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„Wenn man fragt, bekommt man eben auch schlaue Antworten“

Eigentlich wollte sie mit ihrer Familie auf Weltreise gehen – doch dann kam der Lockdown. „Ich habe mir gedacht: ‚Das kann doch nicht wahr sein’“, erzählt Fränzi Kühne – Referentin, Unternehmerin, zweifache Mutter und 2017 jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands – bei einer digitalen Talkrunde des Karriereförderprogramms WoMent in Kooperation mit den Führungsfrauen Raum Heilbronn e.V. zum Thema „Frau fragt nach: Was Männer nie gefragt werden“. „Da verabschiede ich mich von meinem normalen Leben und will in so einem Ausnahmezustand sein, in so einem Zwischenzustand, und mich neu erfinden. Doch dann finde ich mich in so einem Ausnahmezustand für die ganze Welt wieder. Ich fand das gar nicht okay und habe dann erst einmal das gemacht, was alle anderen auch gemacht haben. Ich habe Toastbrot gebacken und gelernt, wie man sich Sommersprossen schminkt. Doch dann dachte ich mir: ‚Okay, jetzt nach rund drei Wochen ist mir ein bisschen langweilig.‘ Und dann kam diese Buch-Idee.“

„Das war die perfekte Zeit“

Die besagte „Buch-Idee“ resultierte schließlich in Kühnes Bestseller „Was Männer nie gefragt werden: Ich frage trotzdem mal“. Die 36-Jährige erklärt: „Mir kam die Idee, erfolgreichen Männern mal die Fragen zu stellen, die Journalistinnen und Journalisten mir in den letzten Jahren gestellt haben. Ursprünglich dachte ich: ‚Der Lockdown ist bestimmt eine blöde Zeit, um so etwas zu machen.‘ Jedoch war es die perfekte Zeit, denn auf einmal hatten alle Leute viel, viel mehr Zeit. Ich glaube, sie waren auch offener für solche Sachen. Offener dafür, auch einmal andere Sachen zuzulassen, weil sie sowieso in einem Ausnahmezustand waren.“ Diese Fragen drehten sich, wie Kühne später erzählt, zu einem großen Teil um Äußerlichkeiten, beispielsweise, ob sie auch in ihren Aufsichtsratssitzungen Turnschuhe und zerrissene Jeans trage oder ob sie jemals von ihrem guten Aussehen profitiert habe, um befördert zu werden.

„Sowas fliegt dann halt raus“

„Ich habe 50 Männer für mein Buch angefragt und 22 davon haben zugesagt. Der Rest hat sich offensichtlich gedacht: ‚Da möchte ich mit der Kühne nicht drüber sprechen. Das ist mir zu heikel.‘ Das zeigt aber auch, dass die Männer, die zugesagt haben, sich zumindest schon einmal Gedanken über Gleichberechtigung oder zumindest über die Unterschiede zwischen Mann und Frau gemacht haben“, erklärt Kühne. Trotzdem, erzählt die zweifache Mutter, „… ist es zu Situationen gekommen, wo der Mann mich schon mit den Worten: ‚Hey, hübsche Frau! Ich würde Ihnen doch viel lieber Fragen stellen, als Sie mir…‘ begrüßt hat. So etwas hätte ich natürlich gerne ins Buch aufgenommen, aber es gibt da eben auch noch einen Autorisierungsprozess und einen Prozess, wo Zitate freigegeben werden. Und so etwas fliegt dann halt raus, klar.“

„Gregor Gysi war im Osten alleinerziehender Vater“

Ein Gespräch, das Fränzi Kühne besonders in Erinnerung geblieben ist, war das mit Gregor Gysi. „Das Gespräch mit Gregor Gysi war unglaublich. Man kennt ihn ja, er ist unglaublich charmant, er ist unglaublich redegewandt. Er hat immer wieder sehr schlaue Sachen gesagt und auch so Stellen hervorgeholt, wo ich dachte: ‚Oh krass, ja, das ist ein neuer Punkt, ein neuer Ansatz. So kann man auch über die Sache nachdenken.‘ Gregor Gysi war in unserem Gespräch schon sehr reflektiert, aber er ist auch Profi. Er hat sich über so etwas im Vorfeld Gedanken gemacht, er hat sich vorbereitet. Er hat sich auch auf meine Person vorbereitet, das habe ich schon gemerkt. Ihn da irgendwie kalt zu erwischen, das passiert bei Herrn Gysi nicht – dafür ist er viel zu viel Profi. Aber ich fand es sehr interessant, dass bei vielen Männern neue Sachen hervorgekommen sind, wie zum Beispiel bei Herrn Gysi, dass er alleinerziehender Vater im Osten war und wie er darüber so gesprochen hat. Und wie viel Anerkennung er dafür, im Vergleich zu einer Frau, die in seinem Haus gewohnt hat und auch alleinerziehend war, bekommen hat. Ich glaube, das ist heute immer noch so, dass das sehr, sehr häufig passiert. Also ich glaube, die Zeiten haben sich da nicht groß geändert. […] Viele dieser Dinge, wie, dass Gysi alleinerziehender Vater war, wusste ich vorher auch nicht, aber wenn man fragt, bekommt man eben auch schlaue Antworten.“

