzahl von Patient:innen wird auch deshalb von einem interdisziplinären Team (Ärzt:innen, Psycholog:innen, Fachtherapeut:innen, Pflegefachpersonen) über unsere Gerontopsychiatrische Institutsambulanz (PIA) behandelt. Patient:innen, die im Pflegeheim leben, können über die PIA ebenso in ihrem häuslichen Umfeld regelmäßig aufgesucht und so eine ambulante Behandlung sichergestellt werden.
Zusätzlich bietet die Klinik für Gerontopsychiatrie seit November 2020 insbesondere für an Demenz erkrankten Patient:innen, bei denen eine stationäre Behandlungsnotwendigkeit besteht, eine stationsäquivalente Behandlung in der Häuslichkeit (im Pflegeheim, im betreuten Wohnen oder im eigenen Zuhause) an. Aktuell stehen fünf Behandlungsplätze für Patient:innen mit Wohnsitz in einem Radius von 20 Kilometer um Weinsberg zur Verfügung.
Wir sind bemüht, dieses Behandlungsangebot noch stärker auszubauen. Natürlich sind diesen ambulanten Behandlungsangeboten Grenzen gesetzt, insbesondere dann, wenn sich Angehörige überfordert fühlen und auf sofortige Entlastung durch Klinikaufnahme drängen, oder Patienten in unzumutbaren Verhältnissen leben, die gefährdend sind.
Borasio hat mit seiner Haltung sicher nicht Unrecht, man muss sich in allen Fällen aber auch immer die Frage nach den verfügbaren Möglichkeiten und Alternativen stellen.“
Eine weit über 80-jährige an Altersdemenz erkrankte Dame sitzt seit geraumer Zeit allein in einem großen, öffentlich zugänglichen Zimmer an einem kleinen Tisch in einer Abteilung unter anderem für Altersdemente, die (zumindest zum Zeitpunkt des Geschehens) zutrittsreguliert ist am Klinikum Weißenhof in Weinsberg. Sie klopft beständig auf den Tisch. In diesem Zimmer riecht es nach Urin und das, wenn man genau hinschaut, nicht ohne Grund. In den Ecken und mitten im Raum finden sich mehrere solcher Pfützen. Die Verwandten, die sie an diesem Tag besuchen, wenden sich sofort an das Personal und weisen auf die Urinpüfzen hin. Doch eine Mitarbeiterin habe nur mit den Schultern gezuckt und erklärt, nicht jeden Tag sein ein Putztrupp da und sie selbst dürfen diese Dinge nicht wegmachen. So sitzen die Verwandten mit der Dame selbst mehrere Stunden in dem Raum mit den Urinpfützen.
Das komme öfter vor
Die Verwandten bemerken auch, dass die Kleidung der Dame völlig nass ist. Daraufhin wird ihnen vom Personal erklärt, dass der Kaffee am Frühstückstisch wohl von der Patientin verschüttet worden sei. Das komme öfter vor.
Blieb vielleicht bislang keine Zeit für das Personal, die Dame umzuziehen? Vielleicht hat das Personal die nasse Kleidung auch nicht bemerkt? Die Familie habe ihre Angehörige jedoch zweimal so vorgefunden – innerhalb von nur wenigen Tagen. Die Familie hat dann die Frau selbst umgezogen. Schließlich wollen sie eine Lungenentzündung bei der ohnehin schon gesundheitlich stark angeschlagenen Frau vermeiden.
Allein und isoliert
Als beim nächsten Besuch die Dame wieder allein und isoliert sitzt, überlegt die Familie, ihre Angehörige früher und auf eigene Verantwortung wieder zurück ins Altenheim zu fahren. Denn eigentlich sollte die Dame hier über mehrere Wochen medikamentös besser eingestellt werden. So ist sie vom Altenheim nach Weinsberg gekommen. Seit die Demenz vorangeschritten ist, schrie die Dame häufig, was belastend für die Altenheimmitarbeiter war. Doch angesichts dessen, wie sie die Dame nun in Weinsberg vorgefunden haben, hegt die Familie Zweifel, ob eine adäquate Medikamenteneinstellung bei einer in ihren Augen mangelhaften Betreuung überhaupt erfolgen kann.
