1

Warum Künzelsau wieder an das Bahnnetz angeschlossen werden sollte

Während im benachbarten Öhringen täglich Züge nach Karlsruhe, Schwäbisch Hall und Heilbronn fahren, ist der Bahnhof in Künzelsau seit den 1980er Jahren stillgelegt. Statt einer Bahn verkehren hier lediglich Radfahrer. Am Bahnhof kann man hier zwar lecker Pizza essen. Doch die Kreisstadt des Hohenlohekreises befindet sich seit rund 40 Jahren abgeschottet vom öffentlichen Bahnsystem.

Künzelsau I Reaktivierung der Kochertalbahn

Dabei war die Trasse, auf welcher die Kochertalbahn fuhr einst eine Strecke inmitten einer beeindruckenden Landschaft. Sie schlängelte sich durch Wälder, vorbei an Wiesen und Feldern, wo sich Hase und Igel Gute nacht sagen, mit sagenhaften Ausblicken auf das Kochertal – und mit  einer der damals steilsten Steigungen.

Billig würde der Ausbau, der nun konkret im Raum steht mit 200 bzw. 300 Millionen Euro (letztere Kostenschätzung bei einer Tunnelvariante), nicht werden. Aber noch nie wurde die Reaktivierung alter Bahntrassen von Bund und Land derart bezuschusst wie aktuell.

Die Bürger:innen und Bürger täten daher gut daran, dieses Projekt zu unterstützen, wäre es doch sowohl für den Tourismus als auch für die 10.000 tagtäglichen Berufspendler nach Künzelsau wie auch für die Student:innen ein Sprung in die Neuzeit.

Die Umfrage zur Kochertalbahn läuft noch bis 07. Januar: www.kochertalbahn.info

 

 




Wird die AfD 23. Februar stärkste Kraft in Deutschland?

Es gibt zahlreiche Umfragen zur Bundestagswahl in Deutschland am 23. Februar 2025. Aber alle stellen derzeit fest: Nach der Bluttat in Aschaffenburg legt die AfD noch einmal sprunghaft zu und verbessert ihren beständigen Aufwärtstrend und legt teilweise um bis zu vier Prozent zu.

„Dann hilft das nur der AfD“

So kommt die AfD derzeit bei YouGov bereits auf 23 Prozent, die CDU auf 29.

Auf Anfrage des Handelsblatts geht Forsa-Chef Manfred Güllner davon aus, dass die AfD „kurzfristig zulegen“ könnte. Er meint, die anderen Parteien würden einen Fehler machen, wenn man sich nun nur noch mit dem Thema Migration beschäftigt. Wenn das passiere, „dann hilft das nur der AfD“.

Zuwanderung für viele Deutsche derzeit anscheinend wichtigstes Thema

Tatsächlich sehen die Deutschen in einer aktuellen Umfrage von Statista das Thema Zuwanderung / Flüchtlingsdebatte als derzeit wichtigstes und drängendstes Thema für das Jahr 2025 – gefolgt von den Punkten Wirtschaft, Krieg, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit.

INSA- Chef Hermann Binkert geht von einem maximalen Wählerpotenzial der AfD von gut 25 Prozent bei der Bundestagswahl aus. Das werde sich auch durch Ereignisse wie in Aschaffenburg „nicht gravierend ändern“, so seine Einschätzung. Aber ob dem wirklich so ist? Förderlich für die AfD dürfte auch das TV-Duell zwischen Alice Weidel und Friedrich Merz werden, das nun für Februar angekündigt wurde. Rhetorisch kann außer Sahra Wagenknecht vermutlich am ehesten Friedrich Merz Weidel Paroli bieten. Habeck, Scholz und Baerbock wirken in direkten Debatten eher schwach.

Auch eine Minderheitsregierung wäre theoretisch möglich

Falls die AfD es schaffen sollte, tatsächlich zur stärksten Kraft in Deutschland gewählt zu werden, etwa mit 30 Prozent, bräuchte sie einen Koalitionspartner, um eine Mehrheitsregierung über 50 Prozent zu stellen. Derzeit sagen alle führenden Parteien, dass sie nicht mit der AfD koalieren werden. Das heißt aber nicht unbedingt, dass dann nochmal gewählt wird. Es könnte auch sein, dass die AfD eine Minderheitsregierung startet. Dann hätte sie zwar nicht die absolute Mehrheit im Bundestag, bräuchte dadurch bei allen Gesetzesvorhaben stets die Zustimmung der großen Opposition oder zumindest von zahlreichen Bundestagsabgeordneten anderer Parteien, um Gesetze zu beschließen, wäre aber zumindest an der Regierungsmacht.




Müllabfuhr ist der Top-Performer unter den staatlichen Dienstleistern

Jedes Jahr läßt der Deutsche Beamtenbund, eine Art Gewerkschaft für Beamte, vom Institut Forsa eine Umfrage unter dem Titel „Der öffentliche Dienst aus Sicht der Bevölkerung“ durchführen, um festzustellen, wo den Bürger der Schuh drückt und ob die Beamten die Probleme, die die Bürger empfinden, auch zielführend bearbeiten. Im Juli 2022 wurden etwas mehr als 2.000 Bürger repräsentativ zu ihren Ansichten über den Staat, die Beamten und verschiedene aktuelle gesellschaftliche Themen befragt.

Die Erhebung fand im Juli 2022 statt. Befragt wurden 2.013 repräsentativ ausgewählte Bürgerinnen und Bürger. Wie bereits 2020 und 2021 wurde die Erhebung online mithilfe des forsa.omninet-Panels durchgeführt, einem für die deutsche Online-Bevölkerung ab 14 Jahren repräsentativen Panel mit derzeit rund 100.000 Teilnehmern. Die Auswahl der Befragten erfolgte offline nach einem systematischen Zufallsverfahren, das sicherstellt, dass die befragten Bürgerinnen und Bürger ein Spiegelbild der Gesamtbevölkerung in Deutschland darstellen.

Die ermittelten Ergebnisse können lediglich mit den bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/- 2,5 Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der Bevölkerung übertragen werden

Handlungs- und Leistungsfähigkeit des Staates

Im Jahr 2020 waren noch 56 Prozent der Befragten davon überzeugt, „dass der Staat in der Lage sei, seine vielfältigen Aufgaben zu erfüllen.“ Mit dem weiteren Verlauf der Coronakrise und der folgenden weiteren Krisensituationen bis hin zur heutigen Gaskrise fiel dieser Anteil deutlich ab: Waren es 2021 noch 45 Prozent, sind es aktuell nur noch 29 Prozent der Befragten, die den Staat als handlungsfähig empfinden. Interessant ist, dass ausgerechnet zu Beginn der Coronakrise der Staat als sehr handlungsfähig empfunden wurde, später dann immer weniger.

Zwischen Ost und West sind kaum Unterschiede festzustellen, erstaunlich ist, dass ausgerechnet die junge Generation der 18-29-jährigen den Staat noch am besten beurteilt: 35 Prozent der jungen Menschen finden, dass der Staat in der Lage ist, seine Aufgaben zu erfüllen. Je höher der Schulabschluß, desto mehr wird dem Staat Handlungsfähigkeit zugesprochen.

Am wenigsten überzeugt vom Staat sind die Anhänger der Oppositionspartei AfD (9 Prozent) und der Regierungspartei FDP (16 Prozent). Anhänger von SPD und Grünen erachten den Staat mit 45 bzw 46 Prozent als handlungsfähig – bezeichnend aber auch bei diesen Regierungsparteien ist, dass jeweils mehr als die Hälfte ihrer Anhänger den Staat als überfordert ansehen.

Auszug aus der Forsa Studie

Wo liegen die Probleme?

Die Befragten, die den Staat als überfordert ansehen, wurden gebeten, die Aufgaben zu nennen, bei denen sie eine Überforderung sehen. Es wurden dabei keine Antwortvorgaben gemacht – offene Antworten und Mehrfachantworten waren möglich.

Da die Befragung im Juli 2022 durchgeführt wurde, ist es nicht verwunderlich, dass das Thema Energieversorgung mit 17 Prozent sehr häufig genannt wurde – in den Vorjahren war dieses Thema kaum relevant. Es folgen die Themen Klima- und Umweltschutz (15 Prozent), Schul- und Bildungspolitik (13 Prozent), soziale Sicherungssysteme, Rente (12 Prozent) und soziale Gerechtigkeit sowie Gesundheitsversorgung mit jeweils 11 Prozent.

Es fällt auf, dass offenbar nicht einmal die AfD-Wählerschaft, die zu 90 Prozent den Staat als überfordert empfindet, den Staat bei zweien ihrer lautesten Kritikpunkte als überfordert ansieht: Sowohl die Asyl- und Flüchtlingspolitik sowie das Thema „Krieg in der Ukraine, Umgang mit Rußland“ landen bei 10 bzw. 9 Prozent – und das, wo die AfD-Wähler unter den Befragten, die den Staat für überfordert halten, einen höheren Anteil haben als in der Grundgesamtheit.

Vergleich mit den sozialen Medien

Im Vergleich mit den Themenschwerpunkten der sozialen Medien, ist dieses Ergebnis überraschend: In der Umfrage zeigt sich erhebliche Präsenz der sozialen Themen. Diese Themen finden in den sozialen Medien zwar statt, scheinen den Nutzern der sozialen Medien aber nicht so wichtig wie in der Umfrage. Dort dreht sich ein großer Teil der Diskussionen und „Diskussionen“ um das Thema Russland. Die Russland-Diskussion wird intensiv befeuert durch automatisierte Bots, wie eine Recherche von t-online zeigt. Wie intensiv diese Einflußnahme ist, dafür könnte das Umfrageergebnis des Beamtenbundes ein Indiz sein.

Einzelne Bereiche

Am Besten von den Bürgern bewertet wird wie übrigens auch in den Vorjahren die Müllabfuhr. Dahinter kommen Bibliotheken und Museen. Die Arbeit der Ministerien in Bund und Land sowie der Arbeitsagentur wird – in Schulnoten – am schlechtesten bewertet: diese bekommen aber auch noch im Durchschnitt eine 3-, also noch ein „Befriedigend“.

Bewertung der Einzelbereiche passt nicht zur Gesamtaussage

Diese Bewertungen wollen so gar nicht zum Ergebnis passen, dass nur noch 29 Prozent der Befragten den Staat für handlungsfähig halten und 66 Prozent ihn für überfordert halten. Man sollte eine deutlich schlechtere Bewertung annehmen:  Wenn 66 Prozent die Leistung der staatlichen Institutionen nicht als „ausreichend“ erachten, kann die Gesamtwertung eigentlich keine 3minus mehr sein.

Wünsche der Bürger

Auszug aus der Forsa Studie

Welche staatlichen Aufgaben die Bürger für wichtig oder weniger wichtig halten, ist die letzte Aussage der Umfrage: Und wieder stehen die sozialen Themen und der Klimaschutz an erster Stelle: 94 Prozent der Bevölkerung halten die Aufrechterhaltung der sozialen Gerechtigkeit für wichtig oder sehr wichtig, beim Klimaschutz sind es 84 Prozent. Auch die Entlastung der Bürger aufgrund der Inflation (87 Prozent) ist im Endeffekt nichts anderes als das Thema der sozialen Gerechtigkeit.

Diese Themen sind den Menschen wichtiger als beispielsweise die Versorgung der Ukraine mit schweren Waffen. Die humanitäre Unterstützung der ukrainischen Bevölkerung liegt allerdings 81 Prozent der Befragten am Herzen.

Die reale Welt ist nicht das Netz und auch nicht die politische Welt

Auch dieses Ergebnis entspricht nicht den Prioritäten, die die sozialen Medien suggerieren. Es entspricht auch nicht der Politik, die der eine oder andere Spitzenpolitiker vertritt. In der Bevölkerung gibt es offenbar einen großen Bedarf nach sozialer Gerechtigkeit, den die Politik momentan nicht zu erfüllen scheint.

Auch die gefühlte Wichtigkeit des Klimaschutzes sollte für manchen politisch Verantwortlichen ein Zeichen sein, sich von althergebrachten Prinzipien zu lösen. Die Umfrage zeigt deutlich, dass der Klimaschutz bereits von der absoluten Mehrheit der Menschen als „sehr wichtig“ eingeschätzt wird.

Text: Matthias Lauterer

 




Lebensmittel-Lieferdienst für Künzelsau?

Die Digitalisierung krempelt den Einkauf um auch im Bereich der Lebensmittel. Doch wie offen stehen die Künzelsauer Einwohnerinnen und Einwohner OnlineSupermärkten gegenüber und wie zufrieden sind sie generell mit der Einkaufssituation von Ort. Diesen und mehr Fragen geht Alexander Sieler, Student der Betriebswirtschaftslehre, in Kooperation mit der Stadtverwaltung Künzelsau nach.

Breites Stimmungsbild 

Alle Künzelsauerinnen und Künzelsauer sind herzlich dazu eingeladen, den OnlineFragebogen auszufüllen“, wirbt Alexander Sieler für eine Beteiligung an der Umfrage. „Ziel ist es, ein möglichst breites Stimmungsbild zu erhalten. Je mehr Menschen daran teilnehmen, desto besser können wir ihre Belange verstehen und Maßnahmen daraus formulieren.“

Die Beantwortung dauert nur zirka zehn Minuten und ist komplett anonym. Teilnahmeschluss ist der 25. Mai 2022.

Verlosung eines Einkaufsgutscheins 

Als Dankeschön für die Teilnahme wird ein Gewinnspiel für einen Künzelsauer Geschenkgutschein in Höhe von 25 Euro veranstaltet. Dieser kann in einer Vielzahl von Geschäften in Künzelsau eingelöst werden.

Der OnlineFragebogen kann direkt über diesen Link aufgerufen werden: https://survey.questionstar.com/cf2ad333
Kontakt für Rückfragen:
Alexander Sieler, buergerbefragungkuenzelsau@web.de

Pressemitteilung Stadt Künzelsau




„Es ist auch wahrlich nicht die Mitte der Gesellschaft, die spaziert“

Wer sind eigentlich die Menschen, die Montag für Montag in der ganzen Bundesrepublik – auch im Hohenlohekreis (wir berichteten) – auf die Straße gehen? Ist es ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung? Sind es Rechtsextreme? Oder sind es Leute, die guten Willens sind, aber von anderen für ganz andere Zwecke mißbraucht werden?

Die öffentliche Meinung messen und lenken

Wohl erstmals hat sich jetzt ein „Strategic research“-Institut – früher hätte man es Meinungsforschungsinstitut genannt – daran gemacht, die Menschen hinter den Spaziergängern näher zu untersuchen. Das Institut pollytix aus Berlin  „stellt die richtigen Fragen und liefert Antworten“ – so lautet jedenfalls die Werbeaussage auf der Homepage-  und ist ein auf gesellschaftliche und politische Fragen spezialisiertes Institut: „Wir messen nicht nur die öffentliche Meinung, sondern zeigen auch Wege auf, wie diese geändert werden kann, welche Zielgruppe dafür erreicht werden muss und in welcher Sprache diese angesprochen werden will.“, sagt Rainer Faus, der das Institut im Jahre 2012 gegründet hat. Ein Ansatz, wie man ihn von den bekannten deutschen Instituten eher nicht kennt, wie er aber beispielsweise in amerikanischen Wahlkämpfen gang und gäbe ist.  Wo andere Institute oder Agenturen auf ihrer Homepage stolz Referenzen angeben, ist über die Kunden und Auftraggeber von pollytix wenig bekannt. Bekannt ist, dass Faus unter anderem Autor einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Fragmentierung der Gesellschaft ist.

Repräsentative Studie über die Montagsspaziergänger

1.500 Menschen hat pollytix befragt – 95 Prozent kannten das Phänomen der Spaziergänger und konnten daher gezielt befragt werden. Besonders positiv werden die Spaziergänger von der Bevölkerung allerdings nicht wahrgenommen:

Nur 15 Prozent der Befragten könnte sich überhaupt eine Teilnahme an einem Spaziergang vorstellen, Verständnis für die Teilnehmer haben 30 Prozent der Befragten. Auf der anderen Seite haben 71 Prozent Angst vor einer Radikalisierung der Teilnehmer, fast genauso viele wünschen sich ein Eingreifen der Polizei gegen diese nicht angemeldeten Aufläufe. Und es gehen mehr Menschen von einer rechtextremistischen Beteiligung oder gar Steuerung aus als davon, dass es sich bei den Teilnehmern um einen Querschnitt der Bevölkerung handelt.

Das ist also der Blick von außen auf die Teilnehmer.  Aber wie sehen die Aufläufe „von innen“ aus? Auch darüber gibt die Umfrage einige teils überraschende Einblicke.

Stichprobe zu klein für „robuste Analyse“ der ‚Spazierenden‘

Allerdings sagt Rainer Faus: „Für eine robuste Analyse ist die Fallzahl der ‚Spazierenden‘ zu klein, werfen wir als Annäherung einen Blick auf die, die es sich vorstellen können, zu ’spazieren‘.“
Die folgenden Zahlen beziehen sich also nicht nur auf die Teilnehmer der Aufzüge, sondern auf die Gruppe der Teilnehmer und derer, die sich vorstellen können, auch einmal mitzulaufen.

Bildungsgrad spielt keine Rolle

Die Analysen von Altersgruppen und Bildungsgrad zeigen, dass die Anzahl derer, die sich eine Teilnahme vorstellen können, relativ gleichverteilt  ist – es sind jeweils rund 15% – einzig die Gruppe Ü60 zeigt eine geringere Bereitschaft. Eine Abhängigkeit vom Bildungsgrad ist nicht zu erkennen. Auffällig ist, dass die Bereitschaft im Osten rund doppelt so hoch ist wie im Westen:

Zeigt sich bis hier ein recht homogenes Bild der Teilnehmer, ändert sich das, wenn man parteipolitische Präferenzen hinterfragt: 

Unter den AfD-nahen Menschen können sich fast zwei Drittel vorstellen, an einem Montagsspaziergang teilzunehmen. Die Anhänger aller anderen Parteien sind dazu nur zu einem sehr geringen Teil bereit. Vielleicht kann man das so interpretieren, dass die AfD eine Partei ist, in der sich Menschen sammeln, die ohnehin mit der Gesellschaft nicht zufrieden sind. Rainer Faus zieht jedenfalls aus seiner Umfrage den Schluss: „Die These, es handle sich hier überwiegend um Grüne oder Linke ist also empirisch nicht haltbar und es ist auch wahrlich nicht die Mitte der Gesellschaft, die spaziert.“

„Der Effekt der Blase“

Faus hat allerdings auch festgestellt, dass 89 Prozent der AfD-Wähler:innen glauben, dass bei Spaziergängen ‚hauptsächlich Menschen wie Du und Ich mitlaufen‘ und 85 Prozent  Verständnis für Spaziergänger:innen haben. „Bei Wähler*innen der anderen Parteien ist das jeweils nur bei einer Minderheit der Fall.“, sagt Faus. Er bezeichnet das als „den Effekt der Blase“.

Einteilung der potentiellen Spaziergänger in gesellschaftliche Segmente

In  einer Studie „Kartografie der politischen Landschaft in Deutschland“ der Friedrich-Ebert-Stiftung hat Faus die Bevölkerung grob in 8 Gruppen eingeteilt:

Die potentiellen Teilnehmer der Demonstrationen gehören häufiger zu den mit der Politik unzufriedenen Gruppen. Das verwundert auf den ersten Blick nicht – man demonstriert ja meist, um seine Unzufriedenheit mit einer Situation auszudrücken. Es fällt aber auf, dass neben den „antimodernen Konservativen“, die mehr Nationalstaat wollen, gerade die Gruppen Sympathie für die Spaziergänge hegen, für die Faus Worte wie „prekär“ oder „wirtschaftlich bedroht“ gefunden hat:

Sind die Aufläufe am Montagabend also vielleicht nur vordergründig auf Corona bezogen und steckt vielleicht vielmehr ein Protest gegen die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik dahinter? Diesen Schluß könne man nicht ziehen, meint Faus, „da es sich um eine Mischung aus verschiedenen Segmenten handelt, den antimodernen Konservativen geht es zum Beispiel wirtschaftlich ausgesprochen gut und sie sorgen sich auch nicht besonders um soziale Themen“.

Text: Matthias Lauterer




Noch besserer Schutz vor häuslicher Gewalt

Nach der Bundestagswahl im vergangenen September sieht es nun ganz so aus, als ob Deutschland eine neue Regierung aus SPD, Grüne und FDP bekommt. Die Parteigremien haben jetzt Koalitionsverhandlungen zugestimmt und die Gespräche für eine Ampelkoalition könnten noch in dieser Woche starten. Die Erwartungen vieler Menschen im Land sind nun groß. GSCHWÄTZ hat bei den Hohenloher Sozialträgern nachgefragt, welche Wünsche sie an die neue Regierung haben.

Kinder mehr in den Mittelpunkt rücken

Elke Hammel vom Informations- und Kooperationsstelle gegen häusliche und sexuelle Gewalt im Hohenlohekreis (infokoop) schreibt auf die Anfrage: „Was wir uns wünschen, erwarten, benötigen ist eine verlässliche finanzielle Absicherung der (spezialisierten) Fachberatungsstellen sowie ein ausreichendes und flächendeckendes Beratungs- und Unterstützungsangebot für von Gewalt betroffene Menschen.“ Denn spezialisierte Fachberatungsstellen gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen seien keine Pflichtaufgabe für Landkreise. Des Weiteren auf der infokoop-Liste: Beratungsstellen für Täter und Täterinnen und dass Kinder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden – bei den Kinderrechten, Bildung, Betreuung, Schutz, Chancen und Zukunftsperspektiven.

Die weitere Umsetzung der Istanbul-Konvention

Auch Andrea Bühler vom Frauen- und Kinderschutzhaus im Hohenlohekreis hat ganz klare Forderungen an die neue Bundesregierung. „Wir erwarten einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Frauenhausplatz und keine Kürzungen im Hilfesystem, sondern bedarfsgerechter Ausbau“, schreibt sie. Besonders wichtig ist ihr die weitere Umsetzung der Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt). „Sie ist ein völkerrechtlicher Menschenrechtsvertrag und wurde nach mehrjährigen Verhandlungen der Staaten des Europarates am 11. Mai 2011 in Istanbul beschlossen und ist 2014 in Kraft getreten“, erklärt Andrea Bühler. „Schutz vor häuslicher Gewalt auch für Frauen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus – das betrifft vor allem Frauen aus dem Familiennachzug – und Stabsstellen im Ministerium in ausreichendem Stellenumfang“, benennt sie als weitere Wünsche an die neue Regierung.

Text: Sonja Bossert

 

 

 




„Immer weniger Ärzt:innen führen Abbrüche durch“

Der 28. September 2021 wurde zum Safe-Abortion-Day erklärt. Es ist ein historisches Datum, denn an diesem Tag vor 150 Jahren wurde der §218 ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Seitdem sind Schwangerschaftsabbrüche prinzipiell strafbar, wenn nicht eine der dort genannten Ausnahmen zutrifft.

„Immer weniger Ärztinnen und Ärzte führen Abbrüche durch“

Die Recherchegruppe CORRECTIV will sich ein Bild darüber machen, welchen Hürden und Schwierigkeiten sich Frauen, stellen müssen, die mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch konfrontiert sind. CORRECTIV schreibt: „Wer in Deutschland eine Schwangerschaft abbrechen will, steht vor vielen Hürden: Es ist schwer, verlässliche Informationen zu bekommen. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte führen Abbrüche durch. Ungewollt Schwangere werden bei ihrer Entscheidung oft unter Druck gesetzt.“

Unsichere Rechtslage für Ärzt:innen

Auch Ärzt:innen wird es schwer gemacht, Abtreibungen durchzuführen: Der §219a StGB wird von Gerichten gerne so ausgelegt, dass schon die sachliche Mitteilung beispielsweise auf einer Praxishomepage, dass die Praxis Schwangerschaftsabbrüche durchführt, eine strafbare „Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft“ sein soll. Eine Ärztin aus Gießen, Kristina Hänel, wurde vom OLG Frankfurt Anfang des Jahres rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt.

Lange Wege zu Klinik oder Praxis

Sichere Schwangerschaftsabbrüche sind für ungewollt Schwangere lebenswichtig. Doch immer weniger Ärztinnen und Ärzte in Deutschland führen Abtreibungen durch. Schon jetzt müssen ungewollt Schwangere lange Wege zur Klinik oder Praxis und längere Wartezeiten bis zu einer Abtreibung in Kauf nehmen – eine finanzielle, psychische und physische Belastung.“, schreibt CORRECTIV. 

CORRECTIV.Lokal startet Anonyme Umfrage im Netz   

CORRECTIV sucht daher zum Beginn seiner Recherche Menschen, die von ihrem Schwangerschaftsabbruch und den Hürden erzählen, die sie dabei erlebt haben. Dafür hat CORRECTIV.Lokal eine anonyme Umfrage entwickelt, die unter http://correctiv.org/dein-abbruch erreichbar ist. Die Befragung aller Krankenhäuser mit gynäkologischer Station ist ein weiterer Rechercheansatz, den CORRECTIV verfolgt. 

Die Befragung zu Erfahrungen mit Schwangerschaftsabbrüchen ist Teil einer Recherchekooperation zwischen CORRECTIV.Lokal und GSCHWÄTZ. GSCHWÄTZ wird über die Ergebnisse der Recherche berichten. 

 Text: Matthias Lauterer

 




„Uns kann so schnell nichts erschüttern“

Endlich – die Sommerferien stehen vor der Tür, ein turbulentes Schuljahr geht zu Ende. Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen können für rund sechs Wochen aus- und durchatmen. GSCHWÄTZ hat bei Hohenloher Schulleiter:innen nachgefragt, mit welchen Gefühlen sie in die unterrichtsfreie Zeit starten und welche Erwartungen sie für den Re-Start in ein paar Wochen haben.

„Das grenzt an Wahrsagerei“

Markus Autenrieth, Leiter der Gemeinschaftsschule in Kupferzell, geht „mit sehr gemischten Gefühlen“ in die Ferien. Doch er hofft, „dass sich die pandemische Lage durch mehr Impfbereitschaft etwas verbessert“. Zum Start ins neue Schuljahr nach den Ferien schreibt Authenrieth in seiner Antwortmail: „Hier eine verifizierbare Aussage zu machen grenzt an Wahrsagerei. Ich hoffe sehr, dass wir nach den Ferien in den regulären Präsenzunterricht zurückkehren können.“ Die Kupferzeller Schule sei aber „auf alle Szenarien vorbereitet“: „Wir haben immer einen Plan B und C in der Tasche. Im Moment gehen wir davon aus, mit Plan A zu starten, und haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir diesen auch durchführen dürfen.“

Gewünscht sind klare Aussagen

Der Schulleiter wünscht sich besonders „vonseiten der Politik klare Aussagen, die eine längerfristige Planung möglich machen. Fahren auf Sicht, mit Entscheidungen, die innerhalb eines Wochenendes vollzogen werden müssen, kann nicht länger durchgeführt werden.“ Das seitherige Verfahren führe bei allen Beteiligten – Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte – lediglich „zu sehr großem Unmut“. Stattdessen fordert er „zeitnah Verlässlichkeit“.

„Schulleitungen und Lehrkräfte sollten sich da heraushalten“

Hinsichtlich der zurzeit laufenden Diskussion über Corona-Impfungen und einem anonymen Schreiben, das die GSCHWÄTZ-Redaktion erreicht hat (https://www.gschwaetz.de/2021/07/20/sie-machen-sich-moeglicherweise-strafbar/), empfiehlt Authenrieth „allen Schulleitungen und Lehrkräften, sich aus dieser Diskussion herauszuhalten. Es liegt nicht in unserer Entscheidung, ob sich die Eltern für eine Impfung ihrer Kinder entscheiden.“ Lehrer:innen seien Pädagogen und keine Mediziner. „Hier müssen die medizinischen Vertreter – RKI, Impfkommission, Ärzteschaft – klarere Aussagen treffen, um die Unsicherheit bei den Eltern zu vermeiden. Eine Positionierung in dieser Sache darf nicht von den Schulen kommen.“

Start mit guten Gefühlen und Zuversicht

Ganz anders als der Kupferzeller Schulleiter startet Angelika Schmidt, Gesamtleiterin der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau, in die Sommerferien. Auf die GSCHWÄTZ-Anfrage nach ihren Gefühlen schreibt sie: „Mit einem sehr guten Gefühl. Die Sommerferien bieten den Kindern die Möglichkeit, sich wieder mit Freunden zu treffen, gemeinsam etwas zu unternehmen und hoffentlich ohne Corona und Leistungsstress Freundschaften und Freizeit zu genießen. Ich bin zuversichtlich, dass die Kinder genügend Bildung erhalten haben und hoffe, dass die Angstmache in Bezug auf Lernrückstände ein wenig in den Hintergrund rückt.“

„Kinder brauchen wieder das Gefühl der Planungssicherheit“

Ein Erziehungs- und Bildungsplan gebe schließlich nicht nur „Ziele in den Unterrichtsfächern vor, sondern geht in seinem Auftrag weit darüber hinaus“. Sie ist der Ansicht, dass Kinder „in erster Linie wieder das Gefühl der Planungssicherheit benötigen in solchen Bereichen, die für Kinder und Jugendliche eminent wichtig sind.“ Als da seien „Treffen mit Freunden, mit Großeltern, gemeinsames Feiern, positive Begegnungen, leistbare Herausforderungen und angemessene und nachvollziehbare Begrenzungen“. Doch vor allem müsse sich die „allgegenwärtige Existenz- und Todesangst in realistische und verlässliche Strategien umwandeln“.

Den Optimismus bewahren

Auch die Freie Schule Anne-Sophie fühlt sich auf das, was nach den Ferien kommt, gut vorbereitet: „Wir haben in den letzten Monaten doch alle gut gelernt, mit Herausforderungen umzugehen. Ob digital, gesundheitlich oder persönlich. Wir sind für alle bereits bekannte Szenarien hervorragend vorbereitet.“ Dennoch hofft die Leiterin auf Präsenzunterricht zu Beginn des Schuljahres. „Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnt die Schule schon eine Woche früher“, schreibt sie. „Wir nehmen uns Zeit und Raum, um uns gemeinsam auf den Unterrichtsstart nach den Sommerferien vorzubereiten.“ Doch eine Prognose könne sie nicht abgeben: „Die vergangenen Monate haben uns allen gezeigt, dass Unvorhersehbares alltäglich geworden ist. Dennoch bin ich sehr optimistisch, ich finde, das sollten wir uns bewahren.“

„Die Gesellschaft muss wieder lernen, Verbündete zu sein“

In ihrer Antwort appelliert Angelika Schmidt an die Gesellschaft, „wieder zu lernen, einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen, einzubinden und nicht auszugrenzen, Verbündete zu sein und nicht Gegner, dann werden wir auch das Kommende gut überstehen“. Hinsichtlich möglicher Kinder-Impfungen gegen Corona ist die dreifache Mutter überzeugt, dass „das jeder Elternteil für sich abwägen und eine eigene wohlüberlegte Entscheidung treffen wird.“ Etwas, was Eltern doch ständig tun müssten. Man sollte ihnen deshalb auch etwas zutrauen – auch dass Sie sich bei vertrauten Ärzten Rat holen. „Eltern zu sein, das ist wahrlich oft eine Herausforderung, aber sehr oft auch eine sehr große Freude.“

Hoffen auf Präsenzunterricht

Mit gemischte Gefühle wegen der steigenden Inzidenzzahlen geht Petra Schüler, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule in Forchtenberg in die Sommerferien. Sie hofft nach den Ferien auf einen Schulbetrieb wie er zurzeit abläuft: mit Präsenzunterricht und Testungen. „Das klappt gut und verschafft uns ein gutes Gefühl im Miteinander.“

Anwesenheit auch in den Ferien

Auch die Grundschule hat für alle Szenarien einen Plan: „Wir haben ja schon alle Szenarien erlebt, deshalb kann uns nichts so schnell erschüttern.“ Die Rektorin will auch in den Ferien in der Schule anwesend sein, um entsprechende Elternabfragen und Elterninformationen rechtzeitig starten zu können – das sei bei Ganztagsschulen mit einem immensen Aufwand verbunden. Doch „zum Glück erfahren wir große Unterstützung vom Schulträger“. Auch die Einschulungsfeier für die ABC-Schützen, die im September in ihr erstes Schuljahr starten, könne „erst konkret geplant werden, wenn wir die Inzidenzzahlen im September vorliegen haben“.

Text: Sonja Bossert




„An Corona kann ich null Positives abgewinnen“

Corona ist ein schwieriges Thema, wie ich sehr schnell bemerkt habe – es spaltet Leute und lässt viel Meinungsfreiraum. Aber ich habe mich gefragt, ob Corona nicht auch etwas Positives abzugewinnen ist – zum Beispiel mehr Ruhe im Leben – und habe mich deshalb unter den Passanten in der Künzelsauer Innenstadt umgehört. Es ist warm an diesem Morgen, viele Menschen sind in der Hauptstraße unterwegs, bummeln und genießen die Sonne nach dem verregneten Mai. Auf meine Frage nach dem, was sie aus der Corona-Krise mitnehmen für ihr Leben, gibt es meist zuerst Gelächter und dann ein Abwinken. Es zeigt sich schnell, dass das Negative überwiegt und es für die Menschen kaum etwas Positives gibt. Außerdem: Offene Antworten waren nur zu bekommen, wenn die Namen der Befragten nicht veröffentlicht werden. Deshalb bleiben diese anonym.

„Es spaltet nur die Bevölkerung“

„Die ganzen Sachen rund um Corona nerven mich“, sagt eine 72-Jährige. Sie findet es „ätzend“, dass die Bevölkerung nicht richtig aufgeklärt und durch die vielen Medien Panik verbreitet wurde. „Diese Panik habe ich gar nicht an mich herangelassen, das hätte mich sonst heruntergezogen. Angst frisst die Energie.“ Erschwerend kam für die Künzelsauerin auch noch hinzu, dass es keine konstanten Vorschriften seitens der Regierung gegeben habe. Auch das Maskentragen war für sie ein negativer Punkt in der ganzen Corona-Zeit. „Maskentragen ist schädlich für den Körper, man atmet sein eigenes Gift wieder und wieder ein.“ Dem Impfen kann sie auch nichts Positives abgewinnen. „Es spaltet nur die Bevölkerung und das noch mehr, als dass diese schon ist, denn die Geimpften bekommen Narrenfreiheit und das finde ich nicht gut.“

„Da macht das doch alles keinen Spaß“

Geimpft sind dagegen schon die beiden Ingelfinger, welche es sich auf einer Bank gemütlich gemacht haben. Für die Rentner ist besonders das nicht spontan sein können ein negativer Punkt in Corona-Zeiten. „Viele Aktivitäten für uns sind nicht möglich und wenn dann doch etwas geöffnet ist, wie zum Beispiel das Schwimmbad, dann muss man sich anmelden, eine Maske tragen, bis man im Becken ist, und dann hat man noch eine Zeitbeschränkung. Da macht das doch alles keinen Spaß“, meint der 72-Jährige. Am meisten leiden aber gar nicht die Rentner unter dem Ganzen, sondern die Kinder. Da sind sie beide einer Meinung. „Die Gestraften sind die Kinder, da hat man Verständnis, wenn es von Jugendlichen zu Aufruhr diesbezüglich kommt.“

„Corona ist dafür da, die Alten aus dem Weg zu räumen“

Eine 79-Jährige sieht die Alten als die Gestraften: „Corona ist dafür da, die Alten aus dem Weg zu räumen.“ Sie würden zu viel kosten und mit der Panik, die gemacht wurde, bekomme man die Leute immer. Die Alten würden viel Fernsehen schauen und Radio hören, deswegen hätten sie viel Berührung mit den Medien gehabt und die Panik wurde von den Medien groß gemacht. „Man hat immer nur die richtige Formulierung gebraucht, die man mit Corona gefunden hat, um die Alten aus dem Weg zu räumen, schließlich kosten die Geld. Jetzt ist es Corona, davor war es die Schweinepest und so weiter. An Corona kann ich null Positives abgewinnen, nicht einmal, dass es jetzt die Impfung gibt. Die will ich nicht, schließlich will ich ja noch ein paar Jahre leben.“

„So sozial bin ich nicht“

„Naja, etwas wirklich Positives gab es nicht während Corona. Aber das Eingeschränkte hat mich jetzt auch nicht gestört, denn so sozial bin ich nicht, dass mir die Regeln mit den Haushalten etwas ausgemacht haben oder dass die Lokale zu waren.“ Dadurch hat sich der 48-Jährige aus Kocherstetten nicht wirklich eingeschränkt gefühlt. Jedoch waren die Ausgangssperren an den Wochenenden nicht immer passend für ihn. Auch etwas ärgerlich waren die Regelungen, wenn es dann um die Familie ging, aber dennoch habe er keine sehr lange Liste an negativen Sachen in Corona. Er hat sich kaum mit den negativen befasst.

 „Man hat mehr Ruhe im Leben und kann diese auch genießen“

Mehr Positives konnte eine 68-Jährige aus Garnberg der ganzen Sache abgewinnen. „Man hat mehr Ruhe im Leben und kann diese auch genießen.“ Sie sieht auch die Schnelltests als positiv an. Sie seien zwar nervig, aber dennoch sinnvoll. Und auch die Impfung ist in ihren Augen etwas Positives, denn sie sei schon durchgeimpft, wie sie ganz stolz berichtet.

„Wir hoffen alle auf das Beste“

Anhand dieser Umfrage hat man bemerkt wie sehr Corona manche heruntergezogen hat und was die ganzen Einschränkungen mit den Leuten machen. Aber jetzt kann man so langsam wieder sagen: Es geht Berg auf. Und das ist doch positiv. Wir hoffen alle auf das Beste.

Text: Cora-Lee Pusker




„An meinem Kind gefällt mir alles“

Am 01. Juni jedes Jahr ist der Weltkindertag, an dem auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und speziell auf die Kinderrechte aufmerksam gemacht werden soll. Passend zu diesem Tag hat die GSCHWÄTZ-Redaktion in der Künzelsauer Innenstadt eine Umfrage gestartet und gefragt, was die Eltern, Großeltern oder auch Patenonkel am meisten an ihrem Kind mögen und was sie an ihrem Kind zum Lachen bringt.

„Ich bin froh, dass sie gesund und munter sind“

Das schöne Wetter hat viele nach draußen gelockt, auch viele Mütter mit ihren Kindern waren anzutreffen. Viele Eltern wurde von den Omas und Opas abgelöst, damit sie sich auf die Arbeit konzentrieren und die Großeltern Spaß mit ihren Enkeln haben oder sie einfach genießen können. So macht das eine stolze Oma von drei Kleinkindern. Die zwei Enkelinnen der Künzelsauerin toben bei dem schönen Wetter auf dem Spielplatz und rutschen um die Wette, während der kleine Bruder der beiden Mädels im Kinderwagen vor sich hin träumt. Die 66-Jährige genießt es, Zeit mit ihren Enkeln zu verbringen und ist einfach nur froh, dass diese gesund und munter sind. Besonders begeistert ist die stolze Oma aber von der Kreativität und Fantasie ihrer Schützlinge, welche sie immer wieder zum Schmunzeln bringt.

„Mir gefällt alles bei Oma und Opa“

Ein älteres Paar mit ihrem kleinen Enkel in ihrer Mitte spaziert die Hauptstraße entlang. Auch sie wollen die Mama entlasten. Die drei sind auf dem Weg in die Eisdiele, die Großeltern passen in der Corona-Zeit sehr oft auf ihren 3-Jährigen auf. Ganz stolz berichtet er: „Mir gefällt alles bei Oma und Opa.“ Für die ist es jedoch manchmal ein bisschen viel. Besonders wenn der Kleine gar nicht folgt.

„Man muss den Kleinen ja etwas bieten“

Auch auf dem Weg zur Eisdiele mit ihrem Enkel ist eine weitere Oma. „Er ist mein kleiner Lausbub“, sagt sie mit einem Grinsen auf dem Gesicht „Er ist lieb, natürlich nur, wenn er will, und er ist gewieft.“ Über die Ferien ist der Zweitklässler bei seiner Oma in Neufels. Ihm gefällt besonders, dass sie immer mit ihm etwas unternimmt. Wie zum Beispiel schwimmen gehen oder eben Eis essen. Dazu sagt die Oma gleich: „Man muss den Kleinen ja etwas bieten.“

„Seine Ehrlichkeit tut manchmal weh“

Eine Mutter treffen wir mit ihrem Kind beim Einkaufen. Dem kleinen Zweieinhalbjährigen gefällt hierbei besonders ein Ball, den er gleich mal ausprobiert, ob der sich überhaupt gut werfen lässt. Die Mama findet das nicht so lustig. Für die 40-Jährige aus Morsbach ist es schon manchmal anstrengend, wie sie sagt, aber dennoch auch immer süß, da sie sein zartes Wesen schätzt und wie er ihr immer Komplimente macht. Eine andere Mutter aus Künzelsau hingegen schätzt die Ehrlichkeit ihres Kindes, auch wenn sie manchmal weh tut. Aber so weiß die 38-jährige Mama immer, wenn ihm etwas nicht passt, denn er vertritt eine klare Meinung.

„An meinem Kind gefällt mir alles“

Eine weitere Mutter treffen wir beim Spazieren durch die Stadt an, mit ihrem Kind auf einem Dreirad. Die 31-Jährige aus Künzelsau überlegt nicht lange und sagt gleich: „An meinem Kind gefällt mir alles. Es ist ja schließlich auch mein Kind. Natürlich gibt es schwierige Tage, aber die habe ich auch.“

„Ich genieße es, mit ihm zu spielen“

Nicht ganz so schnell antwortet ein 37-jähriger Papa. Er überlegt zunächst eine Weile, bevor ihm dann doch noch etwas einfällt. Der Künzelsauer genießt es sehr, mit seinem Sohn zu spielen. Ob auf dem Spielplatz oder Zuhause Verstecken spielen, beide haben dabei ihren Spaß.

„Wir machen gerne mal Quatsch“

Auf dem Weg zum Spielplatz sind auch ein Patenonkel und sein siebenjähriges Patenkind. Der 52-Jährige passt eher selten auf sie auf, wie er erzählt. Aber sie sei sein Ein und Alles und er liebt ihre Unterhaltung, wenn er dann mal auf sie aufpasst: „Wir sind beide gleich vom Kopf her und machen gerne mal Quatsch.“

Text: Cora-Lee Pusker