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Osterhasen für die Kinder im Krankenhaus

Am Ostersamstag, den 16. April 2022, besuchten GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann mit der ehrenamtlich tätigen Übersetzerin Margarita die ukrainischen Flüchtlingskinder im Krankenhaus in Künzelsau, stellvertretend für die anderen aktiv tätigen Ehrenamtlichen, die bis Ostern fast jeden Tag im Krankenhaus und bei ukrainischen Familien, die im Künzelsauer Umland untergebracht sind, im Einsatz waren. Im Gepäck: bunt gefärbte Ostereier und Osterhasen.

Verstecken und suchen – in der Ukraine gibt es das nicht an Ostern

Die ukrainischen Frauen und Kinder, die derzeit im Krankenhaus Künzelsau untergebracht sind, sind vom Glauben her katholisch oder orthodox. Orthodoxe Gläubige feiern erst nächste Woche Ostern. Bunt gefärbte Eier und Osterhasen suchen – diesen Brauch haben sie nicht. Stattdessen wird in der Ukraine Osterbrot gebacken. Aber den traditionellen Ostergottesdienst gibt es dort ebenso.

So schnell wie möglich die Sprache lernen

Das österliche Treffen nutzten die Frauen, um diverse Fragen zu stellen. Eine Frau etwa ist neu in Künzelsau angekommen und braucht dringend Insulin. Unter anderem war ein großes Bedürfnis danach zu spüren, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen, einen Job zu finden – als Erntehelfer:in oder Reinigungskraft etwa. Auch nach Wohnungen suchen sie. Gerne möchten sie etwas mehr von der Umgebung, von Hohenlohe und den Nachbarkreisen, kennenlernen, am liebsten mit den Ehrenamtlichen zusammen.

Deutsch-Basiskurse von und mit Ehrenamtlichen

Die Ehrenamtlichen versprachen, sich um die Anliegen zu kümmern, mit dem Lrandratsamt zu sprechen und gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen wenn möglich Deutsch-Basiskurse im Krankenhaus anzubieten, bis die offiziellen Sprachkurse starten.

Wer ehrenamtlich mithelfen möchte (Sprache/Ausflüge/Jobvermittlung/Wohnungssuche/Sonstige Freizeitangebote), darf sich gerne an die Redaktion GSCHWÄTZ wenden: info@gschwaetz.de, WhatsApp: 0172/68 78 474.

Geld für die Erstversorgung

Die Osterhasen haben die Ehrenamtlichen bezahlt von einem Teil der Spende vom Keltereck in Künzelsau. Recht herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an die großzügigen Spender:innen. Dieses Geld ist zudem gedacht für akut benötigte Dinge, die schnell besorgt werden müssen, etwa wenn Flüchtlinge nach Künzelsau kommen, die nicht mal mehr brauchbare Unterwäsche haben, da sie wochenlang unter Tage ausgeharrt haben bis zu ihrer Flucht oder Medikamente aus der Apotheke, Windeln oder Tiernahrung. Die Flüchtlinge bekommen nach ihrer Registrierung vom Landratsamt 50 Euro Startgeld, etwa für Kleidung, Wasser und andere Lebensmittel.

 




Kreisschulen heißen Geflüchtete willkommen

Die Richard-von-Weizsäcker-Schule in Öhringen und die Karoline-Breitinger-Schule in Künzelsau werden Unterricht für Jugendliche aus der Ukraine anbieten. Die Vorbereitungen dafür laufen in Absprache mit dem Kultusministerium. Gestartet werden soll bereits nach den Osterferien. Bei der Herausforderung, Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse zu unterrichten, setzen die beiden Schulen in Trägerschaft des Hohenlohekreises auf ihre bisherigen Erfahrungen. Bereits in der Fluchtwelle 2015/2016 konnte dort zahlreichen Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrung eine schulische Ausbildung und der Spracherwerb ermöglicht werden.

Gespräche in den Osterferien

Ansgar Hagnauer, Schulleiter in Künzelsau, lädt Schülerinnen und Schüler, welche sich bereits bei der Karoline-Breitinger-Schule gemeldet haben, in den Osterferien zu Gesprächen ein, um das Unterrichtsangebot möglichst passgenau nach den Bedürfnissen der jungen Menschen zu gestalten. Auch in der Richard-von-Weizsäcker-Schule soll darauf Rücksicht genommen werden, dass einige der jungen Menschen zugleich den Onlineunterricht des Heimatlandes besuchen, welchen die Ukraine für die Geflüchteten anbietet, berichtet der dortige Schulleiter Uwe Stiefel. Nicht nur der Unterricht selbst und der Spracherwerb seien wichtig, sondern auch eine Tagesstruktur, die wieder ein bisschen Normalität in das Leben der vom Krieg betroffenen jungen Menschen bringt, betonen die Schulleitungen.