Fotos von den Urinpfützen. Klinikum distanziert sich: „Ihre Schilderungen zu diesem Vorgang erscheinen uns jedoch sehr eigenartig und nicht nachvollziehbar“
Die Familie möchte anonym bleiben, der Redaktion GSCHWÄTZ ist der Name der Familie bekannt, es liegen Fotos von mehreren Urinpfützen vor. Auch ein Video gibt es.
Wir haben mit dem Klinikum Weissenhof gesprochen und um eine Stellungnahme gebeten. Das Klinikum distanzierte sich von den Schilderungen: „Ihre Schilderungen zu diesem Vorgang erscheinen uns jedoch sehr eigenartig und nicht nachvollziehbar, daher würden wir uns gerne mehr Informationen zur Klärung des Vorfalls wünschen. Daher bitten wir Sie, dass Sie oder die Angehörigen uns gerne kontaktieren und wir zusammen den Vorgang nachvollziehen.“ Wir haben daraufhin einen Vor-Ort-Termin vorgeschlagen zur näheren Besprechung, dieser wurde jedoch seitens des Klinikums mit dem Hinweis auf die Pandemie abgelehnt. Zudem verwies Pressesprecher Valentin Rohn nun darauf, „alle Fragen ausführlich beantwortet zu haben“. Die betreffende Familie könne sich aber gerne melden könne, um die Vorgänge zu besprechen.
Stattdessen hat das Klinikum gegenüber GSCHWÄTZ mit rechtlichen Schritten gedroht, falls wir darüber berichten sollten:
„Die teilweise sehr harten und schlichtweg falschen Beschuldigungen weisen wir daher in aller Form zurück und möchten Sie bitten, auch im Hinblick auf mögliche rechtliche Schritte unsererseits, von einer redaktionellen Veröffentlichung abzusehen. Wir sind gerne bereit in Kontakt mit den Angehörigen den Vorgang aufzuklären, jedoch nicht über anonyme Anschuldigungen.“
Dennoch hat Valentin Rohn von der Abteilung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit unsere eingereichten Fragen diesbezüglich beantwortet.
Anbei veröffentlichen wir diese.
GSCHWÄTZ: Wie oft werden die Räumlichkeiten in dieser Abteilung und in den anderen Abteilungen gereinigt und von etwaigen Urinpfützen befreit?
Rohn: Die Reinigung der Stationen erfolgt grundsätzlich 1 mal täglich durch eine professionelle Reinigungsfirma. Räume mit hoher Frequentierung sowie Sanitärbereiche für Patienten werden täglich zweimal qualifiziert gereinigt. Ausscheidungen oder sonstige Verunreinigungen wie zum Beispiel verschüttete Getränke werden bei Abwesenheit des Reinigungsdienstes selbstverständlich auch durch die pflegerischen Mitarbeiter:innen zeitnah entfernt.
GSCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass Mitarbeiter Urinpfützen nicht wegmachen dürfen und diese dadurch teils tagelang bleiben, bis das Reinigungspersonal wiederkommt?
Rohn: Nein, dies ist nicht korrekt, wie bereits beschrieben werden Ausscheidungen und sonstige Verunreinigungen schnellstmöglich entfernt, natürlich auch durch pflegerische Mitarbeiter:innen.
GCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass manchmal stark altersdemente Personen in Räumen stundenlang separiert werden, in teilweise nasser Kleidung? Dies soll nicht nur einmal, sondern mehrfach vorgekommen sein, ebenso die Urinpfützen.
