„Man hat doch gewusst, dass da was kommt“
Viele Last-Minute-Einkäufer von Weihnachtsgeschenken hat der harte Lockdown auf dem falschen Fuß erwischt. Die meisten Läden sind dicht, nur noch Geschäfte, die Dinge für den täglichen Bedarf anbieten, dürfen geöffnet haben. Auch in der Künzelsauer Innenstadt ist an diesem frühen Donnerstagmorgen, den 17. Dezember 2020, eher wenig los. Nur vereinzelt laufen Passanten durch die Gassen. Etwas umtriebiger geht es im Kaufland zu. Hier tragen die Einkäufer Masken und versuchen, die Abstände einzuhalten, so gut es eben geht.
Vor der Metzgerei hat sich eine längere Schlange gebildet
Etwas später, kurz vor Mittag, ist das Bild schon etwas anders. Jetzt schlendern mehr Menschen durch die Hauptstraße, in den Seitenstraßen ist teilweise niemand zu sehen. Vor der Metzgerei Harald Schäfer hat sich eine längere Schlange gebildet, weil die Kunden nur vereinzelt in den Verkaufsraum dürfen und auch auf ihre Abstände achten. Besonders viele Einkäufer sind in der Drogerie Müller zu finden. Hier darf weiterhin das ganze Sortiment, auch Spielzeug und Musik-CDs, verkauft werden. Auch Zugangsbeschränkungen scheint es hier keine zu geben. Die Menschen stehen teils dicht an dicht in den engen Gängen, ohne dass die Verkäuferinnen darauf reagieren würden.
Viel los im Drogeriemarkt Müller
GSCHWÄTZ hat sich in Künzelsau umgesehen und die Passanten gefragt, was sie in die Stadt führt und wie sie es finden, dass die meisten Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Es zeigt sich: Die meisten laufen nur durch die Straßen und Gassen. Sie hatten Termine und viele sind jetzt auf dem Heimweg.
„Weihnachtsgeschenke braucht man doch nicht unbedingt“
Eine Frau, die direkt in der Stadt wohnt, erzählt: „Ich laufe hier nur durch, weil ich einen Termin hatte und jetzt auf dem Heimweg bin.“ Nur kurz habe sie bei der Drogerie Müller vorbeigeschaut, um Vogelfutter zu kaufen. Sie findet den Lockdown richtig: „Weihnachtsgeschenke braucht man doch nicht unbedingt. Es geht auch ohne.“ Zwei kleine Mädchen kommen mit Einkaufstaschen in den Händen die Straße entlang. Die beiden Künzelsauerinnen haben Lebensmittel eingekauft. Sie finden es schade, dass jetzt alles zu ist, denn jetzt ist kein Abstecher zum Spielzeugladen oder in die Buchhandlung drin. „Aber keine Schule zu haben, ist toll“, meinen sie lachend.
„Leider können wir nicht viel machen“
Ein Mann schiebt entspannt seinen dreijährigen Sohn auf dem Dreirad durch die Hauptstraße. „Leider können wir nicht viel machen“, meint der 56-Jährige bedauernd. Sie gehen häufig in die Wertwiesen oder einfach nur spazieren. So wie jetzt. Den Lockdown findet der Vater gut, allerdings „kommt der zu spät, denn sonst hätten wir Weihnachten zusammen feiern können“. Jetzt müssten die Menschen leiden – dabei denke er vor allem an jene, die alleine leben. „Die Isolation ist für die Psyche das Schlimmste“, sagt der Mann.
Zustimmung und Skepsis
Entspannt bummelt eine dreiköpfige Familie durch die Straße, wirft einen Blick in so manches Schaufenster der geschlossenen Geschäfte. Der Vater hatte einen Arzttermin, die Mutter musste in die Apotheke. Die Forchtenberger sind nicht ganz einer Meinung, was Sinn oder Unsinn des Lockdowns betrifft. „Ich finde den Lockdown in der jetzigen Lage richtig“, sagt die Frau. Ihr Mann dagegen: „Ich bin skeptisch, aber was soll man schon machen.“
„Bestellen wollte ich nicht“
Im Müller drängen sich die Leute. Im Obergeschoss steht eine Frau am CD-Regal. „Ich suche eine CD als Weihnachtsgeschenk für meinen Sohn“, erzählt die Kupferzellerin. „Bestellen wollte ich nicht, sondern ein Geschäft vor Ort unterstützen.“ Eine Arbeitskollegin, habe ihr erzählt, dass die Drogerie noch offen habe. Aber sie findet: „Man sollte alle Geschäfte, außer die Lebensmittelläden zu machen.“ Das Gedränge im Müller habe sie erstaunt und deshalb wolle sie auch ganz schnell wieder raus aus dem Laden.
„Man hat doch gewusst, dass da was kommt“
Eine ältere Frau bummelt mit ihrem Rollator die Straße entlang. Sie hatte einen Termin bei der Fußpflege und ist jetzt auf dem Heimweg. „Ich finde den Lockdown gut, aber doch nicht gerade jetzt. Das hätten die sich früher überlegen sollen“, empört sie sich. „Außerdem wieso erst ab Mittwoch und nicht gleich ab Montag?“ Die Seniorin findet das inkonsequent. Sie habe aber den Vorteil, dass sie alleinstehen sei und deshalb nicht viel brauche. In Richtung der Last-Minute-Einkäufer meint sie: „Man hat doch gewusst, dass da was kommt.“
Text: Sonja Bossert

Gegen Mittag ist schon etwas mehr los. Foto: GSCHWÄTZ

Ruhe auch vor dem Kaufland. Foto: GSCHWÄTZ

Der Ausblick vom GSCHWÄTZ-Büro: Kein Mensch ist hier kurz vor Mittag unterwegs. Normalerweise ist hier mehr los. Foto: GSCHWÄTZ



