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„Wer als Kreis leistungsfähig sein will, braucht eine leistungsfähige Verwaltung“

„Keine besonderen Vorkommnisse“ – so hätte man die Neuwahl des Landrats durch den Kreistag des Hohenlohekreises am 26. April 2021 umschreiben können, denn einziger Kandidat war der Amtsinhaber Dr. Matthias Neth – wäre dem SWR nicht eine Panne passiert: Er meldete die Wiederwahl Neths bereits vor Beginn der Wahlhandlung.

Landrat sitzt im Publikum

Geleitet wurde die Sitzung vom 1. stellvertretenden Vorsitzenden des Kreistags, Dieter Pallotta, dem es vor allem oblag, die Formalien der Wahl zu verlesen. Dr. Matthias Neth hatte derweil im Publikum Platz genommen.

Bewerbungsrede – Rückblick und Ausblick

In seiner Bewerbungsrede ließ Neth die vergangenen acht Jahre seiner Amtszeit Revue passieren und verwies darauf, wie viel erreicht wurde: Die Neustrukturierung des Gesundheitswesens, neue und größtenteils erfolgreiche Wege bei der Abfallwirtschaft und im Nahverkehr, Erfolge bei der Digitalisierung insbesondere der Schulen, den Straßenbau und die Präsentation des Kreises bei der Landesgartenschau in Öhringen sah er als Höhepunkte seiner Amtszeit. Dazu kamen, von außen aufgezwungen, das Jagstunglück, das Starkregenereignis, die Flüchtlinge und natürlich Corona – all diese Probleme sei man gemeinsam angegangen und habe zusammen zu Lösungen gefunden. Der Bevölkerung dankte er für die gezeigte Veränderungsbereitschaft.

Aber nicht Rückblick, sondern Ausblick solle der Inhalt der Rede sein und so schaute er voraus ins Jahr 2037 – das Jahr, in dem seine Tochter 18 Jahre alt wird.

„Wir können und werden den Landkreis weiterentwickeln.“

„Alles, was wir heute anpacken, werden die Lebensgrundlagen für die kommende Generation sein“ stellte er als Motto voran und nannte die 3 Punkte „Zukunftsfähigkeit – Nachhaltigkeit – Zusammenhalt“ als Ziele seiner Politik.

Neth möchte „Kreidezeit an den Schulen“ beenden

Zukunftsfähigkeit bedeutet für ihn: Bildung, Digitalisierung und Demografie, drei Themen, die Neth eng vernetzt sieht. Bildung darf für den Kreis nicht erst in beruflicher Schulen beginnen, die coronabedingt wird die Digitalisierung „die Kreidezeit an allen Schulen“ beenden. Durch Corona werde auch „das Soziale“, die Kinder und Jugendhilfe eine neue Bedeutung erhalten.  Aber auch die Bürger:innen müssen besser ans Internet angebunden werden: „Corona hat uns gezeigt: Glasfaser muss in jedem Haushalt verfügbar sein.“

Hohenlohekreis wächst hinsichtlich der Einwohnerzahl

Der Hohenlohekreis sei einer der wenigen Kreise mit Bevölkerungswachstum. Da auch der Anteil älterer Bürger:innen steige, würden neue Anforderungen an das Gesundheitswesen aufkommen – und auch für diesen Bevölkerungskreis werden sich durch die Digitalisierung neue Möglichkeiten eröffnen.

Klimawandel, Flächennutzung, veränderte Mobilität, das sind für Neth die Themen, die er unter Nachhaltigkeit versteht. Er will die Möglichkeiten, die der Landkreis hat, gezielt umsetzen, etwa durch Beratung der Städte und Gemeinden und beim ökologischen und ökonomischen Bauen. Der Schulterschluss mit den Gemeinden sei ihm wichtig. Als gute Ansätze nannte er den neu gegründeten Klimabeirat in Künzelsau oder die Stadtwerke in Öhringen.