Rohn: Patienten, die auf der Station mit Schwerpunkt zur Diagnostik und Behandlung von kognitiven Störungen und Demenzerkrankungen aufgenommen werden, zeigen meist herausfordernde Verhaltensweisen (zum Beispiel schwere Unruhe und Getriebenheit mit zeitweise lautem Rufen oder Schreien, oft auch eigen- und fremdgefährdendem Verhalten). Eine stationäre Aufnahme erfolgt meist dann, wenn das Umfeld (Pflegeheim oder Angehörige zuhause) mit diesen Verhaltensweisen nicht mehr gut zurechtkommt und eine ambulante Behandlung nicht ausreicht. Eine ungewohnte und gegebenenfalls unruhige Umgebung kann die oben genannten Verhaltensweisen zunächst noch verstärken und sich dann sogar auf andere Mitpatienten übertragen. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein, einen unruhigen Patienten aus der Situation zu nehmen und ihn einzeln oder in einer Kleingruppe zu betreuen. Patienten mit nasser Kleidung (zum Beispiel durch das Verschütten von Getränken) werden selbstverständlich schnellstmöglich umgekleidet.
GSCHWÄTZ: Gibt es einen Personalengpass an bestimmten Stellen in dieser Abteilung? Wenn ja, in welchen Bereichen (z.B. Reinigung) und was sind die Gründe hierfür?
Rohn: Personelle Engpässe diesbezüglich sind uns nicht bekannt. Unsere Klinik weist keine erhöhte Personalfluktuation auf. Offene Stellen können zeitnah nachbesetzt werden.
GSCHWÄTZ: Gab es möglicherweise im betreffenden Zeitraum anderweitige Engpässe, dass es zu solchen Missständen gekommen ist?
Rohn: Nein.
GSCHWÄTZ: Mediziner wie Gian Domenico Borasio, ein angesehener Professor in der Schweiz, wies jüngst in einem Artikel in der ZEIT (Titel: „Das Gegenteil von Hilfe“, Ausgabe 25. Februar 2021) darauf hin, dass es nicht unbedingt von Vorteil ist, an Altersdemenz erkrankte Menschen in eine komplett neue Umgebung zu überführen, wenn auch nur für ein paar Wochen. Dadurch würde sich ihr Zustand nicht selten eher verschlimmern als verbessern. Hinzu käme die Gefahr von Klinikkeimen. Teilen Sie diese Ansicht? Wenn ja, warum beziehungsweise warum nicht?
Rohn: Als Fachklinik für Gerontopsychiatrie können wir dieser Aussage nur zustimmen. Eine Behandlung von demenzerkrankten Menschen sollte idealerweise in Ihrer gewohnten Umgebung stattfinden. Eine große Anzahl von Patient:innen wird auch deshalb von einem interdisziplinären Team (Ärzt:innen, Psycholog:innen, Fachtherapeut:innen, Pflegefachpersonen) über unsere Gerontopsychiatrische Institutsambulanz (PIA) behandelt. Patient:innen, die im Pflegeheim leben, können über die PIA ebenso in ihrem häuslichen Umfeld regelmäßig aufgesucht und so eine ambulante Behandlung sichergestellt werden.
Zusätzlich bietet die Klinik für Gerontopsychiatrie seit November 2020 insbesondere für an Demenz erkrankten Patient:innen, bei denen eine stationäre Behandlungsnotwendigkeit besteht, eine stationsäquivalente Behandlung in der Häuslichkeit (im Pflegeheim, im betreuten Wohnen oder im eigenen Zuhause) an. Aktuell stehen fünf Behandlungsplätze für Patient:innen mit Wohnsitz in einem Radius von 20 Kilometer um Weinsberg zur Verfügung.
Wir sind bemüht, dieses Behandlungsangebot noch stärker auszubauen. Natürlich sind diesen ambulanten Behandlungsangeboten Grenzen gesetzt, insbesondere dann, wenn sich Angehörige überfordert fühlen und auf sofortige Entlastung durch Klinikaufnahme drängen, oder Patienten in unzumutbaren Verhältnissen leben, die gefährdend sind.
Borasio hat mit seiner Haltung sicher nicht Unrecht, man muss sich in allen Fällen aber auch immer die Frage nach den verfügbaren Möglichkeiten und Alternativen stellen.“
Auf der Autobahn 6 zwischen der Anschlussstelle Heilbronn/Neckarsulm und dem Autobahnkreuz Weinsberg ereignete sich am Dienstagmorgen, den 26. Mai 2020, ein Auffahrunfall mit zwei LKWs.
