Knobel ist raus – Was sagt uns das über Waldenburg – und über Markus?
Es kommt bei uns im stark konservativ geprägten Hohenlohekreis nicht oft vor, dass Bürgermeister, im speziellen noch so ein relativ junger, abgewählt werden. Wer erinnern uns in diesem Zusammenhang etwa an Patrizia Filz, die dem amtierenden Bürgermeister Karlheinz Börkel das Zepter in Schöntal 2004 aus der Hand gerissen hat (und das auch noch, sehr selten, von einer Frau). Auch in Krautheim war es im Vorhinein nicht ganz so sicher, ob Andreas Köhler im Amt bleiben wird.
Was also ist geschehen in dem 3.000-Seelen-Städtchen, das so bezaubernd auf einem Berg mit Blick auf das Kochertal thront?
Bemerkenswert war, dass weniger die Sachkenntnis des 51-Jährigen moniert wurde. Am meisten wurde Knobel für seine nicht wirklich empathische Art abgestraft. So soll es laut Medienberichten unter anderem häufig Wechsel bei seinen Mitarbeitern im Rathaus gegeben haben, die etwa darauf zurückgeführt wurden, dass Knobel – durch die Blume gesagt – mit seiner Art kein angenehmer Chef gewesen sein soll.
Kein Souverän
Auch inhaltlich knirschte das städtische Getriebe bei diversen Schnitzern im Haushalt. Knobel habe sich dabei nach außen nicht so vor seine Mitarbeiter gestellt, wie manche von ihnen es sich gewünscht hätten. Sechs Stadträte kritisierten indes noch kurz vor der Wahl, dass Sie sich vor seinen „Wahlkampf-Karren“ gespannt gefühlt hätten (https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/lk-schwaebisch-hall/buergermeisterwahl-waldenburg-nicht-_abnick-gemeinderat_-gemeint_-markus-knobel-entschuldigt-sich-51975568.html).
Knobel tritt zur zweiten Wahlrunde nicht mehr an
Aber die Mitarbeiter und die Stadträte sind ja nicht gleich das wählende Volk. Nur eine geringe Minderheit arbeitet von den Waldenburgern für den Rathauschef oder sitzt im Stadtrat. Offensichtlich konnte er auch seine restlichen Bürger mehrheitlich nicht mehr überzeugen. An dieser Stelle sei betont, dass Knobel im ersten Wahlgang am Sonntag, den 04. Oktober 2020, nur 32,97 Prozent der Stimmen erhielt, während Herausforderer Bernd Herzog fast 50 Prozent (49,94 Prozent) einheimsen konnte. Daniel Vogelmann erhielt 16,96 Prozent der Stimmen. Daraufhin verkündete Knobel (wie auch Vogelmann), dass er zum zweiten Wahlgang am Sonntag, den 18. Oktober 2020, nicht mehr kandidieren wolle. Oder anders gesagt: Er sah die Schlappe für ihn kommen und wollte lieber vorher freiwillig abdanken. Das ist auch ein Zeichen und zeigt seine Persönlichkeit.
Er wirkte immer ziemlich hölzern
Nach außen hin wirkt Knobel mit seinem stets – so scheint es zumindest – sonnengebräuntem Gesicht und dem Zahnpastalächeln, auch Anzug und Krawatte dürfen nicht fehlen – ziemlich hölzern und bieder. Ein Mann, der sicher auch gut in ein Büro der Sparkasse passen würde. Entspannt geht anders. Er ist keiner, der im Kreistag auch mal kritische Worte äußern würde, wenn es gilt, Missstände anzusprechen. Knobel läuft mit und will dazugehören – zu den Machern. Und so wirkte er denn auch manches Mal als fremdes Puzzleteil unter seinen Bürgern.
Böse Zungen sagen, dass er arrogant ist oder zumindest wirke. Aber selbst wenn – ist das nicht oft auch schlichtweg ein Zeichen von innerer Unsicherheit? Wenn man innerlich gefestigt ist, kann man souverän wirken. Und ein Souverän sein. Knobel hat nun gemerkt, dass das Volk einen anderen Souverän möchte. Seine Worte direkt nach dem ersten Wahlgang: „für mich ist das keine Niederlage“ kann er nicht wirklich ernst gemeint haben. Auch hier verpasst er seine vermutlich letzte Chance, eigene Fehler einzugestehen.
Eins ist nach dieser Wahl sicher: Mut zur Veränderung haben die Waldenburger. Und Bernd Herzog wird vermutlich bald die Geschicke des kleinen Luftkurortes leiten.
Seit 2004 im Amt
Markus Knobel wurde erstmals 2004 von den Waldenburgern zum Bürgermeister gewählt, 2012 ging es dann in die Verlängerung. Insgesamt war er damit 16 Jahre – zwei Bürgermeisterperioden – im Amt.
Text: Dr. Sandra Hartmann

Markus Knobel (ganz rechts) bei einer Kreistagssitzung. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv