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Hohenlohe: Geschwindigkeit Ursache Nummer 1 bei Verkehrstoten

Das Polizeipräsidium Heilbronn hat die Verkehrsunfallstatistik in seinem Zuständigkeitsbereich für das Jahr 2019 veröffentlicht. „Erfreulicherweise ist es uns letztes Jahr gelungen, die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten und Schwerverletzten im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn zu senken. Die Gesamtanzahl der Unfälle mit Leichtverletzten ist leider jedoch wieder gestiegen“, stellte der Leiter des Polizeipräsidiums Heilbronn, Hans Becker, in einer Pressemitteilung fest. „Unsere Maßnahmen zielen weiter darauf ab, die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden zu reduzieren. Es gibt Situationen im Straßenverkehr, die weder durch Prävention noch durch Kontrollen beeinflusst werden können. Dort aber, wo wir auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer durch verkehrspolizeiliche Maßnahmen, beispielsweise Prävention oder Kontrollen, einwirken können, werden wir auch weiterhin alles tun, damit Verkehrsunfälle vermieden werden. Wir sehen die Verkehrsunfallstatistik nicht nur als eine Bestandsaufnahme und reines Zahlenwerk, sondern erhalten und erwarten uns hierdurch auch Aufschluss darüber, wo gegebenenfalls bauliche Veränderungen vorgenommen werden, wo wir mehr kontrollieren und an welchen Stellen die Präventionsmaßnahmen angepasst werden müssen“, so Polizeipräsident Becker weiter.

Anzahl der verunglückten Personen ist deutlich angestiegen

Unfälle mit Personenschaden sind 2019 gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Prozent gestiegen, ebenso die Anzahl  der verunglückten Personen (+ 3,6 Prozent) und davon der leicht Verletzten (+6,6 Prozent). Die Anzahl der Schwerverletzten fiel dafür stärker ab (- 7,4 Prozent). Hier ist 2019 mit 680 Schwerverletzten ein Zehnjahrestief zu verzeichnen. Ebenfalls gefallen ist die Anzahl der Verkehrstoten um 6,1 Prozent auf 46 Personen.

Verkehrsunfälle haben zugenommen

Das PP Heilbronn registrierte 2019 ein Gesamtaufkommen von 26.604 Verkehrsunfällen. Hiervon waren 15.720 sogenannte Kleinstunfälle, die aufgrund ihrer geringfügigen Bedeutung in der Unfallanalyse und statistischen Betrachtung nicht weiter berücksichtigt werden. Die Zunahme im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn aller Unfälle lag bei fast 3,5 Prozent, wobei sich  die Veränderungen in den einzelnen Kreisen und auf der Autobahn unterschiedlich darstellen.

46 Verkehrstote

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn stieg im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent. Bei diesen Unfällen wurden 46 Menschen getötet, 680 schwer und 3.052 leicht verletzt. Von den 46 Getöteten waren zwölf Pkw-Fahrer, vier Mitfahrer, drei Lkw-Fahrer, 14 Motorradfahrer, eine Sozia, drei Leichtkraftradfahrer, zwei Kleinkraftradfahrer, drei Fahrradfahrer, zwei Pedelec-Fahrer, ein Fußgänger sowie der Führer eines Krankenfahrstuhls. Bei 17 getöteten gurtpflichtigen Personen hatten acht keinen Sicherheitsgurt angelegt. Ferner hatten drei der fünf getöteten Rad- oder Pedelecfahrer keinen Fahrradhelm getragen. Knapp die Hälfte der Unfälle mit Personenschaden ereignete sich außerorts, wobei die Unfallfolgen hier aufgrund der höheren gefahrenen Geschwindigkeiten meist drastischer sind. Es verunglückten 35 der 46 Getöteten und 429 der 680 Schwerverletzten außerorts.

Häufige Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren

Die meisten Unfälle mit Sachschäden sind auf Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, gefolgt von Abstandsverstößen und Vorfahrtsverletzungen zurückzuführen. Bei Unfällen mit Personenschaden verändert sich das Bild. Hier liegt an erster Stelle bei 22,8 Prozent der Unfälle als Unfallursache ein Geschwindigkeitsverstoß vor, gefolgt von Abstands- und Vorfahrtsmissachtungen. Je höher die Geschwindigkeit bei einem Unfall ist, umso schwerer sind die Unfallfolgen. Jeder vierte Verkehrsunfall mit schwerem Personenschaden geht auf das Konto Geschwindigkeit. Sie ist hier die Ursache Nummer eins.