Ein 60-Jähriger befuhr mit seinem Scania den rechten Fahrtstreifen in Richtung Mannheim, als er staubedingt abbremsen musste. Der hinter dem Scania fahrende 50-Jährige in seinem Iveco bemerkte dies offensichtlich zu spät und fuhr auf diesen auf. Der 50-Jährige verletzte sich schwer und wurde vom Führerhaus seines LKW eingeklemmt. Er musste von der Feuerwehr befreit werden und wurde dann mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.
Die Feuerwehr war mit acht Fahrzeugen und 34 Einsatzkräften an der Unfallstelle. Der entstandene Sachschaden wird auf etwa 18.000 Euro geschätzt. Der LKW des 50-Jährigen musste abgeschleppt werden. Hierfür musste der rechte Fahrtstreifen für etwa zwei Stunden gesperrt werden.
Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn
Über mehrere Wochen und Monate gab es in Deutschland eine Kontaktverbot zu anderen Haushalten. Auch vor Kontakt zwischen Enkeln und Großeltern sollte erst einmal eingestellt werden, um insbesondere Großeltern vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Schritt für Schritt heben die Landesregierungen diese Coronamaßnahmen nun wieder auf. Doch was bedeutet eigentlich die soziale Isoaltion über mehrere Wochen und Monate für viele Menschen?
GSCHWÄTZ-Redakteurin Sonja Bossert hat beim Klinikum am Weißenhof in Weinsberg nachgefragt. Privatdozent Dr. med. Daniel Schüpbach, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt der Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie (West), Klinikum am Weissenhof, Weissenhof, hat ihre Fragen beantwortet.
Kann zu vermehrtem Stress führen
GSCHWÄTZ: Wie wirkt sich soziale Isolation auf die Psyche der Menschen aus?
Schüpbach: Man kann davon ausgehen, dass die meisten soziale Isolation/soziale Distanzierung im Zusammenhang mit der Corona-Krise ohne nennenswerte Folgen für die Psyche überstehen können. In diesem Zusammenhang sprechen wir von so genannter Resilienz: Im psychologischen Sinn als die Fähigkeit definiert, Krisen zu überwinden, widerstandsfähig zu sein.
Überhandnehmen von Ängsten und Depressionen
Soziale Isolation kann auf der anderen Seite zu vermehrtem Stress führen, weil Quarantäne-Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nur bei denjenigen Personen durchgeführt werden, welche positiv auf das Virus getestet wurden oder welche im direkten Kontakt dazu standen. Somit sind nicht alle Bürger betroffen. Es besteht die Gefahr der Vereinsamung, der Hoffnungslosigkeit, ein Überhandnehmen von Ängsten und Depressionen. Zudem können sich Frustration, Ärger oder gar Wut manifestieren, und im schlimmsten Fall zu häuslicher Gewalt führen, zum Beispiel wenn übermäßiger Alkoholkonsum im Spiel ist.
GSCHWÄTZ: Hat sich dadurch auch die Zahl der Depressionspatienten am Klinikum am Weissenhof verändert?
Schüpbach: Das Klinikum am Weissenhof registriert im Moment keine Zunahme an depressiven Patienten. Vereinzelt sehen wir Menschen, die von Ängsten über das Corona-Virus überwältigt werden, vor allem, wenn sie sozial isoliert sind. Hinzu kommen vermehrt Ängste, an einer Corona-Virus-Infektion zu erkranken. In der Sprechstunde der psychiatrischen Institutsambulanz des Klinikums am Weissenhof stellen wir fest, dass das Thema Corona/dessen Gefahren bei vielen Patienten zur Sprache kommt, oftmals verbunden mit medizinischen Fragen. Kurzfristige Notfalltelefonate häufen sich.
Kurzfristige Notruftelefonate häufen sich
GSCHWÄTZ: Nach wie vielen Tagen/Wochen/Monaten in Quarantäne sind diese Auswirkungen spürbar?
