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„So ein Kühlschrank ist schon eine Anschaffung“

„Immer mehr Leute legen Wert auf hohe Qualität und eine gute Verträglichkeit der Produkte“, sagt Renate Stier, die mit ihrem Mann und den drei Töchtern einen Bio-Demeterhof in Dörzbach-Hohebach betreibt. Deshalb hat sie sich jetzt etwas Neues einfallen lassen: Seit Anfang August 2020 steht hinter der Bushaltestelle an der Kirche in Hohebach direkt an der B19 ein Kühlschrank – liebevoll Stier-o-mat genannt – mit dessen Hilfe sie ihre Produkte direkt an den Mann oder die Frau bringen möchten. Die Fleisch- und Wurstwaren vom eigenen Limpurger Weiderind tragen so klangvolle Namen wie „Männerkramm“, „“Beef im Glas“ oder „Ochsen-Glück“. Mithilfe eines Drehtellers können sich die Kunden ihre Waren aussuchen. Bezahlt wird mit Geldscheinen, der Kühlschrank gibt aber Wechselgeld aus.

„Wir sind voll ins Risiko gegangen“

Das Holzhüttle, in dem der Stier-o-mat seine neue Heimat gefunden hat, hat die Familie selbst aus dem Holz einer alten Scheune gebaut. „So ein Kühlschrank ist schon eine Anschaffung“, sagt Renate Stier. Sei seien dabei voll ins Risiko gegangen, „weil man ja nie weiß, ob es geht oder nicht“. Schließlich sei Hohebach „schon ein wenig abseits vom Schuss“.

Gulasch, Eier aber auch Vegetarisches

Zurzeit bietet Familie Stier hauptsächlich Grillwaren an, ab Herbst will sie aber Wintergerichte für Eintöpfe, Gulasch oder auch Vegetarisches – und alles von der dreifachen Mutter selbst gekocht – ins Sortiment aufnehmen. Ab September – „wenn die Hühner endlich so weit sind“ – sollen auch Eier aus eigener Haltung dazu kommen. „Äbire“ – ganz klar Kartoffeln – aus eigener Produktion vervollständigen das Angebot. Das Wurstsortiment besteht ausschließlich aus Rindfleisch. „Deshalb ist die Wurst naturbelassen und sieht leicht grau aus, weil sie kein Phosphat beinhaltet“, sagt die gelernte Fleischereifachverkäuferin. „Dessen muss man sich bewusst sein.“

„Am besten gehen Kartoffeln.“

Einmal am Tag kommt Renate Stier zu ihrem Stier-o-mat, um das Sortiment zu kontrollieren und aufzufüllen. „Am besten gehen Kartoffeln, Salami und Bratwurst“, sagt die gebürtige Dörrenzimmernerin. Bis jetzt finden hauptsächlich Einheimische den Weg hierher. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist für die rund 650 Hohebacher erst in Dörzbach. Zu normalen Zeiten verkauft die Hohebacherin ihre Waren auch auf Genießermärkten. Wegen Corona finden diese aber zurzeit nicht statt.

Gaststätte „Verborgener Winkel“

Die Rinder der Familie Stier wachsen in Mutterkuhhaltung auf. Die Ochsen bleiben 36 Monate auf dem Hof, erhalten Futter aus Eigenanbau und werden dann geschlachtet, um schließlich in dem neuen Kühlschrank oder auf den Tellern der Gäste der eigenen Gaststätte „Verborgener Winkel“ (http://verborgenerwinkel.de) zu landen. Diese wiederum liegt idyllisch an der Jagst verborgen hinter hohen Hecken und zieht so manche Radlergruppe an. „Wir haben an drei Sonntagen im Monat geöffnet und für Gruppen nach Vereinbarung“, sagt Renate Stier, die auch ihre Gäste selbst bekocht. Außerhalb der Öffnungszeiten finden durstige Radler oder Wanderer einen Kühlschrank mit kalten Getränken und kleinen Snacks. E-Biker können hier außerdem ihre Akkus wieder aufladen.

Auszeichnung Hohenloher Bio-Stern 2020

Worauf Familie Stier besonders stolz ist: Sie hat für ihr Ochsenwurstsortiment einen Hohenloher Bio-Stern 2020 von der Bio-Musterregion Hohenlohe erhalten. Den bekommen nur Hohenloher Bio-Erzeugnisse mit Vorbildcharakter, die biologisch erzeugt und regional sind und außerdem einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das Limpurger Rind ist vom Aussterben bedroht und Familie Stier trägt auf ihrem Hof zur Erhaltung der alten Rasse bei. Der Stern hat nun eine Gültigkeit für zwei Jahre. Das letztendliche Ziel von Familie Stier ist ein Arche-Hof. „Wir wollen hier alte Tierrassen – also Nutztiere von früher – erhalten“, sagt Renate Stier. Was die Auszeichnung außerdem mit sich bringt: Alle ausgezeichneten Erzeuger sollen ihr Wurstsortiment im neuen Rewe in Blaufelden anbieten – ein weiteres Standbein für Familie Stier.

Text: Sonja Bossert

 

Im Stier-o-mat gibt es das Sortiment von Familie Stier: Steak, Beef im Glas bis zu Kartoffeln. Fotos: GSCHWÄTZ

Dieses Zertifikat hat Familie Stier für ihr Wurstsortiment erhalten.

 

Dieses Schild am Stier-o-mat weist Radler und Wanderer auf den „Verborgenen Winkel“ hin.

 

Hier werden durstige Radler und Wanderer fündig: Gaststätte und Biergarten „Verborgener Winkel“.