„Vom Laufstall aus Papa beim Tennis spielen zugeschaut“: Tennisclub Kupferzell empfängt Ex-Tennis-Profi Alexander Waske
Heute New York, morgen Kupferzell. Ex-Tennis-Prof Alexander Waske hat sich zum ersten Mal in seinem Leben in den Hohenlohekreis verirrt. Anlass war das 40-jährige Jubiläum des Tennisclubs Kupferzell, das der Verein am 07. und 08. September 2018 gefeiert hat. GSCHWÄTZ sprach mit ihm am Rande der Feierlichkeiten darüber, wie man Talente erkennt, mit Niederlagen umgeht, was er an Hohenlohe schätzt und wie Tennisprofi Tommy Haas privat ist.
GSCHWÄTZ: Wie kamen Sie zum Tennis?
WASKE: Über meinen Vater. Er hat sehr, sehr gerne Zeit auf dem Tennisplatz verbracht. Als ich damals gerade so stehen konnte, hat mein Vater die Aufgabe von meiner Mutter bekommen, auf mich aufzupassen. Da hat er mich mitsamt dem Laufstall mit auf den Tennisplatz genommen und hat Tennis gespielt, während ich ihm vom Laufstall aus zugeschaut habe. Und so wollte ich seit ich laufen kann, Tennis spielen. Man eifert einfach seinem Papa nach. Dann haben wir sehr viel Zeit im Tennisclub verbracht. Jeden Sommer, jedes Wochenende. Da habe ich meinen Freundeskreis her.
GSCHWÄTZ: Wie sah denn Ihr Training aus, bis Sie Tennisprofi wurden? Wie oft trainiert man da?
Waske: Das hat sich bei mir alles entwickelt. Ich habe in jungen Jahren nicht so viel trainiert. Drei Mal die Woche habe ich nur trainiert und habe später dann eigentlich alles professionalisiert. Heutzutage, in unserer Akademie, trainiert man zirka 20 Trainingseinheiten die Woche. Zehn Mal Tennis, zehn Mal Fitness und das sind zirka 50 Stunden Tennis und nochmal 13 bis 14 Stunden Fitness oben drauf.
GSCHWÄTZ: Mussten Sie Dinge für das Training vernachlässigen?
Waske: Ja, natürlich. Der einzige Tag der mir heilig war und auch immer noch ist, ist Weihnachten. Am 24. bin ich zu Hause. An allen anderen Geburtstagen und Feierlichkeiten war die Chance sehr hoch, dass ich nicht da war. Es ist auch immer noch so, dass es schwierig ist, mit mir was zu planen – wie Konzertkarten zu kaufen oder sowas, weil ich nicht garantieren kann, dass ich da bin. Der Tournierkalender geht vor und wenn ich auf der Welt herumreise um meine Spieler zu betreuen, das ist nunmal mein Job.
„Viele Ärzte sagten, dass wird nie wieder was“
GSCHWÄTZ: Wie hat es sich für Sie angefühlt, als Sie ihr Karriere-Aus verkündeten?
Waske: Ich war viele Jahre verletzt und wollte immer noch spielen, damit ich selbst entscheiden kann, dass ich nicht mehr spielen möchte. Insofern war es nach einer Odysee eigentlich ein gutes Gefühl, dass ich nochmal gespielt habe, auch wenn ich nicht mehr so gut gespielt habe und nicht mehr so erfolgreich gespielt habe. Aber trotzdem hatte ich nochmal gespielt, obwohl viele Ärzte gesagt haben, dass es nie wieder was wird. Ich hatte ja zwei Jahre zuvor schon die Akademie gestartet und das wurde immer größer und immer interessanter. Dann war klar das meine Energie jetzt in die Akademie geht.
GSCHWÄTZ: In Ihrer Akademie trainieren Sie Nachwuchstalente. Wie und woran erkennt man denn ein Talent?
