Fräulein Smilla schläft in der Küche
Die Frau*, die Fräulein Smilla* (63, der Name ist der Redaktion bekannt) seit rund zwei Wochen bei sich zu Hause beherbergt, spricht GSCHWÄTZ-Redakteurin Dr. Sandra Hartmann an, als diese von Hohenlohern gespendete Kleidung an ukrainische Familien verteilt.
Sie kann doch jetzt nicht mit dem Bus nach Ellwangen fahren, um sich dort registrieren zu lassen
Ob sie ihr vielleicht helfen könne, Fräulein Smilla sei aus der Ukraine geflüchtet und bräuchte eine eigene Unterkunft. Derzeit wohne sie bei ihr, aber das sei eher ein Notlösung. Ob sie im ehemaligen Krankenhaus ein Zimmer haben könne, fragt sie.
Wir von der Redaktion GSCHWÄTZ möchten der Frau helfen, wissen aber im Zuge unserer ehrenamtlichen Kleidersammelaktionen und Verteilung unter den Flüchtlingsfamilien und in ständiger enger Absprache mit dem Landratsamt, dass derzeit lediglich größere Gruppen (aktueller Stand, kann sich aber laufend ändern) von Flüchtlingen, die über die Aufnahmelager in Ellwangen, Heidelberg und Karlsruhe hier her nach Künzelsau gebracht werden, auch im Krankenhaus wohnen dürfen. Das wurden den beiden Frauen wohl auch schon gesagt, denn die Deutsche lächelt uns sagt: Sie kann doch jetzt nicht mit einem Bus nach Ellwangen fahren, um sich dort registrieren zu lassen. Aber so wäre es vermutlich für deutsche Behörden akzeptabel. Registriert sei sie zudem schon beim Landratsamt und zeigt ein Dokument vor, der ihren Flüchtlingsstatus anerkennt.
Wer soll das bezahlen?
Wer nicht über die Aufnahmezentren kommt, sondern quasi privat in den Hohenlohekreis als ukrainischer Flüchtling einreist, muss sich laut einer Aussage einer Mitarbeiterin* der Stadtverwaltung Ingelfingen (der Name ist der Redaktion bekannt), bei der Stadt melden, wo er Unterschlupf gefunden hat. Sie habe zwar viele private Wohnangebote in Ingelfingen von Einwohner:innen vorliegen. Aber für Frau Smilla könne sie nichts tun, da die nicht in der Gemeinde Ingelfingen gastiert. Sie meinen, bei einer Bekannten in der Küche schläft, korrigiere ich sie. Wenn Frau Smilla in Ingelfingen Unterschlupf gefunden hätte, könnten Sie ihr dann ein Zimmer oder eine Wohnung anbieten?, hake ich nach. „Nein“, derzeit nicht. Warum nicht? Weil derzeit noch Wohnungen, die angeboten wurden, renoviert werden müssen. Es steht also derzeit noch kein einziges Zimmer zur Verfügung, und das, obwohl Bürgermeister Michael Bauer in der vergangenen Gemeinderatssitzung noch davon geschwärmt habe, wie viele private Wohnungsangebote seine Einwohner:innen der Stadt bereits unterbreitet haben?, möchte ich weiter wissen. Nun sagt die Mitarbeiterin, ws vermutlich der wahre Grund für ihre Zurückhaltung ist: Die Kostenübernahme sei noch nicht geklärt. Sprich: Wer soll das bezahlen? Die Stadt, das Land oder der Landkreis? Solange wird auch nicht vermittelt?, frage ich sie. Soll ich das dann so der Frau, die in der Küche schläft, mitteilen? Schweigen am anderen Ende der Leitung. Der Krieg dauert bereits 5 Wochen und es ist noch nicht klar, wer welche Kosten übernimmt. Aha. Anscheinend baut das Landratsamt derzeit eine Online-Wohnungsbörse laut der Frau von der Stadtverwaltung in Ingelfingen auf. Wann die in Betrieb geht, war ihr aber nicht bekannt.
Familien haben Vorrang vor Einzelpersonen
Die Stadtverwaltung Künzelsau hat veröffentlicht, dass sie als Stadt die Miete für die Flüchtenden übernimmt und damit quasi als Mieter auftritt. Versuchen wir hier einmal unser Glück. Bei der zuständigen Sachbearbeiterin bekommen wir erklärt, dass die Listen zwar lang seien, die angeboten worden seien von Einwohner:innen Künzelsaus bezüglich der Zur-Verfügung-Stellung privaten Wohnraums, aber die Liste mit den Flüchtlingsfamilien anscheinend fast ebenso lang. Diese gelte es zunächst abzuarbeiten und da haben Familien mit Kindern Vorrang. Sie werde sich bei uns melden.
Solange schläft Fräulein Smilla weiterhin in der Küche bei der Frau, die sie dankenswerterweise aufgenommen hat, und wartet, bis die Kostenübernahme geklärt ist.
Text: Dr. Sandra Hartmann
*alle Namen der Beteiligten in diesem Text sind der Redaktion namentlich bekannt. Um die Personen zu schützen, haben wir sie jedoch anonymisiert.
















