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„Unsere Kinder und Enkel sollen eine gesicherte Zukunft haben. Wir müssen sicherstellen, dass dieser Planet nicht untergeht“

97 Millionen Euro will Würth in Gaisbach für eine Erweiterung des Vertriebszentrums West in Gaisbach investieren. „Das ist der größte Logistik-Invest der WÜRTH-Gruppe“, sagt Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung, bei einem Gespräch aus Anlass des ersten Spatenstichs am 29. Juni 2022. Die Kapazität des bestehenden Vertriebszentrums wird verdoppelt, dafür sollen 200 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2024 geplant.

Thomas Wahl (l.) und Norbert Heckmann. Foto: GSCHWÄTZ

Schneller, konsolidierter und nachhaltiger will man in der WÜRTH-Logistik werden, um die Anforderungen der Kundenprozesse noch besser bedienen zu können. Und man will den Mitarbeitern modernste Arbeitsbedingungen bieten können.

Vertriebs- und Logistikdaten erzeugen Synergiene

„Neben dem Vertrieb ist die Logistik die Kernkompetenz, die der Kunde schätzt bei uns. Und da wollen wir noch eine Schippe drauflegen“, sagt Thomas Wahl, Logistikleiter. Vor allem durch die digitale Verknüpfung und die intensive Nutzung der vorhandenen Daten will er einen Zusatznutzen kreieren: „Wir wissen manchmal mehr über den Kunden als er selbst“ sagt Wahl schmunzelnd und erläutert: „Wir sind in der Lage, offensiv auf den Kunden zuzugehen, zusammen mit dem Kunden logistische Konzepte zu erarbeiten, die beispielsweise bestimmte Liefertage festlegen. Dadurch können wir Sendungen konsolidieren. Das zahlt sich wirtschaftlich aus.“

Erster Spatenstich für die Erweiterung des Vertriebszentrums West. Foto: GSCHWÄTZ

Modernste Roboter und Softwaresysteme werden das Bild der WÜRTH-Logistik zukünftig bestimmen. Beispielsweise werden Verpackungsroboter eingesetzt werden, die die Kartons auf die Höhe des Inhalts zurechtschneiden. „Damit sparen wir Füllmaterial – ein Schritt zur Nachhaltigkeit“, so Wahl. Auch Greifroboter für die Lagerentnahme will er einsetzen. Ver- und Entpackroboter sind ohnehin bereits im Einsatz. Das dient unter anderem der Gesundheit der Mitarbeiter: „Wir versuchen, Laufwege der Mitarbeiter und das Heben oder Tragen zu vermeiden. Die Ware kommt zur Person, die Ware wird angedient“, blickt er in die Zukunft.

200 neue Arbeitsplätze soll das neue Vertriebszentrum schaffen, und das in Zeiten des Personalmangels. Gerade in solchen Zeiten, könne man Mitarbeiter nur durch attraktive Arbeitsplätze gewinnen. Dazu gehöre der Gesundheitsschutz, meint Heckmann, „die Menschen müssen diese Arbeit ja bis jenseits der 60 leisten“. Er hat bereits bemerkt: „Die Menschen nehmen das wahr.“

Besonders stolz ist Wahl über den „digitalen Zwilling“, ein Simulationssystem für Prozesse, durch das er Prozesse schneller einführen will anstatt sie umständlich während des laufenden Betriebs zu implementieren und zu testen. Schnelligkeit ist ein weiterer Fokus: Wahl nennt das Beispiel, dass Produkte während des Entnahmeprozesses bearbeitet werden können, etwa wenn für einen Auslandskunden ein spezielles Etikett in Landessprache erstellt und angebracht werden muss.

Reinhold Würth ist nachdenklich

Auch Reinhold Würth freut sich über die Möglichkeiten, die das neue Gebäude dem Unternehmen geben wird. Allerdings denkt er weiter  „Mein Ansatz ist nicht mehr, den Umsatz auf 19 oder 20 Milliarden Euro zu steiger. Mein großes Ziel ist, die Kultur des Unternehmens zu sicher, den freundschaftlich-kollegialen Rahmen zu fördern.“ Diesen Ansatz will er auch gesellschaftlich verfolgen: „Wir wollen nach innen als nach außen vorbildliche Bürger sein“. Besonders freut ihn daher, dass im Unternehmen Frieden herrscht und dass man mit dem Betriebsrat eine gute Basis zur Zusammenarbeit gefunden habe.

Forderung an die Handelnden

Als einen „Exkurs in die Negativismen“ bezeichnet er seinen Blick in die Welt: „Wir feiern hier einen Spatenstich und wissen nicht, ob die Gebäude in drei bis vier Jahren noch stehen“, spielt er auf einen möglichen 3.Weltkrieg an und will zu Gott beten, dass dieser vermieden werden kann. Aber nicht nur ein Krieg ist eine Gefahr für die Erde, die Kinder und die Enkel: „Unsere Kinder und Enkel sollen eine gesicherte Zukunft haben. Wir müssen sicherstellen, dass dieser Planet nicht untergeht“, ist Würths Forderung an die heutigen Handelnden: „Wenn wir die Erde nicht schützen und hüten, dann werden wir am Ende nicht am Krieg, sondern am Klima zugrundegehen“.

 

Text: Matthias Lauterer