Waske: Was ist ein Talent? Es gibt viele verschiedene Talente. Der eine hat einen schnellen Arm, der nächste hat schnelle Beine, ein dritter kann sich gut konzentrieren und ein vierter ist sehr diszipliniert. Für uns ist es das Wichtigste, dass wir Projekte haben, die es wert sind, Zeit zu investieren. Und dass wir junge Leute haben, bei denen wir das Gefühl haben, wir können ihnen Werte vermitteln, wir können sie besser machen und so trainieren, dass sie an ihr Leistungslimit kommen – wie hoch das auch immer ist. Wir sind da schon auch realistisch, dass wir wissen, dass nicht jeder von denen durch Tennis zum Millionär wird. Aber ein junger Mann, der eine hohe Disziplin hat, der sich konzentrieren kann, hart arbeitet, auf den man sich verlassen kann – das sind viele gute Eigenschaften, die nahezu in jedem Job gerne gesehen sind. Insofern glaube ich, dass ein 13-, 14-, 15-Jähriger zu uns kommt, ein paar Jahre bei uns ist und dann vielleicht „nur“ zweiter Bundesligaspieler wird, aber mit diesen gelernten Sachen in sein späteres Leben geht, hat trotzdem eine sehr gute Ausbildung bekommen.
GSCHWÄTZ: Wer hat ihr Talent denn damals entdeckt und wie alt waren Sie?
Waske: Ich war 21, als der erste Trainer gekommen ist und in mir einen Profi gesehen hat. Alle anderen vorher nicht. Das war John Nelson in San Diego. Dort habe ich mich für ein Stipendium in Amerika beworben. Ich stand damals 200 in der Deutschland-Liste und er hat in mir jemanden gesehen, der es unter die ersten 100 der Weltliste schaffen sollte. Was in meinen Augen völlig utopisch war, weil es einfach eine sehr große Diskrepanz ist. Das ist, wie wenn man jetzt hier auf den lokalen Fußballplatz geht und sich des Landesligisten anschaut und sagt – der spielt in vier Jahren in der Nationalmannschaft. Ich glaube, der Miro Klose hat damals relativ tief gespielt und dann schnell hoch. Das passiert einem einmal von ein paar tausend mal. Tja, und ich war einer von denen.
„Das Training ist härter geworden“
GSCHWÄTZ: Wenn man jetzt einen Vergleich ziehen müsste zwischen dem Training, das Sie damals hatten und dem heutigen Training, was hat sich verändert? Ist es härter geworden?
Waske: Ja, es ist härter geworden. Aber die Zeit, die man mit seinem Körper verbringt ist um ein vielfaches mehr geworden. Die Spieler müssen sich besser aufwärmen, sie müssen sich besser pflegen, sie müssen nach dem Training besser auf sich achten. Sie müssen besser essen. Das Ganze läuft strukturierter ab. Man macht sich genauer Gedanken, was trainiert wird. Warum in dieser Phase mehr auf das Wert gelegt wird. Das ist alles besser geworden. Als ich damals angefangen habe, da gab es einen Physiotherapeuten für ein ganzes Tournier. Heute sind fünf Physiotherapeuten da. Die Topspieler hatten alle ihren privaten Physio. Der ganze Bereich Fitness, Athletik, Coach und auch Physiotherapeut hat sich unglaublich entwickelt und wird auch sehr genutzt von den Spielern. Deswegen ist es auch möglich, dass Spieler wie Roger Federer mit 37 immer noch sehr gut spielen, weil man sehr auf den Körper achtet.
„Immer dieses bla, bla, bla“
GSCHWÄTZ: Sie haben unter anderem Tommy Haas trainiert, mit und gegen ihn gespielt. Was ist er für ein Typ Mensch?