„Das ist mir jetzt noch fragwürdiger“

Schließlich, nach 22 aufschlussreichen Interviews, blieb auch für Kühne noch eine Frage offen: „Ich verstehe da immer noch viele Journalisten nicht. Warum wird immer noch so ein Standard Fragen-Protokoll abgeliefert und Männer eher zu ihrer fachlichen Kompetenz befragt und Frauen danach, was sie anhaben oder wie sie sich in dieser Männerwelt behaupten und so weiter? Das ist mir jetzt, nach dem Buch und nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, noch fragwürdiger.“

Text: Priscilla Dekorsi




„Was Männer nie gefragt werden“

Das Karriereförderprogramm WoMent der Hochschule Heilbronn veranstaltet in Kooperation mit den Führungsfrauen Raum Heilbronn e.V. eine digitale Talkrunde mit Fränzi Kühne. Die Autorin, Speakerin und Unternehmerin spricht am Montag, den 22. November 2021, ab 19 Uhr über ihr aktuell viel diskutierten Buch „Was Männer nie gefragt werden“.  Weitere Gäste des Abends sind Prof. Dr. Ruth Fleuchaus, Prorektorin für Internationales und Diversität der Hochschule Heilbronn, sowie Carola Herrmann, Leiterin Organizational Development bei Lidl Stiftung & Co. KG und Sprecherin der AG Nachwuchsförderung der Führungsfrauen Raum Heilbronn e.V.

Im anschließenden Podiumsgespräch werden Fragestellungen, die sich aus dem Buch zum Thema Frau und Karriere ableiten lassen, aufgegriffen und vertieft. Im Anschluss gibt es Zeit zum Austausch und Netzwerken.

Anmeldung

Das Event ist kostenlos, aktuell liegen 160 Anmeldungen vor. Anmeldungen werden unter https://eveeno.com/179849023 bis kurz vor Beginn der Veranstaltung angenommen. Bei Rückfragen ist Katharina Rust, Projektleitung WoMent – Cross-Mentoring für Studentinnen der Heilbronner Hochschulen, die Ansprechpartnerin. Sie ist unter Telefon 07131/504 1162 oder per E-Mail katharina.rust@hs-heilbronn.de erreichbar.

 

Information

Das Cross-Mentoringprogramm WoMent ist ein Kooperationsprojekt der Hochschule Heilbronn, der DHBW Heilbronn und Wissensstadt Heilbronn e.V. und wird von der Dieter Schwarz Stiftung gefördert. Es ist offen für Studentinnen aller Heilbronner Hochschulen. Teilnehmerinnen haben die Möglichkeit, Einblick in den Berufsalltag einer Führungskraft aus Wirtschaft oder Wissenschaft zu erhalten und von den Erfahrungen einer berufserfahrenen Person zu profitieren.

Quelle: Pressemitteilung von Wissensstadt Heilbronn e.V.

 




Fast jedes dritte Kind leidet unter psychischen Auffälligkeiten

Die neue Sozialdezernentin im Landratsamt Hohenlohe, Elke Schöll, hat auf der letzten Kreistagssitzung am Montag, den 21. Juni 2021, einen Vortrag über „Familien und Corona – Wege aus der Krise“ mit Informationen aus dem Jugendamt gehalten. Sie beleuchtete darin vor allem die Auswirkungen der Pandemie auf Familien. GSCHWÄTZ stellt Auszüge daraus vor.

Demnach habe sich im Bereich der ambulanten Hilfen der Anteil der sozialpädagogischen Familienhilfe von 67 Fällen im Jahr 2019 auf 88 im Jahr 2020 gesteigert. Steigerungen gab es auch beim Erziehungsbestand (von 37 auf 42 Fälle) sowie bei der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (103 auf 11 Fälle).

Bei weit über der Hälfte der Inobhutnahmen, die im Juni bis Dezember 2020 stattgefunden haben, hat Corona teilweise oder maßgeblich beigetragen – nämlich bei 57,1 Prozent der Fälle.