Knapp 101.000 Geschwindigkeitsverstöße

Bei ihren Verkehrskontrollen registrierte die Polizei 2019 insgesamt knapp 101.000 Geschwindigkeitsverstöße, was zu 1.724 Fahrverboten führte. Außerdem deckten die Beamten bei ihren schwerpunktmäßig durchgeführten Kontrollen 12.673 Gurt – und 7.313 Handyverstöße auf. Im Bereich der Verkehrstüchtigkeit waren bei 446 Unfällen berauschende Mittel wie Alkohol und Drogen die Unfallursache. Allein dabei wurden 54 Menschen schwer und 151 leicht verletzt. Verstärkte Kontrollmaßnahmen, unter anderem auf den Tank- und Rastanlagen an den Autobahnen, haben hier im Vergleich zum Vorjahr zu einem Rückgang von 9,1 Prozent geführt. Im Rahmen der polizeilichen Verkehrsüberwachung wurden im vergangenen Jahr 1.190 Fahrzeugführer wegen Fahrens unter Alkoholeinwirkung und 983 Fahrer wegen Fahrens unter Drogeneinwirkung zur Anzeige gebracht.

Anzahl der Verkehrsunfälle mit Fahrradfahrern gesunken

Im Jahr 2019 ist die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern um 1,6 Prozent zurückgegangen. Jedoch wurden drei Radfahrer getötet. Die Anzahl der Unfälle mit Pedelecfahrern stieg in den vergangenen Jahren weiter an um 0,2 Prozent auf 115. Bei Unfällen mit Pedelecs wurden zwei Fahrer getötet. Der Anteil der Pedelecs an den Fahrradunfällen beträgt derzeit 23 Prozent. Die Hauptunfallursachen bei den Rad- und Pedelecfahrern liegen vor allem im Bereich der Geschwindigkeit, der Verkehrstüchtigkeit sowie der Vorfahrtsverletzung. Bei 246 Unfällen mit Fußgängern im Jahr 2019 wurde eine Person getötet, 65 schwer und 164 leicht verletzt. 61 der Unfälle wurden von Fußgängern selbst verursacht.

Rückgang bei verunglückten Zweiradfahrern

Bei 539 Zweiradunfällen wurden im vergangenen Jahr 451 Personen verletzt. 20 motorisierte Zweiradfahrer wurden getötet, 139 Fahrer und Mitfahrende schwer verletzt sowie 312 Fahrer und Mitfahrende leicht verletzt. 54 Prozent der Unfälle ereigneten sich außerorts, wobei auf sie ein höherer Anteil an den schwer Verunglückten, nämlich 78 Prozent der Getöteten und 66 Prozent der schwer Verletzten entfällt. Insgesamt ist jedoch ein Rückgang bei der Zahl der Verkehrsunfälle mit motorisierten Zweirädern und Anzahl verletzter Personen zu erkennen. Ganz vorn bei den häufigsten Unfallursachen bei Nutzern von motorisierten Zweirädern waren 2019 Geschwindigkeits- (124) und Abstandsverstöße (35), gefolgt von Fehlern beim Überholen (25) und Missachtung der Vorfahrt (12) sowie beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (10).

Präventionsveranstaltung 

Das PP Heilbronn bereitet 2020 wieder eine Motorradkonzeption zur Bekämpfung von Motorradunfällen vor und wird diese im Frühjahr umsetzen. Auch wird es dieses Jahr wieder die Präventionsveranstaltung „Platte IX.“, organisiert und durchgeführt vom Polizeipräsidium Heilbronn, auf der B 39 in den Löwensteiner Bergen geben.

LKW-Unfälle wegen zu geringem Abstand

Fast die Hälfte aller 1505 Lkw-Unfälle sind auf ungenügenden Sicherheitsabstand, Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren zurückzuführen. Danach folgen Überhol-, Vorfahrts- und Geschwindigkeitsverstöße. Bei der Verkehrstüchtigkeit waren 16 alkoholbedingt unfallursächlich.

Ein totes Kind

Kinder waren 2019 im Präsidiumsbereich an 108 Unfällen beteiligt. Hierbei wurde ein Kind getötet, 15 Kinder schwer und 87 leicht verletzt. In 47 Fällen waren Kinder die Verursacher der Unfälle. Als Mitfahrer verunglückten 132 Kinder. Damit ist die Mitfahrt im Pkw immer noch ein hohes Unfallrisiko für sie. Junge Erwachsene haben einen Anteil von 8,1 Prozent an der Gesamtbevölkerung, sind aber mit 21,4 Prozent an nahezu jedem vierten Unfall beteiligt. In diesen Fällen sind sie zu 56 Prozent Unfallverursacher. Ältere Menschen haben einen Anteil von 19,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung und sind mit 18,3 Prozent an etwa jedem sechsten Unfall beteiligt. In diesen Fällen sind sie zu 63,4 Prozent Unfallverursacher.

Unfallfluchten

Die Beamten des Polizeipräsidiums Heilbronn nahmen im Jahr 2019 insgesamt 5.493 Unfälle mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort auf. Unfallfluchten sind damit gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent gestiegen. Bei jedem fünften Unfall, den die Polizei aufnimmt, flüchtete der Unfallverursacher. 34 Prozent der Unfallflüchtigen konnten aber ermittelt werden.

Unfallentwicklung auf der Autobahn

Das Polizeipräsidium Heilbronn betreut polizeilich insgesamt 164 Autobahn-Kilometer. Der Zuständigkeitsbereich erstreckt sich auf der A6 zwischen den Anschlussstellen Kupferzell und Sinsheim-Steinfurt und auf der A81 von der Anschlussstelle Mundelsheim bis zur Landesgrenze bei Gerchsheim, sowie auf ein rund sieben Kilometer langes Teilstück der A3. Die derzeit höchste tägliche Verkehrsstärke auf der A6 im Bereich Neckarsulm beträgt rund 100.000 gemessene Fahrzeuge, darunter fast 19.000 Schwerverkehrs-Lkw. Die A6 ist weiterhin die am stärksten unfallbelastete Strecke. Das PP Heilbronn registrierte 2019 ein Gesamtaufkommen, inklusiv sogenannter Kleinstunfälle, von 2.624 Verkehrsunfällen, was einem starken Wiederanstieg von 6,5 Prozent entspricht.
Bei den Unfällen mit Personenschaden kann eine Minderung um 7,3 Prozent festgestellt werden. Die Zahl der dabei schwer Verletzten sank um 36,7 Prozent, ebenso gab es eine Minderung um fünf Getötete auf neun Personen. An 518 der insgesamt 1046 Verkehrsunfälle mit bedeutendem Sachschaden und Personenschaden waren Lkw beteiligt, was einem Anteil von 49,5 Prozent entspricht. In 285 Fällen (55 Prozent) haben sie diese Unfälle verursacht.

Überhöhte Geschwindigkeit auf der Autobahn

Nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit (339 Unfälle) sowie mangelnder Abstand (243 Unfälle) sind auf den Autobahnen des PP Heilbronn die häufigsten Hauptunfallursachen. Bei den Unfällen mit Personenschaden liegen Abstandsverstöße mit 112 Unfällen noch vor Geschwindigkeitsverstößen (87) an erster Stelle. Gegenüber dem Vorjahr haben Fehler beim Überholen um 36 Prozent zugenommen. Im Bereich der Verkehrstüchtigkeit war 27-mal Übermüdung die Unfallursache, in 13 Fällen lag die Ursache im vorangegangenen Alkoholgenuss. Acht Verkehrsteilnehmer
standen unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln und fünf Fahrer nahmen mit sonstigen körperlichen Mängeln am Verkehr teil.

Starke Verkehrsauslastung auf der Autobahn

Wegen der hohen Verkehrsauslastung beziehungsweise Verkehrsdichte wirken sich Verkehrsunfälle auf Autobahnen in der Regel erheblich auf den Verkehrsfluss und auf eine Vielzahl von Verkehrsteilnehmern und deren Fortkommen aus. „Unser Fokus liegt daher weiter auf der Bekämpfung der Hauptunfallursachen Geschwindigkeit, falsches Überholen in unfallträchtigen Abschnitten sowie der Unterschreitung des Mindestabstands insbesondere durch Lkw-Fahrer. Letzte ist immer wieder Ursache für schwere Unfallfolgen und kilometerlange Staus auf unseren Autobahnen. Darüber hinaus werden wir weiterhin einen Schwerpunkt auf die Überwachung der Gurtpflicht und der Ablenkung durch die Handynutzung am Steuer legen“, sagt Polizeidirektor Thomas Lüdecke, der Leiter der Schutzpolizeidirektion, deren Organisationseinheiten auch für die Unfallaufnahme zuständig sind. „Dass weiterer Handlungsbedarf besteht, zeigen die Ergebnisse der letztjährigen Verkehrsüberwachung auf den Bundesautobahnen“, so Lüdecke weiter. „Es ist weiterhin unser Bestreben, durch eine zielgerichtete Verkehrsüberwachung im Zusammenwirken mit gezielten Präventionsmaßnahmen die schweren Unfallfolgen zu senken“, so Polizeipräsident Hans Becker. Er betont: „Wir werden dieses Jahr in unserem Präsidiumsbereich, insbesondere auf den Autobahnen, ein verstärktes Augenmerk auf die Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen legen. Speziell die Verkehrspolizei wird dabei flächendeckende Messungen durchführen. Jeder Toter ist einer zu viel!“.

Zahlreiche Veranstaltungen

Das Polizeipräsidium Heilbronn veranstaltete 2019 auch eine Vielzahl an verkehrspräventiven Maßnahmen. So konnten bei 1.748 Veranstaltungen, die im Bereich der Radfahrausbildung abgehalten wurden, fast 8.000 Schüler erreicht werden. Verschiedene Verkehrstrainings in Kindergärten und Grundschulen (443 Veranstaltungen), Vorträge an Schulen (261), Auftritte der Präventionspuppenbühne (173), Infostände auf Messen und Veranstaltungen sowie Vorträge runden diese präventiven Maßnahmen ab.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn