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„Vielen Dank für Ihre Anfrage. Bitte wenden Sie sich jedoch damit an das Bundesverkehrsministerium.“

Nun kann das 9€-Ticket genutzt werden kann: In den Monaten Juni, Juli und August wird es möglich sein, den Öffentlichen Personennahverkehr im gesamten Bundesgebiet mit einem einheitlichen Ticket, welches für neun Euro pro Monat erhältlich ist, zu nutzen. Das Ticket gilt während dieser Zeit in allen Nahverkehrsverbünden, also auch in den Zügen der Eisenbahnbetreiber, sofern diese dem Nahverkehr angehören.

Die Deutsche Bahn informiert, was zu beachten ist:

  • Das 9-Euro-Ticket kann bundesweit auf allen Strecken und in allen Verkehrsmitteln des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) für beliebig viele Fahrten genutzt werden.
  • Das Ticket ist nicht in den Zügen des Fernverkehrs (z.B. IC, EC, ICE) und in Fernbussen gültig.
  • Die Fahrradmitnahme ist nicht generell im 9-Euro-Ticket inkludiert. Grundsätzlich gelten die kostenpflichtigen Mitnahmeregelungen der teilnehmenden Verkehrsverbünde.
  • Bitte beachten Sie: Von Juni bis August werden die Züge sehr voll werden, daher kann die Mitnahme Ihres Fahrrads nicht garantiert werden.
  • Für Hunde kann grundsätzlich kein 9-Euro-Ticket erworben werden. Hunde können aber, wie sonst üblich, gemäß der regulären Tarifbestimmungen, je nach Verbund ggf. mit einem separaten Ticket, mitgenommen werden. Dies gilt auch für Blinden- und Assistenzhunde, hier gelten, die bestehenden Regelungen weiter.

Gute Gelegenheit

Das 9€-Ticket wäre eine gute Gelegenheit, die Meinungen der Nutzer dieses Tickets zu erforschen. Denn die Nutzer dieses Tickets sind potentielle Kunden der Verkehrsbetriebe, die bisher aus mehr oder weniger guten Gründen den ÖPNV nicht nutzen. Es handelt sich dabei um die Menschen, die man möglicherweise ohne großen Aufwand zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen könnte.

Offene Fragen, die zu einer Verbesserung des Angebots führen könnten

  • Was sind die Gründe, warum diese Menschen bisher den ÖPNV nicht genutzt haben?
  • Gibt es neue Verkehrsflüsse, die bisher im Angebot nicht abgebildet sind?
  • Welche Voraussetzungen müßte der ÖPNV bieten, um Nutzer dauerhaft an sich zu binden?

Das sind nur einige der Fragen, deren Beantwortung den Verkehrsplanern, den Verkehrsbetrieben oder den Landratsämtern als Verkehrsträger für die zukünftige Erfüllung ihrer heutigen Aufgaben und den Zielen des Landesverkehrsministeriums weiterhelfen könnten.

Bisherige Nutzerbefragungen nur bedingt aussagekräftig

Nutzerbefragungen von Verkehrsbetrieben bringen oft sehr positive Ergebnisse: Die Nutzer sind meist sehr zufrieden mit dem Angebot und die Verkehrsbetriebe veröffentlichen diese Aussagen meist gern. Dass aber eine überwiegende Mehrheit der potentiellen Nutzer gar nicht von dieser Art von Befragungen erfasst werden, fällt ebenso gerne unter den Tisch. Denn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung nutzt den ÖPNV regelmäßig.

Verkehrsminister Hermann war von vornherein skeptisch

Verkehrsminister Hermann sieht das 9€-Ticket bekanntlich ohnehin kritisch, er hat dies in der vorbereitenden Diskussion oft zum Ausdruck gebracht: „Neben der Freude, dass man so eine Idee hat wie ein 9-Euro-Ticket, gibt es das Ärgernis, dass die grundsätzlichen Probleme nicht gelöst werden“, läßt er sich zitieren und spricht von einer chronischen Unterfinanzierung des ÖPNV.

Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen

Es ist allerdings ureigene Aufgabe des Verkehrsministers, die grundsätzlichen Probleme des ÖPNV zu lösen. Diese einmalige Gelegenheit, mit genau den Menschen zu sprechen, die den ÖPNV durchaus gerne nutzen würden, Probleme des ÖPNV zu erkennen oder gar Lösungsvorschläge zu erhalten, werden Minister und Ministerium nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Sollte man jedenfalls meinen. GSCHWÄTZ hat daher beim Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg konkret angefragt, ob es in Baden-Württemberg begleitende Forschungsprojekte zum 9€-Ticket gibt. Und auch, falls nicht, warum man diese Chance nicht nutzt.

Überraschende Antwort kommt postwendend

Die Antwort kam postwendend und ist in Ihrer Klarheit kaum zu überbieten:  „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Bitte wenden Sie sich jedoch an das Bundesverkehrsministerium“.

Das kann man gar nicht anders interpretieren, als dass der Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg, Winfried Hermann (DIE GRÜNEN) kein Geld für die wissenschaftliche und politische Begleitung des 9€-Tickets steckt. Dabei hat er sich doch selbst hohe Ziele gesteckt:

Passagierzahl im ÖPNV soll bis 2030 verdoppelt werden

Es sei, so Hermann, Konsens, die Zahl der Passagiere im ÖPNV bis 2030 zu verdoppeln. „Mit dem Status Quo werden wir das Ziel nicht erreichen und damit auch das Klimaschutzziel im Verkehrssektor verfehlen“, sagte Hermann. Die Chance, zusammen mit genau den Menschen, die man mit wenig Aufwand für den ÖPNV gewinnen könnte, Ideen für den Ausstieg aus dem Status Quo zu entwickeln, hat der grüne Verkehrsminister wohl vertan.

Hermann hätte das 9€-Ticket beinahe noch verhindert

Stattdessen hat er sogar kurz vor der Abstimmung wegen der Kosten noch ein Bund-Länder-Kompetenzgerangel vom Zaun gebrochen, das das 9€-Ticket beinahe noch verhindert hätte.

Text: Matthias Lauterer