Waske: Wenn man ihn nicht kennt, drückt Tommy Haas einem erstmal eine Kassette auf Ohr. Das habe ich schon ganz oft gemerkt. Wenn Sie jetzt mit ihm reden würden, bekämen Sie genau die gleiche Antwort wie jeder andere auch. „Ich habe gut gespielt, ich habe gut trainiert, ich freue mich auf das nächste Turnier.“ Immer dieses blablabla. Bis man da mal durch ist, muss der Tommy einem schon vertrauen und gut kennen, damit er einem dann wirklich von sich erzählt. Aber ich denke, dass er über viele Jahre festgestellt hat, dass zu viel von sich Preis geben oft nach hinten losgeht. Da ist er sehr reserviert. Trotzdem ist es der größte Tennisspieler, mit dem ich je gespielt habe. Was der Mann für Deutschland im Davis-Cup geleistet hat, wie oft er über seine Grenzen hinausgegangen ist. Da ging es nicht um finanzielles, sondern dass er immer für Deutschland eingestanden ist. Er war auch einer der ersten, der immer gesagt hat: „Als Mannschaft teilen wir“. Es war ihm immer wichtig, dass es ordentlich verteilt ist. In diesen Sachen kann ich nur in allen höchsten Tönen von ihm sprechen.
GSCHWÄTZ: Wie sieht denn ihr Alltag aus, wenn Sie Feierabend haben?
Waske: Eigentlich gibt es nur ein paar Optionen. Entweder ich treffe ich mit meinem Vater, der bei mir um die Ecke wohnt, und meiner Verlobten und wir gehen Abend essen. Oder ich treffe mich mit meinem Bruder und meinen Nichten und gehe mit ihnen auf den Spielplatz oder Eis essen oder male Bilder mit ihnen, spiele verstecken oder MauMau. Was man halt so macht, sie sind drei und fünf. Ich mache auch jedes Jahr einen Urlaub mit ihnen. Das ist mir wichtig, weil ich sie dann mal zwei Wochen am Stück sehe. Der Prozess von Schwimmflügel über ohne Schwimmflügel bis hin zum Tauchen und so weiter, da bin ich jetzt sehr eng dran. Das ist so mein Hauptteil, den ich in meiner Freizeit mache.
Abschalten in Kupferzell
GSCHWÄTZ: Waren Sie schon mal im Hohenloher Ländle und wie gefällt Ihnen Kupferzell?
Waske: Also ich war schon mehrfach in Heilbronn. Zählt das? Ansonsten war ich jetzt nicht wirklich hier und habe mir groß die Sachen angeschaut. Aber ich habe mich gestern mit Mariano, dem Jugendspieler der mit mir hier ist, unterhalten, wie angenehm es hier ist. Dieser weite Blick und die Landschaft ist entspannend für uns. Ich kann mir vorstellen, dass, wenn man hier lebt und das jeden Tag sieht, man sich dann auch nach etwas anderem sehnt. Aber für uns Städter war das sehr angenehm hier.
Im Halbfinale bei den Australien Open
Alexander Waske kommt aus Frankfurt am Main und ist ein ehemaliger (* 31. März 1975 in Frankfurt am Main) ist ein ehemaliger deutscher Tennisspieler. Der 43-Jährige ist verlobt. Seine höhste Platzierung auf der Tennis-Weltrangliste war 89 (2006) Seine größten Siege: 2005 gewann er mit der deutschen Mannschaft den World Team Cup im Düsseldorfer Rochusclub. Ebenfalls 2005 stand der damals 30-Jährige mit seinem Partner Jürgen Melzer im Doppel bei den Australian Open im Halbfinale. Mit seinem Davis-Cup-Kollegen Rainer Schüttler stand er auch im Viertelfinale von Wimbledon. Dazu feierte Alexander Waske einen großen Erfolg im Daviscup-Aufstiegsspiel 2005, in dem er mit Tommy Haas das tschechische Doppel František Čermák und Leoš Friedl in fünf Sätzen schlug. Dadurch trug er einen großen Teil zum Wiederaufstieg der deutschen Davis-Cup-Mannschaft bei. 2012 beendte Waske wegen gesundheitlicher Probleme seine tenniskarriere und arbeitet seitdem als Trainer, unter anderem hat er Tommy Haas trainiert.

Alexander Waske (links) und Marinao Hasenkopf, einer seiner Nachwuchstalente. Foto: GSCHWÄTZ
Video & Fotos: Nadja Fischer