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Schwäbisch Hall: Putenmast startet – „Gemeinsame Mittagessen mit den Mitarbeitern gibt es aber nicht mehr“

Bei den vielen Feldarbeiten im Frühjahr ist man in der Fahrerkabine auf dem Schlepper gut vor möglichen Ansteckungen wie beispielsweise dem Corona-Virus geschützt. Gemeinsame Mittagessen mit den Mitarbeitern gibt es aber nicht mehr. So beschreiben Martin und Daniel Maurer aus Erlach bei Schwäbisch Hall ihre Arbeit unter den aktuell erschwerten Bedingungen, welche die verstärkten Hygienvorschriften durch die Infektionswelle mit Covid-19 mit sich bringen. Gerade hat der Kreislauf in der Putenmast vor den Toren von Schwäbisch Hall neu begonnen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. hervor.

60 Gramm schwer und neugierig wie Kinder – 12.000 neue Putenküken

„Unsere Tiere können bei schönem Wetter bis nach Waldenburg schauen. Sie leben in sogenannten Offenställen und sind ganz neugierig”, führt Landwirt Martin Maurer seinen Bericht über die Eingewöhnung der 12.000 neuen Putenküken in einem seiner Ställe in Erlach weiter. Das sogenannte Einstallen macht die ersten ein bis zwei Wochen viel Arbeit. Die erst einen Tag alten Küken sind von der Brüterei aus im klimatisierten LKW angekommen und werden umsichtig in den auf 35 Grad vorgewärmten Stall gesetzt. Sie sind zu dieser Zeit 60 Gramm schwer und so neugierig wie Kinder. Ihr neues Zuhause für die ersten vier Wochen ist 1.500 Quadratmeter groß und in der Mitte durch ein bewegliches Gitter geteilt. Denn die Putenhennen und Truthähne werden getrennt aufgezogen. Die Hähne kommen dann in einen anderen und größeren Stall. Der ist aber gerade noch belegt.      

“Deshalb ist aktuell unser wichtigster Wunsch, dass alle gesund bleiben”

Von der Brut bis zur Schlachtung ist alles gut geplant. “Deshalb ist aktuell unser wichtigster Wunsch, dass alle gesund bleiben”, sagt Martin Maurer. “Aber wir überlegen schon, wie wir das schaffen”. Die Verladung von 5.000 Putenhähnen zum Beispiel, die normalerweise mit zehn Helfern geschafft wird, findet mit weniger Helfern dafür mit Schutzmasken und ohne anschließendes traditionelles Essen und Beisammensein statt. “Alle 19 Wochen wird neu eingestallt, da muss man sich schon dranhalten.” Die Aufzucht von Puten ist ein Kreislauf, der über mindestens ein Kalenderjahr genau geplant wird. Das System integriert die Brütereien, die Aufzucht mit den Stallkapazitäten genauso wie die der Schlachtereien. Immerhin kommen vom Hof Maurer jeweils 7.000 lebende Hennen und 5.000 Hähne bei letzteren an. Nötige Umbaumaßnahmen wie der Einbau neuer Lüftungs- und Kühlanlagen oder gründliche Desinfektionen werden genau dazwischen gelegt. 

Alle Tiere werden aufgezogen – Mädels wie Jungs

In Süddeutschland ist Hohenlohe traditionell eine Hochburg für Putenmast. Der Ursprung der Ansiedlungen war eine der größten europäischen Schlachtereien in Rot am See, die es seit einigen Jahren nicht mehr gibt. “Unsere Schlachterei befindet sich im nahen Bayern und liefert diese an große Ketten im Lebensmitteleinzelhandel. Schon immer hat sich unsere Branche dazu verpflichtet, alle Tiere aufzuziehen – Mädels und Jungs.“ Die Hennen werden nur halb so schwer wie die Hähne. Sie sind aber nach Meinung der Maurers im Fleisch einfach etwas zarter.    

„Dann geht mein Herz auf und die Welt ist in Ordnung.“

Der Familienbetrieb ist ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen mit drei Betriebsleitern und Aushilfskräften, wie die Inhaber betonen. Senior Martin Maurer und seine Frau Adelheid leiten die Tierhaltung. Sohn Daniel ist staatlich geprüfter Techniker für Landbau und leitet den Bereich Ackerbau und Biogas, denn beides ergänzt den landwirtschaftlichen Kreislauf des Hofes. Zum einen werden Mais und Weizen für die Fütterung selbst angebaut und zum anderen geht der Putenmist in die eigene Bioganlage. Das dann verbleibende Substrat wird zur Düngung auf den Feldern genutzt. Der produzierte Strom wird in das Stromnetz eingespeist. Die Wärme wird zur Trocknung der eigenen Biomasse und zur Heizung der Ställe und Wohngebäude genutzt. Der Anbau von Rüben lockert die Fruchtfolge zur Verbesserung des Bodens auf. Die Abwechslung machts. „Man sieht den Erfolg bei der Arbeit und wie die Tiere und die Ackerfrüchte wachsen. Dann geht mein Herz auf und die Welt ist in Ordnung – auch jetzt“, erklärt Martin Maurer stellvertretend für seine Familie die Freude an der Arbeit in der regionalen Landwirtschaft. 

 

 Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.