1

Warum trinken Männer am Vatertag so viel Bier?

// Neue Idee von „Naturerfahrung“

Auch in vielen Teilen im Hohenlohekreis werden heute wieder viele Gruppen mit – manchmal noch selbst gebautem – Bollerwagen, einem Kasten Bier und Grillgut losziehen, um den Vatertag, der immer auf Christi Himmelfahrt fällt, zu feiern.Christi Himmelfahrt ist immer am 40. Tag nach Ostern.

 

Doch wie kam es überhaupt zu dieser Tradition? Der MDR war dem Vatertag auf der Spur und schreibt hierzu:

„Im 19. Jahrhundert beginnen die Herrenpartien, die eine neue Idee von Naturerfahrung darstellten“, erklärt Dagmar Hänel von der Volkskundeabteilung des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte. „An Sonn- und Feiertagen gingen die Männer raus in die Natur, hatten Spaß und tranken auch Alkohol.“ Der Vatertag war geboren.

 

// Freizeitverhalten wird eingeübt //

 

Die Entstehung der Herrenpartie fällt in die Zeit der Industrialisierung und der Entwicklung einer neuen Freizeitgesellschaft, erläutert der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universität Regensburg. „Es sind Arbeiterschichten, die ein bürgerliches Freizeitverhalten einüben“, so Hirschfelder. „Ab 1870 nimmt diese Herrenpartie eine gewisse Eigendynamik und wird zu der heutigen Vatertagsform.“

Es fand damals ein regelrechter gesellschaftlicher Wandel statt. „Seit dieser Zeit ist gemeinsame Freizeit ein erkämpftes Recht“, sagt Kulturwissenschaftler Hirschfelder. „Unter Bismarck gab es dagegen noch kaum Freizeit.“ Die neu gewonnene Freizeit wussten die Herren sehr gut zu nutzen.

Doch warum sind bei den Touren schon zu Beginn nur Väter dabei? „Im 19. Jahrhundert sind Vereine häufig von Männern dominiert, was man auch an der Tradition der Junggesellenvereine erkennt“, erklärt Volkskundlerin Hänel. „Wenn man Junggeselle ist, heiratet man irgendwann und wird Vater.“ Außerdem diente der Vatertag auch dazu, Jüngere in die Tugenden und Untugenden der Männlichkeit einzuführen. Vornehmlich ging es dabei ums Rauchen, Trinken und die Frauen.

 

// Biergärten sind die Folge //

 

In der Folge entstand auch eine entsprechende Infrastruktur für die Vatertagstouren. „In den Wäldern wurden Ausflugslokale und Biergärten eröffnet“, sagt Volkskundlerin Dagmar Hänel vom LVR-Institut. Der Brauch der feucht-fröhlichen Männerrunde bleibe seitdem bestehen.

In der Nachkriegszeit blieb der Vatertag noch eine richtige Herrenpartie, zumindest bis in die 60er Jahre. Die Herren zeigten dabei eine große Kreativität und besonderen Witz. „Im Laufe der 70er und 80er Jahre wurde das Ganze allerdings etwas altmodisch“, sagt Kulturwissenschaftler Hirschfelder.

In dieser Form wird der Vatertag nur im deutschsprachigen Raum gefeiert. In den USA wird der Vatertag am dritten Sonntag im Juni begangen. Seit 1974 ist der „Father’s Day“ dort ein offizieller Feiertag, an dem die Väter in der Regel Unternehmungen mit ihren Söhnen machen. Auch der US-Präsident hält dann eine Ansprache.

 

// Einer der unfallreichsten Tage des Jahres //

 

Der Vatertag ist übrigens einer der unfallreichsten Tage des Jahres. Er verzeichnet nach Angaben des statistischen Bundesamtes fast drei mal so viele durch Alkohol bedingte Verkehrsunfälle wie im restlichen Jahr. Das ist ein absoluter Rekordwert. Kein Wunder: Viele angetrunkene Männer sind auch mit dem Fahrrad unterwegs.“

 

Mittlerweile wird der Vatertag häufig gemeinsam mit Frauen und Kindern begangen, vielerorts werden Radtouren ohne Bollerwagen gemacht.

 

Den MDR-Artikel mit lustigen Fotos von Männern, die früher und heute am Vatertag feuchfröhlich unterwegs waren, gibt es hier zu sehen:

https://www1.wdr.de/wissen/mensch/vatertag-122.html