Schüpbach: Es ist naheliegend, dass wir von keiner bestimmten Zeit ausgehen, in welcher sich psychische Symptome durch Quarantäne manifestieren können. Es ist ebenso einleuchtend, dass Menschen häufiger darunter leiden, je länger solche Maßnahmen bestehen. An dieser Stelle ist es vielleicht auch angebracht, zwischen Quarantäne-Maßnahmen und den allgemeinen Hygiene-Regeln zu unterscheiden, welche einen Mindestabstand von 1,5 bis 2m von Person zu Person vorschreiben.Vor allem unter Quarantäne können sich Risikofaktoren für eine Krise summieren: Ängste vor Erkrankung, Stigmatisierung/Diskriminierung, Furcht vor dauernder sozialer Isolation, existentiellen Ängste: Arbeits-/Wohnungsverlust, finanzielle Engpässe; und das Gefühl der Machtlosigkeit und des Ausgeliefert-Seins. Untaugliche Bewältigungsstrategien wie vermehrter Alkoholkonsum können sich manifestieren und zu gravierenden Folgen für den einzelnen Menschen und/oder seiner Umgebung führen: Gewalt gegen körperlich Schwächere wie Frauen und Kinder.
Ein besonderes Risiko für Krisen weisen Menschen auf, welche sich nicht oder nur unzureichend äußern können, welche keine Familien, Freunde, Verbände etc. haben, die ihre Bedürfnisse artikulieren: sozial Geschwächte und Benachteiligte mit Existenzsorgen auch ohne Corona, Kinder und Jugendliche aus solchen Familien, ältere/gebrechliche Menschen und solche mit psychischen Leiden/Suchtleiden.
Hilfe holen
Hilfe können Menschen laut Schüpbach bei folgenden Kontaktstellen holen:
1) In Baden-Württemberg existiert eine Telefon-Hotline für Menschen mit psychischen Belastungen/in schwierigen Situationen: Tel: 0800 377 377 6, Experten stehen von 8 bis 20 Uhr zur Verfügung.
2) Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter der Rufnummer 08000 116 016 rund um die Uhr und in 17 Sprachen erreichbar.
3) Das Frauen- und Kinderschutzhaus im Hohenlohekreis ist erreichbar unter Tel: 0 79 40 / 58 95 4.
4) Auf der folgenden Internetseite der Polizei finden sich Informationen: https://www.polizei-beratung.de/opferinformationen/haeusliche-gewalt/
5) Auf der Internetseite des Sozialministeriums Baden-Württemberg ist eine Übersicht zu den Einrichtungen für von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und Mädchen in Baden-Württemberg
Wie stärkt man das Wohlbefinden bei sozialer Isolation?
Das Deutsche Ärzteblatt (Petzold et al., 2020) schlägt laut Schüpbach folgende Maßnahmen zum Erhalt des Wohlbefindens unter sozialer Isolation vor (modifizierte und ergänzte Wiedergabe):
– Körperliche Aktivität wie Krafttraining und Yoga, dazu Entspannungsübungen wie Atemübungen
– Aktiv sein mit Spielen, Sudoku, Kreuzworträtsel, Lesen von Büchern/Magazinen
– Gesunde, achtsame Ernährung: regelmäßige Mahlzeiten, angereichert mit Salat und Früchten, ausreichend Proteinen, Begrenzung der Kohlenhydrate. Ausreichende Einnahme von Flüssigkeit (mindestens 2 Liter pro Tag): neben Wasser, zum Beispiel ungesüßter Tee. Mäßiger Koffeinkonsum, empfehlenswert maximal drei Tassen Kaffee/Tag. Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum.
– Reduktion des Medienkonsums, vor allem bedrohliche Inhalte, nur noch zweimal täglich
– Reduktion der Beschäftigung mit Gerüchten
– Informationsbeschaffung nur aus zuverlässigen Quellen, 1 bis 2mal täglich, nicht stündlich
– Gefühl der Kontrolle herstellen durch das Setzen von Zielen (etwas Neues lernen, Tagebuch schreiben etc.)