Task Card im Internet

Für alle Schulen im Hohenlohekreis hat das Kreismedienzentrum des Hohenlohekreises auf seiner Homepage eine sogenannte TaskCard erstellt. Das ist eine digitale Pinnwand, auf der vielfältige Angebote für die Schulen hinterlegt sind. Dazu gehören Materialien zum Erlernen der deutschen Sprache oder zum Umgang mit Fake News (falschen oder gefälschten Nachrichten) und dem aktuellen Krieg. Auch Links zu Angeboten wie der Schulpsychologischen Beratungsstelle sind dort hinterlegt.

Link zum Kreismedienzentrum: Kreismedienzentren Hohenlohekreis (kmz-hok.de)

In Künzelsau sind laut Angeben der Stadt etwa 25% der gemeldeten Ukraine-Flüchtlinge im Schulalter.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis




Stadt plant Flüchtlingsunterkunft für rund 150 Menschen auf ehemaligem Kerl-Areal

Hier die vollständige Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom 13. April 2022:




Stadt Künzelsau sucht weiterhin Wohnraum für Flüchtlinge

Das Integrationsteam der Stadtverwaltung Künzelsau betreut gerade über hundert Geflüchtete aus der Ukraine. Für einen Teil konnte bereits Wohnraum angemietet und zur Verfügung gestellt werden. „Aktuell suchen wir noch für rund 40 Personen Wohnraum (Stand 30.03.2022). Mit weiteren ist zu rechnen“, sagt Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau.

Nur wenige Wohnräume sind eingerichtet.

Nur wenige Wohnräume seien eingerichtet. „Die meisten müssen wir einrichten und komplett ausstatten. Dafür sind die Spendengelder bei der Stadtverwaltung eingegangen und vorgesehen und können leider nicht für andere Aktionen zur Verfügung gestellt werden“, erklärt Sturm.

Angebote von Wohnraum in Künzelsau und den Stadtteilen nimmt Julia Knobel, stellvertretende Hauptamtsleiterin entgegen. „Das dürfen ganze Gebäude, Wohnungen oder einzelne Zimmer sein.“ Kontakt: Julia Knobel, Telefon 07940 129-114, E-Mail info@kuenzelsau.de .

Stadt nimmt keine Sachspenden entgegen

Elke Sturm betont des Weiteren, dass die Stadt Künzelsau keine Kapazitäten hat, Sachspenden anzunehmen.  „Wir verweisen angesichts der großen Sachspendenbereitschaft auf die Nutzung von verschiedenen Marktportalen – online und print. Dort kann direkt zu Verschenkendes gepostet und von Interessierten angefragt werden.“ Unter anderem die Redaktion GSCHWÄTZ nimmt Sachspendenangebote entgegen und vermittelt die Sachspenden nach Bedarf direkt an Flüchtlingsfamilien. Telefon/WhatsApp: 0172/68 78 474. Mail: info@gschwaetz.de

Wer ehrenamtlich unterstützen möchte, kann sich online an melden in der Ehrenamtsbörse auf der städtischen Homepage: https://kuenzelsau.de/,Lde/kampagnen/ehrenamtsboerse




„Wir wissen noch, wie es ist, Hunger zu haben und zu frieren“

„Wir wissen noch, wie es ist, Hunger zu haben und zu frieren“, erinnert sich ein 85-Jähriger aus dem Hohenlohekreis an den 2. Weltkrieg zurück. Damals war er ein kleiner Junge, als Deutschland nicht nur Kriegspartei war, sondern kriegsführend.

Trauma in der Kriegsgeneration steigt wieder hoch

Ein Trauma steigt in diesen Wochen in vielen Köpfen derer hoch, die in einem ähnlichen Alter sind wie der 85-Jährige. Ein Kriegstrauma, das man nie vergisst. Wie es ist Hunger zu leiden, zu frieren, wie es ist, wochenlang im Bunker zu sitzen, wie es ist, wenn Bomben fallen, das wissen hierzulande nur noch die wenigsten. Zum Glück. Aber eben diese Wenigen haben deutlich mehr Angst vor dem Krieg in der Ukraine nun, weil sie wissen, was es heißt, im Krieg zu sein. Und Deutschland, Arm in Arm mit den anderen europäischen Staaten, ist auf dem besten Wege dorthin.