Screenshot: GSCHWÄTZ

Die Anzahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen steigt seit Jahren – im Jahr 2020 auf 214 Fälle. Das sind 66 mehr als im Jahr davor. Die meisten dieser Fälle – nämlich 51 – wurden von der Polizei, Gerichten oder staatlichen Stellen gemeldet. In 16,8 Prozent aller Fälle von Kindeswohlgefährdung, die von Juni bis Dezember 2020 gemeldet wurden, spielte Corona eine Rolle.

Screenshot: GSCHWÄTZ

In zehn Prozent der in 2020 überprüften Fälle lag eine Kindeswohlgefährdung vor, was einem Rückgang von sechs Prozent entspricht. Bei 34 war diese Gefahr latent (plus 14 Prozent), bei ebenso vielen Fällen gab es zwar keine Kindeswohlgefährdung aber Hilfebedarf (minus elf Prozent). Bei fast einem Viertel – immerhin 22 Prozent der überprüften Fälle – lag keine Kindeswohlgefährdung vor und es gab auch keinen Hilfebedarf.

Screenshot: GSCHWÄTZ

Die meisten der betroffenen Kinder – nämlich 88 – waren im Alter von sechs bis unter 14 Jahren. Besonders betroffen waren zudem die Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil – zu 43 Prozent – im Vergleich mit 39 Prozent, bei denen die Eltern zusammenlebten.

Wie Elke Schöll weiter ausführte, ergab die bundesweite Copsy-Studie – eine Längsschnittstudie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf – dass fast jedes dritte Kind unter psychischen Auffälligkeiten leidet. Außerdem fühlten sich vier von fünf Kindern und Jugendlichen durch die Corona-Pandemie belastet. In Familien, wo es bereits vor Corona Strukturen gab und sie sich wohl und aufgehoben fühlten, seien die Kinder gut durch die Krise gekommen.

Die Familien sehen sich in der Krise mit zunehmender Überforderung und Überlastung der Erziehungsberechtigten konfrontiert. Jugendliche werden in ihren Entwicklungsaufgaben behindert, Bewegungsmangel und familiäre Konflikte nahmen zu. Die Ernährungsweise sowie der Umgang mit Medien waren zusätzliche Herausforderungen in den Familien.

Weitere Probleme ergaben sich für die Familien durch das Homeschooling – beispielsweise durch Wegfall der stabilen Strukturen – das auch Auswirkungen auf schulische und die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hatte. Am Übergang von Schule zu Beruf gab es nicht nur erhebliche Schwierigkeiten hinsichtlich der Berufsorientierung. Die Abschlussschüler:innen befürchteten auch, den Stempel eines Corona-Abschlusses im Schuljahr 2019/2020 und 2020/2021 zu bekommen und sie hatten die Sorge vor Problemen bei der Lehrstellensuche.

Text: Sonja Bossert




„Das geht uns alle an“

Der Physiker und Biologe Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker hält am Donnerstag, den 06. Mai 2021, einen Vortrag zum Thema „Die Klimakrise ruft zu einer Neuen Aufklärung“. Die Veranstaltung, die von der VHS Künzelsau moderiert wird, findet online in der VHS.Cloud statt und beginnt um 19 Uhr. Anschließend gibt es die Möglichkeit, über das Thema zu diskutieren.

Ernst Ulrich von Weizsäcker gilt als einer der einflussreichsten Wissenschaftler und wichtiger Vordenker des Konzepts der nachhaltigen
Entwicklung. Er war Mitglied des Deutschen Bundestages und Ko-Präsident des Club of Rome. In diesem Vortrag berichtet er über seine Ideen und steht auch für Fragen bereit.

Anmeldungen erfolgten per E-Mail an info@vhskuen.de, unter Telefon 07940/92190 oder über http://www.vhs-kuen.de. Teilnehmer benötigen ein eigenes Endgerät sowie eine stabile Internetverbindung. Rechtzeitig mit Mailadresse angemeldete Teilnehmer erhalten vor der Veranstaltung den Zugangslink.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Dörrenzimmern: Der Urknall und die Gottesfrage

Zu einem besonderen Gottesdienst lädt der Evangelische Kirchenbezirk Künzelsau am Sonntag, den 26. Januar 2020, ab 18 Uhr in der Kirche in Dörrenzimmern. Dabei beschäftigt sich der Physiker Prof. Dr. Thomas Schimmel von der Universität Karlsruhe mit dem Urknall und der Gottesfrage. Er nimmt die Zuhörer mit auf einen Streifzug vom Inneren der Atome bis an die Grenzen des Universums.

Nach dem Gottesdienst gibt es einen Stehempfang. Der Eintritt ist frei.