– Humor behalten, Lachen und Lächeln à hilft Stress zu reduzieren
– Extreme Emotionen wie Ängste, Unsicherheit, Wut akzeptieren
– Schlafhygiene: feste Zeiten, in welchen man zu Bett geht und aufsteht, kein Medienkonsum vor dem Einschlafen, wenn Mittagsschlaf, nur kurz (20 Minuten), Tag-Nacht-Umkehr verhindern
„Hygieneschutzmaßnahmen können leben retten“
Daniel Schüpbach betont, dass die meisten Menschen nach Beendigung der Quarantäne-Maßnahmen wieder zurück in den Alltag finden werden und ein normales Leben führen können; dies unter dem Aspekt der Resilienz, der Widerstandsfähigkeit. Andere benötigen Unterstützung und professionelle Hilfe. Aber wie auch immer, die Corona-Krise führe dazu, so der Chefarzt, „dass wir im Umgang mit uns selbst und Mitmenschen achtsamer sein müssen, weil die Hygieneschutzmaßnahmen (Abstandsregeln, Mund-Nase-Schutz, Händewaschen, Hustenetikette) Krankheiten vermeiden helfen und Leben retten können“.
Text: Sonja Bossert

Daniel Schüpbach ist Chefarzt am Klinikum am Weißenhof in Weinsberg. Quelle: Screenshot von der Internetseite des Klinikums

Soziale Isolation kann Ängste und Depressionen begünstigen. Symbolfoto. Quelle: adobe stock
Weinsberg-Grantschen: Brennender Sattelzug
Vollständig ausgebrannt ist ein Sattelzug auf der BAB A6 am Dienstag um 20.31 Uhr. Der Sa-telzug fuhr vom Autobahnkreuz Weinsberg kommend in Richtung Nürnberg, als am Fahrzeug ein Reifen platzte und der Sattelzug daraufhin in Brand geriet. Der Fahrer konnte sein Fahrzeug noch nach rechts auf den Standstreifen fahren und unbeschadet verlassen. Die alarmierte Feuerwehr war kurz darauf mit 23 Mann und fünf Fahrzeugen im Einsatz, konnte aber das vollständige Ausbrennen nicht verhindern. Der Sattelauflieger war mit Kunststoffteilen beladen. Bislang sind keine weiteren Einzelheiten bekannt. Der Schaden am Fahrzeug beträgt ca. 70.000 Euro. Während des Einsatzes war die Fahrbahn in Richtung Nürnberg voll gesperrt.
Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn
Die große Strafkammer des Landgerichts Heilbronn verhandelt am kommenden Freitag, den 28. Juni 2019, 09 Uhr, wegen des Vorwurfs der schweren Brandstiftung.
Dem an einer Manie mit psychotischen Symptomen leidenden Beschuldigten wird zur Last gelegt, er habe am 30. Dezember 2018 im Klinikum am Weissenhof in Weinsberg einen Weihnachtsbaum angezündet, um das „Feuer Gottes“ zu entfachen. Dies sei auf der Station P2 zu einem Zeitpunkt geschehen, als sich Pflegepersonal und weitere Patienten dort aufgehalten haben. Der Vorwurf: Der Beschuldigte habe die Gefährdung der anwesenden Personen billigend in Kauf genommen und sogar durch eine Barrikade die Löscharbeiten erschwert. Diese hätten seitens des Personals gleichwohl durchgeführt werden können, so dass nur ein Sachschaden in dreistelliger Höhe entstanden sei. Motiv des Beschuldigten sei gewesen, trotz Verbots an einem Gottesdienst teilnehmen zu können.
Der Prozess stellt ein so genanntes Sicherungsverfahren dar. Laut Antragsschrift soll nicht auszuschließen sein, dass der Beschuldigte aufgrund seiner Erkrankung außerstande gewesen ist, sein Verhalten zu kontrollieren. Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus kommt in Betracht.
Aktuell sind drei Verhandlungstermine angesetzt und zehn Zeugen geladen.