Deutschland im Krieg

Wer Waffen liefert, Panzer, Munition und Geld, nimmt nicht nur Anteil am Schicksal der leidenden ukrainischen Bevölkerung und hilft mit humanitärem Engagement, sondern ist aktiver Kriegsteilnehmer. Nur will das derzeit anscheinend noch keiner wahrnehmen.

„Wir sollten das Risiko, das wir eingehen, nicht unterschätzen“, sagte Adam Tooze gegenüber dem Spiegel unlängst in einem Interview. Der britische Wirtschaftshistoriker erklärt: „Mich erinnert das Vorgehen des Westens ein wenig an Anfang 1941. Damals haben die USA noch nicht am Weltkrieg teilgenommen, aber Großbritannien und anderen Gegnern der Achsenmächte kriegswichtiges Material geliefert. Hitler hat das nicht akzeptiert und den USA den Krieg erklärt.“

Hitler hat das nicht akzeptiert

So sehr die europäischen Staaten und die NATO immer wieder nach aussen beteuern, die Ukraine lediglich im Krieg zu unterstützen, aber selbst nicht aktiv teilzunehmen, desto lächerlicher wirkt es angesichts der rollenden Panzer auf Deutschlands Autobahnen. Ursula von der Leyens Zeichen nun, der Ukraine schnellstmögliche EU-Beitrittshandlungen zu gewähren, löscht vermutlich auch nicht den Flächenbrand, sondern gießt noch zusätzlich Öl ins Feuer. Wladimir Putin wird es als eine weitere Provokation auffassen. Bleibt zu hoffen, dass er nicht schon bald als Antwort anderen Staaten den Krieg erklärt – und wenn es „nur“ in Form eines Energiestopps wäre.

Es würde verdammt kalt werden. Sind wir dazu wirklich bereit?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Würth-Gruppe unterstützt die Menschen in der Ukraine

Das Unternehmen Würth hat bereits über zwei Millionen Euro für die leidende Zivilbevölkerung in der Ukraine gespendet. Jeweils mehr als eine halbe Million Euro gingen an die Organisationen Aktion Deutschland hilft und UNICEF. Unter anderem deshalb, weil beide Institutionen sich besonders für das Wohl von Kindern und Jugendlichen einsetzen, eine hohe Kompetenz für Katastrophenhilfe außerhalb Deutschlands haben und über ein internationales Netzwerk an Hilfsorganisationen verfügen. Außer den Geldspenden der Würth-Gruppe unterstützen weitere Konzerngesellschaften mit Sachspenden in Abstimmung mit den Hilfsorganisationen vor Ort.

Bundespräsident a.D. Horst Köhler, Schirmherr des Hilfsbündnisses Aktion Deutschland Hilft, dankt

Bundespräsident a.D. Horst Köhler, Schirmherr des Hilfsbündnisses Aktion Deutschland Hilft, sagt: „Die großzügigen finanziellen Spenden zeugen von Verantwortungsbereitschaft und Mitgefühl der Würth-Gruppe gegenüber den Menschen in der Ukraine“. Er dankt auch dem Betriebsrat und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens, die tatkräftig Sachspenden gesammelt und auf den Weg gebracht haben.

Die Solidarität des Konzerns ist groß

Neben dieser finanziellen Unterstützung ist weitere Unterstützung angelaufen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen, wo es möglich ist: Organisiert vom Betriebsrat der Adolf Würth GmbH & Co. KG sammelten sie Sachspenden, die in die betroffenen Gebiete gesendet wurden. Dazu zählen beispielsweise Winterkleidung, medizinische Hilfsgüter, Hygieneartikel und Spielzeug. Insgesamt haben die gespendeten Sachgüter drei Sattelschlepper (40 Tonner) sowie zwei 7,5-Tonnen-LKW gefüllt.

Zudem haben weitere Landesgesellschaften Spendenaktionen unter ihrer Belegschaft ins Leben gerufen. Andere wiederum verzichten auf Jubiläumsveranstaltungen oder stellten Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung.

„Zu jeder Zeit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine unterstützen“

„Unser primäres Ziel ist es, zu jeder Zeit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine in einer unübersichtlichen Lage zu unterstützen, sodass sie sich selbst und ihre Familien in Sicherheit bringen können“, sagt Thomas Wagner, Betriebsratsvorsitzender der Adolf Würth GmbH & Co. KG. „Über unsere Landesgesellschaft in Polen und Ungarn stellen wir sicher, dass die Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden.“ Dabei sei sich das Unternehmen bewusst, dass die Betroffenen dieses Krieges noch lange auf Hilfen angewiesen sein werden.

