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„Ich hoffe, dass dieser Menschenverstand, der aktuell fehlt, wieder hineinkommt“

GSCHWÄTZ: Die FDP hat ja bei den letzten Wahlen 2016 rund 10 Prozent geholt. Wie viel dürfen es  denn dieses Jahr sein?

Wirkner: Also von mir aus gibt es nach oben keine Grenze, weil je mehr FDPler im Landtag in Baden-Württemberg drin sind, desto besser, denn ich hoffe, dass dieser Menschenverstand, der aktuell fehlt, wieder hineinkommt.

„Manne Lucha lädt Achtzigjährige zum Impfen ins Zentrum ein und bietet als Kanäle Handy, Internet und Telefon“

GSCHWÄTZ: Wo genau fehlt denn Menschenverstand Ihrer Meinung nach derzeit?

Wirkner: Wenn man sich jetzt die Strategie vom grünen Gesundheitsminister Manne Lucha anschaut, zum Beispiel. Er lädt Achtzigjährige zu Impfen ins Zentrum ein und bietet als Kanäle, Handy, Internet und Telefon. Dass aber 80-Jährige nicht so affin in Handy und Internet sind, müsste eigentlich jedem klar sein. Zudem gibt es Menschen, die in Öhringen wohnen und in Rot am See einen Impftermin zugeteilt bekommen. Das ist für mich ein No-Go. Zweites Beispiel. Herr Kretschmann wurde im Landtag gefragt, wieso es nicht möglich ist, mit einem Anruf gleich beide Termine auszumachen – für die erste und die zweite Impfung. Das wusste er nicht mal.

„Das ist für mich ein No-Go“

GSCHWÄTZ: Man hätte die über 80-Jährigen vielleicht besser erreicht, wenn man sie mit einem konkreten Impftermin angeschrieben hätte.

Wirkner: Genau. Also Mecklenburg-Vorpommern hat es meines Wissens so gemacht.

GSCHWÄTZ: Wie stehen Sie denn nun auch die FDP zu den ganzen Coronamaßnahmen?

Wirkner: Am Anfang hat man natürlich auf im Bundestag als staatstragende Partei dies natürlich mitgetragen und waren da auch in der ersten Welle auch voll dahinter. Nur mit der Zeit muss man sich jetzt natürlich schon Frage: Was wurde seit April / Mai 2020 denn getan? Ja, kann es sein, dass sich auf Dauer wirklich alle Hotels, Gaststätte, Fitnesscenter, zumachen müssen? Sind das wirklich die Treiber, wo die Ansteckungsgefahr besonders hoch ist? Das hätte man unserer Meinung nach überprüfen müssen, aber es wurde alles nach dem Gießkannenprinzip zugemacht. Ich fände es besser, wenn wir die Hotels und Gaststätten offen gelassen und einfach stärker kontrolliert hätten hinsichtlich der Einhaltung der Hygieneregeln.

Wirkner setzt sich für den Ausbau des G5-Netzes ein

GSCHWÄTZ: Auf Ihrem Flyer zu den Landtagswahlen setzen Sie sich für den Ausbau des G5-Netzes ein.

Wirkner: Ich bin für den Ausbau von 5G, weil wir uns wirtschaftlich leichter tun können, wenn es etwa um Thema wie autonomes Fahren geht. Ales Mitte der 1950er Jahre die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth gefahren ist, hat man auch gesagt, bei 20 Kilometer / Stunde wird den Leuten schlecht. Man muss die Bedenken der Menschen ernst nehmen. Man muss sie aber auch wissenschaftlich prüfen.

GSCHWÄTZ:  Es gibt hierzu eine Metastudie vom Naturschutzbund Deutschland zu dem Thema Mobilfunk und Handystrahlung. Der Naturschutzbund hat 83 wissenschaftliche Studien zu diesem Thema ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass wir keine vor, dass das Bienen- und Insektensterben dadurch negativ beeinflusst wird, weil die Tiere orientierungsloser werden durch die Magnetfelder und weil die Strahlung das Erbgut schädigen können.

Wirkner: Sie sagen es. Das ist eine Studie des Naturschutzbundes. Man muss immer genau schauen, wer hinter solchen Studien steht. Man muss das sicherlich längerfristig beobachten. Aber ich bin ganz klar der Meinung, wir können als Standort Hohenlohe nicht auf diese Technik verzichten. Es geht einfach auch wirtschaftlich nicht.

Netzbooster in Kupferzell: „Allein die Lage so nah am Wohngebiet ist für mich nicht günstig“

GSCHWÄTZ: Wie stehen Sie zum Thema Netzbooster, also zu der Riesenbatterie, die in Kupferzell gebaut werden soll?

Wirkner: Das sehe ich in der Art und Weise auch kritisch, allein die Lage so nah an dem Wohngebiet ist für mich nicht günstig. Dann muss man dem Betreiber eine mangelhafte Kommunikation vorwerfen. Also das ist für mich unverständlich, aber das immer in einem Spagat. Auf der einen Seite bin ich der Meinung, wir brauchen diese Netzbooster, um die Energiewende hinzubekommen. Für mich stellt sich aber die Frage, brauche ich das hier an diesem Ort oder gibt es nicht sinnvollere Standorte wie die von Atomkraftwerken, die zurückgebaut wurden? Da sind die Leitungen schon vorhanden.

„E-Autos sind, was den grünen Fußabdruck betrifft, nicht besser als ein Verbrennungsmotor“

GSCHWÄTZ: Wenn man einen Blick in Ihr Wahlkampfprogramm wirft, sind Sie ja schon fast ein Grüner. Da heißt es nämich: „Die Zukunft gehört den regenerativen Energien. Kohle und Atomstrom sind von gestern.“ Also das heißt dann Windkraft, Solar, Wasserstoff oder was darf es sein?

Wirkner: Den Mix bitte. Von allem etwas, und zwar da, wo es am besten hinpasst. Dass fossile Brennstoffe keine Zukunft haben, da sind sich die demokratischen Parteien wohl alle einig. Ja, und jetzt gilt es, diese Transformation richtig hinzubekommen, die Leute mitzunehmen, auch keine einseitigen Entscheidungen zu treffen, zum Beispiel beim Beispiel E-Autos. Hier wird meiner Meinung nach auf Bundes- und auf Landesebene eine Technikart privilegiert,  obwohl sie, wenn man sie, was den grünen Fußabdruck betrifft, meiner Meinung nach nicht besser ist, wie zum Beispiel ein Verbrennungsmotor, der mit synthetischen Kraftstoffen befüllt ist. Ist die batteriebetriebene Mobilität nicht maximal eine Übergangslösung? Das Thema Entsorgung von der Batterie ist ja auch noch nicht geklärt. Das ist ja auch nicht umweltfreundlich. Also von daher kann es für mich jetzt die elektro batteriebetriebene Mobilität eine Übergangslösung sein.

„Elon Musk ist eine Übergangsregelung“

GSCHWÄTZ: Sehen Sie Elon Musk nicht als der Zukunftsretter?

Wirkner: Nein, er ist für mich eine Übergangsregelung (lacht).

GSCHWÄTZ: Was sehen Sie denn als Zukunftstechnologie?

Wirkner: Also ich könnte mir dann jetzt bei der LKWs zum Beispiel den Wasserstoff gut vorstellen. Ich könnte mir auch andere Initiative vorstelle, wie zum Beispiel es gibt in der Region in Bayern eine Initiative, die heißt: Jeder Tropfen zählt da. Es wird in den Haushalten Fette und Öle gesammelt und die machen aus 1,2 Liter Fett, egal ob tierisch oder pflanzlich, Sprit für 20 Kilometer, was im Verbrennungsmotor dann umweltfreundlich verbraucht wird. Solche Sachen sollten gefördert werden.

Das war Teil 1 des Interviews mit dem FDP-Spitzenkandidaten Uwe Wirkner für den Wahlkreis 21 Hohenlohe.

Im GSCHWÄTZ Kandidatencheck bisher:

Arnulf von Eyb, CDU-Spitzenkandidat (Teil 1): Arnulf von Eyb (CDU,  Catherine Kern (Die Grünen), Anton Baron (AfD) Patrick Wegener, SPD-Spitzenkandidat (Teil 1): Patrick Wegener (SPD)

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