Quelle: Landgericht Heilbronn
Foto: Symbolfoto Feuer. Quelle: unsplash
#ausderklapse: Uwe Hauck redet offen über seine Depression
Im Café am Markt in Schwäbisch Hall traf sich Isabell Kähny mit Uwe Hauck, der mit seiner psychischen Erkrankung an die Öffentlichkeit geht. Warum er dies tut und wie er nach seinem Suizidversuch weiterlebt, erzählte er offen in unserem Interview – mit dem einen oder anderen Schwank aus seinem 2017 erschienenen Sachbuch „Depression abzugeben – Erfahrungen aus der Klapse“.
GSCHWÄTZ: Die meisten Betroffenen schweigen. Warum gehen Sie mit dem Thema Depression so offen um?
HAUCK: Es ist ein bisschen dem geschuldet, was passiert ist. Mein Suizidversuch war relativ öffentlich. Das hat Schwäbisch Hall sozusagen live mitbekommen.
„Ich wollte vom Turm der Kirche springen“
GSCHWÄTZ: Was haben Sie gemacht?
HAUCK: Ich wollte eigentlich vom Turm der Kirche (St. Michael im Zentrum von Schwäbisch Hall) springen. Da war aber die Türe von außen verschlossen. Dann wollte ich bei meinem Arbeitgeber springen, weil es dort auch einen Turm gibt. Und da hier viele Leute arbeiten, wusste ich, es wird sich streuen.
GSCHWÄTZ: Und dann haben Sie sich überlegt, das Buch zu schreiben?
HAUCK: Nein, das ist eine ganz andere Geschichte. Ich war zunächst einmal für fünf Tage in Weinsberg in der Geschlossenen. Nach vier Tagen ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Ich bin sehr social-media-affin, bin viel auf Twitter unterwegs, hatte damals schon 2.000 Follower. Nach vier Tagen wollte ich mal herausfinden, was draußen passiert. Meine Follower hatten sich schon richtig Sorgen gemacht. Dann habe ich angefangen, aus der Klinik live zu twittern. Das hat ein Literaturagent beobachtet und mich nach vier Wochen per Mail angeschrieben. So ist die Idee des Buchs entstanden.
„Wenn du als Kind nicht brav warst, hieß es: „Pass auf, sonst kommst du zu den Verrückten nach Weinsberg“
GSCHWÄTZ: Was war das Ziel des Buches?
HAUCK: Mehr Aufklärung. Eines der Defizite, die ich hatte, war, dass ich nie darüber gesprochen hatte. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Depression gehabt, wusste zwar, ich bin melancholischer als andere. Erst in dem Moment, als ich in der Klinik war, hab ich gemerkt: Die helfen mir. Weinsberg war immer so eine Drohung. Wenn du als Kind nicht brav warst, hieß es: „Pass auf, sonst kommst du zu den Verrückten nach Weinsberg.“ Und dann zu lernen, du bist nicht verrückt. Depression ist eine Krankheit, da wird dir geholfen, das war ein schwerer Schritt.
GSCHWÄTZ: Können Sie zurückblickend sagen, ab wann Sie mit Depressionen zu tun hatten?
HAUCK: Ich habe mit meinem Therapeuten in der Vergangenheit gegraben und man geht mittlerweile davon aus, dass ich seit meinem zwölften Lebensjahr darunter leide. Mein Vater ist damals an einer schweren Nervenkrankheit erkrankt. Niemand wusste, warum. Ich habe irgendwann gemerkt: Ich muss ruhig sein, ich muss brav sein, ich muss funktionieren. Da muss es wohl angefangen haben. Zu meiner Mutter hatte ich schon immer ein schlechtes Verhältnis.
GSCHWÄTZ: Wann wurde die Depression dann erstmals diagnostiziert?
HAUCK: In der Klinik, nach meinem Suizidversuch 2015. Ich war dann 2016 nochmal in der Klinik, weil ich einen Rückfall hatte.
GSCHWÄTZ: In welchen Kliniken waren Sie?
HAUCK: Ich war in Weinsberg, dann in der Tagesklinik in Schwäbisch Hall und in Isny in einer psychosomatischen Reha-Klinik.
„Die ersten vier Wochen war es kritisch“
GSCHWÄTZ: Wie erlebten Sie die Zeit in Weinsberg?
HAUCK: Ich habe mich wohl gefühlt. Die ersten vier Wochen war es kritisch. Da habe ich immer gesagt: Ich bin ja gar nicht krank. Alle anderen sind schuld. Nach vier Wochen habe ich angefangen, zu akzeptieren. Dann war es eine Mischung aus Gesprächen mit den Therapeuten und den Patienten. Je länger ich dort war, umso besser wurde es.
GSCHWÄTZ: Haben Sie im Rahmen dieser Therapie angefangen, Medikamente zu nehmen?
HAUCK: In der geschlossenen Psychiatrie in Weinsberg waren es einfach nur Beruhigungsmittel, um mich runterzukriegen. Später war es die Aufgabe der Medikamente, mich behandlungsfähig zu machen. Ziel war es, ein Medikament zu finden, was mich stimmungsmäßig herausholt.
GSCHWÄTZ: Aber die Medikamente nehmen Sie heute noch?
HAUCK: Andere. Ich habe einen Rückfall gehabt. Da habe ich mir gesagt, dass das Medikament nicht gut sein kann. Und im Rahmen des Rückfalls bekam ich die Diagnose: „Du hast nicht nur eine Depression, sondern auch eine Angststörung.“
GSCHWÄTZ: Wie gehen Sie heute mit dem Thema Suizid um? Denken Sie, es könnte nochmal passieren?
HAUCK: Es wäre gelogen zu behaupten, ich könnte es mir nicht mehr vorstellen. Aber ich weiß durch verschiedene Erfahrungen, dass es sich nicht lohnt. Ich wollte auch nicht sterben, sondern ich wollte das Leben nicht mehr haben.
GSCHWÄTZ: Wie gehen Ihre Kinder mit dem Thema um?
HAUCK: Die Kinder haben zunächst nichts direkt mitbekommen, haben in der Klinik gesagt bekommen, dass sich der Papa überarbeitet hat. Sie wurden später immer mit einbezogen, durften mit in die Klinik kommen. Schon beim zweiten Mal war es ihnen zu langweilig. Aber sie haben immer vermittelt bekommen, dass sie nichts damit zu tun haben, dass Papa im Krankenhaus ist.
„Ich habe noch meine dunklen Phasen“
GSCHWÄTZ: Wie schätzen Sie Ihren aktuellen Gesundheitszustand ein?
HAUCK: Durch das Nicht-Erkennen der Angststörung war es schon noch eine Weile kritisch. Aber jetzt habe ich a) ein Medikament dagegen und b) viele Tipps und Tricks. Ich habe noch meine dunklen Phasen. Früher war es ein tiefes Tal, heute ist es eine kleine Senke.
GSCHWÄTZ: Was können Sie Betroffenen mit auf den Weg geben?
HAUCK: Sich helfen lassen. Das habe ich zunächst nicht gemacht. Ich habe mich immer geschämt. Das andere ist, sich ein Netzwerk zu bauen. Man muss nicht mit allen darüber reden. Wer es wissen sollte: die Familie und die guten Freunde.

Uwe Hauck aus Schwäbisch Hall spricht offen über seine Depression.
Foto: GSCHWÄTZ
// Uwe Hauck, geboren 1967 in Heilbronn-Sontheim, lebt mit Frau und Kindern in Schwäbisch Hall. Der gelernte IT-ler arbeitete zunächst als Softwareentwickler, heute in demselben Unternehmen in der telefonischen Hotline. Nebenbei schreibt er Bücher. Ein Folgeprojekt zum erfolgreichen Depressions-Buch ist gerade in Arbeit. Außerdem betreibt er einen Blog: www.livingthefuture.de. Um über die Krankheit Depression aufzuklären, nimmt er an Lesungen teil, berichtet an Schulen von seinen Erfahrungen und geht auf medizinische Kongresse. Auch im TV war er bereits. Hauck twittert unter anderem mit dem Hashtag #ausderklapse. Seit 20. September 2018 gibt es sein Buch „Depression abzugeben“ auch als Hörbuch in der ungekürzten Originalfassung bei Audible, eingesprochen von dem Schauspieler Bernd Reheuser.