ökologisches Bauen

Mobilität sei das bestimmende Thema. Ein Großteil des Verkehrs im ländlichen Raum wird auch in Zunkunft über die Straße laufen, „A6 und B19 sind kein Selbstzweck“. Straßenbau müsse dort vorangetrieben werden, wo ein Interesse der Bürger und der Unternehmen vorliegt.

Öffentlicher Nahverkehr „darf nicht nur über den Schulbusverkehr definiert werden“

Parallel will Neth den öffentlichen Nahverkehr, auf Straße und Schiene, ausbauen, als ein „Mobilitätsangebot für alle“ , einen Mobilitätspakt will er demnächst vorstellen.

Er sieht einen Konflikt bei der Nutzung von Flächen: Wohnen, Verkehr, Landwirtschaft und Natur- und Landschaftsschutz konkurrieren um knapper werdende Flächen. Obwohl die Planungshoheit bei den Gemeinden liegt, kann der Landkreis hier Unterstützung anbieten.

Tourismus und Wirtschaft: „Unser Landkreis braucht sich nicht zu verstecken“

„Unser Landkreis braucht sich nicht zu verstecken“, sagt Neth und verspricht eine  Neugestaltung der Wirtschaftsförderung und des Tourismus – er spricht von der Entwicklung eines eigenständigen Markenkerns. Dazu gehöre auch das neue Landratsamt: „Wer als Kreis leistungsfähig sein will, braucht eine leistungsfähige Verwaltung“ – der Bau des Kreishauses müsse allerdings vernünftig sein und zu Hohenlohe passen.

„Lassen Sie uns einen Gegenentwurf schaffen, der nicht die Verwerfungen unterstützt, sondern den Zusammenhalt“

Etwas Selbstkritik klingt an, als er davon spricht, Umsetzungen zu beschleunigen. Sein Ziel sei die Eigenständigkeit des Kreises, vergleichbare Lebensbedingungen in allen Gemeinden des Kreises sowie ein guter Stil und Umgang in diesen politischen Zeiten. Der Hohenlohekreis sein ein kleiner Kreis mit großer Verbundenheit: „Diese Stärke müssen wir betonen.“

Seine Rede schließt er mit einem Blick in die Augen seiner jetzt zweijährigen Tochter: Er sieht da Neugier, Lebensfreude und Zukunftslust, für Neth sind das typisch hohenlohische Eigenschaften.

Der Kreistag wählte Dr. Matthias Neth mit 40 von 42 abgegebenen Stimmen. „Ich nehme die Wahl unglaublich gerne an“, freut sich Neth über dieses klare Ergebnis.

Text: Matthias Lauterer




Wahl des Landrats am 26. April 2021

Am Montag, den 26. April 2021, trifft sich der Kreistag zu seiner nächsten öffentlichen Sitzung in der Neuensteiner Sporthalle. Tagesordnungspunkt Nummer eins ist dann die Wahl des Landrats. Der derzeitige Amtsinhaber, Dr. Matthias Neth, ist der einzige Bewerber. Seine jetzige Amtszeit endet am 22. Juli 2021.

Als weitere Punkte stehen auf der Tagesordnung die Beschaffung eines Leitsystems und von Bordrechnern für den Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH), die Beschaffung von Corona-Selbsttests zur Eindämmung des Pandemiegeschehens sowie die Bekanntgabe von Beschlüssen.

Die Sitzung des Kreistags beginnt um 14 Uhr. Um die derzeit geltenden Abstandsregeln einhalten zu können, sind die Zuhörerplätze begrenzt. Der Zutritt zur Sporthalle ist nur mit einer FFP2-Maske gestattet. Die notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Der Sitzungssaal wird auch während der Sitzung regelmäßig gelüftet. Personen mit Fieber, Symptomen einer Atemwegserkrankung, einer bekannten oder nachgewiesenen Corona-Infektion oder einem Verdacht darauf ist der Zutritt nicht gestattet.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis



„Hör mal zu, du Idiot“

Ein Mann sitzt in einem Auto, fährt durch Hohenlohe und filmt sich selber beim Autofahren und Räsonieren. Nichts Besonderes, das ist heutzutage wohl üblich, dass man während des Fahrens nicht auf die Straße, sondern in die Kamera blickt und der Welt etwas Wichtiges mitteilt. Aber was er sagt, ist bemerkenswert: Er lässt eine Schimpftirade über einen Gastronomen aus dem Kochertal (der Name ist der Redaktion bekannt) ab, mit übelsten Schimpfworten, die hier nicht alle wiedergegeben werden sollen, „Depp“, „Idiot“ und „der Typ hat einen Dachschaden“ waren noch die zitierfähigsten. Der Rest ist dann noch weiter unter der Gürtellinie.

Wenn „private Videos“ öffentlich werden

Wie es oft so ist, werden diese Videos dann weitergegeben und irgendeiner aus dem privaten Kreis der Adressaten entlässt das Video in die große Freiheit des Netzes – und so wird auch dieses Video inzwischen weithin geteilt. Auch GSCHWÄTZ bekam Zugriff auf dieses Video.

Das Private wird auch politisch

Das alles wäre kaum berichtenswert, wäre der Autor des Videos nicht eine Person des öffentlichen Interesses: Es handelt sich bei ihm um Mike Mitschke, derzeit Kandidat für den Posten des Bürgermeisters in Weißbach. Die Wahl ist am Sonntag, den 25. April 2021. Mitschke kann eine gewisse politische Erfahrung vorweisen – er kandidierte auch schon für die Piratenpartei, deren Pressesprecher Daniel Mönch allerdings darauf hinweist: „Die Kandidatur findet nicht mit der Unterstützung der Piratenpartei statt“.

Eigentlich alltägliche Situation

Was Mitschke so in Rage bringt, ist eigentlich eine alltägliche Szene: Der Gastronom hat ihn schlichtweg darauf hingewiesen, dass er beim Abholen seiner bestellten Speisen Abstand halten und Maske tragen soll. Deswegen ist Mike Mitschke laut eigener Aussage im Video bereits vor Ort derart in Rage geraten, dass er den Gastronomen übel beschimpft hat.

Beleidigungen im Netz nicht hinnehmbar

Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage erläutert der langjährige Gastronom gegenüber GSCHWÄTZ, könne damit umgehen, wenn Gäste im kleinen Kreis auch mal ausfällig werden. Ein Problem habe er aber damit, wenn diese Beschimpfungen und Beleidigungen öffentlich im Netz kursieren. Das könne er nicht hinnehmen. Da ihm das Video bekanntgeworden sei, müsse man davon ausgehen, dass das Video inzwischen öffentlich bekannt ist.

Einen vereinbarten Gesprächstermin mit der GSCHWÄTZ-Redaktion ließ Mike Mitschke verstreichen.

Komische Fallhöhe

Das Ende des Videos kann komischer kaum sein: Mitten in seiner Tirade unterbricht sich Mitschke selber mit dem Ratschlag: „Bleibt immer in Eurer Mitte – Ihr seht: Das Böse begegnet einem jeden Tag“, kann sich danach am Steuer vor Lachen kaum noch einkriegen und verabschiedet sich mit „Euer Freigeist“.

Text: Matthias Lauterer

Video: privat / zensiert von GSCHWÄTZ




„Natürlich schmerzt so eine Niederlage“

Es hat nicht geklappt für Stefan Neumann mit einem weiteren Karrieresprung – dieses Mal nach Backnang. Zu eindeutig waren die Wahlergebnisse am Sonntag, den 14. März 2021, auch wenn Mitbewerber Maximilian Friedrich knapp an der erforderlichen 50-Prozent-Mehrheit vorbeischrammte. Daher gibt es noch einen zweiten Wahlgang Ende März 2021, allerdings ohne Stefan Neumann, der zwar bei dem Abstimmungsergebnis den zweiten Platz belegen konnte, aber weniger als die Hälfte der Stimmen im Vergleich zu Friedrich bekam.

