„Der Wald wird nicht verschwinden, er wird sich verändern“
„Was wir jetzt tun, wird über unsere Zukunft entscheiden“, sagt Prof. Dederich von der Universität Rottenburg.
Am Donnerstag, dem 20.10.2022 haben sich etwa 300 Leute im Carmen Würth Forum versammelt, um Vorträgen, sowie einer Podiumsdiskussion zum Thema „Unser Wald im Klimawandel“ zu lauschen. Das Landratsamt Hohenlohe lädt in Kooperation mit der Adolf Würth GmbH & Co. KG Waldbesitzer:Innen, Waldliebhaber:Innen und Holzinteressierte in den passenderweise mit Holz vertäfelten Reinhold-Würth-Saal ein.
Das Ziel, wie es Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG in seinem Grußwort beschreibt ist es, „mit mehr Wissen zu kommen, als zu gehen.“ Denn der Wald ginge jeden etwas an- Waldgenießer, Jogger, auch die, die einfach gerne ein Waldbad nehmen.
„Extremwerte sind das neue normal“
„Extremwerte sind das neue Normal“, so Prof. Dr. Jürgen Bauhaus von der Waldbau-Uni Freiburg. Und es sei nicht nur der Klimawandel, der unsere Wälder zerstört, Schädlinge und neue Pflanzenarten tragen auch ihren Teil dazu bei.
Wobei „zerstören“ nicht ganz richtig ist. Er würde sich verändern, allerdings ohne menschliche Einwirkung erst in 600 bis 1000 Jahren. Und wenn „in Freiburg bald das Klima von Avignon herrscht, wird es dort auch andere Baumarten geben“. Für die Wälder im Hohenlohekreis bedeute dies, nach aktueller Prognose, dass „die Fichten in die Alpen wandern und die Eiche an Bedeutung gewinnt.“
Fichten wandern in die Alpen
An Bedeutung verlieren sollte laut Prof. Ludger Dederich von der Hochschule Rottenburg das Heizen mit Holz. „Plan B der Energieversorgung und der Wald zahlt die Zeche.“ So könne man nicht mit Chemie behandeltes Holz im Bau verwenden und wenn es dann nach vielen Jahren doch einmal abmontiert wird, dann dürfe man es erst verheizen.
Heizen mit Holz nicht sehr umweltfreundlich
Ähnlich wenig Verständnis hat er dafür, dass Tui als systemrelevantes Unternehmen eingestuft und mit Milliarden-Hilfspaketen versorgt werden würde, während der Wald herzlich wenig Förderung erhalte. Denn ohne Förderung funktioniere es nicht.
Die wenigsten Waldbesitzer können es sich leisten, wie Johannes Graf von Zeppelin in seinen Waldstücken vor allem die Pflanzen zu pflanzen, die er als klimawandelbeständig einstuft.
Klimawandelbeständige Pflanzen
An der Podiumsdiskussion beteiligt sind auch Ulrich Häberlein, der Geschäftsführer des Laubholzsägewerk Häberlein, Ralf Karle, 1. Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Dörzbach-Krautheim, Thomas Maier, Leiter des Forstamts des Hohenlohekreises und Bürgermeister Joachim Scholz, Kommunalwald Schöntal, die von Dr. Regina Rhodiu durch das Gespräch geführt werden. Und obwohl es viele Interessierte und Engagierte gibt, kündigt Prof. Bauhaus an, dass es eine Generationenaufgabe sei, eingeschlossen Rückschläge und „weitermachen“, dem Wald bei der Veränderung zu helfen. Es gäbe einige Möglichkeiten wie Verjüngung und Weiterbildung, die jedoch immer mit hohen Kosten verbunden seien. „Aber wir müssen uns den Herausforderungen stellen“, schließt er seinen Vortrag.
Wer an diesem Abend unter den Fremdwörterkaskaden der Referierenden nicht untergegangen ist, kann sich über eine Menge Wissen freuen- waren die Vorträge doch derart ausführlich, dass die Veranstaltung nicht wie geplant gegen 21:30 Uhr endete, sondern gegen 22 Uhr.
Thomas Maier hat auch ein Schlusswort parat, denn nicht nur im Wald müsse etwas verändert werden: Es koste Kraft, den Hohenloher von etwas zu überzeugen, das zuvor anders war.
Hohenloher:innen zu überzeugen, das ist nicht immer einfach
Nach Prof. Dederich ist es aber die Bemühungen wert: „Der Wald ist nicht selbstverständlich. Achten Sie darauf, dass auch Ihre Kindeskinder noch dort Fahrradfahren können. Was wir jetzt tun, entscheidet über unsere Zukunft.“
So unklar diese Zukunft jetzt noch ist, eines kann Bürgermeister Scholz versprechen: Eintrittsgeld für den Wald wird er nie verlangen.


















