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Würth im Krisenmodus – Gewinn stürzt um über 40 Prozent ab

Betriebsergebnis fällt um mehr als ein Drittel

Die Zahlen offenbaren einen tiefen Einschnitt. Das Betriebsergebnis fällt um mehr als ein Drittel. Der Gewinn sinkt von 1,14 Milliarden Euro auf nur noch 673 Millionen. Besonders auffällig ist der Rückgang der Rendite: Statt 7,1 Prozent bleiben nur noch 4,6 Prozent.

Der Schraubenriese  Würth kämpft mit über 40 % Gewinneinbruch – Konjunkturschwäche und Kosten belasten den Konzern

Der Umsatz selbst zeigt mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 20,21 Milliarden Euro zwar nur leichte Einbußen. Doch für ein Unternehmen, das jahrzehntelang zweistelliges Wachstum forderte – und meist auch lieferte –, bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Die wirtschaftlichen Ziele geraten spürbar unter Druck.

Strudel aus Belastungen

Würth gerät in einen Strudel aus externen Belastungen. Robert Friedmann, Sprecher der Konzernleitung, nennt eine Kombination aus schwacher Baukonjunktur, Rückgängen in der Industrie und geopolitischen Spannungen als Hauptursachen.

„Ein Rechtsruck geht durch unser Land“, kommentiert er die innenpolitische Lage. Die Aufrüstung in Europa, Handelskonflikte mit den USA und Zölle auf chinesische Produkte belasten zusätzlich. Besonders hart trifft Würth der US-Markt – zweitgrößter Absatzmarkt nach Deutschland – wegen der Abhängigkeit von Importen aus China.

Umsatz und Gewinn brechen weiter ein

Hinzu kommen drastische Kostensteigerungen. Rohstoffe wie Aceton kosten heute viermal so viel wie Ende 2020. Nickelpreise haben sich verdoppelt, Erdgas verteuerte sich um 150 Prozent. Verpackung, Transport und Personal schlagen ebenfalls stärker zu Buche.

Laut Schaich, Mitglied der Konzernführung, liege die Ursache des Gewinneinbruchs klar in diesen externen Faktoren: „Was uns fehlt, ist der konjunkturelle Rückenwind.“ Die Ertragslage verschlechtert sich nicht aus eigener Schwäche, sondern aus einem von außen verursachten Druck auf Margen und Struktur.

Sondervermögen der bundesregierung soll 2027 Aufwind verschaffen

Im Inland verliert Würth deutlich an Boden. Der Umsatz sinkt um 3,9 Prozent auf 8 Milliarden Euro. Dagegen wächst das Geschäft im Ausland um 1,2 Prozent. Besonders Südeuropa entwickelt sich erfreulich.

Im Chemiebereich, zu dem auch Liqui Moly gehört, steigen die Umsätze weiter. Investiert wurde trotzdem umfangreich: Eine halbe Milliarde Euro flossen in Übernahmen, unter anderem in Polen und Italien. Doch selbst diese strategischen Zukäufe konnten den Rückgang beim Gewinn nicht kompensieren.

Im Vertrieb bleibt der Leitungsdruck hoch

Trotz aller Rückschläge gibt man sich in Künzelsau kämpferisch. Die Eigenkapitalquote liegt bei stabilen 48 Prozent. Über 1.000 neue Beschäftigte kamen hinzu. Der Konzern versucht, offene Stellen intern zu besetzen und betont, dass Stellenabbau nicht geplant sei.

Langfristig setzt Würth auf Stabilisierung. Ein Sondervermögen der Bundesregierung ab 2027 könnte Impulse liefern. Im Vertrieb bleibt der Leistungsdruck hoch: Quartalsweise Bewertungen, variable Vergütung, materielle Anreize – all das soll die Verkäufe ankurbeln.

Offene Stellen werden intern besetzt, ein Stellenabbau ist aktuell nicht geplant

Reinhold Würth hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Dennoch prägt seine Philosophie den Konzern weiterhin. Die neue Führung übernimmt – mit Enkeln in Schlüsselpositionen.

Friedmann zeigt sich trotz Krise optimistisch: Im ersten Quartal 2025 stiegen die Umsätze wieder um vier Prozent. Doch angesichts des massiven Gewinneinbruchs steht fest: Der Mythos vom unaufhaltsamen Wachstum wankt. Die kommenden Monate entscheiden, ob sich Würth neu erfindet – oder mit der Krise ringen muss.




Würth: Knapp 20 Milliarden Umsatz erwirtschaftet

Würth-Gruppe schließt Geschäftsjahr 2022 mit 19,95 Milliarden Euro Umsatz ab. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Schraubenherstellers hervor, die wir an dieser Stelle veröffentlichen.

Künzelsau. Die Würth-Gruppe, Weltmarktführer in der Entwicklung, der Herstellung und dem Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial, hat im Geschäftsjahr 2022 erneut ihre Wettbewerbskraft und Stabilität bewiesen: Der weltweit tätige Konzern mit Sitz in Künzelsau erzielte weitere Rekordmarken. Mit 19,95 Milliarden Euro liegt der Umsatz gemäß vorläufigem Konzernabschluss deutlich über dem Vorjahr (2021: 17,06 Milliarden Euro). Das entspricht einem Plus von 16,9 Prozent, währungsbereinigt sind es 15,1 Prozent. Das Betriebsergebnis stieg von 1.270 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 1.500 Millionen Euro.

Plus 16,9 Prozent

„Wir bewegen uns in schwierigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen: Der Krieg in der Ukraine, die Material- und Lieferengpässe sowie Preissteigerungen sind nach wie vor herausfordernd. Mein Dank gilt deshalb unseren über vier Millionen Kundinnen und Kunden weltweit für ihr Vertrauen in unsere Leistungen sowie unseren Lieferanten für die partnerschaftliche Zusammenarbeit. Gleichzeitig können wir in Krisenzeiten auf die Stärke unserer Unternehmenskultur, den Zusammenhalt aller Mitarbeitenden und selbstverständlich den Rückhalt eines Familienunternehmens bauen – das gibt uns die nötige Stabilität“, sagt Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe.

„Wir bewegen uns in schwierigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen“

Der Umsatz der Würth-Gruppe in Deutschland stieg auf 7,85 Milliarden Euro (2021: 6,94 Milliarden Euro). Die Würth Gesellschaften im Ausland schnitten mit 12,10 Milliarden Euro (2021: 10,12 Milliarden Euro) ab.

Besonders erfolgreich war der Geschäftsbereich Elektrogroßhandel mit einem Wachstum von 25,0 Prozent. Serviceführerschaft, eine sehr hohe Produktverfügbarkeit gepaart mit einer überdurchschnittlichen Logistikkompetenz sind Gründe für diese sehr gute Entwicklung. Zusätzlich profitierte dieser Bereich vom Boom der erneuerbaren Energien. Auch die Elektronik-Gruppe mit ihren Bereichen passive elektronische Bauteile, Leiterplatten sowie elektronische und elektromechanische Lösungen zeigte mit einem Umsatzwachstum von 22,5 Prozent eine sehr robuste Geschäftsentwicklung. Überdurchschnittlich entwickelte sich auch die Division Industrie der Würth-Linie mit 20,1 Prozent Umsatzwachstum.

E-Business wächst rapide

Der Umsatz im Bereich E-Business wuchs um 21,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was einem Anteil von 20,7 Prozent am Gesamtumsatz entspricht.

Würth-Gruppe beschäftigt 85.637 Mitarbeitende

Die Würth-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2022 insgesamt 2.454 neue Beschäftigte hinzugewonnen. Aktuell arbeiten im Konzern 85.637 Personen, davon 43.297 im Vertrieb. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 26.113 Mitarbeitende.

Zuversicht für 2023 trotz Krisen, Auflösung der Materialengpässe in Sicht

Die Materialknappheit in der Industrie hat sich laut ifo Institut entspannt. Es zeichnet sich eine Auflösung der Engpässe in vielen Branchen ab. Am stärksten von der Knappheit betroffen sind nach wie vor der Maschinenbau und die Automobilindustrie. In der Baubranche werden Projekte storniert oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Gründe hierfür sind steigende Baukosten und -zinsen. Friedmann sagt: „Die aktuellen Herausforderungen werden auch 2023 Thema sein. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Konsumverhalten sowie die Energiepreise entwickeln und welche Auswirkung die gelockerte Null-Covid-Strategie Chinas auf die Lieferketten hat. Sich in diesen fragilen, voneinander abhängigen Rahmenbedingungen zu bewegen, wird auch 2023 zentrale Aufgabe sein. Trotz aller Krisen nehmen wir die Dynamik und die positive Stimmung aus dem vergangenen Jahr mit, behalten unseren Optimismus bei und handeln mit Bedacht.“

Die Bilanzpressekonferenz der Würth-Gruppe findet am Donnerstag, 04.05.2023, in digitaler Form statt.

Über die Würth-Gruppe

Die Würth-Gruppe ist laut eigenen Angaben Weltmarktführer in der Entwicklung, der Herstellung und dem Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial. Darüber hinaus sind Handels- und Produktionsunternehmen, die sogenannten Allied Companies, in angrenzenden Geschäftsfeldern aktiv, wie etwa im Elektrogroßhandel, in den Bereichen Elektronik sowie Finanzdienstleistungen. In über 80 Ländern beschäftigt der Konzern weltweit mehr als 85.000 Mitarbeitende in über 400 Gesellschaften mit über 2.500 Niederlassungen. Der Konzern erzielte gemäß vorläufigem Abschluss