Videobotschaft

Damit bleibt Stefan Neumann erst einmal Bürgermeister in Künzelsau. „Natürlich schmerzt so eine Niederlage“, sagt er in einer Videobotschaft einen Tag nach der Wahl auf seinem Facebookaccount.

Neumann dankt jedoch all seinen Unterstützern und kehrt in seiner Videobotschaft denn auch zügig zu seiner Arbeit in Künzelsau zurück, indem er auf die Kreistagssitzung verweist, die am Montag, den 15. März 2021 für ihn ansteht.




Jagsttal nach wie vor schwarz, in Künzelsau und Öhringen viele grüne Wähler und generell jede Menge Nicht-Wähler

Die Städter haben ihr Kreuz vermehrt bei den GRÜNEN gemacht, die Jagsttäler eher bei der CDU.Rund 62 Prozent der Wähler:innen hat von dem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Damit gab es rund 38 Prozent Nichtwähler. Diese Zahl ist baden-württemberg-weit ähnlich hoch.

So hat der Hohenlohekreis in den einzelnen Städten und Gemeinden bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 15. März 2021 gewählt:

Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021. Ergebnisse des Hohenlohekreises. Quelle: Landratsamt

Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021. Ergebnisse des Hohenlohekreises. Quelle: Landratsamt

Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021. Ergebnisse des Hohenlohekreises. Quelle: Landratsamt

 




Gesetzt den Fall … Stefan Neumann würde in Backnang nicht gewählt

Würde in Backnang einer der anderen Kandidaten gewählt (GSCHWÄTZ berichtete), dann hätten wir in Künzelsau bis zu sechs Jahre einen Bürgermeister, der offen gezeigt hat, dass er Künzelsau verlassen will. Offenbar ist es ihm nahezu egal, wohin sein Weg führt, denn auch aus Schwäbisch Hall wurde bekannt, dass er Gesprächen über eine Kandidatur als Nachfolger von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim nicht abgeneigt war. Bürgermeister Stefan Neumann sieht das eher locker: „Wenn das nichts wird, dann arbeite ich mit dem Gemeinderat einfach noch sechs Jahre zusammen“, sagt er auf die Frage, was denn passieren würde, wenn er nicht Oberbürgermeister von Backnang werden sollte. So einfach scheint das zu sein.

Nein, so einfach wie Neumann das im GSCHWÄTZ-Interview darstellt, ist das eben nicht.

Frühstücksdirektor oder Grüßaugust, aber kein Bürgermeister mehr

Denn wie soll ein Gesprächspartner der Stadt, zum Beispiel ein Immobilieninvestor, mit einem Bürgermeister über längerfristige Projekte sprechen, wenn er davon ausgehen muss, dass sein Ansprechpartner bei nächstbester Gelegenheit nicht mehr verfügbar ist? Sechs Jahre sind eine lange Zeit, in der man ein großes Projekt auf den Weg bringen kann.

Im Gemeinderat hat Neumann ohnehin einen schweren Stand, weil man ihm auch schon bisher fehlende „Zusammenarbeit“ vorwirft. Wie stellt sich Neumann eine konstruktive Zusammenarbeit vor, wenn sich um ihn herum eventuelle Nachfolgekandidaten in Stellung bringen und immer mehr die öffentliche Diskussion übernehmen?

Zu guter Letzt werden auch die an langfristigen Projekten der Stadt beteiligten Mitarbeiter in ihrer Arbeit beeinträchtigt, weiß doch niemand, welche Schwerpunkte ein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters setzen wird.

Neumann hat sich selbst zur lame duck gemacht

Die Amerikaner bezeichnen Politiker, die ohne oder mit einer ungewissen Zukunft noch im Amt sind, als eine ,ame Duck‘ – eine lahme Ente. Bis zur Wahl in Backnang ist Stefan Neumann so eine ,Lame Duck‘, verliert er, wird er zum Frühstücksdirektor oder zum Grüß-August.

Aber Künzelsau kann sich keine „Lame Duck“ im Amt des Bürgermeisters leisten: Zu viele wichtige Baustellen sind offen, für die handlungsfähiger Bürgermeister dringend notwendig ist: die Kochertalbahn, das neue Landratsamt, die Gesundheitspolitik und viele mehr. Und: Künzelsau hat auch mehr verdient, als ein Bürgermeister, der eigentlich weg will.

Künzelsau braucht einen handlungsfähigen Bürgermeister

Daher muss man ihm für die Wahl in Backnang die Daumen drücken, denn nur so hat Künzelsau die Chance, schnell wieder einen handlungsfähigen Bürgermeister zu bekommen, der die Geschicke der Stadt lenken und beeinflussen kann. Neumann kann das nun kaum mehr sein.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer




„Die nächsten Wochen werden für mich und meine Familie aufregend“

Künzelsaus Noch-Bürgermeister Stefan Neumann möchte einen weiteren Karriereschritt wagen – als Oberbürgermeister in Backnang (wir berichteten). Seine Chancen dort stehen gut, weil er den Rückhalt der CDU Backnang genießt. Was ist aber, wenn er doch nicht gewählt werden sollte? „Das muss man sportlich sehen“, sagt Neumann. „Wenn das nichts wird, dann arbeite ich mit dem Gemeinderat einfach noch sechs Jahre zusammen.“ Aber ist das wirklich so einfach?

Jüngste Querelen

Waren die jüngsten Querelen mit dem Gemeinderat (wir berichteten) eventuell sogar ausschlaggebend für den Wechselwunsch? Nein, beteuert Neumann. „Ich habe andere Anfragen bekommen“, zuletzt zum Jahreswechsel aus Backnang. In der Tat schreiben diverse Medien von Backnang, dass die dortige CDU Neumann gefragt habe, ob er nicht kandidieren möchte. Dadurch stehen seine Chancen für eine Wahl nicht schlecht. Indes kommt sie dennoch zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt. Gerade mal vor zwei Jahren wiedergewählt, 2020 10-jähriges Dienstjubiläum. In der Regel treten Bürgermeister nach einer abgeschlossenen Amtsperiode einfach nicht mehr zur Wahl an, wenn sie nicht mehr möchten oder eine neue Herausforderung suchen. Aber mittendrin das Handtuch zu werfen ist eher ungewöhnlich.

„Mich haben eine Reihe von Anfragen erreicht“

„Mit 38 Jahren und 10 Jahren im Amt des Bürgermeisters in Künzelsau, haben mich im letzten Jahr eine Reihe von Anfragen erreicht. Dies führte dazu, dass ich mir doch über eine Veränderung Gedanken gemacht  und beschlossen habe, einen weiteren Karriereschritt zu planen. So kam die Anfrage aus Backnang für mich zum richtigen Zeitpunkt“, erklärte Neumann. Seine Kinder seien jetzt noch in einem Alter, wo ein Wechsel möglich sei, führt er weiter aus. Das würde schwieriger werden, wenn sie älter sind. Manch ein Bürger fragt sich bei einer solchen Begründung, warum dann der Wechsel nicht vor zwei Jahren erfolgt ist. 2018 war Bürgermeisterwahl in Künzelsau. Neumann hätte einfach nicht mehr kandidieren müssen. Doch zu dieser Zeit sprach er noch davon, was er alles in Künzelsau in den nächsten Jahre in Angriff nehmen möchte: So sollte ein medizinisches Versorgungszentrum aufgebaut werden, nachdem das Krankenhaus unter seinem Zepter 2019 geschlossen wurde. Die großen Baulücken in der Innenstadt sollten mit Wohnungen und einem Supermarkt sowie einem Drogeriemarkt gefüllt werden. Bis heute sind die Projekte nicht annähernd abgeschlossen, ja teilweise nicht einmal richtig begonnen, sondern bleiben Künzelsau als jahrelange Baustellen erhalten.