Pressemitteilung WÜRTH




Gute Nachricht für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren, werden durch das Land Baden-Württemberg und die Kommunen mit einer Unfall- und Haftpflichtversicherung rechtlich abgesichert. Der Versicherungsschutz bei der Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW) und über die Ehrenamts-Versicherung des Ecclesia-Versicherungsdienstes gilt für freiwillige Helferinnen und Helfer, die sich im Auftrag der Kommunen oder in rechtlich unselbstständigen Strukturen in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich und unentgeltlich einbringen. Der Versicherungsschutz gilt für Unfälle bei der Ausübung des Ehrenamts und auf den damit verbundenen Wegen. Er umfasst ebenso eine Haftpflichtversicherung für fahrlässig verursachte Schäden, die ehrenamtlich Engagierte während ihrer Tätigkeit verursachen. Auch für spontan und individuell helfende Ehrenamtliche gilt dieser Versicherungsschutz. Weitere Informationen im Vorfeld und zum Vorgehen im Schadensfall erhalten Ehrenamtliche direkt bei der UKBW oder beim Ecclesia-Versicherungsdienst.

„Wer sich ehrenamtlich engagiert, braucht auch die Gewissheit, im Notfall ausreichend versichert zu sein.“

„Die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich für geflüchtete Menschen einzusetzen, ist überwältigend und wurde durch die Neuankömmlinge aus der Ukraine nochmal erfreulich verstärkt“, sagt Dr. Mark Tobias Wittlinger, zuständig für die Integrationsarbeit des Hohenlohekreises. „Und wer sich ehrenamtlich engagiert, braucht auch die Gewissheit, im Notfall ausreichend versichert zu sein.“

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis




„Da können wir wenigstens ein bißchen mithelfen“

Eine goldene Sammelbox übergab Karin Schulz, die Wirtin der Künzelsauer Kneipe „Keltereck“ am 06. April 2020 an Christa Marks, stellvertretend für die ehrenamtlichen Ukraine-Helfer in Künzelsau. In der Box ist Geld, das die Gäste des Kelterecks gesammelt haben und das nun die Ehrenamtlichen für die Ukraine-Flüchtlinge verwenden sollen.

Tradition der Hilfe im Keltereck

„Wir haben auch schon für die Flutopfer gesammelt“, berichtet Karin Schulz. Mit „wir“ meint sie Ihre Gäste, „da können wir wenigstens ein bißchen mithelfen“.

Blickt nachdenklich nach vorn: Karin Schulz, Wirtin des Kelterecks in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Sie hat während der Pandemie ihre Wirtschaft mehrere Monate schließen müssen und hat selber Hilfen vom Staat erhalten. Sie weiß also, wie wichtig es in manchen Situationen ist, auf Hilfsangebote zugreifen zu können. Sie erzählt von einem Gast, den sie drei Tage nicht gesehen hatte. Nachdem er auch auf Klingeln nicht öffnete, sah sie keine andere Möglichkeit, als die Polizei zu alarmieren – und diese teilte ihr wenig später mit, dass der Stammgast im Krankenhaus liege. „Jeder kann in Not geraten“, sagt sie – und kommt damit zurück zu ihrer Spendenaktion: „Wir haben das einfach nur gemacht.“ Es klingt so selbstverständlich, wenn sie das sagt.

Dank der Ehrenamtlichen

Christa Marks engagiert sich unter anderem im Verein der Künzelsauer Seniorinnen und Senioren, wo sie stellvertretende Vorsitzende ist. Sie ist froh, dass sie jetzt eine Möglichkeit hat, Dinge, die dringend benötigt werden, auch einfach und unkompliziert einkaufen zu können. Sanitärartikel würden oft fehlen, meint sie. Sie bedankt sich dafür, dass die Gäste des Keltereck die ehrenamtlichen Helfer so unterstützen, denn sie hat das Gefühl, „vieles wird auf die Ehrenamtlichen abgeschoben“. Das Geld wird unmittelbar den Flüchtlingen zukommen, das weiß sie ganz sicher.

Text: Matthias Lauterer

 




Wo können wir hin?

Derzeit leben sie in Niedernhall. Die Eltern mit ihren vier Kindern sind vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet. Eines ihrer Kinder, ihre Tochter, ist schwer behindert. Niedernhall ist nur eine Übergangslösung. Zum einen sucht die Familie nach einer behindertengerechten, barrierefreien Unterkunft. Zum anderen habe sie für die Tochter auch die Therapiekatze mit im Gepäck. Sie brauchen also eine Unterkunft, in der eine Katze erlaubt wäre.

Wer der Familie helfen kann, darf sich gerne an die Redaktion GSCHWÄTZ wenden. Wir leiten den Kontakt weiter. Telefon: 07940/93 555 7. WhatsApp: 0172/68 78 474. Mail: info@gschwaetz.de


Eine Mutter mit zwei Kindern sowie die Eltern der Mutter suchen ebenfalls eine Wohnung im Hohenlohekreis. Die Familie hat einen Hund. Wer hier weiterhelfen kann, darf sich ebenso gerne an die Redaktion GSCHWÄTZ wenden.




„Zur Ruhe kommen ist beim Ankommen das Wichtigste“

Rund 700 Flüchtlinge aus der Ukraine hätten sich Stand Montag, 28. März 2022, bereits beim Landratsamt und den Gemeinden angemeldet, berichtete Landrat Dr. Matthias Neth in seiner einführenden Rede am 28. März 2022 im Kreistag. Mike Weise, der zuständige Dezernent im Landratsamt geht tiefer in die Details:

Geschätzte vier Millionen Menschen haben die Ukraine bereits verlassen

Die EU geht von 8 – 10 Millionen Menschen aus, die aus der Ukraine in die EU flüchten. Aktuell wird geschätzt, dass bereits 4 Millionen Menschen die Ukraine verlassen haben – nicht alle in die EU, auch beispielsweise das wirtschaftlich arme Moldawien ist ein Ziel der Menschen.

Flüchtlinge müssen sich bei Ausländerbehörden melden

Die Schätzungen, wieviele Flüchtlinge nach Deutschland kommen werden, weichen stark voneinander ab, eine Million dürfte sicherlich nicht unterschätzt sein. Diese werden nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. 13 Prozent der Flüchtlinge werden dem Land Baden-Württemberg zugewiesen, nach den bisher üblichen Verteilungsschlüsseln innerhalb des Landes, so rechnet es Mike Weise vor, rechnet man bei einer Million Flüchtlinge in Deutschland für den Hohenlohekreis mit etwa 1.300 Menschen.

Stand Freitag, 25. März 2022, waren 267.000 Flüchtlinge in Deutschland registriert. In den baden- württembergischen Erstaufnahmeeinrichtungen (EA) waren 3.300 Menschen registriert, täglich kommen rund 400 dazu. Weise rechnet mit einer ähnlich hohen Zahl von „Flächenflüchtlingen“ – Menschen, die nicht über die EA sondern direkt in Gemeinden registriert wurden – und einer Dunkelziffer.

700 Flüchtlinge im Hohenlohekreis angekommen

Für den Hohenlohekreis konnte Weise tagesaktuelle Zahlen vom Montag, 28. März 2022 melden: 700 Flüchtlinge seien den Ausländerbehörden des Landratsamts und der großen Kreisstadt Öhringen bekannt. Davon seien 292 Meldungen schon an das Regierungspräsidium weitergeleitet worden, 272 Menschen hätten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beantragt. Weise betont, dass es für die Flüchtlinge wichtig ist, sich bei den Ausländerbehörden zu melden – ohne Meldung könne es keine Leistungen und keine Wohnungsvermittlung geben.

Erste „zugewiesene Menschen“ angekommen

Am 23. März 2022 kamen erstmals Menschen an, die dem Hohenlohekreis aus der EA zugewiesen worden waren: 50 Menschen waren angekündigt, 37 sind in Künzelsau angekommen, davon waren 26 aus der Ukraine, 11 hatten eine andere Staatsangehörigkeit. 10 der angekommenen Ukrainer:innen seien gleich in andere Kreise weitergereist, 26 seien im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau untergebracht.

Auch drei Katzen mit angekommen

Auch drei Katzen sind jetzt im Krankenhaus untergekommen.

Die Menschen mit anderer Staatsangehörigkeit wurden auf andere Einrichtungen im Hohenlohekreis verteilt.

Rechtliche Lage der Angekommenen

Durch die Umsetzung der Massenzustrom-Richtlinie der EU sei die Arbeit der Behörden erleichtert worden, kann Weise berichten. Geflüchete ukrainische Staatsbürger:innen bekommen nach § 24 AufenthG eine befristete Aufenthaltserlaubnis zum vorübergehenden Schutz und können nach § 1 Abs 1 Nr. 1a AsylbLG Geldleistungen, Gesundheitsleistungen und eine Unterkunft beanspruchen.

Aufbau von Unterkunftsplätzen

571 Unterkünfte in Gemeinschaftsunterkünften kann der Hohenlohekreis momentan zur Verfügung stellen, davon sind in den bisherigen Unterkünften 240 von 279 Plätze belegt, mit Menschen aus vielen Staaten. Neu eingerichtet sind 112 Plätze im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus, von denen (Stand Montag, 28. März) 26 durch Ukrainer:innen belegt sind. Die Eberhard-Gienger-Halle, die als Notunterkunft für 180 Menschen ausgestattet ist, wurde noch nicht in Anspruch genommen.

Obwohl „nur“ 256 Menschen in den Unterkünften wohnen, ist die Schaffung neuer Kapazitäten in vollem Gang, rund 1.000 Plätze will man insgesamt anbieten können. Dazu sind auch private Anmietungen notwendig, denn die verfügbaren Hallen im Landkreis sind bereits belegt.  

Erstmal zur Ruhe kommen können

Torsten Rönisch. Foto: LRA Hohenlohekreis

Kreisbrandmeister Torsten Rönisch, der auch für den Bevölkerungsschutz verantwortlich ist, wird von Landrat Dr. Neth für den schnellen Aufbau der beiden Unterkünfte gelobt. Rönisch gibt dieses Lob gleich weiter, an die Feuerwehrleute, aber ganz besonders auch an THW und DRK, die sehr schnell die notwendigen Kräfte bereitgestellt hätten.
Rönisch berichtet von Fluchterfahrungen seiner Familie, Ruhe sei beim Ankommen in der Fremde das Wichtigste. Daher habe man bei der Ausstattung des Krankenhauses in Künzelsau vor allem daran gedacht, dass die Menschen zur Ruhe kommen könnten. Rückzugsräume wurden geschaffen, der Park dient der Ruhe und als Spielplatz für Kinder. In den Zimmern sei für WLAN und Satelliten-Fernseh-Empfang gesorgt worden, damit die Geflüchteten weiter den Kontakt in ihre Heimat halten können. Die Zimmer sind mit vier Betten pragmatisch ausgestattet, Herde, Waschmaschinen und Trockner gehören zur Gemeinschaftsausstattung.

Die Zimmer und Gemeinschaftsräume im ehemaligen Krankenhaus sind pragmatisch ausgestattet. Foto: LRA Hohenlohekreis

Privatsphäre ist wichtig

Das Krankenhaus mit seinen einzelnen Zimmern bietet eine angemessene Privatsphäre – in der Eberhard-Gienger-Halle ist die schon schwieriger zu realisieren. Abtrennungen und Sichtschutz sind aber auch dort installiert worden. Allerdings ist die Halle als reine Notunterkunft nicht so gut ausgestattet wie im Krankenhaus, es gibt beispielsweise keine individuellen Kochstellen, sondern eine Feldküche.

Ein Mindestmaß an Privatsphäre ist auch in der Eberhard-Gienger-Halle gewährleistet. Foto: LRA Hohenlohekreis

Helfer beim Aufbau der Notunterkunft in der Eberhard-Gienger-Halle. Foto: LRA Hohenlohekreis

Appell an Ehrenamtliche

Rönisch appelliert an die Bürger:innen, sich ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen: Nicht alles kann von den Rettungskräften gestemmt werden, da deren Einsatzfähigkeit für die üblichen Aufgaben erhalten werden muß.

Personalsituation im Landratsamt

Mike Weise spricht davon, dass man sich derzeit im Status der Chaos-Situation befinde, man müsse aber wieder in die Regel-Situation kommen. Trotz der bereits erfolgten Umsetzung von 8 Mitarbeiter:innen ins Ordungsamt, der Einstellung von zwei Mitarbeitern und der Inanspruchnahme von zwei Mitarbeitern eines Personaldienstleisters, sei die Personalsituation „angespannt, aber noch akzeptabel“, so Weise. Er rechnet damit, mindestens 11 Mitarbeiter:innen einstellen zu müssen. Die Personalsuche sei nicht einfach, denn diese Stellen können aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht unbefristet ausgeschrieben werden.

Text: Matthias Lauterer