Neumann schätzt vieles an Backnang, auch die Nähe zu Stuttgart

Die Entscheidung habe die Familie schnell über den Jahreswechsel getroffen, sagt Neumann. Am 14. März 2021 ist bereits die Wahl. „Ab heute  [11. Januar 2021] ist quasi offiziell im Wahlkampf“, sagt Neumann gegenüber GSCHWÄTZ. Am 11. Januar 2021 macht er seine Kandidatur öffentlich und hat aber zu diesem Zeitpunkt bereits eine sehr gut aufgebaute Internetseite, auf der er sich als möglicher Backnanger Bürgermeister präsentiert, der die Mischung zwischen städtischem und ländlichen Leben und die Nähe zu Stuttgart sehr schätze.

Wie präsent ist der Künzelsauer Rathauschef in den nächsten Wochen noch in Künzelsau

„Die nächsten Wochen werden für mich und meine Familie aufregend.“ Der 38-Jährige möchte dabei nicht nur online Wahlkampf machen, sondern auch vor Ort, „um eine möglichst hohe Breitenwirkung zu bekommen.“ Dadurch fragt man sich als Künzelsauer Bürger: Wie präsent ist der Künzelsauer Rathauschef in den nächsten Wochen noch in Künzelsau – und wie präsent war er überhaupt noch in den vergangenen Wochen in der Kreisstadt? Wann und warum entstand der Wechselwunsch wirklich. Vermutlich gab es viele unterschiedliche Gründe. Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat hat nicht mehr richtig funktioniert, auch im Kreistag wurde es einsam um ihn und auch die Zusammenarbeit  mit dem Landratsamt stand seit Schließung des Künzelsauer Krankenhauses unter keinem guten Stern. Mit Ziehl-Abegg hat er sich überworfen, als er dazwischengrätschte beim Verkauf des Grundstückes in der Würzburger Straße neben dem Edeka und dem Elektrofachmarkt Hem (wir berichteten). Seine Stärken waren und sind seine Familienpolitik und seine bürgernahes Auftreten.

Nach dem Weggeh-Wunsch würde es nicht einfach sein, doch zu bleiben

Wenn er gewählt wird in Backnang, dann ist sich der dreifache Vater sich bewusst: „Oberbürgermeister ist nochmal mehr eine Herausforderung.“ Und wenn es nichts werden sollte in Backnang? „Das muss man auch sportlich sehen. Wenn das nichts wird, dann arbeite ich mit dem Gemeinderat einfach noch sechs Jahre zusammen.“ Dann ist in Künzelsau die nächste Bürgermeisterwahl. Aber ob das so einfach werden würde? Man stelle sich vor, ein Arbeitnehmer bewirbt sich offen auf eine andere Arbeitsstelle und wenn es nichts wird, kehrt er einfach zu seiner alten Firma zurück. Dass das nicht einfach werden würde, weiß Neumann vermutlich selbst am besten. Daher wird es vermutlich so kommen, dass er entweder gewählt wird oder sich einfach weiter nach etwas anderem umschaut, bis sich etwas Passendes auftut. Künzelsau scheint indes keine Zukunftsoption mehr für ihn und seine Familie zu sein.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Dieter Pallotta und Achim Beck sollen Vorsitz übernehmen bei Wahl des neuen Landrats

Die nächste Sitzung des besonderen beschließenden Ausschusses zur Vorbereitung der Wahl des Landrats oder der Landrätin des Hohenlohekreises findet am Montag, den 11. Januar 2021, um 14 Uhr im Großen Sitzungssaal im Künzelsauer Rathaus statt. Auf der öffentlichen Tagesordnung steht unter anderem die Wahl des Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden des Wahlausschusses. Vorgeschlagene Kandidaten sind laut Beschlussvorlage Dieter Pallotta aus Bretzfeld als Vorsitzender und der Niedernhaller Bürgermeister Achim Beck als sein Stellvertreter.

Außerdem soll in der Sitzung über die öffentliche Ausschreibung der Stelle des Landrats entschieden werden. Diese muss nach der Landkreisordnung spätestens zwei Monate vor der Wahl öffentlich im Staatsanzeiger ausgeschrieben werden. Die Frist für die Einreichung von Bewerbungen beträgt einen Monat. Laut Beschlussvorlage soll die Stelle deshalb am Freitag, den 22. Januar 2021, im Staatsanzeiger für Baden-Württemberg ausgeschrieben werden. Außerdem soll unter http://www.hohenlohekreis.de  sowie am 4. Februar auf der Sonderseite „Hohenlohekreis direkt“ auf die Ausschreibung hingewiesen werden.

Die Amtszeit von Landrat Dr. Matthias Neth endet am 22. Juli 2021. Nach der Landkreisordnung ist die Wahl des Landrats frühestens drei Monate und spätestens einen Monat vor dem Freiwerden der Stelle durchzuführen – im Fall des Hohenlohekreises in der Zeit vom 23. April bis 22. Juni 2021.  In seiner Sitzung am 7. Dezember hat der Kreistag Montag, den 26. April 2021, als Wahltag festgelegt.

Die Sitzung des beschließenden Ausschusses ist öffentlich. Der Zutritt zum Sitzungssaal ist nur mit einer FFP2-Maske gestattet. Die notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln müssen eingehalten werden und der Sitzungssaal muss auch während der Sitzung regelmäßig gelüftet werden. Personen mit Fieber, Symptomen einer Atemwegserkrankung, einer bekannten oder nachgewiesenen Corona-Infektion oder einem Verdacht darauf ist der Zutritt nicht gestattet.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




„Mal wieder einen Neuen probieren“

Nach 16 Jahren im Amt wurde Waldenburgs Bürgermeister Markus Knobel abgewählt. Am kommenden Sonntag sind die Bürger zum zweiten Urnengang gerufen. GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat sich unter den Bürgern umgehört, was sie von der Arbeit des Noch-Amtsinhabers halten und was sie von seinem Nachfolger erwarten. Die Meinungen sind durchaus gespalten. Nicht alle finden, dass Markus Knobel in den Jahren seiner Amtszeit eine schlechte Arbeit geleistet hat. Dennoch blickt die Bevölkerung nach vorne und freut sich auf den neuen Rathauschef, der  – so hoffen sie – frischen Wind in den Ort bringt.

„Mehrere Sachen sind vorgekommen, die sich summiert haben“

„Der Wahlausgang war in der Richtung zu erwarten, aber dass er so einfährt, hat der Knobel nicht verdient“, findet Reiner aus Waldenburg und auch der Waldenburger Hartmut sagt: „Wenn man die ganzen 16 Jahre zurückblickt, hat er eigentlich für Waldenburg schon was getan“. Dennoch denke er, dass der Wechsel gut sei: „In letzter Zeit – aber was heißt in letzter Zeit – die letzten zwei, drei Jahre sind mehrere Sachen vorgekommen, die sich einfach summiert haben“. Auch Jens Peter aus Waldenburg findet: „Es war ja nicht schlecht, was er gemacht hat. Es war auch viel Gutes dabei, aber vielleicht muss man mal wieder einen Neuen probieren“. Dorothea aus Waldenburg dagegen ist froh über die Wahl und ihren Ausgang: „Für Waldenburg selber hat er nichts gemacht. In meinen Augen“. Knobel sei „auch immer sehr arrogant rübergekommen“ und viele hätten „vor ihm auch gekuscht“.

„A bissle betriebswirtschaftliches Denken soll im Rathaus einziehen“

Nahverkehr und der Zustand der Straßen sehen die Befragten als die drängendsten Aufgaben, die auf den Neuen im Chefsessel warten.“Unsere Straßen sind nicht mehr so der Hit“, bemängelt Jens Peter. „Grad die Hohenlohestraße ist nicht gut. Da sollten sie sich vielleicht ein bisschen mehr drauf versteifen.“ Hartmut hofft nun, dass mit dem Nachfolger von Markus Knobel „a bissle betriebswirtschaftliches Denken im Rathaus“ einzieht.  Auch Reiner ist der Meinung, dass Nahverkehr und die Versorgung der Bevölkerung zu den drängendsten Themen gehören: „Wir haben nur einen Laden und sonst nichts mehr“. So denkt auch Dorothea: „Wenn man keinen Führerschein hat, hängt man hier fest“. Außerdem gebe es im Ort nur noch den Kirchersbäck, aber der sei sonntags immer gerammelt voll. Und sonst könne man nirgendwo hingehen.

Umfrage: Dr. Felix Kribus

 

Die Waldenburgerin Dorothea ist froh über den Wahlausgang in ihrem Ort. Foto: GSCHWÄTZ




„Keine Angst vor den Bürgern haben“

Am kommenden Sonntag, den 18. Oktober 2020, werden die Waldenburger Bürger zum zweiten Mal an die Wahlurnen gerufen. Beim ersten Wahlgang hatte keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht. Herausforderer Daniel Vogelmann und der noch amtierende Bürgermeister Markus Knobel haben mittlerweile angekündigt, beim zweiten Urnengang nicht mehr antreten zu wollen.

Mit dem Danke-Schild am Fahrbahnrand

GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat dem verbleibenden Kandidaten, Bernd Herzog, auf den Zahn gefühlt und ihn gefragt, was ihn „zu einem geeigneten Bürgermeister macht“. Herzog daraufhin: „Das Allerwichtigste ist zunächst mal, zu den Bürgern gehen zu können. Keine Angst vor diesen zu haben“.  Bedankt hat sich Herzog bereits am Tag nach dem ersten Wahlgang: Frühmorgens stellte er sich an die Waldenburger Ortsausfahrt mit einem Danke-Schild. Und auch wenn es „ziemlich kalt“ war, so hat es der Bürgermeister-Kandidat als „schöne Erfahrung“ empfunden, wozu Brezeln und Kaffee, die ihm vorbeigebracht wurden, sicherlich auch beigetragen haben.

„Ich bin gegen Windräder hier oben“

Die Bergstadt verfügt über einen tollen Ausblick, der aber nach Herzogs Ansicht nicht ausreicht. Er will sich nach erfolgreicher Wahl vor allem um die Zukunftsfähigkeit der Stadt kümmern: Beispielsweise die Infrastruktur anpassen, junge Familien ansiedeln und für eine kontinuierliche Befahrung der Strecke zwischen Stadt und Bahnhof sorgen. Als bekennender Gegenwind-Anhänger ist Herzog allerdings gegen „Windräder hier oben“. Doch der Kandidat will noch weitere Themen ins Visier nehmen und der Stadt neuen Schwung geben: „Ich glaube auch, dass wir hier in der Hauptstraße unbedingt etwas tun müssen, was die Verkehrsberuhigung betrifft“, Auch die Wasserversorgung und der Kurpark stehen weit oben auf seiner Agenda. Er will Ressourcen nutzen, „die wir haben – ich denke da beispielsweise an unsere Türme, dass wir die öffnen für kulturelle Veranstaltungen“. Außerdem möchte er das Schloss mit integrieren sowie „eine angenehme Zusammenarbeit auch mit dem Fürsten hier pflegen“.

„Jene gewinnen, die noch nicht das Vertrauen haben“

Doch als allererste Amtshandlung möchte er nach erfolgreichem Wahlausgang „ein großes Dankeschön loslassen an alle, die mich unterstützt haben“ und er hofft, jene zu gewinnen, „die noch nicht das Vertrauen zu mir haben“. 

Text: Dr. Felix Kribus